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Die ewige Studentin Jana lebt in den 90er Jahren in Ljubljana in Slowenien, eine Zeit des politischen Wandels. Sie hat Panikattacken. Nach einer schwierigen Trennung muss Jana sich ihren Dämonen stellen ... Das Land ist kurze Zeit zuvor unabhängig geworden, zugleich verstärken sich Hassreden gegen Minderheiten. Jana und ihre Clique leben am Rand der Gesellschaft, auch wegen ihrer sexuellen Orientierung. Ein Buch mit lebendigen und freien Beschreibungen einer wilden Zeit. Es geht um LGBT-Gemeinschaften, die junge Queer-Szene und um Drogen, Affären, Sex und Rave-Partys im Überfluss, ein Clubleben, das von Aktivismus und Rebellion geprägt war.
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Seitenzahl: 376
Veröffentlichungsjahr: 2023
Suzana Tratnik
Die Pontonbrücke
Roman. Aus dem Slowenischen von Zuzana Tratnik
Konkursbuch
Verlag Claudia Gehrke
Ein Buch mit lebendigen und freien Beschreibungen einer wilden Zeit: Die 90er Jahre in Ljubljana. Es geht um LGBT-Gemeinschaften, die junge Queer-Szene und um Drogen, Affären, Sex und Rave-Partys im Überfluss, ein Clubleben, das von Aktivismus und Rebellion geprägt war.
Die ewige Studentin Jana bewegt sich in der Szene und gerät in eine heiße Liebesgeschichte. Nach einer schwierigen Trennung muss sie sich ihren Dämonen stellen ... Das Land ist kurze Zeit zuvor unabhängig geworden, zugleich verstärken sich Hassreden gegen Minderheiten. Jana und ihre Clique leben am Rand der Gesellschaft, auch wegen ihrer sexuellen Orientierung.
Pressestimme
„In Die Pontonbrücke zoomt Tratnik extrem nah an ihre Charaktere und deren Szene heran. […] Diese Perspektive führt dazu, dass man beim Lesen auf Janas Schulter zu sitzen meint oder sogar in ihrem Kopf, aus dem sie sich an manchen Tagen die Augen herausstechen möchte. […] Wie Jana es schafft, sich eine brückenartige Hilfskonstruktion über ihre Ängste und Abgründe zu bauen, ist packend zu lesen. Und dank Tratniks Talent für schnelle, oft auch witzige Dialoge, zudem sehr kurzweilig.“ (Nadine Lange, Der Tagesspiegel, 12.10.2023)
Inhaltsverzeichnis
Titelseite
Zum Buch
1 Sie müssen zornig sein!
2 Die verpasste Sonne
3 Nur ein wenig weiter hinten
4 Alles begann mit einer Prophezeiung
5 Wodka E saufen
7 Das Girlie aus dem Comic
7 So läuft es nicht
8 Ich habe die ganze Szene an meiner Backe
9 Diese Brücke ist fest
10 Insulinspritzen im Armaturenbrett
11 Fragen Sie die Trnovo-Dealerin!
12 Steht auf, ihr Süchtigen der Erde
13 Man kann nicht alles haben
Klub Monokel und andere Schauplätze aus der Zeit der Handlung
Zur Autorin
Zur Übersetzerin
Impressum
Kurz vor der Karlovški-Brücke ging es los. Ein sehr ungeeigneter Ort, falls es für eine Panikattacke überhaupt einen geeigneten gibt. Die Karlovški-Brücke war nämlich noch weit weg von der Post in Rudnik, wo sie hinwollte, und fast genauso weit vom Zentrum, von dem aus sie losgelaufen war. Es wäre sinnlos gewesen, in die Stadt umzukehren, wo sie nirgendwo hingehen konnte und nur einen weiten Weg nach Hause in Šiška zurückzulegen hätte.
Also blieb sie auf der Brücke stehen. Panisch. Sie suchte nervös in ihrem Rucksack ohne Innentaschen nach Tempos, die allerdings völlig nutzlos waren. Meist schwitzte sie nicht so sehr, dass es etwas abzuwischen gab, aber die Taschentücher boten ihr zumindest eine kleine Chance, sich abzulenken.
Eine sehr kleine Chance, aber immerhin.
Sie wischte sich mit einem Tempo voller Tabakreste und Krümel die von den kurzen Stoßseufzern bereits trockenen Nasenlöcher ab. Beharrlich wischte sie über die Nase, die Stirn, den Nacken und die Handflächen – die als Einziges schwitzten. Sie versuchte, an richtiges, tiefes Atmen zu denken, das beruhigt und angeblich sogar den Blick auf das Leben und die Welt verändert – aber so weit war sie noch nicht.
Einatmen! Zuerst hebt sich der Bauch, dann die Brust und schließlich leicht das Schlüsselbein. Ausatmen! Das Schlüsselbein fallen lassen, den Brustkorb senken und die Bauchmuskeln anspannen. (Auch andere Abläufe sind je nach Atemschule möglich.) Nach zwei oder drei tiefen Seufzern fühlte sie sich schwindlig, was das ohnehin schon beängstigende Gefühl noch verschlimmerte. Sie konnte sich weder mit den Taschentüchern noch mit dem richtigen Atmen ablenken. Die pulsierenden Warngedanken waren viel stärker als alles andere. Selbst ein noch so banaler Gedanke übertönte den Lärm der Autos auf der Straße und fesselte ihre Aufmerksamkeit.
Sie wusste genau, wie es laufen sollte: Die positiven Gedanken müssten getrennt, irgendwie herausgeschält, von den negativen aussortiert werden und in Schwung kommen. Doch kaum hatte sie einen positiven Gedanken herausgeschält, entpuppte er sich als die erbärmliche Maske seines negativen Gegenstücks. Deshalb ließ sie ihre Gedanken lieber in Frieden und hoffte, von ihnen auch in Frieden gelassen zu werden. Es ist jedoch schwer, mit den Gedanken zu feilschen, vor allem wenn es die eigenen sind. Sobald sie merkten, an der Nase herumgeführt zu werden – und sie merkten es sofort –, übernahm ein Gedanke die Rettung und vereitelte Janas Hinterlist.
An diesem Mittwochnachmittag, als sie an der Karlovški-Brücke in Panik geriet, fiel ihr plötzlich wieder ein, dass eine Professorin von ihrer Fakultät in der Nähe wohnte. Jene, bei der sie auf einen Kaffee vorbeigegangen war, als sie vor fünf oder sechs Jahren eine Empfehlung für eine internationale Sommerschule brauchte. Beim Kaffeetrinken und Rauchen lästerten sie über die Streber und Jana stellte mit Erstaunen fest, dass die Professorin Tamara auf ihrer Seite stand. Mit der Empfehlung hatte sie sich für Jana ganz ausdrücklich eingesetzt, weil sie am liebsten Unterprivilegierte unterstützte. So wurde Jana bewusst, offensichtlich auch eine von ihnen zu sein. Wenn die Unterprivilegierung an sich zu einem Privileg für eine wohlwollende Empfehlung wird, dann ist einem wohl nicht mehr zu helfen.
Scheiß auf positive Diskriminierung. Und dass man darauf angewiesen ist.
