Die MiNiS jagen die Kirchenräuber - Thomas Wolfer - E-Book

Die MiNiS jagen die Kirchenräuber E-Book

Thomas Wolfer

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Beschreibung

Zu Beginn eines Ministrantenlagers im Tessin geraten Ingo und Manuel mit den Mädchen der Ministrantendetektive in einen heftigen Streit, weil die Jungen das Gefühl haben, die Mädchen wollten ihnen einen neuen Fall vorenthalten. Wenig später kommen die beiden auf einer Schnitzeljagd einer gefährlichen Bande von Kirchenräubern auf die Spur. In der darauffolgenden Nacht entschliessen sich die Jungen zu einem folgenschweren heimlichen Alleingang und verschwinden spurlos. Da entdeckt Natascha vor einer Kapelle die zerstörten Smartphones der beiden. Das Schlimmste befürchtend, informiert sie postwendend die Polizei und ihre Freundinnen. Können Ina, Natascha und Sandra ihre Freunde rechtzeitig finden, ehe die Verbrecher ihnen etwas antun?

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Inhaltsangabe:

Die MiNiS jagen die Kirchenräuber

Der 13. Fall der Ministrantendetektive

Die MiNiS – Girls Only

Fall 2: Unter Verdacht

Worterklärungen + Übersetzungen

Die MiNiS, das sind die fünf Ministrantendetektive Manuel, Ingo, Natascha, Ina und Sandra.

Der praktisch veranlagte Manuel ist 14 Jahre alt und ständig hin und her gerissen zwischen seiner Freundin Ina und seinem besten Freund Ingo, die sich häufig in den Haaren liegen. Ingo unterstützt er bei dessen Ideen, so abwegig sie auch sein mögen. Seine Eltern sind geschieden. Er hat einen kleinen Bruder mit Namen Andreas.

Ingo, ebenfalls 14 Jahre alt, ist der Anführer der Gruppe. Sobald irgendetwas geschieht, das nur im Ansatz mysteriös zu sein scheint, wittert er einen neuen Fall, womit er den anderen manchmal ganz schön auf die Nerven geht. Er hat zwei Schwestern, Ina und Ilona.

Natascha, die beste Freundin von Ina, ist ein zierliches, für ihr Alter kleines dreizehnjähriges Mädchen, eher schüchtern und still, ein wenig ängstlich und vorsichtig. Sie stammt ursprünglich aus Russland. Ihre Mutter ist vor einigen Jahren gestorben. Natascha, verfügt über eine gute Beobachtungsgabe, womit sie wertvolle Beiträge zur Klärung von Fällen leistet. Im Ernstfall kann sie zur wahren Löwin werden.

Ina, Ingos Zwillingsschwester, ist der eigentliche Kopf der Gruppe. Sie lässt nur selten ein gutes Haar an ihrem Bruder. Sie ist sportlich, ein wenig draufgängerisch und klug. Häufig ist sie es, die den Tätern auf die Spur kommt. Mit ihrer Art und ihrer großen Klappe bringt sie sich immer wieder in Gefahr.

Sandra, die Tochter des Sakristans, ist die Vernünftige im Quintett. Sie ist nicht nur ein Jahr älter, sondern wirkt auch sonst erwachsener als ihre vier Freundinnen und Freunde. Von Haus aus fleißig ist sie durchaus in der Lage, auch mal alleine zurechtzukommen.

Die Fälle spielen meist in Waldfelden, dem Wohnort der Kinder mit seiner Filialkirche, oder in Kaffalterbach, dem Hauptort der Pfarrei. Bei ihren Fällen haben sie es mal mit Kindern und Jugendlichen, mal mit echten Verbrechern zu tun.

Die MiNiS jagen die Kirchenräuber

Kirchenraub

„Das ist tatsächlich ein Feuersalamander“, befand Manuel. „Mann, ich habe noch nie einen in natura gesehen.“

„Ich hätte auf diesen Anblick lieber weiterhin verzichtet“, meinte seine Freundin Ina.

„Wieso?“, fragte deren beste Freundin Natascha erstaunt, die sich von hinten zusammen mit Sandra näherte. „Amphibien und Reptilien mag ich ja sonst nicht so, aber Feuersalamander sind doch wirklich wunderschön.“

„Das schon, aber der ist leider tot und schon halb verwest“, klärte Ina sie auf.

Die Teenager befanden sich auf einer Wiese neben der Casa Parrocchiale von Aurigeno im Tessin, dem ehemaligen Pfarrhaus, das mittlerweile als Lagerhaus für Freizeiten diente. Und an einer solchen, nämlich einer Ministrantenfreizeit, nahmen die MiNiS teil. Sie waren am frühen Nachmittag angekommen, hatten sich eingerichtet und nun noch etwa dreißig Minuten Zeit, ehe sie sich wieder für eine erste Besprechung sammeln sollten.

„Kommt jemand mit mir zur Kirche?“, fragte Natascha und deutete über die Wiese hinweg auf das Gotteshaus, das dort mitten im Hang ein gutes Stück weiter oben stand.

