Die Nacht unterm Schnee - Ralf Rothmann - E-Book

Die Nacht unterm Schnee E-Book

Ralf Rothmann

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Beschreibung

Winter 1945: Verwundet liegt die sechzehnjährige Elisabeth, ein Landarbeiterkind, in einem Bunker unter der Erde und wird von einem russischen Deserteur gepflegt. Durch das Ofenloch hört sie Schritte im Schnee, und fiebernd stellt sie sich vor, dass dort oben nicht nur alle, die sie kennt und mag, ihre Eltern und Brüder, die Oma aus Danzig, sondern auch ihr künftiger Mann und die ungeborenen Kinder nach ihr suchen und sich über die Trümmer entfernen, ohne zu ahnen, dass sie darunter liegt. Und plötzlich denkt die Vergewaltigte, dass es gut so ist, dass sie nie mehr hinaufwill zu ihnen, zu allem, und für immer in dieser Nacht, diesem Frieden unter dem Schnee bleiben möchte. Aber sie muss ihr Leben zu Ende leben.

In einem atemberaubend geschriebenen Panorama der frühen Nachkriegsjahre zeichnet Ralf Rothmann das Portrait einer Frau, der stets die Angst im Weg steht, während ihr das Durchlittene jedes Gefühl dafür nimmt, welches Leid sie anderen zufügt; einer lebenslang hart arbeitenden Frau und Mutter, die von einem Rummel zum anderen tanzt, um nicht mehr zur Besinnung zu kommen, und vor der man sich doch verneigen muss: weil sich in ihrer Verzweiflung der Wille zur Liebe ausdrückt.

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Seitenzahl: 367

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Titel

Ralf Rothmann

Die Nacht unterm Schnee

Roman

Suhrkamp

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eBook Suhrkamp Verlag Berlin 2022

Der vorliegende Text folgt der 2. Auflage der Erstausgabe, 2022.

© Suhrkamp Verlag AG, Berlin, 2022

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Umschlaggestaltung und Foto: Hermann Michels und Regina Göllner

eISBN 978-3-518-77405-2

www.suhrkamp.de

Motto

Eine fremde Seele, das ist ein dichter Wald.

Anton Tschechow

Die Nacht unterm Schnee

Übersicht

Cover

Titel

Impressum

Inhalt

Informationen zum Buch

Cover

Titel

Impressum

Motto

Erstes Kapitel. Rosen

Zweites Kapitel. La Libellula

Drittes Kapitel. Paradiese

Viertes Kapitel. Marder

Fünftes Kapitel. Perlen

Sechstes Kapitel. Lichtlose Tiefen

Siebtes Kapitel. Glocken

Informationen zum Buch

Im Winter vor dem Ende des letzten Krieges verschob sich die Front fast jeden Tag, und da es kaum mehr Schutz für die Ausgebombten in der Region um Danzig gab, wurden sie über Ohra und Preußisch-Stargard Richtung Westen gefahren, nachts. Die Großmutter, die Mutter und die jüngeren Brüder mussten sich zusammen mit den Nachbarn auf die überdachte Ladefläche des alten Opel Blitz zwängen. Aber die Tochter, die fieberte, durfte im Führerhaus zwischen den Volkssturmmännern sitzen, zwei schweigsamen Alten, die nach »Jacutin« rochen, einer Tinktur gegen Läuse. Verstohlen schob sie sich die schwarzen Zöpfe unter den Mützenrand.

Draußen auf dem Kotflügel hockte ein jüngerer Behelmter und rief dem Fahrer, der wegen der Nachtjäger ganz ohne Licht auskommen musste, Anweisungen durch den Fensterschlitz zu: »Rechts einschlagen! Halt! Scharfe Kurve links! Achtung, Schlagloch!« Es ging nur im Schritttempo voran, und trotz des gurgelnden Holzvergasers konnte man das Schießen irgendwo in der Ferne hören. Aber sie hatte keine Angst; sie war nur froh, nicht mehr in dem feuchtkalten Schulkeller liegen zu müssen. Zwischen den Männern in ihren dicken Mänteln war es behaglich warm, und einmal reichte der Fahrer der »Lütten«, wie er sie nannte, obwohl sie fast siebzehn war, seine Teeflasche und teilte ein Stück Dauerwurst mit ihr. Kümmel war darin, und sie drehte den Kopf, als sie kurz darauf den Ellbogen des anderen in der Seite fühlte. Er trug einen Verband auf dem Ohr, und ein rötlicher Schein glitt über seine Brillengläser, während er sagte: »Kiek da rüber, Kindchen, ist fürs Leben.«

Schnee fiel, wenig nur, und sie blickte an ihm vorbei zum Horizont, auf die Ebene zwischen den Waldsäumen. Wie ein Kartoffelfeuer im Frieden sah es aus, ein Glutberg auf dem Acker; doch waren hier und da schiefe Giebel, schwarze Dachgerippe und verkohlte Masten zu erkennen, und dass dort Danzig brannte, mochte sie erst glauben, als sie den Turm der evangelischen Marienkirche erkannte. Gewaltig ragte er aus dem Rauch in die Nacht, und weil der flackernde, vom Wind immer wieder bis zur Weißglut angefachte Feuerschein sich in der Mottlau spiegelte, dachte sie momentlang, auch das Wasser würde brennen.

Nun fiel ihr der Traum vom letzten Abend ein, der Rappen mit den gläsernen, bei jedem Schritt splitternden Hufen: Die entfernt explodierten Bomben also waren der Grund für die Erschütterungen im Keller der Dorfschule gewesen, und womöglich hatte sie große Augen gemacht oder gar gezittert; jedenfalls sagte der Mann in beruhigendem Ton: »Nu, nu, keine Angst, min Küken. Das brennt weit weg, und wo du hinkommst, ist es sicher. Ein schönes Haus, und Milch und Eier satt. Ein Schloss ist das, wirst sehen. Da findest du deinen Märchenprinzen!«

Der Fahrer lachte heiser, und sie sagte nichts, schüttelte nur den Kopf. Nach all den Trümmern der letzten Zeit glaubte sie natürlich nicht an ein Schloss; wahrscheinlich wollten die Männer sie beruhigen. Das einzige, das sie bisher gesehen hatte, der Artushof in Danzig, war mittlerweile nur noch eine rußige Fassade, hinter der man sich alle möglichen Gespenster vorstellen konnte, aber keinen Märchenprinzen. Trotzdem beruhigte sie dieses Flunkern, und als ihre Mutter durch die Rückwand der Kabine nach ihr rief und fragte, ob es ihr gut gehe, schloss sie die Augen und murmelte: »Ja, mir geht's gut.« Und dann nickte sie ein. Bald, hatte Onkel Emil gesagt, ganz bald sei der Krieg vorbei.

