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Als einer der erfolgreichsten Inhaber einer Aktiengesellschaft in Philadelphia verliert Thomas Crichton nach einem Unfall schlagartig sein Gedächtnis. Thomas muss schmerzlich akzeptieren, dass sein Unternehmen bankrott ist und er plötzlich von einer halluzinierten Frau namens Penelope geplagt wird. Folglich muss er sich der bitteren Wahrheit stellen. Wie kam es zum Verlust seiner Firma und was hat seine neue Sekretärin Amy mit den mysteriösen Geschehnissen zu tun?
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Veröffentlichungsjahr: 2022
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Impressum
Kapitel 1 1
Kapitel 2 5
Kapitel 3 22
Kapitel 4 47
Kapitel 5 75
Kapitel 6 99
Kapitel 7 118
Kapitel 8 127
Kapitel 9 134
Kapitel 10 137
Kapitel 11 142
Kapitel 12 151
Diese weißen hohen Wände. Diese scheiß weißen hohen Wände. Schwarze Kreuze an jeder Wand, als wollte man mitteilen, dass Gott sich hier aufhalten würde und mir folglich zu Hilfe eilte. Das ich nicht lache. Mit den verhassten dunklen Tagen sehnte ich mich immer mehr danach, meinen blassen Körper in ein kühles, helles Sommerlaken zu wickeln. Mit verwirrten Augen starrte ich auf die langen weißen Kittel der Frauen und Männer, wie sie aufgescheucht umherliefen von einem zum anderen Raum des endlosen Ganges. Wie sie verzweifelt versuchten und dachten, sie könnten jeden Einzelnen auf ihre Art und Weise retten. Als seien sie im Namen Gottes dazu beauftragt, in weißen Kitteln das Leid zu lindern. Da war mir Herr Broderick in seinem bunten Karo bestickten Pullover lieber. Er seinerseits war nicht sehr redselig. Stattdessen sollte es meine Aufgabe sein, mehr von mir Preis zugeben. Die einzige Person, die mir hier Gesellschaft leistete, war Penelope. Unentwegt saß sie in einer dieser Ecken und dann warf sie plötzlich unerwartet Fragen in den Raum. Meist waren mir diese Fragen zu subtil und unangenehm, sodass wir beide in ein fragwürdiges Starren verfielen. Mein Verstand konnte mir nicht erklären, warum sie in jenem Moment vor mir saß. Alles an ihr war merkwürdig, verwirrend und schmerzhaft. Allein ihr Name ließ Fragen aufkommen.
Nun war es soweit. Meine Gedanken wurden von einem lauten Klack der Wanduhr über mir unterbrochen. Es war wieder einmal Punkt fünfzehn Uhr, Zeit meine Fragen zu beantworten. Zusammen mit mir schüttelte Penelope ihre müden Beine aus um sich zu erheben und anschließend einen festen Stand zu erlangen. Ein großer kräftiger Mann im weißen Kittel trat ein, um mir deutlich zu machen, dass es an der Zeit wäre, den Raum zu wechseln. Wer hätte das gedacht. Kurz hatte ich mich noch einmal umgedreht, um Penelope in ihre haselnussbraunen Augen zu schauen und um mich zu vergewissern, dass sie mir folgen würde.
„Auf geht‘s, Herr Crichton!“, brummte er in einem tiefen Ton.
Der Weg von einem Raum in den anderen war mir das Liebste. Indem ich an mehreren Zimmern vorbei schlenderte machte ich mir bewusst, dass ich nicht der Einzige hier war.
„Wie geht es ihnen heute? Wie war ihr Tag bis jetzt?“ Sehr nüchtern und ruhig stellte Herr Broderick mir immer dieselben Fragen wie jeden Tag aufs Neue in diesem dunklen urigen Raum. Trotzig beschwerte ich mich zunächst über das nicht genießbare Mittagessen und bezeichnete es als unzumutbaren Gefängnisfraß. Da ich auf keine seiner Fragen geantwortet hatte, wiederholte er sie erneut. „Wie geht es Penelope heute, ist sie da?" Vorsichtig reckte er seinen Oberkörper nach vorne, um an mir vorbei zu spinksen. Währenddessen wendete ich meinen Blick nicht von ihm, sondern verwies hinter mir in die linke Ecke des Raumes. Zufriedengestellt führte er sein Gespräch mit mir fort. „Okay Thomas, halten wir fest: da ich sie erst einige Monate kenne, möchte ich nun von ihnen, dass sie all ihre Erinnerungen festhalten und mir dann mitteilen!“
„Ich verstehe“, gab ich nüchtern von mir.
„Gut, also kommen wir nun wieder zu Penelope. Gab es bis jetzt Momente, in denen sie nicht bei ihnen war? Wenn nicht, wie fühlen sie sich in ihrer Nähe und hat sich bis jetzt irgendetwas verändert?"
Während er mir wiedermal mehrere Fragen auf einmal ins Gesicht warf, richtete ich mein Augenmerk auf Penelopes zarte schmale Finger. Sie hielt ihre Hände ans Fenster und streckte sie dabei in Richtung der hindurchscheinenden Sonnenstrahlen. Ihr leises sanftes Summen betäubte meine Sinne mit einer Melodie, die mir schmerzlich bekannt vorkam.
„Thomas, hören sie mir noch zu?“
„Ja, ja natürlich!“
„Möchten sie nun mit mir über Penelope sprechen?!“
Schwerlich entriss ich mich Penelopes hypnotisierendem Bann, als ihre graziösen Handbewegungen ein Licht-Schattenspiel erschufen. Aufgrund meines Unwohlseins räusperte ich mich bevor ich sprach und setzte mich wieder aufrecht hin. „Es ist ein Tag wie jeder andere auch. Was soll schon groß passieren. Immer wieder aufs Neue sitzt sie meist bloß da, in einer dieser Ecken und ich tue es ihr gleich. Manchmal stellt sie mir unangenehme Fragen, die meiner Meinung nach keiner Antwort würdig sind, und so schauen wir einander bloß an. Seitdem wir hier sind, haben wir nicht einmal ein wirkliches Gespräch geführt und wenn ich versuche, sie zu ignorieren, wird sie energisch und heischt nach Aufmerksamkeit. Dieses ganze Schauspiel hier will einfach nicht in meinen Verstand.“ Zerrüttet kniff ich meine Augenlider zusammen und strich mir über die Stirn.
Gefasst sprach Herr Broderick weiter. „Zunächst müssen sie verstehen, dass dies normal ist, es aber an ihren Kräften zehrt, wenn sie sich von ihr abwänden. Es ist schwierig, dennoch müssen sie versuchen sich dem zu stellen, womit sie konfrontiert werden. Sie wissen, dass sie ihre Erinnerungen aufarbeiten müssen und deshalb keine Medikation erhalten. Tief in ihrem Innern haben sie die Erinnerungen noch, das zeigt sich allein durch Penelope.“ Er analysierte meine Gesichtszüge und nahm zur Kenntnis, dass ich mir mit meiner rechten Hand das Sichtfeld nahm. Nachdem er einmal tief ausgeatmet hatte, schürzte er seine spröden Lippen und hauchte mir unverschämt ins Gesicht ich müsse mich meinen Ängsten stellen.
„Ängste? Ha, ja natürlich!" Mit einem Mal wurde ich laut und versuchte zu verstehen, was er verdammt nochmal von mir wollte. „Wer redet denn von Ängsten. Diese Frau, die dort sitzt, kann mir keine Angst einjagen, verstehen sie. Nein, sie macht mich verrückt. Ich hatte alles, alles vor dem hier. Ich hatte ein glückliches Leben!“ Wütend verwies ich auf die Frau in der hintersten Ecke, wobei ich nicht zu ihr hinsah.
„So, ich verstehe glücklich.“ Seufzend beendete Herr Broderick unsere Sitzung. „In Ordnung ich glaube das genügt für heute. Schreiben sie Ihre Erinnerungen auf! Anscheinend sind sie sich noch über ihr 'glückliches Leben' vor all dem hier bewusst?“
„Sie sollen mich verdammt noch mal gesund machen!“ Meine Stimme knallte wie ein Peitschenhieb.
Ohne ein weiteres Wort setzte Herr Broderick seine Lesebrille auf die spitze Nase und machte sich Notizen. Ich hingegen hatte mich von dem dunkelbraunen Ledersessel erhoben, um die wenigen Meter in mein Zimmer zu beschreiten. „Dieser dicke Mann in seinen ach so weißen Klamotten, ließ einen auch keine Sekunde aus den Augen,“ fluchte ich.
In meinem Raum angekommen, blickte ich enttäuscht auf die Wanduhr vor mir. Gerade mal eine Stunde war verstrichen und ich wusste nichts mit mir anzufangen. Wie alles in mir war das Zimmer trist und leer. Einige der wenigen Bücher hatte ich zu meinem Bedauern schon im letzten Monat verschlungen. Zeit mit anderen zu verbringen, stand nicht an oberster Stelle auf meiner Zeitvertreibliste und um ehrlich zu sein war dies auch nie meine Absicht gewesen. Das Einzige was wie vorhergesehen auf meinem Schreibtisch lag, waren ein Stift und ein Block Papier. Ausgerechnet in diesem Augenblick war Penelope nicht bei mir, um meine Zeit zu stehlen, was jemand in diesem Moment ruhig hätte tun sollen.
