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Üllüs Geschichte, die hier erzählt wird, beginnt drüben im Westen und endet auf der anderen Seite der Welt, jeweils im Meer, denn Üllü war kein Menschenkind, sondern ein Kind des Wassers, eine Nixe. Auf ihrer weiten Reise um die Welt erlebte Üllü eine Katastrophe nach der anderen, und als sie gar nicht mehr weiterwusste, und dachte, die einzige Nixe auf der Welt zu sein, kam die Wende zum Guten. Ihr Glück wurde so groß, dass sie den Drang verspürte, etwas davon weiterzugeben und denen, die sie liebte, etwas Gutes zu tun. Lange wusste sie nicht, womit sie sie beglücken sollte, doch schließlich war sie überzeugt, es zu wissen und ihre Aufgabe gefunden zu haben. Um diese zu lösen, musste Üllü an den Ort der Schrecken zurückkehren. Das machte ihr so große Angst, dass sie beinahe der Versuchung erlegen wäre, aufzugeben. Doch Üllü stellte sich der Gefahr. Zum Glück musste sie es nicht alleine tun und schließlich erreichte sie, was sie sich vorgenommen hatte, wenn auch auf andere Weise, als gedacht.
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Seitenzahl: 258
Veröffentlichungsjahr: 2021
Impressum:
© 2021 Ingrid Dobbertin
Illustrationen: I. Dobbertin
Korrektorat, Satz u. Umschlag:
Angelika Fleckenstein; Spotsrock
Verlag & Druck:
tredition GmbH
Halenreie 40–44
22359 Hamburg
ISBN
978-3-347-24858-8 (Paperback)
978-3-347-24859-5 (Hardcover)
978-3-347-248601 (e-Book)
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Ingrid Dobbertin
Die milchblütige Heldin Üllü Wa
Ein Märchenroman
Üllüs Geschichte, die hier erzählt wird, beginnt drüben im Westen und endet auf der anderen Seite der Welt, jeweils im Meer, denn Üllü war kein Menschenkind, sondern ein Kind des Wassers, eine Nixe. Damit gehört sie zu den wundersamen Wesen, die fühlen wie Menschen, und doch keine Menschen sind, die einen Körper haben, der oben ein Menschenleib und unten ein Fischleib ist, die wie die Fische im Wasser leben, und von denen manche Menschen glauben, dass es sie gar nicht gibt. Sie glauben das, weil sie noch nie eine Nixe zu Gesicht bekommen haben. Doch zu glauben, dass es etwas nicht gibt, nur weil man es noch nie gesehen hat, ist natürlich Unsinn, wie jeder vernünftige Mensch einsehen wird.
Auch wenn Üllü ein Kind des Wassers war, ein richtiges Kind war sie nicht mehr. Sie war aber noch sehr jung, noch gar nicht ganz ausgewachsen, und hatte doch schon vom Schlimmsten bis zum Schönsten alles erlebt, was Nixen oder Menschen erleben können. Abenteuerlich war aber nicht nur Üllüs Leben, sondern auch, wie Üllüs Geschichte zu den Menschen kam.
Im Einzelnen wird darüber im letzten Kapitel berichtet, hier nur so viel: Die Menschen erfuhren sie aus dem Schnabel eines Raben. Er war Üllüs Freund und wusste alles über sie. Deshalb konnte er, nachdem er Üllüs Einverständnis eingeholt hatte, ihre ganze Geschichte aus dem Stand erzählen, als er danach gefragt wurde, und nie wäre ihm dabei etwas Unwahres über den Schnabel gekommen.
Welle Welle, hohe schnelle,
wunderbares tiefes Meer,
See und Fluss und Bach und Quelle,
Wasserfall und Stromesschnelle,
eure Kinder sind wir Nixen,
Wasser, das ist unser Element,
alles Nasse ist uns Wonne,
seh‘n am liebsten selbst die Sonne
durch den regennassen Schleier
am Himmel droben
im Regenbogen.
Frei sind wir und ohne Sorgen,
wissen nichts von gestern und morgen,
machen nur, was uns gefällt,
herrlich schön ist Nixenwelt.
Die Wa Luwala Walabe Walu
Bevor die junge Nixe Üllü all die Abenteuer erlebte, von denen hier berichtet wird, führte sie das glücklichste Leben, das man sich vorstellen kann. Niemals wäre ihr damals in den Sinn gekommen, dass sich daran etwas ändern könnte. Und doch änderte sich alles.
Bevor das geschah, lebte Üllü mit ihrer Nixenfamilie im Westen. Ihre Familie nannte sich „Wa“, und gehörte zum Nixengeschlecht der Luwala Walabe Walu, was aus der Nixensprache übersetzt „Westmeerküstenbewohner“ heißt. Üllüs vollständiger Name war daher „Üllü Wa Luwala Walabe Walu“.
