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In "Die Schätze des Wahhabiten" entfaltet W. Belka ein faszinierendes Panorama von Macht, Glaube und Intrigen im Kontext der arabischen Welt. Der Roman kombiniert geschichtliche Elemente mit zeitgenössischen Erzähltechniken und schafft so ein dichte, atmosphärische Erzählung, die den Leser in die komplexe und oft widersprüchliche Welt des Wahhabismus entführt. Belka nutzt einen klaren, präzisen Schreibstil, der sowohl lyrische als auch direkte Passagen umfasst, um die tiefen Emotionen und philosophischen Konflikte seiner Charaktere lebendig werden zu lassen. W. Belka, ein studierter Orientalist mit langjähriger Erfahrung in der arabischen Kultur und Geschichte, bringt ein fundiertes Wissen und eine persönliche Leidenschaft inDieses Werk ein. Sein Interesse an den kulturellen und religiösen Facetten des Nahen Ostens hat ihn dazu inspiriert, die komplizierte Identität der Wahhabiten zu erkunden, die oft missverstanden werden. In seiner Recherche und seiner Auseinandersetzung mit dem Thema zeigt sich Belkas Engagement, zu einem besseren Verständnis zwischen Kulturen beizutragen. "Die Schätze des Wahhabiten" ist eine eindringliche Lektüre, die sowohl Leser mit einem Interesse an Geschichte als auch solche, die an aktuellen politischen Themen interessiert sind, fesseln wird. Dieses Buch bietet nicht nur Einblicke in eine oft verhängnisvolle Thematik, sondern fordert auch dazu auf, über Vorurteile hinauszudenken und die menschliche Dimension in religiösen Auseinandersetzungen zu erkennen. Eine absolute Empfehlung für alle, die bereit sind, sich mit den komplexen Strukturen unserer Welt auseinanderzusetzen.
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Wie ein Zug Gespenster jagte der Trupp Beduinen mit ihren flatternden Mänteln und den leise klingenden Glöckchen der Reitdromedare durch die einsame, nächtliche Wüste nach Süden zu, immer zur Rechten die letzten Ausläufer des Dschebel el Dachali behaltend, der sich mit seinen kahlen Felsmassen dunkel und drohend in die Luft reckte, anzusehen bei diesem ungewissen Licht wie ein schwarzer, unregelmäßiger Strich am westlichen Horizont.
Vierzehn Reiter waren’s. Nicht alle jedoch Söhne der Wüste. Nein, zwei Europäer befanden sich darunter, – – zwei, denen die Füße mit Riemen unter dem Leibe ihrer Tiere zusammengebunden waren. Ihre verwilderten Bärte, ihre schadhafte Kleidung – gelbgraue Tropenanzüge – deuteten darauf hin, daß schon die beiden Männer, von denen der eine, der ältere, recht mager und schmächtig war, bereits längere Zeit fernab von allen Stätten der Kultur ein abenteuerliches und entbehrungsreiches Leben geführt hatten.
Als jetzt der vorderste der Beduinen – sie gehörten zum Stamme der Iringi – sein prachtvolles Dromedar in Schritt fallen ließ, fand der eine der Weißen Gelegenheit, seinem Gefährten zuzuflüstern:
„Ich bin nur neugierig, wohin sie uns bringen?! Was soll diese Hetzjagd?! Die braune Bande wird doch nicht verfolgt …!“
Der Ingenieur Gustav Ring erwiderte nichts, da bereits einer der Beduinen sein Reittier dicht an sie herandrängte und drohend seine lange Lanze schwenkte, um jede weitere Verständigung zwischen den Gefangenen zu verhindern.
Abermals ging es dann im Eiltempo weiter. Als der Morgen graute, schwenkte der Führer nach Westen ab auf die Berge zu. Und die ersten Sonnenstrahlen fanden die Schar bereits in einem kleinen Felskessel inmitten des Gebirges.
Hier, wo mehrere Dattelpalmen, Ginsterbüsche und spärliches Gras wuchsen, schlugen die braunen Gesellen ihr Lager auf, indem sie Zelttücher um die Stämme der Palmen ausspannten, die Dromedare weiden ließen und Vorbereitungen für das Kochen ihrer Mahlzeit trafen.
Auch die Gefangenen, denen jetzt auch die Hände gefesselt waren, bekamen zu essen und mußten sich dann im Schatten eines Gebüsches niederlegen, wo sie vor Übermüdung bald einschliefen.
Lautes Rufen weckte sie nachher.
