Die Magier von Tarronn - Sina Blackwood - E-Book
Beschreibung

Seth hat seine Falle geschickt gestellt. Vor den Augen des völlig entsetzten Imset verschwinden Neri und Horus spurlos. Dem Tode nah, kommt der Drakonat eines Tages wieder nach Dafa zurück. Sobek gelingt es zwar, seinen Vater zu retten, doch er kann nicht verhindern, dass dieser sich von seinen Freunden abwendet. Die Gemeinschaft der Magier wird auf eine harte Probe gestellt, denn niemand weiß, ob Imset wieder zu sich selbst findet ...

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Seitenzahl:576

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Sammlungen



Inhaltsverzeichnis

Was bisher geschah

Der Caiphas-Splitter

Hilfe für Idun

Iduns Äpfel

Findet Schep-en-Hor!

Das Wunderelixier

Tamu

Großmutter Darina

Seths Rache

Die wahre Stärke des Horus-Clans

Sehnsüchte

Das Tribunal

Zusammenführungen auf Atlanisch

Was bisher geschah

Um einen Weg zur Vernichtung des Drakon Letan zu finden, wurde die atlanische Seherin Neri mit einigen Getreuen in die Zukunft gesandt.

Vor sehr langer Zeit hatten die Großen Verborgenen Letan auf die Erde verbannt. Seitdem war der Hass des riesigen Drachen ständig größer geworden.

Die Atlan saßen ebenfalls seit vielen Hundert Jahren auf der Erde fest, nachdem er hier ihre Raumschiffe zerstört hatte. Die Drakon Siri hatte sich ihm in den Weg gestellt und so einige Atlan retten können.

Von den Großen Verborgenen war er schließlich in einen Tiefschlaf versetzt worden, aus dem er langsam zu erwachen begann. Niemand wusste, wie lange ihn die magischen Fesseln noch ruhig halten konnten, die zudem bei jedem Vollmond erneuert werden mussten.

Der Zeitsprung brachte die kleine Gruppe in das Ägypten der 18. Dynastie. Sie glaubten, dass ihnen der wiedergeborene Atlan Rami, der bald als Ramses II. herrschen sollte, helfen könne.

Mithilfe des findigen Waisenjungen Hatik gelang es ihnen tatsächlich, Rami zu finden. Doch bald lief alles ganz anders, als geplant. Neri, die Ramses liebevoll Nefertari nannte, wurde die Lieblingsfrau des Pharao und lebte viele Jahre an seiner Seite.

Als sie begriff, für ihn nur eine von vielen zu sein, kehrten die Zeitreisenden nach Atla zurück. Sie hatten die Hüterin Kira verloren, aber einen neuen Freund gewonnen. Zu ihrer großen Freude war Hatik auf der Insel eingetroffen, der sich ihnen an Ramses’ Hof als Tarronn offenbart hatte. Solon nahm ihn bei sich auf, um über den Verlust von Rami hinwegzukommen. Immer wieder verblüffte der junge Mann die alten Magier mit ungeahnten Fähigkeiten.

Ein altes Erbstück aus Solons Familienbesitz half ihm, den Stand eines Drakonat zu erlangen, der höchsten Stufe, die ein Tarronn erreichen kann. Die Atlan begannen, wieder zu hoffen. Besonders, als sich Neri und Hatik als Paar zusammenfanden.

Eines Tages tobte auf Atla tagelang ein Unwetter mit elementarer Wucht. Seltsame Dinge geschahen. Der Drakonat wollte ihnen auf den Grund gehen und stand plötzlich seinem Vater Horus gegenüber.

Ein Wettlauf gegen die Natur und Zeit begann. Doch Horus’ Besuch auf Atla hatte ungeahnte Folgen. War sein Lebensschlüssel etwa defekt? Als Hatik dann auch noch in Kontakt mit der bösen Urmagie von Letan und dem Caiphas-Splitter kam, schien alles verloren zu sein.

Neris tiefe Liebe rettete den Drakonat schließlich.

Horus gelang es, bevor die Insel endgültig auseinanderflog, ein Evakuierungsraumschiff für die letzten Atlan aufzutreiben, das sie nach Tarronn bringen sollte.

Imset, den die Menschen und Atlan einst Hatik nannten, vernichtete im allerletzten Augenblick den schwarzen Drachen und wurde dabei selbst fast auf den Tod verletzt.

Durch die Magie des Drachenkristalls konnte er den Untergang von Atla überleben. Horus’ kleiner Gleiter brachte den Schwerverletzten zum Raumschiff, das bereits Kurs auf den Planeten Tarronn in der Caiphas-Galaxie genommen hatte. Dort gelang es Neri, ihren Gefährten zu heilen.

Noch vor dem notwendigen Zwischenstopp an der Raumstation Taris erwartete die Reisenden eine große Überraschung. Neris und Imsets Sohn Sobek kam zur Welt. Durch sein Blut, und das seiner Eltern, wurde auch Drakos, der Wächterdrache, wiedergeboren.

Am Ziel hieß das befreundete Volk der Tarronn, die Atlan gern und mit allen Ehren willkommen.

Mit äußerstem Erstaunen stellten die Tarronn fest, dass mit den Atlan endlich die Magie wiederkehrte, die sie seit Jahrtausenden verloren glaubten.

Die Neuankömmlinge nahmen den Kontinent Dafa in Besitz, wo ihnen Horus die Siedlung Neu-Atla errichten ließ, um ihnen den Start zu erleichtern. Die Atlan begannen mit Drakos’ Hilfe, sofort Felder anzulegen.

Der Wächter brachte sie auch zu einem Plateau, wo sich die magische Quelle von Tarronn befand, die missliebige Lebewesen stets von sich abwehrte. Die Atlan fanden ihr Wohlwollen. Nichts blieb mehr, wie es war, aber alles war nun möglich …

Drakos, als Wächter der Quelle sehr einsam, sehnte sich nach einer Gefährtin. Also flogen die Atlan, die Tarronn und Imset auf die Erde, um das Herz der Drakon Siri zu holen. Die Wiedergeburt der Drakon Siri war an das gleiche Ritual gebunden, welches Drakos ins Leben zurück verhalf. Ein paar Tropfen Blut eines Neugeborenen und seiner Eltern waren nötig, um die Verwandlung zu vollziehen.

Als alle Stränge rissen, und sich einfach kein Nachwuchs einstellen wollte, griff Safi zu einer List, die dem gutmütigen Riesen seinen größten Traum und Merit-Amuns Kinderwunsch erfüllen sollte. Safis Plan ging auf und der weibliche Wächterdrache kehrte ebenfalls ins Leben zurück.

Die Atlan hatten dem Schicksal wieder einmal ein Schnippchen geschlagen.

Sie beschlossen, der Quelle einen Schrein zu bauen, sie wieder zu einem Zentrum der Magie zu machen, das sie es einst gewesen war.

Aus dem alten Drachenland holten sie das Material herbei und errichten eine strahlend weiße Pyramide, an deren Innenwänden in atlanischen und Tarronn-Schriftzeichen die gesamte Geschichte ihres Volkes erzählt wurde.

Sobek und sein Freund Maris, die beide in den Kreis der Magier aufgenommen worden waren, wurden nach Taris zu Horus geschickt, um zu lernen.

Mit ihrer ungezwungenen, ehrlichen Ausstrahlung und ihren unglaublichen Fähigkeiten fanden sie schnell Freunde unter den Tarronn.

Dann nahm Horus die beiden jungen Männer mit zu einem Einsatz auf die Erde. Doch das, was wie ein netter Kurzurlaub begann, endete fast in einer Katastrophe.

Der abtrünnige Atlan Tobi tauchte auf, um Horus’ Raumschiff für Seth in seine Gewalt zu bringen. Er schleuderte Zaid, der Gefährtin Sobeks, ein Messer in den Rücken und verletzte sie fast tödlich.

In rasender Wut fand der Drakonat die Macht der Drachenflamme, mit der er Tobi zu Asche verbrannte. Maris, der Heiler, riss Zaid in allerletzter Sekunde dem Tod aus den Klauen.

Die Crew kehrte nach Taris zurück. Die beiden Atlan flogen mit ihren Gefährtinnen etwas später nach Dafa, wo Zaid mit offenen Armen von Neri und Imset empfangen wurde.

Der Energietransfer durch Sobek, um sie vollständig zu heilen, hatte in Zaid die alte Magie wiedererweckt. Auch ihr Schicksal schien nun völlig offen.

Große Ereignisse warfen ihre Schatten voraus.

Der Caiphas-Splitter

Drakos hatte ein komisches Gefühl. Nach ein paar Minuten fiel ihm auf, dass auch Imset und Sobek sichtlich angespannt wirkten. Schließlich hielt er es nicht mehr aus.

„Denkt ihr, was ich denke?“, fragte er, sich langsam zu den beiden umdrehend.

Die Drakonat nickten.

„Was ist denn passiert?“ Maris unterbrach seine Arbeit.

Der Wächter wiegte langsam den Kopf. „Bei Neri sind seltsame Energien zu spüren.“

„Sie ist sehr unruhig.“ ergänzte Imset. „Das kenne ich so nicht von ihr.“

„Zaid?“, fragte Maris kurz.

„Ja und nein.“ Sobek wirkte sorgenvoll. „Lasst uns für heute Schluss machen.“

Sie verabschiedeten sich von den Magiern und den beiden Wächtern, um auf schnellstem Wege die Baustelle der Pyramide zu verlassen. Ohne Worte teleportierten sie sich nach Hause. Augenblicke später standen die beiden Männer im Garten, erleichtert darüber, dass es den Frauen soweit gut ging.

Neri saß bereits seit zwei Stunden neben Zaid, die selbst im tiefsten Schlaf fest ihre Hand umklammerte, als wolle sie sie nie mehr loslassen.