Der Wind pfiff durch den Fensterschlitz, und es roch nach Tabak und Schnaps in dem Führerhaus, als sie wenig später erwachte, weil sie etwas auf dem Knie fühlte, die Hand des Bebrillten. Sie ruckte herum in der Enge, um ihm anzudeuten, dass ihr das lästig war, doch er ignorierte es, und so griff sie danach und erschrak. Es war eine lederbezogene Bakelit-Prothese, wie auch ihr Lehrer seit der Schlacht bei Charkow eine trug, und verstohlen befühlte sie die Finger mit den eingeprägten Nagelbetten, ohne dass der rauchende Mann es bemerkte. Das Kinn vorgereckt, starrte er zusammen mit dem anderen in die Nacht.

»Langsam! Planken! Wassergraben rechts!«, rief der Junge auf dem Trittbrett, sprang ab und lief neben dem Führerhaus her, und als der Fahrer nach einem klappernden Holzweg eine scharfe Kurve fuhr und so abrupt bremste, dass sie Rufe von Erschrockenen auf der Ladefläche hörte, ein weinendes Kind, umklammerte sie die Hand. »Und jetzt pass auf!«, sagte er und schaltete für einen Augenblick alle Scheinwerfer an. Der Schnee fiel dichter, die Wischer knarzten. »Hier ist dein Schloss!«

Erstes Kapitel

Rosen

»Ihr war kaum zu helfen, fürchte ich, und vielleicht können Menschen mit einer besonders schmerzhaften Vergangenheit ja nicht anders: Sie betäuben sich in jedem Augenblick neu, und sei es mit Arbeit, denn sie wissen, dass sie mehr oder weniger verloren sind für das Künftige, das ungeachtet aller bösen Erfahrungen unser Zutrauen braucht, um zu gelingen. Immer ängstlich, mit unruhigen Augen und fliegendem Puls, bemühte sie sich zwar, es jedem recht zu machen, sich ›anständig‹ zu kleiden und ›ordentlich‹ zu frisieren; aber kaum wurde der Mond voller, stürzte sie sich mit allen Sinnen in das nächste Desaster, das ein Tanzabend sein konnte oder ein betrunkenes Gefummel hinter dem Kirmeswagen. Und es war ja wohl auch ein herber Triumph: Sich unter glühenden Girlanden der Enttäuschung, dem Verlust, dem Ende von allem hinzugeben, verlieh ihr eine nahezu spöttische Macht über die Flüchtigkeit jeder Freude.«

Dass Wolf, von dem dieser Briefauszug stammt, irgendwann etwas über seine Mutter schreiben würde, »meine kleine wilde Mutter«, wie er sie einmal am Telefon nannte, hatte ich erwartet. Nach einem langen Leben als Bibliothekarin, die viele Autoren auf unzähligen Vortragsabenden kennengelernt hat, weiß ich: Ein Schriftsteller verfügt selten über mehr als seine Biografie, und wenn er redlich ist, präsentiert er den Lesern nichts von dem, was eigentlich jeder erfinden könnte, etwas Originelles womöglich; trostlos klug sind wir schließlich alle. Vielmehr schreibt er, was nur er schreiben kann: seine eigene, von den Echos und Schatten der Vergangenheit und dem Vorschein der Zukunft umschwebte Geschichte. Nur dann wird seine Sprache eindringlich werden und, so paradox das klingen mag, auch andere angehen. Oder wie es Richard, mein verstorbener Mann, viel lakonischer sagen würde: »Tell the story you know.«

Ein Buch über Elisabeth … Dass sie ihr Leben für erwähnenswert gehalten hätte, bezweifle ich. Übertrieben bescheiden war sie zwar nicht, wollte durchaus etwas gelten, wie jeder Mensch, aber gleichzeitig fürchtete sie sich vor dem Augenmerk anderer. Zufriedenheit und alltägliches Behagen anstreben und dabei den Leuten so wenig wie möglich auffallen, das war das Wichtigste für sie. Sogar ihren eigenen Namen mit seinem melodischen Vokalprunk und dem eleganten Auslaut gab sie dafür preis; er klang in ihren Kreisen, in den Bierzelten und Tanzschuppen der Land- und Bergarbeiter, vermutlich zu auffällig oder gar zu edel; Liesel wollte sie genannt werden, allenfalls Lisbeth.

Wolf, zu dem ich seit seinem ersten Buch in Kontakt geblieben war, hatte mich auf der kleinen Feier zu meiner Pensionierung im Jahr 2000 um Briefe und Fotos gebeten, und während ich nach Erinnerungen an sie suchte, fand ich die Postkarte von Nanni Brüggemeier in einem Schuhkarton wieder. Sie hatte die Traueranzeige aus der »Neuen Ruhr Zeitung« mit einem kurzen, von dornigen Rosen umrankten Bibelzitat daraufgeklebt, und plötzlich wollte mir der Umstand, dass Elisabeth nicht einmal ein Jahr nach ihrem Mann, nach Walter, gestorben war – ich hatte es sicher schon damals bemerkt, mit der Zeit aber vergessen –, wie ein nachträglicher Liebesbeweis vorkommen, trotz allem. Als hätte sie zuletzt etwas gutmachen und ihn nicht allein lassen wollen, wo immer er war. Auch auf der Trauerkarte stand übrigens Liesel, nicht Elisabeth.

Mein Vater hatte sie eingestellt, noch kurz vor seinem Tod. Überzeugt davon, dass das Marinekasino am Kieler Hafen, das er bewirtschaftete, den Tommys zufallen würde, hatte er bereits im März 45 heimlich nach Frauen gesucht, die Englisch sprachen und Erfahrungen im Service besaßen. Davon gab es einige unter den vielen Flüchtlingen in den Scheunen und Ställen des Gutes bei Bovenau, das meinem Schwager gehörte. Aber ich hatte unseren Vater ausdrücklich auf Elisabeth hingewiesen, nicht nur, weil die in Danzig auf der Mittelschule gewesen war, »Gone with the Wind« kannte, mein damaliges Lieblingsbuch, und in den Ferien als Kellnerin gearbeitet hatte. Mir gefiel ihre gutgelaunte Frechheit, ihre Schlagfertigkeit und, ich gebe es zu, mir gefiel ihr Freund.

Elisabeth Isbahner, die bald als Büfettkraft bei uns arbeitete, war vier, fünf Jahre älter als ich, aber nur wenig größer. Schlank oder mager waren zu der Zeit Frauen wie Männer, und dass sie niemand klein nannte, lag sicher an den keilförmigen Korksohlen, auf denen sie zwischen den Tischen oder hinter dem Büfett bediente. Sie hatte dunkelblaue Augen, leicht gewelltes tiefschwarzes Haar und eine nicht sehr hohe Stirn, deren Falten über der Nasenwurzel ein kleines Quadrat bildeten, wenn sie grübelte oder befremdet war. Auf den Wangen und an den Ohrläppchen gab es damals schon hauchzarte, wie mit feinstem violettem Stift gekritzelte Besenreiser, und die Länge der Nase hatte etwas Kurioses; sie überschattete die schmalen, nie ungeschminkten Lippen. Reckte sie aber das Kinn hoch und starrte einen aus ihren manchmal fast schwarzen Augen an, konnte sie durchaus einschüchternd wirken. Die Betrunkenen nannten sie dann gerne »Zigeunerweib«.