Zu Hause waren die Wa in Wassererde, einem den Menschen unbekannten Ort weit draußen im Delta eines großen Flusses, wo zwischen den vielen Wasseradern die Erde immer weniger, weicher und nasser wird, bis sie schließlich ganz verschwindet und das freie Meer beginnt. Alles war hier nass, nicht nur das Wasser und die Erde, soweit es sie überhaupt noch gab, sondern auch die Luft, und deshalb hing über Wassererde fast immer ein Hauch von Regenbogen, obwohl es gar nicht regnete. Selbst die Bäume pflegten hier aus dem Wasser zu wachsen. Einen ganzen Wald gab es davon, und in diesem Wasserwald lag ganz versteckt der See der tausend Quellen, von dem noch zu sprechen sein wird. Der größte Teil von Wassererde war allerdings reine Meereszone, und hier, wo es bis auf eine kleine Gruppe schwarzer Felsen nichts als Wasser gab, lebten die Wa.
Mit über hundert Nixen waren sie eine große Familie, und mit Ausnahme von Sabo, dem uralten Familienoberhaupt und Üllüs bestem Freund, waren sie alle jung, schön und glichen einander wie ein Ei dem anderen. Für einen Menschen wäre es jedenfalls kaum möglich gewesen wäre, sie voneinander zu unterscheiden. Von der Hüfte an abwärts entsprach ihr Körper dem eines Fischs, war geschmeidig und mit Schuppen bedeckt, und weil die in allen Farben des Meeres schillerten, sah es so aus, als ob sie einen langen, engen, paillettenbestickten Rock anhätten. Eine Schwanzflosse, wie man sie manchmal auf Bildern von Nixen sieht, hatten die Wa nicht. Sie hatten Füße. Die waren sehr breit, hatten Schwimmhäute zwischen den Zehen und eigneten sich perfekt zum Schwimmen. Auch gehen konnten die Wa damit.
Ohne Beine war das allerdings mühsam, und deshalb zogen die Wa auf festem Grund das Hüpfen dem Gehen vor. Weil die Wa als Nixen das Wasser aber viel mehr liebten als das Trockene und es deshalb fast nie verließen, kam das selten vor.
Von der Taille an aufwärts sahen die Wa aus wie Menschen, und keiner hätte sich nach Üllü oder ihren Geschwistern umgedreht, wären sie mit Sonnenbrille, langem Mantel und Mütze in Paris oder New York spazieren gefahren. Kleine Unterschiede gab es aber doch. So hatte die Haut der Wa einen grünlich-bronzefarbenen Schimmer, und ihr nasses Haar, das ihnen bis zur Hüfte reichte, war teils blau, teils grün, und konnte, je nach Stimmung, heller oder dunkler werden. Etwas Besonderes waren auch ihre Augen. Die strahlten in einem ganz hellen Türkis und hatten winzige, fast unsichtbare Pupillen, sodass man beim Hineinschauen den Eindruck hätte haben müssen, in klares Wasser zu blicken. Alle in Üllüs Familie hatten solche Augen, alle bis auf zwei: Die Augen von Üllü und Sabo waren grün mit ein klein wenig Goldgefunkel darin und hatten Pupillen, wie Menschen sie haben.
Die beiden unterschieden sich aber noch in etwas anderem vom Rest ihrer Familie, und dieser Unterschied betraf ihr Gedächtnis. Während die übrigen Wa sich nicht länger als höchstens drei Tage zurückerinnern konnten, die meisten von ihnen sogar kaum einen ganzen Tag, hatten Üllü und Sabo ein Gedächtnis, das dem der Menschen gleich war. Vielleicht hingen die Besonderheiten von Augen und Gedächtnis ja miteinander zusammen, doch sicher wissen kann man es nicht.
Die Wa waren wild und ausgelassen und führten in Wassererde ein herrlich unbeschwertes Leben. Arbeiten mussten sie nicht, denn alles, was sie brauchten, fanden sie um sich herum im Wasser. Sie ernährten sich von Seegras, Algen und Tang, hatten als Wohnung das Wasser, und weil sie keine Kleider trugen, brauchten sie sich auch darum nicht zu kümmern. Langeweile kannten sie trotzdem nicht. Sie schwammen um ihr Leben gern, tollten im Wasser herum, neckten die Fische, kämmten sich die langen Haare, schminkten sich mit Algenfarbe ihre schönen Gesichter und spielten. Mit Spielen brachten sie die meiste Zeit des Tages zu. Sturm und hohe Wellen liebten sie besonders; von denen ließen sie sich in die Luft werfen und tanzten mit ihnen, das fanden sie ganz wunderbar.
