Die Seele will gehört werden - Elisabeth Gnehm - E-Book

Die Seele will gehört werden E-Book

Elisabeth Gnehm

0,0
18,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Was machen Gesundheit und ein sinnerfülltes Leben eigentlich aus? Diese Themen bearbeitet Elisabeth Gnehm in ihrem Buch "Die Seele will gehört werden". Eigene Probleme ließen sie früh zur Forscherin werden. Wie hängt Gesundheit zusammen mit meinen mitgebrachten Anlagen, Erlebnissen, Gedanken und Gefühlen? Woher komme ich, wozu bin ich da und wohin werde ich gehen, sind Fragen, welche sie aus einem ganzheitlichen, weiten Blickwinkel zu beantworten versucht. Yoga, Astrologie, Ernährung, Partnerschaft und Spiritualität sind Themen, die sie seit Jahren begleiten und bereichern. Viele praktische Tipps und Hintergrundinformationen aus ihrer eignen Lebensgeschichte sowie ihrer therapeutischen Tätigkeit mögen den Leser anregen, das eigene Leben mutig, freudvoll und authentisch zu gestalten.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 447

Veröffentlichungsjahr: 2022

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2022 novum publishing

ISBN Printausgabe: 978-3-99131-641-1

ISBN e-book: 978-3-99131-642-8

Lektorat: Tobias Keil

Umschlagfoto: Cammeraydave | Dreamstime.com

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

Innenabbildungen: siehe Bildquellennachweis

www.novumverlag.com

Bildquellennachweis:

Bild 1: © Quelle: „Yoga, die 5 Schlüssel zur gesundheit“ S. 260; ISBN 978-3-8338-7896-1, bearbeitet von D. Gnehm;

Bild 2: © Designed by D. Gnehm ;

Bilder 3-4: © Quelle: „Chakrahandbuch“ S. 228 ff., ISBN 978-3-89385-038-9, bearbeitet von K. Gnehm;

Bild 5: © Quelle: „Lehrbuch Psychosomatische Energetik“, ISBN 3-936486-15-8, bearbeitet von K. Gnehm;

Bild 6: © Quelle: „Astrodata Fernlehrgang 1997“, Symbole aus dem Internet, bearbeitet von K. Gnehm;

Bild 7: © Quelle: „Astrodata Fernlehrgang 1997“, Symbole aus dem Internet, bearbeitet von K. Gnehm;

Bild 8: © Quelle: astrodata.com/Gratishoroskope, bearbeitet von K. Gnehm;

Bild 9: © Quelle: astrodata.com/Gratishoroskope, bearbeitet von K. Gnehm;

Bild 10: © Quelle: astrodata.com/Gratishoroskope, bearbeitet von K. Gnehm;

Bild 11: © Quelle astrodata.com/Gratishoroskope, bearbeitet von K. Gnehm nach Idee von E.Gnehm;

Bild 12: © Quelle: „Archetypen der Seele“, ISBN978-3-442-21929-2, zusammengestellt von K. Gnehm nach Idee von E. Gnehm

Einführung

der Autorin

Mehrmals wurde mir nahegelegt, ich solle doch ein Buch schreiben über meine Erfahrungen und mein therapeutisches Wissen.

Im Herbst 2020 spürte ich, wie sich in meinem Geist Ideen konkretisierten und niedergeschrieben werden wollten. Als Geschenk des Himmels fand ich Monika Marti, welche mir die ersten Tipps gab zur „Kunst des Schreibens“. Bereits der Einstieg in mein Buch ist herausfordernd, denn mit meinen vorgeburtlichen Erfahrungen werden Sie in ein Thema eingeführt, das Ihnen wahrscheinlich wenig vertraut ist. Am Ende des Buches werden Sie diese Welt wahrscheinlich besser verstehen.

Die Auseinandersetzung mit Essen und Ernährung bestimmte einen großen Teil meines Lebens. Das Thema ist heute sehr präsent, und ich liefere dazu gerne meinen Beitrag, denn Nahrung kann unser Heilmittel, aber auch unser Verderben sein.

Viele Diskussionen gab es zur Frage, ob es angebracht ist, dass ich meinen Partner in mein persönliches Berichten miteinbeziehe. Meine Lebenserfahrungen sind stark mit meiner Partnerschaft verknüpft, so dass es für mich fast eine Notwendigkeit war, die Entwicklung unserer Beziehung als Teil des Buches zu integrieren. Da ich nicht nur über die Sonnenseiten unserer Partnerschaft berichte, sondern auch über die Schattenseiten und Ängste, an denen es zu wachsen galt und gilt, mache ich uns beide mit diesen Zeilen verletzlich. Meine Absicht ist es, Ihnen nicht nur theoretische Inhalte anzubieten, sondern lebensnahe, gefühlte Erfahrungen, über die nicht so häufig gesprochen wird, weil sie in einer Tiefe berühren, die wir gerne für uns behalten.

Die Corona-Zeit hat nicht nur in der Gesellschaft, sondern vielleicht auch in Ihrer Beziehung und in Ihnen selbst Gräben aufgerissen und den Blick in angstvolle Abgründe freigelegt. Was wollen diese uns zeigen?

Ich wollte mögliche Wege beschreiben, wie wir uns den Gräben und Abgründen stellen und an ihnen wachsen können. Dafür sind wir meines Erachtens nämlich als Menschen hier auf der Erde inkarniert.

Ich lasse Sie teilhaben an meinen persönlichen Erfahrungen auf dem langjährigen Yoga-Weg und mit der Astrologie; Wissen, das mich bis heute fasziniert.

Mein Körper ist und war mein bester Lehrmeister, wenn es um das Erkennen von verdrängten Gefühlen oder unpassenden Lebensmustern ging und geht. Ich habe gelernt hinzuspüren und die eigenen Gefühle, Gedanken und Bilder wach und vorurteilslos zu betrachten, zu akzeptieren und, wenn nötig, mit Hilfe therapeutischer Methoden zu transformieren.

Bereits in jungen Jahren wurde ich mit der transpersonalen Welt konfrontiert, mit Erfahrungen, welche über dem Verstandeshorizont liegen und demzufolge in einer von rationalem Denken dominierten Welt schwer einzuordnen sind. Doch Erfahrungen können nicht genommen werden; sie müssen auch nicht geglaubt werden; sie sind, was sie sind.

Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens bin ich, wie wohl auch viele andere Menschen, immer wieder dem Thema Liebe begegnet. Gerne nehme ich Sie mit auf meine diesbezügliche Forschungsreise.