„Sie scheint irgendein Unheil zu spüren, ohne dass sie sagen könnte, was es ist. Nur der Apfelbaum, von dem Horus gesprochen hat, könnte eine Rolle dabei spielen“, erklärte Neri leise, um Zaid nicht zu wecken.

„Sie ist magisch sehr sensibel geworden“, sprach Sobek. „Ich musste ihr so oft und so viel Energie übertragen, dass solche Nebenwirkungen nicht ganz ausbleiben können. Das Bad in der Quelle hat diese Kräfte fest in ihr verankert.“

Imset nickte. „Sie wird es lernen, damit umzugehen.“

„Es wäre besser gewesen, wir hätten ihr Blut übertragen können. So mussten wir uns auf die Magie verlassen“, erkläre Sobek bekümmert.

„Ihr habt getan, was ihr konntet. Du weißt doch, dass man dem Schicksal niemals ganz entfliehen kann“, tröstete ihn Neri.

Sobek wandte sich seinem Vater zu. „Ich glaube, du solltest mir schnellstens Nachhilfe geben, was die Asen betrifft. Ich habe gerade mal den Anflug einer Ahnung, was sie für ein Völkchen sind.“

Imset nickte. „Ich werde Kebechsenef bitten, uns heute Abend Gesellschaft zu leisten, damit uns auch nicht das geringste Detail entgeht, das mit Idun und dem Baum zu tun hat.“

„Also lade ich Jani und Maris mit ein, damit auch sie gleich informiert sind“, erklärte Sobek.

Neri nickte. Vorsichtig versuchte sie, sich aus Zaids Griff zu lösen. Zaid erwachte, wobei sie sich verunsichert umschaute. Es dauerte eine Weile, ehe sie begriff, dass sie im Garten eingeschlafen war.

„Wie geht es dir?“, fragten alle gleichzeitig.

„Danke, mir geht es gut.“ Sie lächelte Neri glücklich an, die ihr die ganze Zeit Gesellschaft geleistet hatte.

Sobek nahm seine große Liebe in die Arme. Gemeinsam folgten sie Neri und Imset ins Haus. Neri verschwand in der Küche. Bald erklang das Klappern von Tellern und Bechern.

Zaid steckte den Kopf durch die Tür. „Darf ich helfen?“

„Aber gern, wenn du möchtest.“ Neri war gerade dabei, Gemüse zu putzen.

Zaid, die seit Jahrhunderten nur Fertigkost aus dem Automaten kannte, hatte anfänglich einige Mühe, mit dem widerspenstigen Gemüse fertig zu werden. Neri nahm es nicht tragisch. Im Gegenteil – gemeinsam mit Zaid lachte sie über die vielen kleinen Missgeschicke.

Imset schaute kurz in die Küche. „Wenn man euch beide hört, dann gibt es heute Abend nur Kichererbsensalat.“

„Wenn du mich ganz allein auf die Küche losgelassen hättest, dann hättest du heute Abend eher richtig den Salat“, lachte Zaid. „Ich glaube, so dämlich hat sich schon lange niemand mehr auf Dafa angestellt.“

Neri winkte ab. „Setz mich vor deinen Scanner und du hast erstklassigen Datensalat. Für den Anfang war es doch nicht schlecht, was du gemacht hast. Merit musste auch alles erst lernen, als sie zu uns kam.“

„Nur hat Safi exzellente Küchenerfahrungen und ich nicht“, feixte Sobek. „Stell dir vor, wir beide müssten uns nahrungstechnisch ohne Vorwarnung ganz allein und ohne Technik durchschlagen …“

„Erschreckender Gedanke!“, rief Zaid. „Da übe ich lieber schnell weiter, bis ich es endlich begriffen habe.“

„Eins muss ich anerkennen“, sagte Neri, „du kennst wirklich jedes Gewächs.“

Zaid schaute sie nachdenklich an. „Das bringt mein Aufgabengebiet auf Taris wohl mit sich. Ich kann nur die Geschmacksrichtungen nicht aufeinander abstimmen.“

„Keine Bange, das kriegen wir garantiert auch noch hin“, tröstete Neri. „Und wozu gibt es Kochrezepte? Zum Nachlesen!“ Sie fasste ins Regal und holte ein Büchlein hervor, das schon ziemlich abgegriffen aussah.

Imset zog Sobek am Arm aus der Küche. „Da wollen wir mal nicht weiter stören. Wir statten indes den Schafen einen Besuch ab.“

Neri holte immer neue Schüsseln hinzu. Auf Zaids fragenden Blick stutzte sie. „Ach, das habe ich dir ja noch gar nicht gesagt – heute Abend kommt Kebechsenef vorbei, damit wir die Sache mit Idun besprechen können. Die beiden Tarronn hatten schon unzählige Male Kontakt mit den Asen. Maris und Jani sind natürlich auch dabei.“

„Ich bin euch allen ja so dankbar“, seufzte Zaid. „Imset und Kebechsenef könnten tatsächlich gute Ideen haben, schließlich sind sie schon ein paar Tausend Jahre älter als ich.“

Neri lächelte melancholisch. „Weißt du, mir fällt es richtig schwer, zu begreifen, dass auch wir Atlan wieder unsterblich sind. Fast dreitausend Jahre, wie Solon – das war schon unglaublich alt. Als dann Horus sagte, er hätte mehrere Tausend Jahre keinen Kontakt zu Imset gehabt, wollte ich ihm kaum glauben.“

Emsig richteten die beiden Frauen weiter bunte Teller an. Zaid war die Freude über die ungewohnte Arbeit anzusehen. Außerdem hatte sie es noch deutlich im Ohr, dass man einen Drakonat nur mit gutem Essen dauerhaft bei Laune halten kann. Das beflügelte sie zusätzlich.

Die orangefarbene Sonne war gerade untergegangen, als sich die drei Gäste einfanden.

„Aha, da hat was abgefärbt“, sagte Sobek, als er Jani begrüßte.

Erschreckt betrachtete Jani ihre Kleidung. „Wo denn?“, fragte sie schließlich, als sie keinen Fleck entdecken konnte.

Maris begann zu lachen. „Er meint die Tatsache, dass du im atlanischen Faltengewand unterwegs bist. Ziemlich ungewöhnlich für eine Tarronn.“

Jani kicherte. „Und was ist mit Kebechsenef? Der hat schließlich auch eins an.“

„Ich gehöre doch schon zum alten Inventar. Wenn es so weitergeht, brauche ich eine Anleitung, wie man eine Uniform richtig anlegt“, witzelte Imsets älterer Bruder. „Immerhin lebe ich seit mindestens sieben Jahren als Atlan.“

Er hatte bewusst als Atlan und nicht mit den Atlan gesagt. Er machte keinen Hehl daraus, dass er die Befehlsgewalt über den westlichen Teil des Universums freiwillig und mit Freuden abgegeben hatte, um dieses neue Leben führen zu können.

Das schloss natürlich nicht aus, dass er, genau wie Imset, als einer der ranghöchsten Tarronn jederzeit weisungsberechtigt blieb. „Außerdem ist das Gewand so bequem, dass ich keine Mühe hatte, mich daran zu gewöhnen“, setzte er lächelnd hinzu.

Zaid nickte. „Hmm, kann ich verstehen. Ich habe es auch vom ersten Augenblick an gemocht.“ Sie strich mit den Händen über das Kleid, welches ihr Neri am ersten Abend geschenkt hatte und das sie seitdem trug, als hätte sie nie etwas anderes getan.

Jani kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ihre beste Freundin Zaid, die sie seit Jahrhunderten kannte, hatte sich durch Sobek in den letzten Wochen in eine völlig andere Frau verwandelt, ohne dass das ihrer Freundschaft Abbruch getan hätte. Ungläubig äugte sie durch die Küchentür, als Zaid mit Neri die warmen Speisen zubereitete, ebenfalls, als hätte sie das schon immer getan.

„Langsam begreife ich, was der Atla-Virus wirklich ist“, seufzte sie. „Er lässt einen nicht mehr los, wenn man einmal infiziert ist. Er kommt schleichend oder schlägt sofort mit aller Macht zu, wie bei Zaid.“

„Gut beobachtet“, sagte Imset mit Kebechsenef zugleich, während Sobek dazu nickte.

Nach dem Hauptgang sprach Imset das Thema Asen an. Sofort leuchteten Kebechsenefs Augen auf.

„Ach, deshalb so dringend und im engsten Kreis“, seufzte er erleichtert. „Ich dachte schon, es gäbe anderweitige Schwierigkeiten.“

„Du meinst die Familie?“, fragte Imset.

Kebechsenef nickte. Zaid war sofort im Bilde, Horus und Imset hatten sie schließlich umfassend aufgeklärt.

„Also“, hob Imset an, zu erklären: „Idun gilt als eine Tochter des Zwergs Ivaldi, wobei ich persönlich dessen Vaterrolle anzweifle.“

Neugierige und ungläubige Blicke trafen Imset, der sich erst einmal nicht aus der Fassung bringen ließ.