Seitdem ist das Kaffeetrinken bei Professorin Tamara zu einer ihrer seltenen Besuchsgewohnheiten geworden, allerdings höchstens zwei- bis dreimal im Jahr. Deshalb könnte sie auch unangemeldet an der Haustür klingeln – natürlich nur im äußersten Fall!, schmeichelte sich der rettende Gedanke ein – und sagen, dass sie sich unwohl fühle. Oder schwindeln, dass sie nur zufällig in der Nähe sei. Sie würden einen Kaffee trinken und sich eine Flasche Bier teilen, und dann würde sie sich vielleicht besser fühlen. Später würde Tamara sie ab und zu anrufen und fragen, ob es ihr besser gehe, ob sie sich genug ausruhe, ob die Angstattacken wiederkehrten und ob sie jemanden zum Reden habe. Und Jana würde sie dann nicht einmal in größter Not wiedersehen können, so sehr würde sie sich schämen. Unterprivilegierung und psychische Störungen – man weiß, wo das hinführt. (Weg ohne Wiederkehr – klingt wie ein Filmtitel.) Also lieber nicht, denn wer nimmt sich schon gescheiterter Studierender an, die sich offensichtlich schon längst von einem Studienabschluss verabschiedet haben – obwohl sie so verdammt schlau sind. Würde sie überhaupt noch Empfehlungen bekommen? (Nicht, dass sie welche bräuchte …) Und wie würde es mit ihr weitergehen, wenn sie eine Chance auf Hilfe in echter Not jetzt leichtsinnig vergeudete? Wie heuchlerisch war doch der rettende Gedanke.
Am besten weitergehen. Bis zur Post in Rudnik konnte es nicht mehr als eine Viertelstunde sein. Wer weiß, wann sie das nächste Mal die Wohnung verließ. Dann wurde es noch schwieriger, zur Post zu kommen – der Weg würde viel länger sein als jetzt, weil sie erst einmal von Šiška ins Zentrum fahren müsste; sozusagen bei null anfangen, wohl wissend, dass die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Anfalls am selben Ort mehr als hundert Prozent beträgt. Letztlich war es gleich, ob sie hier auf der Brücke stehenblieb oder weiterging; der einzige Unterschied war, dass sie heute noch zur Post kam, wenn sie ging. Ein ziemlich wichtiger Unterschied! Sie stopfte das Taschentuch in die Hosentasche, schnallte sich den Rucksack um und marschierte entschlossen, ja fast wütend, vorwärts. Jetzt war sie zornig. Ja, der Zorn ist gut; das sagen alle. »Jana, Sie müssen zornig sein! Sie müssen lernen, Ihren Zorn auszudrücken!«
Sie ging zu Fuß und war zornig. Sie drückte sich aus. (Sie siegte!) Sie lief schnell und vergab dem Verkehr Punkte, wie bei einem Kinderspiel. Fußgänger: 0 Punkte, Fahrrad: 0 Punkte, Zastava 750 oder Renault 4 oder Fiat 126: 1 Punkt, Škoda: 2 Punkte, Mercedes: 5 Punkte, BMW: 6 Punkte, jedes Auto mit Anhänger: 8 Punkte, Kombi: 10 Punkte. Und so weiter. Als sie 20 Punkte für den LKW-Anhänger vergeben und gesiegt hatte, befand sie sich bereits im Mini-Zentrum von Rudnik mit seinen überflüssigen Geschäften, vergessenen Kneipen, der Post und der Bank. Vom schnellen Schritt war ihr heiß geworden, und die Kleidung klebte in Schweißströmen auf der Haut. Das war nicht so schlimm, denn es bedeutete, dass der Anfall vorüber war. Sie hatte selten zwei Anfälle an einem Tag. Vielleicht, weil sie nach dem ersten so kaputt war, dass sie für einen zweiten keine Kraft mehr hatte. (Dafür lohnte es sich, kaputt zu sein.)
Als sie sich an das Treppengeländer lehnte und nach oben blickte, sah sie Ed und Son am oberen Ende der Treppe. Unglaublich, sie waren da, sie hatten nicht vergessen, sie bei ihrer leidigen Erledigung freundlich zu unterstützen. (Noch schöner wäre es gewesen, wenn sie schon früher auf der Karlovški-Brücke aufgetaucht wären.) Sie hätte vor Erleichterung in Tränen ausbrechen können und brachte nur ein klägliches Lächeln zustande.
Edvina. Die große Ed zuckte mit den Schultern, da sind wir ja, und öffnete die Arme für eine freundliche Umarmung. Dennoch blieb Jana kurz vor der Umarmung immer unbeholfen stehen, schloss nicht die Augen, ließ sich nicht in die Arme fallen. Irgendwie ahnte sie, dass ihre Freundin mit den ausgestreckten Armen nur die Größe ihrer Zuneigung für extreme Fälle zeigte, aber keine Umarmung wagte. Wenn sie sich umarmen würden, wäre das zu viel. Bei der Berührung der Ledergürtel ihrer Jeans würde etwas geschehen. Und Jana hatte im letzten Jahr festgestellt, dass weniger Überraschungen auch weniger Stress bedeuten.
Sonja. Bei ihr war das anders. Sie wirkte schmächtig und kalt, sogar menschenscheu. Jana definierte sie kurz zusammengefasst als neurotisch, weil man seine Freunde durch irgendetwas unterscheiden muss. Ed – üppig, zugeneigt und warmherzig. Son – zierlich, überspannt und fast perfekt. Über Son wurde als über eine »geile Sau« getratscht, die gerne Frauen erobert, flachlegt und verlässt. Aber Jana verteidigte sie immer, dass Son es nicht böse meint, sie hat eben gerne Sex, aber sie verspricht nichts, und die Frauen können auf sich selbst aufpassen. Merkwürdigerweise wollte sich Jana nie mit Son einlassen, mit ihr ins Bett gehen, Sex haben, die Freundschaft fortsetzen und es dann vielleicht wieder tun. Es wäre einfach gewesen, aber wenn sie es sich mit der Hand machte, stellte Jana sich Ed vor. Wenn überhaupt eine von den beiden.
Aus den unerwarteten Gedanken an Sex mit der warmen, fülligen Ed mit dem langen Pferdeschwanz und dem seitlich rasierten Kopf wurde sie von Son aufgeschreckt, die ihr mit ihrem schlanken Zeigefinger in die Rippen stieß, die Lippen dicht ans Ohr legte und heiser flüsterte:
»Schon wieder eine Panikattacke?«
Son lachte sie an und strich sich das orangerote Haar beiseite, das ihr links vom Scheitel immer in die Augen fiel. Die rechte Seite war frisch rasiert. Jana winkte ab, das sei nichts Neues, und zündete sich vor Erleichterung eine Zigarette an. Ed stellte sich zu ihr und steckte die nicht angezündete Zigarette in ihr Feuer. Sie nahmen den ersten tiefen Zug und zwinkerten sich zu.