Verblüffend groß und kräftig waren zudem die Hände dieser zarten Frau; man sah, dass sie aus einer Landarbeiter-Familie kam und selbst schon hart zugepackt hatte vor ihrer Flucht aus Westpreußen. Der Nagellack – nie hatte ich sie ohne das Korallenrot gesehen, auch nicht beim Melken auf dem Gut – sollte wohl davon ablenken, unterstrich es jedoch. Aber was man ihren Mangel an Schönheit nennen mochte, wurde letztlich überstrahlt von ihrer frischen Jugend und der schwungvollen Lebenslust, mit der sie sich über ihre Abgründe hinweghalf. Ihr breites Lächeln war trotz der seltsam grauen, mit Amalgam hinterlegten Zähne bezaubernd, das ganze Gesicht schien nur für dieses Strahlen gemacht zu sein, und sobald im Radio »Winke, winke« oder »Mir geht's gut« gespielt wurde, drehte sie es lauter und flötete mit.

In ihrem Aschenbecher neben der Kasse qualmte stets eine Zigarette, und auch wenn sie sich mit den Gästen an der Theke unterhielt, ließ sie den Saal, die dreißig Tische unter dem riesigen Steuerrad-Leuchter, nie aus den Augen. Ohne dass sie es lernen musste, konnte sie instinktiv, was mein Vater »eine Kneipe lesen« genannt hatte; sie vergaß selten Namen, wusste genau, wer was trank, und schenkte die verschiedenen Schnäpse schon ein, ehe sie bestellt wurden. So hatte jeder bereits nach kurzem das Gefühl, ein Stammgast zu sein, ein besonderer zudem.

Am frühen Nachmittag gingen die Kellnerinnen in die Pause, und dann servierte sie auch selbst, und ich liebte diese Stunden vor dem Lärm des Abendgeschäfts, wenn die Sonne durch die bunten Oberlichter schien und die alte Standuhr vernehmlicher tickte. Unter den Bahnen aus rauchigem Licht saßen nur wenige Gäste und blätterten in Zeitungen oder studierten Akten; Mirka, die weiße Katze des Hausmeisters, strich zwischen den Tischen herum und ließ sich kraulen, und oft hockte ich mich mit einer Limonade an den Tresen neben dem Telefon und machte dort meine Schulaufgaben.

In dieser Stille wurde besonders deutlich, dass Elisabeth niemals langsam oder gelassen ging, auch nicht, wenn keinerlei Hektik herrschte. Dass kleine Menschen ihre kürzeren Beine durch raschere Schritte wettmachen, ist in bestimmten Situationen plausibel. Aber sie ging auch in diesem »Stechgalopp«, wie meine Mutter das nannte, wenn nichts anderes zu tun war, als ein leeres Glas durch das leere Lokal zur Spüle zu tragen. Alles wollte sie immer rasch erledigen, wobei sie sich nie bemühte, das harte Tacktack ihrer Absätze auf den Dielen zu dämpfen; jeder sollte hören, wie dringlich ihr alles war und wie flott sie arbeitete. Und gab es für einen Moment nichts zu tun, blickten ihre kleinen Augen seltsam verloren ins Leere, das schmale Gesicht erschlaffte, und ihr fiel nichts anderes ein, als sich schon wieder eine Zigarette anzustecken.

»Warum gehst du nicht in die Sonne, Luisa?«, fragte sie einmal an so einem Nachmittag, als ich mich gerade mit dem zähen Cicero abmühte, mit seinen Briefen an Atticus. Den Kopf in den Nacken gelegt, blies sie den Rauch in die Höhe. »Was willst du mit dem blöden Abitur? Wird der Abwasch dann sauberer?«

Ich grunzte leise, schüttelte den Kopf. »Und du? Hast du deine mittlere Reife gemacht, um hier Bier zu zapfen? Willst du nicht mal was Interessanteres anfangen?«

Sie pinselte einen Aschenbecher aus. »Warum sollte ich? Meinst du, woanders hätte ich's besser? Deine Mutter ist anständig zu mir, die Gäste mögen mich, und ich hab jedes Wochenende frei. Das finde mal in diesen Zeiten. – Was willst du überhaupt machen, wenn du die Schule hinter dir hast?«

Ich zuckte mit den Achseln. »Keine Ahnung, irgendwas mit Büchern, glaube ich. Vielleicht lerne ich mal Bibliothekarin.«

Elisabeth trank einen Schluck von ihrem Kaffee. »Ich glaub's nicht! Eine von diesen vertrockneten Bohnenstangen mit Halleluja-Zwiebel und Stempeltusche an den Fingern willst du werden? Also, einen Mann wirst du dann nicht abkriegen, das sag ich dir gleich! Oder nur so einen lurchigen mit Nickelbrille.«

»Na und? Will ich auch gar nicht!«

Sie lächelte ernst, fast traurig sah es aus, und zwinkerte mir zu. »Und ob du das willst, Kleine. Ich muss mir nur deine Locken und deinen Mund ansehen. In ein paar Jahren wirst du das so sehr wollen, dass sich die Kerle in deiner Duftspur kloppen. Also genieße die Zeit, in der du noch Frieden hast und dir keiner an die Wäsche will. Räum die Bücher weg, und geh an die Luft!«

Nach der Kapitulation der Flensburger Regierung und der Verhaftung des Oberkommandos der Wehrmacht unter Admiral Dönitz durch die Engländer wurde die Marinekaserne, die das Bombardement Kiels fast heil überstanden hatte, kurzzeitig als Gefangenenlager für deutsche Offiziere genutzt. Tagelang war das Picken der Meißel zu hören, mit denen sie die Halbreliefs und steinernen Hakenkreuze über den Türen und Toreinfahrten entfernen mussten. Auch die Bilder und Büsten im Offizierskasino wurden zerschlagen, und einmal legte ein schottischer Wachmann ein Stück trübweißen Alabaster auf den Tresen, Hitlers Nase, und wollte dafür ein Bier.

Dem Kantinenpersonal war jeder Kontakt zu den Gefangenen verboten, die Fenster und Türen zum Hof wurden mit Bohlen vernagelt, Küchenabfälle mussten durch den Saal getragen werden. Ich mochte die englischen Soldaten, von denen einige ähnlich rote Haare hatten wie ich und die fast immer höflich waren und mich »Miss« oder sogar »Young Lady« nannten. Ich lernte, wie man körnigen Assam-Tee in Sahne vorquellen ließ, ehe man ihn mit dem Sieb zubereitete, und legte mir einen Vorrat verschiedener Jellys und »Cadbury«-Schokoladen an. In hauchdünnes Silberpapier waren die gewickelt, und ein älterer Sergeant riet mir einmal, es aufzubewahren, denn in England bekäme man für einen Zentner davon einen gut ausgebildeten Blindenhund.

