Die Mittlerin - Julia Trompeter - E-Book

Die Mittlerin E-Book

Julia Trompeter

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Beschreibung

Was macht man, wenn man von einer Literaturagentin den Auftrag bekommt, einen Roman zu schreiben - jedoch gar nichts erzählen will? Die junge Frau, die sich voller Bedenken an die Aufgabe der Mittlerin herantastet, gerät dabei ins Schwitzen. Sie stürzt sich in Gedanken, Gefühle und immer absurder werdende Ereignisse. Drei Geistesgrößen beeinflussen sie: der österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard, der antike Philosoph Aristoteles sowie besagte Mittlerin. Doch bevor die Protagonistin die Konfrontation mit dem Eigenen zulassen kann, muss sie sich der Außenwelt stellen. Auf dem Weg zu sich selbst begegnen ihr der fischgraue Oskar, der fabelhafte Bear, sowie Köfte-Belmondo, der attraktive Mann der Mittlerin. Dabei wird sie in reger Auseinandersetzung mit der literarischen Tradition immer bewusster zur Erzählerin ihrer eigenen Geschichte.Julia Trompeter wirft in ihrem Debüt einen Blick auf den Literaturbetrieb und die Berliner Szene, nimmt es mutig mit literarischen Vorbildern auf und erzählt dabei eine unterhaltsame Selbstfindungsgeschichte ganz eigener Art.

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EPUB
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Seitenzahl: 287

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Inhalt

[Cover]

Titel

Widmung

Prolog

Postskriptum

Epilog

Nachweis der Zitate

Autorenporträt

Über das Buch

Impressum

Ich hab’ nie ein Vorbild gehabt und auch nie eins wollen. – Thomas Bernhard –

Prolog

Komme was wolle«, hatte die Verlagsfrau gesagt, »Sie brauchen einen Plot. Sonst wird das, was Sie vorhaben, keiner lesen und drucken sowieso nicht. Denken Sie sich eben etwas aus. Eine Vorgeschichte, die die Motivation der Hauptperson klarer werden lässt! Warum sollte eine junge Frau ein Buch schreiben sollen, warum sollte man sich heute, da die Stapel in den Verlagshäusern die Dimension von mehrstöckigen Altbauten annehmen, noch darum bemühen, jemanden zum Debüt zu überreden? Dann müssen Sie halt einen gescheiten Grund erfinden! Sagen wir doch, die Protagonistin habe etwas ganz Einzigartiges erlebt. War Augenzeugin von etwas, einem Unglück etwa oder sonst einem Ereignis. Dann ergibt das gleich einen ganz anderen Sinn, wenn Sie eine Agentin oder, wie Sie immer sagen, eine Mittlerin auftreten lassen, die von der Protagonistin einen Roman fordert. Lassen Sie Ihre Phantasie ein bisschen spielen und erfinden Sie etwas, das kann doch so schwer nicht sein. Und mein zweiter Tipp: Sperren Sie den Bernhard beim Schreiben in den Giftschrank. Wir bekommen jedes Jahr massenweise Manuskripte im Bernhard-Stil. Wenn Sie unbedingt so schreiben wollen, muss es schon etwas Besonderes sein. Bauen Sie den Humor mehr aus! Wir haben einen Autor im Programm, der arbeitet sich auch am Bernhard ab –, aber der ist eben auch brüllend komisch dabei. Wenn Sie überhaupt eine Chance haben wollen, dann müssen Sie sich von den anderen unterscheiden. Das sehe ich bei Ihnen momentan noch nicht.«

Thomas Bernhard war ein großer Mann. Noch immer sonnte ich mich im Glanz dieses so lose und friedvoll hingesetzten Satzes, während um mich herum die Welt zusammengebrochen war. Mir war sonst nicht nach Prosa, mir war nie nach Prosa, ich war mehr für das Gedicht. Und doch: Kaum etwas hatte mich in den letzten Tagen mehr am Leben erhalten als Thomas Bernhards Prosa, deshalb dachte ich, denke ich nun darüber nach: War ich mehr für das Gedicht? Stimmte dieser Satz oder folgte er nur ein paar Regeln, grammatikalisch-ausgelatschten Pfaden, die mich gar nicht weiter betrafen, nicht weiter zumindest, als dass ich ihre Urheberin war, ihnen meine Hand geliehen hatte und mit Gedanken nachgefahren war, ein Malen nach Zahlen, die Sprache, die Prosa, das Spiel. »Sie sollten etwas Eigenes machen, wenn Sie etwas schaffen wollen«, hatte der einzige berühmte Schriftsteller, den ich persönlich kenne, zu mir gesagt, an einem dunklen eichenholzfarbenen Nachmittag unten in seinem Keller, wo der Flügel steht, mein Flügel, zu groß, zu schwer für mich, eine untragbare – nein unertragbare Last, die ich stehen lassen musste, damals, vor ein paar Tagen, Wochen, vielleicht Jahren, aber wenn Jahren, dann wenigen, kurzen, gerafften Jahren voller unbedeutender Adjektive, kleiner, mieser, verführerischer Adjektive, die eine jede Prosa misslingen lassen.

»Für Prosa fehlt mir jeglicher Atem, nicht nur der lange, nein aller Atem«, hatte ich der Mittlerin gesagt, die mich immer mal wieder anschrieb, mir den Roman ans Herz gelegt hatte: »Bei Ihrem Talent.« Nun also saß ich wieder da, wo ich immer gesessen hatte, also zwischen allen Stühlen oder auf jedem nur ein bisschen, mit halbem Arsch Philosophin, mit halbem Onlineredakteurin und, wenn ich noch mehr Hälften hätte, warum eigentlich nicht, mit der dritten Hälfte Teilzeitbrotfachverkäuferin. Und außerdem war ich Dichterin, um es genauer zu sagen: Dichterin ohne eigenes Buch. »Das mit dem Lyrikband kommt schon noch, wenn Sie erst debütiert haben«, lächelt die Mittlerin, sie meint: mit Prosa debütiert haben, und sie meint es so ernst, wie man ernsthaft etwas meinen kann, etwas, das zu wissen schier unmöglich ist. Wenn Debütantenprosa ein Erfolgsrezept wäre, würde die Agentur besser laufen, dann müsste sie nicht auf mich zurückgreifen, einen blassen Vogel am Literatenhimmel, kaum sichtbar hinter den Schleierwolken des Betriebs.

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