Kurz darauf stellte sich Jana vor dem Postschalter an. Schritt für Schritt. Alles immer einzeln erledigen, eins nach dem anderen. Wie bei den Prüfungen an der Uni: Man darf nie an alle zehn Prüfungen gleichzeitig denken, behauptete ein Philosophieprofessor, der sich nicht um alle Studierenden kümmerte, sondern nur um den, der vor ihm stand. Nur an eine Prüfung, eine Aufgabe, eine Frau, ein Problem denken. An eine Seite von sich. Da man irgendwo anfangen muss, ordnete sie zunächst ihre private Post. Sie war vor Monaten nach Šiška umgezogen, aber einige Briefe gingen immer noch an die alte Adresse in Rudnik. Es war ganz einfach; sie musste nur angeben, dass sie nicht mehr in Rudnik wohnt, ein Formular ausfüllen, die alte und die neue Adresse eintragen und dann die Post von der alten an die neue Adresse nachsenden lassen. So einfach, dass es nach Komplikationen roch. Aber Ed und Son waren bei ihr; die zynische mahagonifarbige, gescheitelte Son stand außerhalb der Warteschlange, und die menschenfreundliche weizenblonde Ed stand direkt hinter ihrem Rücken, wie ein riesiger, liebevoller Schutzschild zwischen ihr und der realen, im Moment höchst widerwärtigen Welt.
Der Mann, der vor Jana in der Schlange stand, beharkte sich bereits mit der Postangestellten, weil er die Einschreiben an seine Frau nicht abholen durfte. Der Mann und die Postfrau warfen sich einige Grobheiten an den Kopf, aber es glich einem höflichen Austausch von sachlichen Informationen, da keiner von beiden als Erster die Stimme erheben wollte.
»Wissen Sie was«, sagte der Mann ruhig, »meine Frau zum Beispiel arbeitet bis zwanzig Uhr, also kann sie ihre Post nicht selbst abholen.«
»Ich kann Ihnen nicht helfen«, sagte die Angestellte. »Zum Beispiel.«
»Aber ich habe doch ihren Perso mit. Ihren Per-so-nal-aus-weis!«, klopfte der Mann mit dem laminierten Dokument auf den Marmortresen, als würde er Lines nervös zerkleinern.
»Der Personalausweis ist keine Person.«
»Wissen Sie, warum Sie in dieser Scheißpost so schlau sind?«
»Nein, sagen Sie.«
»Weil Sie keine Konkurrenz haben.«
»Stimmt: Wir haben keine Konkurrenz.«
Die Frau wusste auch was.
Der Mann zischte verärgert ab, und unvermittelt sah Jana sich einer giftigen Angestellten in einer konkurrenzlosen Post gegenüber.
»Der Nächste bitte.«
Jana klammerte sich an ihren Ausweis. Um nicht endlos reden zu müssen, hielt sie für ihre Erzählung gern einen materiellen Beweis bereit.
»Guten Tag, Sie wünschen?«, wurde sie von der Angestellten aufgesetzt geduldig aufgefordert.
Wären Ed und Son nicht dabei gewesen, hätte sie einfach die billigste Briefmarke gekauft und wäre hinausgestürmt.
»Ich möchte … Guten Tag. Ich möchte meine Adresse ändern. Ich meine, ich möchte einen Nachsendeantrag stellen. Also, ich bin von Rudnik nach Šiška umgezogen. Von Rudnik nach Šiška, und ich möchte, dass die Post von der alten Adresse an die neue nachgesandt wird. Das wäre alles. Nachsendung der Post von Rudnik nach Šiška. Sie wissen schon.«
Die Angestellte sagte nichts. Als sie das Formular auf den Tresen legte, schaute sie weg, als ob niemand ihre ungeteilte Aufmerksamkeit wert wäre. Jana kramte ihren Kuli hervor. Sie schaute unsicher hinter sich, und Ed zwinkerte ihr beruhigend zu. Nach ein oder zwei Minuten reichte sie das ausgefüllte Formular und den Personalausweis der Angestellten und sagte: »Bitte schön.« Dann kam sie sich dumm und unterwürfig vor. Bitte schön, bitte schön. Die Leute mögen doch Schikane. Warum sollte sie nett sein? Nur des puren Aberglaubens wegen, dass die Panikattacke, die sie vor fünfzehn Minuten hatte, wiederkommen würde, wenn sie zu der unschuldigen Postangestellten am Schalter nicht nett wäre, obwohl die eine widerliche Hexe war? Man muss nicht nett und gut zu den Menschen sein, riet Son immer, und schon gar nicht nur aus Höflichkeit. Jana drehte sich halb um und schielte besorgt hinüber, ob Son das beschämend unterwürfige »bitte schön« mitbekommen hatte. Aber Son stand schon auf der anderen Seite in der Nähe der Tür und blätterte hastig in den Telefonbüchern, als ob etwas sehr Aufregendes darinstünde. Sie hielt nie still, man musste sie immer im Hinterkopf behalten, sonst würde sie einem schnell entkommen. Aber Ed war immer da, dieses Mal hinter ihrem Rücken. Als ihre Blicke sich trafen, nickte sie und zwinkerte ihr noch einmal freundlich zu. Diese Verschwörung zwischen ihnen, die keinen bestimmbaren Inhalt hatte, war immer wunderbar und aufregend.
»Ja, wie denn jetzt?«
Jana zuckte bei dem unwirschen Ton der Angestellten zusammen.
»Wie lautet denn Ihre Adresse jetzt?«
Schon war der Ärger da. Sie fröstelte unter ihren verschwitzten Sachen und schluckte den klebrigen Speichel runter. »124, nein, Entschuldigung, ich glaube, 126. Da steht es.«
»Aber in Ihrem Ausweis steht eine andere Straße.«
»Und?«, versuchte Jana auf ihrer Seite der Theke dagegenzuhalten.
»Nichts und, das ist schon alles. In Ihrem Ausweis steht nicht die Celovška Straße, sondern die Društvena Straße 2. Wir können Ihre Post in die Društvena nachsenden.«
»Aber ich wohne nicht in der Društvena, dort bin ich nur gemeldet, ich kann dort keine Post empfangen. Ich bin gar nicht dort.«
»Also bleibt es so, wie es ist.«
»Es kann nicht so bleiben, wie es ist. Das geht nicht, denn ich habe nie in der Društvena gewohnt, dort bin ich nur gemeldet. Verstehen Sie doch, dass ich nicht dort wohne! Das Haus wurde auch schon abgerissen.« (Eine kleine, nutzlose Lüge.)
»Wenn Sie sich entschieden haben, wohin wir Ihre Post nachsenden sollen, kommen Sie bitte wieder.«
Die Angestellte reichte Jana den Ausweis und das Formular, legte den Kopf leicht schief und sagte zu Ed ausdruckslos, aber furchtbar zufrieden:
»Der Nächste bitte.«
Jana stürmte aus der Post und ließ ihrem Zorn freien Lauf, vor allem auf sich selbst, sie fluchte sogar. Verficktes Arschloch! Sie war entrüstet über ihre Hilflosigkeit und ihre allzu schnelle Niederlage in dieser banalen Situation. Sie setzte sich vor die erste beschissene Kneipe und atmete flach vor Zorn. Jana, Sie müssen zornig sein!, dachte sie. Das hat die Therapeutin gesagt. Sie war wirklich so zornig, dass sie eine mögliche Panikattacke vergaß, genauso wie die ganzen verdammten Atemschulen der Welt. Nach ein paar Minuten kamen Ed und Son zu ihr. Sie versuchte, die aufdringlichen Gedanken über ihre Einfallslosigkeit und billige Kapitulation zum Schweigen zu bringen, aber sie wurden (bloß gut!) von den Worten ihrer Freundinnen übertönt und überrollt.
