Die mittlere Schwester - Melanie Meurer - E-Book

Die mittlere Schwester E-Book

Melanie Meurer

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Beschreibung

Die mittlere Schwester erzählt die Geschichte einer - nicht - intakten Familie. Sie wächst auf mit den prägenden Eindrücken einer für sie normalen Kindheit. Doch als Sandwichkind wird sie konfrontiert mit einer Kette von Erlebnissen, die sie als Heranwachsende kaum einordnen kann. Erst im Erwachsenenalter erfährt sie von einem dunklen Familiengeheimnisses, das ihr Leben durcheinanderwirbelt und ihre Sicht auf die Familie völlig verändert. Nun wird ihr das einzigartige und trotzdem alltägliche Verhältnis zu ihren beiden Schwestern bewusst.

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Seitenzahl: 55

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Ich widme dieses Buch meinen beiden Schwestern, stellvertretend für alle Schwestern dieser Welt. Die besondere Vielfalt der Beziehung zwischen uns und die ganz spezielle Stellung jeder Einzelnen innerhalb unserer merkwürdigen Familie ist die Grundlage dieses Buches.

Dabei erzähle ich von vielen durchlebten Lebenssituationen und versuche dadurch die Ursachen für manche Verhaltensweisen der drei Schwestern zu ergründen. Natürlich deute ich die Erkenntnisse als die einer mittleren Schwester, meine beiden Schwestern sehen viele Sachen und Situationen sicherlich völlig anders.

Aber das liegt wohl in der Natur der Dinge.

Inhaltsverzeichnis

Alles normal

Die Schwestern

Meine Schuld

Unsere Straße

Der rote Block

Gute Nacht

Partykeller für alle

Der Vater

Die Mutter

Das neue Zuhause

Karneval im Rheinland

Der Orient ruft

Von Sehnsucht getrieben

Bayern - ich komme

Ihr Kinderlein kommet

Keine Rampensau

Alles ist anders

Heute

SCHLUSSWORT

Alles normal

Kommt ein Kind auf die Welt, dann wird es meist in eine Familie hineingeboren. Das kann das Elternpaar sein, das sich mehr oder auch weniger auf das kommende Baby gefreut hat, das kann aber auch eine bereits komplette Familie mit Kind oder Kindern sein, die durch dieses Baby eben noch aus einem Kind mehr besteht.

Was sich bei jeder Geburt eines Kindes gleicht, weltweit, ist das Gefühl des Neuankömmlings. Von Anfang an bis in die folgenden Jahre hinein ist die Familie, in die das Kind hineingeboren wird für dieses Kind – normal. Wie auch immer es in dieser Familie auch zugehen mag.

Erst mit zunehmendem Alter fällt dem Kind auf, dass es, neben der eigenen Familie auch noch völlig andere Familienverhältnisse gibt. Wenn es nach links und rechts schaut, wenn es Einblicke in andere Familien bekommt, durch Verwandtschaft oder Freunde, fallen dem Kind schon Unterschiede zur eigenen Herkunft auf. Dabei nimmt es die neuen Erkenntnisse einfach und erstmal ohne Wertung auf, registriert sie wahrscheinlich lediglich am Rande. Doch immer noch ist die eigene Familie der Lebens-Mittelpunkt und für jedes Kind erst einmal genau so richtig, wie sie ist.

Oft entwickeln die Kinder erst im Erwachsenenalter, durch Abstand und den Auszug aus der elterlichen Wohnung, einen anderen Blickwinkel auf die Familie.

Doch da ist das Kind bereits zu alt und die, von den Eltern gestellten Weichen bereits zu fest verankert, um Fehler, die im Elternhaus durch die Eltern zugelassen oder sogar gemacht wurden, einfach zu beseitigen. Diese können dann nur noch schwer berichtigt werden, ja, sie haben meist bereits Narben und Verkrustungen auf den jungen Erwachsenenseelen hinterlassen.

Verstärkt werden diese Erkenntnisse noch durch die Gründung einer eigenen Familie. Ich glaube, es ist völlig natürlich, dass erst durch das selber-Eltern-werden über die Position der eigenen Eltern nachgedacht wird. Während dem Durchleben alltäglicher Situationen mit dem eigenen Kind sieht man als Vater oder Mutter die Missstände der eigenen Eltern. Ihr Verhalten in der Vergangenheit beeinflusst automatisch unser Verhalten in der Gegenwart. Wie auch unseres unweigerlich Auswirkungen auf unsere eigenen Kinder haben wird.