„Was willst du denn dort?“, fragte Ingo, der fünfte im Bunde erstaunt.

Bevor Natascha antworten konnte, fuhr ihm seine Zwillingsschwester Ina über den Mund: „Frag doch nicht so blöd! Was wird sie schon wollen? Das Übliche.“

Immer, wenn Natascha an einer katholischen Kirche vorbeikam, zündete sie eine Kerze für ihre verstorbene Mutter an.

„Tut mir leid, ich habe keine Lust“, verneinte Manuel. Auch Ingo schüttelte den Kopf.

„Aber ich komm mit“, ließ Ina ihre Freundin nicht allein. „Ich möchte auch eine Kerze anzünden, für meine Oma. Der geht es derzeit nicht so gut.“

Sandra wirkte einen Augenblick unentschlossen. Eigentlich hatte sie kein Verlangen danach, andererseits wollte sie aber auch nicht bei den Jungen oder den anderen Ministrantinnen und Ministranten, von denen einige gerade aus dem Lagerhaus kamen, zurückbleiben.

„Ach, was solls“, meinte sie daher. „Ich komme auch mit.“

So machten sich die drei Mädchen auf den Weg quer über die Wiese, die zum Haus gehörte, und stiegen mühsam den Steilhang zur Kirche hinauf, umkurvten diese und gelangten auf diese Weise zum Haupteingang. Natascha drückte die schwere Klinke und rüttelte vergeblich an der Tür.

„Was ist denn hier los?“, wunderte sie sich. „Ich dachte, das sei eine katholische Kirche. Die sind doch sonst nicht tagsüber verschlossen.“

Ratlos standen die Mädchen davor.

„Vielleicht ist es ja doch eine reformierte Kirche?“, meinte Ina.

Sandra lief zum Schaukasten und las den Aushang.

„Das ist eine katholische Kirche“, erklärte sie.

„Aber warum ist dann abgeschlossen?“, fragte Natascha noch einmal.

Darauf wusste Sandra keine Antwort. Während sie unschlüssig dastanden, kam eine Frau auf einem Fahrrad auf der Straße hinter der Kirche hervor gefahren. Als sie die drei Mädchen erblickte, hielt sie an und sprach sie auf Italienisch an. Sandra antwortete. Daraufhin kam sie näher. Die beiden unterhielten sich, während Natascha und Ina ratlos zusahen. Sie konnten kein Italienisch.

Da wandte sich Sandra an Ina und Natascha: „Ich weiß jetzt den Grund, warum die Kirche abgeschlossen ist. In letzter Zeit wurden hier im Tessin einige Kirchen ausgeraubt. Häufig wurden dabei auch Statuen gestohlen, zuletzt vermehrt in der Umgebung. Deshalb werden die Kirchen außerhalb der Gottesdienstzeiten abgeschlossen.“

In diesem Augenblick fuhr ein Auto vor und hielt auf dem Parkplatz vor der Kirche. Ein Mann im schwarzen Anzug stieg aus, in dem die Jugendlichen aufgrund seines weißen Kragens, dem Kollar, unschwer einen Priester erkennen konnten. Er sprach die Frau auf Italienisch an. Diese stieß einen Schreckensruf aus und antwortete. Die beiden redeten wild gestikulierend in atemberaubendem Tempo aufeinander ein. Fast ehrfürchtig schaute Ina sie an.

Endlich wandte sich der Priester auf Deutsch mit italienischem Akzent an sie: „Ihr sein gehörig zu die Ministranten, wo wohnen in Casa Parrocchiale? Ich wollen heißen euch herzliche Willkommen. Leider ich müssen nun mit Signora Pellegrini zu Polizia. Es habe gegeben Einbruch in Kirche. Statue sein weg. Ich kommen später bei euch vorbei.“

Damit verabschiedeten sich die Erwachsenen von den Jugendlichen, stiegen beide in das Auto des Priesters und brausten davon. Zurück blieb das Fahrrad der Frau.

Einen Augenblick standen die Mädchen schweigend da. Dann meinte Natascha: „Nicht einmal abgeschlossen hat sie ihr Velo. Was, wenn es nun gestohlen wird?“

„Dann ist das auch nicht zu ändern. Wir können es ja wohl schlecht mitnehmen, sonst glaubt man noch, wir hätten es gestohlen“, erwiderte Sandra.

Ina beschäftigte etwas anderes. „Schon krass, dass hier einfach aus Kirchen Statuen geraubt werden und man deswegen diese sogar tagsüber abschließen muss.“

„Lass das bloß nicht deinen Bruder hören, sonst meint er wieder, das wäre ein Fall für uns. Ich möchte hier ein ungestörtes Minilager verbringen und ganz sicher nicht auf Verbrecherjagd gehen.“ Aber Ina achtete nicht auf Sandras Einwurf, sondern fragte: „Hast du denn verstanden, was für eine Statue gestohlen worden ist?“

Sandra schüttelte den Kopf und sah auf die Uhr. „Gehen wir zurück. In ein paar Minuten müssen sich alle versammeln.“

Sie und Ina marschierten los und begannen, den Hang hinabzusteigen.

