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Miniaturen über das Ungewöhnliche im Bekannten und das Vertraute im Fremden. Zum Schmunzeln und zum Nachdenken. Wie ein Schöpfel die Welt erschuf, ein grober Mensch zum Dichter wurde, eine Hausbesichtigung ein Leben veränderte und einiges mehr aus einem absurden Universum – und alle Geschichten sind wahr! Oder auch nicht.
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Seitenzahl: 117
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Die Schöpflungsgeschichte
und weitere Miniaturen
von L. Manitas
Miniaturen über das Ungewöhnliche im Bekannten und das Vertraute im Fremden.
Wie ein Schöpfel die Welt erschuf, ein grober Mensch zum Dichter wurde, eine Hausbesichtigung ein Leben veränderte und einiges mehr aus einem absurden Universum – und alle Geschichten sind wahr! Oder auch nicht.
Erstausgabe 2016
– E-Book –
Alle Rechte bei L. Manitas
Copyright © 2016
by L. Manitas
E-07710 Sant Lluís
Umschlaggestaltung: L. Manitas
978-3-7380-7583-0
Könnte Spuren von Gedöns enthalten!
Das kann ja »heiter« werden.
(Muss am Wetter liegen.)
Schön, dass ihr da seid!
Vielleicht hat sich der eine oder die andere schon einmal gefragt, wieso wir überhaupt hier sein können – auf diesem Planeten, in dieser Welt, in diesem Universum. Wer oder was ist eigentlich dafür verantwortlich, dass es uns gibt? Womöglich bringt die nun folgende Geschichte etwas Licht ins Dunkel unserer Ahnungslosigkeit, die Geschichte darüber, wie es wirklich war.
Oder gewesen sein könnte.
Oder auch nicht …
Wie alles begann …
Am Anfang war das Nichts.
Äh …
(So, an dieser Stelle machen wir erst mal eine dramatische Pause, um die dramatische Wirkung des dramatischen Schicksals des dramatischen Anfangs in seiner gesamten dramatischen Auswirkung des Dramas wirken zu lassen. Oder anders ausgedrückt: Zieht euch das mal rein: Nichts war da, rein gar nichts!)
Pause lang genug? Gut, wie ging’s dann weiter?
Wie es weiterging …
Aus dem Nichts entstand das Chaos.
Noch mal äh …
Zuvor jedoch ein Wort zu der Zeit vor dem Anfang. Da gab es nämlich ein Kontinuum aus Raum, Zeit und Gedöns. Dies war ebenfalls aus einem Chaos entstanden, über das leider nichts bekannt ist, da sämtliche Unterlagen vom allgewaltigen Schicksal verschludert wurden …
Wie auch immer: Diese Dreifaltigkeit war leider kein gutes Konzept, weil es zu viele Falten warf. Außerdem wirkte sich das Gedöns irgendwie störend aus. So entstand im Raumzeitgedöns etwa ein unsterbliches, allmächtiges und allwissendes Wesen, ein DUDEL namens KONRAD. Diesem DUDEL fiel sogleich auf, dass Sprache noch zu sehr im Chaos verhaftet war und es beschloss, Ordnung hineinzubringen. Es sammelte alles, was es an Wörtern finden konnte. Sodann schrieb es diese in ein dickes Buch, packte noch ein paar Regeln hinzu und gab seinem Werk der Einfachheit halber den Titel DUDEL. Nach getaner Arbeit knallte es sein Werk mit Schwung mitten ins Gedöns. Dadurch konnte sich das Kontinuum nicht mehr auf den Beinen halten und verlor die Contenance.
»LESEN!«, setzte KONRAD noch eins obendrauf, woraufhin das Gedöns ins Schleudern geriet und sich beleidigt zurückzog. Wir wissen nicht, wohin es verschwand, vermuten aber, dass es nicht ganz weg sein kann; denn in dem sogleich aufploppenden Anfang, wie eingangs erwähnt, entstand nun ein Nichts. Daraus mühte sich jenes berühmte Chaos hervor, welches bis heute Gültigkeit hat und sich mit seiner permanent messbaren Hintergrundstrahlung ständig in Erinnerung bringt. Dort findet man immer noch zahlreiche Überbleibsel von Gedöns. Was aus KONRAD wurde, ist nicht überliefert, es lässt sich höchstens vermuten, dass er ebenfalls noch allmächtig, allgegenwärtig und allwissend in den Köpfen von Leuten wohnt. Was man von Leuten halten soll, ist ja wohl klar. Niemand wünscht sich Leute als Nachbarn, so viel ist mal sicher.
Doch zurück zur Sache, dieses Traktat heißt ja schließlich SCHÖPFLUNGSGESCHICHTE und nicht DUDLUNGSGESCHICHTE.
