Die Schatzinsel (Illustrierte Ausgabe) - Robert Louis Stevenson - E-Book

Die Schatzinsel (Illustrierte Ausgabe) E-Book

Robert Louis Stevenson

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Beschreibung

In "Die Schatzinsel", Robert Louis Stevenson entfaltet eine abenteuerliche Erzählung, die um das Streben nach Reichtum und die Herausforderungen der menschlichen Natur kreist. In dieser illustrierte Ausgabe wird die fesselnde Reise des jungen Jim Hawkins lebendig, der mit einer Gruppe von unerschrockenen Seefahrern auf die Suche nach dem sagenumwobenen Schatz des Piraten Flint geht. Stevensons Prosa verbindet meisterhaft Spannung und Humor, während die lebendigen Beschreibungen der Charaktere, insbesondere der ikonische Long John Silver, dem Leser einen tiefen Einblick in die Motive der Figuren gewähren. Diese historische Abenteuergeschichte ist sowohl ein Spiegel ihrer Zeit als auch eine zeitlose Erkundung von Loyalität, Verrat und dem unstillbaren Verlangen nach Abenteuer. Robert Louis Stevenson, ein schottischer Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, war für seine vielseitigen Erzählungen bekannt, die sowohl Philosophisches als auch Abenteuerliches umfassten. Beeinflusst von seiner eigenen maritimen Begeisterung und den Erzählungen von Seefahrern, schafft Stevenson ein lebendiges Bild der Piratenwelt und behandelt Themen, die von Freundschaft bis zu moralischen Dilemmata reichen. Sein Leben, geprägt von Reisen und einer hektischen Gesundheit, inspirierte seine Schaffenskraft und die Suche nach dem Unbekannten. "Die Schatzinsel" ist ein Muss für Liebhaber literarischer Abenteuer und für jene, die ihre Fantasie mit auf eine aufregende Reise nehmen möchten. Die illustrierte Ausgabe bereichert das Erlebnis zusätzlich durch visuelle Darstellungen, die die Schauplätze und Charaktere zum Leben erwecken. Dieses Werk ist nicht nur ein spannendes Abenteuer, sondern auch eine tiefgründige Auseinandersetzung mit der menschlichen Natur, die Generationen von Lesern fesselt. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes. - Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten. - Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben. - Eine Autorenbiografie beleuchtet wichtige Stationen im Leben des Autors und vermittelt die persönlichen Einsichten hinter dem Text. - Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen. - Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Robert Louis Stevenson

Die Schatzinsel (Illustrierte Ausgabe)

Bereicherte Ausgabe. Eine fesselnde Schatzsuche auf hoher See voller Abenteuer und Piraten
In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen
Bearbeitet und veröffentlicht von Good Press, 2023
EAN 8596547813415

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Synopsis
Historischer Kontext
Autorenbiografie
Die Schatzinsel (Illustrierte Ausgabe)
Analyse
Reflexion
Unvergessliche Zitate
Notizen

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Das Versprechen von Gold prüft Herzen schärfer als jede Klinge. Robert Louis Stevensons Die Schatzinsel entfaltet aus diesem Kern einen Abenteuerroman, der Mut, Versuchung und Verantwortlichkeit in stürmischer See aufeinanderprallen lässt. Von der ersten Seite an spürt man die Sogwirkung eines Aufbruchs, der mehr bedeutet als eine Reise zu einem fernen Ort: Es ist der Übergang vom sicheren Ufer der Kindheit in ein unübersichtliches Reich aus Entscheidungen. Das Meer wird zur Bühne, die Insel zum Spiegel, und die Menschen zeigen, wer sie sind, sobald die Aussicht auf Beute den inneren Kompass ins Wanken bringt.

Geschrieben von dem schottischen Autor Robert Louis Stevenson (1850–1894), erschien Treasure Island zunächst 1881–1882 als Fortsetzungsroman in der britischen Jugendzeitschrift Young Folks, damals unter dem Pseudonym Captain George North. 1883 wurde die Geschichte in Buchform veröffentlicht und hat seither weite Verbreitung gefunden. In deutscher Übersetzung ist sie als Die Schatzinsel bekannt und hat Generationen von Leserinnen und Lesern geprägt. Diese illustrierte Ausgabe steht in der Tradition, das bildkräftige Erzählen des Originals mit visuellen Akzenten zu begleiten, ohne den Text zu verändern oder seine offene Imaginationskraft zu beschneiden.

Die Entstehung des Romans ist eng mit einer Karte verknüpft, die Stevenson 1881 zeichnete und die seine Vorstellung einer Insel und ihrer Geheimnisse bündelte. Aus diesem spielerischen Anfang entwickelte er eine straffe Handlung, deren Spannung aus glaubwürdigen Entscheidungen der Figuren entsteht. Er nutzte vertraute Motive der Seefahrt und des Reiseberichts, formte sie jedoch zu einer modernen Abenteuererzählung mit psychologischer Feinzeichnung. Die Welt der Segelschiffe, Häfen und Handelsrouten bildet den historischen Hintergrund, dient aber vor allem als Resonanzraum für Fragen nach Mut, Loyalität und Verführungskraft. So entstand ein Werk, das gleichermaßen anschaulich und vielschichtig ist.

Im Zentrum steht ein jugendlicher Erzähler, der seine gewohnte Küstenwelt hinter sich lässt und an Bord eines Schiffes gerät, dessen Mannschaft von ganz verschiedenen Hoffnungen zusammengehalten wird. Die Suche nach einem verborgenen Schatz führt zu einer abgelegenen Insel; unterwegs verschieben sich Bündnisse, und das Ringen zwischen Loyalität und Eigennutz schärft den Blick für Freundschaft und Verrat. Mehr zu verraten hieße, die sorgfältig angelegte Spannung vorwegzunehmen. Entscheidend ist dies: Die Abenteuer entfalten sich aus Figuren, deren Motive aufeinanderprallen, und aus einer Landschaft, die gleichermaßen Verheißung und Gefahr, Orientierung und Irreführung bereithält.