Nur Natascha zögerte noch. „Und was ist jetzt mit dem Velo?“

Da brauste ein Fahrrad die Straße herab und hielt neben ihr an. Eine junge Frau sprach sie auf Italienisch an.

Natascha hob abwehrend die Hände. „Verzeihung, ich verstehe Sie nicht. Ich kann kein Italienisch.“

„Ah, du sprichst Deutsch“, erwiderte daraufhin die junge Frau.

Natascha sah sie erleichtert an.

„Ich habe dich gefragt, wohin der Pfarrer mit Frau Pellegrini wollte.“

„Oh, ich glaube zur Polizei“, erwiderte Natascha.

„Zur Polizei?“, wunderte sich die junge Frau. „Weshalb?“

„Aus der Kirche wurde eine Statue gestohlen. Zumindest hat das der Pfarrer gesagt.“

„Schon wieder?“, fragte die Frau. „Welche war es denn dieses Mal?“

Natascha hob hilflos die Hände.

Da mischte sich Ina, die mit Sandra zurückgekommen war, ein: „Das hat der Pfarrer nicht gesagt. Ist das denn schon öfter vorgekommen, dass hier Statuen gestohlen wurden?“

„Oh ja“, bestätigte die junge Frau. „Allein in den vergangenen sieben Tagen war das der dritte Diebstahl. Unter anderem eine Madonna und zuletzt eine Statue von San Francesco, also dem heiligen Franziskus. Und davor gab es weitere Diebstähle.“

„Alle aus dieser Kirche?“, fragte Ina ungläubig.

„Aber nein. Hier war das der erste Diebstahl. Aber aus Kirchen in der näheren und weiteren Umgebung, die zum Teil zu unserem, wie sagt ihr, ah ja, Seelsorgeverband gehören, war das jetzt der dritte.“

„Ich verstehe das nicht. Warum sollte denn jemand solche Statuen stehlen?“, fragte Natascha fast verzweifelt. „Wer will denn so was?“

„Oh, sie sind zum Teil sehr alt und wertvoll, von bedeutenden Künstlern“, erwiderte die Frau.

„Und was macht man dann mit diesen? Man kann sie ja wohl kaum verkaufen. Man würde sie doch sofort erkennen“, gab Sandra zu bedenken.

Die junge Frau zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht, vielleicht bringt man sie weit weg ins Ausland. Obwohl, wahrscheinlich sind es Auftragseinbrüche für private Sammler. Das ist ja oft auch der Fall, wenn wertvolle Bilder gestohlen werden. Davon abgesehen wurden nicht nur Statuen gestohlen, sondern auch andere alte und sehr wertvolle Kirchenschätze aus Gold und mit Edelsteinen verziert. Die kann man einschmelzen oder die Edelsteine herausbrechen. Ich frage mich, was sie wohl hier gestohlen haben?“

Da konnten ihr die Kinder nicht entscheidend weiterhelfen.

„Der Pfarrer hat von einer Statue gesprochen, aber mehr wissen wir nicht“, erwiderte Sandra.

„Wie kommt es, dass Sie eigentlich so gut Deutsch sprechen“, erkundigte sich Ina.

„Ich bin in Deutschland aufgewachsen und lebe erst seit ein paar Jahren wieder hier im Tessin. Mein Name ist übrigens Gina Pellegrini, aber ihr könnt mich Gina nennen.“

Die Mädchen stellten sich ebenfalls vor.

Dann fragte Sandra: „Pellegrini? Hieß so nicht die Frau, die mit dem Priester gesprochen hat.“

„Mit Don Giuseppe? Ja, das war meine Tante Paola. Sie ist hier im Seelsorgeverband die Mesnerin.“

„Dann leben Sie hier bei Ihrer Tante?“, wollte Ina wissen.

Gina lachte: „Aber nein, ich habe meine eigene Wohnung. Aber ab und zu besuche ich sie natürlich.“

„Mein Vater ist auch Sakristan. Aber sie sagten im Seelsorgeverband. Ist sie denn Sakristanin in mehr als einer Kirche?“, wunderte sich Sandra.

„Aber ja, in drei Kirchen und einer Kapelle hier in der Umgebung“, gab Gina zur Antwort.

„Wow, so viele. Mein Vater ist nur …“

„Leute, wir müssen los“, unterbrach Natascha Sandra. „Wir hätten schon vor fünf Minuten im Haus sein sollen.“

Die Mädchen verabschiedeten sich, rannten den Hang hinunter und über die zum Lagerhaus gehörende Spielwiese zum Haus, wo sie von Frau Pfyffer ungeduldig empfangen wurden.