„Was soll‘s,“ gestand ich mir. „Bleibt mir wohl nichts Anderes übrig.“
Es gab verschiedene Arten von Frauen, die Thomas in seinem Leben schon begegnet waren. Was ihn zu aller erst in ihren weiblichen Bann zog, war stets ihre spezifische Art zu gehen und ihr einzigartiger Duft. Jede Einzelne von ihnen hegte jedoch stets dieselben Absichten. Diejenigen, die anmutig auf großen festlichen Galas mit ihren graziösen Körpern von einer Gruppe zur anderen stolzierten, wickelten Thomas mit ihrem gestellten Lächeln seither um den Finger. Diese Frauen versuchten auf eine fälschliche Art und Weise durch prachtvollen teuren Schmuck und durch lange enganliegende Kleider sich selbst aufzuwerten. Durch Massen von Schminke dachten sie mit dieser Maske ihr wahres Ich zu verbergen und ihm somit sein Geld mit langen spitzen Fingernägeln aus seiner Gesäßtasche zu rauben. Schließlich wusste Thomas in jedem Augenblick, als er mit dieser Art von Frau sprach und sie ihre roten Lippen bewegten, was ihre wirklichen Absichten waren. Folglich wendete er sich meist diesen Frauen zu, damit sie ihm für drei bis vier Tage Vergnügen bereiteten. Doch blickte er jedes Mal mehr und mehr hinter ihre Schleier. Wie sie ihren Körpergeruch durch teure Parfümdüfte übertünchten, jedoch der leichte Schweißgeruch langsam zum Vorschein kam. Je mehr er überwog, desto mehr vermischte er sich mit dem fälschlichen Duft. Letztendlich wurde er beißend, stechend und unangenehm für die empfindlichen Schleimhäute der Nase. Bestimmte Körpergrößen und Maße eines weiblichen Körpers interessierten Thomas recht wenig. Doch was sein ganzes Leben bestimmte, waren Zahlen, Spekulationen und Berechnungen. Durch Frauen und ihre Angelegenheiten blieb er nur für eine Millisekunde davon verschont. Wovon er sich jedoch nie lösen konnte war das Analysieren und Bewerten einer Person. Thomas kam zu dem Entschluss, dass all das, was von seiner Seite aus für das andere Geschlecht anziehend war, allein in Geld, Macht und gutem Aussehen lag. Liebe war nur ein Begriff für ihn, den man in Romanen und fiktionalen Geschichten verwendete. Mit all dem, was realitätsnah war, konnte er arbeiten. Zahlen führten zu Rechnungen, die wiederum zu Lösungen führten. Thomas machte Geld, indem er recherchierte, spekulierte, riskierte und Aktien verkaufte. Wenn Thomas die weiße, schwerelose Geldfeder in die Luft befördert hatte, konnte er mit ansehen, wie sie hoch oben zu den Wolken aufstieg und dann vielleicht wieder herabsank. Letztendlich wusste er, wo sie gelandet war. Ob auf dem weichen, grünen und sicheren Rasen, oder in der schlammigen, nassen und dreckigen Pfütze, die sie unbrauchbar schwärzte. Die Erinnerungen an seine Lebensweise, seine Bedürfnisse, seine Arbeitswelt und die seiner Kindheit waren ihm nie zuvor so klar, und doch beschlich ihn, auf unverständlicher Weise, ein leeres Gefühl.
Nachdem er verwirrt in einem ihm unbekannten klinischen Raum aufgewacht war, fragte man ihn nach seinem Befinden und ob er wüsste, was vorgefallen war. Merkwürdige Fragen reihten sich allmählich in einer langen unübersichtlichen Schlange auf, die Thomas immer wütender machten.
„Wissen sie, welcher Tag heute ist? Wie ist ihr Name? Herr Crichton, sagen sie uns, wissen sie wann sie geboren wurden? Woran können sie sich erinnern? Können sie uns sagen, was sie vor all dem hier getan haben? Herr Crichton, verstehen sie, wovon wir sprechen, sie hatten einen Unfall! Hören sie uns zu?!“ Ein brennender und durchbohrender Schmerz durchzog seinen bandagierten Schädel. Erschöpft und gequält vom grellen Licht streikten seine Augenlider vergeblich, als er sie schwerlich öffnete. Unvermeidlich vernahm seine Nase unangenehm beißende Gerüche wahr. Das Blut an Thomas Stirn und das seines Bettnachbarn sorgten für einen deutlich vernehmbaren alten verrosteten Eisengeruch, der sich mit einem starken Infektionsmittelgestank vermischte. Seine Übelkeit verstärkte sich durch die üblen Gerüche im Raum und seine Sinne drohten ihn allmählich zu verlassen. Nachdem seine Umgebung aufgehört hatte sich in allen möglichen Richtungen zu drehen und alles um ihn herum wieder still stand, erlangte er schwerlich seine Kräfte zurück. Als er die weißen Engel vor ihm in ihren langen Kitteln endlich ernst nehmen konnte, klärte man Thomas über seine Situation und über den Unfall auf. Man sagte ihm, er wäre die Lombard Straße in Philadelphia entlang gelaufen, um sie zu überqueren, und Passanten hätten mit angesehen, wie er in ein Fahrrad hinein lief, wodurch Thomas stürzte und dann wieder aufstand. Im selben Moment wäre er auf ein zukommendes Auto geprallt. Aufgrund des Schocks hätte Thomas trotz schwerer Kopfverletzung versucht, weiterzugehen, doch gleich darauf wurde er ohnmächtig.
„Wie ungemein aufklärend!“, schmunzelte Thomas über deren allwissende Worte. „Herr Gott, was ist das denn hier?! Ein Krankenhaus oder eine Irrenanstalt. Gibt es hier denn keine kompetenten Ärzte. Verschwinden sie alle, raus!“ Wütend schrie er die Ärzte an, und als sie versuchten, ihn zu beruhigen, umklammerte er verzweifelt sein Bettlacken.
„Herr Crichton, wir verstehen, dass all das hier wahrscheinlich sehr verwirrend für sie sein mag aber …“. Diese absurden Äußerungen kamen ihm wie eine lächerlich fremde Geschichte seines Zimmernachbarn vor. Thomas lebte zwar in Philadelphia, doch verbannt er nichts mit dieser Straße. Warum hätte er sich dort aufhalten sollen?
„Wenn ich zu jenem Zeitpunkt in Eile war, hätte es sich um etwas Wichtiges handeln müssen, und wichtige Dinge hatte ich noch nie in meinem Leben aus meinem Gedächtnis verbannt!“, dachte er angespannt. Fassungslos und verärgert war er von der Falschheit der ganzen Behauptungen überzeugt, sodass Thomas laut „Pah“, und „ha ja, natürlich“, von sich gab. Doch schließlich musste er zu seinem Bedauern feststellen, dass auf der Krankenakte sein Name Thomas Crichton stand. Die vermutlich schmerzliche Wahrheit war ihm ins Gesicht geschrieben. Geschockt saß er bloß nur noch stumm und regungslos dar. Erschreckender Weise kannte Thomas sich selbst nicht mehr. Nicht mehr von Bedeutung waren seine Schmerzen und viel weniger noch, dass er kein Einzelzimmer bekommen hatte. Angst und Trauer überfielen ihn plötzlich, als er seinen Blick senkte und verkrampft sein Herz umfasste. Es hatte ihn verändert, ihn in die Knie gezwungen und dann in mehrere Stücke zerrissen. Eine angsteinflößende tiefe Leere umgab ihn, und er spürte, wie ein großes schwarzes Nichts sein Herz umschlang. Es trieb Thomas in den Wahnsinn. Diese zerreißende verzweifelte Erkenntnis des leeren dunklen Lochs in ihm quälte und folterte Thomas, denn es schrie: „Etwas sehr Wichtiges, Bedeutsames fehlt in dir!“
Nach dem Unfall und weiteren Untersuchungen im Krankenhaus ahnte Thomas noch nicht, dass das Unternehmen wofür er Jahre lang gearbeitet hatte, aus einem ihm unerklärlichen Grund drohte, bankrott zu gehen. Nachdem er einige Jahre für die Firma CCH seiner Familie gearbeitet hatte, wollte er sich von den Geschäften seines Vaters lossagen. Dennoch sollte Thomas als einziger Sohn der Familie die Firma seines Vaters einmal übernehmen. Seine ältere Schwester verstand ihn in Punkten wie diesen recht wenig, da sie sich aus reinem Vergnügen an dem Besitz ihrer Eltern bereicherte. Zusammen mit einigen Bekannten seines Vaters gründete Thomas schließlich mit einem Anteil von 45%, 1984 das Unternehmen NWTI (NewWayToInvest). Ungestüm und eifrig stürzte er sich in ein tobendes schwarzes Meer, als er sich auf NWTI einließ, erpicht die dunklen unerreichten Tiefen des Meeres zu ergründen. Als Thomas sich endlich von den Kopfschmerzen des Unfalls befreien konnte, holte ihn gleich ein anderes Leid ein, das ihn mit einem Mal zerstören sollte. Durch ein verräterisches doch fast vergessenes Schicksal verlor er zum Schluss alles, wofür er gekämpft und seinen Vater verlassen hatte. Da alle vorherigen Ereignisse im Augenblick aus seinem Gedächtnis verbannt waren, fühlte er sich plötzlich wie eine Marionette für alles und jeden um ihn herum. Nachdem Thomas das Krankenhaus wieder verlassen hatte, traf er auf eine seiner Geschäftspartnerinnen, Jamy. Aufgebracht und