Doch auch ohne Sturm konnten die Wa das Meer zum Kochen bringen. Das geschah beim Wasserballspiel. Kein Tag verging ohne dieses Spiel, und die Zeit des Wasserballspiels war die schönste Zeit ihres Nixentages. Als Ball stellte sich ihnen ein kleiner Tintenfisch namens Quark zur Verfügung. Er musste entweder geworfen oder entführt, und danach gesucht und gefunden werden. Das war schwer, denn Quark war schnell wie der Blitz und konnte sich tarnen. Kam ihm ein Verfolger zu nahe, ließ er ein Wölkchen schwarzer Tinte ins Meer entwischen, und schon war er nicht mehr zu sehen. Irgendwann wurde er aber doch gefangen und meist war es Üllü, die ihn fing. Sie war die unangefochtene Königin des Spiels. Der Einzige, der sich nicht am Spiel beteiligte, war Sabo. Ihm war es zu anstrengend geworden. Wenn die anderen spielten, saß er auf einem schwarzen Felsen im Meer und blickte hinaus aufs Wasser. Alle kannten das und ließen ihm seine Ruhe.
Nach dem Spiel, wenn sie sich genügend ausgetobt hatten, versammelten sich die Wa am Meeresgrund, räkelten sich im Sand oder legten sich in eine Seegraswiese und erzählten sich Geschichten. Meist ging es dabei um die Reise zur Korallenstadt, wo sich in großen Zeitabständen alle Westmeernixen trafen, um Hochzeit zu halten. Nur Üllü erzählte meist andere Geschichten, solche, bei denen sich die Zuhörer gruseln konnten. Das liebten die Wa besonders, denn in ihrem wirklichen Leben hatten sie keine Feinde, und so fehlte ihnen zum Gruseln die Gelegenheit. Den Haien gegenüber war zwar Vorsicht geboten, doch Haie lebten gar nicht direkt in Wassererde, sondern weiter draußen im Meer. Menschen gab es in Wassererde nicht, und niemand unter den Wa hatte jemals einen Menschen gesehen.
Natürlich mussten die Wa auch schlafen. Wenn die Sonne unterging und der Nixentag sich dem Ende zuneigte, legten sie sich dazu aufs Wasser, das Gesicht dem Himmel zugewandt. So konnten sie die schönsten Träume haben. Sie träumten dann von der Korallenstadt der Nixen, und wenn sie davon träumten, rollten ihre Augen unter den geschlossenen Lidern, ein Lächeln lag auf ihren Lippen, ihre Arme reckten sich wie zu einer Umarmung dem Himmel entgegen und ihre Hände bewegten sich, als ob sie jemanden streicheln wollten.
So war das Leben in Wassererde für die Wa ein Leben wie im Paradies. Wenn Paradies allerdings bedeutet, dass gar keine Wünsche offen sind, dann lebten sie doch nicht ganz im Paradies, denn einen unerfüllten Wunsch hatten alle Wa: eben die Reise zur Korallenstadt, um dort Hochzeit zu feiern. Seit Üllü sich erinnern konnte, war kein Tag vergangen, an dem diese Reise nicht Gesprächsstoff gewesen wäre. Über die wunderbarsten Erlebnisse wurde da berichtet. Dabei hatten die, die das erzählten, die Reise meist gar nicht selbst erlebt, denn oft lag mehr als ein Nixenleben zwischen diesen Reisen, und um sich daran zu erinnern, reichte das Gedächtnis der Nixen sowieso nicht aus. Der Einzige, der mehrere dieser Meereswanderungen mitgemacht und nichts davon vergessen hatte, war Sabo. Doch ausgerechnet er sprach nie davon. Keiner wusste, wann der Aufruf zu der großen Nixenhochzeit ergehen würde; auch Sabo wusste es nicht, und so hüllte der Traum von der Korallenstadt ganz Wassererde ein wie eine rosarote Sehnsuchtswolke.
Wie Üllü und Sabo Freunde wurden
Für Üllü war alles schön damals in Wassererde, das Schönste aber war für sie die Freundschaft mit Sabo. Niemanden in ihrer Familie liebte sie so wie Sabo, und ohne die Freundschaft zu ihm hätte sie sich ihr Leben gar nicht vorstellen können. Das war sehr ungewöhnlich, denn zum einen kamen so enge Freundschaften bei den Wa sonst gar nicht vor, zum anderen war Üllü fast noch ein Kind und Sabo uralt.
So alt war er, dass die meisten der Nixen dachten, er sei schon immer auf der Welt gewesen. Das stimmte zwar nicht, doch wenn man Sabo ansah, war es kein Wunder, dass so etwas geglaubt wurde. Sein Rücken war gebeugt, sein Gesicht durchzogen von einem Netz tiefer Furchen, und ein silberner Kranz aus Haar und Bart umrahmte es wie ein Heiligenschein. Sabo war aber nicht nur alt, er war auch weise und kannte das Meer, denn in seinem langen Leben hatte er nicht nur viel erlebt, er hatte auch über vieles nachgedacht. So genoss er großes Ansehen bei den Wa und alle suchten seinen Rat.