Meine Vermutungen, woher wir kommen und warum wir vielleicht da sind, versuchte ich im letzten Kapitel anschaulich darzustellen.

Ich wünsche mir, dass Sie mein Erzählen anregt, über Ihre Lebensthemen nachzusinnen. Entfalten Sie Ihr Potenzial durch seelische Wachheit und Mut zur Ent-Wicklung!

Elisabeth Gnehm-Beeli, Frühling 2022

Worte davor

von Hermann Hesse

„Das Leben, das ich selbst gewählt“

Ehe ich in dieses Erdenleben kam,

ward mir gezeigt, wie ich es leben würde:

Da war Kümmernis, da war Gram,

da war Elend und Leidensbürde.

Da war Laster, das mich packen sollte,

da war Irrtum, der gefangen nahm.

Da war der schnelle Zorn, in dem ich grollte,

da waren Hass und Hochmut, Stolz und Scham.

Doch da waren auch die Freuden jener Tage,

die voller Licht und schöner Träume sind.

Wo Klage nicht mehr ist und nicht mehr Plage

Und überall der Quell der Gaben rinnt.

Wo Liebe dem, der noch im Erdenkleid gebunden,

die Seligkeit des Losgelösten schenkt,

wo sich der Mensch der Menschenpein entwunden

als Auserwählter hoher Geister denkt.

Mir war gezeigt das Schlechte und das Gute,

mir ward gezeigt die Fülle meiner Mängel.

Mir ward gezeigt die Wunde, draus ich blute,

mir ward gezeigt die Helfertat der Engel.

Und als ich so mein künftig Leben schaute,

da hört ein Wesen ich die Frage tun,

ob ich dies zu leben mich getraue,

denn der Entscheidung Stunde schlüge nun.

Und ich ermaß noch einmal alles Schlimme –

„Dies ist das Leben, das ich leben will!“

gab ich zur Antwort mit entschloss’ner Stimme

und nahm auf mich mein neues Schicksal still.

So ward ich geboren in diese Welt,

so war’s, als ich ins neue Leben trat.

Ich klage nicht, wenn’s oft mir nicht gefällt,

denn ungeboren hab’ ich es bejaht.

1

Von der Zeugung bis zur Geburt – Prä- und perinatale Selbsterfahrung

Im Frühling 2019 suchte ich in der Nähe von Basel einen Selbsterfahrungsworkshop zum Thema:Die eigene Zeugung, Embryonalzeit und Geburt nochmals selber auf inneren Reisen erfahren. Organisiert wurde der Anlass von der isppm (Studiengemeinschaft für prä- und perinatale Psychologie und Medizin) Schweiz. Dabei ging es um die Untersuchung des Bewusstseins und der Wahrnehmung zwischen dem Zeitpunkt der Empfängnis, der Zeit als Embryo und der Geburt.

Es ist die Reise vom Jenseits, aus dem Einheitsbewusstsein zur Verbindung in der Mutter und schließlich durch die Geburt in die Getrenntheit und das Alleinsein.

Der Seminarleiter weiß aus seiner langjährigen Erfahrung, dass schon das vorgeburtliche Bewusstsein ein fundamentales Wissen hat, woher es kommt. Ebenso nimmt es alles wahr, was rundherum geschieht.

Am schönsten ist es für eine Seele, wenn sie vorbehaltlos willkommen geheißen wird. Jede Seele kommt mit bestimmten Qualitäten und einem ihr eigenen Wesenskern ins Erdenleben, einem Geschenk, das es zu entfalten gilt.

Im Laufe einer Schwangerschaft begegnet das werdende Baby aber oft Bedingungen, welche die ankommende Seele einschränken und fremd bestimmen. Dies können ungünstige Umstände der Mutter sein, des Nahrungsangebots, der Elternbeziehung, des Umfeldes oder der Ahnen.

So ist es angeblich für eine Seele die tiefste Verwundung, wenn sie bei ihrer Geburt nicht als Seele, als Wesen, so wie sie/es angelegt ist, willkommen geheißen wird.

Die Frage der Eltern und des Umfeldes sollte heißen:„Wer bist du? Was kann ich für dich tun? Wie kann ich dir zu deiner bestmöglichen Entfaltung verhelfen?“

Es wird unterschieden zwischen der Seele, welche bestimmte Qualitäten und einen Wesenskern mitbringt, und dem Ego, welches sich in den Umständen von Schwangerschaft, Geburt und Kindheit erst formt. Das Ego erwirbt sich Qualitäten, die immer eine Hilfe sein sollen, um sich selbst möglichst sicher zu halten und geliebt zu werden.

Je mehr sich die erworbenen Ego-Qualitäten von den mitgebrachten Seelenqualitäten entfernen, umso schmerzlicher wird das Gefühl des Seelenverlustes.

Das Gefühl des Seelenverlustes kann sich ausdrücken als etwas, das fehlt in mir. Man fühlt sich betäubt, emotionslos und apathisch. Der Lebensfunke fehlt, am Leben wird nicht mehr teilgenommen. Man fühlt sich verloren und ziellos. Das Selbstvertrauen schwindet, Ängste, Phobien und Süchte können daraus entstehen. In der Tiefe der Seele verbergen sich Trauer, Wut und Sehnsüchte, die keinen Ausdruck finden.

Die Sprache der Seele kommt oft in Bildern, Träumen, Körperzeichen oder als Intuition daher. Diese Metaphern dürfen nicht zu schnell zu wörtlich genommen werden. Wir müssen Zeit verbringen, um die Seele zu verstehen. Die Seele vermittelt zwischen Ego und Geist (Spirit), zwischen Getrenntheit und Einheit, zwischen mir und der Quelle (Gott, dem All-Einen), von der meine Seele herkommt.

In einer ersten Übung galt es nun, für unsere Seelenreisen eine innere Begleiterin zu finden.

Zu Gesang und schamanischen Trommelklängen ließ ich mit geschlossenen Augen innere Bilder hochsteigen: mein Bruder, meine Katze Miggi und schliesslich meine verstorbene Großmutter, die als inneres Energiebild an meiner rechten Körperseite „hängen“ blieb. Sie war es, die mich auf meinen weiteren Reisen begleiten wollte. Ein inneres Bild erschien mir, wie ich als Baby bei meiner „Grosi“ wohl war; bei ihr konnte ich entspannen; sie mochte mich, wie ich war.