Da dachte ich, er mache irgendeinen Witz, und sagte: »Aber ich brauche keinen Blindenhund!«

Doch er blieb völlig ernst, schlürfte seinen Tee und sagte mit einem Blick auf die Förde, wo noch Masten und Bugspitzen versenkter Schiffe aus dem Wasser ragten: »Nein, du nicht …«

Leider wurden die Soldaten schon nach wenigen Wochen verlegt und die Kasernenflügel, zweigeschossige Ziegelbauten, grundrenoviert. Nun zog das neue Sozialministerium in die Räume, ordentlich gekleidete Frauen und Männer, von denen einige allerdings am Stock gingen oder einen Ärmel in die Jackentasche gesteckt hatten. Hier und da konnte man auch noch Quadratbärtchen auf den Oberlippen sehen, denn bevor Adenauer seinen berühmten Satz von dem schmutzigen Wasser gesagte hatte – man schütte es nicht aus, ehe man reines habe –, war er in Schleswig-Holstein Alltag: Ein Ministerpräsident und fast sein gesamtes Kabinett waren Mitglieder der NSDAP gewesen, die ersten Chefs der Kriminalpolizei kamen aus Himmlers SS, und ein Gauleiter, der in Riga nachweislich jüdische Bürger ermordet hatte, wurde vom Kieler Entnazifizierungsausschuss als »Minderbelasteter der Kategorie III« eingestuft und erhielt eine Pension.

Plötzlich roch es auf den Fluren nach dem Spiritus der Vervielfältigungs-Apparate, und den ganzen Tag war das Klappern von Schreibmaschinen zu hören. Die Kantine war nun sowohl für die Angestellten des Ministeriums als auch für Kieler Bürger geöffnet. Man konnte frühstücken, immer öfter mit echtem Bohnenkaffee, und es gab billige Gerichte wie Labskaus oder Kohlrouladen bis um zwanzig Uhr. Dann stellte sich Elisabeth auf ein kleines Weinbrandfass und läutete die Schiffsglocke über dem Tresen, poliertes Messing mit der Gravierung »Tirpitz« und »Für immer unvergessen!«.

Selten schien sie erschöpft zu sein nach der Arbeit – oder sie erlaubte sich die Müdigkeit nicht. Mit ihren Freundinnen Anne Breuers, einer Bäckereiverkäuferin, und Heide Rix, einer Tippkraft im Meldeamt, ging sie oft in die Innenstadt »bummeln« oder zu einer Tanzveranstaltung ins »Alhambra«. Einmal in der Woche traf sie sich mit anderen Frauen im Handarbeits-Zirkel der katholischen Franziskuskirche, um Kleider für Bedürftige zu nähen, und manchmal hockten wir auch zusammen vor ihrem Radio und hörten uns Krimis an, am liebsten im Dunkeln, weil dann das Knarren der Türen und das Knirschen der Scherben unter den Schuhen des Mörders gruseliger klangen.

Im Sommer, wenn es länger hell war, spazierten wir auch gern zum Hafen hinunter. Viele Häuser am Förde-Ufer waren noch rußige Ruinen, aber davor ankerten schon wieder die skandinavischen Fähren, mehrgeschossig und prachtvoll weiß, und die Violintöne der klassischen Musikstücke, die aus ihren Lautsprechern über das Wasser wehten, Sibelius oft oder Grieg, schnitten einem ins Herz. Auf den Werften wurden neue, zum Teil riesige Schiffe gebaut und für den Stapellauf mit Girlanden aus Immergrün geschmückt, und manchmal pfiffen uns die Arbeiter von den Gerüsten hinterher und johlten, wenn Elisabeth ihnen die Zunge zeigte.

Sie ließ sich nie einschüchtern von den Männern, jedenfalls nicht erkennbar, und gab ihnen »Kontra«, wie sie das nannte. Dabei verspannte sie sich durchaus, sobald uns betrunkene oder auch nur gutgelaunte Schauerleute auf dem Kai entgegenkamen. Dann stolperte sie schon über die kleinste Welle auf dem Weg, und wenn sie mir wie schützend einen Arm um die Schultern legte, hielt sie sich auch ein bisschen an mir fest. Aber letztlich kompensierte sie ihre Angst durch Frechheit oder besser, sie täuschte sich mit Frechheit über ihre Angst hinweg. Dabei hatte sie eine Schwäche für die Matrosen in den weißen Ausgehblusen und den blankpolierten Schuhen.

Während wir auf der Kaimauer saßen und ich an einer Lakritzschnecke knabberte, suchte sie sich einen aus, möglichst einen blonden, und starrte ihn mit gerunzelten Brauen an. »Mal sehen, wie hübsch wir heute sind …«, murmelte sie dann, oder: »Los, in den verlieben wir uns jetzt!« Und schon hob sie das Kinn, blies sich eine Strähne aus der Stirn und rief: »He, was glotzt du so blöd! Willst du ein Passfoto?« – Und wenn der Betreffende erschrak oder gar rot wurde und kopfschüttelnd wegging, murmelte sie: »Mist, schon wieder ein Anständiger, ein Guter. Den kriegst du.«

Doch der eine oder andere setzte sich auch zu uns auf die Mauer, bot von seinen Zigaretten an und begann ein Gespräch. Besonders die englischen oder skandinavischen Matrosen waren nett und eigentlich nur froh, sich wieder einmal mit einer Frau unterhalten zu können nach den Tagen oder Wochen unter Männern auf See. Sie tanzten sogar mit ihr auf dem Asphalt, wenn Schlagermusik aus den Lautsprechern kam, und brachten sie zum Lachen mit ihrem ungelenken Deutsch. Und dämmerte es dann und wurden die Gaslaternen angezündet, griff sie schon mal nach meiner Hand, ließ sanft den Daumen über den Rücken kreisen und murmelte: »Es wird spät, Kleines; du solltest nach Hause gehen. Ich komm gleich nach.«

Sie lebte mit uns in der Mansarde über dem ehemaligen Offizierskasino, aber das geräumige Zimmer neben der Treppe lag vor der eigentlichen Wohnung und hatte ein Bad, so dass sie dort für sich blieb. Ihr damals modernes Radio mit der Leuchtskala lief fast immer, und manchmal, wenn ich an ihrer Tür vorbeiging, hörte ich auch das Rattern der »Singer«-Nähmaschine, die ein Gast ihr beschafft hatte, angeblich kostenlos. Sie besaß stapelweise Modemagazine aus der Zeit vor dem Krieg, aber auch neue dänische, und schneiderte sich, Zigarette im Mundwinkel, fast all ihre Hosen, Röcke und Unterröcke selbst. An der Wand über ihrem Bett hingen kompliziert aussehende Schnittmuster aus Seidenpapier in mehreren Lagen, ihre Blusen oder taillierten Kostüme waren jedoch eher schlicht, ohne die extravaganten Details der Vorbilder. Die hätten mehr Geduld erfordert, als sie besaß.