Die Schatzinsel gilt als Klassiker, weil sie das Piratenabenteuer für die Moderne geprägt hat: die geheimnisvolle Karte, das vergrabene Vermögen, der drohende Makel des Verrats, der Papagei auf der Schulter, der einbeinige Seemann, die Meuterei als moralischer Stresstest. Viele dieser Bilder wurden durch dieses Buch kanonisch und beeinflussten Romane, Theater, Filme, Hörspiele und Spiele bis in die Gegenwart. Doch die Wirkung reicht über Ikonen hinaus: Stevenson verband packende Handlung mit einer reflektierten Sicht auf Gier und Gewissen. So begründete er einen Maßstab, an dem sich Erzähltempo, Figurenzeichnung und dramaturgische Ökonomie noch heute messen lassen.

Erzählt wird überwiegend in der Ich-Perspektive des jungen Teilnehmers, wodurch die Leserinnen und Leser die Welt der Erwachsenen aus einem klugen, aber noch suchenden Blickwinkel erfahren. Stellenweise wird diese Stimme durch eine nüchternere, medizinisch geschulte Beobachtung ergänzt; der Wechsel verdichtet die Spannung, ohne den Fluss zu brechen. Die Prosa bleibt klar, anschaulich und rhythmisch, sie arbeitet mit präzisen Details und verzichtet auf Zierrat. Daraus entsteht eine Erzählbewegung, die zielstrebig voranschreitet und zugleich Raum für Atmosphäre lässt: Man riecht Teer und Salz, hört Tauwerk knarren und spürt, wie Entscheidungen Gewicht bekommen.

Eine besondere Faszination geht von den Figuren aus, die nie bloße Typen bleiben. Der jugendliche Erzähler muss Mut von Draufgängertum unterscheiden, Vertrauen prüfen und Verantwortung erlernen. Dem gegenüber steht ein charismatischer Seemann, in dem Freundlichkeit, Witz und Berechnung unauflöslich verschränkt sind – eine der denkwürdigsten Gestalten der Weltliteratur. Zwischen ihnen entfaltet sich ein diskreter Diskurs über Führung, Loyalität und Selbstbehauptung. Das moralische Koordinatensystem ist nicht simpel: Pflicht und Freiheit, Gesetz und Solidarität, Ehrgeiz und Maß halten ringen miteinander. Gerade diese Ambivalenz macht den Roman dauerhaft anregend und bewahrt ihn vor bloßer Genreformel.

Stevensons Kunst zeigt sich auch in der Anlage von Räumen: Gasthäuser, Decks und Buchten werden mit wenigen Strichen erkennbar, ohne das Mysterium der Insel zu tilgen. Die Spannung entsteht weniger aus Zufällen als aus Konsequenzen, die Figuren tragen, was sie entscheiden. Eine illustrierte Ausgabe kann diese Erlebnishaftigkeit steigern, indem sie Blickachsen anbietet, die das Kopfkino befeuern, jedoch nie ersetzen. Bilder begleiten den Text, geben Atmosphäre und Rhythmus eine zweite Spur und lassen uns die Materialität von Karten, Kompassen und Seewegen spüren. So entsteht ein Dialog zwischen Wort und Bild, der die Lektüre vertieft.

Seit dem 19. Jahrhundert hat Die Schatzinsel in zahlreichen Auflagen und Adaptionen ihren Weg durch die Kultur genommen und das kollektive Bild von Piraterie und Seeabenteuer geprägt. Vom Familienkino bis zur Bühnenfassung, von Comics bis zu Computerspielen lassen sich Spuren dieser Erzählung verfolgen. Ihre Motive wurden oft imitiert, parodiert oder neu kombiniert, doch das Original behält seine Frische: Die klare Dramaturgie, die scharf gezeichneten Figuren und die prägnanten Schauplätze wirken unabhängig von Medienwechseln. Der Roman ist damit mehr als eine Quelle von Versatzstücken; er bleibt ein lebendiges Modell für packendes Erzählen.

Als Lektüreerlebnis verbindet der Roman Zugänglichkeit mit Tiefe. Jugendliche finden einen glaubwürdigen Kompass für den Übergang ins Erwachsenwerden; Erwachsene entdecken eine Studie über Versuchung, Verantwortlichkeit und das Preisgeben von Sicherheiten. Die Sprache ist lebendig, ohne schnell zu veralten, und eröffnet ein Vokabular des Meeres, das Klang und Bedeutung vereint. Gleichzeitig lädt die Erzählung zu Gesprächen über Vertrauen, Autorität, Zusammenarbeit und Zivilcourage ein. Sie zeigt, wie Mut oft in unspektakulären Entscheidungen besteht und wie Klugheit und Empathie Handlungsspielräume öffnen. So erweist sich das Buch als verlässlicher Begleiter über Altersgrenzen hinweg.

Heute, in einer Welt globaler Lieferketten und schillernder Versprechen schnellen Gewinns, spricht Die Schatzinsel mit bemerkenswerter Aktualität. Sie verhandelt, wie Gemeinschaft entsteht oder zerbricht, wenn Interessen kollidieren, und wie man mit Unsicherheit, Risiko und Verführung umgeht. Zugleich ermöglicht sie einen historischen Blick auf Gewalt und Ausbeutung im Kontext von Handel und Seefahrt und lädt zu kritischer Lektüre ein. Dabei bleibt die Erzählung nicht moralisierend, sondern zeigt Handlungen und Folgen. Gerade diese Offenheit macht sie geeignet, ethische Fragen zu besprechen, ohne Antworten aufzudrängen, und stärkt das Urteilskrafttraining jenseits tagesaktueller Schlagworte.

Die Schatzinsel ist ein Klassiker, weil sie zeitlose Qualitäten bündelt: erzählerische Klarheit, atmosphärische Dichte, lebendige Figuren und ein unerschöpfliches Thema – die Bewährung des Charakters unter Druck. Ihre Welt ist konkret und doch mythisch, ihre Bilder sind prägnant und doch vieldeutig. Wer dieses Buch aufschlägt, tritt an Deck einer Geschichte, die Fahrt aufnimmt und Kurs hält, ohne das Staunen zu verlieren. Eine illustrierte Ausgabe kann diese Reise begleiten, nicht bestimmen. Sie lädt dazu ein, die Spuren im Sand selbst zu lesen und mit wachem Blick zu prüfen, wohin das Versprechen von Gold uns führt.

