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Das Theaterstück "Die Reise des lausigen Kapitäns" erzählt die Geschichte eines Zeitgenossen, der als Straßensänger und auf der Suche nach alternativen puristischen Lebenswegen aus der Zeit gefallen scheint. Er geht auf Konfrontationskurs, ruft zu Veränderung und Verwandlung auf, scheitert und wächst dennoch daran.
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Seitenzahl: 34
Veröffentlichungsjahr: 2021
ERSTER AKT
AUF DER STRASSE
ZWEITER AKT
BEI MARIE
DRITTER AKT
AUF DEM MARKTPLATZ
VIERTER AKT
AUF DEM MEER TREIBEND
FÜNFTER AKT
IM KLOSTER
EPILOG
AUF DER STRASSE
LIEDVERZEICHNIS
DANKSAGUNG
Teil 1
SPRECHER
Dies ist die Geschichte von einem lausigen Kapitän, der sein ganzes Leben damit verbracht hat, Seerouten zu planen und neue Kurse zu berechnen, um neue Welten zu erschließen, irgendwo weit draußen, hinterm Horizont. Denn er hatte es irgendwann satt gehabt, immer in der einen Welt zu sein, in der die Menschen unglücklich und träge waren und es trotzdem nicht schafften, etwas an ihrem Leben zu verändern, und die ihm manchmal vorkam wie ein altes, schlechtes Buch.
KAPITÄN (singt)
Oh, ich fahre zur See / Sag meinen Liebsten ade / Denn man weiß nie, was passiert / Hab die Galeere geklaut / Auf die sich keiner sonst traut / Weil man sich darauf verliert
Und es geht immer voran / Denn unsre Karten sind falsch / Es geht immer voran / All unsre Karten sind falsch / Sie wurden gefälscht / Damit man glaubt, dass die Welt / Sich an ein Regelwerk hält
Hab die Papiere verloren / Ich wurde niemals geboren / Falls das irgendwer fragt / Und die Klippen da vorn / Sind alle nur Illusion / Es hat nur niemand gewagt
Und es geht immer voran / Denn unsre Karten sind falsch / Es geht immer voran / All unsere Karten sind falsch / Sie wurden gefälscht / Damit man glaubt, dass die Welt / Sich an ein Regelwerk hält
AUF DER STRASSE
Der Kapitän tritt auf die Straße und schaut in den Himmel
KAPITÄN (singt)
Die Venus steht tief heut‘ Nacht. Sie kreuzt den Weg des großen Wagens. Das ist ein schlechtes Zeichen. Aber die Menschen glauben nicht daran, also ist es gar kein Zeichen. Woran glauben die Menschen? Wonach handeln sie? Höchstens noch nach den Bewegungen der Aktienmärkte. Das ist die schöne neue Realität, und darin gibt es auch Sterndeuter, ausgebildet an den Universitäten und herbeigerufen von den Fürsten dieser Zeit, die das Schicksal bezwingen und ihre Macht erweitern wollen, ohne Rücksicht auf Verluste. Es hat sich wenig verändert.
(singt)
Und so sitzen wir da, jeder in seiner Rüstung, aus dem, was er hat und dem, was er kann, und darunter, da schlagen verloren die Herzen, wollen sich berühren, aber kommen nicht ran.
Der Mensch – wie oft war er der Narr? Aber doch nie so offensichtlich. Und ihr treuen Sterne – steht noch da und werdet nicht beachtet. Ach, es ist ungerecht. In alten Zeiten hat man Bilder in euch gesehen und je nach ihnen gewagt, geliebt, gelebt. Ein phantastisches Theater. Es hat ausgedient, aber ihr spielt trotzdem weiter. Euch interessiert nicht das Publikum hier auf Erden. So ist das eine exklusive Vorstellung jede Nacht. Und die Leute hier rennen herum, auf der Suche nach Sinn, nach Bedeutung. Schauen nach vorne und nach unten, aber niemals mehr zu euch hinauf.
(schaut ins Publikum)
Die Leute! Wenn ich sie so als Menge sehe, kann ich sie fast mögen. Hört, ich habe ein Lied für euch. Ich übersetze es sozusagen, direkt von oben, von dort, wo niemand mehr hinschaut. Es handelt von der Einsamkeit, denn davon können die Sterne berichten.
KAPITÄN (singt)
„Einsamkeit, ich find dich überall“
Bei Nacht enthüllen die hellen Straßenlichter / In bunten Großstadtgassen die Gesichter / Ich seh 'nen Blick so scheu wie von 'ner Nachtigall / Einsamkeit, ich find dich überall / Dort drüben haben sich zwei etwas zu sagen / Und finden keine Gründe es zu wagen / Ein Dritter redet wie ein Wasserfall / Einsamkeit, ich find dich überall
Dort, wo man dich nicht erwartet / bist du immer ausgeartet, / ich hör die Reichen, hör die Armen / Wie sie sich alle vor dir warnen / Man muss nicht einmal allein sein / Du kommst durch die Hintertür rein / Studentenparty oder Opernball / Einsamkeit, ich find dich überall
Zwei Studenten kommen vorbei, sie erkennen ihn
STUDENT SASCHA