Wer kennt das nicht von sich selber, dass man sich als junges Elternteil vornimmt, genau diese Art der eigenen Mutter oder des Vaters keinesfalls übernehmen zu wollen?

Klar ist das manchmal kontraproduktiv, sollte uns doch bewusst sein, dass auch unsere Kinder einmal genau so denken werden. Doch die Hoffnung aller Eltern bleibt, dass ihnen unsere positiven Verhaltensweisen und Entscheidungen besonders prägend in Erinnerung bleiben.

Die Schwestern

Nicht Fisch – nicht Fleisch. Kurz und knapp trifft es das auf den Punkt. Die Konstellation von drei Schwestern beherbergt für die mittlere Schwester eine merkwürdige Rolle innerhalb der Familie. Nachfolgend erzähle ich von meinen beiden geliebten Schwestern. Von den Erfahrungen und meinen persönlichen Einschätzungen. Unser aller Leben wurde von vielen kleinen und wenigen großen Ereignissen in der Familie geprägt. Die große Schwester war ein Einzelkind. Eltern, Großeltern, alle liebten sie. Das erste Kind, die erste Enkelin, für jeden war sie etwas Besonderes.

Fünf Jahre später kündigte sich die Geburt einer kleinen Schwester an. Selbst dem stark gewölbten Bauch der Mutter konnte die Erstgeborene noch Positives abgewinnen. Doch, als die kleine Schwester erstmal auf der Welt war, merkte die Große wohl bald, dass sie nun an ihren Aufgaben wachsen werden muss. Wurde doch auf einen Schlag wesentlich mehr von ihr verlangt.

Seit dem Tag der Geburt der kleinen Schwester stand sie nicht mehr im Vordergrund. Sie bekam Sätze zu hören, wie: „Du kriegst dein Essen später, jetzt muss ich erstmal das Baby stillen.“ Oder: „Die Kleine schreit, du bist ja schon so groß, ich komme gleich.“ Ganz typisch die Bitte: “Spiel mal etwas leiser, deine kleine Schwester schläft.“

Es wurde wahrscheinlich sehr schnell von ihr erwartet, dass sie als große Schwester Verantwortung übernimmt. „Gib deiner Schwester was von dem Keks ab. Wenn du sie halten willst, pass gut auf, dass sie dir nicht runterfällt.“ Sie wurde bestimmt auch einbezogen in das Aufziehen der Schwester: “Willst du ihr mal das Fläschchen geben?“

Dazu kam für die große Schwester die ungewohnte Lebenslage, dass Sie von einem Tag auf den anderen in manchen Situationen wesentlich mehr auf sich selbst gestellt war.

“Mama kann grad nicht, versuch doch mal, ob du das alleine kannst.“ Oder: „Du bist schon so groß, denk mal selber darüber nach. Du siehst doch, dass ich keine Zeit zum Spielen habe.“

So hat die große Schwester bei der Geburt der dritten Schwester schon einiges an Übung, wie sie sich als solche zu verhalten hat und was die Eltern von ihr erwarten. Die kleinste Schwester ist und bleibt das Nesthäkchen. Sie wird sich im Leben meist mehr behaupten müssen als ihre „großen“ Vorbilder. Sie kann als kleines Kind machen, was sie will, immer gibt es jemanden, der ihre Lernprozesse schon vor ihr durchgemacht hat. Es gab schon zwei Schwestern, bei denen sich die Mutter freute, wenn sie ihre ersten Schritte taten oder die ersten Worte sprachen. Die Kleine kann die Eltern nur noch schwer überraschen mit ihren persönlichen Leistungen.

Doch hat sie auch den großen Vorteil, dass von ihr keinesfalls so viel erwartet wird, wie von der Erstgeborenen. Selbst von der mittleren Schwester wird mehr erwartet als von ihr. Sie wird meist einfach so akzeptiert, wie sie ist, braucht sich und ihr Verhalten erstmal nicht erklären und verteidigen. Die beiden Schwestern werden meist ermahnt, sie müssen Rücksicht auf die Jüngste nehmen.