»Ich sage die ganze Zeit, wenn du zu normal und nett bist, trampeln sie auf dir herum! Schon in einer Postfiliale saugen sie dir das Blut aus! Das ist so eine verkappte Reality Fiction: Die Leute landen plötzlich im Irrenhaus, und keine Sau versteht, warum. Alle sind dann verblüfft und am Ende schlussfolgern sie, dass es irgendwelche chemischen Veränderungen im Gehirn gegeben hat. Scheiß auf die Chemie, überleg doch mal, wie oft diese Leute in ihrem Leben bei der Post, bei der Bank, bei der Stadtverwaltung gewesen sind und dort Reality Fiction erlebt haben!«, ärgerte sich Son. Während sie ihre Zigarette wütend im Aschenbecher zerdrückte, fügte sie hinzu: »Ganz zu schweigen davon, dass diese Leute zu allem Überfluss auch noch Mütter und Väter und Lover und Nachbarn haben! Soziale Wesen – das sind verrückte Wesen. Und wenn jemand dann noch immer normal ist – dann ist er definitiv nicht normal!«
Als die Kellnerin kam, bestellte Jana friedlich Kaffee, und dann wurde Ed plötzlich ärgerlich über Son.
»Es hilft Jana nicht, dass du es ihr ständig vorhältst. Das macht das Problem nur schlimmer.«
»Ed, ich bitte dich, sei nicht albern. Wo liegt das Problem? Ich wollte nur sagen, wenn man zu weich ist, geht man schon an den Alltagsbanalitäten kaputt. Lass doch deinen Ärger an der Tusse am Postschalter aus und nicht an mir.«
Es gibt nur drei Optionen, dachte Jana, während die Freundinnen, nun sauer aufeinander, verstummten und schweigend den Zucker in ihrem Kaffee umrührten.
Die erste Option. Man kann ein leidender Kunde sein, dem das Schlimmste passiert, als würde er mit gekrümmtem Rücken herumlaufen, bereit für alle Schläge der Welt. Erst Attacke und dann nichts erledigt.
Die zweite Option ist die Angriffslust. Man stellt sich aggressiv an den Schalter und fordert. (Zum Beispiel Son: »Ich würde der Tusse den Hals umdrehen. Na ja, ich würde es nicht wirklich tun, aber ich würde dort so lange stehen bleiben, bis mich alle anstarren und die Post macht, was ich will, nur, um mich wieder loszuwerden.«) Nach jahrelangem, beharrlichem Praktizieren führen wahrscheinlich beide Optionen in eine geschlossene Anstalt.
Die dritte Option ist die Durchsetzungsfähigkeit. Das ist wahrscheinlich das Richtige. Würde Jana noch einmal geboren werden, wäre sie durchsetzungsfähig. So wie es in den Handbüchern steht: Wie tauscht man schadhafte Waren um? Sie bitten nicht, Sie rechtfertigen sich nicht und schreien die Verkäuferin auch nicht an, denn Sie haben kein schlechtes Gewissen. Sie sagen nur kurz, dass das neue Hemd zu Hause unter dem starken Licht dunkle Flecken hat, und Sie wollen es deshalb umtauschen. Lassen Sie die Tatsachen sprechen und nicht ihre Emotionen. Die Leute sollen nur Ihre unnachgiebige Präsenz erleben. Ihre Forderung ist das Gesetz, der kategorische Imperativ. Frei nach Kant. Tatsachen, keine Emotionen. Oder auch Emotionen als Tatsachen, die Sie kurz und bündig beschreiben, zum Beispiel: »Ich bin sehr zornig, weil das passiert ist.« Aber jede von Janas Forderungen war ein Vorspiel für Ärger. Mehr oder weniger. In Wirklichkeit gibt es nur sehr wenige Optionen, und die Auswahl ist falsch und ohne Substanz. Dies wäre ein hervorragender Stoff für eine Kolumne. Wie reagiert man angemessen auf eine Attacke durch eine Postangestellte? Auch wenn es keine Attacke war, sondern Arroganz …
»Hallooo? Worüber grübelst du schon wieder? Das ist es – du beschäftigst dich zu sehr mit jedem Mist«, sagte Son, der es langsam reichte. »Ich frage ja nur.«
Jana: »Eine Wahl ist immer Zwang, sie ist falsch. Und dann hat sie keinen Inhalt.«
»Ach, ihr Philosophen. Völlig verkehrt«, nickte bedeutungsvoll Son, die beschloss, ihren Ärger zu zügeln, denn das, was sie zu sagen hatte, schien zu wichtig zu sein, um es durch Jähzorn zu verwässern. »Liebe Jana, das ist einfach verkehrt. Wenn man vor dem Schalter einer Postangestellten steht, kann von Anfang an von keinen Inhalten die Rede sein.«
»Von der Wahl, bitte.«
»Na dann eben von der Wahl, whatever. Du hast dort keine Wahl, sondern nur das Ziel vor den Augen. Ist das klar? Dein Ziel ist klar, kristallklar; du weißt, weshalb du gekommen bist, sonst hättest du dich nicht in die Schlange vor der Post gestellt, oder? Du hast deine Wahl bereits getroffen, verstehst du, was ich sage?«
»Jawohl«, bestätigte Jana ermüdet. »Sonst wäre ich nicht so weit zur Post gegangen und hätte keine Panikattacke auf offener Straße riskiert. In aller Öffentlichkeit, sozusagen.«
»Also, meine Liebe …«
»Das bin ich nicht. Deine Liebe, meine ich.«
»Nein, wenn du nicht willst. Scherz, kleiner Scherz, vergiss es! Wenn dein Ziel klar ist, musst du es nur noch erreichen. Eccola! Das ist alles.«
»Schon, aber es führen mehrere Wege zum Ziel.«
»Siehst du, du machst das unnötig kompliziert. Nimm den kürzesten Weg, und fertig!«
Ed: »Worüber philosophiert ihr?«
»Ach, lassen wir es.« Son schnalzte verdrossen mit der Zunge.
Jana winkte beleidigt ab, und die Kellnerin, die gekommen war, um die leeren Gläser und Tassen auf dem Tisch einzusammeln und den vollen Aschenbecher auszutauschen, sah sie argwöhnisch an, wobei sie ihr Befremden nur schlecht verbarg.
»Haben Sie etwas gesagt? Möchten Sie noch etwas bestellen?« Es lag ein Hauch von Spott in ihrer Stimme, oder vielleicht kam es Jana auch nur so vor. Sie schüttelte den Kopf. Ein bisschen mehr Diskretion würde wirklich nicht schaden, dachte Jana, nach all den Jahren Berufserfahrung als Kellnerin sollte sie sich schon etwas besser verstellen können.