verurteilend konfrontierte sie Thomas mit den miserablen Zuständen der Firma. Thomas wusste gleich, dass die konkurrierende Firma Jolstay dahinterstecken musste. Der Besitzer war ein alter Feind seines Vaters. Oft hatte Thomas als kleiner Junge zwischen der Wandecke und der Türzarge neben seines Vaters Bürozimmer gesessen und gehofft, man möge ihn hinter der Tür nicht finden. Wenn zu seinen Gunsten die schwere Holztür einen Spalt offenstand und die Fenster in der obersten Etage aufgerissen wurden, lauschte Thomas in Frieden dem Blätterrauschen der alten Weiden und Eichen. Seicht wiegten sich die dünnen Äste der Trauerweiden im Wind und wenn er ganz genau hinhörte, verspürte er wahre Freude, wenn sich eine Eichel dazu entschied, sich vom Baum zu lösen um mit einem Mal auf die braune weiche Erde zu plumpsen. Zu diesen Arbeitsstunden seines Vaters schlief er oft langsam ein. Die Augenlider entspannten sich und die Glieder seines weichen kleinen Körpers erschlafften, während die Ohren das unaufhörliche Tippen der Tastatur und das Rascheln der Unterlagen verschlangen. Dann plötzlich mit einem lauten Knall fuhr der kindliche zierliche Körper zusammen, als sein Vater sich aufblähte, schnaufte und schrie. Konkurrierende Firmen, vor allem Jolstay, heizten ihm so richtig ein, ließen sein Blut kochen. Doch rief er sich schnell wieder in Erinnerung, dass seine Firma CCH überlegen, mächtiger, unbezwingbar sei, sodass er sich nach beruhigenden Erkenntnissen wieder in seinen Sessel gleiten ließ. Ein breites verschmitztes Lächeln umspielte seine Lippen und auch Thomas aufgeschreckter ängstlicher Körper beruhigte sich wieder. Zu Thomas erhofftem Glück wurde NWTI ebenfalls sehr erfolgreich, wodurch Jolstay ebenso zum verhassten Konkurrenten seines Unternehmens wurde. Doch da er nun aus unfassbaren Gründen alle sämtlichen Firmenanteile verloren hatte, war er wie ausgelöscht. Alles wurde vernichtet. Leere Kartons, kahle Wände. Schreibtische und Schränke, die unbenutzt schienen. Nur einer seiner blauen Kugelschreiber mit dem Logo NWTI hatte es noch geschafft, sichtbar auf der Ecke seines Schreibtisches vor ihm zu liegen. Dieser Anblick ließ seinen dunkel gebetteten Körper erschaudern. Wie ein stechendes kaltes Eisbad sorgte dieser Anblick für tiefe Schmerzen in seinen Fingerkuppen, als er vorsichtig versuchte, den Kugelschreiber in die rechte Hand zu nehmen, um im letzten Moment zu spüren: Das ist mein! Ich war hier, verdammt! Das war alles, was ich hatte! Eine laute unaufhörliche Stimme schrie in ihm und ließ nicht von ihm los, während er den Kugelschreiber fest umklammerte und sich seine Faust voller Hass formte. Thomas holte tief Luft und schnappte nach Sauerstoff. Keiner konnte ihm sagen, wie es dazu gekommen war. Zornig und verzweifelt gewahrte Thomas, als er mitten im Chaos der Firma stand, dass auf einen Schlag alle seine Anteile verkauft worden waren und ihn dies somit ins Verderben riss.
Als er versunken in seinem Bürostuhl in der ihm umgebenden Glaskuppel saß, sah er mit an, wie alle Mitarbeiter panisch von einem Schreibtisch zum anderen liefen. Dokumente wurden von einer Ecke in die andere geschoben und verteilten sich allmählich auf dem glänzenden Marmorboden. Nur noch wenigen Bildschirmen gab man die Gelegenheit, allen das Unglück mitzuteilen, indem sie stets die fallenden Kurven abspielten.
„Es war vorbei, alles zunichte.“
Benebelt und unzurechnungsfähig saß er stillschweigend da. Wie von einer übernatürlichen Macht besessen, wurde das seichte ruhige Meer zu einem tobenden Ungeheuer. Hohe undurchdringbare Wände aus Wassermassen türmten sich auf, die sich schwarz verfärbten und gewaltig aneinander klatschten. An seinen bleichen Fesseln gepackt, wurde Thomas in die Todestiefe gerissen. Er strampelte, fühlte, wie allmählich eine schwarze, wässrige Flüssigkeit seine Lunge füllte und ihm seinen Atem raubte. Nicht real, nicht real, leugnete Thomas, als er seine Augen zwanghaft zusammenkniff. Gestern vor circa drei Wochen, so sagte es ihm seine fehlerhafte Erinnerung, war doch alles unter Kontrolle gewesen. In diesem verzweifelten Augenblick spürte er eine warme, beruhigende Hand auf der seinen. Erschrocken öffnete Thomas seine Augen und gewahrte eine ihm gegenüberstehende Frau im Büro. Ein weiterer unerklärlicher Schmerz überkam ihn. In jenem Moment wusste er, dass sie nicht real sein konnte.
Auf dem Weg nach Frankreich gleich nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus, stürmte Thomas zum Terminal C, als sich ihm plötzlich diese komische Frau in einem weißen langen Nachthemd in den Weg stellte. Ihre braunen lockigen Haare fielen über ihre Schulter und ihre ihn anstarrenden haselnussbraunen Augen brachten ihn ins Stocken. Diese Frau schien von komischer Natur zu sein und ihre ungewöhnliche Aufmachung ließ Fragen aufkommen. Verwirrt warf Thomas ihr einen zynischen Blick zu, zumal sie ihm seinen Weg offensichtlich absichtlich versperrte.
„Was ist bloß los mit dieser Frau?“
Thomas war außer sich. Obwohl tiefster Winter herrschte, stand sie in einem ärmellosen Nachthemd barfuß da. Erbost ging er einen Schritt nach rechts, dann nach links um sie zu umgehen. Doch sie tat ihm dies gleich als wolle sie ein Spiel mit ihm spielen.
„Was ist denn bei ihnen nicht richtig im Kopf? Was soll das, lassen sie mich vorbei, Herr Gott!“, gab Thomas aufbrausend von sich.
Zuerst hatte er die komischen, misstrauischen Blicke der anderen um sich herum noch nicht wahrgenommen. Doch als langsam das Getuschel immer lauter wurde, erkannte er, dass etwas nicht stimmen konnte. Ein fremder besorgter Mann hinter ihm hatte ihn wohlmöglich beobachtet, da er verwirrt und vorsichtig zugleich seine Schulter packte, damit er sich umdrehte.
„Geht es ihnen nicht gut, Sir? Haben sie ein Problem?“
„Diese Frau hier findet es anscheinend lustig mir den Weg zu versperren. Ich kenne sie nicht!“ Angespannt und verzweifelt fuchtelte er mit seinen Händen und Armen herum, um auf die fremde Frau vor sich aufmerksam zu machen.
„Aber wen meinen sie denn, dort ist doch niemand!“
„Was reden sie denn da, sehen sie denn nicht, dass sie ...“. Im selben Moment, als Thomas sich erneut umdrehte, war sie fort. „Ich, …. Aber wo ist sie denn hin?“
Ohne ein weiteres Wort mit Thomas zu wechseln ging der fremde Mann weiter. Er schüttelte jegliches Misstrauen wieder von sich und konnte endlich weitergehen. Während des Aufenthalts in Frankreich realisierte er letztendlich, dass diese Frau, die er aus einem ihm unerklärlichen Grund manchmal sah und hörte, nicht wirklich existieren konnte. Nach der geschäftlichen Niederlage bei Jolstay musste er sich schmerzlich eingestehen, dass er wohlmöglich langsam den Verstand verlor. Thomas saß also in seinem noch vorhandenen Bürostuhl mit der zierlichen Frauenhand auf der seinen und musste schmerzlich mit ansehen, wie alles in ihm zu Bruch ging.
Er floh zum Parkdeck und von dort in den Maserati und eilte in sein noch bestehendes Apartment. So wollte er dem Schrecken erstmals ein Ende bereiten. Aber Dunkelheit und Stille der Suite verschlangen ihn erneut. Mit letzter Kraft schleppte er seinen müden schlaffen Körper zu der unbequemen Couch und schlug beide Arme vors Gesicht. Eine salzige Träne entwich verstohlen seinem linken Augenlid und rann langsam über sein Gesicht. Er entschied sich, zu schlafen und so schnell nicht mehr aufzuwachen.
„Hey, Thomas wach auf! Thomas?!“
Grob wurde sein Körper durchgeschüttelt und zugleich tief in die Couch gepresst. Nachdem jemand ihm mehrmals gegen die rechte Schulter stieß, kam er wieder zu sich. Es war Vallery, eine seiner alten Angestellten, die unzufrieden und genervt ihr rundes asiatisches Gesicht verzog. Da sie eine alte Freundin seiner Mutter war, ließ sie sich ab und zu bei Thomas blicken.
„Was ist das alles hier? Hast du eine Party gefeiert? Lass mich raten, du warst der einzige auf dieser Party. Wie kann man nur so viel trinken!“ Mürrisch sammelte sie die Weinflaschen ein und schmiss die verklebten Bierdosen in Plastiktüten. Das Klirren und Knacken der leeren Flaschen und Dosen dröhnte in Thomas Kopf. Mit zusammengekniffenen Augen umfasste er seinen pochenden Schädel.
