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Eine große, dramatische Liebesgeschichte vor der Kulisse eines der prachtvollsten Opernhäuser Europas - der Mailänder Scala! Mailand und Wien in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts: Kaiserin Maria Theresia von Habsburg beauftragt den Bau der Mailänder Scala, um die aufkeimenden Unruhen in der Lombardei zu besänftigen. Hier beginnt die romantische und dramatische Liebesgeschichte zwischen dem Bauarbeiter Marcello, der mit seiner großartigen Stimme zum umjubelten Star der Premierenaufführung aufsteigt, und Tiziana, der schönen Tochter des Bauherrn Guiseppe Piermarini. Lange muss das Paar seine nicht standesgemäße Liebe geheim halten. Bis Marcello bei einem Attentat gegen Prinz Ferdinand fälschlicherweise mit den lombardischen Separatisten in Verbindung gebracht wird. Ihm droht der Galgen …
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Seitenzahl: 510
Veröffentlichungsjahr: 2014
Edel eBooks
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eISBN 978-3-95530-517-8
Der Vorhang fiel. Einen Moment lang herrschte Stille. Absolute Stille.
„Bravo, bravissimo!“, schrie plötzlich eine enthusiastische Männerstimme. Stürmischer Applaus brach los, Dutzende von Blumenbouquets wurden auf die Bühne geworfen. Die Stimmung in dieser Karnevalsnacht war fröhlich und ausgelassen. Es dauerte lange, bis der Beifall für die Oper La Merope von Tommaso Traetta nach und nach verebbte und sich die Sänger und Sängerinnen hinter die Kulissen zurückziehen durften.
Nur allmählich verließen die adligen und gut betuchten Zuhörer ihre Plätze im Parkett und in den Logen. Sie drängten aus dem mit zahlreichen Kandelabern hell erleuchteten Saal in die Foyers, während das einfache Publikum in den oberen Rängen über die Außentreppen direkt ins Freie strebte.
Auch Marcello, ein auffallend großer, schlanker junger Mann, hatte schüchtern hinter einer der Säulen im vierten Rang wie verzaubert der Oper gelauscht. Unschlüssig stand er da und wusste nicht, ob er ebenfalls gehen oder noch etwas bleiben sollte. Zögernd trat er an die Balustrade und blickte eine Weile fasziniert auf die große Bühne hinunter, bevor auch er sich einen Ruck gab und die Galerie verließ.
Unterdessen begannen die Musiker ihre Instrumente einzupacken und die Dienerschaft war den letzten Gästen beim Verlassen des Saales behilflich. Geschickt rückten sie Stühle und Fauteuils zur Seite, machten auf Treppenstufen aufmerksam und wurden dafür mit ein paar Münzen belohnt.
Im Hauptfoyer versammelte sich, wer in Mailand Rang und Namen hatte. Das schrille Lachen einer stadtbekannten Mätresse ließ einige der männlichen Köpfe interessiert aufblicken. Manche Zuschauer, die nicht erkannt werden wollten, verbargen ihre Gesichter hinter weißen oder goldenen Wachsmasken.
Als die hohen Türen des Theaters zur Piazza geöffnet wurden, drang ein für die Jahreszeit ungewöhnlich warmer Luftstrom ins Innere des Gebäudes. Die Kerzen flackerten und warfen verzerrte Schatten an die Wände.
Ein Diener eilte noch einmal die Stufen hinauf. Er suchte nach dem Elfenbeinstock seines Herrn, des Grafen Castello.
In einem Korso fuhren die Kutscher vor, um ihre Herrschaften zu den großen Palazzi zu bringen, in denen das Karnevalstreiben erst richtig beginnen sollte.
Mitten in der Nacht stand das Opernhaus lichterloh in Flammen. Trotz aller Versuche, das Feuer zu löschen, brannte das ganz aus Holz erbaute Theater völlig nieder. Die wahre Ursache, die zu dem verheerenden Brand geführt hatte, blieb rätselhaft. Keine der zahlreichen Spuren, die von der Miliz untersucht worden waren, brachte Gewissheit. Auch wer der Leichnam war, den man bis zur Unkenntlichkeit verbrannt am Ort des Unglücks fand, konnte nicht geklärt werden.
Man hatte eigens den Pathologen des Mailänder Spitals zur Identifizierung der menschlichen Überreste herbeigerufen. Nach Abschluss seiner gründlichen Untersuchungen konnte er nur eines mit Sicherheit sagen: Das Opfer war eine junge Frau.
Wien, Schloss Schönbrunn, März 1776
„Au, Annerl, zum Donnerwetter noch mal, bist du narrisch g’worden? Wenn du es noch einmal wagen solltest, mein Schnürleiberl so fest anzuziehen, kannst du dich nach einer neuen Stellung umsehen, am besten gleich am Zarenhof in Sankt Petersburg.“
Freifrau Anna-Magdalena von Brodkasy, die langjährige Zofe und enge Vertraute der Kaiserin Maria Theresia von Österreich, verdrehte die Augen und ließ sich vom gequälten Stöhnen der Monarchin nicht weiter beeindrucken. Sie zerrte noch einmal mit aller Kraft an den Korsettschnüren. „Majestät, wollt Ihr heute etwa in Nachthemd und Morgenmantel zur Audienz? Wir haben kein einziges Kleid mehr, das passt. Erst vor zwei Wochen ist diese schwarze Robe am Rücken geweitet worden und heute bring ich’s schier nimmer zu.“
Schnaubend nahm Maria Theresia vor den prunkvollen goldenen Spiegeln des in changierenden Blautönen gehaltenen Boudoirs Platz und betrachtete sich kritisch im halb angekleideten Zustand. „Manchmal komme ich mir vor wie eine alte Linde. Die wachsen auch Jahr um Jahr in die Breite. Jedes meiner sechzehn Kinder hat einen mehr oder weniger großen Ring um mich herum hinterlassen.“ Während sie liebevoll über ihren runden Bauch streichelte, wandte sie sich finster dreinschauend zu ihrer Kammerzofe um und befahl: „Also gut, Annerl, du wirst die Köche verständigen, dass ich Schonkost zu essen wünsche, nichts Süßes, kein Gebäck – jedenfalls heute und morgen nicht. Außerdem wirst du den Hofschneider kommen lassen, damit er Maß nimmt und mir neue Kleider macht. Und im Übrigen kannst du mir eines glauben: Ich wollte keinen Tag mit so einem flachbrüstigen, schmalhüftigen Gerippe wie dir tauschen. Also weiter, irgendwie werden wir meine Fülle schon in diese Korsage zwängen.“ Die Kaiserin holte tief Luft und Freifrau von Brodkasy schnürte mit geübten Fingern das Korsett so eng wie nur möglich zu.
Maria Theresia nutzte die tägliche Morgentoilette, um sich auf die Aufgaben des vor ihr liegenden Tages vorzubereiten.
„Annerl, es ist eine Nachricht aus der Lombardei angekommen, die mich wirklich mit Sorge erfüllt. Stell dir vor, den Mailändern ist vor drei Wochen ihre Oper abgebrannt. Meine Spitzel haben mir Ungutes berichtet. Bei dem Feuer soll es sich unter Umständen um Brandstiftung gehandelt haben. Wie mir zu Ohren kam, gibt es in der Stadt immer mehr erregte Gemüter, um es freundlich auszudrücken. Was ich jetzt am wenigsten brauchen kann, sind Unruhen in der Lombardei!“
Während die Kammerzofe begann, mit einem feuchten, parfümierten Lappen die dicken, schwabbeligen, bleichen Oberarme Maria Theresias abzureiben, fuhr die Kaiserin fort: „Jetzt wollen diese musikfanatischen Südländer sofort einen neuen Musentempel! Anscheinend können sie nicht ohne ihre übliche Zerstreuung auskommen. Lächerlich! Meine Begeisterung für die Oper und vor allem für ihr weibliches Personal hält sich, wie du weißt, mehr als in Grenzen. Hier bei mir in Wien hab ich für klare Verhältnisse gesorgt. Ich habe in der Vergangenheit nicht davor zurückgeschreckt, sowohl die Sängerinnen als auch ihre männlichen Verehrer in strengen Arrest nehmen zu lassen, wenn sie es zu bunt getrieben haben. Ich dulde kein Lotterleben in meinem Reich! Allerdings ist mir durchaus bewusst: Wenn ich die Prostitution abschaffen wollte, müsste ich die Männer abschaffen! – Genug davon. Die Mailänder sollten lieber eine neue Kirche bauen. Ich würde mich mit der Angelegenheit normalerweise gar nicht weiter beschäftigen, Annerl …“
Fast unbemerkt hatte sich die Tür geöffnet und eine junge Küchenmamsell balancierte ein großes Silbertablett mit einer Kanne heißem Kakao und einem Teller voller frischer Vanillekipferl ins Zimmer.