Synopsis

Inhaltsverzeichnis

Im Gasthof Admiral Benbow wächst der junge Jim Hawkins in eine Welt aus Geschichten über das Meer hinein, als ein verwitterter Seemann mit einer Truhe Unterkunft sucht. Die düstere Erscheinung, begleitet von geheimnisvollen Warnungen und der Furcht vor ehemaligen Gefährten, bringt Unruhe in den Alltag. Fremde tauchen auf, darunter ein blinder Bote, dessen Besuch bedrohliche Konsequenzen hat. Inmitten dieser Spannung stößt Jim auf Hinweise, die zu der berüchtigten Hinterlassenschaft des Piratenkapitäns Flint führen. Der Fund einer Karte und die Ahnung von großem Reichtum wecken gleichermaßen Hoffnung und Gefahr und legen den Grundstein für eine Reise, die Mut und Urteilsvermögen fordern wird.

Nach einem Überfall auf den Gasthof, der die Bedrohung greifbar macht, gelingt es Jim, wichtige Papiere sicherzustellen. Gemeinsam mit dem besonnenen Arzt Dr. Livesey und dem enthusiastischen Squire Trelawney erkennt er den möglichen Wert des Materials: eine Karte, die zu einem legendären Schatz weisen könnte. Rasch reift der Plan, eine Expedition auszurüsten. Während die Erwachsenen Verantwortung und Logistik übernehmen, spürt Jim zugleich Faszination und Unbehagen. Die Aussicht auf Ruhm, Abenteuer und finanziellen Gewinn steht neben dem Wissen, dass skrupellose Männer ebenfalls hinter der Beute her sein könnten. Der Entschluss fällt dennoch, und die Vorbereitungen richten sich auf den Hafen von Bristol.

In Bristol gelingt es Trelawney, ein Schiff auszurüsten: die Hispaniola. Mit Kapitän Smollett wird ein erfahrener, aber misstrauischer Seemann verpflichtet, der früh Zweifel am allzu offenkundigen Zweck der Reise anmeldet. Zugleich tritt Long John Silver auf, ein charismatischer, gewandter Gastwirt und einbeiniger Seemann, der als Schiffskoch angeheuert wird und scheinbar nützliche Kontakte in die Hafenwelt besitzt. Jim fühlt sich von Silvers Witz und Fürsorge angezogen, während Captain und Arzt vorsichtiger bleiben. Die Crew wird zusammengestellt, doch nicht jeder Name steht für Loyalität. Unter der Oberfläche bilden sich Netzwerke, die später über Vertrauen, Verrat und das Überleben der Unternehmung mitentscheiden könnten.

Die Überfahrt verläuft zunächst routiniert, doch Spannungen verdichten sich zwischen Offizieren und einigen Männern, deren Loyalitäten unklar bleiben. Durch Zufall belauscht Jim ein heimliches Gespräch, das Pläne einer Meuterei andeutet und eine Führungsfigur im Schatten erkennen lässt. Er vertraut sich den Verlässlichen an, und Kapitän Smollett beginnt, leise Gegenmaßnahmen zu treffen, ohne den Schein an Bord zu stören. Das Schiff wird so zu einem gefährlichen Schauplatz doppelter Spiele, in dem jedes Wort und jede Geste Gewicht erhält. Je näher die Hispaniola der Insel kommt, desto spürbarer wird die Frage, ob Disziplin, Wachsamkeit und Zusammenhalt der Besatzung standhalten.

Die Ankunft auf der Insel verändert die Dynamik schlagartig. Landgänge werden angesetzt, und verschiedene Gruppen lösen sich vom Schiff, scheinbar zu harmlosen Erkundungen. Tatsächlich verschieben sich Machtverhältnisse, und verdeckte Bündnisse treten an die Oberfläche. Jim, getrieben von Neugier und Eigeninitiative, wagt sich allein in das dichte Gelände und stößt auf Ben Gunn, einen zurückgelassenen Seemann mit eigener Vergangenheit in Flints Umkreis. Dessen Kenntnisse über die Insel und seine ambivalenten Motive versprechen Einfluss auf den weiteren Verlauf. Während an der Küste Entscheidungen fallen, entsteht im Innern der Insel ein stilles Bündnis, das Optionen eröffnet, aber auch neue Unsicherheiten mit sich bringt.

Offene Feindseligkeiten lassen nicht länger auf sich warten. Eine befestigte Stellung im Inselinnern wird zum Zufluchtsort für Jim und seine Verbündeten, während die Gegenseite versucht, mit Drohungen, Verhandlungsangeboten und symbolischen Gesten Druck aufzubauen. Die sogenannte schwarze Markierung zirkuliert als Werkzeug interner Disziplin und Einschüchterung. Es kommt zu Gefechten, deren Ausgang die Ressourcen beider Lager zehrt. Verletzungen, Mangel und die psychische Last der Belagerung setzen allen Beteiligten zu. Inmitten dieser belastenden Lage muss Jim lernen, Impulse zu zügeln, Verantwortung zu übernehmen und zwischen persönlichem Mut und Rücksicht auf das Kollektiv abzuwägen.

In einem kühnen Schritt verlässt Jim erneut die relative Sicherheit und richtet seinen Blick auf die Hispaniola, die als strategischer Dreh- und Angelpunkt über Sieg oder Niederlage entscheiden könnte. Mit einfachsten Mitteln manövriert er sich heimlich auf See und gerät in eine lebensgefährliche Auseinandersetzung mit einem abgebrühten Matrosen. Das Schiff wird zum klaustrophobischen Schauplatz, auf dem List, Geistesgegenwart und körperliche Ausdauer über das nächste Kapitel bestimmen. Hier kristallisiert sich Jims Entwicklung vom Beobachter zum Handelnden: Er trifft Entscheidungen unter Zeitdruck, erlebt die Konsequenzen hautnah und gewinnt Erkenntnisse, die über reinen Wagemut hinausgehen.

Zurück an Land ringen die Parteien um die Deutung der Karte, die Tücken des Geländes und die Schatten der Vergangenheit, die der Name Flint wirft. Der Weg zum vermeintlichen Ziel ist von Rätseln, falschen Fährten und schwindender Geduld geprägt. Verhandlungen wechseln mit Drohgebärden, und Loyalitäten verschieben sich in Momenten der Gelegenheit. Eine Lösung zeichnet sich weniger durch rohe Gewalt als durch taktisches Kalkül, Ortskenntnis und psychologische Manöver ab. Unerwartete Wendungen bestimmen die Suche, deren Ergebnis die Beziehungen unter den Überlebenden dauerhaft prägen wird, ohne dass alle Hoffnungen erfüllt oder alle Rechnungen vollständig beglichen werden.