So, jetzt aber …
Aus dem jüngst geborenen Chaos erschuf sich nun selbst das SCHÖPFEL (oder eher ein SCHÖPFEL; denn es gab mehrere). Sein Name war ALLMÄCHTIG, EWIG ALLMÄCHTIG. (So wie bei Bond, James Bond. Kapiert?)
Manche Leute behaupten, dass es sich um ›einen‹ oder ›den‹ Gott handelte. Ich bin mir da nicht so sicher, vor allem deswegen, weil ich mit ›Leuten‹ nicht viel anfangen kann.
Ich sehe ein, dass ich leider wieder unterbrechen muss. Entschuldigung, es geht nicht anders. Nach meinen obigen Anspielungen fühle ich mich geradezu genötigt, euch über ›Leute‹ aufzuklären. Nicht dass es hinterher heißt, ich spräche in Rätseln.
*
Leute, eine seltsame Spezies. Sie verwenden gerne das Wort ›man‹. »Das macht man nicht!«, sagen Leute sehr oft, oder: »Man muss zufrieden sein!«
Leute gibt es definitiv nicht als Einzelwesen, sondern immer nur in der Gruppe, also als Plural. Ich habe noch nie ein einzelnes Leut gesehen. Es ist aber nicht möglich, eine solche Gruppe genau zu definieren. Klar, du kannst auf eine Gruppe Menschen zeigen und sagen: »Das sind Leute!« Doch wenn du näher herangehst, siehst du ganz deutlich: Die Gruppe besteht aus lauter Einzelwesen. Also kann es sich nicht um ›Leute‹ handeln. Da fragst du unschuldig zehn Leute, was sie von Leuten halten, und dann musst du feststellen: Du hast Menschen gefragt. Es ist irgendwie paradox.
*
Ich sehe jedoch ein, dass es nichts bringt, weiter über diese Spezies nachzusinnen. Deshalb fahre ich nun fort, euch von EWIG ALLMÄCHTIG zu erzählen.
Nach einer ewig langen Weile der Langeweile sagte EWIG bei sich: »ACH, GUCK, WIE LANGWEILIG!«, denn es war ja allein. So glaubte es zumindest. Mit wem hätte es sich also unterhalten sollen? Dann sprach das SCHÖPFEL: »Ich könnte ja mal was erschaffen«. Es spielte ein wenig mit dem chaotisch herumliegenden Chaos herum, formte daraus irgendwelche Sonnen und Planeten, sogar ganze Galaxien. Auf diese Weise füllte es die Unendlichkeit mit einem Multi-Universum. Manche Leute sagen dazu auch Multiversum, manche bestehen auf Universum, wiederum andere wollen es unbedingt Luftballon nennen. Doch das soll uns hier nicht weiter interessieren, denn die einen sagen so, die anderen so. Das kennt man ja.
EWIG jedenfalls sah, dass es gut war. Glaubte es, doch wir werden später sehen, dass EWIG gar nicht der Bestimmer war, also auch nicht einfach dreist entscheiden konnte, ob etwas gut war oder nicht. Leider wurde wegen dieser seiner Wahrnehmungsstörung aus Versehen das Prinzip der Selbstüberschätzung als Naturgesetz in sämtliche – äh – DINGSE eingebaut, sodass auch heutzutage noch in unserer bescheidenen Ecke des Multiversums zu jeder Zeit jedermann glaubt, im Besitz der allein selig machenden Wahrheit zu sein. Kurz: Jeder Spinner glaubt, immer im Recht zu sein. Ach so, ja, die DINGSE – dazu komme ich gleich, das hat nämlich etwas mit mehreren Anfängen, Nichtsen und Chaossen zu tun.
Bleiben wir vorerst bei dem SCHÖPFEL namens EWIG.
Nach getaner Arbeit hockte es sich auf einen zufällig dahertreibenden Planeten eines zufällig im Wege stehenden Sonnensystems einer zufällig gerade in dieser Region des Multiversums träge dahinkäsenden Milchstraße und sagte: »ACH GUCK, IMMER NOCH LANGWEILIG!«
Das muss so ungefähr zu der Zeit gewesen sein, als das SCHÖPFEL begann, auf Örden zu wandeln, denn den Felsbrocken, auf dem es sich niederließ, nannte es die »Örde«.
*
Nun ist es aber so: Es gab am Anfang nicht nur ein einziges Nichts, es gab noch andere Anfänge mit eigenen Nichtsen, und aus denen entstanden andere Chaosse, aus denen sich wiederum andere SCHÖPFEL schufen. Die dann ihrerseits die tollsten Absonderlichkeiten und die absonderlichsten Tollheiten formten. DINGSE halt.