Zeugung und Empfängnis

Als Nächstes stand die Reise zum Zeitpunkt vor der Empfängnis an.

In einer Meditation wurden wir Kursteilnehmer vom jetzigen Zeitpunkt zurückgeführt in die letzte Woche, das letzte Jahr, die Jugend, die Kindheit bis in den Mutterbauch und vor die Empfängnis.

Bei der nachfolgenden praktischen Übung lag ich in Embryohaltung auf einer Wolldecke. Zwei Kursteilnehmerinnen hielten je zwei Ecken der Decke und drehten mich, auf der Decke liegend, rückwärts. Begleitend gab es eine Urton-Musik, sozusagen das Summen des Kosmos. Ich war erstaunt, wie schnell sich konkrete Bilder zur Zeugungssituation einstellten.

Vor der Empfängnis sah ich, wie mein Energiekörper (Bewusstsein, Seele, Geist) längere Zeit um die Eltern kreiste und sie und deren Situation beobachtete. Es war, als säße ich auf dem Rand eines Trichters und sähe hinunter auf meine künftigen Eltern mit meiner eben erst als Frühgeburt geborenen Schwester. Die Eltern schienen ängstlich und gestresst zu sein in der Fürsorge um das Neugeborene.

„Dahin soll ich nun hinuntergehen? Neben dieser Schwester habe ich ja keinen Platz?! Die braucht die ganze Aufmerksamkeit!“,sagte eine innere Stimme in mir. Ich spürte Gefühle der Verweigerung, des Zurückweichens, nicht dort hinunterzuwollen. Doch da gab es „geistige Helfer“ und einen „Zwillingsbruder“, die mich daran erinnerten, was ich mir vorgenommen hatte.„Habe Mut zum Sprung, den Mut empfangen zu werden. Du schaffst das schon!“,waren Worte, die mir auf den Weg mitgegeben wurden.

Ich sah meinen Vater, wie er in seine Sexualkraft kam; sein Penis war erregt. Die Mutter sah ich nicht. Ich spürte meine eigene Gebärmutter; sie war warm.

„Themen aus dem Leben meiner Eltern solle ich in meinem Leben weitertragen und weiterentwickeln“, meinte die innere Stimme. „Die Gebärmutter mit der Kraft des Herzens verbinden“, wurde mir als weitere Botschaft mitgegeben.

In der Gebärmutter

Vor der nächsten Übung, der Einnistung in die Gebärmutter, gab uns der Seminarleiter zuerst wieder eine theoretische Vorbereitung:

Möglicherweise ist die Einnistung in die Gebärmutter einer der kraftvollsten Übergänge. Die befruchtete Eizelle hat sich unterdessen mehrmals geteilt und wird zum Blastozysten. Dies ist eine Zellkugel, welche sich nun auf den Weg macht, um vom Ort der Befruchtung, meist dem Eileiter, in die Gebärmutter zu wandern. Die äußeren Zellen sind gut genährt, die inneren sind hungrig. Den Übergang in die Gebärmutter überleben aber viele Blastozysten nicht. Nun sucht sich der Blastozyst, der bestmöglich leben will, den Ort in der Gebärmutter mit dem besten Nahrungsangebot.

Der Blastozyst nistet sich ein und dehnt seine Zellen ins Gewebe der Gebärmutter aus, um Blut zu saugen. Dies ist der erste zelluläre Kontakt mit der Mutter, angeblich auch Ursprung aller Vampirgeschichten. Die Einnistungsstelle beim Blastozysten ist die Gegend des späteren dritten Auges bei der Stirn.

Äußerst lehrreich fand ich die Unterscheidung verschiedener Gebärmuttertypen:

Gebärmuttertypen

Die Typologie entstand als Ergebnis von Rückführungsexperimenten. Es werden sechs Typen unterschieden, welche in der Realität auch als Mischformen auftreten können:

Üppig:Das Gewebe der Gebärmutter fühlt sich energetisch lebendig und empfangsbereit an für den Blastozysten. Die Zellen pulsieren. Es hat viel Nahrung und wenig toxische Stoffe.

Die Mutter fühlt sich wohl und ihre emotionale Verfassung ist positiv. Wenn die Mutter Selbstzweifel hat oder andere Schwierigkeiten, hat sie die Fähigkeit, sich schnell und vernünftig daraus zu befreien. Sie ist entspannt und erfreut sich an ihrer Sexualität. Die Mutter ernährt sich gesund und achtet auf ihre Gesundheit. Bei der Rückführung erleben die Probanden ein Gefühl von Willkommen-geheißen-Werden in einer Welt von sinnlichen Freuden und gutem Nahrungsangebot.

Trocken und unfruchtbar:Der Blastozyst hat das Gefühl, in einer Wüste gelandet zu sein.

Diese Qualität widerspiegelt die zu Grunde liegende emotionale Stimmung der Mutter. Die Seele des Embryos fühlt sich nicht willkommen geheißen. Dies kann die Folge von Langzeitstress und Unzufriedenheit der Mutter sein. Es ist möglich, dass die Schwangerschaft zu diesem Zeitpunkt nicht willkommen ist, und die Mutter zieht sich gefühlsmäßig innerlich von der Möglichkeit der Schwangerschaft zurück. Auch emotionale Probleme, eine ungesunde oder alte Gebärmutter führen dazu, dass der Blastozyst/Embryo nicht die Nahrung und Energie bekommt, um sich willkommen und im Leben unterstützt zu fühlen. „Kann diese Umgebung mich aushalten?“, ist ein Thema, das in der Rückführung hier auftaucht. Es fühlt sich nicht wie eine stabile und nährende Umgebung an.

Kalt:Es herrscht ein Gefühl der Kälte im Gewebe der Gebärmutter. Dies widerspiegelt eine gefühlsmäßig kalte Einstellung von Seiten der Mutter. Sie ist streng und kann sich nicht an der Sexualität und Sinnlichkeit ihres Körpers erfreuen. Diese Qualität der Härte und Kälte im Gewebe führt dazu, dass die Zellen kaum pulsieren können und das Gewebe zäh ist. So ist auch die Durchblutung schlecht und ebenso das Nahrungsangebot. In der Rückführung wurde das als durchdringendes Gefühl von Kälte im ganzen Körper erlebt. Anstatt sich willkommen zu fühlen, entstand eher das Gefühl von: „Ich muss mich wie ein ungebetener Gast ins Leben zwingen.“

Verschlingend:Die Mutter will wirklich ein Baby, aber nur zu ihrem eigenen emotionalen Nutzen und nicht um ein neues eigenständiges Wesen echt zu empfangen und begrüßen.