Durch die dünnen Rabitz-Wände hörte man freilich nicht nur das Radio oder das Schwungrad der »Singer«. Es war kurz nach der Währungsreform, kaum jemand hatte genug Geld, um sich leisten zu können, woran es Elisabeth nie fehlte: Stoffe, Zigaretten, Bohnenkaffee, Parfüms, Seifen, Nagellack und Lederschuhe. Dabei verdiente sie mit Sicherheit nicht viel bei meiner knauserigen Mutter; ich selbst kriegte kaum Taschengeld. Dennoch konnte ich mir lange Zeit nicht vorstellen, dass ihr kleiner Wohlstand irgendetwas mit den Stimmen oder dem Lachen von Männern in ihrer Mansarde, dem Klingen von Flaschen und Gläsern, dem rhythmischen Quietschen des alten Bettes und dem tiefen Schnarchen bis in den Morgen zu tun hatte.

Keinen ihrer Besucher bekamen wir je zu Gesicht, Elisabeth sorgte stets dafür, dass er das Haus verließ, bevor sie den Wäschekorb voller Brötchen hereingetragen und die große »Ritter«-Kaffeemaschine angestellt hatte, um kurz vor halb sieben. Und wenn meine Mutter und ich dann zum Frühstück im Gastraum erschienen, sah sie vielleicht fahler aus als sonst und wirkte etwas zittrig. Stets aber war sie gut frisiert und froh gelaunt und erledigte alles wie immer »flott«; sogar die Nägel hatte sie sich frisch lackiert. Dennoch schien meine Mutter manchmal etwas an ihr zu riechen, ein billiges Rasierwasser womöglich, eine fette Brillantine, und blickte mich naserümpfend an.

Sie mochte Elisabeth, zeigte es aber selten. Seit Kriegsende, seit dem Tod meines Vaters und dem Verschwinden meiner Schwester Billie, die immer noch vom Roten Kreuz gesucht wurde, kränkelte sie mehr als sonst und hatte oft so starkes Rheuma, dass sie nur schlurfend gehen konnte. Sie mied den Tresenbereich, arbeitete lieber bei den Frauen in der Küche oder machte die Buchhaltung und war froh darüber, dass Elisabeth sich um das »Frischbiergeschäft« kümmerte. Denn die konnte umgehen mit den Gästen, den nüchternen wie den betrunkenen, und es war nach so einer Nacht der Geräusche gewesen, als meine Mutter sich ein vorgeschnittenes Brötchen aus dem Korb nahm und schmunzelnd sagte: »Na, kleine Katze, schön entspannt? Hast ja wieder herzzerreißend miaut …«

Da hob Elisabeth die aufgemalten Brauen und blies scheinbar empört die Backen auf. Doch lächelte sie mit den Augen. »Was hab ich? Aber gar nicht!«, sagte sie, und einmal mehr fiel mir auf, dass sie ihre Stimme stets etwas mädchenhafter und defensiver klingen ließ, sobald sie mit Menschen sprach, denen sie Autorität zumaß. Sie stellte die warme Milch auf den Tisch und sah mich kurz einmal aus den Lidwinkeln an. »Worauf Sie auch immer kommen, Frau Norff. Meinen Sie, für so was habe ich Zeit bei der vielen Arbeit? Die Nähmaschine quietscht, das olle Pedal. Das müsste ich mal ölen lassen.«

Meine Mutter nickte. »Ja, das glaube ich gern«, sagte sie und öffnete ein Marmeladenglas. »Ölen lassen … Am besten von einem Mann, der sein Handwerk versteht und das richtige Werkzeug hat. Da kennst du sicher einige, oder? Wie findet denn dein Verlobter das?«

»Der Walter? Wieso? Wie soll der das finden«, antwortete Elisabeth. »Er weiß doch nichts. Ich meine, ich tu ja nichts Unanständiges. Ich stehe den ganzen Tag hinterm Tresen und sorge dafür, dass die Gäste zufrieden sind. Schauen Sie mal, diese Waden; Krampfadern kriegt man davon.«

»Den ganzen Tag«, erwiderte meine Mutter, »natürlich. Aber nicht die ganze Nacht. Du bist doch katholisch, gehst in die Kirche: Was sagt denn dein Herrgott dazu? Gibt es nicht dieses Gebot mit der Unkeuschheit oder dem Ehebruch? Das ist eine schwere Sünde, wenn ich nicht irre.«

»Aber nein, ich bin ja noch gar nicht verheiratet. Und außerdem kann man in den Beichtstuhl gehen, das ist immer eine Wohltat. Ganz unschuldig und rein fühlt man sich, wenn alles vom Herzen geredet ist, die ganze Gewissenslast, das sollten Sie mal probieren. Und zur Buße zwei ›Vaterunser‹, ein ›Gegrüßet seist du, Maria‹, und man kann wieder durchatmen.«

»Ach so?« Meine Mutter nippte an ihrem Kaffee. »Und was erzählst du denen, wenn du beichtest? Die ganzen Schweinereien?«

»Na, welche Schweinereien denn? ›Ich hab gelogen‹, sag ich, da ist ja alles drin. Und so genau muss man nicht sein, sonst stellt der Kaplan noch komische Fragen, hab ich auch schon erlebt. Die persönliche Reue, die ist wichtig. Und dann geht man zur heiligen Kommunion, schluckt die dröge Hostie und befindet sich wieder auf dem rechten Weg.«

Meine Mutter nickte. »Und wo der hinführt, kann ich mir lebhaft vorstellen. Heute gibt's übrigens Königsberger Klopse mit Kapernsauce. Aber schreib das nicht an die Tafel, sonst sind die schneller weg, als wir kochen können.«

Ich wusste nicht viel über Elisabeths bisheriges Leben, und doch hatte ich manchmal das Gefühl, dass sie eine Leerstelle mit sich herumtrug, ein tiefinneres Vakuum, aus dem das Echo ihrer frohgemuten Schlagermusik wie ein fernes, kaum hörbares Wehklagen widerhallte. Sowohl die Tage voller Unrast, die sie mit zahllosen Tassen Kaffee und bis zu fünfzig Zigaretten befeuerte, als auch die Nächte, die sie in Tanzbars oder im Bett mit immer anderen Männern verbrachte, sollten sie wahrscheinlich vergessen lassen, dass sie sich im Innersten ungeliebt fühlte. Dabei hatte sie den besten Freund, den man sich für sie denken konnte, ebenjenen Walter, den sie »meinen Verlobten« nannte, obwohl es nur ein vages Versprechen gab; für Ringe hatte er noch kein Geld.

Er war Melker auf einem Gut bei Missunde – »Altes Rittergut Lindstedt« hieß es auf einer Ansichtskarte – und blieb nie über Nacht, konnte nicht bleiben. Der Weg von der Schlei herunter war lang, und die vielen Kühe mussten um vier Uhr morgens und um sechzehn Uhr gemolken werden, ausnahmslos. Wenn sich keine Vertretung fand, hatten er und sein Gehilfe nicht einen freien Tag im Jahr, nicht einmal an Weihnachten oder Silvester, und so holte er Elisabeth am Freitagabend in dem kleinen Lieferwagen des Gutsbesitzers ab und brachte sie am Sonntag nach dem Spätmelken wieder zurück. Oft blieb er dann noch bis kurz vor Sonnenaufgang am nächsten Morgen, und manchmal wurde ich wach, wenn er unten im Hof den Motor des dreirädrigen Tempo Hanseat anwarf; nur noch Rasenmäher klingen heute so. Sah er mich dann an meinem Fenster stehen, winkte er mir zu. Doch trug ich statt des Pyjamas bloß Unterwäsche, weil es so warm war unter dem Dach, ignorierte er mich auch.