An der Haltestelle kramte Jana in ihrem Rucksack ohne Innentaschen nach Kleingeld für den Bus. Ihre Bus-Chips waren alle, sie war zu erschöpft, um zu Fuß zu gehen, und den städtischen Verkehrsbetrieben, die kein Wechselgeld herausgaben, wollte sie kein Geld schenken. In der Zwischenzeit lungerten die etwas zerstrittenen Ed und Son am Kiosk herum. Son vergnügte sich mit den Titelblättern von Pornoheften und ab und zu zupfte sie Ed am Ärmel, die bewusst wegsah. Wie immer belastete sich Son nicht lange mit vergangenen Gesprächen, aber Ed dachte gerne nach, fast wie Jana. (Und war nachtragend.)
»In Wirklichkeit traue ich mich nicht, aufs Ganze zu gehen«, sagte Jana zu Son, in Gedanken noch bei der Debatte am Tisch. »Deshalb trödele ich so im Leben.«
»Das ist doch richtig«, lachte Son vor dem Hintergrund einer geilen Brünetten neben einer unersättlichen Rothaarigen, wie das Cover mitteilte beziehungsweise warb und noch mehr über heiße Babes auf den Seiten 46-49 versprach, »nur Dumme setzen alles auf eine Karte. Das haben wir doch schon beim Kaffee abgehandelt, nicht wahr, Ed-Edi?«
Ed verdrehte die Augen, seufzte und drückte die Zigarette aus. »Mit dir zusammen zu sein, liebe Son, ist die beste Diät überhaupt. Weil mir alles vergeht.«
Son trat schnell vor Ed, musterte sie unverschämt genau von Kopf bis Fuß, als würde sie immer noch die Aktfotos aus den Pornoheften studieren, und sagte schelmisch: »Nichts zu sehen, Darling. Du bist immer noch big, und das freut mich sehr. Ich mag nicht mit Mittelmäßigen zusammen sein, die sich nicht genug persönlichen Freiraum nehmen – und du hast ihn fast für zwei, wenn du weißt, was ich meine.«
»Also, ich danke euch für euer Kommen. Und für eure Unterstützung …« Jana lachte laut und zog schließlich einen ausreichenden Betrag an Kleingeld aus ihrer Jeanstasche, damit der Fahrer nicht Pi mal Daumen entschied, ob es für die Fahrt reichte. »Mädels, ich fahre nach Hause.«
Das Trio bog bereits zur Haltestelle ab.
»Du hast genug von uns, nicht wahr? Hahaha. Mein Wagen steht am anderen Ende der Stadt, in Moste, ich laufe bis dahin«, sagte Son und hauchte beiden einen Luftkuss zu.
»Ja, richtig, und ich habe mein Fahrrad dabei, um abzunehmen, nicht wahr?«, sagte Ed offenherzig lächelnd in die Luft und dann zu Jana: »Hast du wieder Trdina diese Woche?«
»Ja, morgen, immer donnerstags«, sagte Jana schnell im Lauf zum Bus. »Na dann, wir hören uns!«
Sie setzte sich atemlos auf einen harten Holzsitz im Bus. Jetzt wurde ihr erneut ein wenig übel, und sie fühlte, dass sie wieder wirklich allein war. Es war besser so. Sie tröstete sich gerne mit der kläglichen Floskel, dass man immer allein ist. (Jammer, jammer, jammer …) Das gehörte schon zu ihrem natürlichen Lebensraum. Einst wollte sie ihr Lebensumfeld nach ihrem eigenen Geschmack und ihren Wünschen gestalten, als hätte sie nicht gewusst, dass es sie längst geprägt hatte. Dann fragte sie sich besorgt, warum sie sich nicht wenigstens einige gesunde Gewohnheiten aneignen konnte und warum sie nicht so zivilisiert lebte, wie sie sich fühlte. Sie war schon lange nicht mehr im Theater gewesen, stellte sie enttäuscht fest, weil sie Angst vor plötzlicher Abdunkelung hat, sie lief nicht mehr, weil ihre Atemnot sie zu sehr an die Panik erinnert, und sie ging nicht mehr in die Sauna, weil sie Angst vor dem Schwitzen, vor Herzklopfen und vor Pilzen hat. In Wirklichkeit fürchtete sie sich in allen Fällen vor Panikattacken, vor allem bei den sportlichen Aktivitäten, die am unmittelbarsten mit diesem teuflischen Körper verbunden waren, der so hemmungslos Angst zeigte, schwitzte, zitterte, wankte, sich bog, dessen Glieder kribbelten und der seine inneren Organe quälte und quetschte. Und der sich verräterisch nach der Nähe verschiedener unangepasster Frauen sehnte. Irgendwo hatte sie jedoch gelesen, dass möglicherweise mehr als vierzig Prozent (oder sogar sechzig, die Forschung ist da geteilter Meinung) der Menschen auf Flughäfen, Bahnhöfen und Busbahnhöfen, in Menschenmengen mitten im Stadtgetümmel und anderswo akute Panikattacken haben. Und trotzdem reisen sie, gehen, gebären, rennen, erobern, treiben Handel, lesen Zeitungen, lieben sogar und haben Sex und riskieren jeden Tag einen Anfall. Jana bewunderte sie; diese vierzig Prozent der Menschen waren ihre Zuflucht, an die sie sich in den schlimmsten Momenten, in den äußersten Fällen sozusagen, immer wieder wandte. Aber bewusste und mutige Risiken, Theater, Konzerte, Sauna und regelmäßiges Gehalt gehörten nicht mehr zu ihrem Lebensraum. Es gab noch die Anfälle, die erzwungenen Risiken, das veraltete Studienbuch, die Tagträume, das düstere Kurzzeitgedächtnis, Son, Ed … (Gar nicht so wenig!) Ihr natürlicher Lebensraum hatte nie eine offiziell bestätigte Adresse, nie eine verdammte Straße und Nummer. Sie hatte nie dort gewohnt, wo sie offiziell gemeldet war. Selbst jetzt kann sie sich nicht merken, ob sie in der Celovška-Straße 124 oder 126 wohnt, denn diese vorübergehenden Haus- oder Wohnblocknummern bedeuten ihr nichts.
Als der Bus an einer Kreuzung hielt, sah sie ein Plakat, das sie zur »Rave-Party des Jahres« einlud, mit vielen unaussprechlichen Namen, »den angesagtesten DJs der neunziger Jahre«. Letztes Jahr wäre sie zu dieser Party noch gerannt, rave on, in ständiger Gesellschaft, just rave on …
Plötzlich stand sie auf und lief zur Tür, als hätte sie die Haltestelle vergessen, bevor der Dreier nach Litostroj abbog. Vielleicht gab es noch eine Chance, die Dinge ohne Stress zu regeln! Sie eilte über die Straße zur zweiten Post des Tages. In den Momenten plötzlicher Begeisterung vergaß sie sogar die ständige Bedrohung durch eine weitere Panikattacke. Ja, selbst als in der Dermatologie ihre Brustwarzen mit dem wunderbaren, gefrorenen und frankensteinartig-rauchenden Stickstoff verätzt wurden und ihr Körper sich vor Schmerzen krümmte, plauderte sie lässig mit der Ärztin und vergaß für ein paar Minuten völlig, dass sie doch chronisch ängstlich war. Die menschlichen Gedanken sind wie Kaskaden; sie rutschen und fallen sehr schnell vom Schlimmen ins Schlimmere. Das sagte die Therapeutin.