Die Schatzinsel erweist sich als Erzählung über Erwachsenwerden, Verantwortung und die Doppelgesichtigkeit menschlicher Motive. Jim Hawkins’ Weg führt von jugendlicher Faszination zu reflektiertem Handeln; Autoritätsfiguren zeigen Stärke, aber auch Grenzen. Long John Silver verkörpert die Verlockung des Pragmatismus, in dem Loyalität verhandelbar erscheint. Gier, Angst und Kameradschaft stehen einander gegenüber und machen deutlich, dass Entscheidungen selten eindeutig sind. Über die Abenteuerhandlung hinaus prägt das Buch das Bild des Piraten in der Kultur: Karte, Totenkopf, schwarze Markierung, der Ruf nach Freiheit und seine Kosten. Die bleibende Bedeutung liegt im Zusammenspiel von Spannung, Charakterzeichnung und moralischer Ambivalenz.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

Die Schatzinsel entfaltet ihre Handlung in einem historischen Rahmen, der an das frühe 18. Jahrhundert erinnert: die Welt des Segelzeitalters, des atlantischen Handels und der kolonialen Ambitionen. England, besonders Häfen wie Bristol, fungiert als Drehscheibe für Waren, Informationen und Seefahrer. Dominante Institutionen sind die Admiralität, die Royal Navy und ein expandierender Kaufmannsstand, der über Versicherungen, Reedereien und Handelskammern vernetzt agiert. In dieser Ordnung stehen maritime Disziplin, Handelsinteressen und staatliche Gewalt nebeneinander. Das Setting umfasst zugleich ländliche Gasthäuser, geschäftige Hafenviertel und eine abgelegene Inselwelt, in der Imperium und Gesetz nur schwach greifen und individuelle Entscheidungen existenziell werden.

Der Roman spiegelt Erfahrungen aus der sogenannten Blütezeit der Piraterie zwischen etwa 1650 und 1730. In dieser Phase nutzten Freibeuter und Piraten die Rivalitäten europäischer Mächte und die weiten, schwer kontrollierbaren Seewege. Spätere Repressionen durch koordinierte Marineeinsätze, härtere Gesetze und internationale Kooperation ließen Piraterie abnehmen, doch das Nachleben der Legenden blieb. Stevenson greift diese Übergangszeit auf: Der Mythos des vergrabenen Schatzes, verschlüsselter Karten und charismatischer Bukanier verdichtet reale Praktiken von Gewalt, Beuteteilung und Unabhängigkeit zu literarischen Motiven, die den Rückzug der Piraterie vor moderner Staatlichkeit kommentieren.

Eng verknüpft ist die Tradition des Kaperwesens. Mit staatlichen Kaperbriefen agierten private Schiffe in Kriegszeiten als Hilfsmarine, was rechtliche Grauzonen zwischen legitimierter Gewalt und krimineller Beutefahrt schuf. Nach Kriegen wurden ehemalige Kaperfahrer oft zu Schmugglern oder Piraten. Handelshäuser in Häfen wie Bristol profitierten gleichzeitig von legalen und halblegalen Netzwerken. Die Schatzinsel greift diese Ambivalenzen indirekt auf, indem sie Akteure zeigt, deren Loyalität zwischen Lohn, Beute und Gesetz schwankt. Damit spiegelt der Text ökonomische Realitäten einer Epoche, in der internationale Konflikte, Profitstreben und Seeherrschaft eng miteinander verschränkt waren.

Technologisch stand die Schifffahrt in einem Wandel. Segeltechnik, verbesserte Rumpfformen und standardisierte Takelage machten Atlantikreisen planbarer. Navigationsinstrumente wie Kompass und Sextant sowie Methoden zur Breitenbestimmung gehörten zur Praxis; die präzise Längenermittlung gelang im 18. Jahrhundert zunehmend durch Chronometer. Zwar bleibt Stevensons Darstellung populär und atmosphärisch, doch die Abhängigkeit von Karten, Kursen und Strömungen bildet eine historische Realität ab. Diese Technikgeschichte bildet den Hintergrund für Risiko, Planung und Zufall, die den Plot strukturieren: Eine gezeichnete Karte, unklare Landmarken und die Kunst, Entfernungen zu „lesen“, entscheiden über Erfolg und Scheitern.

Mit der Technik verbunden sind Arbeits- und Herrschaftsformen an Bord. Die strenge Hierarchie der Handels- und Kriegsschifffahrt, Wachdienste, Rationen und Körperstrafen prägten das Leben der Seeleute. Dem gegenüber standen bei Piraten historisch belegte „Artikel“, die Beuteanteile, Abstimmungen und rudimentäre Absicherung bei Verletzungen regelten. Stevenson spiegelt diesen Kontrast, indem er Disziplin und Rebellion, Lohn und Beute, Befehl und Aushandlung gegeneinanderstellt. Das erzeugt nicht nur Spannung, sondern macht soziale Modelle sichtbar, die auf See um Legitimität ringen. So wird das Schiff zum Laboratorium konkurrierender Ordnungen zwischen autoritärem Kommando und egalitären Versprechen.

Parallel zur Seefahrt verläuft die Geschichte der Seerechtsdurchsetzung. Piraterie galt als „Feindschaft gegen die Menschheit“ und konnte vor Admiralitätsgerichten geahndet werden, oftmals mit öffentlicher Abschreckung. Gleichzeitig florierten entlang der Küsten Schmuggelnetze, besonders in Teilen Südwestenglands, wo entlegene Buchten und lokale Ökonomien stille Unterstützung boten. Der Roman evoziert solche Milieus, in denen Gerüchte, Spitzel, geheime Verstecke und rasche Gewalt Alltagswissen sind. Diese Ambivalenz zwischen Gesetz und Lebenswirklichkeit des Küstenraums verleiht der Geschichte historische Plausibilität, ohne dokumentarisch zu sein.