Früh schon bemerkte ich an mir einen Hang zu älteren Männern. Dass sich nicht nur in den Erfahrungen, den Gedanken und der Sprache eines Menschen, sondern auch im Körper und in der Stimme gelebtes Leben kundtut, wirkte immer erotisch anziehend auf mich, und in Walter, dem ich zum ersten Mal als Kind in Bovenau begegnet war, hatte ich mich augenblicklich verliebt, hoffnungslos natürlich.

Ich war elf oder zwölf Jahre alt, und er, soeben Geselle geworden und noch nicht zum Heer eingezogen, traf sich damals schon mit Elisabeth. Wie alle Melker in dem sogenannten kriegswichtigen Betrieb war er sehr muskulös. Er hatte starke dunkelblonde Haare, stets penibel zurückgekämmt, und grüne Augen, die im Schatten braun wirkten. Die markanten Jochbeine ließen seine Wangen auf eine elegante Weise hohl aussehen, es gab den Hauch einer Mulde an seinem Kinn, und der Mund mit dem Pigmentfleck über einem Winkel hatte einen nahezu weiblichen Schwung. Auch deswegen war man zunächst verblüfft, wenn man seine dunkle, samtig-sonore Stimme hörte. Ungeachtet seiner Jugend klang darin viel Erfahrung mit und eine Einsicht, die über den Alltagskram hinausging – so wie manche Frauen den sprichwörtlichen Mutterwitz haben, Witz im Sinn von Weisheit, obwohl sie kinderlos sind.

Die ernste Ruhe, die er ausstrahlte, gab ihm eine fraglose Autorität, und die war wohl auch nötig bei der Arbeit mit den Tieren. Keiner der behäbigen Bullen, tonnenschwer, lässt sich ungeduldig am Nasenring ziehen, die Kühe verhalten die Milch, sobald man sie schneller melken will, als ein Kalb trinkt, und Hühner erzeugen Federstürme, tritt man hektisch an ihre Gelege. Nie sprach er viel, er hörte lieber zu, und ich hatte den Eindruck, dass er stets nach wenigen Worten ahnte, was man ihm sagen wollte. Jedenfalls nickte er oft, ehe man den Satz beendet hatte, ein stummes »Ich versteh schon!«, wobei er einem aufmerksam in die Augen sah.

Auch der Krieg, zu dem er noch kurz vor dem Ende eingezogen worden war, hatte ihm nicht viel angetan, wie es schien. In Bayern war er ohne eine Verwundung in amerikanische Gefangenschaft geraten und wurde in dem ehemaligen KZ in Dachau interniert – wo es allerdings wochenlang ausschließlich Dosen-Ananas zu essen gab, was ihm für Jahre den Magen verätzte. Nach seiner Entlassung im Spätsommer 1945 konnte er zwar nicht wieder in seinen Lehrbetrieb zurück – die Besatzer hatten die Kühe meines Schwagers wegen seiner SS-Mitgliedschaft requiriert und nach England verschifft –, doch fand er rasch eine Anstellung auf jenem »Rittergut« an der Schlei. Dort schien er sich wieder wohlzufühlen, und seine ruhige Stimme, sein kluger Blick und sein melancholisches Lächeln bezauberten mich wie vor dem Krieg.

Während ich für die Penne lernte, oft zusammen mit meiner Freundin Birte, die mir bei der Physik oder den Periodischen Dezimalzahlen half, und er an dem Tisch neben der Standuhr auf Elisabeths Feierabend wartete, musterte ich ihn manchmal verstohlen in dem schrägen Spiegel über dem Tresen. Im Gegensatz zu ihr war er groß, stattlich und so schön, dass nicht nur die Frauen im Raum aufsahen, sobald er das Lokal betrat. Auch der eine oder andere Mann – meistens einer von denen, die Mama »die Halbseidenen« nannte – ließ den Blick über den Glasrand flitzen oder bekam das angerissene Zündholz nicht an die Zigarre. »Der hat Kraft«, zischte Birte einmal und kniff mir unter dem Tisch in die Hüfte. »Überall!«

Aber er selbst – seine Beklommenheit oder gar Scham in solchen Augenblicken machte es deutlich – war sich dieser Schönheit nicht bewusst; oder er wollte nichts von ihr wissen, weil sie kaum zu seiner herben, in der Hitlerzeit ausgebildeten Vorstellung von Männlichkeit passte. Und falls sie ihm einmal aufgefallen sein mochte, war er zu rechtschaffen, um sie für sich zu nutzen und einen Vorteil daraus zu ziehen. Er bestellte einen Kaffee oder ein kleines Bier und beugte sich über seine Zeitung, oder er las in einem mitgebrachten Fachbuch, denn neben der Arbeit auf dem Gut besuchte er einmal in der Woche die Meisterschule in Malente.

Elisabeth war mir eine Freundin, manchmal fast eine Schwester, sicher. In vielem bewunderte ich sie sogar, und darum klingt es vielleicht doppelt hart, wenn ich sage, dass ich nie verstanden habe, warum ein Mann wie Walter, dessen Anständigkeit, Gutmütigkeit und Empathie ihn wie eine zweite Luft umgaben, mit ihr zusammen sein konnte. Ich hatte zwar viel gelesen, Bücher waren meine Leidenschaft von Kindheit an, aber natürlich fehlte es mir an Lebenserfahrung. Dennoch: In meinen Augen – deren Sehschärfe durch Schwärmerei und wohl auch Neid getrübt sein mochte – passten sie schon äußerlich nicht zueinander, und an eine besinnungslose Liebe konnte ich von Anfang an nicht glauben.

Elisabeth war ein Landarbeiterkind, das nichts mehr hasste als den Dreck und die stupide Arbeit auf den Kartoffeläckern, das Gebrüll der Tiere und den Geruch von Diesel, Mist und Blut. Seit ihrer Jugend in dem Straßendorf bei Danzig, seit der ersten Lektüre der Romane aus der fahrbaren Leihbücherei sehnte sie sich nach einem Leben in der Stadt, nach so etwas wie Komfort und Klasse oder was sie dafür hielt, und darin lag schon der Kern der Enttäuschung, ja des Dramas, auf das die beiden hinlebten. Denn Walter, obwohl ursprünglich aus dem Ruhrgebiet, wollte nirgendwo anders sein als auf einem abgelegenen Gehöft auf dem Land. Trotz der miserablen Bezahlung liebte er die Arbeit im Stall und auf den Weiden, zu der natürlich Schwielen und Dreck gehörten, aber auch das Leben in einem natürlichen Rhythmus und das Aufatmen unter freiem Himmel.