Dass Üllü und Sabo etwas hatten, was den anderen Nixen fehlte, ein gutes Gedächtnis, war sicher wichtig für ihre Freundschaft, alleine dadurch wäre diese aber nicht zustande gekommen. Dazu war ein Anstoß nötig, und der war von Üllü gekommen, als sie noch ein ziemlich junges Nixenkind war.
Wie alle ihre Geschwister war sie damals wild, voller Tatendrang und für alles zu haben, was Spaß machte. Doch Üllü hatte auch noch eine andere Seite. Manchmal hatte sie das Gefühl, als ob ihr etwas fehlte. Sie wusste selbst nicht, was es war. Sie spürte es wie einen leichten Hunger, doch nicht Hunger im Bauch, sondern Hunger im Kopf. Wenn sie den spürte, hielt sie es nicht aus in der Gesellschaft ihrer Geschwister und wollte alleine sein. Sie schwamm dann zum See der tausend Quellen. Hier war sie ungestört, denn die anderen Wa mieden den See wegen des dichten Wurzelgewirrs im Wasser. Üllü dagegen liebte den See mit allem, was dazugehörte, und fand ihn wunderschön. Wie ein offenes Auge leuchtete er aus dem Grün des Waldes hervor, hellblau, dunkelblau, türkis oder grün, je nach Tageszeit und Wetter, und die unzähligen Quellen, die seinem Grund entsprangen, glucksten und sangen und brachten das Licht zum Tanzen. Das machte den See zu einer Zauberwelt, die Üllü zum Träumen einlud.
Üllü liebte den See aber nicht nur, weil er so schön war und sie sich dort immer noch ein bisschen glücklicher fühlte als anderswo, es gab hier etwas, was ihr ganz besonders wichtig war. Das war die Schaukel, die sie sich einst aus Luftwurzeln und Schlingpflanzen gebaut hatte, und von der aus sie, wenn sie sich hoch nach oben schwang, durch ein Fenster im Laub Sabo auf seinem Felsen im Meer sehen konnte. Auf dieser Wurzelschaukel war Üllü einst der Gedanke gekommen, sie könnte Sabo einmal auf seinem Felsen besuchen. Das war der Beginn ihrer Freundschaft mit ihm.
Damals hatte Üllü sich wieder einmal auf ihre Schaukel zurückgezogen und sah Sabo in der Ferne auf seinem Felsen sitzen. Niemand außer ihm hielt es so lange alleine aus, so weit weg von allen anderen. Üllü wollte ja selbst manchmal alleine sein, doch so lange alleine da draußen zu sitzen wie Sabo, das hätte sie sich nicht gewünscht. Die Vorstellung, Sabo könnte vielleicht einsam oder traurig sein, hatte ihr keine Ruhe gelassen, und so war sie hinausgeschwommen und hatte sich neben ihn auf den Felsen gesetzt. Eine ganze Weile hatte keiner von ihnen ein Wort gesprochen, Sabo nicht, weil er überrascht war, und Üllü nicht, weil ihr neben so viel Alter und Weisheit nichts Vernünftiges einfiel. Schließlich hatte sie sich aber doch ein Herz gefasst und das Gespräch eröffnet. Es verlief folgendermaßen:
„Warum sitzt du so viel Zeit hier allein, Sabo?“, fragte sie.
Sabo ließ sich Zeit mit der Antwort. Er wollte etwas Richtiges sagen, und das liegt einem ja nicht immer gleich auf der Zunge.
„Ich bin nicht allein. Das Meer ist ja da. Es spricht mit mir“, sagte er leise und lächelte dabei.
„Kann das Meer denn sprechen?“
„Das Meer hat seine eigene Sprache, eine andere als wir, doch wenn man genau hinhört, kann man sie mit der Zeit verstehen, nicht immer, aber manchmal.“
Üllü wäre nie in den Sinn gekommen, an etwas zu zweifeln, was Sabo sagte, doch was er da gerade gesagt hatte, konnte sie sich nicht vorstellen.
„Wie spricht denn das Meer?“
„Nicht so, wie wir miteinander sprechen, nicht so direkt, nicht in Worten. Es spricht in Bildern.“
„Was für Bilder?“
„Wenn das Meer mir etwas sagen möchte, dann zeigt es mir Bilder von dem, was ich erlebt habe. Dabei fällt mir dann manchmal etwas auf, was ich vorher nicht beachtet habe, etwas, das überraschend war, das nicht gepasst hat oder etwas, was ich nicht verstanden habe. Manchmal ist es auch ein Gefühl, was ich mir nicht erklären konnte.“
Nach einer längeren Pause fuhr er fort:
„Manchmal fangen die Bilder an, sich zu bewegen, sie spielen miteinander, oft kämpfen sie auch gegeneinander. Ich schaue dann ihrem Treiben zu und warte ab, was daraus wird. Manchmal entsteht dann eine andere Geschichte, als die, die wirklich passiert ist, und ich finde etwas heraus.“
„Was findest du heraus?“
„Manchmal finde ich heraus, warum die Dinge so gekommen sind, wie sie gekommen sind. Manchmal sehe ich auch etwas, was noch nicht passiert ist, etwas, was erst kommt.“
Üllü überlegte eine Weile.