Ana! Wieso fiel ihr nicht schon früher Ana ein, die etwa vor einem Jahr in die Postfiliale in Šiška versetzt worden war? (Weil sie es nicht wollte, deshalb.) Seit Monaten hatten sie sich nicht mehr gesehen. Sie öffnete die Tür und hoffte, dass Ana da sein würde, um ihr ein Glas Wasser zu geben oder ihr einfach zu helfen, diese unangenehmen Adressprobleme zu lösen, um fünf Minuten mit ihr zu reden, damit sie sich so weit beruhigte, dass sie mit weniger Angst zu ihrem nahegelegenen Haus gehen konnte, wo sie der Rest des tristen Tages erwartete.
Ana saß am hinteren Schalter, wo die Leute verschiedene Dinge reklamierten und bei großem Andrang die Einschreiben abholten. Sie hatte die Zeitung Slovenske novice vor sich ausgebreitet, mit einer Hand stützte sie ihr Kinn und mit der anderen kratzte sie sich an Kopf, Schulter, Brust und Bauch. Jana hatte sich einmal überlegt, wie sie ihr diskret, aber klar sagen könnte, dass sie sich zumindest während der Arbeitszeit nicht kratzen sollte. Aber Diskretion und Klarheit sind oft schlecht vereinbar.
»Überraschung, Überraschung!«
Ana hob ihren toten Blick, von dem Jana das unheilvolle Gefühl bekam, dass er immer noch auf die Zeitung und nicht auf sie gerichtet war.
»Oh, Jana, du bist das, verdammt! Entschuldige, ich habe dich nicht bemerkt, ich war so in die Zeitung vertieft, ich sage dir, was die Leute so treiben!«, sagte Ana überglücklich. »Meine Katze! Was machst du denn hier?« Sie stand auf und streckte ihre Arme unter der Glastrennwand hindurch. Wild schüttelte sie ihr beide Hände.
»Ich muss etwas erledigen. Ich brauche deine Hilfe«, sagte Jana leise.
Ana ließ sich auf ihren Stuhl fallen.
»Dass jemand meine Hilfe braucht. So was! Du, Katze, brauchst Anas Hilfe!«
Jana beugte sich am Schalter näher zu Ana, um ihr rücksichtsvoll zu verstehen zu geben, nicht so laut darüber zu reden. Aber Diskretion war jetzt wirklich nur Janas Problem. Also holte sie schnell ihren Personalausweis hervor und begann noch leiser, aber hastig zu erklären. Dass sie nach Šiška umgezogen war. »Oh, stimmt, das weiß ich, du bist nicht mehr mit … na ja, mit der Niete zusammen«, sagte Ana. Jana fuhr fort, jetzt müsse sie beantragen, dass die Post von Rudnik nach Šiška nachgesandt werde, sonst stehe sie ohne Post da, und gerade jetzt warte sie auf einen wichtigen Brief aus dem Ausland, eine Bescheinigung über den Abschluss ihres Seminars und ihrer Forschungsarbeit, die nicht nur für ihren jetzigen Job nützlich wäre, sondern für jeden künftigen regulären Job überhaupt. (Den sie ohnehin nicht wollte.) Deshalb sei es so wichtig, das mit den Adressen zu regeln, ansonsten würde sie nicht herumlaufen und ihre Freundinnen um einen Gefallen bitten. Aber in ihrem Ausweis stehe eine fiktive Adresse, die …
»… kein Problem, alles klar«, sagte Ana. »Wie lautet deine Adresse in Šiška? Bist du in der Celovška Straße? Ich auch, aber das weißt du ja – ich lade dich nicht zu Besuch ein, und ich verrate dir auch nicht meine Adresse, falls du sie zufällig vergessen hast, hahaha. Du hast eh nicht vor, mich zu besuchen, nicht wahr? Nein, ich brauche deinen Perso nicht. Mann, hast du mich überrascht, ich habe gerade die Zeitung gelesen und du glaubst nicht, was da steht, die Leute sind so bescheuert! Also, ich fülle das hier aus und schicke das Formular an die Post in Rudnik, denn es muss bei der Post an deinem früheren Wohnort abgegeben werden. Keine Sorge, sie werden es bearbeiten, wenn ich es ihnen schicke. In drei Tagen ist der Antrag offiziell bestätigt, und drei Monate lang wird die gesamte Post, die an deine alten Adressen in Ljubljana geschickt wurde, an die Celovška gehen!«
»Und dann? Nach drei Monaten?«, wollte Jana gleich wissen.
»Nach drei Monaten kommst du wieder zu mir. Wenigstens sehe ich dich wieder! Scherz. Mit wem bist du jetzt zusammen? Zu wem hast du noch Kontakt? Zum Propheten?«
Jana zuckte mit den Schultern, als ob sie diese Frage nicht beantworten könnte. »Ich lade dich auf einen Kaffee ein. Versprochen. Bloß heute bin ich nicht sehr gesellig, ich bin hundemüde. Und der Prophet? Lebt er noch?«
»Nicht nötig, ich helfe dir immer gern. Ich freue mich, wenn ich für dich was tun kann. Wir müssen uns wirklich nicht treffen, überhaupt nicht. Ich weiß, dass du von Leuten wie mir die Nase voll hast.«
»Heute habe ich von allen die Nase voll. Von allen. Besonders von solchen wie mir. Was ich hier erledigt habe, ist das einzige Gute heute. Vielleicht sogar im ganzen Monat. Tausend Dank!«
Jana hob den Rucksack auf und nickte Ana zu, die sich mit einer Handbewegung verabschiedete und ihren Kopf wieder aufstützte.
»Bis dann«, sagte sie und strich mit der Hand über die Zeitung vor sich, »aber nicht erst in einem Jahr, hoffe ich. Nicht dass du verschwindest wie der Prophet, wohl nach Afrika, hahaha!«
Bevor Jana die Tür hinter sich schloss, schaute sie noch einmal zu Ana, die nach ein paar Sekunden über den Slovenske novice, in denen steht, was für einen Scheiß die Leute bauen, wieder einnickte.
Jana trat durch eine Glastür ein, die automatisch mittels Sensoren geöffnet wird. Die Türen spüren jemanden und öffnen sich wie eine freundliche, zahnlose Kehle, damit man lautlos hineinkommt. Aber manchmal ging die Tür nicht auf, und sie knallte mit der Hand dagegen, an schlechten Tagen auch mit der Stirn. Da sie befürchtete, nicht durch die automatische Tür zu kommen, blieb sie kurz davor immer ruckartig stehen, manchmal auch schon leicht nach vorn gebeugt, als hätte sie Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht. Und wenn sich die Tür öffnete, stürzte sie buchstäblich in den Raum, als wäre sie in die unwirkliche Welt der Boutiquen und Dienstleistungen eines kleinen Einkaufszentrums gebeamt worden. Es roch nach Reinigungsmitteln und parfümierten Blumen, steril und freundlich. Sie nahm den abgewetzten Rucksack ab und trug ihn in der Hand, um solider und nicht wie eine abgerissene Studentin auszusehen. Aber warum sollte sie überhaupt seriös und vernünftig wirken? Wäre sie früher umsichtiger gewesen, wäre sie nicht hier gelandet.