„Was bringt es dir denn verdammt nochmal, sich hier tagelang volllaufen zu lassen. Versuch endlich wieder auf die Beine zu kommen. Geh zu deinem Vater oder mach irgendetwas, mir egal!“
„Warum sind sie hier? Ich brauche sie nicht mehr! Gehen sie!“
Taumelnd stammelte Thomas irgendetwas vor sich hin und schlenderte zum Wasserhahn, um Gesicht und Kehle mit eiskaltem Wasser zu benetzen, in der Hoffnung, wieder zu sich zu kommen. Besorgt blickte Vallery auf den hilflosen zerbrochenen Mann vor ihr. Sein Stolz war zerborsten wie ein trockener dünner Zweig im Herbst. Sein zuvor aufrechter Körper erschlaffte in eine Haltung mit hängenden Schultern. Dann entwich ein enttäuschtes Stöhnen aus ihren runden Lippen. „Ich mache ihnen jetzt etwas zu Essen. Sie müssen essen!“
Vallery war Thomas Meinung nach sehr schroff und tat stets das, was sie für richtig hielt. Sie gehörte zu einer vietnamesischen Familie, die schon vor Vallerys Geburt nach Amerika ausgewandert war. Ihr Name passte weder zu ihrer Herkunft, noch zu ihrem Äußeren. Sie war klein, sehr kräftig, hatte ein rundliches Gesicht und kurze schwarze Haare. Ihre dunklen Augen und rosigen Lippen hingegen spiegelten den weichen Kern in ihr wider, all ihre Fürsorglichkeit und ihre Herzlichkeit. So kümmerte es Thomas nicht, ob sie bleiben oder gehen würde. Er ignorierte sie vollkommen, ließ sich auf dem anderen Sofa nieder und starrte bloß mit leeren Augen in die Ferne. Er war nicht mehr der alte. Sein Verstand hatte ihn zum Teil verlassen. Er wusste selbst nicht mehr, wer er war und was er je wirklich gewollt hatte. Alles spielte keine Rolle mehr. Die Erinnerungen, die er noch besaß, ließen ihn ebenfalls zweifeln. Vielleicht war alles nur ein betrügerisches Spiel gewesen, das letztendlich wie ein enttäuschender Traum an ihm vor rüber zog. Vielleicht gehörte ihm dieses Apartment gar nicht und diese Frau dort drüben mit ihren Schlitzaugen existierte nicht. Vielleicht war Thomas nicht Thomas Crichton sondern einfach nur ein namenloser Bettler, ein Obdachloser umgeben von Menschenmassen, vom Lärm der Straßen. Dem Elend ausgeliefert und betend, dass er nicht in dieser Nacht sterben sollte. Seit er vor einigen Tagen mit dem Trinken angefangen hatte, hoffte er verzweifelt, die unbekannte Frau nicht mehr wieder zu sehen oder doch ihre liebliche Stimme zuhören. Manchmal saß sie plötzlich neben ihm und lächelte ihn an. Dann umspielten kleine Lachfältchen ihre warmen leuchtenden Augen. Sanft strich sie ihm eine seiner Haarsträhnen aus dem Gesicht, die sich in seinen Augen verfangen hatten. Ihre Hände streichelten ihn mit einer sanften Vertrautheit. Diese Zuneigung spendete ihm Trost, und in jenen Momenten kannte er keine Einsamkeit mehr. Doch zugleich machte ihn ihre Anwesenheit wahnsinnig, da er wusste, dass sie bloß ein Trugbild war. Die Akzeptanz der Wahrheit traf ihn, als sie sein Zuhause zu seinem Gefängnis machte. Draußen in der Öffentlichkeit schaffte er es nicht, dieses Trugbild zu ignorieren. Die Realität packte ihn, als er begreifen musste, wie man ihn anblickte und sich Abscheu in den Augen der Anderen formte. Das Scheppern des Geschirrs erweckte wieder seine vollste Aufmerksamkeit und der Duft von frischem Ingwer und Knoblauch stieg in seine Nase. Die verlockenden Gerüche konnte er auf seiner Zunge schmecken und ließen ihn träumen. Um den Schmerz zu vergessen, hatte er versucht, seine Sinne zu benebeln. Oft grinste er verschmitzt vor sich hin, da er den Ursprung des Schmerzes nicht einmal kannte. Was zerrte an seinem Herzen? Was stimmte nicht mit ihm?
„Ok, setzen sie sich. Sie können jetzt essen!“ Auffordernd rückte sie einen seiner Stühle beiseite und stellte den Topf mit buntem Gemüsereis auf den Tisch. „Na komm schon. Ich habe extra was von Zuhause mitgebracht. Bei dir kann man ja nicht erwarten, dass etwas im Haus ist!“ Erwartungsvoll verschränkte sie beide Arme und wartete geduldig auf seine Reaktion. Schließlich gab Thomas nach und schenkte seinem Magen wieder feste Nahrung.
„Du hättest mit ihr mitgehen sollen. Ich weiß ganz genau, dass das hier," verweisend auf Thomas Aussehen und Verhalten, „nicht nur was mit der Firma zu tun hat. Ich weiß nicht, was passiert ist und was dazwischen euch lief, aber ich bin nicht dumm. Ich …“.
„Warte! Was, .... Was redest du da? Wovon sprichst du?“ Verwirrt ließ er erschrocken den Löffel fallen und spuckte den Reis wieder aus.
„Wie, was und wen ich meine? Glaubst du ich habe das nicht mitbekommen?! Du hast doch nach dieser Penelope gesucht, und dann war da noch ..."
„Halt, sei still!“
Plötzlich streckte Thomas seine rechte Hand vor ihre Lippen und lauschte. Mit aufgerissenen Augen und weißem Gesicht schien er ein Fabelwesen oder einen Geist gesehen zu haben. Leise Schritte 'taps, taps', ließen den Parkettboden im Schlafzimmer knacksen. Hektisch drehte er seinen aufgebrachten Körper in schnellen Bewegungen von einer in die andere Richtung. Sein Gesicht zuckte mehrmals zusammen als sein Blick unentwegt von einer Ecke in die andere starrte. Panisch erschien ihm, als ständen mehrere fremden Menschen um ihn herum, die böse Wörter in sein linkes und rechtes Ohr flüsterten. Dann hörte er plötzlich nichts mehr. Ein benebelnder Duft, anders als der, der von der Küche ausging, stieg Thomas markant in seine Nase, wobei er Lavendel und Eiche wahrnahm. Für wenige Sekunden schloss er die Augen. Erlösend stand sie, die unbekannte Frau, abrupt vor ihm. Diese nackten Füße erkannte er gleich wieder! Mit dem Kopf gegen den Türrahmen zum Bürozimmer gelehnt, sah sie ihn mit ruhigen Augen an.
„Was ist denn mit dir los? Stimmt etwas nicht?!“, stammelte Vallery entsetzt.
„Penelope sagtest du eben?! Wer ist sie, ich kenne keine Penelope. Ist sie vielleicht diese Frau dort drüben?!“ Zynisch, wissend, dass Vallery sie nicht sehen konnte, grinste er zu ihr rüber und zeigte auf die fremde Frau an der Türschwelle. „Bist du Penelope?“, fragte Thomas triumphierend.
Ohne ein einziges Wort, stieß sie ihren in weiß gekleideten Körper vom Türrahmen ab und grinste verlegen in seine Richtung.
„Sie ist es, ich weiß, dass sie es ist! Los sag etwas, sprich mit mir!“
Auf einmal packte er sie voller Wut und schüttelte ihre zierlichen Glieder durch. Dann schrie er, zitterte am ganzen Leibe und sank zu Boden. „Du machst mich verrückt, du treibst mich in den Wahnsinn, hörst du!“
Ängstlich und verzweifelt wich Vallery von ihm. Sie konnte nicht verstehen, was passierte. Aber sie wusste, dass jemand ihm helfen musste. Bevor sie ging, sagte sie leise und bedacht, „Ich weiß nicht, was du zur Zeit durchmachst, aber ich kann dir nur sagen: Du hast sie aufgrund deines Vaters gesucht. Ich kann ihnen nicht mehr helfen und ich komme auch nicht wieder!“
„Schließen sie langsam ihre Augen und hören sie mir zu. Um an ihre alten Erinnerungen zu gelangen, müssen wir tiefer in ihr Unterbewusstsein vordringen. Wie ich weiß, wurden sie schon von Herrn Broderick aufgeklärt, wie wir vorgehen werden. Wenn ich merken sollte, dass etwas sie zu sehr belastet, hole ich sie wieder zurück. Sind sie damit einverstanden?!“
„Keine Sorge, er ist einer der besten Hypnotiseure die ich kenne!“, unterbrach Herr Broderick.
„Das beruhigt mich jetzt ungemein. Wahrscheinlich kennen sie nur recht wenige Hypnotiseure oder lassen sie mich raten, das hier ist der Einzige!“, schmunzelte Thomas. Verstohlen spinkste der Hypnotiseur in die linke Ecke des Raumes, als hätte er die verächtlichen Worte von Thomas nicht gehört.
„Wenn sie sich entspannen wird es sicherlich funktionieren. Bis jetzt scheint es mir, dass Hypnose das Einzige ist, was uns jetzt noch weiterbringen kann. Versuchen sie es wenigstens!“
„Ja, ja!“, brummte Thomas. „Als ob ich eine Wahl hätte.“ Angespannt drückte er beide Arme von seinem Körper weg um Herrn Broderick verständlich zu machen, dass er ihm nicht zu nah kommen sollte. Der warme fremde Atem auf seiner Haut machte ihn rasend.