Die Entstehung von Die Schatzinsel fällt in die späten viktorianischen Jahrzehnte, eine Blütezeit der Kinder- und Jugendliteratur. Bildungsreformen ab den 1870er Jahren steigerten die Alphabetisierung, und preisgünstige Wochenzeitschriften erreichten eine breite Leserschaft. 1881–1882 erschien der Text zunächst fortlaufend in einem Jugendmagazin, unter einem Pseudonym, bevor 1883 die Buchausgabe folgte. Dieses Publikationsmodell – Vorabdruck mit Illustrationen, danach preiswerte Buchausgabe – entsprach den Praktiken eines expandierenden Markts. Die ökonomische Infrastruktur des Druckwesens war so direkt an der Form beteiligt, in der das Abenteuer erstmals verbreitet wurde.

Robert Louis Stevenson (1850–1894), in Edinburgh geboren, entstammte einem bürgerlichen Milieu und war mit technischen, juristischen und literarischen Diskursen seiner Zeit vertraut. Seine fragile Gesundheit prägte ein Leben des Reisens und konzentrierten Arbeitens. 1881 begann er die Schatzinsel, angeregt durch eine Karte, die er für seinen Stiefsohn zeichnete; darüber berichtete er später in einem Essay zur Entstehung des Buches. Das heimische Erzählen und das gemeinsame Planen der Karte verankern das Werk in einem familiären, pädagogischen Kontext, der sich von dort in die öffentliche Sphäre der Magazine und Verlage verlängerte.

Literarisch reagiert Stevenson auf ältere Abenteuertraditionen. Daniel Defoes nüchterner Realismus, die Rätsel- und Schatzmotive bei Edgar Allan Poe sowie moralische Inselliteratur des 19. Jahrhunderts bilden Folien, gegen die Stevenson seine Mischung aus Action, Charakterzeichnung und Atmosphäre schärft. Dadurch verbindet der Roman nüchterne Details von Ausrüstung, Verpflegung und Navigation mit romantischer Verklärung und psychologischer Ambivalenz. Diese Synthese entspricht dem viktorianischen Bedürfnis nach Unterhaltung mit erzieherischem Mehrwert – ein Spannungsfeld, das den Erfolg des Buches und seinen nachhaltigen Einfluss auf das Abenteuer- und Piratenmotiv mit erklärt.

Die Geschichte der illustrierten Ausgaben ist zentral für die kulturelle Wirkung. Bereits in periodischer Publikation begleiteten Holzstiche den Text. Besondere Prägekraft erhielten später großformatige Bildzyklen, allen voran die 1911 erschienenen Gemälde von N. C. Wyeth, die die visuelle Ikonographie des Piraten – Dreispitz, Pistolen, Papagei, Sturmlicht – nachhaltig festigten. Illustrationen boten nicht nur Dekor, sondern interpretierten Szenen, betonten moralische Kontraste und schufen Wiedererkennung. So trugen illustrierte Ausgaben wesentlich dazu bei, wie spätere Generationen Figuren, Kleidung und Landschaften des Romans imaginierten und das Genre insgesamt sahen.

Diese Bildmacht stützte sich auf technische Innovationen. Dampfgetriebene Schnellpressen, verbesserte Holzstichverfahren, später Halbtonreproduktionen und farbige Drucke machten aufwendige Bildbeigaben erschwinglicher. Eisenbahnnetze und Buchhandelslogistik verbreiteten Serienhefte landesweit. Gleichzeitig erleichterten billige Papiere und standardisierte Formate den Export in andere Sprachräume. In dieser Medienökonomie war die Schatzinsel mehr als Text: Karte, Typografie, Vignetten und Bildtafeln bildeten ein Gesamtpaket. Die populäre Chiffre „X markiert den Punkt“ verdichtete das Zusammenspiel von Druck, Symbol und Erzählung und wurde zum Gattungszeichen weit über den Roman hinaus.

Ökonomisch schwingt die Geschichte des atlantischen Handels mit, in dem Zucker, Rum, Tabak, Metalle und Textilien zirkulierten. Der Reichtum, um den es bei Schätzen geht, entstand häufig aus kolonialen Ausbeutungsstrukturen, insbesondere der Sklaverei in der Karibik. Der Roman thematisiert dies nicht direkt, aber er bewegt sich in einer Welt, deren Profitlogiken ohne diese Hintergründe kaum denkbar sind. Rum als Motiv, Hafenökonomien und das Streben nach schneller Beute verweisen auf Warenketten, die Gewalt und Konsum verbanden. So spiegelt das Werk die materiellen Bedingungen seiner historischen Bühne, während es den moralischen Preis nur implizit anklingen lässt.

Im Sinne viktorianischer Moralvorstellungen stellt der Text Autorität, Pflichtgefühl und Selbstdisziplin heraus, ohne auf eindimensionale Figuren zu setzen. Der Arzt, der Squire und andere respektierte Personen verkörpern bürgerliche Tugenden sowie paternalistische Führung. Gleichzeitig fasziniert die Figur des gewitzten Gegenspielers, die unternehmerische Energie, Eloquenz und Anpassungsfähigkeit demonstriert. Diese Ambivalenz knüpft an zeitgenössische Debatten über Arbeitsethos, Klassenmobilität und den Preis des Erfolgs an. Indem Loyalitäten ständig neu verhandelt werden, verhandelt der Roman auch die Frage, ob gesellschaftlicher Aufstieg auf Ehrbarkeit oder auf Gelegenheitsnutzung beruht.

Körperliche Versehrtheit und medizinische Praxis sind weitere historische Resonanzräume. Verletzungen, Amputationen und improvisierte Versorgung gehörten zum maritimen Alltag des 18. Jahrhunderts, geprägt von Kriegen, Unfällen und begrenzten Heilmitteln. Der Schiffsarzt als moralische und fachliche Instanz entspricht einer Aufwertung medizinischer Autorität im 19. Jahrhundert, in dem öffentliche Gesundheit und Chirurgie Fortschritte machten. Gleichzeitig symbolisiert der versehrte Seemann die Kosten von Gewalt und Arbeit. Die bildmächtige Figur mit Holzbein – in Illustrationen häufig akzentuiert – verbindet historische Realität mit theatraleffekt und dient der Reflexion über Körper, Robustheit und Abhängigkeit.

National und imperial gelesen, verknüpft die Schatzinsel die See mit britischer Identität. Der Ozean erscheint als Raum von Handel, Mission, Gefahr und Ruhm – ein Schlachtfeld der Charakterbildung. Zugleich markieren die Randzonen des Imperiums Orte, an denen die Herrschaftsordnung brüchig wird und private Interessen dominieren. Der Roman bekräftigt damit einerseits das Ideal kompetenter, rechtschaffener Führung; andererseits zeigt er die Anziehungskraft des Regelbruchs. Diese Doppelbewegung erlaubt es, imperiale Selbstbilder zu bestätigen und zugleich die Voraussetzungen von Macht – Gewaltmonopol, Information und Loyalität – kritisch fühlbar zu machen.