„Sie ist die Hüterin über die goldenen Äpfel, die den Asen die Unsterblichkeit garantieren. Ohne Äpfel – keine Asen. Der Alterungsprozess geht dann recht schnell, wie sie schon einmal erfahren mussten. Der Riese Thiazi hatte damals einen Handel mit und um Loki gemacht, bei dem ihm Idun, mitsamt den Äpfeln, ausgeliefert worden war. Natürlich mit den bereits genannten Folgen.“

Kebechsenef schaute Imset nachdenklich an. „Deine Bemerkung über die Vaterrolle hat was. Idun wurde doch nach dem großen Treffen bei uns geboren, an dem die Helion, die man manchmal auch Olympier nennt, die Asen und die alten Atlan teilgenommen hatten.“

„Eben“, warf Imset trocken ein. „Damals hatten sich die Asen und die Helion gegenseitig so unter den Tisch getrunken, dass die Frauen zu meutern anfingen. Der Einzige, der noch halbwegs klar denken konnte, war Atlas. Und wenn ich eins und eins zusammenzähle, dann weiß ich, woher Idun die goldenen Äpfel hat.“

„Das ist es!“, rief Kebechsenef und sprang auf. „Du bist ja richtig genial! Nur die vier Hesperiden, die ja allesamt Töchter von Atlas sind, haben von ihm diese geheimnisvollen Äpfel bekommen. Dann taucht plötzlich ein fünfter Baum auf – ausgerechnet bei einem Mädchen, das den Hesperiden zum Verwechseln ähnlich sieht und das im passenden Zeitraum nach dem Treffen geboren wurde.“

„Das ist vielleicht auch die Erklärung, warum Thiazi so scharf auf Idun mitsamt den Äpfeln war“, sprach Imset. „Sein Vetter Atlas sollte auf gar keinen Fall Machtanteile auf Asgard bekommen und wenn, dann nur, wenn Idun seine Frau wird.“

„Klingt kompliziert, aber logisch“, überlegte Sobek.

„Du vermutest, dass Thiazi den Baum zum Welken bringt, um Atlas zu zwingen?“, fragte Maris.

Imset zog eine hilfslose Grimasse. „Wenn es so einfach wäre, dann bräuchten die Asen sicher keine Hilfe. Ich schätze, dort spielt sich etwas ab, was nicht aus ihrer Welt gekommen ist, deshalb können sie es vielleicht auch nicht beherrschen.“

Kebechsenef hatte den Zeigefinger an die Nasenspitze gelegt und dachte laut nach: „Wenn Atlas etwas wüsste, dann wäre er Idun sicher schon irgendwie zu Hilfe gekommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er sie hängen ließe. Andererseits …“

„… könnte Thiazi jeden Versuch im Keim erstickt haben“, vollendete Imset den Satz.

„Oder das Ganze ist ein großer Schwindel, den Loki inszeniert hat, um Unfrieden zu stiften“, flüsterte Zaid kaum hörbar und mehr zu sich selbst.

„Auch diese Möglichkeit müssen wir bedenken.“ Imset nickte ihr aufmunternd zu. „Das ist übrigens der Punkt, an dem ich euch“, er wandte sich Zaid und Jani zu, „bitten möchte, auf eure beiden Männer aufzupassen. Sie sind es nicht gewohnt auf menschliche Weise zu denken, die der Art der Asen am ähnlichsten ist. Entweder sie riechen den Verrat oder sie werden Lokis Intrigenspielen hoffnungslos aufsitzen.“

Sobek runzelte die Stirn. „Du kannst einem ja richtig Mut machen. Trotzdem danke ich dir für die Warnung. Besser wir wissen vorher, worauf wir achten müssen.“

Zaid sah Imset mit festem Blick an. „Egal wie, wenn ich es verhindern kann, dann kommt Loki nicht einmal in die Nähe von Sobek.“

„Klingt nach handfestem Ärger“, meinte Kebechsenef.

Zaid nickte düster. „Da ist eine uralte Rechnung offen, die er mir noch teuer bezahlen wird.“

Imset warf Jani und Sobek fragende Blicke zu, die sie mit unwissendem Schulterzucken beantworteten.

„Willst du darüber reden?“, fragte er.

Zaid schüttelte kurz den Kopf und die Freunde hüteten sich, sie zu bedrängen. Der Vorfall schien demnach keine direkte Verbindung mit dem Problem um Idun zu haben.

„Eine Bitte habe ich“, sprach Imset. „Haltet, wenn es irgendwie geht, geheim, dass Sobek ein Drakonat ist und wir zwei Drakon hier auf Tarronn haben. Das erfahren die Asen bei ihrem nächsten Besuch noch früh genug.“

„Versprochen“, antworteten beide Pärchen wie aus einem Mund.

„Wann war denn Loki das letzte Mal mit auf Taris?“, fragte Imset telepathisch bei Kebechsenef nach.

„Vor knapp dreitausend Jahren. Er fliegt seitdem immer gleich weiter, wenn die anderen hier feiern“, bekam er zur Antwort.

„Dann ist Zaids Zorn sicher nicht unbegründet und Loki weiß, warum er türmt. Jetzt bin ich wirklich neugierig geworden“, antwortete Imset nur für Kebechsenef.

„Ich versuche, herauszubekommen, ob es da einen größeren Vorfall gegeben hat, an den man sich erinnern müsste“, bot Kebechsenef an.

Imset antwortete nur mit den Augen. Kebechsenef ging ins Haus, um sich zu konzentrieren. Imset gab Neri Bescheid, ihn möglichst nicht zu stören. Eine halbe Stunde später war Kebechsenef wieder da, mit einem zufriedenen Zug um den Mund.

Bei passender Gelegenheit hakte er ein: „Mit Loki gab es doch vor langer Zeit auf Taris einmal ein Problem, welches Horus am Ende sogar diplomatisch lösen musste.“

Zaid wurde leichenblass, mühsam klammerte sie sich an der Tischkante fest. Sobek konnte sie gerade noch festhalten, bevor sie ohnmächtig zusammensank. Bestürzt sah er Kebechsenef an. „Was hat das zu bedeuten?“

„Mit einer so heftigen Reaktion habe ich nicht gerechnet“, sagte Kebechsenef überrascht.

Die anderen saßen zutiefst erschrocken und wie erstarrt am Tisch. Es dauerte ziemlich lange, bis Zaid wieder zu sich kam. Sobek nahm sie liebevoll in die Arme. Sie barg ihr Gesicht an seiner Brust und begann leise zu schluchzen.

Kebechsenef setzte sich zu den beiden und sprach flüsternd mit Zaid, die ein paar Mal den Kopf schüttelte. Schließlich folgte ein zaghaftes Nicken.

Kebechsenef wandte sich um. „Zaid hat mich soeben ermächtigt, euch die Geschichte zu erzählen. Ich möchte euch aber nur das Nötigste berichten:

Es war vor knapp dreitausend Jahren, als Zaid als Botanikerin zu unserem Team auf Taris stieß. Sie hatte im Grunde genommen gerade ihre Kindheit hinter sich gelassen und freute sich auf die Abenteuer, die ihre Arbeit mit sich bringen sollte.

Leiter der interstellaren botanischen Abteilung war damals Sopdu, ein fernes Mitglied des Hauses Horus, der sofort mehr als ein Auge auf Zaid warf, die seine Offerten gern erwiderte.

Allerdings nur mit kleinen Zärtlichkeiten, da sie damals noch viel, viel schüchterner als heute und zudem noch völlig unberührt war. Sopdu versprach, ihr Zeit zu lassen, bis sie bereit sei.

Ein paar Monate später dockte ein Raumschiff der Asen an, um die üblichen zehn Tage Rast zu halten und Spaß ohne Ende zu haben.

Loki hatte bei dem vergangenen Erdenaufenthalt kaum etwas anrichten können, da ihn Thor persönlich überwachte. Er beschloss also, seine überschüssige Energie auf Taris zu verwenden.

Warum auch immer, er hatte innerhalb weniger Stunden erkannt, wo er den meisten Schaden anrichten konnte. Er begann, Sopdu und Zaid nachzuspionieren. Sopdu hatte als ranghoher Tarronn die Aufgabe, den Damen der Asen die Station zu zeigen.

Er brachte also notgedrungen sehr viel Zeit mit ihnen zu. Loki nutzte die Gunst der Stunde und beschrieb Zaid mit bewegten und glaubhaften Worten, was er dabei für nette Schäferstündchen mit ihnen verbrächte. Nach ein paar Tagen fielen seine Worte auf fruchtbaren Boden, denn Sopdu hatte Nachtdienst und wurde regelrecht von den Asen belagert.

Loki gab vor, Zaid trösten zu wollen. Er begann, sie zu umwerben und gegen ihren heftigen Widerstand zu bedrängen. Irgendwie beschaffte er sich den Code für ihre persönlichen Räume.

Was dann geschah, können nur Zaid oder Loki sagen. Am Morgen fand Sopdu die weinende Zaid, die nun auch nicht mehr unberührt war. Er verstieß sie und schwor Loki Rache. Von dem fehlte, mitsamt einem Rettungsgleiter, jede Spur.

Horus hatte monatelang alle Hände voll zu tun, einen Krieg zu verhindern. Sopdu verließ in einem Wutanfall Taris und kehrte nie mehr zurück. Zaid wäre am liebsten auch von der Station geflohen, doch Horus wusste das zu verhindern, zumal sie die Einzige war, die den freien Posten übernehmen konnte.

Sie arrangierte sich mit ihrem Schicksal, indem sie sich mit ganzer Kraft in ihre Aufgabe stürzte. Gleichzeitig versuchte sie so unauffällig wie möglich zu sein, im unattraktiven Schlabberlook, mit viel zu weitem Laborkittel und lieblos zusammengebundenen Haaren.

„So habe ich sie auch nicht gleich wiedererkannt, als Sobek mir seine ausnehmend hübsche Gefährtin vorstellte“, beendete Kebechsenef seinen Bericht.

Sobek hielt Zaid noch immer fest im Arm, als er sie liebevoll anschaute. „Darauf kann ich nur mit den Worten reagieren, die du mir kürzlich selber gesagt hast: Wichtig ist, wer du heute bist. Ich liebe dich. Punkt.“

Er nahm ihr Gesicht in beide Hände und küsste sie zärtlich. „Und wenn es um die offene Rechnung geht, trete ich Loki gern persönlich kräftig in den A...“

Atlan und Tarronn applaudierten Sobek und seiner Zaid.

Neri schmiegte sich an Imset. „Ganz der Vater“, sagte sie lächelnd, bevor ihr Imset einen schier endlosen Kuss gab.

