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Bauer Jehever lässt mehrere Böcke von der Schafsherde auf seiner Hallig »Erde« kastrieren, um die rasante Vermehrung der Schafe ein wenig zu bremsen. Diese, nun ihrer eigentlichen Funktion beraubt, sehen sich dem Gespött der Schäfchen und Böcke ausgesetzt und suchen nun krampfhaft nach alternativen Funktionen, über die sie weit höhere Bedeutungen und Wichtigkeiten erhalten. Sie gehen dabei so selbstsicher vor, dass es ihnen fast gelingt den Eindruck zu vermitteln Ihre Tätigkeit sei viel wichtiger und bedeutender als die eines dämlichen nur Gras fressenden und Schäfchen bespringenden Bockes. Die Wissenhammel erklären, nachdem sie durch Beglotzen, Betatschen, Beknabbern ihre Umwelt erforscht und katalogisiert haben, dass sie alles, was es gibt, inzwischen kennen. Und was sie nicht kennen, gibt es eben nicht. Das wichtigste sei eben das Wissen über das, was es gibt. Da weitere Hammel, die sich um Wichtigkeit bemühen, nachdrängeln, aber bei den Wissenhammel keinen Platz mehr finden, behaupten diese Besonderen Hammel einfach das Gegenteil, nämlich dass Glauben noch wichtiger sei als Wissen. Man müsse nicht immer alles wissen, aber man solle glauben, …was sie sagen. Weitere Hammel drängen nach und bilden neue Gruppen. Der Antrieb dazu liegt bei allen Hammeln ganz klar im Neid auf die anderen, im Großen wie im Kleinen. In einem gewissen Sinne sind sie alle regelrecht: NEIDHAMMEL.
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Seitenzahl: 45
Veröffentlichungsjahr: 2015
Hans-Joachim Wrona
Die Neidhammel
und anderes
Engelsdorfer Verlag
2015
Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.
Titelbild © Vera Tomankova – Fotolia.com
Copyright (2015) Engelsdorfer Verlag
Alle Rechte beim Autor
Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)
www.engelsdorfer-verlag.de
Die nachfolgend geschilderten Ereignisse und Zusammenhänge entspringen der Phantasie des Autors. Eventuelle vergleichbare Ereignisse oder Zusammenhänge der Wirklichkeit wären aber auch rein zufällig.
Cover
Titel
Impressum
Vorgeschichte
Die Neidhammel
Der Fund der Wissenhammel
Die Chance
Wer bereits eine der vorigen Geschichten und dementsprechend die Vorgeschichte gelesen hat, kann diese hier auch überspringen und gleich zu den Neidhammeln übergehen. Wenn nicht, dann bitte:
In dem Roman „Jos Hammel“ wird der lässige und flapsige Jo Corvus, Sohn eines Bauunternehmers im Ruhrgebiet, von der Mutter seines Klassenkameraden Grefner gebeten ihre widerspenstige und zickige Tochter Alekzandra zu ihrem Schutz nach Italien zu begleiten, wo diese ihren Vater suchen und zur Rede stellen soll, weil der anscheinend seine Familie verlassen und sich mit seiner jüngeren blonden Sekretärin dorthin abgesetzt habe.
Nach einer Prügelei in einem Tanzlokal an der Riviera, bei der Jo sie tatsächlich beschützt, müssen sie die Nacht zusammen auf einem Sofa bei der Polizei verbringen.
Da sie vorher ihre Ansicht über die affigen Menschen mit einem Gedicht von Kästner ausgedrückt hat, beginnt Jo während dieser Nacht eine seiner Geschichten über die Hammel zu erzählen.
Im Laufe ihres gemeinsamen und bewegten Abenteuers möchte sie dann immer neue von ihm hören.
Hier nun die nächste:
In den anderen Geschichten über die Hammel haben wir verfolgen können, wie die Hammel, denen ja durch einen Eingriff in ihre ursprüngliche Natur ihre Funktion als Bock genommen worden ist und sie sich dem Gespött der Schafe und Böcke ausgesetzt sahen, nun immer wieder bestrebt sind, sich alternative Wichtigkeiten und Bedeutungen zuzuschreiben und somit sich eine gewisse, eben alternative, Achtung und Respekt zu verschaffen, mit welchen Mitteln auch immer. Im Grunde ist die immer wieder treibende Kraft für ihr Betragen der Neid, der pure blanke NEID.