„Sie können anfangen, Herr Doktor!“, bestimmte Herr Broderick vorsichtig.
Als Thomas sich endlich in die Hände der beiden Ärzte gab, versetzte man ihn in einen schutzlosen Zustand. Thomas versuchte sich innerlich dagegen zu wehren. Seine geschlossenen Augenlider zuckten und seine Glieder verkrampften sich. Thomas ängstigte die Vorstellung, einen Fremden in seinen verwirrten Kopf zu lassen. Nachdem er zweimal langsam ausatmete, sprach der unwohl riechende Doktor mit gespitzten Lippen zu ihm. Unverständliche Fragen prasselten auf ihn ein und ein dickes Etwas in seiner Luftröhre stahl seinen Atem. Während des Versuches, seinen Zorn zu bändigen, redete der Doktor weiterhin auf ihn ein. „Herr Crichton, wissen sie, wie sie in die Anstalt kamen?“
„Ja!“
„Wer brachte sie her? Kamen sie aus freien Stücken zu uns?“
„Bei meiner letzten Begegnung mit Vallery, hatte ich ihr anscheinend einen solchen Schrecken eingejagt, dass sie gleich darauf nach Hilfe suchte!“
„Sie erinnern sich also daran, dass Vallery sie zu einer Einweisung drängte?!“
„Was blieb mir denn anderes übrig? Sie versprach keinem aus meiner Familie etwas zu verraten, wenn ich mir Hilfe suchen würde!“
„Wie uns bekannt ist, besitzen sie die Erinnerungen von der Zeit unmittelbar nach ihrem Unfall, doch ein ganzes Jahr vor dem Unfall haben sie vollkommen vergessen. Kommen wir somit zu dem Tag, an dem sie ihren Unfall hatten! Können sie sehen, wie sie die Straße am Tag ihres Unfalls überqueren?“
„Nein.“
„Haben sie denn ein Bild vor Augen, Thomas?“
„Ja ich bin an einer stark befahrenen Straße, ... an einer Kreuzung.“ Als Thomas langsam vor sich hin stammelte, realisierte Herr Broderick, dass Thomas immer unruhiger wurde. Vorsichtig versuchten sie ihn wieder zu beruhigen.
„Entspannen sie sich, Herr Crichton!“ Angespannt kniff Herr Broderick seine kleinen grünen Augen zusammen, beugte seinen Oberkörper vor und kam Thomas immer näher.
„Ich sehe plötzlich eine Gestalt, ich kann nur ihre Umrisse erkennen. Sie rennt und jetzt renne ich auch.... Ich ...“.
„Was sehen sie Thomas? Sprechen sie!“, drängte Herr Broderick unverstohlen.
Thomas Fingerkuppen verkrampften und verbogen sich wie krumme Äste. „Er hat Sie in den Tod getrieben, dieser Mistkerl!“, zischte Thomas. Nach zwei tiefen Atemzügen, stockte sein Atem. Er presste seine Fingerkuppen tief in die Stuhllehne und schwieg. Dann, ein schweres Stöhnen drang aus seinem Mund und wurde immer lauter. Er riss seine Augen weit auf. Sein Kopf schlug gegen die Rückenlehne.
„Beruhigen sie sich! Thomas sehen sie mich an! Ich werde sie jetzt wieder zurückholen. Atmen sie langsam aus und wieder ein ... immer langsamer und langsamer!“
Nach einer ganzen Weile hatte Thomas sich wieder gefasst und kam zu sich. Mit den Doktoren sprach er kein Wort. Er verspürte keine Kraft mehr. Sein Schädel schmerzte. Eine altbekannte Frauenstimme raunte leise Worte in sein Ohr. „Thomas .... Thomasss!“ Sein Gesicht wurde bleich und ein quälendes Stöhnen drang aus seinem Mund.
„Thomas, können sie mit uns sprechen?!“ „Herr Crichton, was stimmt denn nicht mit ihnen?“ Die erschrockenen und entsetzten Rufe der Ärzte flogen an Thomas Ohren vorbei. Sein Stöhnen nahm ihn ein und seine Sicht schwand. Er wollte einfach nur noch schlafen und nicht mehr zurück. Stille! Gebt mir Stille, dachte er verzweifelt. Mit letzter Kraft drückte er sich vom Stuhl weg, um gleich darauf zu fliehen. Kraftlos brach er zu Boden, knallte mit dem Kopf gegen ein Stuhlbein und schlief erlösend ein.
Liebe ist Glück, Vertrauen, Freude, Gänsehaut, Spannung, Leidenschaft, Sinnlichkeit, Mut, Hingabe. Liebe ist Furcht Trauer Schmerz, Erdrückung, Enttäuschung, Einsamkeit. Mein ganzes Leben bestand bis zu jenem Zeitpunkt, an dem ich gefeuert wurde, aus Arbeit. Meine vergänglichen Liebschaften brachten mich in Punkto Beziehungen kein Stück weiter. Als ich also am Ende meinen Job verlor, blieb mir nichts Anderes übrig, als endlich die schwere Wahrheit zu akzeptieren, dass ich nicht mehr weiter wusste. Schwerlich drückte ich meinen gefühlt 10.000 Kilogramm schweren Körper aus meiner geliebten Couchzone! In meinem verdreckten Pyjama stolperte ich in die Küche und stellte enttäuschend fest, dass der Kühlschrank leer war. Ich fühlte mich wie fünfundsechzig, was schon schlimm genug war, denn ich hatte gerade mal mein 27. Lebensjahr erreicht. Wenn man auf die zwanzig zugeht, hat man vieles vor. Das Leben fängt erst so richtig an, wenn man mit der Ausbildung fertig ist und „Hallo“ Arbeitswelt ruft. Zum Beginn meiner Karriere, wenn man es so nennen will, wurde ich von einer schlechtweg drittklassigen Firma eingestellt, die schon nach drei Jahren bankrott war. Da ich leider von Natur aus nicht sehr wählerisch bin, wurde ich in der nächsten Firma zum Fußabtreter. Trotz meiner Stellung als Sekretärin dachte ich nicht, dass ich es je verdient hätte, so schikaniert, benutzt und schließlich gefeuert zu werden. Zu meinem Glück war ich jetzt Alle los. „Arbeiten gehe ich erst mal nicht mehr“, flüsterte die Enttäuschung in mir. Plötzlich hörte ich ein lautes „Ding, Ding“ und ein unaufhörliches Klopfen. War das die Haustürklingel?! Wow, ich hatte glatt vergessen, dass ich eine besitze, schmunzelte ich. Ganz vorsichtig und langsam öffnete ich die schwere Holztür, um unbehaglich meinen Kopf einer unerwarteten Person entgegen zu strecken.
„Das ich dich nochmal zu Gesicht bekomme. Hätte nicht gedacht, dass du die Türe öffnest, Amy!“
„Du hast mich erschreckt, Laura. Hättest du nicht einfach anrufen können?!"
„Nein, Schluss jetzt mit dem Selbstmitleid!" Unverhohlen zwängte sie sich durch den Türspalt und drückte mich beiseite. Als sich die Gelegenheit dazu bot, gab sie mir noch einen Klaps auf den Po und versuchte einen freien Platz zu finden.
„Oh Gott, es sieht ja noch schlimmer aus als vor zwei Wochen! Was hast du denn die ganze Zeit über getrieben. Gehst du nicht mal vor die Tür? Wenn du so weiter machst, wirst du so eine richtig dicke Frau, die ich dann im Müll suchen muss!“
„Hey, du weißt, dass ich...“.
„Ja, ja sag nichts, ich weiß schon was kommt. Ich habe meinen Job verloren und alles andere auch. Hör zu ich habe wieder ein neues Objekt und keinen der mir hilft, ein paar Sachen dorthin zu deportieren. Du wärst mir eine große Hilfe, wenn du mir unter die Arme greifst.“
„Ich weiß nicht. Dann muss ich mich anziehen und die lange Fahrt dorthin!“
„Komm schon, bitte. Ich weiß, dass es zur Zeit für dich schwer sein muss, aber du musst langsam echt mal wieder aus dieser Höhle hier raus und auf alle Fälle aufräumen!“ Mit Drängen und einem auffordernden Lächeln versuchte Laura mich ins Schlafzimmer zu schieben.
„Ja, hast ja Recht. Werde sonst auch eher verhungern als fett. Der Kühlschrank ist leer!“
Laura schenkte mir ein zufriedenstellendes Lächeln und ich wusste, was sie meinte. Ich wusste auch, dass sie mich einfach nur aufmuntern wollte. Sie ergriff meine Hand, und als sie versuchte, meine verfilzten Haarsträhnen mühevoll auseinander zu ziehen, kicherten wir beide.
Nach gefühlt einer Stunde, erreichten wir endlich die Immobilie von der Laura gesprochen hatte. „Schon ein bisschen merkwürdig“, stellte ich fest, „nach diesen zwei Wochen wieder die Sonne auf der Haut zu spüren und andere Menschen zu sehen.“ Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung aber fühlte sich immer noch fremd an. Laura merkte anscheinend, dass ich etwas Unwohlsein verspürte. Sie warf mir einen hoffnungsvollen Blick zu und schob mich mit zwei schweren Kartons im Arm in das Treppenhaus.