„Um Gottes willen, wollt ihr mich alle umbringen? Schafft mir das Sach’ aus den Augen!“ Wütend drehte sich die Monarchin wieder ihrem Spiegelbild zu und redete weiter, als habe es keine Unterbrechung gegeben: „Mein Sohn Ferdinand kann von Glück sagen, dass seine Residenz noch steht. Um ein Haar hätten die Flammen auf seinen Wohnsitz übergegriffen. Wie ärgerlich das Ganze ist! Schließlich hab ich erst vor Kurzem mit viel Geld das Teatro Regio Ducale für seine Hochzeit richten lassen. Jetzt ist das renovierte Theater – warum auch immer – abgebrannt und dann will mein Herr Sohn gleich ein neues Opernhaus. Ich möchte weiß Gott nicht schon wieder in die Staatsschatulle greifen müssen. Aber gleichzeitig wollen wir den lombardischen Hitzköpfen keine Gelegenheit bieten, sich gegen uns in Stellung zu bringen. Vielleicht lassen sich Barzahlungen umgehen, wenn ich das Grundstück, auf dem die baufällige Kirche Santa Maria alla Scala steht, zur Verfügung stelle? Mir ist aus verlässlicher Quelle zugetragen worden, dass der Mailänder Adel die nötigen Mittel wird aufbringen können, sodass es für mich nicht allzu teuer werden wird. Jedenfalls muss diese leidige Opernhausg’schicht schnell vom Tisch.“
Maria Theresia erhob sich schwerfällig von ihrem Stuhl. „Zefix, wo bleibt mein Frühstück, Annerl? Oder bedeutet Schonkost seit Neuestem, dass ich leben muss wie im Hungerturm?“
Freifrau Anna-Magdalena von Brodkasy wusste, wie sie mit der aufgebrachten Kaiserin umzugehen hatte. Ohne den Zorn ihrer Herrscherin zu fürchten, antwortete sie trocken: „Majestät, wir haben doch das zweite Frühstück gerade erst wegbringen lassen.“
„Aber irgendetwas wird es für mich in diesem Schloss ja wohl noch zu essen geben! Nichts als Ärger heute Morgen. Annerl, schick nach dem Sekretär, ich muss veranlassen, dass sich einer meiner fähigen Architekten um die Angelegenheit kümmert. Wenn’s schon a neue Oper geb’n muss, dann soll’s wenigstens ein ganz herausragender Bau werden!“
Der Eingang zur Krypta befand sich, hinter einem Mauervorsprung verborgen, gleich neben dem Portal der Kirche San Fedele. Ein großer, alter Holunderbusch streckte seine Zweige so tief herab, dass einem Ortsunkundigen die Treppenstufen, die zum Grabgewölbe hinunterführten, gar nicht aufgefallen wären. Ohne das schwache Licht des Mondes hätte man nicht gesehen, wie die schmale Tür ein ums andere Mal geöffnet wurde. Es war eine Stunde vor Mitternacht. Immer noch tauchten plötzlich, wie aus dem Nichts, die Silhouetten von dunklen Gestalten auf, die sich verstohlen umblickten, bevor sie die ausgetretenen Stufen hinunterstiegen, zweimal kurz, dreimal lang an die Tür klopften und dahinter verschwanden.
Jedes Mal, wenn die Pforte geöffnet wurde, fiel ein schwacher Lichtstrahl auf den Platz vor der Kirche.
Jäh wurde die Stille der Nacht von den Geräuschen einer heranrollenden Kutsche unterbrochen. Eine Equipage hielt direkt vor dem Portal. Die große, korpulente Gestalt, die der Kutsche entstieg, war in einen bodenlangen dunklen Umhang gehüllt und stützte sich auf einen Stock. Man konnte das laute Schnalzen des Kutschers hören, der die zwei Pferde wieder antrieb und mit dem Wagen in der Dunkelheit der Nacht verschwand.
Auf dem Kirchenvorplatz blieb der Mann allein zurück. Der späte Besucher trug einen ausladenden Hut mit einer breiten Krempe und eine goldene Maske, die sein Gesicht verbarg. Auf seinen Stock gestützt schritt er zielsicher zum verborgenen Eingang des Grabgewölbes. Noch ehe der Maskierte die alte eisenbeschlagene Holztür erreicht hatte, wurde sie geöffnet. Ohne Gruß raunte er dem Wächter der Pforte zu: „Können wir beginnen?“
„Bis auf drei oder vier Brüder sind alle versammelt und erwarten Euch.“
„Gut. Verschließe die Tür. Niemandem wird mehr Einlass gewährt.“
Das Kellergewölbe, in dem gleich eine geheime Zeremonie stattfinden sollte, war mit wenigen Fackeln, deren Licht unruhig flackerte, nur schwach beleuchtet. Die Anwesenden standen zu zweit oder zu dritt beisammen und sprachen leise, fast flüsternd miteinander. Alle hatten ihre Gesichter hinter Masken verborgen.
Im hinteren Teil des Gewölbes stand ein Tisch, der mit sieben Kerzen und einem Kreuz geschmückt war. Man hätte ihn für einen Altar halten können, wenn nicht auf der Tischplatte ein Drahtkäfig gestanden hätte, in dem eine weiße Ratte an einem Stück Speck nagte. Außerdem befand sich auf dem Tisch noch ein Sack aus schwarzem Samt, der mit einer roten Kordel zugebunden war.
Es roch modrig in der Krypta. Einige Fledermäuse, die in der Finsternis des Gewölbes sonst eine ruhige und sichere Wohnstatt fanden, wurden durch die Fackeln und den Kerzenschein aufgeschreckt und flogen immer wieder aufgeregt durch den Raum.
„Es ist Zeit, lasst uns beginnen“, rief eine tiefe Stimme. Ein kleiner, asketischer Jesuitenpater entzündete fein duftenden Weihrauch und schwenkte ihn in einem silbernen Gefäß, das an zwei dünnen, feingliedrigen Ketten befestigt war. Schnell war der Modergeruch, den das Gemäuer verströmte, verflogen. Die Gespräche verstummten allmählich. Nur die Ratte im Käfig begann durch den ungewohnten Rauch unruhig hin und her zu rennen und ängstlich zu quieken. Der Pater hielt ein kurzes Gebet in lateinischer Sprache. Dann löschte er die wenigen Fackeln, sodass nur noch die Kerzen auf dem Tisch für etwas Licht sorgten. Eine feierliche Stimmung breitete sich aus.
Im Kerzenschein sah man plötzlich den Mann mit der goldenen Maske hinter den Tisch treten. „Danke, Padre Rossi, danke für Euer Gebet. Möge Gottes Segen auf unserem Vorhaben liegen. Brüder, wir leben in harten Zeiten“, sagte er mit tiefer Stimme, legte seine behandschuhte Hand sanft auf den Rattenkäfig und fuhr fort: „Jeder von uns kann an seinem Platz dafür sorgen, dass wir uns vom Joch der Unterdrückung befreien. Mehr als ein halbes Jahrhundert schon sind wir der Willkür der Habsburger in Wien ausgeliefert. Wir wollen endlich unsere Freiheit!“
Jubel brach unter den Mitgliedern des Zirkels aus. Erst ein Räuspern ließ die Anwesenden wieder verstummen.
„Seht diese Ratte, sie wird immer fetter.“ Unvermittelt schlug der Maskierte mit seinem Stock auf den Käfig. „Noch wiegt sie sich in Sicherheit, die Ratte. Sie glaubt, ihr könnte nichts passieren. Ihr wisst alle, wer die Ratte ist?“ Mit Genugtuung sah er durch die Augenschlitze seiner Maske, wie die versammelten Logenbrüder die rechte Hand zur Faust ballten und riefen: „Maria Theresia, die Kaiserin!“ Das Echo hallte von den Wänden zurück.
Der Anführer nickte bestätigend. „Ja, keine andere als die fette Kaiserin aus Wien. Ihre Söhne und Töchter haben auf ihr Geheiß an jedem Hof in Europa den Speck entdeckt und lassen ihn sich schmecken. Ganz Europa hat sich Maria Theresia bald einverleibt. Wenn ihr keiner Einhalt gebietet, wird der unmäßige Hunger der Kaiserin nie gestillt werden.“ Wütend schlug er erneut mit seinem Stock auf den Käfig. Verschreckt richtete sich die eingesperrte Ratte auf, ihre Barthaare zitterten. „Doch die Zeiten werden sich ändern. Auch wir wollen ein Stück vom Kuchen!“
Die Mitglieder des geheimen Bundes waren plötzlich wie entfesselt. Laut applaudierend traten sie näher und näher an den maskierten Redner heran, während die aufgeschreckte Ratte vergeblich versuchte, Schutz in der hintersten Ecke ihres Gefängnisses zu finden.
„Ja. Wir lassen uns nicht länger mit Brosamen abspeisen.“
„Nieder mit Maria Theresia, nieder mit der Kaiserin“, hallte es durch das feuchte Gemäuer der Krypta.
„Seid still und seht, was ich euch zeigen werde.“ Der Mann mit der goldenen Maske hatte seinen Stock abgelegt und die rote Kordel gelöst, mit der der Sack aus schwarzem Samt verschlossen war. Er öffnete den Riegel des Drahtkäfigs und zog die weiße Ratte, die sich heftig wehrte, an ihrem Schwanz heraus. „Seht ihr, wie die Ratte in meinen Händen zappelt?“
Lachen war zu hören, während das verstörte Tier sich zu befreien versuchte, aber es hing hilflos mit seinem Kopfüber dem geöffneten Samtsack.
Plötzlich ließ der Maskierte die Ratte fallen und diese verschwand im Schlund des Beutels. Blitzschnell verschloss er die Öffnung mit der roten Kordel.