An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die Baumaterialien, aus denen die DINGSE gemacht wurden, nicht aus dem Chaos selbst stammten. Die drei häufigsten Materialien waren: Langeweile, Monotonie und Eintönigkeit, und sie hatten alle irgendwie mit diesem rätselhaften Phänomen Zeit zu tun. Es handelte sich dabei um geheimnisvolle Substanzen, die einerseits irgendwie nicht greifbar waren, andererseits aber als konstante Parameter überall eingewoben waren. Phänomene, die stets mitbestimmten. Doch das verstehen nur Quantenphysiker, wenn überhaupt.
Das Verrückte war, dass all die SCHÖPFEL nicht voneinander wussten. Vor allem wohl deswegen, weil sie allesamt nicht besonders helle waren. So war ihnen schlichtweg entgangen, dass sie ihrer Langeweile hätten entkommen können, hätten sie nur ein wenig über ihren Denkhorizont hinausgeschaut, also über das Brett vor ihren Köpfen (oder was sie so als Köpfe hatten). Sie haben aber nicht geschaut. Wie blöd kann man sein?
Na SO halt!
Deshalb wusste kein SCHÖPFEL von den anderen. Doch eines ist gewiss: Sie alle hatten null Bock auf Eintönigkeit. Und dieser NULL-BOCK machte sich alsbald auf die Reise und galoppierte quer durch alle Nichtse, Chaosse und DINGSE, die Botschaft zu verkünden. Bald wurde auch beim allerletzten SCHÖPFEL bekannt: Es gab noch andere! Nicht dass man den anderen vertraut hätte – nein, nein. Doch es rumorte gewaltig über all diese aus Langeweile, Monotonie und Eintönigkeit erschaffenen Abscheulichkeiten hinweg, und so gelangte kurz nach dem NULL-BOCK auch der RUMOR bis in den letzten Winkel aller Dingse. RUMOR ist ein sehr strapaziertes Wort in der Schöpfelsprache und bedeutet »Gericht«. Nee, Quatsch, »Gerücht«. Mit Ü.
Wie beim Flurfunk im Bauplanungsamt, so hörten bald alle SCHÖPFEL von der jeweiligen Langeweile der anderen. Ein jedes fragte sich, ob man das ändern könne, ob man das überhaupt ändern solle und ob man das denn auch dürfe! Sie waren sich schnell einig, obwohl sie sich gar nicht direkt treffen konnten. Aber über den Flurfunk ging’s dann doch, irgendwie, und sie beschlossen, einen Kreativ-Wettbewerb auszurichten!
Wer die beste Kreation kreierte, darum sollte es gehen.
So wurden Ehrgeiz und Leistungsdruck gleichzeitig erfunden, zwei weitere mysteriöse Naturkonstanten, aber das nur am Rande. Alle SCHÖPFEL würden über ihre Schöpfungen gegenseitig abstimmen, und dasjenige mit den meisten Stimmen hätte gewonnen. So der Plan. Leider hatte ihnen niemand gesagt, dass so was beim ESC auch nicht funktioniert, weil es ja noch niemanden gab, der ihnen das hätte sagen können. Doch egal, wen kümmert’s. Sie schufen und erschufen, sie kreierten und schöpften bis zur Erschöpfung, dass es nur so krachte.
Da war EWIG – ihr erinnert euch, unser SCHÖPFEL vom Anfang – schon weiter. Die Sache mit dem Krach, also dem Urknall, war längst erledigt, so mehr ›by the way‹ vor langer, langer Zeit. Es handelte sich um einen simplen Flatus, der keine Miete gezahlt hatte und deswegen raus musste.
EWIG kam nun eine geniale Idee: Das gab es noch nie, und die anderen würden vor Neid erblassen. Sie würden sich vor Hochachtung selbst in ihr eigenes Nichts zurückverwandeln.
Einmal in die Hände gespuckt, und EWIG erschuf ............... (ich ziehe das hier mal in die Länge, wegen der dramatischen Wirkung) ............... die FRAU.
Und es sah, dass es GUT war!
Was bis heute ein typischer Anfängerfehler ist, aber was soll man dazu sagen? Das Thema hatten wir bereits – Wahrnehmungsstörung und so.
Gut war unserem SCHÖPFEL jedoch nicht gut genug; es wollte Perfektion, um den Pokal ganz sicher nach Hause zu holen. So versah es die Frau zuerst mit Ohren, dann einem Sprechwerkzeug und dem anderen Gedöns. Ach, seht ihr, da ist schon ein Überbleibsel! Ihr erinnert euch? Ich erwähnte das ja zu Beginn, das mit den Gedönsresten aus einem ehemaligen Chaos.
