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Die "Sauglocke", eine Parodie auf Schillers "Lied von der Glocke", gehört zu den erotischsten Texten des 19. Jahrhunderts. Sie entstand zu einer Zeit, als die Zensur jedes Buch, jeden Text verbot, der ihr anrüchig erschien. Deshalb erschien sie im Untergrund und wurde nur in privaten Zirkeln gelesen. Die offene, häufig karikierende Beschreibung der Sexualorgane und des Geschlechtsaktes ist nichts für empfindsame Gemüter. Und offen, wie der gesamte Text, beschreibt Castelli auch die unangenehmen Begleiterscheinungen des Geschlechtslebens...
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Seitenzahl: 24
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Ignaz Franz Castelli
Die Sauglocke
Textrevision und Nachwort von Hansjürgen Blinn
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Ignaz Franz Castelli: Die Sauglocke
Friedrich Schiller: Das Lied von der Glocke
Nachwort
Impressum neobooks
Strotzend, steif empor gerichtet,
Steht der Schwanz in stolzer Kraft,
Deine Jungfrauschaft zernichtet
Er, und heilt mit Lebenssaft.
Aus dem Schwanze heiß
Spritzt es in die Geiß,
Soll das Werk den Meister loben,
Nur recht tüchtig nachgeschoben.
Zum Werke, das wir nun bereiten,
Geziemt sich ein belehrend Wort:
Jedweden Stoß musst Du begleiten,
Dann fließt die Sauce länger fort.
Mit heil’ger Scheu’ musst Du betrachten,
Was durch des Schwanzes Kraft entspringt,
Kein Tropfen ist da zu verachten,
Weil jeder neue Wollust bringt.
Das ist’s ja, was den Menschen zieret,
Ich weiß, Dir sagt es Dein Verstand,
Und hast Du’s einmal nur verspüret,
Entlockst Du’s wohl mit eigner Hand.
Greifet ihr zum Sammethanse,
Lasst ihn groß und strotzend sein,
Traur’ges Surrogat vom Schwanze,
Ohne Leben, Fleisch und Bein.
‘S ist nicht einerlei,
Welch ein Glied es sei,
Denn die wahre Himmelsspeise
Fließt nur nach der rechten Weise.
Was in der Votze tiefer Grube
Du Dir entlockest mit der Hand,
Es fließt aus Deiner Brunnenstube
Verächtlich fort als Konterband.
Es wird dich reun’ in späten Tagen,
Und kommt es zu der Menschen Ohr,
So wird, statt schmerzvoll Dich beklagen,
Verachten Dich der Männer Chor.
Nur was dem Mann, dem Erdensohne,
Entladend aus der Spritze fließt,
Ist wert, dass es des Weibes Krone
Mit wollustreichem Saft begießt.
Bis an Nabel muss er springen,
Ist der edle Saft im Fluss,
Durch die Adern muss es dringen,
Kommen muss es Guss auf Guss.
Doch vom Tripper rein
Muss das Säftchen sein,
Dass das Mädchen ohne Sorgen
Vögeln kann, wie heut, so morgen.
Es wird dem Knaben angst und bange,
Noch schüchtern ist das liebe Kind,
Auf seines Lebens erstem Gange,
Den es zu mopseln nun beginnt;
Ihm ruhet noch in seiner Schelle
Gefühl des Himmels und der Hölle,
Denn bisher macht’s ihm wenig Sorgen,
Wenn er ihm stand an jedem Morgen;
Geilheit erwachet pfeilgeschwind.
Zum Mädchen sehnt sich hin der Knabe,
Und schüchtern nur greift er sie aus,
Dass er an ihrem Blick sich labe,
Blockiert er fast des Liebchens Haus.
Denn herrlich in der Jugend Prangen,
Wie ein Gebild’ aus Himmelshöhn,
Mit Fieberglut erfüllten Wangen
Sieht er das Mädchen vor sich steh’n.
Da fasst ein namenloses Sehnen
Den Jüngling, Geilheit wirkt allein,
Vor Wollust kann er kaum noch stöhnen,
Sie lehrt ihn rasch und mutig sein.
Die Hand folgt der Begierde Spuren,
Sie naht sich dem, was uns beglückt;
Die Seligkeit – sie liegt im Huren,
Er findet dies – und ist entzückt.
Mit leeren Träumen nicht und Hoffen
Verdirbt er mehr die goldne Zeit,
Sein Auge sieht den Brustlatz offen,
Er schwelgt das Herz in Seligkeit.
O! dass es stets im Gusse bliebe,
Das Resultat prosaischer Liebe!