Sobek schaute in den sternenklaren Himmel und stieß einen trillernden Drachenschrei aus. Imset musterte ihn erstaunt.

„Die beiden Großen kreisen bestimmt schon eine halbe Ewigkeit um die Hütte und trauen sich nicht herunter“, erklärte Sobek lachend.

Und tatsächlich, im gleichen Augenblick erfasste alle eine leichte Windböe und schon landeten die Drakon.

„Alles in Ordnung?“, fragten die Wächter gleichzeitig, die Freunde unruhig betrachtend.

„Wieder. Vor euch bleibt ja doch niemals etwas verborgen.“ Imset kraulte Drakos und Siri zwischen den Hörnern.

Siri schob sich vorsichtig an Zaid heran, um den Kopf leicht an ihrer Schulter zu reiben.

„Du kannst es fühlen, wenn es mir nicht gut geht?“, fragte Zaid erstaunt.

Siri nickte. „Ich weiß auch nicht, warum. Nimm es einfach als gegeben hin.“

„Ich glaube, ich weiß, was schuld ist“, warf Sobek ein. „Die vielen Energietransfers, die ich Zaid gegeben habe, zusammen mit der Macht der Quelle. Mich beruhigt es jedenfalls sehr, dass du Zaids Energien fühlen kannst.“

„Wusstet ihr, dass die Midgardschlange ein Kind Lokis ist?“, fragte Drakos unvermittelt.

„Du hast gelauscht!“, stellte Imset erstaunt fest.

Drakos hob die Vorderklauen, als ergäbe er sich. „Manchmal heiligt der Zweck die Mittel. Ihr seid heute so plötzlich von der Pyramide verschwunden, dass ich einfach keine Ruhe hatte. Außerdem weißt du doch genau, dass ich alles fühlen kann, was in Neri, dir und erst recht in Sobek vorgeht.“

„Schon gut. Das sollte auch kein Vorwurf sein“, beschwichtigte Imset den riesigen Drachen. „Aber was wolltest du uns mit deiner Frage wirklich sagen?“

„Nuuuun“, Drakos dehnte das Wort ungewöhnlich, „von der einen miesen Schlange zur anderen, ist oft nur ein kurzer Weg.“

„Apophis?“, fragte Sobek kurz.

Drakos nickte. „Loki traue ich jede erdenkliche Gemeinheit zu. Seinetwegen hat es schon zu meiner Zeit oft genug Tote gegeben. Ihr solltet auch die Möglichkeit ins Auge fassen, dass er Apophis nach Asgard geholt hat, um seinen eigenen Sohn zu decken.“

„Oh Mann!“, stöhnte Maris. „Wie geruhsam war das Leben auf Atla oder hier, wo man von alledem nichts mitbekam. Dagegen waren unsere Probleme ja der reinste Kinderkram.“

Imset schaute ihn belustigt an. „Schon die Nase voll, vom großen Abenteuer?“

„Gegen Abenteuer habe ich ganz und gar nichts. Aber sich mit Verrätern herumschlagen zu müssen, ist so was von …! Ich weiß gar nicht, wie ich es ausdrücken soll“, entgegnete Maris.

„Das ist das Leben“, sagte Kebechsenef. „Jetzt weißt du zumindest, dass Neu-Atla ein kleines Paradies ist.“

„Und eins verspreche ich dir“, gab Maris zurück, „ich werde alles tun, damit es das auch bleibt.“

Spät in der Nacht gingen die Freunde auseinander. Die Drakon starteten einen Patrouilleflug, um anschließend in ihre Wohnhöhle zurückzukehren. Kaum gelandet, prüfte Siri besonders sorgsam das magische Siegel zum Versteck ihrer Drachenperle.

Drakos’ fragenden Blick kommentierte sie mit: „Wenn so viel über Verrat geredet wird, dann wird man ja richtig misstrauisch. Ich hoffe nur, dass die falsche Schlange niemals erfährt, welchen Schatz wir hier hüten.“

Sobek saß auf der Bettkante. Im blassen Schein der zwei Vollmonde sah er interessiert zu, wie Zaid aus ihrem Gewand schlüpfte, es sorgfältig über den kleinen Hocker neben dem Bett legte, um dann die Haarspangen ihrer kunstvollen Frisur zu lösen.

Selbst bei diesem Dämmerschein war auf ihrem Rücken deutlich die lange Narbe zu sehen, die Tobis Messer hinterlassen hatte. Außerdem stellte er mit Schrecken fest, dass es ihm auf Asgard nicht leicht fallen werde, Loki nicht doch beim ersten Kontakt ohne Vorwarnung den Hals umzudrehen.

Zaid wandte sich um. Sie stand so nah, dass Sobek sie am Handgelenk fassen und zu sich heran ziehen konnte. Ihr leichter Widerstand irritierte ihn. Vielleicht hatte der heutige Abend doch mehr Spuren hinterlassen, als er angenommen hatte.

Er ließ sie los. „Ich liebe dich“, flüsterte er zärtlich.

Zaid legte ihm die Hände auf die Schultern. Sobek ließ sich langsam auf den Rücken sinken. Sie folgte seiner Bewegung, ohne zu zögern. Sein Herz schlug, als wolle es zerspringen. Zaid zuckte erschreckt zusammen, als sie seine Brust berührte.

„Ich habe solche Angst, dich zu verlieren“, sagte er so leise, dass sie ihn kaum verstand.

Sie schmiegte sich an ihn. Er nahm sie glücklich in die Arme und schloss die Augen, um ihr jeden Wunsch zu erfüllen, den er aus ihren Gedanken las.

Neri und Imset lagen noch lange wach und unterhielten sich über den vergangenen Abend.

„Ich stelle immer wieder fest, dass mir eine ganze Menge entgangen ist, als mein Replikator nach einem geeigneten Körper suchte“, sagte Imset. Dabei streichelte er zärtlich Neris Rücken, die in seinen Arm gekuschelt neben ihm lag.

„Sechstausend Jahre sind ja auch nicht gerade wenig“, erwiderte sie. „Zumindest haben wir heute eine plausible Erklärung dafür erhalten, weshalb Zaid so wenig von einer Tarronn an sich hat.“

„Kein Wunder, wenn das erste Erlebnis gleich ein derart schreckliches war.“ Nachdenklich schaute Imset aus dem Fenster, vor dem sich ein schier endloser Sternenhimmel ausbreitete. „Horus hat sich stets sofort um Sorgen und Nöte seiner Untergebenen gekümmert, egal, um wen es sich handelte.

Es muss ihn hart getroffen haben, dass etwas derart Furchtbares auf Taris geschah und vor allem, dass der streng geheime Code für Privaträume nicht mehr sicher war. Vielleicht hat sie ihn auch, so sehr jung, wie sie damals noch war, daran erinnert, wie gern er selbst eine Tochter gehabt hätte.

Er hat zweimal Schicksal gespielt und sie hat es ihm mit ganzem Herzen gedankt. Beim ersten Mal hielt er sie per Befehl auf Taris zurück. Beim zweiten Mal kommandierte er sie in die Vergnügungszone ab, die an diesem Abend für keinen Mann außer Sobek, Maris, Hapi und Duamutef zugänglich war. Und nun macht er überhaupt keinen Hehl daraus, wie sehr er die Verbindung zwischen ihr und Sobek befürwortet.“

„Da ist er nicht der Einzige“, entgegnete Neri. „Ich mag sie jedenfalls auch.“

Imset zog Neri fester an sich. „Ich freue mich für sie, dass sie etwas Besseres bekommen hat, als sie verlor. Rein vom gesellschaftlichen Standpunkt aus ist es jetzt die oberste Stufe, auch wenn sie es noch lange nicht begriffen hat.“

„Kannst du es voll erfassen, dass du und Sobek mehr Macht haben, als Osiris?“, fragte Neri. „Und, dass es über euch nur noch die Weltenschöpfer gibt?“

Imset schüttelte den Kopf. „Ich glaube, wir haben genug philosophiert“, stellte er gähnend fest. „In zwei Stunden beginnt schon wieder das Training.“

„Und bis dahin willst du gut ausgeschlafen sein?“, fragte Neri mit leichtem Bedauern in der Stimme.

Er lachte. „Nicht, wenn du es schaffst, mich richtig munter zu halten.“

„Was sicher zu beweisen wäre“, gab sie zurück und zog ihm mit einem kurzen Ruck die Decke weg.

Imset, Sobek, Maris und Kebechsenef kamen hoffnungslos zu spät zum Training. Mara, Safi, Aron, Talos und Solon hielten schon ungeduldig Ausschau.

Als die Nachzügler endlich eintrafen, fragte Solon: „Eine gute Nacht gehabt?“

Alle vier nickten.

„Gut geschlafen?“, wollte Aron wissen.

Alle vier schüttelten die Köpfe.

„Hä?? Wie jetzt?“, fragte Talos, schaute von einem zum anderen und sah vier harmlos grinsende Gesichter.

Safi brach augenblicklich in wieherndes Gelächter aus. „Dann muss die Nacht ja besonders gut gewesen sein. Irgendwie häufen sich diese Zustände. Tarronn muss wohl doch ein fruchtbares Klima haben.“

Langsam dämmerte es auch den anderen, warum sich Safi vor Lachen kaum halten konnte.

„Muss an den Genen liegen“, meinte Aron.

„Wieso? Maris ist doch reiner Atlan“, sagte Solon.

„Jani ist Tarronn“, gab Aron zurück.

„Ach ja. Fast vergessen.“ Solon musste ebenfalls lachen.

Mara lehnte an einem Felsen, ordnete ihre lange rote Mähne und genoss mit geschlossenen Augen die Morgensonne. Am liebsten wäre sie heute auch im Bett geblieben – ein morgendlicher Zustand, der schon mehrere Tage anhielt.