Also, unser SCHÖPFEL beglückte diese Frau mit allem, was man so brauchte, wenn man sich auf einem Staubkorn im Universum unterhalten wollte. Nur die Augen hatte es vergessen. Es ist bis heute nicht geklärt, warum. Danach versorgte es sie mit einem Bewusstsein sowie schließlich einem Verstand. Bisschen viel auf einmal, wenn ihr mich fragt, aber mich fragt ja keiner.
EWIG erhielt prompt die Quittung. Die Frau sah sich um, obwohl sie keine Augen besaß, verschränkte die Arme und sagte naserümpfend: »Hmm!« Das war das erste ›Hmm‹ der Geschichte, aber nicht das letzte. Frauen machen das immer noch so, da kann sich Männe noch so sehr anstrengen, am Ende einer handwerklichen Verrichtung steht Weibi mit verschränkten Armen da und kommentiert mit: »Hmm!«
Das SCHÖPFEL wartete auf weitere Ergüsse seiner neusten Kreation. Es musste nicht lange warten, denn – »Ähem, EWIG?«
»JA, MEIN KIND?« EWIG musste übrigens in GROSSBUCHSTABEN sprechen, weil es ja ein SCHÖPFEL war. SCHÖPFEL machen das so; steht irgendwo im Handbuch für SCHÖPFEL. Moment mal, (blätter) ich glaube auf Seite (blätter, blätter) – gleich hab ich’s, Momentele – eins. Ja, auf Seite eins. Da steht zwar sonst nichts weiter als die Sache mit den Großbuchstaben und das Handbuch ist tatsächlich gerade mal ein Zettel mit nur einer Seite, aber na ja.
Seltsam, dass ich bei nur einer Seite blättern muss. Doch so ist das wohl, wenn man ein SCHÖPFELHANDBUCH in einer Menschenhand hält. So etwas geht nicht so einfach, denn eine Menschenhand ist nur für drei Dimensionen gemacht, während das SCHÖPFELHANDBUCH durch alle nur denkbaren Dimensionen reicht.
Komisch …
Es soll einmal eine zweite Seite gegeben haben, behauptet ein RUMOR, also ein Gerücht, auf der die Weltformel gestanden haben soll, jene Formel, die angeblich für alle Anfänge und Nichtse und Chaosse und Universen gültig sei und alles erklären könne. Aber diese Seite ist verloren gegangen oder wurde verschlampt oder ist gestohlen worden oder …
Ach, was weiß ich! Sie ist jedenfalls weg oder es hat sie nie gegeben. Es bringt auch nichts, sich darüber Gedanken zu machen, hören wir also weiter dieser Frau zu: »Ich will ja wirklich nicht meckern, aber könntest du nicht mal das Licht anmachen? Es ist so schrecklich dunkel hier!«, meckerte sie.
Nun erst dämmerte es EWIG – diesen Vorgang nennt man (also die ›Leute‹) seither »Götterdämmerung« –, dass es vergessen hatte, Fenster in die Frau einzubauen. Und so bekam die Kreatur nachträglich doch noch Augen; schöne Augen, glänzende Augen, neugierige Augen. Augen, die alles sahen, was sie sehen wollten, und all das nicht sahen, was sie nicht sehen wollten.
So ward nun also Licht.
Jetzt endlich schaute sich die Frau richtig um und sah, dass sie nichts sah, außer sich selbst, denn EWIG hatte sie nach SEINEM Bilde geformt, mit Ausnahme der fehlenden Augen. Vielleicht war das auch Absicht, weil es eigentlich nicht wollte, dass sie das Universum und den ganzen Rest sehen konnte. Das war ja auch ziemlich schlampig zusammengeschustert – meine Meinung! –, und vermutlich war es EWIG einfach nur peinlich. Aber ich weiß es nicht, woher auch.
Unser SCHÖPFEL hatte nun das Versäumte nachgeholt und hielt ihr noch schnell den billig aus Sand und Spucke erschaffenen Spiegel hin, sodass sie sich selbst bewundern konnte. Sie fand sich um einiges schöner als ihre Vorlage, obwohl Original und Kopie völlig identisch waren. Ja, so war sie nun mal, diese putzige kleine Neuschöpfung.
»Oh my god, oh my god, wie geil ist das denn!«, sagte sie immerfort, während sie sich unaufhörlich über ihre flache Brust, ihren flachen Hintern und ihren schwabbeligen Bauch streichelte. Dabei drehte sie sich vor dem Spiegel hin und her, als gälte es, das Posieren für den Titel der Miss Universum zu proben.
*