So haben sich zuerst die Wissenhammel gebildet, die sich durch Erforschung aller, auch der kleinsten und unwichtigsten, Dinge auf der Wiese ein umfangreiches Wissen zugelegt haben. Damit haben sie sich selbst zur Elite erhoben, man sagt sogar auf einen Elfenbeinturm gesetzt, und alle Schafe und Böcke verachtet, die sich kein Wissen zugelegt haben. Sie selbst dagegen haben sich am Meisten geachtet. Wissen sei das Wichtigste, was es gibt, sagten sie, und wesentlich wichtiger als Schäfchen zu bespringen und Lämmer zu zeugen.
Derselbe Neid mag mitgespielt haben, wenn plötzlich die Besonderen Hammel auftauchten und behaupteten, dass nicht das Wissen das Wichtigste sei, sondern das Glauben. Nicht wahr? Sie verdrehten das Geschlecht vom Neutrum zum Männlichen und sprachen von dem Glauben, obwohl sie ja eigentlich aufgrund ihrer eigenen Behinderung etwas gegen das männliche Geschlecht hatten. So erfanden sie ständig neue höhere unsichtbare und unhörbare Wesen, die gerade ihnen erklärt haben sollen, wie die Schafe und Böcke auf der Wiese sich zu verhalten haben, und die gerade sie beauftragt hätten dieses Verhalten streng zu kontrollieren.
Da diese beiden Sparten irgendwann zur Genüge besetzt waren, nahmen wieder andere Gruppen den Polbock aufs Korn. Der Polbock war der, nach dem die Schafe und Böcke in ihrem Herdentrieb und ihrer Nachahmungsmanie sich bei der Richtung orientierten, in der sie die nächsten Grasbüschel zum Rupfen einschlagen würden. Nun waren sie auch auf den neidisch und wollten, dass die Herde ihnen folgte und nicht dem Polbock.
So scharten sie sich zunächst um diesen Bock herum und taten so, als ob sie nicht nur ohnehin die gleiche Rupfrichtung wie der Polbock eingeschlagen hätten, sondern dadurch, dass sie für die Herde den Blick auf den Polbock verdeckten, den Eindruck vermittelten, als seien es sie, die Hammel, die die Rupfrichtung vorgaben.
Nach einigen Tumulten hatten sie es dann schließlich erreicht, den Polbock fast gänzlich aus der Vorgabe der Rupfrichtung verdrängt zu haben und tatsächlich sie letztendlich die Richtung zum Rupfen bestimmten, sozusagen als Leithammel. Eine solch einsame Position verunsicherte diese so genannten Leithammel aber ein wenig und sie waren froh, dass sich bald einige andere Hammel zu ihnen gesellten, angeblich um sie bei ihren Entscheidungen zu unterstützen. Der Hintergrund aber war mit Sicherheit, wenn auch durch die Hintertür und nur in einer zweitrangigen Position, auch eine gewisse Wichtigkeit und Bedeutung zu erlangen.
Und je mehr sie mit den ursprünglichen Leithammeln zu tun hatten, desto mehr mussten die Dazugekommenen feststellen, dass die Leithammel es eigentlich auch nicht so genau wussten und sich auch nur auf ihr Glück verließen. Das hätten die anderen auch gekonnt. Sie aber waren nur in untergeordneten Positionen und die Leithammel standen im Lichte der Sonne.
Blanker Neid regte sich wieder. Nachdem sie nun allen Respekt vor den Leithammeln verloren hatten, stellten sich die Neuen gegen sie und sagten zu allen Entscheidungen „Nöö!“. Mit ihrer langen Nase können die Hammel, oder auch überhaupt alle Schafe das „Nöö“ nicht so leicht aussprechen und sprachen es so aus, wie wir, wenn wir Schnupfen, also die Nase voll, haben, nämlich mit „Döö“. Weil die Leithammel sich inzwischen, um ihre Hammelcharakter zu vertuschen, wie richtige Böcke aufführten, nannten die anderen dazugekommenen Hammel die „Bockartigen“. Ihre ständige Nörgelei an den Entscheidungen dieser „Bockartigen“ nannten sie dann auch „Döbockartie“.