Nichts schmeckte ihr, alles roch auf seltsame Weise anders und irgendwie war sie unleidlich zu sich selbst. Eine halbe Stunde nach dem Aufstehen legten sich die Probleme immer wieder und Mara maß dem keine Bedeutung weiter bei. Ziemlich wahrscheinlich hatte sie sich mit irgendeinem Obst den Magen verdorben.

Maris und Kebechsenef schwärmten gerade um die Wette, welche Köstlichkeiten Neri und Zaid am vergangenen Abend aufgetafelt hatten, als ihr Magen wieder zu rebellieren begann. Mit zwei schnellen Sätzen war sie um die nächste Ecke verschwunden, um sich mehr als heftig zu übergeben.

Die Beine waren wie Pudding und vor ihren Augen verschwamm alles. Mara setzte sich auf einen Stein. Dort fand sie Augenblicke später Aron, der sich Sorgen gemacht hatte, als sie viel zu lange nicht zurückkam.

„Jetzt wirst du sofort mit Maris über deine Probleme sprechen und dann bringe ich dich nach Hause“, sprach Aron.

Mara versuchte zu protestieren. Aron schnitt ihr mit einer Handbewegung das Wort ab. „Keine Widerrede, das geht doch nun schon seit Tagen so oder dachtest du ich hätte es nicht gemerkt?“

Maris war sofort zur Stelle. Er setzte sich neben Mara, nahm ihre Hände, schloss die Augen und konzentrierte sich auf den Fluss ihrer Energien.

„Ist doch halb so schlimm, ich koche mir zu Hause einen Kamillentee, dann werden Magenprobleme schon wieder weggehen“, versuchte Mara zu erklären.

Maris schaute ihr tief in die Augen. „Kann schon sein, dass Kamillentee hilft, du müsstest ihn nur ein paar Monate trinken.“

Verunsichert sah ihn Mara an. „Wieso das denn? Ist es wirklich so schlimm?“

„Eher nicht“, entgegnete Maris mit einem hintergründigen Lächeln. „Dein Magenproblem hat, falls ich mich nicht völlig irre, zwar zwei Beine, um zu gehen, nur kann das noch etwa eineinhalb Jahre dauern, bis es fest darauf stehen kann.“

Mara sprang auf, wie von einer Stahlfeder getrieben – dafür musste sich Aron schnell setzen, ihm wurde ganz schwindelig vor Freude. Dann stieß er einen Jubelschrei aus, den man sicher bis Neu-Atla hören konnte.

Neugierig kamen die Magier herbei und hörten gerade noch, wie Maris zu Mara sagte: „Als dein persönlicher Leibarzt, verbiete ich dir ab sofort auf unbestimmte Zeit das Kampftraining.“

„Geht in Ordnung, Doc“, lachte Mara und fiel Maris glücklich um den Hals. „Und danke, danke, danke.“

„Ich war’s doch gar nicht!“, rief Maris in gekünsteltem Erschrecken. „Dem überglücklichen Erzeuger musst du danken.“ Er zwinkerte Aron zu, der noch immer auf seinem Stein hockte und das Ganze kaum fassen konnte.

„Sieht ganz so aus, als ob es etwas zu feiern gäbe?“, fragte Solon vorsichtig.

„Zumindest der Freudenschrei und die strahlende Mara deuten darauf hin“, ergänzte Talos. „Auch wenn Aron etwas blass um die Nase aussieht.“

„Ich sage doch immer, Tarronn hat ein fruchtbares Klima“, meldete sich Safi.

„Stimmt.“ Aron hatte seine Stimme wieder gefunden. „Sogar ganz allein und ohne Tricks gemacht.“ Er klopfte Safi auf die Schulter.

Die Freunde lachten und Safi grinste wegen der Anspielung auf die Quelle unschuldig.

Ohne Worte ließen sie für heute das Training ausfallen und wanderten gemeinsam durch die Wiesen und Felder nach Hause. Mara und Safi hatten sie in die Mitte genommen. Zwei große Schatten huschten vorbei und vor ihnen auf dem Weg landeten die Drakon.

„Heute kein Training?“, fragte Drakos ungläubig.

„Fällt aus, wir haben heute Babypause“, erklärte Imset locker.

„Was für eine Pause??“, fragte Drakos nach, weil er glaubte, sich verhört zu haben.

„Babypause.“ Solon deutete einen dicken Bauch an.

„Aha“, sagte der Wächter und es klang ziemlich ratlos.

„Ihr seid gemein“, seufzte Aron. „Der arme Drakos kommt sich doch total veralbert vor.“

Drakos nickte.

Dann erklärte Aron den staunenden Drakon, Mara fest an sich ziehend: „Auch wenn es verrückt klingt, Imset hat trotzdem recht. Wir bekommen tatsächlich ein Baby, deshalb kämpfen wir auch erst morgen wieder und vor allem ab sofort ohne sie.“ Er deutete auf seine Gefährtin.

„Jedenfalls war dein Jubelruf nicht zu überhören.“ Siris grüne Augen leuchteten Aron fröhlich an.

„Ehrlich?“

„Hmm“, nickte Siri. „Bis zum Wasserfall hat es geschallt.“

Aron lachte. „Dann war es ja der Freude angemessen. Von mir aus hätte ganz Tarronn Ohrensausen kriegen können.“

„Ist das schön“, murmelte Siri. „Wieder ein kleiner Atlan mehr.“

„Wird ja auch Zeit“, witzelte Safi gleich wieder. „Schließlich sind die beiden unser dienstältestes Pärchen.“

Mara drohte ihm mit dem Finger und Safi versteckte sich vorsichtshalber lachend hinter Imset.

Als sie sich der Siedlung näherten, kamen ihnen Neri und Zaid neugierig entgegen. „Schon fertig?“

„Gar nicht erst angefangen“, gab Sobek schulterzuckend zurück.

„Heute gibt es statt wilder Raufereien nur Schwangerengymnastik“, erklärte Sobek.

Neri zog die Augenbrauen zusammen. „Ich verstehe zwar ganz und gar nicht, worum es geht, aber ihr werdet schon wissen, was ihr macht.“ Sie schaute Zaid an und beide hoben die Schultern.

Imset nahm Neri in den Arm, drückte ihr einen Kuss auf die Wange. „Wir wollen eigentlich nur sagen, dass in ein paar Monaten deine Hilfe als Hebamme wieder einmal gefragt sein wird.“

Neri lachte. „Jetzt habe ich es endlich begriffen! Herzlichen Glückwunsch an die werdenden Eltern.“ Sie fasste Mara und Aron bei den Händen.

Dann wandte sie sich zu Maris, Sobek und Talos um. „Ihr habt ihr doch hoffentlich das Training verboten?“

„Aber sofort – deshalb sind wir für heute auch auf dem Heimweg. Bei der guten Nachricht wären doch größere Verletzungen beim Rest der Truppe vorprogrammiert, weil sich keiner wirklich konzentrieren könnte“, schmunzelte Maris.

„Wissen es die Drakon schon?“, fragte Neri.

Sobek schmunzelte. „Na sicher. Erstens kann man ihnen sowieso nichts verheimlichen und zweitens haben sie Arons Freudenheuler sogar bis zum Wasserfall gehört.“

Neri begann zu lachen. „Zaid hat ihn auch gehört und ich wollte es ihr nicht glauben. Ich wollte ihr einreden, ein Schaf hätte so komisch geblökt.“

„Weißt du, dass das auch nicht so abwegig ist?“ Kebechsenef schaute an Neri vorbei auf die Koppel und streckte langsam den Zeigefinger aus. Alle wandten sich um. Etwas abseits von der Herde stand eines der Tiere und leckte ein neugeborenes Lämmchen sauber.

„Wenn das kein guter Tag ist – dann weiß ich auch nicht, was gut ist!“, rief Talos. „Horus hat wirklich den richtigen Griff getan.“

„Hoffentlich sind nicht so viele Böckchen unter den Kleinen, wenn irgendwann alle Schafe geworfen haben“, sagte Safi zu Imset.

„Warum?“, fragte Zaid erstaunt.

„Es kann nur ein Bock bei der Herde bleiben, die anderen müssen weg. Bei den Menschen werden die überzähligen Tiere meist geschlachtet und gegessen. Wir essen bekanntlich keine Säugetiere, also müssen wir sie möglichst an andere Interessenten abgeben“, erklärte Imset. „Das heißt, wir sollten tatsächlich langsam Handelsbeziehungen aufbauen.“

„Dann halten wir mal Augen und Ohren offen, wenn wir mit Horus unterwegs sind“, versprach Maris.

„Was machen eigentlich die Hühner?“, fragte Neri Solon.

„Denen geht es gut. Sie laufen inzwischen frei im Garten herum und mit ein bisschen Getreide kann man sie bestens nach Hause in den Stall locken. Eier haben sie noch nicht gelegt, aber Jani meint, dass das noch wird.

Die Aufregung war einfach zu groß. Der Glucke und den Küken geht es blendend. Mal sehen, ob wir noch einen oder zwei Hähne dabei haben. Nur die Schweinerei, die sie überall hinterlassen, ist gewöhnungsbedürftig.“ Solon zog einen hilflosen Flunsch.

„Ist das niedlich!“, rief Zaid auf einmal. „Das Kleine läuft schon mit der Mutter mit.“

Und tatsächlich, auf wackeligen Beinchen stolperte das Lämmchen hinterher, um schnell an die Milchquelle zu gelangen. Endlich hatte es gefunden, was es suchte. Mara kuschelte sich in Arons Arm und schaute den beiden Tieren zu.