„Die Reise zur Korallenstadt?“, fragte sie schließlich.
„Vielleicht.“
„Ich möchte auch solche Bilder sehen“, erklärte Üllü.
„Du kannst es lernen. Dafür braucht man Geduld. Man muss warten können. Wenn man jung ist, ist das schwer.“
„Ich kann das“, erwiderte Üllü, und Sabo wunderte sich.
So wie Sabo mit Üllü sprach, hatte noch nie jemand mit ihr gesprochen. Üllü nahm sich damals vor, es Sabo mit dem Bildersehen gleichzutun. Nachdem sie eine Weile still nebeneinander gesessen hatten, fragte Üllü weiter:
„Dann bist du also nicht einsam?“
„Hast du das gedacht?“
„Ich weiß nicht, es hätte ja sein können.“
„Und deshalb wolltest du mir Gesellschaft leisten?“
Üllü war unsicher. Vielleicht wollte Sabo gar keine Gesellschaft. Doch als sie in sein freundliches Gesicht blickte, wusste sie, dass sie unbesorgt sein konnte.
„Nicht jede Gesellschaft kann Einsamkeit vertreiben. Dazu braucht es einen Freund – oder eine Freundin.“
„Vielleicht – könnte ich deine Freundin sein?“
Das war Üllü so herausgerutscht, und nun, da es ausgesprochen war, spürte sie ihr Herz klopfen. Sie war ja noch ein Kind. Sie schwankte zwischen Hoffnung und Furcht. Und dann sagte Sabo:
„Ja, das wäre schön, das wäre sehr schön“, und beide strahlten sich an.
Von diesem Tag an besuchte Üllü Sabo jeden Tag auf seinem Felsen im Meer. Über alles konnte sie mit ihm reden, nie wurde er ungeduldig und nie fand er eine Frage dumm. Manchmal saßen die beiden schweigend zusammen, blickten aufs Wasser und freuten sich einfach nur, dass der andere da war. Oft sprachen sie auch von ganz einfachen Dingen wie zum Beispiel davon, wo die besten Algen wuchsen, wie hübsch die frisch geschlüpften Enten waren, wie heiß es heute war oder dass sich eine Nixe beim Spielen an einer Feuerqualle die Finger verbrannt hatte. Doch sie sprachen auch über anderes.
Dann erzählte Sabo Üllü Geschichten aus dem Leben des Nixenvolkes. Er hatte diese Geschichten früher auch den anderen erzählt, doch die hatten bald alles wieder vergessen. Obwohl Sabo natürlich wusste, dass es nicht anders sein konnte, weil die Nixen ein so kurzes Gedächtnis hatten, hatte es ihn traurig gemacht und so hatte er über solche Dinge mit seiner Familie nicht mehr gesprochen. Dass es jetzt jemanden wie Üllü gab, die seine Geschichten liebte, sie nicht gleich wieder vergaß, und der er alles erzählen konnte, was er wusste, war für Sabo wie ein Geschenk. Es machte ihn glücklich.
*
Von der Korallenstadt hatte Sabo mit Üllü nur einmal gesprochen, als er vom weißen Blut der Nixen sprach. Der Anlass zu diesem Gespräch war eher ein zufälliger gewesen. Üllü war damals auf dem Weg zu Sabo in Panik geraten, weil sie dachte, dass ein Hai sie verfolge und fressen wolle, weil sie eine Gruselgeschichte über ihn erzählt hatte. Zitternd vor Angst hatte sie es schließlich zu Sabos Felsen geschafft und sich in Sabos Arme geworfen.
Sabo hatte sie ganz sanft festgehalten und leise zu ihr gesagt:
„Du brauchst keine Angst zu haben. Es war kein Hai, es war ein großer Delphin. Er wollte mit dir spielen.“
Ungläubig hatte Üllü in die Richtung geschaut, wo sie ihren Verfolger vermutete, und ihn dabei so weit draußen entdeckt, dass er schon lange abgedreht haben musste. Offenbar hatte er die Verfolgung aufgegeben, als er bemerkte, dass sie vor ihm floh. Ihre Angst war also ganz unnötig gewesen. Als sie sich wieder beruhigt hatte, fragte Sabo:
„Hast du bemerkt, wie kalt du bist?“
Üllü hatte es nicht bemerkt. Erst, nachdem Sabo das gefragt hatte, spürte sie die Kälte. Sabo erklärte es ihr.