Auf der linken Seite ein Augenarzt, dann ein Blumenladen und ein Tierfuttergeschäft. Ein Friseur und ein Uhrmacher.
Seit der Oberschule weiß sie nicht mehr genau, was das Wort »Umsicht« bedeutet.
An der rechten Ecke befindet sich ein kleines Lokal mit duftendem Kaffee. Vielleicht doch noch einen Kaffee und eine Zigarette? Vielleicht auch nicht. Gleich ist sie zu spät dran.
Ein Buchhalterbüro, ein Copyshop, ein Fotoautomat, ein Zahnarztröntgen, ein Reisebüro und dort, am Ende des glänzenden Korridors, ihr Ziel. Mindestens schon der zwanzigste Besuch bei einer erfolgreichen Frau in einem mattblauen, geschmackvollen Anzug, die ein Foto ihres Mannes in einem dünnen Silberrahmen und Kinder hat, die sie nur ab und zu erwähnt, wenn sie dezent mitteilt, dass die beiden Kleinen eine internationale, englischsprachige Grundschule besuchen. Eine internationale englischsprachige Grundschule – wenn das kein Statussymbol ist! Aber die Frau war in Ordnung, so sehr in Ordnung, wie von Ana kurz beschrieben. Sie hatte sie Jana vor etwa einem Jahr vorgeschlagen. Ana hatte sie in einer Junkie-Selbsthilfegruppe als Gasttherapeutin kennengelernt, die gerade von einer Spezialisierung im Ausland zurückgekehrt war. Sie ging regelmäßig zu ihr, auch als sie längst jede Hilfe aufgegeben hatte und sich nur noch zuknallte. Dr. Trdina-Wayle nahm sie gegen ein geringes Honorar an. Bis Ana völlig abdriftete.
»Du musst mir keine Therapeutin für Drogensüchtige vorschlagen – nicht mir. Hallo?«
Das war das Erste, was Jana vor knapp einem Jahr zu dem Vorschlag äußerte, zu Dr. Trdina-Wayle zu gehen – wenigstens einmal. Das störte Ana allerdings wenig, und sie fuhr ruhig fort: »Wenn ich ihr sage, dass du keinen festen Job hast und dein Studium abschließen willst, nimmt sie dich kostenlos auf. Weißt du, so ist sie eben. Das ist ihre Einstellung.«
»Ich möchte nicht über mein abgebrochenes Studium sprechen und noch weniger über meine Arbeitslosigkeit! Bist du verrückt? Ich will nicht mehr darüber reden! Ich bin einfach arbeitslos und damit basta.«
»Nein, du verstehst das nicht! Sie hat andere Dinge im Kopf als die saudämlichen Leute hier, bestimmt weil sie so lange in Amerika war. Letztens habe ich im Fernsehen gesehen, dass man in New York in den Knast kommt, wenn man seinen Hund in der Sonne lässt. Alte, kannst du dir vorstellen, wie es dort ist? Sogar die Tiere haben Rechte, ganz zu schweigen von den Arbeitslosen oder sogar den Junkies.«
»Okay, gib endlich Ruhe, Ana, ich gehe hin. Ich fordere meine beschissenen Rechte ein.«
Sie besuchte daraufhin tatsächlich Dr. Trdina-Wayle
und meldete sich dann etwa zehn Monate lang, bis zu ihrem Gang zur Post gar nicht mehr bei Ana. Hätte sie gleich beim ersten Mal von der Therapeutin die Nase voll gehabt, hätte sie es Ana gern vorgehalten. Aber dem war nicht so.
Als sie an die Tür der Praxis klopfte, zeigte die riesige Uhr an der gegenüberliegenden Wand, die einer Bahnhofsuhr glich, unter der sich Dates und Huren aller Geschlechter versammelten, eine Minute vor neun.
Auch dieses Mal dachte sie, dass sie vielleicht nicht hätte hingehen sollen. Dass sie nicht mehr hingehen sollte. Vielleicht hatte sie zu große Hoffnungen in diese Gespräche gesetzt. Vielleicht hatte sie sich kurzzeitig selbst helfen wollen. Vielleicht wollte sie Ana beweisen, dass ihre Ratschläge nicht mehr halfen. Sie zählte all diese »Vielleicht« so rational auf, als wären es die Probleme einer anderen, und sie hatte keinen Schimmer von der richtigen Antwort. Sie war sich nicht einmal sicher, ob sie sich dafür noch interessierte.
»Sie waren lange nicht mehr da«, lächelte Trdina-Wayle freundlich, gehüllt in ein langes dunkles Kleid von klassischer, eher slowenischer Eleganz. Beim letzten Mal trug sie zum Beispiel afrikanische Farben und war in etwas gewickelt, das wie ein indisches Tuch aussah. Sie hatte zweifellos einen Sinn für Ethno. Jana vereinbarte keine regelmäßigen Termine, sie kam donnerstags alle zwei oder drei Wochen vorbei oder rief an, wenn sie das Gefühl hatte, reden zu müssen. Das vermittelte ihr ein Gefühl des Vorrangs gegenüber den anderen Patienten, insbesondere gegenüber Ana, die sich vor einer Therapiesitzung zu allem Überfluss auch noch einem Drogentest unterziehen musste. Nach ihrer letzten Begegnung auf der Post zu urteilen, als sie vollkommen zugedröhnt war, war sie wohl lange nicht mehr hier.
»Das stimmt. Aber in letzter Zeit rufe ich Sie immer an. Ich meine, früher oder später.« Jana sank auf den Stuhl wie eine nicht gleichberechtigte Arbeiterin, die seit mindestens zehn Jahren Nachtschichten schiebt und während der Arbeitszeit heimlich am Bier nippt, das sie noch heimlicher mit Schnaps betoniert. Und die trotz jeder akuten Krankheit und aller neuen Beschwerden zur Arbeit kommt.
»Ja, Sie haben vor zwei Tagen angerufen. Oder drei?«
Jana nickte nur ergeben.
»Worum geht es?«
Jana seufzte tief.
»Sie müssen es nicht gleich sagen. Wir können über alles Mögliche sprechen«, wurde sie von der Therapeutin beruhigt.
Interessanterweise musste man in der Therapie nie etwas sagen, ganz im Gegensatz zu einer Post oder einem Gemeindeamt, wo je mehr gesagt, umso weniger mitgeteilt wird. Sie betrachtete den dünnen silbernen Rahmen auf dem Tisch, den Rahmen, der dem Mann der Therapeutin gehörte. Er enthielt ein völlig anderes Foto als beim letzten Mal, ein neueres, und der Mann sah darauf älter aus. Die Besitzerin dieses Fotos ist also eindeutig eine Frau, die in der Lage ist, Veränderungen zu akzeptieren, sogar das Altern ihres Partners. Der Mann stand im hohen Gras inmitten eines Pfuhls, trug hohe Gummistiefel und hielt in der Hand eine Angel, die er offensichtlich gerade auswerfen wollte. Sein Lächeln war so treuherzig, dass darauf ohne jedes Pathos der Hauch einer ganzen Familiensaga lag. Herr Wayle-Trdina, Sie müssen jetzt nicht darüber sprechen.
