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Mit Die Perser schuf Aischylos eines der eindringlichsten Dramen der Weltliteratur – und zugleich das älteste vollständig erhaltene Theaterstück Europas. Im Mittelpunkt steht nicht der Triumph der Sieger, sondern das Leid der Besiegten: Am persischen Hof in Susa warten Königin Atossa und der Chor der Alten voller Unruhe auf Nachrichten vom Feldzug gegen Griechenland. Als die Kunde von der vernichtenden Niederlage bei Salamis eintrifft, verwandelt sich Hoffnung in Klage. Aischylos gibt den vermeintlichen Feinden eine Stimme und zeichnet ein erschütterndes Bild von Hybris, Machtgier und den Folgen maßloser Herrschaft. In feierlicher Sprache und großer emotionaler Wucht zeigt Die Perser, dass Krieg keine Sieger kennt – nur Menschen, die verlieren. Ein zeitloses Drama über Verantwortung, Maßhalten und die Zerbrechlichkeit menschlicher Größe.
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Seitenzahl: 47
Veröffentlichungsjahr: 2026
Aeschylus Aischylos
Die Perser
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Inhaltsverzeichnis
Titel
~
Die Niederlage
Die Perser
Erklärende Anmerkungen
Impressum neobooks
Übertragung von Johann Jakob Christian Donner
Berlin-SchönebergLangenscheidtsche Verlagsbuchhandlung (Prof. G. Langenscheidt)
Xérxes, König der Perser, ist mit ungeheurer Heereskraft in Héllas eingebrochen. Ein Chor von Greisen, welche den hohen Rat des Königs bilden, tritt auf, und spricht seine Besorgnis um das Heer aus, das in den Kampf gezogen ist, aber auch die Zuversicht, daß ihm und dem großen Könige der Perser niemand widerstehen könne. Da erscheint die Mutter des Xerxes, Atóssa, die Witwe des Dareíos, und weckt durch Mitteilung eines bedeutenden Traumes neue Befürchtungen. Indem die Greise der Königin ihren Rat erteilen, kommt ein Bote vom Heere, der, oft unterbrochen von den Klagen des Chors, die Niederlage des Xerxes meldet. Atossa, anfangs betäubt, daß ihre bangen Ahnungen sich so bald und so schrecklich erfüllt haben, bricht endlich ihr Schweigen, und durch die Kunde, daß Xerxes lebe, einigermaßen beruhigt, erfährt sie von dem Boten das Nähere über das Unglück, das ihr Volk heimgesucht. Sie beschließt ein Totenopfer, um den Schatten ihres Gemahls aus dem Grabe zu rufen, damit er Rat erteile. Der Geist des Abgeschiedenen steigt aus der Unterwelt empor, wälzt die Schuld des unerhörten Sturzes auf die Thorheit und den Übermut des Xerxes, der selbst den Göttern zu trotzen gewagt habe, und ermahnt die Perser, nie wieder ein Heer nach Hellas zu führen. Atossa, in tiefsten Schmerz versenkt um den unglücklichen Sohn, der, wie Dareios gemeldet, bald in zerrissenem Gewande heimkehren werde, eilt in den Palast, um für den Ankommenden ein Kleid zuzurüsten, indes der Chor das Glück des Perserreiches unter Dareios besingt. Zuletzt erscheint Xerxes selbst, jammernd und wehklagend, einem Bettler gleich, der nur einen leeren Köcher gerettet hat. Mit den Klagen des Königs, in welche der Chor einstimmt, endet das Stück.
Chor persischer Fürsten.
Atossa, die Mutter des Xerxes.
Ein Bote.
Der Schatten des Dareios.
Xerxes.
Scene.Freier Platz vor dem Palaste der persischen Könige mit der Aussicht auf die Hauptstadt Súsa. Auf der Mitte der Bühne der Altar Apóllons; in der Nähe das Grabmal des Königs Daréios. Auf der Straße der Heimat schreitet der Chor herein, Greise in persischer Fürstentracht, die den Staatsrat des Xérxes bilden.
Der Chor.