Die Augen aller Anwesenden waren auf den Sack gerichtet, der im Kerzenlicht in der Mitte des Tisches lag. Der samtene Beutel begann sich kaum merklich zu bewegen. Vielleicht suchte die Ratte nach einem Ausgang aus ihrem Gefängnis? Plötzlich hörte man ein lautes, gellendes Quieken. Den Zuschauern stockte der Atem. Die Ratte stieß einen nicht enden wollenden Pfiff voller Todesangst aus. Dann war es still. Man konnte nur noch das Knacken kleiner, dünner Knöchelchen hören. Der Inhalt des samtenen Beutels bewegte sich noch immer.
Nach einer Pause begann der Mann mit der goldenen Maske wieder zu sprechen. „Das ist es, was ich euch zeigen wollte!“ Triumphierend öffnete der Redner geschickt die rote Kordel und schüttelte den Inhalt behutsam auf den Tisch. Ungläubiges Staunen ergriff die Runde, denn statt der Ratte wand sich nun eine große goldgrüne Viper gemächlich im Kerzenschein.
„Die Schlange hat die Ratte gefressen!“, schrie einer der Anwesenden mit sich überschlagender Stimme in die Stille hinein. Majestätisch hob die Viper ihren schmalen, schlanken Schädel. Die Zuschauer sahen ihre gespaltene Zunge. Die gelben Augen der Schlange, die den Sichtschlitzen des Maskierten verblüffend ähnelten, fixierten hypnotisch das Publikum.
„So ist es, Brüder der Schlange, so ist es. Die Viper verschlingt ihre Opfer! Unsere Feinde sollten sich besser in Acht nehmen!“
Das Tier, dessen Schuppen im flackernden Licht der Kerzen schimmerten, rollte sich träge ein. Fast sah es aus, als hätte es keinen Anfang und kein Ende.
„Der Schlangenring, den jeder von uns trägt, verleiht uns die nötige Kraft für den Kampf. Fasst euren Ring an und lasst uns unseren Bund erneuern.“
Alle im Raum berührten den Ring, das Symbol ihrer Gemeinschaft.
„Wir geloben, mit Gottes Hilfe, unter Einsatz unseres Lebens, alle Feinde einer freien Lombardei zu vernichten. Es lebe das freie Mailand!“
„Haltet euch bereit! Und vergesst nicht: Wer unseren Bund verrät, ist des Todes.“
So heimlich wie die Mitglieder des Schlangenbundes zusammengekommen waren, so unauffällig verließen sie nun nach und nach den Versammlungsort. Nur der Maskierte und ein junger Mann blieben zurück.
Gianfranco Colarie war immer noch wie gebannt von der Vorführung des kaltblütigen Rattentodes. Er stand regungslos da. Die Haut an seinen Armen und seinem Hals war ganz und gar mit Gänsehaut überzogen. Er hatte mit jeder einzelnen Faser seines Körpers den Todeskampf der weißen Ratte miterlebt. Das Nagetier hatte keine Chance gehabt. Ihn grauste! Er zwang sich, wieder langsam und ruhig zu atmen, und trat an den Tisch, auf dem die goldgrüne Schlange eingerollt lag. Er spürte, wie ihn die zwei dunklen Augen hinter der goldenen Maske prüfend fixierten. Angstschweiß perlte auf seiner hohen Stirn.
„Gianfranco, die Schlange muss zurück in ihren Sack.“
„Ja, Meister.“
„Wo ist deine Schwester Carla? Sie hat gefehlt!“
„Meister, wenn Carla hätte kommen können, wäre sie da gewesen“, antwortete Gianfranco mit leiser Stimme. Vorsichtig ergriff er die Schlange hinter dem Kopf und hielt das sich windende Tier fest. Gleichzeitig öffnete er den schwarzen Samtbeutel und dirigierte die wütend zischende Viper in ihre Behausung. Gianfranco schauderte erneut, als der Schlangenkörper durch seine Hände glitt und er die Stelle spürte, wo die soeben verschlungene Ratte noch zuckte.
Bernsteinfarbenes Licht drang durch das kleine Fenster in die winzige Kammer.
Marcello rekelte sich auf der harten Pritsche, doch er konnte nicht länger liegen bleiben. Heute würde er sich beeilen müssen. Durch die dünne Holzwand hörte er voller Neid seine Nachbarn noch laut und gleichmäßig schnarchen. Marcello stand auf und wusch flüchtig seinen sonnengebräunten, muskulösen Oberkörper mit dem kalten Wasser in einer zerbeulten Schüssel. Danach goss er pfeifend den Inhalt der Schüssel aus dem Fenster. Kurz lauschte er dem Wasserschwall nach, als auch schon ein lauter Fluch aus der engen Gasse heraufschallte.
„Bastardo, verfluchter Hurenbock“, schrie die alte Vettel von unten. Wie jeden Morgen. Hastig zog Marcello seinen Kopf zurück. „Treffer“, murmelte er, dann rief er laut: „Scusi!“
Er hatte wenig Sorge, dass man ihn zur Rechenschaft ziehen würde. Jeder der Männer, die unter dem Dach eine Schlafstätte für ein paar Münzen gemietet hatten, hätte der Übeltäter sein können.
Lange würde er sich dieses Nachtlager ohnehin nicht mehr leisten können, wenn nicht bald ein Wunder geschah. Er war schon seit zwei Monaten den Mietzins schuldig. Seine ganze Hoffnung galt dem heutigen Tag.
Schnell schlüpfte Marcello in seine ausgefranste Hose und sein bestes Hemd. Der blaue Leinenstoff war zwar auch schon an mehreren Stellen so abgeschabt, dass man seine Haut durchschimmern sah, aber es war immer noch in einem besseren Zustand als die beiden anderen Hemden. Mehr Kleidungsstücke besaß er nicht.
Marcellos Magen knurrte. Mit großem Hunger war er gestern eingeschlafen. Er hatte von gesüßter Eiermilch und Polentabrei geträumt, aber der Traum hatte ihn nicht satt gemacht. Er schaute sich nach etwas Essbarem um. Nichts war da, alle Vorräte waren aufgebraucht. Marcellos Blick fiel auf ein paar Brotkrumen, doch die hätten nicht einmal eine Maus satt machen können. Gedankenverloren schob er die Brosamen zusammen und steckte sie sich in den Mund. Was war das nur für ein erbärmliches Dasein!
Aufgewachsen im Waisenhaus hatte er von klein auf gelernt, dass man im Leben nichts geschenkt bekam. Manchmal fragte er sich, wofür es sich überhaupt zu leben lohnte. Die einzigen Lichtblicke in dieser Trostlosigkeit waren die Musik und seine Freunde.
Bisher war er nicht gerade vom Glück begünstigt gewesen. Seinen Vater hatte er nie kennengelernt und seine Mutter früh verloren. Sie war auf tragische Weise bei einem Feuerwerksspektakel, das zu Ehren des damaligen Mailänder Regenten veranstaltet worden war, ums Leben gekommen. Mehr als dreißig Zuschauer büßten in jener Nacht ihr Leben ein. Eine Witwe aus der Nachbarschaft hatte sich des Waisenkindes angenommen. Sie hieß Nonna Ines und war Magd bei Maria Gaetana Agnesi, der Leiterin eines Hospizes. In diesem Heim hatte Marcello seine Kindheit verbracht. Damals war das Schönste für ihn das Singen bei der morgendlichen Frühmesse gewesen. Nur wenn er sang, war er glücklich und mit sich und der Welt im Reinen.
Marcello verließ den Bretterverschlag unterm Dach und verschloss die Tür notdürftig mit einem Holzriegel. Eilig ging er die ausgetretenen Stufen der Treppe hinab, vorbei an den Türen, hinter denen er das gedämpfte Klappern von Töpfen und den Duft einer frühen Morgensuppe wahrnahm. Neben dem Eingang lauerte ihm seine Vermieterin auf.
„Marcello, wann bekomm ich mein Geld? Wenn du nicht bald zahlst, setz ich dich auf die Straße!“ Ihr rüder Tonfall veränderte sich und wurde plötzlich schmeichlerisch. „Ich hab mit dir sowieso schon mehr Nachsehen als mit den anderen Taugenichtsen. Das verdankst du einzig und allein deinem schönen Gesicht und deinen dunklen Augen.“ Die Alte rückte näher an ihn heran. „Du kannst deine Schulden auch bei mir abarbeiten. Du weißt schon, wie ich’s meine!“ Sie fuhr Marcello anzüglich mit der Hand über den Arm und blickte ihm herausfordernd in die Augen.
Entsetzt wich Marcello zurück und schüttelte die Hand ab. Was glaubte dieses Weib eigentlich? „Na, so schlimm steht’s noch nicht um mich! Du kriegst schon noch dein Geld, keine Sorge.“ Mit diesen Worten trat er schnell aus der Tür ins Freie, während die Vermieterin hinter ihm her schrie: „Komm mir bloß nicht frech, sonst kannst du gleich heut noch dein Bündel schnüren, du Lump!“
Man konnte in dem engen Hinterhof die Sonne nur um die Mittagsstunden sehen, doch das Blau des Himmels versprach, dass es wieder ein strahlender, sonniger Tag werden würde. Marcello atmete die frische Morgenluft tief ein. Im Torbogen sah er seinen Freund Armando, der lässig an der Wand lehnte und die Hände in den Taschen vergraben hatte. Armando überragte Marcello noch an Größe und man sah ihm an, dass er vor Kraft strotzte.
Er bemerkte Marcello nicht gleich, da er das langsam beginnende Leben in der Gasse beobachtete.