Vielleicht war das der Grund, warum das Paar nach mittlerweile fünf oder sechs Jahren »Verlobungszeit« immer noch nicht heiratete. Dabei gefiel es Elisabeth sichtlich, zu Beginn des Wochenendes von ihm nach Missunde geholt und am Sonntagabend wieder zurückgebracht zu werden, nicht nur, weil sie sich dort ein paar Mark hinzuverdienen konnte, indem sie den Gutsleuten das Herrenhaus putzte. Der Satz »Mein Verlobter kommt gleich!« gab ihrem Wesen genau die Beständigkeit und Seriosität, die sie in ihrem Alltag vertändelte, und wenn sie Arm in Arm mit Walter das Lokal verließ, um vor ihrer Abfahrt noch irgendwo etwas einzukaufen oder ein Eis zu essen, glaubte ich einen leisen Besitzerstolz und den reinen und feierlichen Willen zur Zukunft in ihrer Miene zu sehen.

An einem dieser Tage luden die beiden mich zu einem Spaziergang über den Rummel an der Förde ein. Es war der Abschluss der Kieler Wochen, damals noch ohne Windjammerparade, aber natürlich konnte man viele großer Segler samt Besatzung bestaunen, und erfreut klappte ich meine Hefte und Schulbücher zu. Ich band mir die Haare mit einem bunten Tuch zusammen und zog eines von den Sommerkleidern meiner Schwester an, ein geblümtes mit schmalem Gürtel; auch Billies dunkelblaue Pumps passten inzwischen und schlappten mir nicht mehr von den Fersen. Der alte Schminkstift meiner Mutter, in Fettpapier gewickelt, zerbröselte allerdings schon beim Hervorholen, und so tupfte ich mir mit der Fingerspitze etwas Paprikapulver auf und leckte es nach einer Minute ab. Das leise Brennen, das blieb, rötete die Lippen auch.

Aber kaum war ich fertig und hüpfte die Treppe hinunter, bog ein Lastwagen auf den Hof, eine große Schnapslieferung, die Elisabeth abrechnen und einsortieren musste, was gewöhnlich eine Stunde dauerte. Ich bot ihr meine Hilfe an, doch sie schüttelte den Kopf. »Das erledige ich schneller selbst. Geht schon mal vor, ich treffe euch am Riesenrad«, sagte sie und drohte mir mit dem Finger: »Und mach meinem Kerl gefälligst keine Augen, verstanden! Sonst zeig ich dir mal, wie gemein ich sein kann …«

Walter schien das nicht gehört zu haben. Stumm zunächst und leicht verlegen, gingen wir nebeneinander zum Hafen. Die Straße war leer, und in dem Abstand zwischen uns hätte Elisabeth zweimal Platz gehabt. Neu gepflanzte Akazien raschelten im Wind, der von der Förde kam, der Duft der Blüten war mehr als süß. Walter trug ein weißes Hemd, die Ärmel bis zu den Schultern aufgerollt, so dass man die Oberarme sah, und sein Haar glänzte leicht von einer Frisiercreme – in Wahrheit Melkfett, wie er mir später einmal verriet. Seine Hände waren groß, die Rücken stark geädert, und auf den Fingernägeln gab es hier und da schwärzliche Flecken.

»Wie viele Kühe hast du im Moment?«, fragte ich, nur um etwas zu sagen; ich wusste es ja annähernd von Elisabeth, aber das Schweigen beklemmte mich ähnlich wie der Blütenduft. Und als er mich korrigierte und sagte, dass er keine Kühe »habe«, sondern nur ihr Melker sei, und mir die Zahl nannte, tat ich erstaunt und rief: »Dreißig Stück mit den dazugehörigen Kälbern? Und die versorgst du jeden Tag zweimal? Wie schafft man das?«

Er runzelte kurz die Brauen, als hätte er sich die Frage selbst noch nie gestellt. »Na, genau genommen versorgen die uns«, sagte er. »Und das schafft man schon. Es ist halt Arbeit.«

Und dann schwiegen wir wieder und gingen durch den Schlosspark, wo immer noch die Unterkünfte für die Ausgebombten und Vertriebenen standen, diese halbrunden Nissenhütten aus Wellblech. Er zog ein Päckchen »Chesterfield« aus der Tasche und versuchte, sich eine Zigarette anzuzünden, aber der starke Wind, der die Wolken aufs Meer trieb, blies wiederholt das Flämmchen aus. Erst als ich näher trat und meine Hände zusätzlich darumlegte, gelang es, und einmal mehr fiel mir auf, dass sich doch etwas verändert hatte an ihm seit dem Krieg: Wann immer er nach etwas Zarterem griff, nach einem Hemdknopf, einem Geldschein oder eben einem Streichholz, zitterten seine Finger.

Von weitem war Blechmusik zu hören, die bunte Krone des Kettenkarussells drehte sich über den Ruinen, und er nickte mir zu, ein stummer Dank. »Ich hab ja noch einen Gehilfen«, fuhr er fort, »den ollen Dürling, über siebzig. Aber der hört jetzt auf, der ist kaputt. Und dann wird's eng.«

»Wieso«, fragte ich, »stellt man denn keinen neuen ein?«

Der Rauch wurde ihm von den Nasenlöchern weggerissen, und er schüttelte den Kopf. »Nicht in dieser Zeit. Viele Gutsbesitzer rüsten jetzt auf Maschinen um, das ist die Zukunft. Da kann man sich doppelt so viele Kühe halten, ohne dass man mehr Leute braucht. Und die anderen beschäftigen nur noch Melker-Ehepaare; die kriegen einen Lohn plus Deputat und sind damit billiger als ein zusätzlicher Knecht.«

»Ja, das passt doch«, erwiderte ich. »Dann nimmst du eben die Elisabeth mit! Wolltet ihr nicht sowieso heiraten?«

Er lächelte vage. »Die Kraft dazu hätte sie, obwohl sie so lütt ist, das stimmt. Ich beknie sie ja schon eine Weile, und mal sagt sie ja, mal nein. Aber eigentlich will sie schöne Kleider und Stöckelschuhe tragen, keine Gummistiefel. Und die Unterkunft gefällt ihr auch nicht besonders …«

Einer Postkarte nach, einem Luftbild der Gutsanlage, das sie mir mal gezeigt hatte, war Walters Melkerhäuschen am Rand der großen Weide kaum mehr als eine gemauerte, mit leeren Spalieren und einem Pultdach versehene Laube, in der es eine Wohnküche mit Sofa, ein Schlafzimmer und eine Speisekammer gab. Gekocht und geheizt wurde mit dem Holz aus den gutseigenen Buchenwäldern, und das Wasser musste man sich von der Pumpe im Garten holen, in dem auch das Erd- oder Plumpsklo stand, ein schiefer, mit Wellblech gedeckter Verschlag … Bescheidener ging's selbst in jenen Jahren kaum, aber das alles wäre für mich kein Grund gewesen, nicht zu so einem Mann zu ziehen.