Vorerst sagten die Mädchen den Jungen nichts von den Kirchenräubern. Das lag nicht nur daran, dass sie wenig Lust verspürten, sich wieder auf Verbrecherjagd zu begeben, sondern auch daran, dass sie schlicht und einfach keine Zeit dazu hatten. Das zwar schöne, aber dichte Lagerprogramm ließ ihnen nur wenig Freizeit, die sie nicht auch noch für Ermittlungen nutzen wollten. Darüber hinaus wussten sie auch nicht, wie sie hätten ermitteln sollen? Sie waren hier fremd, kannten sich nicht aus und sprachen mit Ausnahme von Sandra, die sich aber rundheraus weigerte, nicht einmal die Sprache der örtlichen Bevölkerung. Wie also hätten sie mit Ausnahme weniger Personen, die vielleicht Deutsch konnten, jemanden befragen sollen? Gut, da blieb noch Englisch. Aber Befragungen auf Englisch trauten sie sich nicht zu. Da war es doch sinnvoller, Ingo und Manuel gar nicht erst auf die Verbrechen aufmerksam zu machen.

„Ich habe absolut kein Bedürfnis, die wenige Freizeit, die wir haben, mit sinnlosen Befragungen zu verbringen, bei denen wir nachher nicht einmal wissen, ob die Befragten uns und wir die Befragten richtig verstanden haben“, erklärte Ina gereizt, als Natascha sie fragte, ob sie nicht doch ermitteln sollten. Denn ihr gaben die Diebstähle besonders zu denken, da ja offenbar auch eine Madonna gestohlen worden war, zu der sie ja aufgrund ihres Kerzen-Rituals eine besondere Beziehung hatte.

Am nächsten Morgen wurde ihr Plan, den Jungen nichts von den Kirchendiebstählen zu erzählen, mit einem Schlag zunichtegemacht.

Es war Sonntag und die Pastoralassistentin Frau Pfyffer hatte mit Don Giuseppe vereinbart, einen Gottesdienst in der Kirche zu feiern. Da an diesem Tag in dieser Kirche kein Gemeindegottesdienst stattfinden sollte, hatte der Pfarrer nichts dagegen, wenn Frau Pfyffer die Kirche mit ihren Ministrantinnen und Ministranten nutzte.

Die fünf MiNiS waren etwas früher dran und stiefelten dieses Mal über die Straße den Hang zur Kirche hinauf. Kurz zuvor hatte sie der Priester in seinem Auto überholt. Er war allerdings bereits in der Kirche verschwunden, als sie dort anlangten. Gleichzeitig mit den Jugendlichen erreichte auch die Sakristanin Frau Pellegrini auf ihrem Fahrrad die Kirche. Offenbar hatte sie es zurückerhalten.

In diesem Augenblick stürzte der Pfarrer laut lamentierend heraus und stürmte, kaum wurde er ihrer ansichtig, auf Frau Pellegrini zu. Mit Händen und Füssen sprachen sie aufeinander ein. Dann eilten beide zurück in die Kirche. Die Jugendlichen folgten ihnen verblüfft. Sie mussten nicht lange fragen, was passiert war. Als sie sich in der reich mit wunderbaren Fresken bemalten Kirche umsahen, entdeckten sie einen Opferkerzenständer und dahinter an der Wand zahlreichen Votivtafeln. Vor dieser standen die beiden Erwachsenen und klagten laut.

Normalerweise hätte sich auf dieser Seite der Kirche wohl auch eine Marienstatue befinden müssen. Nur, diese war nicht mehr vorhanden.

Kurze Zeit später betrat Frau Pfyffer, die alles für den Gottesdienst vorbereiten wollte, die Kirche.

Als Don Giuseppe sie entdeckte, eilte er auf sie zu und sagte: „Ich fürchten, Sie hier können heute keine Gottesdienst feiern. Es gab eine Einbruch. Die Madonna sein weg und auch die Tabernakel mit der Türe von Vanoni. Die Sakristei wurde ebenfalls aufgebrochen. Ich habe allerdings noch nicht sehen, ob auch da etwas geraubt. Jedenfalls ich muss rufen Polizia. Sie erst müssen alles ansehen. So lange niemand dürfen hinein.“

„Klar, die Spurensicherung muss erst mal alles untersuchen“, flüsterte Ingo den anderen zu.

Da meldete sich Ina zu Wort und sprach Don Giuseppe an: „Aber wurde das denn nicht gestern schon gemacht? Ich dachte, der Raub habe bereits gestern stattgefunden.“

„Gestern? No. Gestern fehlen Statue von San Francesco in Nachbarkirche. Gestern ich gar nicht betreten San Bartolomeo. Aber Signora Pellegrini, Sie gestern waren in Kirche! Waren da alles noch da?“

Da sie nicht reagierte, wiederholte er seine Frage auf Italienisch. Signora Pellegrini antwortete aufgeregt mit Händen und Füssen.

Sandra übersetzte für die anderen. „Sie weiß es nicht. Anscheinend war sie gestern gar nicht mehr in der Kirche. Sie wollte zwar, aber Don Giuseppe hatte sie ja vorher abgefangen und ist mit ihr zur Polizei gefahren. Und danach hatte sie keine Zeit mehr.“

„Aber ich dachte, der Einbruch hier wäre gestern entdeckt worden. Gina hat doch gesagt …“, wunderte sich Natascha.