„Wenn wir Nixen Angst haben, kann unser Blut in den Adern gefrieren, und unser ganzer Körper wird zu Eis. Man ist in großer Gefahr, wenn das passiert, denn bei jedem härteren Stoß kann der vereiste Körper in Stücke brechen. Wenn er unversehrt bleibt, kann das Eis in den Adern wieder tauen und man wird wieder warm, weich und lebendig. Du hast großes Glück gehabt.“
Üllü hatte nicht gewusst, dass Blut gefrieren kann, und hatte Sabo gefragt, ob jedes Blut gefrieren kann.
„Nein“, hatte Sabo geantwortet, „nur weißes Blut gefriert durch Angst. Die meisten Lebewesen haben rotes Blut. Unser Blut, das Blut der Nixen, ist weiß, ähnlich der Milch, die Kinder bei ihren Müttern saugen.“
Üllü stellte sich vor, was passiert wäre, wenn Sabo sie nicht in seinen Armen aufgewärmt hätte, und schon begann sie wieder zu frösteln.
„Kann man denn nichts gegen das Blutgefrieren tun?“
„Nein, nur gegen die Angst kann man etwas tun. Man kann sie vertreiben.“
„Wie macht man das?“
„Indem man ihr ins Auge schaut. Wenn du mit deinem Auge auf sie zielst wie der Schützenfisch auf seine Beute, dann zieht sie sich zurück.“
„Aber man kann die Angst doch gar nicht sehen.“
„Die Angst nicht, aber das, was einem Angst macht. Das musst du ganz genau anschauen, meist verliert es dabei seinen Schrecken.“
„Und was ist, wenn man das, was einem Angst macht, nicht sieht, wenn man nur weiß, dass es irgendwo da ist, zum Beispiel ein Hai, der einen schnappen möchte?“
„Auch dann geht es. Du musst dein inneres Auge benutzen, musst dir das, was dir Angst macht, vorstellen. Dazu braucht es Mut, den musst du haben.“
Dass ihr das, was sie da gehört hatte, einmal das Leben retten würde, konnte Üllü damals nicht ahnen. Sie stellte sich die Sache jedoch schwierig vor, und auch was Sabo über das Blut gesagt hatte, ging ihr nicht aus dem Kopf. Sie fand es merkwürdig und auch ein bisschen ungerecht, dass alle anderen rotes und nur die Nixen weißes Blut hatten, Blut, das einen bei Angst in Lebensgefahr brachte. Sie musste mit Sabo darüber sprechen. Ein paar Tage später tat sie es:
„Warum ist unser Blut nicht rot wie bei allen anderen?“
„Alle Lebewesen stammen aus dem Meer. Sie sind aber nicht alle auf einmal entstanden, sondern nacheinander. Die Nixen kamen erst sehr spät dazu, als Fische, Wale, Delfine, Kraken, Krebse, Muscheln und alle anderen schon längst das Wasser bevölkerten. Auch die aus Korallen erbaute Stadt der Nixen gab es schon sehr früh, lange bevor es Nixen gab. Sie war schon damals der schönste Platz im ganzen Westmeer, und deshalb sollte sie die Wiege der Nixen sein.“
„Und deshalb feiern die Nixen dort Hochzeit?“
„Ja. Die Korallenstadt ist der Ort, wo die ersten Nixen geboren wurden.“
Nach einer kleinen Pause fuhr Sabo fort:
„Ich spreche von den Nixen, die an den Küsten des Westmeeres leben, den Luwala Walabe Walu, zu denen auch wir Wa gehören. An unserer Entstehung war nicht nur das Wasser beteiligt, auch die Korallen haben uns damals etwas von sich mitgegeben. Es war das Rote im Blut, das haben sie uns geschenkt. Es war der letzte Rest von Rot, den die Korallen noch besaßen, alles Übrige hatten sie schon an die Tiere abgegeben, die vor uns entstanden sind. Als nun die Korallen für sich selbst gar nichts Rotes mehr hatten, wurden sie nicht nur weiß, sondern auch krank. Sie hätten ohne das Rote nicht leben können. Das wollten die Nixen nicht. Deshalb haben wir Nixen ihnen das Rote aus unserem Blut damals wieder zurückgegeben. Wir können ja auch mit weißem Blut leben, aber ohne Korallen wäre alles Leben im Meer in Gefahr gewesen. Dafür sind uns alle Meeresbewohner dankbar. Sie lieben uns dafür und niemand ist unser Feind.“
Und leise, wie zu sich selbst, fügte er hinzu:
„So war es bis jetzt. Es ist schon so lange her. Die Geschichte könnte eines Tages in Vergessenheit geraten. Bei den Haien könnte das vielleicht bald passieren.“
Je länger Üllüs Freundschaft mit Sabo dauerte und je mehr Üllü von Sabo erfuhr, desto mehr verschwand der Hunger in ihrem Kopf, und sie verlor das Bedürfnis, alleine zu sein. Deshalb, und auch weil sie so viel Zeit mit Sabo verbrachte, war sie dem See der tausend Quellen untreu geworden.