Von dem persischen Volk, das in Héllas' Gefild'Auszog, steh'n hier die Getreuen des Reichs,Für die Wohnungen, die reich prangen in Gold,Als Hüter bestellt, die Xerxes selbst,[Vers 5] Mein König und Herr, des Dareios Sohn,Nach Alter und StandAuswählte, des Landess zu wachen.Doch unheilahnend erbebt schon jetztMir unruhvoll in den Tiefen der Brust[Vers 10] Mein zagendes Herz, ob der Fürst und das Heer,Hellstrahlend von Gold, heimkehren im Glück.Denn der Jünglinge Kraft aus Ásia's Gau'nZog all' in den Kampf,Und weder zu Fuß kommt, weder zu Roß,[Vers 15] Botschaft in die persische Heimat.Fern zogen sie aus von Ekbátana dort,Aus Susa hier und dem alten BezirkDer kissínischen Burg,Heerscharen zu Roß, Heerhaufen zu Schiff[Vers 20] Und Streiter zu Fuß,Sturmgleich sich ergießend im Heerstrom.Artaphérnes gebeut und Amístres hier,Megabázes auch und Astáspes dortIn den Reihen des Volks,[Vers 25] Selbst Könige sie, dem Erhabensten nurDienstbar, Feldherrn des gewaltigen Heers,Auf schäumendem Roß, mit dem Bogen bewehrt,Grau'nweckend im Kampf und furchtbar zu schau'nIn des Muts ausharrendem Trotze.[Vers 30] Artémbares dann, hoch kämpfend zu Roß,Masístres zugleich und Imäos der Held,Mit dem Bogen bewehrt, Pharándakes auchUnd der Tummler der Rosse, Sosthánes.Viel sandte sodann des gewaltigen Nil[Vers 35] Fruchtwallendes Thal, erst Súsiskan,Dann Pegástagon, Ägyptens Sohn,Und der heiligen Mémphis mächtigen Herrn,Arsámes, Ariomárdos auch,Der Theben beherrscht, das ogýgische Land,[Vers 40] Und der Ruderer Kern, der die Sümpfe bewohnt,Streitbar, ein unendlich Gewimmel.Ein üppiger Schwarm aus Lýdia folgtMit den Völkern, die rings auf dem Festland hierAnbauen das Feld, die Mitrógathes führt[Vers 45] Und Árkteus, Könige, waltend mit Macht;Auch Sárdes, die Goldstadt, sendet zum KampfViel reisiges Volk auf Wagen daher,Vierspännige Reih'n, sechsspännige Reih'n,Ein grausenerregender Anblick![Vers 50] Und die Schleudererschar aus mysischen Gau'nUnd das Volk am heiligen Tmólos droht,Will Hellas umfah'n mit der Knechtschaft Joch,Von Márdon geführt, von Thárybis auch,Ambossen des Speers. Auch Bábylon schickt[Vers 55] Aus dem goldenen Sitz in rauschendem ZugBuntwimmelndes Volk, hier Kämpfer zu Schiff,Dort Meister, der Kunst des Geschosses gewiß.Aus Asia folgt, was im weiten GebietSich mit Schwertern bewehrt,[Vers 60] Dem gewaltigen Rufe des Königs.Solch blühendes Volk aus Pérsis' ReichZog fern in den Kampf:Ganz Asia seufzt als die Mutter um sieIn der Sehnsucht heißem, zermalmendem Schmerz,[Vers 65] Und es ängstigen sich um die schleichende ZeitTagzählende Frauen und Mütter.
Erste Strophe.
In die jenseitigen nachbarlichen Gau'n brachen die burgstürmendenHeerscharen des Großkönigs hindurch schonIn dem wohlfugenden Boot über den Sund der[Vers 70] Athamántischen Hélle:Um den Nacken der SeeSchlang sich das Joch, schlang sich der dichtbalkige Heerpfad.
Erste Gegenstrophe.
Der im volkreichen Gefild' Asia's stolzthronende Fürst,Weit in das Land treibt er die wildstürmende Herde:[Vers 75] Er gebeut Streitern zu Fuß, Kämpfern des Meeres,Von gewaltigen Feldherr'n,Von verwegnen geschirmt,Goldenen Taus himmlischer Sohn, ähnlich den Göttern.
Zweite Strophe.
Wie der morddürstende Felsdrache mit blaufunkelndem Glutblick,[Vers 80] So mit viel Armen und viel Schiffen beschwingt jener den MordpfeilVon dem Streitwagen AssýriensIn die speerberühmten Festen.