„Wenn alle Lämmer geboren sind, fangen wir mit der Schur der Tiere an“, sagte Imset zu Safi. „Wir sollten Arko fragen, ob er uns zwei, drei Scheren, nach unseren Vorgaben macht.“

„Am besten gleich heute Abend“, schlug Safi vor. „Oder gibt es heute etwa keine Feier?“

„Aber natürlich gibt es die!“, riefen Aron und Mara gleichzeitig. „Es könnte nur etwas eng werden, in unserem Garten.“

Neri deutete mit dem Arm eine große Runde an. „Kein Problem. Kommt zu uns, hier ist Platz genug.“

Mara freute sich riesig. „Das ist lieb von euch. Ich werde eine Stunde vor Sonnenuntergang kommen, und alles vorbereiten.“

„Darf ich helfen?“, fragte Zaid zaghaft.

„Aber liebend gern“, entgegnete Mara. „Die Männer haben vorhin so von eurem Essen von gestern Abend geschwärmt, dass ich für jede Idee dankbar bin.“

Maris wandte sich an Sobek. „Bleiben wir heute den ganzen Tag auf der Baustelle? Oder hast du anderes geplant?“

Sobek schaute seinen Freund nachdenklich an. „Ich schlage vor, wir bleiben bis Mittag und bitten die Drakon, uns und unsere beiden Frauen danach zum Wasserfall zu fliegen. Ich weiß zwar, dass das ihr Refugium ist, aber vielleicht machen sie eine kleine Ausnahme.“

„Gut, dann spreche ich mit Jani, damit sie sich nichts anderes vornimmt“, antwortete Maris zufrieden.

Kaum war das Frühstück vorbei und Maris zur Pyramide unterwegs, eilte Jani zur Schafweide, um das Lämmchen anzuschauen. Dort war schon halb Neu-Atla versammelt, um den neuen Mitbewohner zu begrüßen. Kaum wurden die Atlan ihrer ansichtig, als sie auch schon einen Platz mit guter Aussicht frei machten. Jani dankte ihnen sehr.

Eine ältere Atlan lächelte sie an. „Ganz im Gegenteil, wir haben zu danken, dass ihr uns hier aufgenommen und so viel neue Hoffnung gegeben habt.“

Zaid stand bei den Frauen der Magier. Sie winkte zu Jani herüber. „Ist es nicht wunderschön?“

Verblüfft darüber, wie selbstverständlich Zaid diese Technik nutzte, hörte Jani gleichzeitig ihre Stimme in Gedanken. Sie nickte. „Warte, ich komme zu dir, von dort aus hat man bessere Sicht“, hörte sie Zaid noch sagen.

Und auch Zaid hörte Satzfetzen von dem, was die Atlan untereinander telepathisch sprachen: „Das ist die Gefährtin von Sobek … Tobi wollte sie umbringen … nur gut, dass Maris ein Heiler ist … Sobek hat ihn mit der Drachenflamme verbrannt … sie sind hübsch … ob sie wohl mit ihnen auf Dafa bleiben …“

„Kommst du mit zum Wasserfall?“, fragte Zaid neugierig, kaum dass sie Jani erreicht hatte.

„Aber sicher, so es die Drakon erlauben. Diesen verwunschenen Ort lasse ich mir ungern entgehen“, erwiderte Jani und reichte Zaid beide Hände. Dann wandten sich beide wieder den Tieren zu.

„Ich bin richtig stolz auf unsere Schafe“, sagte Jani.

„Horus hat eine wirklich gute Wahl getroffen.“ Zaid beschatte die Augen mit einer Hand, um gegen die Sonne gut sehen zu können. „Aber Maris hat das auch drauf“, setzte sie mit einem Lächeln hinzu.“

„Wie meinst du das?“, fragte Jani.

„Hat er es dir nicht erzählt? Mara ahnte nicht einmal, dass sie schwanger ist. Das hat er festgestellt, als er ihren Energiefluss wegen der Magenprobleme untersuchen wollte, weil es ihr vor dem Training so furchtbar übel war“, erklärte Zaid.

Jani schüttelte den Kopf. „Du weißt doch, dass er über das, was er kann, nicht viel redet.“

„Stimmt auch wieder.“

Die beiden Freundinnen waren bis zum Ufer des breiten Baches gegangen, setzten sich ins Gras und ließen die Füße ins Wasser hängen. Jani hatte mit einem kurzen Blick festgestellt, dass Zaid komplett atlanisch gekleidet war, sie trug sogar die obligatorischen Sandalen, die jetzt neben ihr lagen.

Eine ganze Weile blieben sie dort, lauschten dem Murmeln des Baches, beobachteten die vielen bunten Insekten, die von Blüte zu Blüte eilten. Hin und wieder blökte eines der Schafe. Zu Janis Verwunderung schaute Zaid ab und zu nach dem Stand der Sonne.

Schließlich stand sie auf und schlüpfte in ihre Sandalen. „Kommst du mit zurück? Die Drakon holen gleich das Mittagessen.“

Jani schaute sie verständnislos an.

Zaid lachte. „Ich bin heute dran, das Essen für die Männer einzupacken und ich möchte nicht unpünktlich sein.“

Jani nickte und folgte ihr zu Neri. „Woher weißt du, wie spät es ist. Wo hast du eigentlich deine Uhr gelassen?“, fragte sie unterwegs.

„Da oben“, antwortete Zaid lachend und zeigte auf die Sonne. „Sobek und Imset haben es mir beigebracht und für die grobe Schätzung plus minus eine viertel Stunde reicht die Sonne völlig aus.“

Jani lief kopfschüttelnd neben ihr her und überlegte, wie Zaid plötzlich so einfach ohne jede Technik auskommen konnte.

Neri kam gerade aus dem Haus. „Ah, da bist du ja schon. Es ist schon alles da, du kannst gleich einpacken.“

Sie führte die beiden Frauen in den Garten, wo die große Wanne und der Korb bereitstanden. Zaid begann, ohne zu zögern, die Schüsseln mit den Salaten und die Kannen mit den Fruchtsäften so in die große Wanne zu stellen, dass sie auf dem Flug leicht im Gleichgewicht zu halten blieb. Mit einem großen Tuch deckte sie das Ganze ab.

Dann legte sie verschiedene Obstsorten in den Korb. Zwei Ananas spickte sie mit verschiedenen Kräutern, wie es ihr Luna erklärt hatte, und packte die beiden Früchte ganz oben auf. Auch den Korb deckte sie anschließend zu.

„Woher weißt du, wie du das alles machen musst?“, fragte Jani neugierig.

„Ich habe gestern zugesehen und den Rest kann ich mir denken. Ist eigentlich alles ganz einfach“, erwiderte Zaid und hielt nach den Drakon Ausschau.

Die beiden Großen, wie die Atlan sie liebevoll nannten, ließen auch nicht lange auf sich warten. Nachdem sie Neri und Jani begrüßt hatten, fragte Siri: „Wollt ihr nicht lieber gleich mitkommen, wenn ihr schon mal beide da seid?“

„Warum nicht?“, sagte Zaid. „Hauptsache, die Männer haben nichts dagegen, wenn wir sie beim Essen stören.“

Drakos lachte. „Sie sind nur nicht ganz gesellschaftsfähig gekleidet. Aber das dürfte wohl das einzige Problem sein. Steigt auf.“

„Haltet euch gut fest“, riet Siri und startete mit Zaid und dem Korb zuerst. Drakos folgte kurz darauf mit Jani und der vollen Wanne.

Unterwegs fragte Zaid: „Haben die Männer schon wegen des Besuches beim Wasserfall mit euch gesprochen?“

„Aber natürlich, sonst hätten wir nicht gefragt, ob ihr gleich mitkommen wollt“, antwortete Siri. „Warum sollten wir es euch verbieten, diesen Ort aufzusuchen? Ihr nehmt ihn uns doch nicht weg.“

Zaid streichelte Siri dankbar. Inzwischen hatten die Drakon den Gebirgskamm überflogen und kreisten über dem Drachenland. Mit rauschenden Schwingen landeten sie auf engstem Raum. Sofort waren Sobek und Maris zur Stelle, um den beiden Frauen beim Absteigen zu helfen. Die Freude über den unverhofften Besuch war ihnen deutlich anzusehen.

„Tut euch unseretwegen keinen Zwang an“, sagte Zaid schnell. „Wir sind eigentlich gar nicht hier.“ Dann reichte sie den beiden Drakon die gespickten Früchte.

„Ahhh! Lecker!! Du hast mit Luna gesprochen“, stellte Drakos mit genüsslichem Schmatzen fest.

„Ja sicher, ich muss doch wissen, was jedem am besten schmeckt“, entgegnete Zaid lachend. Dann nahm sie unter den neugierigen Blicken der Magier den Deckel von einer kleinen Schüssel.

„Ich fasse es nicht! Eier!!“ Solon bekam große Augen.

„Heute haben sich die Hühner das erste Mal und noch dazu wirklich Mühe gegeben. Für jeden ist eines nach der Lieblingszubereitung dabei“, erklärte Zaid. „Nur für Safi hatte ich etwas Mühe, das Richtige zu treffen.“

Safi schaute sie erstaunt an. „Wieso denn das? Merit weiß doch, wie ich meine Eier am liebsten habe.“

„Eben.“ Zaid verkniff sich das Lachen. „Gekrault – aber das sollte ich lieber bleiben lassen, hat sie gesagt.“

Jani klappte der Unterkiefer herunter und die Männer brachen in schallendes Gelächter aus. Selbst die Drakon begannen zu kichern.

Zaid setzte sich mit Unschuldsmiene neben Sobek, während Imset Safi auf die Schulter tippte. „Ich glaube, deine Gefährtin kennt dich und deine Sprüche ziemlich gut.“

„Erst, seit wir sie nach Atla geholt haben. Vorher hätte ich mich das ihr gegenüber nie getraut. Und jetzt muss ich mich zügeln, wenn Tanit in der Nähe ist“, gab Safi augenzwinkernd zurück.