Der unmittelbare Publikumserfolg führte zu Neuauflagen, Übersetzungen und baldigen Bühnen- sowie späteren Filmadaptionen. Jede neue Ausgabe – insbesondere reich bebilderte – verschob Akzente: Mal rückte der psychologische Konflikt in den Vordergrund, mal das Panorama des Seeabenteuers. Illustrierte Ausgaben machten das Werk für jüngere Lesende zugänglicher, festigten ikonische Szenen und boten Kunstschaffenden Interpretationsräume. So entstand ein Wechselspiel, in dem Text und Bild sich gegenseitig kanonisierten. Der Roman wurde dadurch Referenzpunkt eines Genres, dessen visuelle Standards er maßgeblich prägte und aus dem sich spätere Piratenbilder speisten.

Insgesamt entsteht ein vielschichtiger Kommentar zur Moderne. Das Buch blickt aus einer industriell und imperial geprägten Gegenwart zurück auf die Welt der Segel und der loseren Bindungen. Es feiert Entschlusskraft, Kenntnis und Mut, kritisiert jedoch Gier, Vertrauensbruch und Gewalttätigkeit. Die Karte bündelt Rationalität und Verheißung; die Reise erprobt, wie weit Planung gegen Zufall und Intrige trägt. Illustrierte Ausgaben verstärken diese Dialektik, indem sie Ordnung und Gefahr sichtbar machen. So wird die Schatzinsel zum Spiegel historischer Umbrüche – zwischen Gesetz und Freibeuterei, Technik und Mythos, bürgerlicher Moral und verführerischer Anomie.

Autorenbiografie

Inhaltsverzeichnis

Robert Louis Stevenson (1850–1894) war ein schottischer Schriftsteller der viktorianischen Epoche, bekannt als Romancier, Lyriker, Essayist und Reiseschriftsteller. Weltweit prägte er das Abenteuer- und Spannungsgenre ebenso wie psychologisch ausgerichtete Kurzprosa. Seine klare, rhythmische Prosa, die ökonomische Komposition und eine Fantasie, die von Landschaft und Bewegung lebt, machten ihn zu einer prägenden Stimme. Wiederkehrende Themen sind Identität, Moral, Loyalität und Freiheit. Werke wie Treasure Island oder Strange Case of Dr Jekyll and Mr Hyde erzielten früh internationale Resonanz. Bis heute stehen sie für eine Verbindung von Lesefreude, stilistischer Disziplin und nachhallender Symbolkraft.

Stevenson studierte an der University of Edinburgh zunächst Ingenieurwissenschaften und wechselte dann zur Rechtswissenschaft; er wurde zur schottischen Anwaltschaft zugelassen, praktizierte jedoch kaum, da ihn das Schreiben mehr band. Literarisch prägten ihn die romantische und abenteuerliche Tradition, schottische Geschichte und Balladen sowie intensives Lesen französischer und englischer Prosa. In Essays artikulierte er sein Verständnis von Erzählhandwerk, etwa in A Gossip on Romance und On Some Technical Elements of Style in Literature. Er beteiligte sich an zeitgenössischen Debatten über Fiktion, plädierte für Komposition, Rhythmus und Perspektive und verband Poetik mit praktischer, publizistischer Übung.

Sein Frühwerk ist eng mit dem Reisen verknüpft. An Inland Voyage schildert eine Bootsfahrt durch Belgien und Frankreich; Travels with a Donkey in the Cévennes berichtet von einer Wanderung durch die Cevennen. Virginibus Puerisque bündelt Essays zu Kultur, Stil und Lebenskunst; The Silverado Squatters verarbeitet Erfahrungen in Kalifornien. Diese Texte verbinden genaue Beobachtung, ironische Gelassenheit und Interesse an sozialen Milieus und Sprachen. Sie erprobten eine Stimme, die später die Romane tragen sollte. Wiederkehrend sind Beweglichkeit, Landschaft als Charakter und eine Ethik des Abenteuers, die Erkundung als intellektuelle Praxis nachhaltig versteht.

Den Durchbruch erzielte Stevenson mit Treasure Island, zunächst seriell veröffentlicht, einem Muster für das moderne Seeabenteuer. Zugleich experimentierte er mit urbanen, teils detektivischen Erzählformen in New Arabian Nights. Mit Kidnapped wandte er sich der schottischen Geschichte zu und verknüpfte Flucht-, Reise- und Entwicklungsroman. The Black Arrow zeigte seine Beherrschung des historischen Abenteuers. In diesen Werken treten Motive wie Treue, Verrat, wechselnde Loyalitäten und die Bewährungsprobe in Grenzlagen hervor; die Prosa setzt auf Tempo, Bildkraft und ökonomischen Dialog, getragen von prägnanten Szenenfolgen und einer sicheren, musikalischen Erzählstimme. Auch seine Kurzprosa gewann dadurch an Profil und Reichweite.

Mit Strange Case of Dr Jekyll and Mr Hyde schrieb Stevenson eine knappe, spannungsreiche Studie über Doppelgänger, Schuld und gesellschaftliche Masken; das Buch löste anhaltende Debatten über Moralpsychologie und Moderne aus. Reifere historische und psychologische Interessen vertiefte er in The Master of Ballantrae und in der Fortsetzung von Kidnapped, Catriona. Seine Lyrik, vor allem A Child's Garden of Verses, zeigte eine eigene Sensibilität für Stimme und Erinnerung. Technik und Formtreue unterstützte er durch programmatische Essays; dabei verteidigte er Handlung, Komposition und Lesefreude als legitime künstlerische Ziele und betonte Disziplin im Stil.