Der stumme See
Wenn bedeutende Dinge geschehen, solche, nach denen nichts mehr ist wie zuvor und von denen die Betroffenen später ihr ganzes Leben lang erzählen, dann kündigt sich das manchmal durch seltsame Ereignisse vorher an. Man sagt dann: „Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus“. Ein solcher Schatten traf eines schönen Tages den See der tausend Quellen, Üllüs Lieblingsplatz aus Kindertagen. Üllü erfuhr davon durch ihre Freundin, die kleine Wasserschildkröte Atta, mitten in der Nacht.
Atta war im See zu Hause und hatte alles miterlebt. Am Abend hatten die Quellen begonnen, schwarzes Wasser zu spucken. Das Wasser im See war daraufhin immer dunkler geworden und hatte zunehmend übler geschmeckt. Schließlich hatten die Quellen das Sprudeln ganz eingestellt. Im See war es inzwischen unerträglich. Gegen Mitternacht hatte Atta es dort nicht mehr ausgehalten, und war, allen Gefahren zum Trotz, aufs Meer hinausgeschwommen, um Üllü von der Katastrophe zu berichten.
Den Schlafplatz der Nixen erreichte Atta ohne Zwischenfälle, doch Üllü bei Nacht unter den vielen schlafenden Nixen zu finden, war schwierig, und als ihr das endlich gelungen war, schlief Üllü so fest, dass sie nicht wach zu kriegen war. Alle Weckversuche scheiterten, und Atta wurde immer aufgeregter. Schließlich wusste sie sich nicht anders zu helfen, als Üllü mit ihren zahnlosen Kiefern ins Ohr zu beißen. Das half. Üllü drehte sich aus der flachen Rückenlage in die Senkrechte, streckte sich ausgiebig in alle Richtungen und wischte sich den Schlaf aus den Augen.
„Üllü endlich, beeil dich doch!“, keuchte Atta aufgeregt.
Wegen der Dunkelheit konnte Üllü den Störenfried nicht sehen, der sie da gerade so unsanft aus dem Schlaf gebissen hatte, doch die Stimme kannte sie.
„Komm mit, im See – die Quellen …“, weiter kam Atta nicht. Die Stimme versagte ihr.
„Wieso, was ist passiert? Was ist mit den Quellen?“
Üllüs Stimme war noch ganz heiser vom Schlaf. Sie konnte sich nicht vorstellen, warum die Quellen Grund für irgendwelche Aufregung sein sollten.
„Erst haben sie schwarzes Wasser gespuckt, und dann sind sie versiegt. Das Wasser im See ist schmutzig, dunkel und schmeckt fürchterlich. Vielleicht – ich glaube, der See stirbt. Wir haben solche Angst.“
Es dauerte eine Weile, bis die schlaftrunkene Üllü verstand, was Atta da eben gesagt hatte, doch als sie es dann begriff, war sie schlagartig hellwach. Es war wirklich eine schlimme Nachricht.
„Wir meinen, du könntest die Quellen vielleicht wieder lebendig machen. Die Fische glauben, dass die Quellen krank geworden sind, weil du uns schon ewige Zeit nicht mehr im See besucht hast“, flüsterte Atta.
Für Üllü war das eine absurde Vorstellung.
„Das ist verrückt. Wie kann man nur so etwas glauben. Ich werde gar nichts machen können, Atta, leider“, seufzte sie.
Atta überhörte das und ließ nicht locker.
„Versuch’s einfach, Üllü, irgendetwas müssen wir doch tun.“
Üllü hielt es für unmöglich, dass ihr Fernbleiben etwas mit dem Verstummen der Quellen zu tun haben konnte, und sie war sich sicher, die Quellen nicht wieder zum Leben erwecken zu können. Doch jetzt, da den See das Unglück getroffen hatte, tat ihr bitter leid, dass sie ihn so lange nicht mehr besucht hatte. Sie zögerte daher keinen Augenblick, Atta zum See zu begleiten.
*
Von den schlafenden Nixen unbemerkt, machten sich die beiden auf den Weg zum See der tausend Quellen. Bedrückt und ohne zu sprechen schwammen sie nebeneinanderher. Nur einmal brach Atta das Schweigen:
„Ich glaube, dass das schwarze Wasser die Quellen verstopft hat.“
Üllü hörte zwar, was Atta sagte, war aber so tief in Gedanken, dass sie es gar nicht wirklich wahrnahm und nicht antwortete. Daraufhin sagte Atta nichts mehr, und Üllü grübelte weiter. Ihr Kopf bezweifelte nicht, was Atta berichtet hatte, doch ihr Herz hoffte, dass es nur ein böser Traum war, der sich in nichts auflösen würde, sobald sie den See erreicht haben würden. Doch als sie dort ankamen, war diese Hoffnung dahin, und es erwies sich als traurige Wahrheit, was Atta gesagt hatte.