Nach der Mittagspause verabschiedeten sich die beiden Pärchen von ihren Freunden, um sich von den Drakon zum Wasserfall fliegen zu lassen. Im Tiefflug glitten die beiden Riesen über die Baumwipfel, folgten dem Silberband des kleinen Flusses bis zur Kante, über die die Wassermassen hinabstürzten.

Hier hielten sie kurz an, um den vier Freunden einen Blick in die Tiefe zu gönnen. Das Wasser in dem fast kreisrunden Becken aus dunklem Gestein schimmerte blaugrün. Über dem Gischt des Wasserfalles stand ein funkelnder Regenbogen. Siri und Drakos setzten ihre Freunde ab. Dann spülten sie sich unter dem Vorhang aus fallendem Wasser den Staub vom Schuppenpanzer.

„Wenn ihr uns braucht, dann ruft einfach. Wir kehren jetzt wieder zu den Männern zurück, um die letzten vier Steinblöcke zur Pyramide zu bringen.“ Majestätisch erhoben sich die beiden Drachen in die Lüfte, um davon zu fliegen.

„Ich glaube, wir sollten auch erst einmal den Staub loswerden“, stellte Sobek mit einem Blick auf seine Arme fest. Maris nickte zustimmend. Beide legten ihre Schurze ab, sprangen kopfüber ins kühle Nass, um zum Wasserfall zu schwimmen.

„Hast du Badesachen dabei?“, fragte Jani und sah Zaid neugierig an.

„Nein. Das dürfte in der Einöde auch kaum vonnöten sein.“ Sie zeigte auf die beiden Schurze am Ufer, legte ihr Gewand ab und ließ sich langsam ins Wasser gleiten. Jani zögerte etwas.

Dann sagte sie leise. „Eigentlich hat sie recht. Wer sollte außer den Drakon hier schon hinkommen. Und wenn …“ Sie zuckte mit den Schultern, und war Augenblicke später ebenfalls im Wasser.

Zaid hatte die natürlichen Stufen unterhalb des Wasserfalles erreicht und kletterte vorsichtig über den feuchten Fels. Aus dem Gischt streckte sich ihr eine helfende Hand entgegen, die sie dankbar erfasste. Als sie die Wand aus Wasser durchquert hatte, stand sie Maris gegenüber, der sie erstaunt ansah.

Er hatte nicht erwartet, dass sie ihm nackt begegnen werde. Wortlos ließ er sie vorbei, nicht ohne doch ein Auge mehr zu riskieren, dann hielt er nach Jani Ausschau. Auch Sobek hatte nicht mit ihrem Erscheinen gerechnet, umso größer war die Freude.

„Es ist kühl hier“, stellte Zaid fröstelnd fest.

Sobek nahm sie in den Arm, um sie zu wärmen. „Schnell ans Ufer und in die Sonne.“

Gemeinsam kletterten sie die Stufen zum Wasser hinab. Langsam durchquerten sie schwimmend den kleinen See. Der dunkle Fels am Ufer strahlte eine angenehme Wärme aus. Sobek half Zaid aus dem Wasser, das in unzähligen Tropfen von ihrer Haut perlte. Die Verdunstungskälte brachte ihr noch mehr Kälteschauer.

Er setzte sich an einen Felsblock und zog sie auf seinen Schoß. Die Berührung seiner warmen Haut tat ihr gut. Sie schloss die Augen, um seine Zärtlichkeiten zu genießen, völlig vergessend, dass sie nicht ganz allein waren.

Maris und Jani hatten den Wasserfall ebenfalls verlassen. „Ich glaube, wir sollten vorerst woanders an Land gehen“, schlug er vor, als er einen kurzen Blick zum anderen Ufer geworfen hatte. „Es sei denn, du bestehst darauf, all die reizvollen Sachen, die dir Natur gegeben hat, gleich wieder vor mir zu verstecken.“

Jani lachte übermütig. „Ich bestehe eher auf das Gegenteil. Das da“, sie deutete zu Zaid und Sobek, „ist nämlich ansteckend.“

Maris zog sie an sich, küsste sie zärtlich, dann beeilte er sich, sie ans Ufer zu tragen, offensichtlich stimmte die Diagnose.

Später, als sich alle vier am Ufer gegenüber dem Wasserfall wieder einfanden, sagte Jani. „Dafa ist wirklich ein Paradies. Ich kannte bisher nur die Städte auf Kantar, schnurgerade Straßen und Wege, Glas, Metall, Kunststoffe, Technik jeder Art und kein Grashalm wuchs außer der Reihe. Dabei hat Tarronn ja nur drei Kontinente und trotzdem weiß heute bestimmt keiner mehr etwas über Dafa.“

„Urwald, wie hier, gibt sonst auch nirgends mehr“, ergänzte Zaid.

„Kein Wunder, dass sogar die Horus-Söhne erstaunt darüber waren, dass die Honig-Springer gar nicht ausgestorben sind. Wer weiß, wie viele Arten hier unentdeckt im Verborgenen weiterleben.“

Sobek nickte. „Aber dabei soll es auch bleiben. Die Drakon wissen schon, warum sie die Geheimnisse der Wälder besonders hüten.“

„Und sie kennen auch beinahe gegen jedes Gebrechen ein Pflänzchen“, schmunzelte Maris.

Jani zuckte bei diesen Worten zusammen. „Da fällt mir gerade etwas ein!“, rief sie aufgeregt. „Bei euch wachsen doch die Melonen ins Gigantische und Safi amüsiert sich über das fruchtbare Klima – da gibt es einen Zusammenhang! Melonen haben aphrodisierende Inhaltsstoffe!“

Zaid und die beiden Männer sahen sie erstaunt an.

„Wenn sich mit der Größe auch die Konzentration der Wirkstoffe geändert hat, dann sind Safis Beobachtungen also durchaus richtig“, sinnierte Zaid.

„Klingt nicht uninteressant“, meinte Maris. „Safi ist schon immer ein scharfer Beobachter gewesen. Er kleidet seine Feststellungen nur immer in so flapsige Sprüche, dass man zweimal überlegen muss, ob er es wirklich ernst meint.“

„Ich habe Lara sowieso versprochen, eine Analyse wegen der Kürbisse und Melonen zu machen. Da werde ich das Angenehme gleich mit dem Nützlichen verbinden, zumal ich jetzt weiß, wonach ich zusätzlich suchen muss“, schmunzelte Zaid.

„Wer weiß, vielleicht findest du sogar das Mittel gegen die auferlegte Unfruchtbarkeit?“, überlegte Jani und sah Zaid nachdenklich an.

„Das wäre der Hammer! Horus nähme dich dafür glatt in den Stand einer Göttin auf.“ Maris war eine Unterhaltung eingefallen, die noch nicht einmal so lange zurücklag. „In den alten Büchern steht kein Hinweis, die Drakon wissen keinen Rat …“

„… und wir Drakonat wissen auch nicht weiter, sonst hätten wir es schon probiert“, beendete Sobek Maris’ Satz.

Zaid winkte ab. „Es bringt sicher auch nichts, eine Lösung auf Krampf zu finden. Machen wir lieber erst einmal das, was Horus von uns erwartet – eine Lösung für Iduns Problem suchen.“

Jani nickte. „Hast ja recht. Aber man wird doch wohl noch träumen dürfen?“

„Das ist in dieser Sache momentan das Einzige, was übrig bleibt“, murmelte Zaid traurig.

Die orange Sonne war in den letzten drei Stunden über das kleine Tal hinweggewandert. Lange Schatten brachten Dämmerlicht und Kühle, die die beiden Frauen nach ihren Gewändern greifen ließ.

„Wollt ihr noch bleiben oder soll ich die Drakon rufen?“, fragte Sobek.

„Fliegen wir heim“, sagte Jani. „Hier bricht die Dunkelheit bestimmt mit einem Mal herein.“

Die beiden Drachen ließen nicht lange auf sich warten. Im Halbdunkel des Waldes boten sie ein grandioses Schauspiel, als sie fast lautlos über dem See schwebten. Im Restlicht funkelten die Augen der beiden Wächter wie kleine Laternen.

Zaid bekam eine Gänsehaut, die diesmal nicht von der Kälte herrührte. „Ich bin immer wieder beeindruckt von diesen sanften Riesen“, flüsterte sie Sobek zu, der ihr half, auf Siris Rücken zu klettern.

Auf dem Rückweg wählten die Drakon eine andere Route. Sie flogen parallel zum Gebirgszug, bis sie an eine fast senkrechte Steilwand kamen, in der ein riesiges Loch gähnte.

„Das ist unser Zuhause“, rief Drakos im Vorbeiflug.

„Schwer zu erreichen, aber urgemütlich“, lachte Siri.

Dann glitten sie in weitem Bogen auf das Meer zu, um die Siedlung von der anderen Seite anzufliegen. Drakos schwenkte ab, damit er Jani und Maris absetzen konnte. Siri steuerte auf das letzte Häuschen zu.

„Du bist doch nicht etwa den ganzen Nachmittag in deinem Arbeitsschurz herumgelaufen?“, fragte Neri, obwohl sie hätte wissen müssen, dass Sobek kein anderes Kleidungsstück dabei hatte.

„Aber nicht doch“, antwortete Sobek mit dem breitesten Grinsen, das er ziehen konnte.

Imset brach in dröhnendes Lachen aus, Zaid versuchte erfolglos, ein amüsiertes Kichern zu unterdrücken. Sobek verschwand in seinem Zimmer, um sich ein Gewand zu holen.

„Ihr wart schließlich nicht allein“, sagte Neri missbilligend, als er zurückkam.