Seit Tagen gab es zwischen den beiden jungen Männern nur ein einziges Thema. Immer und immer wieder unterhielten sie sich über den Neubau der Oper und darüber, ob es ihnen gelingen würde, dort Arbeit zu finden.
Es waren erst wenige Monate vergangen, seit das Teatro Regio Ducale abgebrannt war, und wenn man an der Ruine vorbeiging, lag der Geruch des Brandes nach wie vor über dem Platz. Nur zu gut konnten sich die meisten Einwohner Mailands an das schreckliche Flammeninferno in der Karnevalsnacht erinnern. Viele hatten um ihr Hab und Gut gebangt. Auch der Statthalter von Mailand, Erzherzog Ferdinand von Habsburg, hatte um seinen Palazzo gefürchtet. Wie durch ein Wunder war das Feuer nicht vom Theater auf die direkt angrenzende Residenz übergesprungen.
„Armando, du bist ja schon da! Bin ich zu spät oder bist du zu früh dran?“, rief Marcello fröhlich.
„Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen, ich war viel zu aufgeregt. Und ob ich auf meinem Bett liege und nicht schlafen kann oder an dieser Hauswand lehne und auf dich warte, ist egal.“
Marcello stieß seinem Freund den Ellbogen in die Rippen. „Lass uns gehen. Du weißt wohin?“
„Ja, das Zelt ist gleich hinterm Dom. Ich hab gestern gesehen, wie sie es aufgestellt haben.“
Sie traten durch den Torbogen des Hinterhofs hinaus auf die Via della Valverde.
Ohne ein Wort darüber zu verlieren, nahm Armando ein frisches Brot aus seiner Tasche, brach ein großes Stück ab und gab es ihm.
Was für ein Freund, dachte Marcello. Er wusste, dass Armando selbst stets große Mühe hatte, satt zu werden. Immerzu hatte Armando Hunger. Und nun teilte er auch noch mit ihm!
Als sie auf die Via Duomo einbogen, veränderte sich der Pulsschlag der Stadt augenblicklich. Hier war Mailand schon erwacht.
Marcello und Armando schlängelten sich an den zahlreichen Bauern mit ihren Fuhrwerken vorbei, die in den frühen Morgenstunden schwer beladen von den umliegenden Dörfern aufgebrochen waren, um ihre frischen Waren in der großen Stadt zu verkaufen. Argwöhnisch wachten die Händler darüber, dass nichts verloren ging. Gänse und Enten streckten ihre Hälse schnatternd aus den engen, kunstvoll geflochtenen Weidenkörben, nicht ahnend, dass sie vielleicht schon am Abend kross gebräunt in den vornehmen Palazzi verspeist werden würden. Die Fuhrwerke kamen nur langsam vorwärts, so überfüllt waren die Gassen.
In Sichtweite des Domes boten Handwerker wie seit ewigen Zeiten ihre Dienste an. Schuster in schweren Lederschürzen breiteten Leisten, Nägel und Zangen vor sich aus. Sie hatten Draht- und Rosshaarborsten eingefädelt bereitgelegt, um das Schuhwerk der Kunden zu flicken. Schmiede waren noch damit beschäftigt, ihre Feuer zu entfachen, und Metzger zerteilten auf ihren Holztischen frisch geschlachtete Ziegen und Schweine.
Heute hatten Marcello und Armando für das Markttreiben keinen Blick. Zum wiederholten Mal fiel ihnen auf, wie mühsam es sein konnte, zügig durch das Wirrwarr von Menschen, Ständen und Karren zu gelangen, wenn man es eilig hatte.
Plötzlich ging es weder vor noch zurück. Mitten auf einem kleinen Platz stand ein Feuerspucker. Auf seiner Schulter saß ein Affe, der eine brennende Fackel in seinen Händen hielt. Ohne jede Vorwarnung spuckte der Gaukler einen großen Feuerschwall in Richtung seines Publikums, sodass viele Zuschauer erschrocken zurückwichen.
Marcello und Armando ließen sich nicht aufhalten.
„Der Gaukler scheint keine Angst vor Feuer zu haben, und sein Affe auch nicht“, meinte Armando, der sich gerade geschickt an einem Mann vorbeischob, auf dessen Rücken fünf tote Ferkel an einem Seil zusammengebunden baumelten. „Seit dem großen Brand ist mir der Anblick von Feuer verhasst!“ Die beiden Freunde hatten zu den zahlreichen freiwilligen Helfern gehört, die zusammen mit den Brendatores vergeblich das Feuer zu löschen versucht hatten, dem das Teatro Regio Ducale zum Opfer gefallen war.
„Sieh es doch mal von der Seite, Armando: Wenn das Theater nicht abgebrannt wäre, könnten wir jetzt nicht zum Dom gehen und auf Arbeit hoffen.“
„Weißt du noch, wie heiß die Löscheimer geworden sind? Es hätte nicht viel gefehlt und das Wasser hätte darin gekocht. Kein Wunder, dass wir den Brand nicht löschen konnten. Die Lage war aussichtslos. Ich wache immer noch manchmal nachts auf und höre die Schreie der Helfer, wie sie wild durcheinanderrufen. Wenigstens haben wir es geschafft, die meisten der umliegenden Häuser zu retten. Wenn nicht so viele aus unserem Viertel geholfen hätten, wäre vielleicht ganz Mailand abgebrannt!“
„Mir wollen diese schrecklichen Bilder auch nicht mehr aus dem Kopf gehen. Das ohrenbetäubende Knacken und Prasseln vom Feuer und das Knallen der zerspringenden Glasscheiben waren fürchterlich. Und wie die Holzbalken runtergedonnert sind! Ich fand Feuer immer faszinierend, aber jetzt nicht mehr.“
„Du warst doch bei der letzten Vorstellung im alten Opernhaus. Hast du damals gar nichts Verdächtiges mitbekommen?“
„Armando, das war der erste und bisher einzige Opernbesuch meines Lebens! Alles war für mich vollkommen neu und absolut fremd. Ich war von der Musik völlig begeistert. Du kannst dir die Stimmung, die in dem Theater geherrscht hat, nicht vorstellen. Es roch gleichzeitig nach Parfüm, Puder und Tabakrauch. Die Fußböden waren blank wie Spiegel. Überall brannten Kerzen und spiegelten ihr Licht im geschliffenen Glas der Kronleuchter. Von meinem Stehplatz ganz oben unterm Dach konnte ich alles genau sehen. Ich habe so viele feine und noble Menschen wie unten im Parkett noch nie auf einmal gesehen! Und als sich dann der samtrote Vorhang hob und das Orchester angefangen hat zu spielen, habe ich alles um mich herum vergessen. Die Sänger standen auf der Bühne in einer richtigen Landschaft, mit Bergen, einem Himmel und einem echten Baum. Da war’s um mich geschehen. Da konnte ich nur noch staunen und zuhören! Ich habe den Stimmen der Sänger gelauscht, die glasklar und deutlich bis ganz zu mir hinauf klangen. Jeden einzelnen Ton hab ich in mich aufgenommen. Ich hatte nur Augen für die Bühne! Für sonst nichts!“
„Du hast die Oper bestimmt nicht angezündet, Marcello!“, spottete Armando.
„Hätte ich das Billet nicht von Madre Maria Gaetana Agnesi geschenkt bekommen, wüsste ich gar nicht, dass es so etwas Wundervolles überhaupt gibt.“
Sie bogen um eine Ecke und sahen plötzlich ein großes Zelt, vor dem ein Tisch stand.
Vor lauter Reden hatten sie gar nicht bemerkt, dass sie ihr Ziel bereits erreicht hatten. Hier wurde entschieden, wer an Mailands neuem Opernhaus mitbauen würde und in den nächsten Monaten auf ein sicheres Einkommen zählen durfte.
Viele Männer waren erschienen, um eine der begehrten Anstellungen als Bauarbeiter zu ergattern. Es bedurfte schon einiger Mühen, um sich in dem Gedränge nicht zu verlieren. Die Freunde mussten sich neben Steinmetzen, Malern, Maurern und dem Heer von Tagelöhnern behaupten. Um sie herum kam es immer wieder zu kleineren Rempeleien, es wurde geschrien und geschimpft, aber nach einer guten Stunde hatten sie es geschafft: Vor ihnen saß auf einem Hocker, umringt von einer Schar seiner Helfer, ein Mann, der hier offensichtlich das Sagen hatte. Er wurde mit außergewöhnlichem Respekt behandelt und hieß Filippo Moro.
Sie beobachteten, wie zwei schmächtige ältere Männer vor ihnen schroff von ihm als zu schwach für die harte Arbeit abgewiesen wurden.
Als nun die Reihe an ihnen war, fragte sie der Einsteller ruppig: „So, und ihr wollt also Santa Maria alla Scala abreißen? Groß und stark seht ihr zwar aus, aber bevor wir euch einstellen: Habt ihr die Erlaubnis eures Beichtvaters mitgebracht?“
Während die Umstehenden lachten, sahen sich Marcello und Armando verwirrt an.
„Verehrter Herr, davon haben wir nichts gewusst!“ Armando bekreuzigte sich und stotterte: „Mein Freund und ich wollten die neue Oper bauen und nicht eine Kirche abreißen. Vielleicht sind wir hier falsch?“ Unsicher blickte Armando sich um.
Erneut erklang schallendes Gelächter.
Die Freunde begriffen, dass man einen Scherz mit ihnen trieb. Ehe einer der beiden noch etwas erwidern konnte, war Filippo Moro aufgestanden, drehte sich um und verschwand im Bauzelt.
