Die Schatulle ins Ungewisse - Amelie Kappus - E-Book

Die Schatulle ins Ungewisse E-Book

Amelie Kappus

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Beschreibung

Im Jahr 1911 steht Randall vor den Trümmern seines Lebens. Er hat seinen Job, sein Haus und seine große Liebe verloren. Um zu überleben, bestreitet er seinen Lebensunterhalt durch den Diebstahl teurer Uhren, Geldbörsen und Schmuck von ahnungslosen Passanten. Niemand schenkt ihm Beachtung oder scheint seine Existenz überhaupt wahrzunehmen. Auf der Suche nach einem Ort, um seine Beute zu verkaufen, wird Randall von einem geheimnisvollen Uhrenladen angezogen. Es ist, als würde etwas in dem Laden ihn unwiderstehlich rufen. Eine goldene Schatulle zieht ihn besonders in ihren Bann und flüstert ihm seinen Namen zu. Randall kann die Schatulle nicht aus seinen Gedanken verbannen. Doch warum ruft diese mysteriöse Schatulle gerade jetzt nach ihm, in einem Moment seines Lebens, der so hoffnungslos scheint?

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Die Schatulleins Ungewisse

 

Amelie Kappus

 

Die Schatulle ins Ungewisse

 

 

1911. Randall Baker schlenderte die lange, verstaubte Straße vor ihm entlang. Um ihn herum drängten sich die Menschen, auf dem Weg zur Arbeit oder zum Markt. Die Frauen trugen Körbe in ihren Armbeugen, die Männer einen Stock in der Hand. Immer wieder riefen grimmige Fuhrknechte „Aus dem Weg!“ von ihren Kutschen, während ihre Pferde laut schnaubend an den Fußgängern vorbeistampften. Erschrocken sprangen diese zur Seite und prallten mit anderen Passanten zusammen. Entschuldigend hoben sie die Hände und führten dann ihren Weg mit gesenkten Blicken fort.

Randall folgte ihnen mit seinen Augen und beobachtete, wie sie um die nächste Hauswand bogen. Er löste seine Hände aus den Hosentaschen und ließ sie locker neben seinem Körper hängen. In der Ferne bemerkte er, wie ein Wachmann seine Bahnen zog. Er erkannte ihn an den vielen Knöpfen, die sein schwarzes Gewand zierten, und an dem spitzen Helm auf seinem Kopf. Über seiner Schulter trug er einen Stock. Der Wachmann bemerkte ihn nicht. Sein Blick ging in die entgegengesetzte Richtung.

Unauffällig änderte Randall seine Richtung. Anstatt gegen die Massen zu schwimmen, bewegte er sich nun unsichtbar mit ihnen. Die Menschen um ihn herum waren in Gespräche mit ihren Begleitern oder in ihre eigenen Gedanken versunken. Keiner nahm Notiz von ihm, was ihm seinen nächsten Schritt sehr erleichtern würde. Lautlos schob er sich näher an die Männer vor ihm heran. Er beschleunigte seinen Schritt, um ihnen auf den Fersen zu bleiben. Unbemerkt langte seine Hand in die Jackettasche seines Vordermannes. Seine Finger ertasteten einen runden Gegenstand, an dem eine metallische Kette hing. In einer fließenden Bewegung zog er seinen Arm zurück und ließ sich ein Stück zurückfallen.

Als Randall sich sicher war, dass der Mann das Verschwinden des Gegenstandes nicht bemerkt hatte, warf er einen Blick auf das, was sich nun in seiner Hand befand. Es war eine kleine silberne Taschenuhr.

Auf den ersten Blick schien sie nicht von hohem Wert zu sein, doch manchmal mochte der erste Blick trügen. Bevor er sich die Uhr jedoch weiter ansehen konnte, bog er in die nächste Seitengasse zwischen den Geschäften und Wohnhäusern ab. Versteckt im Schatten der Häuser, begutachtete er die Uhr nun noch einmal genauer. Von außen sah sie wenig spektakulär aus. Keine Ornamente zierten die Außenseite, auch kein eingravierter Spruch. Das wunderte Randall, denn oft waren diese Uhren persönliche Geschenke von den Liebsten. Jedenfalls die meisten, die er bisher vertickt hatte. Er strich über die Oberfläche. Sie war nicht mehr so gut intakt wie andere, die er sich angeeignet hatte. Sie würde ihm nicht so viel einbringen, wie er erhofft hatte, dennoch würde sie ihm für die nächste Woche Essen einbringen.

Mit seinen Daumen öffnete er den Deckel. Die Uhr begann sofort, lauter zu ticken. Überrascht stellte Randall fest, dass die Uhr doch personalisiert war. Auf der Innenseite war ein Bild eingearbeitet. Es zeigte eine junge Frau in rotem Kleid mit einem großen Hut, die sich eng an einen Mann schmiegte. Dieser hatte eine stramme, aufrechte Haltung und hielt die Frau an ihrer Taille dicht an sich gedrückt.

Dieses Bild wirkte so intim und vertraut, dass sich Randall beinahe schämte, die Uhr geöffnet zu haben. Selten hatte er Bilder wie diese gesehen, in denen sich die Frau und der Mann so hingegeben hatten – und er fühlte sich nicht wohl dabei. Denn es erinnerte ihn an ein Bild, das er vor langer Zeit gemacht hatte. Er hatte das Bild nach dieser Zeit versteckt. Er konnte es nicht mehr bei sich tragen.

---ENDE DER LESEPROBE---