„Das müsste es sein, Apartment 10.“
Als sie den Schlüssel im Schloss umdrehte, wurden ihre Augen voller Erwartungen ganz groß. Als würden sie in jenem Moment die ganze Welt erwarten. Angespannt tastete sie sich im Dunkeln fort, während ich die Kartons behutsam auf den Marmorboden absetzte.
„Okay, bleib erst mal dort stehen, bis ich den Lichtschalter gefunden habe. Da ist er!“
„Wow, was sind das hier für Apartments. Sieht ziemlich teuer aus für meinen Geschmack!“
„Das ist meine erste luxuriöse Immobilie, die ich an den Mann bringen muss.“
„Sieh an, sieh an. Das heißt, diesmal hast du richtig Glück.“
„Ja, ist eine große Sache für mich. Ich hoffe, alles wird klappen und der Interessent nimmt sie. Je eher desto besser. Aber erst mal müssen wir hier noch ein paar Sachen ändern!“
Ich wusste, dass jede neue Immobilie für sie etwas Besonderes war und stets eine Herausforderung. In dem Fall verstand ich sie sehr gut. Eine so hochwertige Immobilie zu verkaufen, war wirklich etwas Besonderes für sie. Ich verstand ihre Aufregung, ihre Anspannung, ihre Erwartungen.
„Wer wohnt denn noch in diesem Gebäude? Scheinen ja recht wenige zu sein!“
„Man ist weit weg vom Schlag und wohnt nicht gerade billig. Aber das zweite Apartment auf dem Gang soll angeblich irgendeinem Firmeninhaber gehören.“
„Okay ich glaube, das war der letzte Karton!“
„Danke dir. Jetzt müssen wir nur noch den ganzen Kram auspacken und in Szene setzten! Was schaust du denn jetzt so bedröppelt. So schnell wirst du mich nicht los.“
Nachdem wir alles erledigt hatten, schob sie mich grinsend in den Hausflur zurück, um gleich im Anschluss etwas in unsere leeren Magen zu befördern. „Das hast du dir redlich verdient, meinst du nicht?!“
Doch als wir unten ankamen und Laura hartnäckig versuchte, den Motor zu starten, tat sich nichts mehr.
„Warte, mach mal das Radio aus.... Hast du vielleicht das Licht angelassen?“, fragte ich besorgt.
„Nein, .... Ich versuche es noch einmal.... Komm schon, bitte. Mist!“ Das Einzige, was wir zu hören bekamen war die leidende Zündung und ein leises Ruckeln des Motors. „Oh Mann, so ein Pech. Ich habe doch Ende dieser Woche die Besichtigung.“
„Ich glaube, so lohnt es sich nicht, heute wieder zurückzufahren. Am besten wir versuchen zu Fuß was zu essen zu besorgen. Wenigstens haben wir einen Platz zum Übernachten!“ Völlig unvorhersehbar aber geplant schien anders zu sein, belächelte ich Laura, als sie ihre müde Stirn gegen das streikende Lenkrad presste.
Die Nacht und den darauffolgenden Morgen mussten wir schließlich in dem Apartment verbringen. Als Laura noch auf einem der teuren Designer-Sofas schlief, schlich ich mich früh zu einem Spaziergang nach draußen. Ich erinnerte mich an den wohltuenden lieblichen Duft von frischgebackenem Brot, der am frühen Morgen die Sinne beflügelt und machte mich auf die Suche nach einer Bäckerei. Nachdem ich stolz meine ersehnten Croissants in den Händen hielt, schlenderte ich auf direktem Weg wieder zurück. Als ich in der kühlen Morgendämmerung die Straße entlang streifte, sagte der Mond „Adieu“ und küsste die Sonne wach. Das Leben schien wieder aus lauter wundervollen Dingen zu bestehen, doch konnte ich sie in jenem Moment noch nicht ganz begreifen. Durch lautes Hupen eines an mir vorbeirauschenden Maseratis wurde ich schließlich wieder aus meinen Gedanken gerissen. Er drängte mich unvermeidlich an den Rand des Weges, wo eine fiese nasse Schlammpfütze auf mich wartete. Verärgert, schmutzig, frierend und nass befand ich mich schließlich wieder im Treppenhaus. Vorsichtig tapste ich hoch dann durch den Hausflur, und ließ eine Schlammspur hinter mir zurück. Ich sehnte mich nach einem heißen Bad und einer frischen Hose. Bevor ich jedoch die Wohnungstür erreichte, spürte ich, wie sich jemand etwa drei Meter von mir entfernt im Flur befand. Ein Mann Mitte dreißig stand unerwartet vor der Wohnungstür Nr. 9 gleich am anderen Ende des Ganges. Er sah mich skeptisch an, wendete sich dann wieder ab und ballte eine Faust, um an die Tür zu klopfen, die im gleichen Moment aufschlug.
„Immer langsam, Thomas!“
„Komm rein“, erwiderte eine tiefe Männerstimme, als sich die Türe vom Apartment öffnete.
Ich blieb stehen, und starrte beide verwundert an. Peinlicherweise hatte der Besitzer der Wohnungstür Nr. 9 mein Starren bemerkt und ließ gleich darauf ohne ein Wimpernzucken die Tür von innen hinter sich zufallen. „Merkwürdig“, dachte ich.
„Ich habe schon gedacht, du hättest dich aus dem Staub gemacht“, überraschte mich Laura an der Schwelle von Nr. 10.
„Ich habe eben den Nachbarn gesehen.“
„Ja und...?“
„Ach, nicht so wichtig.“
„Was ist eigentlich passiert?“, gab Laura panisch von sich. „Oh nein, der Flur!“. Ohne ein weiteres Wort stürzte Laura sich aufs Saubermachen.
„Eigentlich bräuchte ich jetzt erst mal dringend ein Bad!“, stellte ich fest.
Ein bisschen Wasser ein bisschen Putzmittel und schon war alles wieder sauber. Stolz rieb Laura sich mit dem Handballen die Stirn und bewunderte ihre Arbeit.
„Das heißt, sie haben immer noch keinen gefunden, der kompetent genug ist, mir bei dem Bürokram zu helfen?! Großartig!“, blaffte jemand zynisch in sein Handy. „Überlasst es diesmal mir, ich werde mich selbst darum kümmern!“ Mit einem Mal standen wir dem verärgerten Thomas gegenüber. „Sind sie die neuen Nachbarn?“
„Oh wir...?“ Unerwartet trafen sich unsere Blicke und ich schaute plötzlich in diese tiefen grauen Augen.
„Nein, ich bin die Immobilienmaklerin des Apartments nebenan, Laura Lorens, und das ist meine Freundin Amy!“
Mit einem erwartungsvollen Blick tat Laura einen Schritt nach vorne und streckte ihm die rechte Hand entgegen. Ihr Gegenüber wusste anscheinend nichts damit anzufangen. Zögernd ließ sie ihren Arm wieder sinken. Hastig griff Laura nach meiner linken Hand und zog meinen steifen Körper nach vorne, sodass ich nicht fliehen konnte. „Wir haben ihr vorheriges Gespräch mitbekommen und Amy hier ist zufällig jemand, der ihnen bei jeglicher Verwaltung und Bürotätigkeit behilflich sein könnte.“
Mit weit aufgerissenen Augen schaute ich entsetzt zu ihr rüber. Ich wusste nicht, was in sie gefahren war, einem Wildfremden einfach so meine Arbeit anzubieten und vor allem auf diese Art und Weise.
„Wirklich?“ Skeptisch verkleinerten sich seine Augen um einen halben Zentimeter. Irgendetwas an ihm schien seltsam zu sein. Trotz der warmen Jahreszeit trug er einen breiten Schal, der seinen Hals versteckte.
„Sie können sich gern bei ihr melden. Warten sie, ich hole kurz einen Stift und Papier!“
Verstohlen, ohne ein Wort an ihn zu richten, folgte ich Laura so schnell ich konnte in die Wohnung. „Was ist denn los mit dir? Wir kennen den doch überhaupt nicht. Vielleicht ist er gar kein Firmeninhaber. Hast du dir mal Gedanken gemacht, warum die keinen gefunden haben der mit ihm zusammen arbeiten will?! Was ist, wenn er krumme Geschäfte macht? Stell dir mal vor ...“, flüsterte ich Laura zu, während sie in ihrer Handtasche wühlte, „... Swingerpartys, Waffenhandel!“
„Jetzt hör aber auf, das ist deine Chance, wieder fest bei einer Firma zu arbeiten. Du bekommst endlich wieder die Möglichkeit, in deinem Gebiet tätig zu sein! Das zu tun, was du liebst und brauchst. Sei kein Hasenfuß!“
Laura hatte ja recht, aber jetzt, bei dem?
Die darauffolgenden drei Tage zogen an mir vorüber wie einst vergangene Urlaubstage. Dieser mysteriöse Mann hatte sich nicht gemeldet. Laura hatte sich nicht gemeldet. Niemand hatte sich bei mir gemeldet. Doch kurz darauf wurde ich umso mehr mit neuen Dingen konfrontiert. Nachdem Lauras Auto abgeschleppt wurde, kam es gleich in eine Werkstatt und die Zündung samt Anlasser mussten erneuert werden. Zudem sprang auch noch ihr Interessent ab und die Heizkörper im Apartment sollten ausgetauscht werden. Letztendlich konnte sich Laura nur schwerlich um ihre Objekte kümmern und saß auch noch zu allem Überfluss bei ihrer kranken Mutter in Philadelphia fest. Ich verstand ihre prekäre Lage und half ihr die Arbeiten im Appartement zu erledigen und Interessenten herumzuführen. Aufgrund der Kosten konnte ich es mir jedoch nicht leisten, jeden Tag einen Leihwaagen zu mieten oder die weite Strecke zur Immobilie auf mich zu nehmen. Nur für sechs bis acht Tage sollte ich also in dieser Wohnung bleiben, und Laura würde in der Zwischenzeit auf dem schnellsten Weg alles regeln. Da ich nichts Wichtiges zu tun hatte mochte ich die Vorstellung, die Umgebung einmal zu wechseln.