Zu ihrer grenzenlosen Freude trug ein Helfer ihre Namen in eine Liste ein und bestellte sie für den nächsten Morgen.
Marcellos und Armandos Jubel kannte keine Grenzen. Es war ihnen gelungen, eine der begehrten Anstellungen auf der Baustelle der neuen Oper zu bekommen!
„Nein, nein und nochmals nein!“ Außer sich vor Zorn stampfte Tiziana Piermarini mit ihrem Fuß auf das gediegene Fischgrätenparkett ihres Zimmers im Palazzo Scuosi. Die lange mahagonifarbene Lockenmähne über die Schulter zurückwerfend, starrte sie ihren Vater aus großen dunkelgrünen, vor Wut blitzenden Augen an. „Nein“, schrie sie noch einmal und ihre Stimme drohte sich zu überschlagen.
„Ich befehle es dir und damit basta!“ Das Gesicht des Architekten Giuseppe Piermarini hatte sich fleckig rot verfärbt. Er atmete schwer und war sichtlich um Fassung bemüht. Er sah seine schöne tobende Tochter an und wusste, dass er sich augenblicklich zurückziehen musste, da er sonst womöglich doch noch nachgiebig werden würde.
Rasch ging er zur Tür hinaus und ließ sie geräuschvoll hinter sich ins Schloss fallen. Eine Sekunde später hörte er das Klirren von Glas. Was erlaubte sich dieses Kind? Er widerstand dem Impuls, in das Zimmer seiner Tochter zurückzugehen und sie mit einer schallenden Ohrfeige zur Räson zu bringen. Stattdessen stieg er die breite Treppe hinab in seine Bibliothek.
Tiziana schob mit dem Fuß die herumliegenden Scherben zu einem Haufen zusammen. Sie atmete tief durch, um sich zu beruhigen. Warum konnte sie ihr Vater nicht einfach in Ruhe lassen? Erst vor einem Monat waren sie von Padua nach Mailand gezogen. Ihrem Vater war von der Kaiserin Maria Theresia höchstpersönlich der Titel des Hofarchitekten verliehen worden. Die Herrscherin in Wien hatte ihn mit dem Bau des neuen Mailänder Opernhauses betraut! Tiziana hatte sich natürlich sehr für ihren Vater gefreut. Aber gleichzeitig wusste sie, welche Konsequenzen das für sie selbst haben würde.
Die junge Frau ließ sich vor ihrem weißen Frisiertisch nieder und begann, ihr glänzendes Haar mit einer schweren Bürste zu entwirren. Es war noch früh am Morgen. Während sie sich im Spiegel betrachtete, merkte sie, wie der Zorn in ihr erneut hochstieg. Ihrem Vater konnte es nicht schnell genug gehen, dass sie sich endlich einen geeigneten, am besten einen adligen Ehemann an Land ziehen würde. Sie hatte nicht die geringste Lust, ihren herrischen Vater gegen einen ebensolchen Ehemann einzutauschen.
Wütend pfefferte sie die silberne Bürste auf die Frisierkommode. Nachdenklich fuhr sie mit dem Zeigefinger über den Kratzer, den die Bürste auf der blanken Oberfläche hinterlassen hatte. Die Situation war eskaliert, weil ihr Vater gerade allen Ernstes von ihr verlangt hatte, sie solle sich mit seinem verwitweten Freund, den um fünfundzwanzig Jahre älteren Conte Nicola Pocci, treffen.
„Gib ihm wenigstens eine Chance“, hatte ihr Vater sie fast angefleht. Gott sei Dank war es ihr bisher immer wieder gelungen, Giuseppe Piermarini um den Finger zu wickeln und ihm seine unzumutbaren Heiratspläne auszureden.
Tiziana war sich durchaus bewusst, dass ihre Familie zum aufstrebenden Bürgertum gehörte. Eine Heirat mit einem so vornehmen, alten Adelsgeschlecht wie den Poccis würde einen lang gehegten Traum ihres Vaters erfüllen. Damit wären sie endlich auf Augenhöhe mit den allerfeinsten Kreisen und den Auftraggebern ihres Vaters. Tiziana wusste, dass der auserkorene Bräutigam in pekuniären Schwierigkeiten steckte und sein baufälliges Schloss würde aufgeben müssen, wenn er nicht eine gute Partie mit beträchtlicher Mitgift ehelichen konnte. Sie seufzte. Es war nicht das erste Mal, dass sie in so eine Situation geraten war. Aber dieses Mal war es ihrem Vater mehr als ernst. Das spürte sie genau!
Als Architekt hatte Giuseppe Piermarini alles erreicht, was man erreichen konnte. Nur der eigene gesellschaftliche Durchbruch war ihm noch verwehrt geblieben. Der letzte Ritterschlag, der ihm dazu noch fehlte, war die Vermählung seiner Tochter mit einem Aristokraten!
Dieses Mal würde sie all ihren weiblichen Charme aufbringen müssen, um ihren Vater noch einmal umzustimmen. Tiziana band sich eine weiße Schleife ins Haar, straffte die Schultern und begab sich auf die Suche nach Giuseppe Piermarini. Sie wusste, dass ihr verwitweter Vater sie über alles liebte. Sie war sein Ein und Alles. Trotzdem oder gerade deshalb barg der gemeinsame Haushalt von Vater und Tochter viele Konflikte.
Tiziana hatte es satt, mit ihren neunzehn Jahren immer noch wie ein Kind behandelt zu werden und zum Nichtstun verdammt zu sein. Ihr größter Wunsch war es, anderen Menschen, denen es nicht so gut ging wie ihr, helfen zu dürfen. Aber nicht einmal das erlaubte er.
Erhobenen Hauptes durchschritt sie die geräumige Empfangshalle des Palazzo Scuosi, in dem sie residierten, und ging zielstrebig zu der holzvertäfelten Bibliothek.
Ihr Vater hatte neben den in Schweinsleder gebundenen Werken von Dante Alighieri eine Flasche mit einem außergewöhnlich kostbaren Marsalawein deponiert. In Situationen wie dieser diente ihm der köstliche Tropfen zur Beruhigung seines strapazierten Nervenkostüms.
Kaum hatte sie die schwere Tür zur Bibliothek geöffnet, sah sie, dass sie recht hatte: Ihr Vater saß vor einem großzügig eingegossenen Glas und Tiziana vermutete, dass es bereits das zweite war. Sie beugte sich zu ihm hinunter und küsste ihn sanft auf die Wange. „Papa, entschuldigt mein ungehöriges Benehmen. Ihr müsst verstehen, dass mich Eure Heiratsvorschläge jedes Mal an den Rand der Verzweiflung bringen. Es liegt mir fern, mich
Die Anstellung beim Opernbau musste gebührend gefeiert werden. Marcello und Armando kannten eine Schenke, in der Suppe und Wein für kleines Geld zu haben waren.
„Wir hatten großes Glück, dass wir ohne die Bescheinigung des Beichtvaters eingestellt wurden, nicht wahr?“, rief Armando lachend, während sie den Domplatz in nördlicher Richtung verließen.
„Hast du nicht gemerkt, dass die mit uns Schabernack getrieben haben? Mein Gott, Armando, wenn die zu dir gesagt hätten, du musst gut singen können, wenn du ein Opernhaus bauen willst, hättest du ihnen womöglich auch noch vorgesungen.“
„Das Singen hätt ich dir überlassen, keine Sorge. So wie du singt keiner! Da kann dir niemand das Wasser reichen. Auf dem Gebiet hast du echt Talent. Dafür hab ich aber wenigstens überhaupt etwas gesagt, während du wieder einmal neben mir gestanden und bloß wie ein stummer Fisch geglotzt hast. Schwamm drüber, wir wollen uns heute nicht streiten. Schließlich haben wir allen Grund zum Feiern!“
Während ihres kurzen Disputs hatten sie die Schenke erreicht und betraten den ebenerdigen Gastraum der Trattoria Rosario. Schnell gewöhnten sich ihre Augen an die Dunkelheit im Inneren der Wirtschaft.
Noch verloren sich die wenigen Gäste an den langen Tischen. Die Steinplatten des Fußbodens waren feucht vom Putzen und glänzten dunkel. Es roch modrig, doch wenn man wollte, konnte man den Duft einer Kohlsuppe aus der Küche erahnen. Die Freunde bestellten Wein.
Der Wirt war ein unfreundlicher, grobschlächtiger Kerl. Trotzdem beobachtete Marcello mit Respekt, wie er scheinbar mühelos ein großes Fass Wein auf den Schanktisch hob. Marcello und Armando nahmen an einem der Holztische auf schmalen Bänken Platz.
„Wollt ihr auch essen?“ Ein hübsches Schankmädchen stellte einen Krug und irdene Becher vor sie hin.
Marcello hatte das Mädchen noch nie gesehen. Als sie das Gasthaus die letzten Male besucht hatten, waren sie vom Wirt oder seiner verdrießlich dreinschauenden, hässlichen Frau bedient worden.
„Bring uns Suppe und einen Laib Brot“, sagte Armando, ohne weiter von der jungen Frau Notiz zu nehmen, und füllte die Becher mit Wein. „Was ist?“, fragte er Marcello. Er wollte mit ihm anstoßen. Doch Marcellos Blick folgte dem Mädchen, das hinter einem schmutzigen Vorhang verschwand. „Hast du sie gesehen?“, flüsterte er.