Dauernde gesundheitliche Belastungen förderten weiträumige Reisen, die schließlich zu einem Wohnsitz im samoanischen Pazifik führten. Dort schrieb Stevenson politische und historische Prosa wie A Footnote to History: Eight Years of Trouble in Samoa, Reise- und Kulturstudien wie In the South Seas, sowie Erzählungen, darunter The Beach of Falesá. Er arbeitete auch kollaborativ, etwa an The Wrong Box und The Ebb-Tide. Sein öffentliches Engagement verband Beobachtung kolonialer Machtverhältnisse mit Sympathie für lokale Perspektiven, ohne die eigenen literarischen Mittel preiszugeben; das Leitmotiv des moralischen Konflikts blieb struktur- und figurbildend. Zeitgenössische Leserinnen und Leser nahmen diese Arbeiten als kühn und streitbar wahr.

In den späten Jahren entstanden anspruchsvolle, teils unvollendete Projekte wie Weir of Hermiston und St. Ives. Stevenson starb 1894 in seinem Haus auf Samoa; sein Grab auf dem Mount Vaea wurde zu einem Erinnerungsort. Sein Nachruhm gründet auf erzählerischer Ökonomie, der Fähigkeit, Abenteuer mit Charakterstudien zu verbinden, und auf Figuren, die kulturelle Dauerpräsenz erlangten. Forschung, Editionen und Übersetzungen halten das Werk lebendig; Adaptionen in Bühne, Film und Hörspiel erreichen neue Leserschaften. In der heutigen Rezeption gilt er als Brückenautor zwischen populärer Erzählkunst und literarischer Moderne, mit anhaltender Wirkung auf Genre und Stil.

Die Schatzinsel (Illustrierte Ausgabe)

Hauptinhaltsverzeichnis
Die Schatzkarte
I Der alte Freibeuter
Erstes Kapitel Der alte Seehund im »Admiral Benbow«
Zweites Kapitel Der Schwarze Hund erscheint und verschwindet wieder
Drittes Kapitel Der schwarze Fleck
Viertes Kapitel Die Schifferkiste
Fünftes Kapitel Der Tod des Blinden
Sechstes Kapitel Des Kapteins Papiere
II Der Schiffskoch
Siebentes Kapitel Ich gehe nach Bristol
Achtes Kapitel Die Wirtschaft ›Zum Fernrohr‹
Neuntes Kapitel Pulver und Waffen
Zehntes Kapitel Die Seefahrt
Elftes Kapitel Was ich in der Apfeltonne hörte
Zwölftes Kapitel Kriegsrat
III Mein Abenteuer an Land
Dreizehntes Kapitel Der Anfang meines Landabenteuers
Vierzehntes Kapitel Der erste Schlag
Fünfzehntes Kapitel Der Inselmann
Sechzehntes Kapitel Der Doktor setzt die Erzählung fort: Wie das Schiff aufgegeben wurde
Siebzehntes Kapitel Fortsetzung der Erzählung des Doktors: Die letzte Fahrt der Jolle
Achtzehntes Kapitel Fortsetzung der Erzählung des Doktors: Der Ausgang des Gefechtes am ersten Tage
Neunzehntes Kapitel Jim Hawkins nimmt die Erzählung wieder auf: Die Garnison im Pfahlwerk
Zwanzigstes Kapitel Silver als Parlamentär
Einundzwanzigstes Kapitel Der Angriff
Zweiundzwanzigstes Kapitel Der Beginn meines Seeabenteuers
Dreiundzwanzigstes Kapitel Die Ebbströmung
Vierundzwanzigstes Kapitel Die Irrfahrt des Korakels
Fünfundzwanzigstes Kapitel Ich hole den Jolly Roger herunter
Sechsundzwanzigstes Kapitel Israel Hands
Siebenundzwanzigstes Kapitel »Piaster!«
Achtundzwanzigstes Kapitel Im feindlichen Lager
Neunundzwanzigstes Kapitel Noch einmal der schwarze Fleck
Dreißigstes Kapitel Auf mein Ehrenwort
Einunddreißigstes Kapitel Die Schatzsuche; Flints Wegweiser
Zweiunddreißigstes Kapitel Die Schatzsuche; die Stimme in den Bäumen
Dreiunddreißigstes Kapitel Der Sturz eines Piratenhäuptlings
Vierunddreißigstes Kapitel Schluß

Die Schatzkarte

Inhaltsverzeichnis

I Der alte Freibeuter

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Erstes Kapitel Der alte Seehund im »Admiral Benbow«

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Gutsherr Trelawney, Dr. Livesey und die übrigen Herren haben mich gebeten, unsere Fahrt nach der Schatzinsel vom Anfang bis zum Ende zu beschreiben, und dabei nichts zu verschweigen als die genaue Lage der Insel, und zwar auch dies nur deshalb, weil noch jetzt ungehobene Schätze dort vorhanden sind. So ergreife ich die Feder in diesem Jahre des Heils 17.. und versetze mich zurück in die Zeit, als mein Vater den Gasthof zum »Admiral Benbow« hielt, und als der braungebrannte alte Seemann mit der Säbelnarbe im Gesicht zuerst unter unserem Dache Wohnung nahm.

Ich erinnere mich, wie wenn es gestern gewesen wäre, des Mannes: wie er in die Tür unseres Hauses hereinkam, während seine Schifferkiste ihm auf einem Schiebkarren nachgefahren wurde – ein großer, starker, schwerer, nußbrauner Mann; sein teeriger Zopf hing ihm im Nacken über seinen fleckigen blauen Rock herunter; seine Hände waren schwielig und rissig mit abgebrochenen, schwarzen Fingernägeln, und der Säbelschmiß, der sich über die eine Wange hinzog, war von schmutzig-weißer Farbe. Er sah sich im Schenkzimmer um und pfiff dabei vor sich hin, und dann stimmte er das alte Schifferlied an, das er später so oft sang:

Fünfzehn Mann bei des Toten Kist’ –[1q] Johoho, und ‘ne Buddel, Buddel Rum!

in der zitterigen, hohen Stimme, die so klang, wie wenn eine Ankerwinde gedreht würde. Dann schlug er mit einem Knüppel, so dick wie eine Handspeiche, gegen die Tür, und als mein Vater erschien, verlangte er barsch ein Glas Rum. Als dieses ihm gebracht worden war, trank er es langsam aus, wie ein Kenner, mit der Zunge den Geschmack nachprüfend, und dabei sah er sich durch das Fenster die Strandklippen und unser Wirtsschild an. Schließlich sagte er:

»Das ist ‘ne nette Bucht und ‘ne angenehm gelegene Grogkneipe. Viel Gesellschaft, Maat?«

Mein Vater sagte ihm, Gesellschaft käme leider nur sehr wenig.