Die nächsten acht Tage sollten einiges verändern. Nicht, dass es schwer genug war, genügend Decken für die Nächte aufzutreiben. Es schien weitaus schwerer, meine Langeweile aus dem Weg zu räumen. Den mysteriösen Mann von nebenan bekam ich eher weniger zu Gesicht, und ich grübelte, was wohl sein Beruf sein mochte. War er wirklich ein seriöser Firmeninhaber? Abgesehen von meiner Neugier ließ mich der Gedanke an Laura nicht los. Sie hatte Recht. Vielleicht konnte dies meine Chance sein, wieder als Sekretärin zu arbeiten, was mir eigentlich immer Freude bereitet hatte. Doch dann brannten sich mir diese kühlen Augen des Fremden ins Gedächtnis ein. Es wäre vermutlich die reinste Folter. Von Sklaverei ganz zu schweigen!
„Oh, Mist verdammt!“ Schlagartig wurde ich in die Realität zurück befördert denn vollkommene Dunkelheit umgab mich. „Nein, nicht auch das noch. Keine Heizung, jetzt kein Strom mehr. Was denn noch?!“ Ganz langsam schlurfte ich über den dunklen Marmorboden und erreichte endlich die Tür zum Flur. Klasse! Im selben Moment wurde mir klar, dass ich keine Taschenlampe besaß und ein Telefon außer Reichweite war. Zudem kannte ich mich in diesem Gebäude zu null Prozent aus. Dies konnte nur eins bedeuten. Bei Mister Unheimlich um Hilfe bitten. Na toll! Da stand ich also vor seiner großen Höllenpforte, las seinen Nachnamen „Crichton“ und klingelte. Die Tür schlug auf und ein unfreundliches „ja“ und ein grimmiger Blick folgten.
„E-entschuldigen sie die Störung Sir, aber wie sie sehen i-ist die ...“. Ehe ich zu Ende sprechen konnte, machte er eine schnelle 'herein winkende' Handbewegung und setzte hastig sein klobiges Mobiltelefon wieder an sein Ohr.
„Nein, …, nein hören sie mir zu, wir müssen jetzt handeln bevor sie fällt. Ja…, ja!“
Vorsichtig, zugleich verwirrt von der Tatsache, dass er mich einfach so in seine Privatsphäre einlud, stand ich wie angewurzelt im Wohnzimmer. Dort standen überall brennende Kerzen auf den Tischen. Wie hatte er es so schnell geschafft, sie aufzustellen und auch noch alle anzuzünden?!
„Okay, …!“ Kurz holte er hörbar Luft und legte sein Telefon wieder weg. „Was ist los?“ Sein unbewegter Blick und sein dunkles Gesicht hafteten an mir.
Zu meiner Verwunderung verstand er anscheinend mein Problem nicht. „Ich kenne mich hier im Gebäude nicht aus…. Sie wissen schon, wegen des Stromausfalls!“ Ich verwies zaghaft auf seine brennenden Kerzen.
„Ja, natürlich. Dieses Ärgernis kommt einmal im Monat vor, aber wir haben einen Hausmeister, der immer gleich danach sieht. Sie müssen also meine und ihre Zeit nicht weiter vergeuden!“
Ich schnappte nach Luft. Ich konnte nichts darauf sagen. Ein kurzes Nicken bewegte mich zum Gehen. Ich drehte mich um und suchte den ersehnten Ausgang. Mein steifer Körper zuckte merklich zusammen, als Herr Crichton abrupt hinter mir stand und den Türknauf für mich runter drückte.
„Wegen des Angebots…. A-also ich meine wegen dem, was meine Freundin neulich ansprach“.
„Schon gut!“ Ich spürte, wie sein ausgestreckter Arm meine Schulter berührte. Sein Atem klebte in meinem Nacken.
„Brauchen sie immer noch eine Sekretärin?“ Ohne über meine Worte vorher nachzudenken sprudelten sie einfach so aus meinem Mund. Ich hätte mir einen Fußtritt verpassen können. Dafür war es jedoch zu spät. Seine Augen, die im Kerzenlicht nur noch unheimlicher wirkten, bohrten sich in mein nervöses Fleisch. Ich konnte seine Antwort nicht erahnen und zu meiner Verzweiflung starrte er mich bloß an.
Dann gab er nüchtern von sich, „Morgen um acht!“
„Was?“
„Kommen sie Morgen um acht Uhr wieder!"
Mehr sagte er nicht und mit einem festen Druck wurde ich einfach so aus der Pforte geschoben. Das kam jetzt unerwartet. Ob ich den Job nun kriegen sollte, wusste ich nicht. Wenigstens war es einen Versuch wert gewesen.
Wie erwartet konnte ich ab sechs Uhr morgens nicht mehr schlafen. Jede Minute, die wie in Zeitlupe verging, war reinste Folter. Nur um sicher zu gehen, dass er meine Dienste womöglich nicht schon eher in Anspruch nehmen wollte, wartete ich bereits um viertel vor acht vor seiner Tür. Indem ich mich in die linke Ecke gleich neben seine Pforte stellte, konnte ich hin und wieder seine Fußschritte verfolgen. Als es gerade fünf nach acht war schlug seine Tür plötzlich auf.
„Was zum Teufel machen sie da? Sagen sie nicht, sie warten dort schon länger?!“
Ich schämte mich zutiefst. Diesmal trug er zu meiner Verwirrung eine Sonnenbrille, die mir die Sicht auf seine Augen verwehrte. Das Einzige, wodurch ich seine verbitterte Laune erkennen konnte, waren zwei Falten, die sich von den Nasenflügeln bis zum Mund erstreckten.
„Nun?“
Er stand da und blickte an mir herunter. Was hätte ich ihm denn antworten sollen. Mein Kopf war leer und so antwortete ich nicht. Er wird mir nie den Job geben, dachte ich verzweifelt.
Er rieb sich die runzelnde Stirn. „Okay, wenn sie schon mal da sind, können sie mir auch behilflich sein. Gehen sie die Treppe runter. Rechts die Straße entlang, circa zehn Meter von hier, befindet sich ein Briefkasten.“ Unverfänglich drückte er mir zwei Briefumschläge in die Hand. „Dann kommen sie wieder zurück!“, zischte er.
Die Tür fiel ins Schloss. Das bedeutet im Allgemeinen etwas Gutes, glaubte ich. Nachdem ich den ganzen Weg gerannt war, stand ich erneut mit meinen schmalen Füßen unsicher auf seinem glänzenden Marmorboden. Sein Apartment schien um einiges größer zu sein als das nebenan. Ein schmaler dunkler Flur führte in ein helles riesiges Wohnzimmer. Trotz der großen hohen Fenster wirkte alles sehr dunkel, kühl und steril. Kein einziger Bilderrahmen oder irgendwelche persönlichen Liebhaberstücke, die ihn hätten verraten können.
„Kaffee?“
„Ja, danke.“ Er schien ruhiger und gefasst, während er den Kaffee in die Tasse schüttete und sie mir überreichte.
„Also, Amy, warum wollen sie meine Sekretärin werden?“
Ich hatte mir vor dem Treffen sorgfältig meine Antworten zurechtgelegt, um kein Risiko einzugehen, doch in jenem Moment wusste ich nichts mehr. Diese eindringliche Präsenz, schien mir für kurze Zeit meinen Verstand zu stehlen.
„Nun, was haben die gnädige Frau denn zu bieten?“
Ich räusperte mich. „I-ich habe letztens, wie sie bereits wissen, zufällig mit angehört, dass sie Jemanden suchen, der ihnen organisatorisch unter die Arme greifen kann. A-also ich habe zwar nicht viel Berufserfahrung, dennoch war ich bis jetzt bei zwei verschiedenen Firmen tätig und...“.
Er unterbrach mich. „Wie sind die Namen dieser Firmen?“
„CONT und KLENT!“
Er unterdrückte ein verschmitztes Auflachen. „KLENT?! Sieh an, sieh an. Beide unbedeutend. Erstrecht in meiner Branche. Aber ich werde ihnen eine Chance geben. Wenn ich noch weiter nach jemandem Anderes suche, wäre das bloße Zeitverschwendung. Wo sie doch so galant über meine Türschwelle gestolpert sind!“, fügte er sarkastisch hinzu.
Ich schmunzelte. „Einiges werden sie noch lernen müssen, und sie werden die nächsten Tage rund um die Uhr mit mir beschäftigt sein. Glauben sie, sie halten das durch?“
„Ja, ich möchte es wirklich gern versuchen!“
„Schreiben sie mit!“
Er nahm mir die Kaffeetasse ab und drückte mir Block und Stift in die Hand. Dann ging er zu einem der Fenster und kreuzte seine Beine. Mit verschränkten Armen listete er mir meine Pflichten auf und teilte mir meine bevorstehenden Aufgaben mit. Die erste bestand darin, hundert Einladungskarten drucken zu lassen und sie rechtzeitig bevor die Veranstaltung in vier Wochen anstand, zu übersenden. Während sich seine Lippen und meine Finger bewegten, setzte er endlich die irritierende Sonnenbrille ab. Für einen kurzen Augenblick unterbrach ich den Fluss des Schreibens. Er hatte mich anscheinend die ganze Zeit über gemustert. Seine Augen hatten wirklich etwas Geheimnisvolles und Tiefgründiges. Sie waren wunderschön und mir irgendwie vertraut.