Er hob das Kinn, blickte zum Hafen; in der Sonne waren seine Augen wassergrün. Erste Schiffe wurden sichtbar, ein Dreimastschoner und ein paar Jollen mit Sprietsegel, und ich weiß nicht, woher der Übermut kam, als ich sagte: »Na, oder du nimmst mich mit. Bald mache ich Abitur, und dann würde ich gern mal eine Zeitlang auf dem Land leben, mit Hühnern und den süßen Kälbchen. Ich könnte auch für dich kochen … Salat mach ich gut, Obstsalat besonders, und Milchreis mit Zimt oder Schattenmorellen.«

Ich lächelte ihn an; meine Lippen brannten. Das Durcheinander der verschiedenen Drehorgeln wurde lauter, ein britisches Kanonenboot fuhr in die Förde. »Die Liesel wäre schon ideal«, murmelte er, als hätte ich gar nichts gesagt. »Die hat das von Kind auf gelernt, schau dir die Hände an. Mit der könnte man den Bestand sogar vergrößern.«

Hinter der Schlossruine begannen die Buden und Schaustellergeschäfte, zwischen denen an diesem frühen Nachmittag nicht viel Betrieb war. Die meisten Menschen sahen wohl der Ausfahrt der Groß- und Traditionssegler in Laboe zu, ein Spektakel jedes Jahr, und die Kassierer der Karusselle und die mehlbestäubten Angestellten der Geisterbahn lehnten rauchend an den Gerüsten. In einem Pavillon mit einer großen Teekanne auf dem Dach wurde Operettenmusik gespielt, zu der aber nur einige Frauen tanzten. Hier und da sah man einen Trauerflor an der Bluse.

Walter, der etwas essen wollte, bog in die Gasse mit den Fischbuden ein, und ich steckte zwei Finger in den Mund und pfiff ein paar Jungen aus meiner Klasse nach. Sie trugen toupierte Tollen, Schuhe mit dicken Kreppsohlen, enge Röhrenhosen und fast knielange, mit Samtkragen versehene Sakkos. Aber natürlich beachteten sie mich nicht. »Teddy Boys«, sagte ich zu Walter, dessen reiner und natürlicher Eros sie lächerlich aussehen ließ in ihrer Kostümierung. »Die neueste englische Mode. – Da vorn gibt's übrigens Berliner Weiße, die wollte ich immer schon mal probieren!«

Er zückte ein Portemonnaie aus lappigem Leder, und während er ein Brötchen mit Räucheraal aß, nippte ich an dem grünen Bier, das entfernt nach Waldmeister schmeckte. Das Süße darin war im Grunde bitter, aber der leichte Schwindel, den ich schon nach wenigen Schlucken spürte – ich trank gewöhnlich keinen Alkohol –, ließ mich kess werden. Beschwingt von einer Hoffnung, die ich mir selbst nicht eingestehen wollte, weil sie eigentlich absurd war, hakte ich mich bei ihm ein und sagte: »Wolltest du mir nicht eine Rose schießen?«

Er stutzte nicht einmal. Kopfschüttelnd wischte er sich Mund und Hände mit seinem Taschentuch ab, einem gebügelten weißen, und trank den Rest von meinem Bier, ehe wir in die Gasse mit den Schießbuden gingen. Die hatten Konjunktur nach dem Krieg, auf jedem Rummel gab es mehrere, vor denen zielende und schießende Männer standen – auch hier nicht selten auf Krücken oder sonst wie versehrt –, während die Frauen hinter ihnen auf die gefärbten Federn oder goldumwickelten Schokoladenherzen zeigten, obwohl sie schon Sträuße von dem Tinnef in den Händen hielten.

Walter trat an einen Stand, der »Jägerhütte« hieß und an dem es einem Schild zufolge »Nur Einzellader« gab, sichtlich alte Gewehre. Viele Kolben hatten eine abgescheuerte Lasur oder waren mit Spachtelmasse ausgebessert, Mechanik und Läufe glänzten aber frisch geölt, und der Schausteller, der einen kleinen Hut mit Gamsbart trug und wie alle Männer in dem Gewerbe ein hartes Gesicht mit herabhängenden Mundwinkeln hatte, lud ihm eine Waffe. Ich wusste ja, dass es sich um ein mehr oder weniger harmloses Luftgewehr handelte, doch als Walter sich vorbeugte, die Wange an das verwitterte Holz schmiegte und ein Auge zukniff, war das plötzlich ein Bild aus einer anderen Zeit.

Mit einem hellen, fast gläsernen Laut zersprangen die Gipsröhrchen unter den Tröten und Plüschtieren der benachbarten Buden, was ein Echo in dem Jubel der Frauen fand. Traf die kleine Kupferkugel auf die Wand hinter den Trophäen und fiel in die Rinne darunter, klang das allerdings wie ein verächtliches Schnalzen. So auch nach Walters Schuss auf eine der Rosen, nichts als ein paar Seidenblätter an einem grün umwickelten Draht, und verlegen grinsend legte er eine weitere Münze auf den Filz, mit dem der Budentisch bespannt war.

Der Schausteller lud ihm ein anderes Gewehr, und ich schüttelte den Kopf. »Du hättest nichts von meinem Bier trinken sollen«, sagte ich. »Schau dich um: Alle Frauen haben was Hübsches in den Händen, nur ich muss nackt dastehen.« Ich war wirklich beschwipst, und er seufzte leise, zielte länger und drückte ab: Wieder traf er das Gipsröhrchen nicht und sah kurz einmal den Schausteller an, der mit einem Fernglas auf das Wasser blickte, auf den kreuzenden Zerstörer dort. Matrosen standen an der Reling stramm.

Schließlich verlangte Walter ein drittes Gewehr, wobei er auf ein offenbar neues mit dem eingeprägten Namen »Weihrauch« zeigte, und nachdem er wieder geschossen und nicht getroffen hatte, zog er die Brauen zusammen und legte, nein, warf es zu den anderen auf den grauen Filz. »Ich hab mir schon beim ersten so was gedacht«, sagte er. »Das geht hier nicht anständig zu. Entweder sind die Läufe verzogen, oder Sie haben an Kimme und Korn gefeilt.« Er machte eine fordernde Fingerbewegung. »Ich hätte gern mein Geld zurück.«

Der Mann legte sein Fernglas unter den Tresen. »He, he, Freundchen, nicht übermütig werden!«, sagte er knarrend, und ein Windstoß fächerte den Gamsbart an seinem Hut auf. »Wenn du einen Knick in der Optik hast und zu blöd bist zum Schießen, ist das nicht mein Problem, klar? Bei mir geht alles mit rechten Dingen zu, wär' ja noch schöner. Und hier vor allen Leuten freche Lügen zu behaupten ist geschäftsschädigend, das kann 'ne Stange Geld kosten. Also troll dich, sonst ruf ich den Peterwagen!«

Die Augen groß, als könnte er den Ton des Mannes nicht glauben, trat Walter einen Schritt zurück und stemmte