Die Monolithin - Johanne Lind - E-Book

Die Monolithin E-Book

Johanne Lind

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Beschreibung

Ist dieser Text ein Schwindel oder ein Hinweis auf etwas Unglaubliches, ja Unmögliches? Ein Hinweis auf Vergangenes oder Zukünftiges? Ein Schlüssel? Wenn ja, zu was? Allein die Geschichte, wie diese Erzählung entdeckt wurde und welche Geschichte sie haben könnte, klingt unglaublich. Und die Erzählung selbst: Eine Geschichtenerzählerin verzaubert die Menschen mit ihren kraftvollen, einfachen Worten und verändert alle, die ihr zuhören, für immer. Bis sie auf ganz unerwartete Weise die Zeit überbrückt.

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Seitenzahl: 33

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort zur vorliegenden Ausgabe

Die Monolithin

Impressum

Vorwort zur vorliegenden Ausgabe

Pantelleria, die Insel im Mittelmeer, südwestlich von Sizilien. Lago di Venere, der See oder Spiegel der Venus. An seinem nordwestlichen Ufer wurde bei Ausgrabungen ein römisches Heiligtum freigelegt. In einem dieser Elemente, versteckt in einer Grundmauer, fand meine Mutter Johanne Lind, eine leidenschaftliche Archäologin, der ich alles verdanke, das Gefäß, in dem dieser Text seiner Entdeckung harrte. Das Keramikgefäß ist im karthagischen Stil gefertigt und konnte ebenso wie sein materieller Inhalt auf drei Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung datiert werden. So weit, so gut. Alles passt. Die Ungereimtheiten, ja Unmöglichkeiten beginnen mit dem Text.

 

Der Text ist nicht in Latein, Phönizisch-Punisch oder einer anderen vorchristlichen Sprache geschrieben, sondern in Maltesisch und damit natürlich, obwohl semitisch, im lateinischen Alphabet. Da sich die maltesische Sprache sehr stark entwickelt und verändert hat, können wir den Text relativ genau datieren. Der italienische und sizilianische Einfluss ist deutlich, aber noch nicht auf seinem Höhepunkt. Das bedeutet, dass der Text nach der Eroberung Maltas durch die Ritter des Johanniterordens im Jahr 1530 geschrieben wurde, als die Insel Teil des Königreichs Sizilien und später des Königreichs Neapel wurde. Der englische Einfluss, der die maltesische Sprache ab 1800 mit der britischen Kolonialherrschaft prägte, ist noch nicht vorhanden. Eine Einordnung in das 17. Jahrhundert ist daher realistisch. Aber wie kommt ein Text aus dem 17. Jahrhundert in ein versiegeltes karthagisches Tongefäß und in die Wand eines punischen Tempels? Was machen wir mit den zweitausend Jahren, die dazwischen liegen und nicht dazwischen liegen können?

 

Niemand hat eine Antwort, außer: Es ist unmöglich, dass ein Text aus der Zukunft (aus der Sicht der Punier) in die Vergangenheit (in die Gegenwart der Punier) gelangt. Der Fund muss also eine Fälschung sein. Er hat den Ruf meiner Mutter weitgehend zerstört. Als wäre sie verantwortlich für das, was sie findet. Glücklicherweise konnte er sie als Mensch nicht brechen. Im Gegenteil, der Text hat sie, wie sie mir einmal anvertraute, auf »eigentümliche Weise« gestärkt. Sie wusste nicht wie und worin, aber er gab ihr Kraft, eine Ausrichtung, die Fähigkeit, einen Sinn zu sehen, den sie nicht fassen konnte. Nicht, dass der Text magische Kräfte besäße, meinte sie, sondern »das untrügliche Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein«, das ihr der Fund an sich und auch der Text vermittelten. »Er lebt mich, der Sinn«, sagte sie. Dieses Geheimnis veranlasst sie auch, bestimmte verloren gegangene Erzähltraditionen zu erforschen, von der spirituellen Krankenpflege der ersten Johanniter bis hin zu den Erzähltraditionen der alten Griechen, den "iatros“, den Ärzten, und den "mantis“, den Sehern. Sie hofft, Spuren zu finden, die mit diesem Text in Verbindung stehen. Ihre Forschungen bleiben jedoch, wie sie selbst sagt, spekulativ, da es kaum Forschungsmaterial gibt, und so besteht ihre Hauptaufgabe darin, neues Forschungsmaterial zu finden. Eine anstrengende Aufgabe für eine alte, aber bemerkenswerte Frau.



 

Die Erzählweise selbst mag mit ihren Verschachtelungen von Geschichten in Geschichten in einer orientalischen Tradition stehen, in welcher Erzählungen ineinander verpackt werden, treibt dies aber auf eine fast unerträgliche Spitze und unterscheidet sich auch stilistisch deutlich davon. Denn die Geschichten sind nicht ineinander verschachtelt, sondern bilden einen nicht enden wollenden Fluss, etwa so, wie wenn man in eine fraktale Landschaft immer weiter hineinzoomt und am Horizont immer wieder neue, ähnliche, aber andere Formen auftauchen.