„Abends werde ich versuchen, sie nicht in Beschlag zu nehmen, aber sie sollten immer erreichbar sein!“
Ich sagte nichts.
„Diese Veranstaltung ist von großer Relevanz für unsere Firma. Neue Investoren. Die perfekte Gelegenheit, cadentia um neue Fische an Land zu ziehen und im richtigen Moment zu investieren.“
„Entschuldigen sie Sir, cadentia?“
„Eine Chance! Und noch etwas, sie müssen nicht so förmlich sein. Nur weil einige meiner Haare sich schon dazu entschieden haben, die Farbe Grau anzunehmen, befinde ich mich immer noch im vierunddreißigsten Lebensjahr!“
„Um welche Branche handelt es sich eigentlich?“
„Natürlich, das sollten sie wissen.“ Ein Lächeln umspielte seine Lippen. Er besaß wohlgeformte Lippen, einen markanten Kiefer und hervorstehende Wangenknochen. „Der Name unserer Firma ist NWTI, New-Way-To-Invest. Vier weitere Partner haben sie mit mir gegründet. Aber das ist erst mal nicht so sehr von Belang!“ Ich hatte von NWTI gehört. Sie waren eine der größten Unternehmen, wenn es um Investment und Aktien an der Börse ging. Mit so etwas Großem hatte ich nicht gerechnet.
Gleich am nächsten Tag standen mehrere organisatorische Geschäftsprozesse an. Mehr als sieben Stunden redeten wir stur über die Arbeit und Konzepte NWTI‘s. Die restlichen zwei Tage verbrachte ich mit dem Erstellen und Übersenden der Einladungskarten. Ich hatte noch nie in meinem ganzen Leben einen solchen Workaholic kennengelernt. Wenn es hochkam, gab es insgesamt gerade mal zwei Stunden, in denen das Telefon von Herrn Crichton nicht klingelte und er es aus der Hand legen konnte. Ich für meinen Teil musste ihn zu allen Meetings begleiten und ohne Unterlass Protokolle schreiben, E-Mails verfassen und Termine vereinbaren. Der Anfang war nicht sehr schwerlich, da er mir in genausten Details mitteilte, wie und was verfasst werden sollte. Nach dem dritten Tag erkundigte er sich bei mir, ob ich zufällig irgendeine andere Sprache beherrschen würde. Ich war überrascht! Mein Vater, der nun mit meiner Stiefmutter und meinem Stiefbruder in Texas lebte, war Deutscher. Ich konnte zwar Deutsch nicht fließend sprechen, aber ich verstand mehr als die Hälfte. „Deutsch! Mein Vater ist Deutscher.“
„Sieh einer an. Gerade wie geschaffen für diese Aufgabe!“
Irgendwie machte er mir Angst mit seinem aufgesetzten Lächeln. Er schien irgendetwas im Schilde zu führen. „Sir?“
„Verfassen sie ein Schreiben an Edward Kunst und lassen sie ihm eine Einladung zukommen. Hier haben sie ein Firmenhandy. Sie werden es in Zukunft brauchen! Wissen sie, wie man damit umgeht?“ Ich nickte bedächtig, woraufhin er mir das klobige Telefon in die Hand drückte um dann wieder in sein Arbeitszimmer zu verschwinden.
Ich wurde zwar mit Arbeit überhäuft, doch sie war zu bewältigen. Erst ab dem vierten Tag realisierte ich, dass ich es geschafft hatte, wieder eine Arbeit aufzunehmen, an der ich anscheinend bleiben sollte. Ich hatte zwar die Firma und sein Büro noch nicht kennengelernt, doch gefiel es mir erst einmal, von einem großen Kollegenkreis verschont zu bleiben. Dies würde nicht mehr allzu lange anhalten, befürchtete ich und seufzte hörbar aus. Zudem lief meine Zeit langsam ab. Ich konnte nicht ewig in diesem Apartment wohnen. Übermorgen musste ich leider wieder zurück in meine alte Wohnung. Laura hatte ich zudem in der ganzen Zeit kaum gesprochen. Von meiner jetzigen Situation hatte ich ihr noch nichts erzählt und nun war der Tag gekommen, an dem sie über die Türschwelle trat und sich auf das teure Sofa plumpsen ließ. „Das war eine Woche, ich sag‘s dir.“
„Hör‘ dir erst mal meine an!“
„Ich habe endlich mein Auto wieder, aber einen Käufer muss ich immer noch finden. So ein Dreck. Wäre das mit dem Auto und meiner Mutter nicht passiert, dann...“.
Ich verdiente zwar als seine Sekretärin nicht wenig, doch konnte ich mir ein Appartement wie dieses bei weitem nicht leisten. Vielleicht ein Auto kaufen?
„Hörst du mir zu Amy? Du starrst unentwegt auf den Fußboden. Ich weiß, dass der Marmorboden schön ist!“, flachste sie.
„Nein, das ist es nicht. Ich muss dir etwas sagen. Ich habe einen neuen Job gefunden!“
„Wirklich? Aber warum hast du mir denn nicht schon eher davon erzählt?!“
„Naja, du weißt doch noch, der Mann von nebenan?!“ Als ich Herrn Crichton erwähnte, sprang sie von jetzt auf gleich auf und führte hastig meinen Satz weiter.
„Das glaube ich jetzt nicht. Wie ist er so?“ Sie strahlte bis über beide Ohren. Ihre Wissbegier übertraf alles.
„Was ist das für eine Frage, ‘wie ist er so?‘. Ich arbeite für ihn!“
„Ihr arbeitet doch den ganzen Tag zusammen, da kommt man doch bestimmt mal ins Gespräch. Also wenn ich mit jemandem viele Stunden, sieben Tage in der Woche verbringe…“.
„Es sind ja keine sieben Tage!“ Es war erst eine Woche vergangen, in der ich für ihn gearbeitete hatte. Wie sollte ich einschätzen können, wie sein Privatleben aussah. Ich kam zu dem Entschluss, dass Laura mir einen Parasiten in den Kopf pflanzen wollte, der mir nur Unsinn einbläute. Natürlich sprachen wir über nichts Anderes als über die Arbeit. Er war schließlich mein Boss und nicht einer meiner Arbeitskollegen. Trotz Allem schien er ein sehr isolierter Mensch zu sein, und das Wichtigste für ihn war anscheinend, sein Privatleben in eine dieser Pandoraboxen sicher zu verschließen. Frauen schien er dennoch in sein Leben zu lassen. Es handelte sich dabei stets um Frauen, die ihm aus einem mir offensichtlichen Grund, um den Hals sprangen. Geld! Ich glaube nicht, dass er das selbst nicht erkannte, denn es handelte sich jedes Mal um eine andere Frau. In dieser kurzen Zeit, in der ich bereits für ihn gearbeitet hatte wurde ich zweimal Zeuge dieses lächerlichen Schauspiels. Das reichte mir schon, um den sich mir wiederholenden Ablauf zu durchschauen. Als zwei kurzbekleidete Damen in seine Wohnung stürmten, sammelte ich gerade die Unterlagen für die nächsten Wochen zusammen. Herr Crichton hatte sich mit seinem Laptop an die Theke in seiner Kochnische verkrochen und studierte eifrig die fallenden und steigenden Aktienkurse. Verwundert quollen meine Augen hervor, als zwei mir völlig fremde Frauen im Wohnzimmer abrupt vor Herrn Crichton ihre Haare um den Zeigefinger wickelten und lasziv hin und her hampelten. Mir kam die Beschreibung Edelhuren in den Sinn. Die eine blond, die andere brünett. Mit ihren Brüsten hätten sie glatt die Titanic versenken können.
„Thomas, was machst du noch hier?“
„Ja, du wolltest uns doch zum Essen einladen!“
Während die Beiden ihn von seiner Arbeit abhielten, schmiegten sie ihre, mit teurem Schmuck bestückten Körper, an den seinen. Beide schienen aus nicht ärmlichen Verhältnissen zu stammen, und doch fragte ich mich, warum Herr Crichton sich auf solche Frauen einließ. Das hätte ich niemals von ihm erwartet. Aber wenn ich genauer darüber nachdachte, wurde mir das Schauspiel klarer. Er ging keinerlei Beziehungen ein und diese zwei Frauen, die ihn anscheinend bald bis auf die Unterhose ausziehen würden, waren das Einzige, was sein Privatleben ausmachte. Als ich träumend in den Papieren versank, hatten die Mädels es geschafft, ihn von seinem Laptop weg zu locken.
„Werte Damen, ihr seht doch, dass ich noch arbeite!“, brummte er mit einer unzufriedenen doch zynischen Grimasse.
„Aber wir haben jetzt Hunger, außerdem hast du doch da eine sitzen, die macht das schon!“
Irgendwie ließ mich das Gefühl nicht los, dass er beide verachtete. Komischerweise schien es ihm zu gefallen, so lange er wollte, beide ausnutzen zu können.
„Amy, wenn sie mit den Akten durch sind, können sie ebenfalls ihre Pause machen. Ich werde für einige Stunden nicht erreichbar sein!" Mit beiden Frauen im Arm ließ er die Tür hinter sich zuschlagen.