„Wen denn?“
„Na, die neue Schankmagd, die uns gerade den Wein gebracht hat. Armando, hast du keine Augen im Kopf?“
„Ich will jetzt was trinken, nach Weibern schau’n wir später! Salute, auf das neue Opernhaus! Auf dass wir lange Zeit Arbeit haben.“
Sie nahmen einen großen Schluck Wein.
„Menschenskinder, ich kann es noch gar nicht glauben, dass wir es geschafft haben“, griff Armando das Gespräch wieder auf. „Was sie berappen wollen, haben sie uns allerdings nicht gesagt.“
„Ich muss dringend meine Miete zahlen, sonst muss ich am Ende noch meiner aufdringlichen Vermieterin gefällig sein.“
Armando lachte lauthals los. „Der alten Vettel? Na, dann können wir ja nur hoffen, dass wir gleich morgen einen Vorschuss bekommen! Mir bereitet eher Kopfzerbrechen, dass dieser Filippo Moro uns nur kurz brauchen könnte. Wenn die Drecksarbeit getan ist, nehmen sie dann die erfahrenen Handwerker, die wissen, wie es geht. Wir müssen von Anfang an zeigen, was wir können.“
Marcello richtete wie gebannt seinen Blick auf den Vorhang, hinter dem die junge Frau gerade wieder zum Vorschein kam. „Jetzt schau doch endlich mal, Armando, das Mädchen ist ganz anders als die derben Mägde, die hier sonst rumgesprungen sind. Sie bewegt sich fast so anmutig wie eine der Balletttänzerinnen, die ich in der Oper gesehen habe. Die passt hier gar nicht her, wenn du mich fragst.“
Etwas ärgerlich sah Armando auf. „Marcello, du solltest jetzt über andere Sachen nachdenken als über die Anmut einer Schankmagd.“
Marcello ignorierte Armandos Bemerkung.
„Hast du den Ring gesehen, den sie am Mittelfinger trägt? Seit wann tragen Schankmägde Ringe?“
„Was ist heute mit dir los? Du machst dir einen Kopf über Dinge, die dich nichts angehen! Mir ist das schnuppe, ob die einen Ring trägt oder nicht.“
Mit einer Schüssel dampfender Suppe kam die Magd auf ihren Tisch zu. Sie hielt den Suppentopf mit beiden Händen fest und hatte einen Brotlaib unter dem rechten Arm an ihrer verschwitzten Brust eingeklemmt.
„Hier haben sie eine neue Methode, um ihr altes Brot aufzubacken“, flüsterte Marcello leise lachend.
Die Bewegungen der Serviererin waren trotz Schüssel und Brot gewandt und kraftvoll. Ihr schmales Gesicht war von dunklem, lockigem Haar umrahmt. Sie stellte die Speise vor den jungen Männern ab und holte zwei Löffel aus der Tasche ihrer speckigen Schürze. Einen Augenblick lang blieb sie unschlüssig stehen.
Armando warf einen prüfenden Blick in die Schüssel. „Ich hoffe, das reicht, um unsern Hunger zu stillen. Ich heiße Armando, und das ist Marcello. Du gefällst meinem Freund. Siehst du? Er macht schon Stielaugen! Setz dich doch zu uns. Wie heißt du? Bist du neu hier?“
Marcello spürte, wie ihm das Blut in den Kopf stieg.
„Carla heiß ich“, antwortete sie.
„Carla, wir haben heute was zu feiern.“ Armando klopfte mit einer Hand auf den freien Platz neben sich, ehe er zwei Kellen Suppe in seinen Teller schöpfte und ein Stück Brot abbrach.
„Was haben denn zwei Kerle wie ihr beiden zu feiern? Was macht ihr den lieben langen Tag?“
„Ab Morgen sind wir richtige Bauarbeiter! Wir werden das neue Opernhaus bauen!“
„Und?“ Carla warf einen abwartenden Blick auf die beiden. „Ist dein Freund stumm? Kann er nicht sprechen?“
„Lustig, dass du das fragst! Das Gleiche hab ich mich heute nämlich auch schon gefragt. Allerdings kann ich dich beruhigen: Bis vor zwei Minuten hat er noch geredet.“ Armando lachte. „Mit dem Sprechen hat er es aber wirklich nicht so. Doch du solltest ihn mal singen hören! Wie ein Zeiserl zwitschert er.“
Carla zog erstaunt die Augenbrauen hoch. „Du bist ein Musikus?“
„Wo bleibst du, Carla? Die Kundschaft will essen, faules Stück“, brüllte in dem Moment der Wirt hinterm Tresen zornig durchs Lokal.
„Ich würd mich gern weiter mit euch unterhalten, Burschen. Ihr gefallt mir. Aber ihr hört ja, ich muss arbeiten, sonst fängt der Wirt noch an zu toben und schmeißt mich raus“, flüsterte die Magd und eilte dann mit eingezogenen Schultern schnell wieder in die Küche.
Der Gastraum hatte sich allmählich gefüllt und auch an ihrem Tisch nahmen nun einige Männer Platz. Es waren Handwerker, Händler oder Tagelöhner, die im Rosario einkehrten. Heute fanden sich auch zwei Mönche unter den Mittagsgästen.
„Was haben die denn hier zu suchen? Das Essen kann sie wirklich nicht hergelockt haben.“ Marcello schob sich einen weiteren Löffel dünner Suppe in den Mund.
„Schau, die hätten wir zur Not bitten können, uns die Beichte abzunehmen.“ Die Freunde grinsten sich an.
Als sie ihre Kohlsuppe ausgelöffelt hatten und der Wein leer getrunken war, warteten sie noch eine Weile, ob Carla zu ihnen zurückkehren würde. Doch die hatte keine freie Minute mehr. Also standen die beiden auf, um beim Wirt zu bezahlen. Marcellos Blick folgte der Schankmagd, wie sie zwischen Küche und Gastraum hin und her eilte. Sie räumte flink Teller und Schüsseln zusammen oder brachte die leeren Krüge zum Wirt, der sie wieder mit Wein aus dem Fass füllte.
Als Armando und Marcello gerade dabei waren, den Wirtsraum zu verlassen, kam Carla mit einem Stapel Teller auf sie zugelaufen. „Auf bald“, rief sie, ohne ihr Tempo zu verlangsamen.
„A presto, Carla!“ Marcello errötete. Es waren die ersten Worte, die er zu ihr sprach. Die Schankmagd hob erstaunt den Kopf und lächelte ihn an.
Auf dem Weg zurück in ihr Viertel hingen Armando und Marcello ihren Gedanken nach. Die staubige Hitze der Straße, das Essen und der Wein hatten sie müde gemacht. Die Schatten, die die großen Gebäude um diese Zeit in die Gassen warfen, strahlten eine angenehme Kühle aus. Als sie den Duomo di Santa Maria Nascente sahen, verlangsamten sie ihre Schritte.
„A domani, amigo. Und verschlaf nicht, Marcello!“
„Ich habe noch versprochen, im Hospiz der Maria Gaetana Agnesi vorbeizuschauen. Bis morgen!“, erwiderte Marcello.
Als Marcello die schwere Holztür der Casa Agnesi aufstieß, wehte ihm der vertraute Geruch seiner Kindheit entgegen. Es roch nach Brot, Schweiß, nasser Wäsche und trotz der Sommerhitze nach kaltem Rauch.
Im Nu war er von einer Schar Kinder umringt, die in blauen Schürzen aus grober Wolle steckten. Zwei kleine Jungen hängten sich an seine Beine.
„Schluss! Macht, dass ihr verschwindet. Wo ist Nonna Ines?“ Ungeduldig schüttelte er die Rasselbande ab.
In diesem Moment bog eine hagere, gebückte Frau um die Ecke. Als sie Marcello erblickte, leuchteten ihre müden Augen. Zur Freude der Kinder hob Marcello die kleine alte Magd in die Luft und drehte sich mit ihr im Kreis. „Nonna Ines, du wirst es nicht glauben, ich habe endlich Arbeit gefunden!“
„Marcello, lass mich sofort runter, ich krieg keine Luft mehr. Was sagst du? Du hast Arbeit gefunden? Gott sei gedankt!“
Marcello stellte die alte Magd wieder auf den Boden und schaute sie glücklich an.
„Aus meinem kleinen Marcellino ist ein richtiger Mann geworden.“ Ihr liebevoller Blick ruhte auf ihm. Plötzlich drehte sie sich zu den Kindern um und rief: „Kehrt den Hof und füttert die Schweine! Wer hat euch erlaubt, hier herumzutollen?“
Als die Kinder davongerannt waren, wandte sie sich wieder Marcello zu. „Komm, ich zeig dir die kaputten Fensterläden, die du reparieren sollst.“
Marcello machte sich an die Arbeit. Gekonnt ersetzte er die verwitterten Holzlatten durch neue, sägte und passte ein, sodass nach nicht einmal zwei Stunden die Läden geflickt waren. Während der Arbeit sang er laut seinen Lieblingspsalm, Ich bete zu Dir, früh am Morgen! Eine Erinnerung an seine Kindheit. Mit diesem Psalmlied wurde hier im Waisenhaus jeder Tag begrüßt.