Es gab Dinge, über die Jana nicht sprechen wollte. Als sie mit Simi zusammen war, gab es keine Zeit, etwas zu besprechen. Sie fragten einander nach nichts, alles lief wie von selbst und vor allem immer gegen sie beide, unerwartet und orkanartig. Möglicherweise organartig. Jedenfalls völlig ungesteuert und nur bergab. Unkontrolliert und irrsinnig. (Rasend die Rutsche hinunter.) Immer musste etwas gerettet werden, immer war sie knapp vor dem Ersaufen. Ihre Beziehung war geladen, allumfassend und dynamisch. Überdeterminiert, würde man in der Sprache der Soziologie sagen. »So überdynamisch«, hätte Simi gesagt, wenn sie gut gelaunt gewesen wäre. Was sie nach der anfänglichen Euphorie zu zweit schon bald nicht mehr war. Nur draußen, unter Menschen, war sie gut gelaunt; zu Hause immer öfter so, wie sie wirklich war: eine unglückliche, verbitterte, jammernde, neidische, verzogene, passiv-aggressive Abhängige, die entweder auf Entzug oder bis zur Abstumpfung und Gleichgültigkeit zugedröhnt war. Ihre gemeinsamen Abende konnten sich von den quälenden Nachmittagen kaum lösen, wenn Simi nach einem üppigen Mittagessen und der monotonen Arbeit kotzte und Jana jammerte, dass sie in einer so toxischen Atmosphäre keine Artikel schreiben und nicht immer allein die ganze Wäsche von Hand waschen könne, wenn die Waschmaschine wieder einmal kaputt ging. Aber Simi hatte bei den Pflegeeltern immer ihren Willen bekommen, und sie hielt Jana gerne vor, dass sie zu Hause eine Waschmaschine und einen Trockner und im Bad eine Fußbodenheizung habe, aber unglücklicherweise dürfe sie im Moment nicht nach Hause, weil sie neulich wieder Scheiße gebaut und Geld geklaut habe. Wenn die Stimmung noch eine Spur schlechter war, rief sie die Dealer an und vergoss Tränen in den Hörer, und Jana trank drei Glas Whiskey und motzte dann über ihr Leben, bis sie wieder nüchtern war. Und das wurde sie normalerweise erst nach dem Aufwachen am nächsten Morgen.
Aber was machten sie abends eigentlich? In einem der berühmten Artikel für eine Zeitschrift, für die Jana schrieb, las sie, dass 65 Prozent der Menschen am liebsten nachmittags Sex haben, weil sie abends zu müde sind. Sie beide hatten abends bestimmt keinen Sex. Nachmittags wahrscheinlich auch nicht. Am Ende hatten sie nur noch Sex, wenn Simi zugedröhnt war und Jana ihn mehr brauchte als ihre Illusionen von einem freien Leben ohne die durchgedrehte Simi.
Manchmal versuchten sie nachzuahmen, was für andere Menschen charakteristisch ist. Wie an jenem Samstag im BTC-Shoppingcenter. Vielleicht waren sie früh aufgewacht, das heißt, vor dem Mittag. Sie tranken Kaffee und aßen eine Kleinigkeit; wenn man morgens etwas isst, fühlt man sich besser. Dann fuhren sie shoppen. Wahrscheinlich wusste keine von ihnen, warum, denn sie kauften nie zusammen ein. Also vielleicht nur deshalb, weil viele normale Menschen samstags die Zeit in einem Shoppingcenter totschlugen. Sie hatten auch über einen Ausflug in die Natur nachgedacht, aber Simi schien, dass sie für das Sonnenlicht zu spät dran waren, sodass ein Spaziergang zu St. Urh oder ein Aufstieg auf den Berg Šmarka nicht mehr lohnte, denn es war noch nicht Frühling, sondern tiefer Winter im Januar. Als sie ins Auto stiegen, flennte Simi ein wenig, wäre sie jetzt bei ihren Alten, hätte sie deren drei Hunde, die drei Cocker Spaniels, die sie sooo sehr vermisste, frühmorgens auf den Šmarka mitgenommen, für die Gesundheit und die Erholung und nicht nur, um die Lebenszeit sinnlos zu vergeuden. (Sie vergeudete ihre Lebenszeit tatsächlich.) Manchmal sei sie nur noch depressiv, sie käme nicht mehr in die Sonne, seit sie in dieser Beziehung sei, in der sie keine Luft zum Atmen habe, weil es nichts mehr gäbe, keine Freiheit, keine Morgenstunden, keine drei Spaniels mit ihr in der Sonne. Auf dem BTC-Parkplatz ermahnte Jana sie entschieden, aber noch zurückhaltend, dass sie nicht hierhergekommen waren, um mit drei (stinkenden, aber das ließ sie weg) Spaniels durch die Sonne, sondern um selbst durch die Läden zu ziehen, wo es keine verdammte Sonne geben kann, egal, wie früh man dort ist.
Kaum zogen sie vom Parkplatz zu den BTC-Shops los, kriegten sie sich auch schon ordentlich in die Haare. Weil sie von den Wochenenden nichts hätten. Weil sie nirgendwohin mehr zusammen gingen. Weil sie nirgendwo hin mehr getrennt gingen. Jana ging früher ins Hallenbad und ins Fitnessstudio. Dann ging sie nirgendwo mehr hin. Simi wäre so gerne Rad gefahren oder auf dem Fluss Ljubljanica gerudert – am liebsten allein –, was aber nicht möglich sei, seit sie in einer so einengenden Beziehung stecke. Und sie würde wieder zu Castings gehen, Leute treffen, die ein paar Fotoshootings für sie arrangieren, aber – sie könne nicht mehr atmen in diesem blöden Job an der beschissenen Hotelrezeption und in dieser stressigen Beziehung! (Wer würde da nicht auf Droge sein?)
Jana konnte sich nicht mehr erinnern, wie sie ihren Streit beendeten, geschweige denn, warum sie dann noch shoppen gingen. Ach ja – vielleicht hatte Simi endlich doch beschlossen, sich eine Winterjacke zu kaufen, weil sie den ganzen Winter über in ihren dünnen Jacken gefroren hatte.
Aber alle Winterjacken waren ihr zu teuer. Obwohl sie gerade ihr Gehalt bekommen hatte. Jana überlegte, dass Simi das Geld ohnehin verschwenden würde, so oder anders – vor allem anders –, also war es vielleicht besser, wenn sie sich so schnell wie möglich etwas kaufen würde. Aber sie sagte nichts direkt zu ihr. Nicht, weil sie sich nicht einmischen wollte, sondern, weil sie noch nicht genug Kraft für einen weiteren Streit hatte.
»Wie findest du diese hier, Schatz?« Simi drehte sich vor dem Spiegel hin und her. In Wahrheit schienen ihnen in diesem Moment alle Winterjacken der Welt gleichermaßen bedeutungslos. Jana nickte: Sie dachte, dass sie gerne nach Hause gehen, Mittagessen kochen und den ganzen Nachmittag Liebe machen würde. (Aber mit wem