In der Rückführung fühlt es sich bei den Teilnehmern an, wie wenn sie gepackt würden vom Gewebe der Gebärmutter und überwältigt vom „emotionalen Hunger“ der Mutter. Es bleibt ein Gefühl von „da ist kein Raum für mich als Individuum“. Die emotionalen Bedürfnisse der Mutter überfluten den Blastozysten, das Gefühl des Mangels der Mutter ist immer da.

So ergibt sich die Situation, dass sich die Mutter am Blastozysten nähren will anstatt der Blastozyst am Gewebe der Mutter. Die allgegenwärtige Botschaft heißt: „Du gehörst mir.“

Vergiftet:Viele Stoffe aus der Umgebung tragen dazu bei, dass das Gewebe der Gebärmutter vergiftet sein kann: Chemikalien, Abgase, Farben, Kosmetika, Pestizide, Konservierungsstoffe, Mangelernährung, Alkohol, Rauchen, Drogen, Medikamente.

Auch emotionale Gifte sind ein Faktor; der Embryo wächst quasi im emotionalen Schatten von Mutter und Vater auf. Ungelöste Probleme sind wie „Eiterherde“. Tief erlebte Bitterkeit, Hass, Selbsthass, Depression oder Kummer können eine giftige Qualität in die Gebärmutter bringen. In der Rückführung erleben die Menschen oft eine Abneigung gegen eine vergiftete Gebärmutter; es fühlt sich an wie ein „Schluck Abwasser“.

Verwunschen:Wenn es in der Vergangenheit Fehlgeburten gab oder Abtreibungen, dann wird diese Erinnerung im Gewebe der Gebärmutter immer noch festgehalten. Bei der Rückführung wurde dies oft erlebt, wie wenn der ankommende Mensch auf einem Friedhof gelandet wäre oder die Gegenwart eines toten Geschwisters gespürt hätte. Wenn die Eltern sich Zeit zum Trauern gegeben haben, dann vergeht die Erinnerung. Letztendlich bleibt im Gewebe diejenige Gefühlslage, welche die Mutter nach dem Verlust noch hat. Es ist gut, wenn die Eltern ihre eigenen Rituale haben, um das kleine Ungeborene zu verabschieden. Das hilft, den Platz wieder frei und sauber zu machen für ein anderes Baby.

Nach dem Einnisten des Blastozysten in der Gebärmutter wird das heranwachsende Wesen Embryo genannt. Durch die vom Embryo erlebten Qualitäten in der Gebärmutter werden spätere Lebensthemen geprägt. Dazu gehören der Bezug zu Nahrung und genährt werden, zu Geld und Intimität, aber auch die Themen Heimat und Lebensängste.

Zur praktischen Übung wurden wir in Dreiergruppen eingeteilt, eine Person, welche in den Prozess der Einnistung geht, eine zweite, welche den Prozess begleitet, und eine dritte, welche ein Protokoll verfasst über das, was die Versuchsperson mitteilt.

Als Ausgangsstellung ging die Versuchsperson in den Vierfüßlerstand. Mit der Stelle des dritten Auges an der Stirn rollte der Kopf auf dem Boden hin und her, in der Absicht, die Qualitäten der Gebärmutter zu erforschen.

In meinem Protokoll wurde folgender Ablauf festgehalten:

„Herumsuchen, kuschelig, habe es eilig, bin gierig

und hungrig; es ist wenig nahrhaft.

Bin müde, bin suchend. Ist es der richtige Platz für mich?

Ich suche. Was suche ich eigentlich?

Möchte ankommen, bin irgendwie enttäuscht, bin müde.

Ich überfordere meine Mutter mit meinen Bedürfnissen.

Es wird zu eng. Ich (mein Bewusstsein) gehe raus, zurück.

Enge gefällt mir nicht.

Mein Gefühl, Mutter ist gestresst; sie hat mich nicht erwartet.

Bin ich erwünscht, wenn sie merkt, dass ich da bin?“

Ich gehe mit meinem Kopf aus dem Prozess;

ich mag nicht mehr.

Die geistige Welt meint: „Zieh es durch, du hast es gewählt.“

Im Hintergrund mein Zwilling1, der mich ermuntert:

„Komm, wir gehen.“

Gehe wieder rein ins Erforschen der Gebärmutter …

Ich habe das Gefühl, mich kaum bewegen zu dürfen,

um nicht zu viel Energie zu verbrauchen.

„Es ist nicht mein Naturell, ruhig zu sein; ich bin ein lebendiges

Wesen!“Resignation, Wut, Frust!

„In höhere Ordnung einpassen müssen.

Dein Wille geschehe“, sagt die innere Stimme.

Ich gehe raus:„Freiheit, Weite, Sehnsucht nach draußen.“

Mein Zwilling unterstützt mich, indem er auch mitkommt;

ich werde ruhiger.

„Dein Wille geschehe; es wird für dich gesorgt.“

Ich gehe aus dem Widerstand heraus.

Meine Mutter ist eine liebe, fürsorgliche Person,

aber gestresst und anscheinend überfordert.

Der Vater ist besorgt um die Mutter,

scheint aber selber psychische Probleme zu haben.

„Wir kommen am besten durch,

wenn ich mich ruhig verhalte“, ist das Gefühl in mir.

„Ich werde eine Rolle spielen und einen Teil von mir verstecken

müssen, um in diese Familie hineinzupassen.

Ich beobachte, was die Familie freut.

Spüre die Verbindung zur geistigen Welt.

Mein Zwilling ist noch da.“

Es war sehr eindrücklich, wie jede Teilnehmerin einen sehr persönlichen Prozess erlebte, der aber sehr viel mit der jeweiligen Lebensgeschichte zu tun hatte. Einigen fiel es leicht, in diese Energien einzutauchen und den Zugang zu Sprache und Bildern zu erhalten, andere taten sich schwerer oder erhielten statt Bildern Gerüche, Geräusche und Stimmungen.

Ich ging in meine Unterkunft und spürte den ganzen Abend einen Druck im Magen. Was war das? Mit dem Emotionscode2wollte ich herausfinden, welche Gefühle sich hinter diesem Magendruck versteckten und erlöst werden wollten. Durch kinesiologisches Testen3erhielt ich folgende Informationen: Wut und Neid auf meine Schwester, gefühlt mit zweieinhalb Monaten, waren in meinem Körper abgespeichert. Weil ich zu wenig Beachtung fand, hatte mein Ego zur selben Zeit Minderwertigkeitsgefühle empfunden und im Körper „hinterlegt“. Mit einem Magneten strich ich über Scheitel, Hinterkopf und Wirbelsäule und zog damit diese alten, durch Bewusstwerdung nun im Nervensystem aktivierten Emotionen (= „Ladung“) aus dem Körper heraus … und mein Magendruck löste sich in Kürze auf.