Als er Nonna Ines aufsuchte, um sich von ihr zu verabschieden, nahm sie ihn am Arm. „Ich lasse dich nicht fort, ehe du nicht unsrer Wohltäterin Madre Maria Gaetana Agnesi deine Aufwartung gemacht hast. Sie freut sich immer, wenn du zu Besuch kommst. Noch dazu mit so guten Neuigkeiten. Um diese Zeit ist sie im Speisesaal.“
Schon von Weitem erkannten sie die aufrechte Gestalt der Mutter Oberin, die in ihrer weißen Nonnentracht eine beeindruckende Erscheinung war. Groß und immer noch schlank stand sie zwischen den Regalen, in denen sich Brotlaibe stapelten. Mit einem symbolischen Kreuz segnete sie gerade die einzelnen Laibe.
„Madre Maria Gaetana Agnesi, Marcello hat die kaputten Fensterläden gerichtet. Er wollte Euch noch schnell eine gute Nacht wünschen, bevor er wieder weiter muss.“
„Marcello, es freut mich, dich zu sehen! Erst vorhin habe ich an dich gedacht. Mir war so, als wenn ich deine wunderschöne Stimme gehört hätte. Ich vermisse dich, wenn wir unsere Choräle singen. Danke für deine Hilfe. Magst du mit uns essen?“
„Nein, mille grazie, Madre, ich muss gehen. Bin schon auf dem Sprung. Lasst mich rufen, wenn es wieder etwas zu tun gibt. Ich arbeite ab morgen auf der Baustelle vom neuen Opernhaus. Ab jetzt werd ich zwar nicht mehr so viel Zeit haben wie bisher, aber für Euch tu ich alles!“
Früher als sonst stand Marcello am nächsten Morgen auf. Er strotzte vor Tatendrang. Rechtzeitig erreichte er die Piazza vor der großen Kirche Santa Maria alla Scala.
Die Hilfsarbeiter von Filippo Moro hatten bereits angefangen, die Männer einzuteilen.
Marcello musste mit anderen Bauarbeitern die großen Steinplatten des Kirchenvorplatzes lösen und beiseite räumen. Den restlichen Tag brachte er damit zu, Schutt und Steine in eine Holzwanne zu schaufeln und diese auf Pferdefuhrwerken auszuschütten. Er schuftete wie ein Ochse. Marcello spürte die prüfenden Blicke der Vorarbeiter und Arbeitseinteiler, die genau schauten, was jeder der Männer zu leisten vermochte.
Am Abend kam er todmüde von der Arbeit nach Hause, stieg die vielen Stufen zu seiner Kammer hoch und spürte alle Muskeln seines Körpers, ja selbst solche, von denen er nicht einmal gewusst hatte, dass es sie gab. Marcello war so erschöpft, dass er sich in seinen staubigen Kleidern auf die Pritsche fallen ließ und sofort einschlief.
Von da an glich ein Tag dem anderen. Arbeit, Arbeit, nichts als Arbeit. Doch nicht allein die körperlichen Strapazen machten ihm zu schaffen. Es gab so viele neue Eindrücke, dass er abends oft nicht mehr wusste, wo ihm der Kopf stand.
Marcello und Armando hatten schon früher gelegentlich bei einem Baumeister geholfen. Doch das waren immer nur Reparaturen gewesen. Eine gesprungene Treppenstufe musste ausgetauscht oder ein gebrochener Fenstersturz ausgebessert werden.
Der Umstand, dass dem Bau der Oper das Ende der Kirche Santa Maria alla Scala vorangehen würde, war ihm gar nicht in den Sinn gekommen. Stein für Stein musste die altehrwürdige Kirche abgetragen werden, um Platz für das neue Opernhaus zu schaffen.
An den ersten beiden Tagen war Marcello erstaunt gewesen, wie viele geistliche Würdenträger die Baustelle bevölkert hatten. Die Kirchenmänner standen meist in kleinen Gruppen beieinander. Allen Geistlichen waren die Wut und der Widerwillen darüber anzumerken, dass ein Gotteshaus dem Erdboden gleichgemacht wurde.
Während Marcello schwere Steinbrocken auf ein Fuhrwerk lud, wurde er Zeuge eines merkwürdigen Gesprächs.
„Ich kann es immer noch nicht fassen: Eine Kirche wird durch ein Opernhaus ersetzt! So etwas hat es in Mailand noch nie gegeben!“, hörte er einen kleinen, drahtigen Mönch schimpfen.
„Ja, so hat die Obrigkeit entschieden. Kardinal Ricci hat eigens die beschwerliche Reise an den Hof nach Wien auf sich genommen, um den Abriss der Kirche zu verhindern. Doch die sture Kaiserin hat sich nicht mehr umstimmen lassen“, erregte sich ein anderer Mönch.
Marcello konnte die Kuttenträger verstehen. Allerdings hatte er mit eigenen Augen gesehen, dass sich das Gebäude wirklich in einem erbärmlichen Zustand befand.
Santa Maria alla Scala glich eher einer baufälligen Ruine denn einer stolzen Kirche. Es war unter Mailands Gläubigen schon seit langer Zeit bekannt, dass hier keine Messen mehr gelesen wurden. Die schwere hölzerne Kirchenpforte mit ihren kunstvoll geschmiedeten Eisennägeln war seit mehr als fünf Jahren verschlossen. Auch das Geläut rief schon lange keinen Christenmenschen mehr zum Gebet und ließ auch nicht mehr vernehmen, was die Stunde geschlagen hatte. Die Kastanienstämme, die für die Konstruktion des Glockenstuhls verwendet worden waren, hatten dem Gewicht der Bronze nicht mehr standhalten können. Das Holz war morsch und brüchig geworden, und die Glocken hatten die Decke durchschlagen und waren auf dem Boden zerborsten. Es grenzte seinerzeit fast an ein Wunder, dass das Geläut niemanden unter sich begraben hatte.
Auch das Dach war an manchen Stellen eingebrochen und statt Kerzen erleuchtete nun das Azurblau des Himmels das Kirchenschiff. Das Gewölbe der Apsis war gänzlich zerstört, der Fußboden mit aus den Wänden gebrochenen Steinquadern übersät. Einige Säulen neigten sich so schief wie Türme, die Kinder aus Steinen und Holzstücken aufeinanderstapeln, bis sie aus der Balance geraten und in sich zusammenfallen.
Die alten Hausherren packten alles ein, was ihnen gehörte und wichtig war. Akribisch wachten sie darüber, wie die Gegenstände auf bereitstehende Ochsenkarren verladen wurden.
Vorsichtig lösten die Bauarbeiter die Weihwasserbecken aus ihren Verankerungen; für solch heilige Güter würde in einem Opernhaus keine Verwendung mehr sein. Auch die Grabplatten, unter denen die Söhne der Kirche ruhten, wollte der Klerus nicht zurücklassen. Es waren kunstvoll gefertigte Reliefs, viele aus kostbarstem Marmor, unter denen die leiblichen Überreste der Kirchenväter für immer eine Ruhestätte hätten finden sollen. Nun wurden die Mönche Zeugen der Schändung, als die verbliebenen Relikte menschlicher Existenz ausgegraben und umgebettet wurden.
Nur zur Essenszeit sahen sich Marcello und Armando regelmäßig, sonst waren sie meist zu verschiedenen Arbeiten eingeteilt. Inzwischen gab es hier eine fahrende Küche, die dafür sorgte, dass die Arbeiter für ein paar Lire mit Suppe, Brot oder einem Stück Käse versorgt wurden.
Signora Cuccini führte dort das Regiment und schwang den Kochlöffel. Sie war nicht mehr ganz jung – eine Frau, deren Alter man nicht richtig einzuschätzen vermochte. Ihr schallendes Lachen war oft schon von Weitem zu hören. Sie wusste, dass die Portionen nicht groß genug sein konnten, um den Hunger der Bauarbeiter zu stillen. Sie kannte die Vorlieben der Männer und würzte ihr Essen mit derben Scherzen, sodass trotz aller Anstrengungen und Schufterei die Mittagspause bei ihr stets ein Höhepunkt des Tages war. Signora Cuccini zog alle Männer in ihren Bann. Schon nach wenigen Tagen wusste sie die Namen der ganzen Mannschaft. Bei ihr erfuhr man spannende Neuigkeiten aus erster Hand, und so war ihre Gerüchteküche bald genauso beliebt wie ihr Essen.
„Hast du’s schon gehört?“ Schmatzend klopfte Armando Marcello auf die Schulter. „Wir kriegen gleich Besuch. Der Architekt kommt zur Besichtigung. Wisch dir lieber den Mund ab, sonst denkt der, du bist nur wegen des Essens hier.“
„Woher weißt du, dass der Architekt kommt?“ Marcello hatte keine Lust, auf die Frotzelei seines Freundes einzugehen.
„Tja, das sind meine guten Beziehungen zur Küche. Die Cuccini hat’s mir im Vertrauen erzählt.“
„Dir und allen andern, nehm ich an.“
Die Männer, die mit ihnen zusammen auf der Holzbank saßen, schmunzelten. Claudio, der direkt neben Marcello hockte, mischte sich in die Unterhaltung ein. „Diesen Piermarini hab ich schon einmal gesehen. In Mantua. Der weiß, was er will, und wenn dem was nicht passt, dann spritzen die Funken!“
„Und angezogen ist er wie ein Gockel“, pflichtete ein weiterer Arbeiter bei. „Ich kenn ihn auch. Rote Hose, blauer Wams und grüner Hut mit Federbusch. Seine Perücke war so stark gepudert, dass alle niesen mussten, die in seine Nähe kamen. Madonna mia! Und klein ist er, aber schreien kann der Zwerg, das könnt ihr mir glauben!“
„Schaut lieber, dass alles aufgeräumt ist!“ Unwirsch raunzte einer der Vorarbeiter die Gruppe an und schwang den Besen drohend in ihre Richtung. „Sonst lernt ihr ihn gleich richtig kennen. Wenn er was nicht leiden kann, dann Schlamperei. Schluss mit dem Gerede! Esst schneller und dann zurück an die Arbeit.“
Murrend schlangen die Arbeiter die letzten Bissen hinunter. In diesem Moment fuhr eine schwarze, elegante, offene Kutsche auf den Kirchenvorplatz zu.