»So? Na, dann ist das die richtige Stelle für mich. Heda, Ihr, mein Mann!« rief er dem Mann zu, der den Handkarren schob: »Ladet mal meine Kiste ab und bringt sie nach oben! Hier will ich ein bißchen bleiben! Ich bin ein einfacher Mann – Rum und Speck und Eier, weiter brauche ich nichts; und außerdem die Klippe da draußen, um die Schiffe zu beobachten. Wie Sie mich nennen könnten? Kaptein können Sie mich nennen. Ach so – ich sehe schon, worauf Sie hinauswollen – da!« und er warf drei oder vier Goldstücke auf den Tisch. »Wenn ich das verzehrt habe, können Sie mir Bescheid sagen!« rief er, und dabei sah er so stolz aus wie ein Admiral.

Und in der Tat – so schlecht seine Kleider waren und so gemein seine Sprechweise, er sah durchaus nicht wie ein Mann aus, der vor dem Mast fuhr, sondern war offenbar ein Steuermann oder ein Schiffer, der gewohnt war, daß man ihm gehorchte, oder sonst gab’s Prügel. Der Mann, der den Schiebkarren gefahren hatte, sagte uns, die Postkutsche hätte ihn am Tag vorher am Royal George[1] abgesetzt; er hätte sich erkundigt, was für Gasthöfe an der Küste wären, und als er gehört hätte, daß man unser Haus lobte, – und besonders, so vermute ich wenigstens, als man es ihm als einsam gelegen beschrieb – hätte er beschlossen, bei uns Aufenthalt zu nehmen. Und das war alles, was wir über unseren Gast erfahren konnten.

Er war ein schweigsamer Mann. Den ganzen Tag lungerte er an der Bucht oder auf den Klippen herum und sah durch sein Messingfernrohr über See und Strand; den ganzen Abend aber saß er in einer Ecke der Schenkstube ganz dicht am Feuer und trank Rum und Wasser, und zwar eine sehr steife Mischung. Wenn jemand ihn anredete, antwortete er für gewöhnlich nicht, sondern sah nur plötzlich mit einem wütenden Blick auf und blies durch seine Nase wie durch ein Nebelhorn; und wir und unsere Besucher merkten bald, daß man ihn dann in Ruhe lassen mußte. Jeden Tag, wenn er von seinen Gängen zurückkam, fragte er, ob Seeleute auf der Landstraße vorübergekommen wären. Anfangs dachten wir, er fragte, weil er sich nach Gesellschaft von Kameraden sehnte; schließlich aber merkten wir, daß er im Gegenteil es zu vermeiden wünschte. Wenn ein Seemann im »Admiral Benbow« einkehrte – wie es ab und zu geschah, wenn Leute auf der Küstenstraße nach Bristol gingen – so sah er sich ihn durch das verhängte Fensterchen in der Tür an, bevor er die Schenkstube betrat; und wenn solch ein Seemann anwesend war, verhielt er sich immer mäuschenstille. Vor mir suchte er auch kein Geheimnis aus der Sache zu machen, sondern er beteiligte mich im Gegenteil gewissermaßen an seiner Unruhe. Er hatte mich nämlich eines Tages beiseite genommen und mir versprochen: er wollte mir am Ersten jeden Monats ein silbernes Vier-Penny-Stück geben, wenn ich bloß »mein Wetterauge offen halten wollte nach einem Seemann mit nur einem Bein«, und wenn ich ihm, sobald der auftauchte, augenblicklich Bescheid geben wollte. Wenn nun der Monatserste da war und ich meinen Lohn von ihm verlangte, dann kam es oft genug vor, daß er nur durch die Nase blies und mich mit einem wütenden Blick ansah; aber bevor die Woche zu Ende war, hatte er es sich jedesmal besser überlegt: er brachte mir das Vier-Penny-Stück und wiederholte seinen Befehl, »nach dem Seemann mit dem einen Bein Ausguck zu halten«.

Wie dieser Seemann mich in meinen Träumen verfolgte, brauche ich kaum zu sagen. In stürmischen Nächten, wenn der Wind die vier Ecken unseres Hauses schüttelte und die Brandung in der Bucht gegen die Klippen donnerte, sah ich ihn in tausend Gestalten und mit tausend teuflischen Gesichtern. Bald war das Bein am Knie abgenommen, bald dicht an der Hüfte; dann wieder war er ein ungeheuerliches Geschöpf, das immer nur ein einziges Bein gehabt hatte, und zwar mitten unter dem Rumpf. Ihn zu sehen, wie er sprang und lief und mich über Gräben und Hecken verfolgte, das war für mich der fürchterlichste Nachtmahr. So mußte ich eigentlich mein monatliches Vier-Penny-Stück recht teuer bezahlen, denn ich bekam dafür diese gräßlichen Traumgesichte in den Kauf.

Wenn ich vor dem einbeinigen Seemann eine schreckliche Angst hatte, so hatte ich dafür vor dem Kaptein selber weniger Furcht als andere, die ihn kannten. An manchen Abenden nahm er mehr Rum und Wasser zu sich, als sein Kopf vertragen konnte; dann saß er zuweilen, ohne sich um irgendeinen Menschen zu bekümmern, und sang seine ruchlosen alten wilden Schifferlieder; zuweilen aber bestellte er Runden und zwang die ganze zitternde Gesellschaft, seine Geschichten anzuhören oder als Chor in seine Lieder einzufallen. Oft zitterte das Haus von dem »Johoho, und ‘ne Buddel, Buddel Rum«; alle Nachbarn stimmten aus voller Kehle ein, mit einer Todesangst im Leibe, und einer sang noch lauter als der andere, damit nur der Kaptein keine Bemerkungen machte. Denn wenn er diese Anfälle hatte, war er der ungemütlichste Gesellschafter von der Welt; dann schlug er mit der Faust auf den Tisch und gebot Ruhe; wenn irgendeine Zwischenfrage gestellt wurde, regte er sich fürchterlich auf – manchmal aber noch mehr, wenn keine Frage gestellt wurde, weil er dann glaubte, die Gesellschaft hörte nicht auf seine Geschichte. An solchen Abenden durfte keiner die Schenkstube verlassen, bis er selber vom Trinken schläfrig geworden war und ins Bett taumelte.