Der Geburtsvorgang

Am nächsten Tag sollten wir durch die Geburt geführt werden; dazu gab uns der Seminarleiter einige theoretische Vorinformationen:

BeimGeburtsvorganggibt es verschiedene Stadien, die bei jedem Baby individuell lang sein können. Das Baby beginnt in der Querlage und bewegt sich dann ins Becken hinunter. Es ist stark zusammengekrümmt, Knie und Brust berühren sich. Das Baby trifft auf einen knochigen Widerstand am Gebärmutterhals und den noch geschlossenen Muttermund. Mit dem Voranschreiten der Wehen und durch den Druck des Babys beginnt sich der Muttermund zu öffnen. Dies gibt neue emotionale Empfindungen:„Was ist da draußen? Fühlt es sich freier an als drinnen, warm oder kalt, hell oder dunkel, vielleicht grenzenlos?“Ungewissheit herrscht.

Damit das Baby unter dem Schambeinbogen hindurch in den Geburtskanal kommen kann, muss sich sein Kopf um 90° drehen. Das Gesicht ist jetzt in der Kurve des mütterlichen Kreuzbeins, im Nacken ist der Schambeinbogen. Nun muss das Baby auch den Schultergürtel drehen und dem Kopf folgen. Das Baby nimmt eine aktive Rolle ein, um aus dem Schmerz herauszukommen. Die Geburtserfahrung wird jetzt sehr persönlich, entweder schnell und einfach oder stunden- bis tagelang. Der Kopf kommt aus der Vorbeuge in die Rückbeuge, von herznah zur Zuwendung zur Welt.

Die Übung zur Geburt führten wir wieder in Dreiergruppen durch mit Versuchsperson, Begleiterin als Geburtshelferin, und Protokollführerin.

Als Ausgangsstellung ging die Versuchsperson in eine Embryo-Haltung. Die Geburtshelferin bildete nun mit beiden Händen einen Muttermund und legte ihre Hände an die hintere Fontanelle (hintere Scheitelgegend) der Versuchsperson. Anfänglich war der improvisierte Muttermund ca. 5 cm offen, und auf Druck des „Babys“ öffnete er sich langsam mehr. Die Begleitperson versuchte der Versuchsperson den richtigen Widerstand zu geben, damit die Erinnerungen an den persönlichen Geburtsvorgang im Gewebe hochkommen konnten.

In meinem Protokoll wurde folgender Ablauf festgehalten:

„Wow! Das ist super schnell gegangen;

ich bin schon im Licht und habe keinen Druck mehr!!“

Ich bin selber überrascht, wie schnell ich draußen bin;

bin mit viel Druck ans Werk gegangen.

Ich gehe nochmals zurück in die Gebärmutter.

„Ich spüre zwei Gesichter, zwei Wesenszüge in mir:

eine kraftvolle und spontane Seite,

aber auch eine zweite sehr sensible.

Könnt ihr mir das zugestehen?“

Ich empfinde sehr viel Kraft in mir und hinter mir sehr viel

Begleitung aus der geistigen Welt:

„Haushalte gut mit deinen Energien“, geben sie mir

aus der geistigen Welt mit.

„Andere Menschen werden sich oft überrumpelt fühlen von dir,

weil du schnell reagieren kannst und manchmal

wie ein Blitz den Durchblick hast.

Trauer scheint verbunden mit der Kraft.

Hass auf Männer. Mit Gewalt haben sie mich immer

wieder unterdrückt, wenn ich in meine Kraft als Frau ging.

Mit welchem der beiden Gesichter soll ich auf die Welt kommen?“

Der Zwilling ist weg. Er sagt, er komme später wieder.

Zu mir meinte er: „Du musst vermitteln zwischen männlich und

weiblich. Du hast beides stark in dir.“

Ich habe ein ungutes Gefühl in diese Familie zu gehen, zu dieser

Schwester und der Mutter, die auf einen Buben wartet.

Große Scham, dass ich kein Junge bin; Trauer, Ohnmacht.

Vater sagt, er freue sich auf alles. Mutter ist überfordert.

Sehe Licht als Symbol für die geistige Welt.

Ich werde mich immer nach dem Licht orientieren.

Mutter sieht großes Kind kommen.

Habe Angst, wenn sie mein Geschlecht sieht. „Scheiße!“

Mutter hat Angst vor Überforderung;

Ich werde selbständig sein müssen.

Gefühle der Geborgenheit haben keinen Platz.

Spüre karmische, wohl aus früheren Inkarnationen stammende Geschichten mit dem Vater. Er ist lieb.

Ich will ihm aber nicht zu nahe kommen.

Habe Angst vor meinem Weg; fühle mich selbst überfordert.

Große Spannung im Bauch.

Kann mich nicht richtig zeigen; muss Rolle spielen.

Geistige Ebene sagt: „Du hast so viele Gaben,

du wirst dich durchschlagen können.

Sie werden deine geistigen Gaben schätzen,

nicht dich als Person.

Du musst leisten.“

Viel Druck. Hilfe kommt von hinten,

aus der geistigen Welt und gibt Mut zum Weitermachen …

Immer wieder das Gefühl: „Ich bin falsch!“

Will raus! Habe Angst!

Komme ans Licht! Komme raus! Bin ein Mädchen!

Beginne herzzerreißend zu weinen!

Will mein Geschlecht nicht zeigen.

Elend, dass ich mich verstecken muss; bin erstarrt.

Weiß nicht, wie weiter. Es macht mich traurig.

Ich bin vom Unterleib getrennt.

Starkes Weinen … es hat mein Leben

so schwer gemacht … große Trauer.

Die Begleiterin wurde aktiv, indem sie sagte:

„Lass dich deine Erfahrung ehren!

Manchmal ist das Geschenk im Herz eingeschlossen.

Was brauchst du, um deine Trauer loszulassen?“

Ich:„Angenommen werden, wie ich bin.“

Ich spürte meine verstorbene Mutter; sie sagte:„Es tut mir leid; es war bei mir ein Selbstschutz, einen kräftigen Jungen haben zu wollen.“

Ich konnte ihr jetzt vergeben.