„Wahrscheinlich hat sie genau wie wir geglaubt, dass der Einbruch in dieser Kirche stattgefunden habe, aber Don Giuseppe wollte wegen eines anderen Einbruchs zur Polizei“, befand Ina.

„Ein Einbruch, gestern?“, erkundigte sich Ingo misstrauisch. „Wie kommt es, dass wir davon im Gegensatz zu euch nichts wissen?“

Er und Manuel sahen die drei Mädchen grimmig an.

Ina zog den Kopf ein und grinste verlegen, während Natascha leise „Autsch“ murmelte.

Der Haussegen hing schief. Manuel und Ingo waren stocksauer auf die Mädchen, weil sie ihnen ihren neuen Fall, wie Ingo es ausdrückte, verschwiegen hatten.

„Du bist meine Freundin/Schwester!“, sagten die beiden gleichzeitig fast wortgleich in vorwurfsvollem Ton.

„Und dennoch macht ihr das jetzt schon zum wiederholten Mal“, führte Ingo weiter aus. „Wie war das denn in den Sommerferien? Da habt ihr auch Fälle ohne uns gelöst.“

„Hallo!“, empörte sich Ina. „Kann ich was dafür, dass du mit Papa auf einem Männertrip warst, als das mit Ilona passiert ist? Hätte ich warten sollen, bis du dann mal Tage später eingetroffen wärst? Dann hätten wir aber heute keine kleine Schwester mehr.“

„Das hat er nicht so gemeint“, versuchte Manuel Ina zu beruhigen. „Aber dieses Mal sind wir hier und trotzdem hast du uns nichts erzählt!“ Vorwurfsvoll sah er sie an.

Ina versuchte, sich damit herauszureden, dass sie wegen des Minilagers, der fremden Umgebung und der fremden Sprache ohnehin keine Möglichkeit hätten, zu ermitteln, aber davon wollten die beiden nichts wissen.

„Du hättest es uns sagen müssen“, beharrte Manuel immer wieder.

Ingo bestrafte seine Schwester mit Nichtachtung, gab sich scheinbar desinteressiert, brannte aber natürlich darauf, alles zu erfahren, was die Mädchen über den Fall wussten. Da sich beides schlecht miteinander vereinbaren ließ, wirkte sein Gehabe nicht wirklich überzeugend, aber da Natascha und Sandra den Frieden wieder herstellen wollten, erzählten sie bereitwillig alles, was sie wussten, auch wenn es nur sehr wenig war, als er sie etwas umständlich fragte: „Es interessiert mich zwar nicht, schließlich habt ihr es nicht für nötig gehalten, mich zu informieren, aber worum geht es eigentlich?“

Und entgegen seinem geheuchelten Desinteresse hing er an ihren Lippen und ließ sich kein Wort entgehen. Mehrmals fragte er sogar nach.

Am Ende wandte er sich an Manuel, der natürlich auch zugehört hatte und meinte: „Manuel, ich denke, das ist ein Fall für uns beide.“

Obwohl Ina ja ursprünglich gar nicht hatte ermitteln wollen, gefiel ihr diese Formulierung überhaupt nicht.

„Was soll das heißen? Was ist mit uns?“, fragte sie misstrauisch.

„Das soll heißen, ihr drei seid nicht dabei. Manuel und ich werden den Fall allein lösen“, erwiderte Ingo.

„Ihr? Allein?“, vergewisserte such Ina noch einmal ungläubig.

„Du sagst es!“, bestätigte Ingo.

„Ohne auch nur ein Wort Italienisch zu können? Wie wollt ihr denn da jemanden befragen?“

„Erstens können wir sehr wohl Italienisch“, widersprach ihr Ingo von oben herab, um dann gleich wieder einzuschränken, „zumindest ein wenig. Und zweitens gibt es auch noch andere Ermittlungsmethoden. Wir schaffen das schon. Schließlich sind wir Profis.“

Ina schnaubte abfällig, dann meinte sie. „Ich glaube nicht, dass ihr mit Buongiorno und ciao weit kommt. Und viel mehr könnt ihr sicher nicht.“

„Das lass mal unsere Sorge sein“, wies Ingo ihren Einwand zurück. „Jedenfalls wollen wir nichts mehr mit euch zu tun haben, nachdem ihr uns so verraten habt.“

„Wir mit so Idioten wie euch auch nicht“, gab Ina patzig zur Antwort.

Sandra, Natascha und Manuel sahen die beiden Geschwister besorgt an, doch diese achteten nicht darauf.

„Dann gibt es ja nichts mehr zu sagen!“, rief Ingo zornig und wandte sich an Manuel. „Komm, wir gehen! Wir müssen planen, wie wir vorgehen.“

Die beiden liefen davon, während die Mädchen betreten zurückblieben.