Imset nahm sie in den Arm. „Ich glaube nicht, dass auch nur einer von den vieren irgendwas zu sehen bekommen hat, was er nicht schon von woanders her kannte“, schmunzelte er. „Und dann vergisst du immer wieder, dass die beiden Frauen Tarronn sind.“

„Das scheint in diesem Fall wirklich von Vorteil gewesen zu sein“, nickte Zaid. „Für uns war das heute auch ein Novum, an das wir uns erst gewöhnen mussten.“

Zaid war froh, als Mara und Aron um die Ecke kamen, und sie nicht mehr im Mittelpunkt der Unterhaltung stand. Die beiden hatten einen großen Korb mit Köstlichkeiten dabei. Aron gesellte sich zu den Männern und Zaid half Mara, den großen Tisch zu decken, während Neri in der Küche die Getränke bereitstellte.

Safi hatte bereits am späten Nachmittag die ehemalige Palmwein-Amphora, voller Honigwein zu ihnen gebracht. Langsam trudelten die Magier mit ihren Gefährtinnen ein und auch Arko folgte der Einladung.

Er überreichte Aron zur Feier des Tages einen großen Krug Takin-Sekt. Aron sah ihn fragend an.

„Als Anerkennung für die Meisterleistung. Es scheint nicht gerade einfach zu sein, einen neuen kleinen Atlan zu basteln“, sagte er im ernsten Tonfall, aber in seinen Augen blitzte der Schalk.

„Na, das ist wie beim Handwerk“, gab Aron genau so ernst zurück, „nur Übung macht den Meister.“

„Hört, hört!!!“, rief es von allen Seiten. „Jetzt plaudert er gleich aus dem Nähkästchen.“

„Warum? Habt ihr etwa eine Wissenslücke?“, fragte Aron lachend.

Talos wandte sich telepathisch an Solon. „Seit es Tobi nicht mehr gibt, ist Aron richtig aufgelebt.“

„Deshalb freut es mich auch besonders, dass gerade er Vater wird“, gab Solon ebenso zurück.

Sobek und Kebechsenef hatten sich zu Drakos gesetzt.

„Sag mal, kannst du uns etwas über den Drachen sagen, der die Äpfel der Hesperiden bewacht?“, fragte Kebechsenef ohne Umschweife.

„Nicht viel. Er soll hundert Köpfe haben und demzufolge niemals ganz schlafen, weil immer irgendein Kopf gerade wach ist“, antwortete Drakos. „Ich weiß nur nicht, was euch das helfen soll.“

„Wissen wir auch noch nicht. Aber vielleicht kommt mir auf Asgard die Erleuchtung“, sprach Sobek. „Ich will einfach nur so viel Hintergrundwissen sammeln, wie nur möglich ist. Ich lasse mich nicht gern hinterrücks überrumpeln. Könnte es sein, dass Idun auch einen Wächter hat?“

„Da bin ich restlos überfragt“, gab Drakos zu. „Ich war viel zu lange in meinem Herzkristall gefangen, um brauchbare Informationen darüber zu haben. Früher stand der Apfelbaum mitten auf einer Waldlichtung und die Asen wachten gemeinschaftlich mit Argusaugen darüber, dass Idun und dem lebensspendenden Gewächs nichts zustieß.“

„Hast du den Baum schon einmal gesehen?“, wandte sich Sobek an Kebechsenef.

Der schüttelte den Kopf. „Fremden ist der Zutritt zum Wald der Idun strengstens verboten. Da wird sich kaum etwas daran geändert haben.“

„Auch wenn die Fremden Unsterbliche sind?“, fragte Sobek ungläubig.

„Auch dann.“

„An wen sollen wir uns also halten?“, hakte Sobek nach.

Kebechsenef dachte eine Weile nach. „Also, wenn ihr mich fragt, dann haltet euch nur an Odin oder Thor. Egal, wer euch immer was anderes sagt, außer Horus natürlich.“

Kebechsenef schwieg eine Weile. Schließlich setzte er telepathisch und nur für Sobek hinzu. „Und grüß Idun von mir, falls es dir gelingt, sie ganz allein zu sprechen.“

„Du kennst sie?“ Sobek sah Kebechsenef erstaunt an.

Ein sehr knappes Nicken war die Antwort. Für Sobek das deutlichste Zeichen, dass die beiden nicht nur miteinander gesprochen hatten.

„Wie leben die Asen eigentlich?“, fragte Sobek nach einer Weile.

Kebechsenef lächelte melancholisch. „Das ist fast wie bei uns Tarronn, nur, dass es mehrere Volksgruppen auf Asgard gibt. Die zwölf, die das Sagen haben, leben in Palästen hinter hohen, fast unüberwindbaren Mauern. Die anderen wohnen eher einfach, wie wir hier, in gemütlichen Holzhäusern.

Dabei haben sie eine Hochtechnologie entwickelt, die fast nur im Verborgenen, nämlich in Gladsheim bei Odin zu finden ist. Von dort aus bedient man sich auch der drei Raumschiffe, die in einem unterirdischen Sicherheitstrakt bewacht werden.“

„Sie sollen überaus kriegerisch sein, haben uns Neri, Imset und die alten Texte verraten“, sagte Maris und schaute Kebechsenef fragend an.

Der nickte mehrmals. „Ja das ist nicht von der Hand zu weisen. Laufend sind sie in irgendwelche handfesten Zwistigkeiten verwickelt, die fast immer ziemlich blutig enden. Dabei greifen sie auf Schwerter, Äxte, Speere und solche netten Sachen zurück.“

„Du kannst einem ja richtig Mut machen“, schnaufte Maris. „Ist man als Gast von einem anderen Planeten überhaupt willkommen?“

„Aber sicher – man darf nur kein Feigling sein“, schmunzelte Kebechsenef. „Je kleiner das Gefolge, um so größer die Achtung.“

„Aha, deshalb will Horus also nur mit der kleinen Besatzung fliegen, die wir auf der Erde beisammenhatten“, stellte Sobek befriedigt fest.

„Genau“, bestätigte Kebechsenef. „Sieben Männer und zwei Frauen sind keine Bedrohung für einen ganzen Planeten. Und da Horus nur mit euch beiden zu Verhandlungen gehen wird, steigt die Achtung, die man euch zollen wird, so hoch wie selten. Sie können ja nicht ahnen, dass ihr ein ganzes Heer aufwiegt.“

„Bitte keine Vorschusslorbeeren, es kann noch genug schief gehen“, wehrte Sobek ab.

Kebechsenef legte Sobek beide Hände auf die Schultern, sah ihm tief in die Augen. „Ich vertraue dir und ihm.“ Er tippte Maris an. „Und ich vertraue Horus. Er ist nicht umsonst der Oberkommandierende in dieser ganzen Galaxie.“

Sie brachen das Gespräch ab, als sich Safi mit einem Krug Wein zu ihnen gesellte und die Becher voll schenkte. „Vielleicht wollt ihr damit noch etwas üben, bevor ihr nach Asien fliegt“, sagte er beiläufig.

„Ach, ich verstehe! Asien – den Asen“, lachte Maris.

„Aber natürlich. Es heißt ja auch Indien – den Indianern“, gab Safi grinsend zurück.

„Und Sobek sollte Loki demzufolge in den Lokus stopfen“, ergänzte Safi noch.

„Ja, der Gedanke ist nicht schlecht“, murmelte Sobek.

„Sag mal, Safi, wie viel Wein hast du heute Abend schon getrunken?“, fragte Kebechsenef neugierig.

„Daran liegt es bestimmt nicht, der ist immer so“, lästerte Imset im Vorbeigehen, dabei zwinkerte er Safi fröhlich zu.

Die vier Männer mussten lachen. „Auf die Asen!“, prosteten sie sich zu und leerten ihre Becher in einem Zug.

„Veranstaltet ihr Kampftrinken?“, fragte Arko, der auch gerade in ihre Richtung schaute.

„Willst du mitmachen?“, stellte Safi die Gegenfrage.

Arko schmunzelte. „Mir reicht es noch vom letzten Mal, als du mich heimbringen musstest.“

„Es wäre schade, den guten Tropfen so sinnlos zu vergeuden. Wir haben es auch lieber gemächlicher. Komm ruhig rüber“, meinte Kebechsenef, machte Platz für Arko und schenkte seinen Becher voll.

„Die Innenarbeiten an der Pyramide gehen ja auch in ein paar Tagen los“, sagte er plötzlich.

„Immer noch in Sorge wegen Luna?“, fragte Arko und schaute Kebechsenef ungläubig an.

„Ach, Unsinn!“, lachte der. „Ich wollte bloß sagen, dass du mit den Drakon bald auf Suche nach einem passenden Einfassungsstein für das Drachenherz gehen kannst.“

Die Drakon nickten zustimmend.

„Diesmal drehen wir dir auch keine Takin-Früchte an“, versprach Siri.

„Gibt es etwa noch Schlimmeres?“, fragte Arko in gespieltem Schreck.

Drakos kicherte. „Mal sehen, was der Urwald so hergibt.“

„Du hast dich aber auch schon ganz gut gemausert!“, schmunzelte Safi.

„Tja, mein Lieber, der Umgang formt den Drakon“, gab der Wächter lachend zurück und stupste ihn mit der Nase an.

Irgendwann nach Mitternacht verabschiedeten sich die Gäste langsam und wanderten nach Hause. Mara und Zaid wuschen das Geschirr ab, räumten die Küche auf und knabberten die letzten getrockneten Kürbiskerne, die noch am Grunde einer kleinen Schüssel lagen.

Aron saß derweil mit Neri, Sobek und Imset im Garten und dankte ihnen für die gelungene Feier.

„Keine Ursache, die meiste Arbeit hatten schließlich Mara und Zaid“, entgegnete Neri.

„Wo stecken die beiden überhaupt?“, fragte Imset.

„In der Küche. Sie wollten unbedingt sofort noch Ordnung schaffen“, sagte Neri. „Heute können sie ja auch in Ruhe ausschlafen.“