Die Begleiterin deckte mich zu und hielt ihre Präsenz in meinem Rücken, solange ich sie brauchte.

Am letzten Seminartag ging es darum, unsere Seelenanteile zurückzuholen, die wir auf unserer Seelenreise hierher in dieses Leben verloren hatten.

Dazu gab es schamanische Trommelmusik und die Aufforderung, mit den verlorenen Seelenanteilen zu sprechen, ihnen folgende Fragen zu stellen:

„Warum bist du gegangen?“

„Was hilft dir, zurückzukommen?“

„Was muss ich ändern, damit du zurückkommen magst?“

„Welche Unterstützung brauchst du?“

„Welches Geschenk hast du?“

„Was ist deine Qualität, die ich jetzt verkörpern kann?“

„Welche Bilder, Symbole, Ängste wollen sich dir zeigen?“

Meine Reise zeigte mir zuerst tanzende Kinder als Symbol unbeschwerter Lebendigkeit!

Doch darin war die Angst, andere mit meiner Spontaneität und Lebendigkeit zu überrollen.

„Ich solle meine Lebendigkeit mehr mit meinem Herz verbinden, mit dem Fühlen.“

Wieder baute sich ein Druck im Magen auf. Es waren Schuldgefühle, weil ich zu viel gesprochen hatte, zu lebendig war, zu wenig mitfühlend mit den Menschen um mich herum, denen ich zu schnell war.

Ich solle noch mehr Herzqualitäten und Mitgefühl entwickeln, weniger Mission.

Nach unserer inneren Reise durften wir die für uns wichtigsten Eindrücke in einer Zeichnung festhalten. Alle Zeichnungen wurden dann im Raum ausgelegt. In einem berührenden Willkommensritual luden wir die verlorenen Seelenanteile ein, zurück in unser Leben zu kommen.

Schlusszitat des Seminarleiters:

„Wir alle sind gebrochen worden, doch an den Brüchen

wachsen unsere Stärken.“

oder nach Wabisabi4:

„Die Schönheit im Unperfekten sehen.“

„Es nährt alles, was authentisch ist, da es drei einfache

Wahrheiten anerkennt: Nichts bleibt, nichts ist

abgeschlossen und nichts ist perfekt.“

1 Oft begleitet eine zweite Seele die erste Seele als Unterstützung bei der Inkarnation, was dann zu einer Zwillingsschwangerschaft führt. Entwickelt sich der zweite Zwilling nicht weiter, sondern stirbt während der Schwangerschaft, so spricht man von einem verlorenen Zwilling.

2 Emotionscode: eine Methode zur Bestimmung von unbewusst Stress verursachenden Emotionen.

3 Kinesiologisches Testen: Mit dem sogenannten „Muskeltest“ sucht der Kinesiologe Disharmonien im Körper-/Seele-/Geistbereich, die dann mit geeigneten Methoden aufgelöst werden können.

4 Wabi sabi ist ein japanisches philosophisches Konzept, welches die Ansicht vertritt, dass Schönheit in jedem Aspekt der Unvollkommenheit in der Natur zu finden ist.

2

Ernährung – das große Lebensthema

Mein Weg zur Vegetarierin

Ich wuchs in einem geräumigen Einfamilienhaus am Sonnenberg auf. Meine Eltern ließen das Haus 1957/58, in meinem ersten Lebensjahr, neben dem Bauernhof meiner Großeltern erstellen.

So kam es, dass ich früh mit den Tieren des Hofes vertraut wurde. Ich schaute meinem Großvater beim Melken zu oder begleitete meine Großmutter zu den Hühnern und zur Fütterung der Kaninchen. Da war auch immer Bella, der etwas übergewichtige Appenzeller Hund, mit dabei. Katzen strichen miauend um meine Beine. Ich liebte all diese Tiere und fühlte mich ihnen sehr verbunden.

Umso mehr schockierte es mich, als ich meinen Großvater beim Töten von Hühnern antraf. Mit einer Axt schlug er den Tieren kurzerhand den Kopf ab und ließ sie los. Ohne Kopf flatterten die Hühner einige Meter weit und sackten dann tot zu Boden. Dies war ein fürchterlicher Eindruck für meine empfindsame Kinderseele.

Als ich eines Tages sah, wie mein Großvater einem Kaninchen erst eine Hand voll Gras gab, um diesem dann, während es fraß, den Kopf abzuschlagen, war ich tief schockiert. Der Kopf flog in weitem Bogen blutend weg. Diese Bilder konnte ich mit der Zeit nicht mehr wegstecken. Diese Art des Sterbens der Tiere wurde zu meinem Schmerz.

Am Mittagstisch gelang es mir immer weniger, Fleischbrocken hinunterzuschlucken. Eines Tages soll ich meiner Mutter gesagt haben: „Wenn ich Fleisch esse, fühlt es sich für mich an, wie wenn ich einem Kalb in sein Hinterteil beißen würde!“Mich schauderte.

Mit etwa zehn Jahren beschloss ich, Vegetarierin zu werden und auf Fleisch und Fisch zu verzichten. Meine Mutter war ob dieser Marotte gar nicht erfreut und drohte mir, dass ich ohne Fleisch bestimmt krank werden würde. Um trotzdem genug tierische Eiweiße zu bekommen, beschloss ich, mehr Milchprodukte zu konsumieren.

Ich versuchte, mir mit meiner vegetarischen Ernährung treu zu bleiben, obwohl diese Lebenshaltung in den Sechzigerjahren noch völlig gegen den Zeitgeist war. Meine Mutter war stolz, dass sie es sich finanziell immer besser leisten konnte, jeden Mittag beste Kalbfleischqualität zu servieren. Sie war eine leidenschaftliche Köchin und erhielt mit ihren feinen Gerichten und Desserts viel Lob und Wertschätzung. Gleichzeitig erlebte ich aber, wie der Bauch meines Vaters runder und runder wurde, obwohl er immer wieder Gewicht reduzieren wollte.

Um Konflikten auszuweichen, mied ich immer häufiger, das gemeinsame Mittagessen. Meine Essgewohnheiten wurden oft kritisiert, umgekehrt mochte ich die fettmachenden Wohlstandsmenus meiner Mutter nicht mehr sehen.