In diesem Augenblick trat Miranda, die die Auseinandersetzung mit angehört hatte, von hinten an sie heran und fragte: „Wenn die Jungs jetzt nicht mehr im selben Team wie ihr seid, könnte dann nicht ich eurem Detektiv-Klub beitreten?“

Seit ein paar Wochen sprach Miranda immer wieder einmal die verschiedenen Mitglieder der MiNiS, wie die fünf jugendlichen Detektive sich nannten, darauf an. Mirandas Bemühungen waren bisher stets ohne Erfolg geblieben. Waren die Mädchen noch vorsichtig ausgewichen, hatte ihr Ingo unverblümt eine Abfuhr erteilt: „Nein, kannst du nicht. Wir sind nämlich vollzählig. Wir sind die fünf MiNiS, jeder Buchstabe darin steht für einen von uns. Es sind unsere Anfangsbuchstaben. Unser M ist bereits besetzt. Und wir brauchen ganz bestimmt kein sechstes Mitglied. Und schon gar kein kleines Mädchen wie dich.“

Letzteres war schon deshalb eine Frechheit, weil Miranda genauso alt war wie Ingo, Ina, Manuel und Natascha und auch nur minimal kleiner als die zierliche Natascha, und das auch nur, weil diese kürzlich einen Wachstumsschub hatte. Dennoch war diese immer noch die Kleinste der Truppe.

Auf die Anfangsbuchstaben spielte Miranda jetzt an, als sie fortfuhr: „Ich meine, ein M und ein I sind ja jetzt nicht mehr besetzt. Und ich wäre bestimmt eine ganz tolle Detektivin. Und wegen des zweiten I, meine Freundin Isabelle würde bestimmt auch mitmachen.“ Hoffnungsvoll sah Miranda zu Natascha und Sandra, die sich ihr zugewandt hatten.

Die beiden blickten sich hilflos an, während Ina ihr weiterhin den Rücken zukehrte und mit verkniffenem Gesicht Manuel und Ingo hinterher starrte. Wie sollten sie ihr bloß eine Absage erteilen, ohne sie zu verletzen?

Schließlich wandte sich Natascha an Miranda: „Tut mir leid, Miranda, aber weißt du, das ist nur ein momentaner Streit. Wir werden uns sicher schon bald wieder versöhnen und …“

In diesem Augenblick drehte sich Ina um und unterbrach Natascha barsch: „Falsche Adresse. Wir möchten mit dem ganzen Detektivmist nichts mehr zu tun haben. Da musst du dich schon an meinen Vollpfosten von Bruder wenden, falls du wirklich mit einem solchen Hornochsen rumhängen willst. Wenn ja, kannst du gerne auch meinen Part als Freundin von Ingos Vollhorst Manuel übernehmen. “

Nach diesen Worten wandte sich Ina ab und marschierte davon. Nach kurzem Zögern folgten ihr Natascha und Sandra und ließen eine verdutzte Miranda zurück.

Deren Freundin Isabelle stellte sich neben sie, setzte ein einfältiges Gesicht auf und rief ihnen hinterher: „Aber das geht doch gar nicht, Manuel fängt doch schon mit M an, genau wie Miranda!“

Ina ließ einen genervten Schrei ertönen, drehte sich um und rief Isabelle zu: „Na, dafür passt du mit deinem I ja bestens dazu. Und lautet Mirandas zweiter Vorname nicht Sarah? Da hätten wir ja das S. Passt also. Braucht ihr nur noch jemand mit N, aber da findet ihr sicher noch jemanden, vielleicht Nina oder Nicola oder – noch besser – eine Nervine.“ Darauf setzte Ina ihren Weg fort und knallte ihre Zimmertür hinter sich zu.

„Aber wir haben hier doch gar keine Nina oder Nicola. Und kennst du eine Nervine?“, fragte Miranda Isabelle ratlos.

Kurz zuckte ein Lächeln über Isabelles Gesicht, das nun keineswegs mehr einfältig wirkte, sondern gewitzt, dann meinte sie: „Ist eh egal, mit Natascha und Sandra wäre cool, aber Ingo ist mir zu doof.“

Von da an redeten die Jungen und Mädchen nicht mehr miteinander und hielten sich so gut wie möglich voneinander fern. Auch wenn sich Ina immer wieder dabei ertappte, wie sie sehnsüchtig zu Manuel hinübersah, aber jedes Mal schnell wegschaute, wenn der ihren Blick erwiderte.

Schnitzeljagd

Am nächsten Tag machten die Ministrantinnen und Ministranten, aufgeteilt in Fünfergruppen, eine Schnitzeljagd durch die Umgebung. Normalerweise hätten die fünf alles getan, um zusammen eine Gruppe zu bilden, doch dieses Mal wollten sie nicht. Allerdings war das eh gleichgültig, denn die Gruppen wurden ausgelost. Manuel und Ingo hatten Glück, sie kamen miteinander in eine Gruppe, zusammen mit Simon, Miro und – zu ihrem Leidwesen – Natascha.

Ina und Sandra waren ebenfalls in einer Gruppe, einer reinen Mädchengruppe, was ihnen nicht unrecht war, nur fehlte eben, besonders zu Inas Bedauern, ihre beste Freundin Natascha.