Trotz der nächtlichen Stunde herrschte im Wasser große Aufregung. Sämtliche Seebewohner waren wach und die Fische waren geradezu in Panik. Alle stürmten auf Üllü zu und redeten auf sie ein, sodass sie kein Wort verstand.
„Ich würde euch so gerne helfen, aber ich werde nichts machen können. Ich weiß auch nicht, was mit den Quellen los ist“, stöhnte sie.
Die Antwort darauf war von allen Seiten die gleiche: „Es genügt, wenn du da bist, bleib hier, dann wird alles wieder gut“.
Üllü war klar, dass sie dieses Vertrauen enttäuschen musste, und das machte sie noch trauriger, als sie sowieso schon war. Weil ihr nichts einfiel, was sie sonst hätte tun können, tauchte sie in die Tiefe ab, setzte sich auf den Grund des Sees und vergrub ihr Gesicht in den Händen. Sie wollte an die Quellen denken und sie bitten, wieder lebendig zu werden, doch so sehr sie sich auch bemühte, sie war viel zu niedergeschlagen und verwirrt, um überhaupt etwas denken zu können.
Als Üllü eine Weile so gesessen hatte, ohne das kleinste Fünkchen Hoffnung, hörte sie ein dumpfes Grollen, der Boden des Sees unter ihr begann zu zittern wie bei einem Erdbeben, und dann war ein erstes leises Glucksen im Wasser zu hören. Bald gluckste es aus allen Richtungen, Üllü spürte Luftblasen nach oben steigen, und es dauerte nicht lange, da hörte sich der See der tausend Quellen an, wie er sich immer angehört hatte. Die Quellen hatten wieder zu sprudeln begonnen. Welche Farbe ihr Wasser hatte, war bei Nacht nicht zu erkennen, doch bald war klar, dass es gutes Wasser war. Üllü konnte es noch kaum glauben, da drängten sich die Seebewohner bereits um sie: „Üllü, Üllü, die Quellen sind wieder aufgewacht, wir haben es gewusst, du hast es hingekriegt.“
„Sie sind von selbst wieder aufgewacht, ich hab gar nichts gemacht“, wehrte sich Üllü, doch keiner glaubte ihr.
Für die Seebewohner war alles wieder in Ordnung, das Leben war in den See zurückgekehrt, und sie waren von ihrer Angst erlöst. Unverzüglich begaben sie sich wieder zur Ruhe.
Auch Üllü war erleichtert, doch beruhigt war sie nicht, ganz im Gegenteil. Nie hätte sie für möglich gehalten, dass Wasser schwarz werden und Quellen versiegen konnten. Wenn das einmal passiert war, wer konnte wissen, ob es nicht wieder passierte und – wenn Quellen versiegen konnten, vielleicht konnte dann auch das Meer einmal austrocknen und alle, die sie liebte, hätten dann kein Zuhause mehr? Das war eine schreckliche Vorstellung, sie durfte gar nicht daran denken.
Üllü beschloss, den Rest der Nacht im See zu verbringen. Misstrauisch wie ein alarmierter Wachsoldat blieb sie auf dem gurgelnden Grund des Sees sitzen und lauschte dem Sprudeln der Quellen, voller Sorge, es könnte wieder verstummen. Doch die Quellen ließen kein Zeichen der Schwäche erkennen. Als der Morgen anbrach, unterzog Üllü das Wasser einer gründlichen Prüfung und fand es tadellos. Daraufhin verabschiedete sie sich vom See und seinen Bewohnern, soweit diese schon aufgewacht waren, begab sich zum Ausgang des Sees, ließ sich von dem kräftigen Quellstrom, der sich ins Meer ergoss, hinaustragen und schwamm zurück zum Schlafplatz ihrer Familie.
Der Traum vom geflügelten Boten
Als Üllü nach ihrem nächtlichen Besuch im See wieder bei ihrer Familie ankam, schliefen alle noch. Mit ausgebreiteten Armen lagen sie auf dem Wasser. Immer wieder strich ein Nixenarm zärtlich durch die Luft und auch am Lächeln und den rollenden Augen war zu erkennen, dass die Nixen mit ihren Träumen in der Korallenstadt waren.
Üllü legte sich zu den Schläfern, doch zum Schlafen war ihr nicht zumute. Was im See passiert war, hatte ihre Seele in Aufruhr versetzt. Sie konnte an nichts anderes denken. Warum waren die Quellen versiegt? Was hatte es zu bedeuten? Vielleicht wusste ja Sabo etwas. Üllü wollte ihn fragen, doch sofort wollte sie es nicht tun. Zu groß war ihre Sorge, schon das Sprechen über die Quellen könnte diese wieder verstummen lassen. Sie fand sich damit ab, vorerst mit ihrem Kummer alleine zu sein.