Ebenso unstimmig war für mich die Atmosphäre am Mittagstisch mit den neusten Radionachrichten. Ich konnte diese als Kind schlecht einordnen und empfand sie irgendwie als belastend. Der Anblick des oft von seiner Arbeit erschöpften Vaters am Mittagstisch bedrückte mich. Gleichzeitig spürte ich den Stress meiner wohlmeinenden Mutter, die alles Unerwünschte mit strafendem Blick in Schach halten wollte. Manchmal gab es auch einen „Beinschubser“ unter dem Tisch, wenn ihr mein Verhalten nicht passte. Es waren für mich keine nährenden Umstände beim gemeinsamen Essen, wie ich sie mir gewünscht hätte.

Öfters kam eine Tante zu uns auf Besuch, die immer darüber sprach, dass sie ihr Gewicht reduzieren wolle. Trotzdem aß sie herzhaft und im Übermaß von den Köstlichkeiten, die meine Mutter bereitstellte. Da konnte ich es nicht verkneifen, sie direkt darauf anzusprechen:„Warum isst du denn so viel, wenn du doch abnehmen willst?“Das war schon zu viel des ehrlichen Hinterfragens.

Irgendwie spürte ich, dass meine feinen Empfindungen und Beobachtungen nicht so sein durften, und das tat weh. Ich fühlte mich immer mehr von der Familie ausgeschlossen. Meine Schulheimwege am Mittag wurden nun oft sehr lange. Ich unterhielt mich bestens mit einigen Jungs. Wir plauderten, spielten, massen unsere Kräfte beim „Rammeln“, kauften Süßigkeiten und genossen unsere Selbstbestimmung. Zuhause durfte ich dann, nach immer derselben Strafpredigt, aber ohne Konsequenzen, endlich alleine essen. Dies passte mir sehr, denn so hatte ich meinen Frieden.

Mein Vegetarismus war keine einfache Angelegenheit. Sobald ich unter andern Menschen war, wurde ich zur Außenseiterin. Mit der Zeit war mir das egal. Mir war wichtiger, zu mir und meinen Gefühlen stehen zu dürfen, als dazuzugehören.

Schon früh versuchte ich mich in der Gesellschaft von Schulkollegen auch im Rauchen von Holz-Nielen und von Zigaretten, was mir aber gar nicht schmeckte. Auch war ich sehr erstaunt, dass ich nach zwei Versuchen, einen angebotenen Kaffee zu trinken, beide Male erbrechen musste.

Zu diesem Lebensabschnitt gehörten auch Versuche mit Alkohol und Haschisch. Bei diesen Drogen spürte ich ebenso, dass ich besser die Finger davon ließ, weil mir davon übel wurde. Durch diese Erfahrungen erkannte ich langsam meine Sensibilität, vor allem im Nervensystem.

Seelen-Schock in der Pubertät

In meinem fünfzehnten Lebensjahr wurde meine heißgeliebte Katze Miggi vergiftet. Mit Schaum vor dem Mund fand ich sie eines Morgens tot im Treppenhaus. Ein Riesenschock!

Wahrscheinlich wäre die Giftportion für unseren Dackel „Barco“, den Beller, bestimmt gewesen. Der Pächter von nebenan mochte seine laute und aggressiv wirkende Revierverteidigung gegenüber seinen Kühen gar nicht. Nun schien er, so meine Vermutung, zur Tat geschritten zu sein. Doch leider erwischte die Katze das Gift.

Miggi verkörperte für mich eigentlich alles, was ich bei den Menschen nicht fand: Zuneigung, Zärtlichkeit, Sanftheit, Schlauheit, ja wir hatten eine telepathische Kommunikation. Miggi wusste intuitiv, welchen der beiden Schulheimwege ich wählte, und erwartete mich dort dann regelmäßig auf halbem Wege.

Durch den Tod meiner Katze sackte mein Bild vom Guten im Menschen sehr tief ab. Ich versank mehr und mehr in eine alles hinterfragende Sinnkrise. Was war der Sinn des Menschseins, welches mein Weg, meine Bestimmung?

Ich verschlang philosophisch-psychologische Bücher en masse, von Schopenhauer über Nietzsche bis C. G. Jung. Die Werke von Hermann Hesse nährten meine Seele.

Warum geschah so viel Schlechtes auf der Welt, warum sagten viele Menschen dies und machten dann jenes? Wozu waren Alkohol, Drogen und, in meinen Augen, solche lieblosen Formen von Sexualität nötig?

Ich war am glücklichsten auf Spaziergängen in der Natur. Mit dabei waren unser kleiner Dackelhund und der grosse Bernhardinerhund des 70-jährigen Nachbarn. Da fühlte ich mich irgendwie aufgehoben in der Schöpfung und empfand viel Weite und Freiheit. Meinen Gedanken, welche Gleichaltrige kaum interessierten, konnte ich stundenlang nachhängen.

Sozial engagierte ich mich am Wochenende in der Aufsicht und Organisation eines Jugendtreffs und gab Mathenachhilfestunden für Jugendliche. Wöchentlich verbrachte ich im Alter von 15-18 Jahren einen Nachmittag in einem Zoo mit Tierbetreuung. Dabei konnte ich mich durchaus überwinden, halbe Kälber, meist Totgeburten, zu zerlegen für die Löwenfütterung.

Allein in meinem Zimmer, lesend, lernend oder malend war mir aber ebenso wohl. Meine Meerschweinchen und Hamster leisteten mir oft Gesellschaft, indem sie an mir und auf meinem Pult herumkrabbelten.

Ich genoss es auch, mich und meinen Körper zu erforschen. Dazu legte ich mich oft auf die Bettdecke am Boden vor dem offenen Fenster und ließ die Sonne auf meinen nackten Körper scheinen. Wunderbar, mich so zu lieben und zu spüren! Anstatt am Familientisch zu essen, zog ich mich oft mit meinen Lieblingsspeisen: Magerjoghurts, Brot, Magerkäse, Früchten und Karotten in mein Zimmer zurück. Zu meinen sinnlichen Essritualen gehörte, dass ich meist genüsslich alles mit den Fingern aß und leckte.

Im Gymnasium waren wir dann vier Mädchen, die sich dem vegetarischen Lebensstil verschrieben hatten; diese Solidarität tat gut.

Das Thema Ernährung beschäftigte mich täglich. Neben dem Vegetarismus hatte es mir auch die Rohkost angetan. Früchte und Gemüse, direkt aus Mutter Natur, mussten doch bestimmt das Gesündeste sein, was ich zu mir nehmen konnte.