Die Beduinen hatten Zuzug bekommen. Unter den drei neuen Ankömmlingen gab es einen Mann, der sofort ins Auge fiel, eine hohe, stattliche Erscheinung mit dunklem Vollbart, gekleidet in einen Burnus von feinerem Stoff und bewaffnet mit einer modernen, trefflichen Büchse sowie zwei Revolvern, die im Gürtel steckten neben Dolch und einem … Fernglas im Futteral.
Als der Ingenieur Ring diesen Araber eine Weile prüfend gemustert hatte, sagte er zu seinem Leidensgefährten Doktor Wallner:
„Den Kerl kenne ich. Nicht persönlich. Aber ich habe seine Photographie in einer Zeitschrift in Kairo vor kurzem gesehen. Der Kopf dieses Mannes ist etwas wert: die englische Polizei hat nämlich eine gute Belohnung dem zugesichert, der den berüchtigsten[1] aller Wegelagerer Arabiens lebendig oder tot einliefert. – Richtig: Ibrahim ben Garb heißt er. Und sein Ruf reicht von Suez bis Maskat, von Bagdad bis Aden.“
Der Chemiker Doktor Wallner erwiderte darauf: „Wahrscheinlich hat sich der Führer unserer Häscher mit diesem Ibrahim hier verabredet gehabt. – Na – angenehm ist dieser Zuwachs der braunen Banditen für uns gerade nicht. Wir …“
Ibrahim kam jetzt auf die beiden Weißen zu, so daß der Doktor es vorzog, den begonnenen Satz nicht zu Ende zu führen.
Der berüchtigte Pirat der Wüste ließ sich vor den beiden nieder, legte die Büchse über die Knie und begann nach einer Weile:
„Mein Freund Jussuf ben Hami hat mich von allem unterrichtet.“ – Er sprach ein leidlich gutes Englisch. „Ihr wollt also auf keinen Fall das Geheimnis preisgeben, das Ihr von dem alten Wahhabiten Kir Bali erfahren habt. Nun – jeder muß wissen, was er tut. Ich kann Euch Eures hartnäckigen Schweigens wegen nicht einmal verurteilen. Vielleicht würde ich ebenso handeln. – Ich bin nun ein Freund aller Deutschen, verehre Euren Kaiser und will daher versuchen, ob ich es nicht durchsetzen kann, daß Jussuf Euch freiläßt.“
Ring, den ein langer Aufenthalt im Orient mit der Heimtücke der Araber nur zu gut vertraut gemacht hatte, entgegnete gelassen:
„Es soll mich freuen, wenn es Dir gelingt, Ibrahim ben Garb.“
Der Räuber zuckte zusammen. Und heimlich traf den Ingenieur ein drohender Blick aus seinen dunklen Augen. Dennoch sagte er nun, sehr freundlich tuend: „Jussuf hat mir erlaubt, Euch zunächst die Fesseln abzunehmen und Euch zu gestatten, daß Ihr Euch hier innerhalb des Talkessels ungehindert bewegen könnt.“ –
Als Ibrahim nach einer Weile wieder nach den Zelten zurückkehrte, schlenderten Ring und der Doktor, jetzt aller Bande los und ledig, dem Südrande des Tales zu, wo eine Gruppe mächtiger Felstrümmer sich erhob. Hier setzten sie sich zwischen den Granitblöcken, die an dieser Stelle eine Art Hofraum bildeten, auf den harten Steinboden und besprachen leise ihre wenig aussichtsvolle Lage.
„Natürlich hat der braune Halunke uns nur die Fesseln abgenommen“, erklärte der Ingenieur, „damit wir glauben sollen, Ibrahim meine es wirklich gut mit uns. Da das Geheimnis uns durch Gewalt nicht entlockt werden kann, versucht der listige Strauchdieb es mit einem anderen Rezept.“ –
Nachdem die beiden Gefangenen etwa eine halbe Stunde miteinander ungestört geplaudert hatten, erhob sich Ring, suchte aus den umherliegenden Trümmern der Felsen zwei Stücke heraus, die sich als Meißel und Hammer benutzen ließen, und begann lediglich aus Langerweile in eine glatte Stelle eines der mächtigen Blöcke die weicher als das übrige Gestein war, etwas in lateinischen Buchstaben einzumeißeln, und zwar einen seltsamen Vers, der aber doch nur zu gut auf die beiden Deutschen paßte:
Gold der Verführer, Wir die Verlierer.
Darunter setzte er den Namen seines Gefährten und seinen eigenen.
