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Berührend erzählt der Besitzer aus seinen Erinnerungen über seine Katze, die nachts über die Strasse wacht. Immer mehr Anwohner berichten ihm über die Begegnungen mit dem Haustier. Dadurch lernt er einige seiner Nachbarn erst näher kennen und nimmt - zu Beginn überrascht durch die Erzählungen - seine Katze auch auf einmal ganz anders wahr. Denn durch ihre mutigen und liebevollen Taten wächst die Nachbarschaft allmählich zu einer Gemeinschaft zusammen.
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Seitenzahl: 20
Veröffentlichungsjahr: 2023
Eva Treml
Die Nachtwächterin
Eine Kurzgeschichte
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Prolog
Die Frau von gegenüber
Der verlorene Stoffhase
Das Lotter-Fahrrad
Der Einbruch
Das Feuer
Unsere Nachtwächterin
Impressum neobooks
Über viele Jahre wusste ich gar nicht, was genau sie nachts machte. Sobald ich mir die Zähne geputzt und die Lichter gelöscht hatte, um mich ins Bett zu legen, setzte sie sich nochmal kurz zu mir auf die Bettkante. Dort blieb sie dann etwa für eine Viertelstunde, bevor sie das Haus verliess. Manchmal war ich bis dahin schon eingeschlafen, nur ab und zu hörte ich das leise Klappern des Türchens, durch das sie verschwand.
Wenn ich nachts mal raus musste, konnte ich sie durchs Badezimmerfenster beobachten: Drüben, die Strasse weiter hoch, sass sie auf der Mauer. Nicht direkt im Schein der Laterne, sondern dort, wo es bereits wieder dunkel war. Eigentlich konnte ich von hier aus nur ihre Umrisse erahnen, im Dunkeln sind ja bekanntlich alle Katzen grau. Aber jeder, der sein Haus mit einer Katze teilt, erkennt die eigene auch nur an der Silhouette, alleine am Gang oder am Ton ihres Miauens.
Jedenfalls wusste ich, dass Leidy nachts grösstenteils draussen war. Drüben auf der Mauer an ihrem Lieblingsplatz. Von dort aus schien sie den besten Blick über die ganze Strasse zu haben. Die liegt am Rande der Grossstadt, in einem Wohngebiet, und verbindet eine der Hauptverkehrsachsen mit dem Park weiter oben, wo auch wenige alte Einfamilienhäuser stehen. Die Giebelhäuser in verschiedenen Farben am unteren Ende, wo Leidy und ich wohnten, stammen aus den Vierzigern und die Pflasterstrasse ist sehr eng. Etwa auf halber Höhe der Strasse, auf der gegenüberliegenden Seite meines Hauses, liegt ein Brachland, das von der Strasse durch eine Mauer getrennt wird. Und auf der hatte Leidy ihren nächtlichen Platz gefunden. Und es schien, als ob sie von dort Ausschau hielt und über die Nachbarschaft wachte.
Jedenfalls fand ich das immer einen schönen und beruhigenden Gedanken, mit dem ich mich dann wieder zurück ins Bett legte. Und erst über die Jahre erfuhr ich, dass dies tatsächlich der Fall war: Sie war die Nachtwächterin.