Die Gruppe von Manuel und Ingo startete als erste. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kamen sie gut voran. An jeder Kreuzung war eine Frage mit mehreren Lösungsvorschlägen versteckt, die jeweils einen anderen Weg zum Weitergehen bezeichneten. Bei den Fragen handelte es sich ausschließlich um religiöse Fragen, meist zu kirchlichen Festen, was nicht weiter verwunderlich war, denn während Oberministrantin Francesca den Weg festgelegt hatte, hatte die Pastoralassistentin Frau Pfyffer die Fragen vorbereitet. Offenbar war sie der Meinung, dass so eine Ministrantenfreizeit der ideale Ort war, um etwas über kirchliche Feste zu lernen. War die Lösung falsch, dann kam nach einiger Zeit ein trauriger Smiley und man musste umkehren. Zweimal hatten sich die Jungen für eine falsche Antwort entschieden und Nataschas Einwände nicht beachtet. Doch im Nachhinein erwiesen sich deren Antworten als richtig. Von da an hörten sie auf Natascha, wenn sie über die richtige Antwort uneins waren.

„Mann“, stöhnte Ingo bei einer seiner Meinung nach besonders kniffligen Aufgabe. „Hätte die nicht Fragen über Fußball stellen können? Woher sollen wir denn wissen, welcher Heilige seinen Gedenktag am 11. November hat?“

Natascha bezweifelte sehr, dass sich Frau Pfyffer sonderlich gut im Fußball auskannte und sie war sich sicher, dass einige der Ministrantinnen und Ministranten überhaupt nicht erfreut auf Fragen über Fußball reagiert hätten, dazu waren die Interessen einfach zu breit gefächert. Allerdings behielt sie diese Meinung lieber für sich und wandte sich stattdessen an Ingo: „Ich hätte eigentlich erwartet, dass gerade du als Deutscher das weißt, wird doch der Gedenktag des heiligen Martin in Deutschland sehr ausgiebig gefeiert. Zumindest hat mir Ina auf dem letzten Räbeliechtli-Umzug erzählt, dass man in Deutschland stattdessen am 11. November den Martinstag feiert, häufig mit Martinsspiel und Laternenumzug.“

„Ups!“, meinte Ingo. „Denn kenn ich natürlich schon, aber ich habe nicht daran gedacht, dass dieser Tag am 11. November ist.“

Natascha verzichtete auf eine Antwort.

Auf ihrer Wanderung kamen sie in einer kleinen Siedlung an einer Kapelle vorbei.

„Dein Schuhbändel ist offen“, machte Ingo Manuel auf einen Missstand aufmerksam.

„Oh“, erwiderte dieser und ging in die Hocke.

Während die anderen weiterliefen, blieb Ingo neben Manuel stehen und schaute sich um. Dabei blickte er auch zum Gotteshaus zurück und stutzte. „Was sind denn das für Typen?“

Er deutete mit seiner Hand auf zwei Männer, die sich an der Hintertür der Kapelle zu schaffen machten. Ingo konnte aber nicht erkennen, was sie da taten.

Manuel blickte kurz hinüber. „Keine Ahnung. Ist doch egal.“

„Das schau ich mir genauer an“, meinte Ingo, während Manuel seinen zweiten Schuhbändel löste, der sich bereits ebenfalls stark gelockert hatte, um ihn wieder zuzubinden.

Vorsichtig schlich sich Ingo an. Einer der Männer hatte sich über das Türschloss gebeugt und fuhrwerkte daran herum. In diesem Augenblick bemerkte der zweite Mann Ingo und stieß seinen Kollegen an. Sofort richtete sich dieser auf und ließ einen Gegenstand in seiner Tasche verschwinden. War das ein Schlüsselbund? Oder etwas anderes? Ingo wusste es nicht.

„Was machen Sie denn da?“, fragte Ingo, während er langsam näherkam.

Der eine Mann antwortete ihm auf Italienisch. Es klang nicht sehr freundlich. Die beiden Männer, einer mit schwarzem, einer mit braunem Vollbart, beide mit Hut, kamen auf ihn zu, gezwungenermaßen, denn es führte kein anderer Weg von der Kapelle zur Straße zurück.

Einem plötzlichen Impuls folgend, zückte Ingo sein Smartphone, hielt es vor sich und rief: „Bitte lächeln.“ Gleich darauf schoss er ein Foto von den beiden.

Als Antwort erntete er wütende Rufe der beiden Männer, sie sprangen auf ihn zu, der Braunbart packte und schüttelte ihn. Ingo protestierte laut, versuchte, sich zu wehren, und trat dem Mann gegen das Schienbein. Dieser stieß einen Fluch aus, umklammerte Ingo aber nur umso fester. Dann war auch sein Kamerad heran, ergriff Ingos Hand mit dem Smartphone, verdrehte ihm das Handgelenk und entwand es seinen Fingern. Ingo schrie vor Schmerz auf.

„Aua! Geben sie mir sofort mein Handy zurück!“, brüllte er.

Statt einer Antwort grinste ihn der Mann an. Dann holte er aus und warf das Handy mit voller Wucht gegen die Kapellenwand, von der es abprallte und auf den Boden fiel.