„Wenn man vom Teufel spricht!“, zischte Claudio den anderen Männern zu und stellte hastig seine Suppenschüssel auf der Bank ab.
Kaum war die Kutsche zum Stehen gekommen, als auch schon ein kleiner drahtiger Mann heraussprang. Mit seiner gelben, eng anliegenden Seidenhose, einem roten Jackett mit goldenen Knöpfen und einer modischen Wasserfallkrawatte war er eine sehr auffallende, respekteinflößende Erscheinung. Ungeduldig drehte er sich zu der Gruppe Männer um und schrie: „Seid ihr hier zum Essen angestellt? Wo ist der Bauleiter?“
Filippo Moro eilte aufgeregt mit rotem Kopf auf den Architekten zu und buckelte unterwürfig.
„Hat man dir nicht gesagt, dass ich komme? Ich hab keine Zeit, mir hier die Beine in den Bauch zu stehen.“
Marcello flüsterte Armando leise ins Ohr: „Mit dem ist wirklich nicht gut Kirschen essen. Die anderen haben nicht übertrieben. Dem gehen wir besser aus dem Weg!“
Aus dem Augenwinkel heraus beobachtete er, wie der Architekt mit dem Bauleiter im Inneren der Kirchenruine verschwand. Erleichtert atmete er auf und begann wieder Schutt in seinen Holztrog zu schaufeln. Er warf aus der Entfernung einen Blick auf die prächtige Kutsche mit den zwei braunen Rappen.
Der Kutscher, der ein graues Livree und einen schwarzen, breitkrempigen Hut trug, war vom Bock heruntergestiegen und richtete das Zaumzeug und die Trensen der edlen Pferde.
Noch nie hatte Marcello ein so elegantes Gefährt gesehen. Die Speichen der Räder waren mit Blattgold überzogen. Das schwarze Ebenholz glänzte in der Mittagssonne. Marcello bewunderte gerade das kunstvolle rot-weiße Wappen auf der Kutschentür, in dessen Mitte ein Falke abgebildet war. Plötzlich nahm er eine Bewegung im Inneren der Kutsche wahr. Im Wagen saß eine junge, vornehme Frau. Offenbar wartete sie auf die Rückkehr des Architekten.
Marcellos Herz begann schneller zu schlagen. Was für eine wunderschöne Frau! Ihr leuchtend rotes Haar war elegant zu einer Hochsteckfrisur aufgetürmt, die von Perlmuttnadeln und Schildpattkämmen gehalten wurde. Ihre feinen, ebenmäßigen Gesichtszüge waren bezaubernd. Nur ihr großer Mund störte die Symmetrie des Anblicks und passte nicht so ganz zu dem vornehmen Bild.
Marcello konnte seinen Blick nicht von der Schönen lösen.
In ihrer rechten behandschuhten Hand hielt sie einen lindgrünen, spitzenbestickten kleinen Sonnenschirm, mit dem sie sich vor der Nachmittagssonne schützte. Sie trug ein dekolletiertes grünes Sommerkleid, das eine Nuance dunkler war als der Sonnenschirm. Die Farbe hob ihren Porzellanteint noch mehr hervor. Niemals zuvor hatte Marcello im Sommer ein so bleiches Gesicht erblickt.
Er wagte nicht, die Schöne weiter zu beobachten. Hastig beugte er sich erneut über den Schuttberg, der vor ihm lag, und schaufelte weiter. Sein Herz schlug heftig. Hoffentlich hatte die vornehme Dame sein ungehöriges Benehmen nicht bemerkt. Wenn sie dem Architekten erzählen würde, wie schamlos er sie angestarrt hatte, anstatt zu arbeiten, dann könnte er sich gleich nach einer neuen Arbeit umsehen. Marcello türmte Schutt und Erde in den Holztrog. Sein Hemd klebte am Rücken, der Schweiß lief ihm in Strömen über die Stirn. Die Luft flirrte vor Hitze. Nachdem er den Trog randvoll gefüllt hatte und auf seine Schultern hob, wagte er erneut einen kurzen Blick in Richtung der jungen Frau. Sie saß noch immer fast reglos in der Kutsche und starrte auf die große Kirchentür, hinter der der Architekt verschwunden war.
Auf einmal trat Giuseppe Piermarini mit Filippo Moro an seiner Seite wieder aus der Kirche heraus.
„Signore Piermarini, ich werde heute noch die Flaschenzüge an den von ihnen bestimmten Stellen montieren lassen. Ich schätze, wir werden in einer guten Woche das ganze Kirchenschiff abgetragen haben“, hörte Marcello den Bauleiter geschäftig sagen.
„Gut, Moro. Schau zu, dass es vorwärts geht. Ich kümmere mich solange um das Übergangstheater. Es muss so schnell wie möglich fertig werden, damit das Musikleben in Mailand wieder aufgenommen werden kann. Dies geschieht auf ausdrücklichen Wunsch der Kaiserin! Das Teatro interinale muss spätestens nächsten Monat seine Pforten öffnen. Frühestens nächste Woche komme ich wieder bei dir vorbei.“
Grußlos wandte sich Piermarini um und lief zur Karosse. Der Kutscher öffnete ihm beim Einsteigen die Tür und Piermarini ließ sich neben der jungen Frau in die Polster fallen. „Allora, Abfahrt!“ Mit einem Peitschenknall brachte der Kutscher die Rösser in Trab und der Wagen rollte zügig vom Platz.
Kaum war die Kutsche außer Sichtweite, als Armando zu seinem Freund eilte.
„Holla, holla, das kommt nicht alle Tage vor, dass man so eine schöne Contessa zu Gesicht bekommt. Die haben die Adligen sonst in ihren Palazzi weggesperrt.“
„Ich bin froh, dass du sie auch angestiert hast. Hatte schon gedacht, ich wär der Einzige. Wer die wohl war?“
„Vielleicht war’s seine Frau oder seine Mätresse?!“
Gianfranco Colarie saß in der dunkelsten Ecke der Kirche San Fedele und wartete auf Carla, seine Zwillingsschwester. Er wusste, wie schwierig es für sie war, der Trattoria Rosario für ein heimliches Treffen mit ihm zu entfliehen.
Mit einem Schmunzeln erinnerte er sich an das letzte Mal, als Carla bepackt wie ein Lastesel mit ramponierten Pfannen und Töpfen erschienen war. Sie hatte vorgegeben, das Kochgeschirr beim Kesselschmied flicken zu lassen.
Ungeduldig trommelte er mit seinen schmalen, langen Fingern auf seine Knie. Die Zeit drängte, auch er musste zurück zur Arbeit. Nervös fuhr er sich mit dem Handrücken über die hohe Stirn und versuchte seine widerspenstigen dunklen Locken zu bändigen. Er zupfte ein braunes Haar von der Schulter seines Jacketts. So sehr er seine momentane Arbeit verabscheute, so gut gefiel ihm seine elegante Livree.
Plötzlich wurde die große Eingangspforte von San Fedele knarrend geöffnet. Na endlich! Gianfranco beobachtete, wie Carla zum Weihwasserbecken trat, sich bekreuzigte und vor dem Altar anmutig auf die Knie sank. Wie hübsch sie heute wieder war!
Gianfranco erhob sich von der Kirchenbank und ging auf Carla zu, die ihm freudestrahlend entgegenkam. Er fuhr seiner Schwester liebevoll durch die ebenfalls widerspenstigen Locken und küsste sie zart auf die Wange. „Ich bin froh, dich zu sehen, Carla. Was musstest du dir dieses Mal für eine Ausrede einfallen lassen, um zu unserem Treffen kommen zu können?“
„Frag lieber nicht! Es geht nicht mehr lange gut mit meinen fadenscheinigen Vorwänden. Ich halte es auch kaum noch aus in dieser Kaschemme. Ach, Gianfranco, es ist so grauenvoll in dem Gasthaus. Schau nur, in was für jämmerliche Kleider sie mich gesteckt haben!“ Ärgerlich fuhr sie mit der Hand über ihren mit Flecken übersäten Wollrock. „Die betrunkenen Gäste sind kaum zu ertragen. Von denen hat keiner auch nur einen Funken Anstand im Leib!“
„Gedulde dich noch ein wenig, Carla, bald können wir ein neues Leben beginnen. Das weißt du! Sag, warum hast du gefehlt bei der letzten Versammlung?“
„Ich konnte nicht weg. Die Wirtin hat mich einfach nicht gehen lassen. Außerdem ist meine Schlangenmaske zerbrochen.“ Carla senkte bedrückt den Kopf.
„Du kannst meine haben. Ich trage keine mehr.“ Gianfranco schwieg einen Moment, dann fuhr er fort: „Der Meister hat nach dir gefragt!“