„Mein Smartphone!“, rief Ingo entsetzt und versuchte, sich loszumachen. Vergeblich, der Braunbart hielt eisern fest.

Der Schwarzbart allerdings war noch nicht fertig. Er lief zu dem Handy, hob es auf, entfernte Akku und SIM-Karte, zerbrach sie und warf alles in eine Gießkanne, die an der Ecke der Kapelle stand, wohl für die Pflanzentröge, die im Halbkreis vor der Kapelle aufgestellt waren. Ein Plätschern verriet, dass sie mit Wasser gefüllt war. Hämisch grinste der Mann zu Ingo hinüber.

Endlich ließ der Braunbart Ingo los und stieß ihn zu Boden. Dann eilten die beiden Männer zu einem in der Nähe abgestellten grünen Combi, stiegen ein und brausten mit quietschenden Reifen davon.

Ingo achtete nicht darauf, sondern rappelte sich auf, eilte zur Gießkanne und fischte sein Smartphone ohne große Hoffnung heraus. Man musste wahrlich kein Prophet sein, um zu wissen, dass es zerstört war. Das Gehäuse war aufgeplatzt. Teile davon lagen noch neben der Hauswand. Das Innenleben breitete sich vor Ingos Augen aus und sah absolut nicht intakt aus. Das Glas war völlig zersplittert, man konnte nichts mehr erkennen.

„Mein Smartphone“, klagte er.

Als Natascha Ingos Schrei hörte, drehte sie sich erschrocken um und traute ihren Augen nicht, als sie Ingo mit einem Mann ringen sah, dem gleich noch ein zweiter zu Hilfe kam. Sie rief nach den beiden anderen Jungen, die schon etwas weiter voraus waren, und eilte zurück, um Ingo zu Hilfe zu kommen. Doch als sie an Manuel vorbeikam, der sich gerade aufrichtete, ließen die beiden von Ingo ab und flüchteten zu einem Auto.

Wenig später erreichte Natascha Ingo und legte tröstend ihre Hand auf seinen Arm, während dieser traurig auf die Reste seines Smartphones in seiner Hand starrte.

„Warum haben die das gemacht?“, fragte sie ratlos.

Gruppenleiter Simon, der mit Miro zusammen die beiden soeben erreichte, fragte besorgt: „Ist alles in Ordnung mit dir? Und wer war das überhaupt? Was wollten die Kerle von dir?“

„Mir ist nichts passiert. Keine Ahnung, wer die waren, ich kenne sie nicht. Ich glaube, sie waren sauer, weil ich sie fotografiert habe.“

„Und da greifen sie dich an und zerstören dein Smartphone?“, fragte Simon entgeistert.

„Warum hast du sie überhaupt fotografiert?“, wollte Miro wissen.

„Ach, nur so. Ich habe die Kapelle aufgenommen. Die ist so schön alt. Da waren sie halt zufällig mit drauf“, entgegnete Ingo und zuckte mit den Achseln.

Natascha sah ihn misstrauisch an. Da stimmte doch was nicht. Seit wann interessierte sich Ingo für alte Kapellen? Davon abgesehen, wirklich spektakulär sah sie von außen nicht aus.

Auch Simon und Miro schauten etwas befremdet. Aber da Ingo nichts weiter sagte, meinte Simon: „Jedenfalls war das eine Straftat. Natürlich hättest du sie nicht einfach fotografieren dürfen, aber noch weniger durften sie dich angreifen und dein Handy zerstören. Ich rufe Frau Pfyffer an und gebe ihr Bescheid. Dann wird sie wohl mit dir zur Polizei gehen.“

„Ach, das ist doch nicht nötig“, wiegelte Ingo mit abwehrender Handbewegung ab. „So ein Aufstand wegen dem alten Stück.“

„Wie bitte?“ Nicht nur Natascha glaubte, nicht richtig gehört zu haben.

„Es ging schon nicht mehr richtig“, führte Ingo weiter aus und da er an Nataschas Blick erkannte, dass sie ihm kein Wort glaubte, schließlich wusste sie nur zu genau, dass das Smartphone zwar nicht nagelneu, aber keineswegs alt, sondern vielmehr das Weihnachtsgeschenk vom letzten Jahr war und Ingo es normalerweise hütete wie seinen Augapfel, fügte er noch hinzu: „Wir müssten die Schnitzeljagd abbrechen und ich möchte auf keinen Fall gegen meine Schwester verlieren.“

Das klang zumindest halbwegs glaubwürdig. Ingo hätte auch dann nicht gegen seine Schwester verlieren wollen, wenn er momentan nicht mit ihr im Streit liegen würde. Und dennoch, dass er den Verlust des Handys einfach so abtat, war mehr als merkwürdig. Jetzt steckte er sein zerstörtes Smartphone in die Hosentasche und sammelte auch die restlichen herumliegenden Teile auf.

Manuel, der inzwischen zu ihnen gestoßen war, klopfte ihm tröstend auf die Schulter, warf ihm dabei aber einen eigentümlichen Blick zu.