Mein Vater klagte oft über Bauchschmerzen. Er unterzog sich diversen medizinischen Eingriffen an Magen und Darm. Die Verbesserung seiner Befindlichkeit war leider jeweils nur von kurzer Dauer. So wie er wollte ich unter keinen Umständen werden.

Fortwährend kontrollierte ich mein Essen und mein persönliches Verhalten, ohne ganz magersüchtig zu werden. Trotzdem setzte meine Monatsblutung im Alter von siebzehn Jahren aus. Es war mir egal. Meine Mutter hingegen liess nicht locker, bis ich mit 18 Jahren einen Gynäkologen aufsuchte. Der Kommentar des Arztes:„Sie haben eine Gebärmutter wie eine Zwölfjährige.“War das Balsam für mein weibliches Selbstwertgefühl! Ich bekam Hormontabletten verordnet. Diese aktivierten meinen Menstruationszyklus genau solange, wie ich sie einnahm.

Rückenschmerzen und viele offene Fragen

Etwa zu dieser Zeit begannen auch meine recht häufigen Rückenschmerzen. Kamen sie vom vielen Sitzen in der Schule? Viel Bewegung half mir, damit umzugehen.

Immer wieder hörte ich die Worte meiner Mutter:„Mit deinen vielen Ticks wirst du noch krank werden. Du wirst auch nie einen Mann bekommen. Wer will schon so ein Knochengerüst!“

Diese Worte taten sehr weh, denn ich empfand mich als schöne und intelligente Frau, welche durchaus ihre Verehrer hatte.

Auch mein Maturaaufsatz im Fach Deutsch war der Frage nach dem Sinn des Lebens gewidmet. Ich kam dort zum Schluss, dass mein Leben keinen Sinn hätte, solange ich die Frage der Sinnhaftigkeit des menschlichen Seins nicht generell geklärt hätte. Durch die vielen hinterfragenden Gedanken glitt ich öfters ab in suizidale Vorstellungen. Doch schließlich siegten meine Neugier auf das Leben und der Wille, auf Fragen auch Antworten zu finden.

Ich las viele Bücher von Konrad Lorenz über Verhaltensforschung an Tieren und kam so auf die Idee, Verhaltensforscherin am Menschen werden zu wollen. Vielleicht konnte ich dem Sinn des Lebens auf diese Art auf die Spur kommen.

An der Universität Zürich schaute ich mich nach Studiengängen um, die mich diesbezüglich weiterbringen würden: Ethnologie, Psychologie, Biologie. Zu meiner Enttäuschung fand ich in allen Studienrichtungen vor allem mathematisch-naturwissenschaftliche Grundstudien, bei denen ich aber die Auseinandersetzung mit Geist und Seele vermisste.

Was hatte noch am ehesten mit der wahren Lebendigkeit und Sinnfindung zu tun, die ich suchte?

Schließlich begann ich 1977 das Studium der Sekundarlehrerin mit Hauptfach Biologie. In dieser Lebensphase, der Pubertät, machen sich junge Menschen oft auf den Weg der Sinnsuche ihres Lebens. Solche Menschen zu begleiten war vielleicht erfüllend und sinnstiftend, dachte ich mir. Auch an meine Sekundarschulzeit hatte ich beflügelnde Erinnerungen, durfte ich dort doch zwei junge und dynamische Lehrer erleben.

Erstmals wohnte ich allein in einer Einzimmerwohnung in Zürich und genoss meine Freiheit. Auch bekannte Gefühle der Einsamkeit waren manchmal da. Um davon abzulenken, halfen mir Lesen, ausgedehnte Waldspaziergänge am Zürich Berg, Kleider zu entwerfen und Nähen, Malen oder informative Sendungen im Fernsehen anzuschauen. Es bereitete mir aber auch keine Mühe, Schritte nach außen zu tun, andere Menschen anzusprechen, wenn die Gefühle des Alleinseins zu stark wurden. Ich kam mir selber sehr wählerisch vor, was das Anknüpfen von Kontakten anbelangte. Smalltalk interessierte mich nie; dann lieber allein sein und die Umwelt beobachten.

Während des Sekundarlehrerstudiums an der Universität Zürich lernte ich meinen späteren Mann Gosha kennen.

Er akzeptierte mich und meinen Körper von Anfang an so, wie er war, und fand ihn schön. Ich bekam innerlich aber großen Stress wegen der abgespeicherten Aussagen meiner Mutter:„Mit all deinen Ticks und so mager wirst du nie einen Mann bekommen.“Und jetzt, wie weiter?

Ich wog etwa 48 Kilogramm bei einer Größe von 170 Zentimeter und fühlte mich schlank, aber wohl.

Mit Gosha betrieb ich viel Sport und ließ mich auch für eine Hochgebirgstour begeistern. Im Namen der Gleichberechtigung wollte ich den gleich schweren Rucksack tragen wie er. Tapfer kämpfte ich mich durch die fünf anstrengenden Tage in den Bergen. Beim letzten Abstieg fühlte sich mein linkes Bein immer komischer an. Es begann zu lahmen und zu kribbeln. Ich hatte ein Bein, das nicht mehr wollte, was ich wollte.

Mehr dazu im 3. Kapitel.

Die Situation bewog mich, mir Gedanken zu machen über meine Gesundheit. Ob wohl meine Mutter doch Recht hatte, dass ich mit meinem Lebensstil krank würde?

Gosha machte mich einmal auf meine gelben Handinnenflächen aufmerksam. Die Abklärung bei meiner Hausärztin ergab, dass ich eine Avitaminose hatte, also zu viel Vitamin A, von meinem übertriebenen Karottenkonsum. Wenn ich Hunger hatte, stopfte ich mich oft voll mit Karotten und Äpfeln, um ein kalorienarmes Sättigungsgefühl zu haben. Eher selten waren meine Ess-Brech-Anfälle. Manchmal überkam mich solche Lust auf Glacé, dass ich einen halben Kübel genussvoll mit den Fingern ausleckte. Ich hatte gelernt, danach den Finger in den Hals zu stecken und mich so wieder von den Kalorien zu befreien. Natürlich wusste ich, dass das krankhaft war. Zum Glück gelang es mir, mich auch darin zu kontrollieren.

Allmählich spürte ich immer mehr Stress in mir durch einen gewissen Druck, „normal“ zu werden.

Doch was war „normal“? Fleischessen, Gewicht zunehmen, essen wie andere? Werden wie wer oder was?

In dieser Zeit las ich auch einiges über die Hintergründe von Magersucht und Essstörungen, an deren Grenzen ich mich doch eindeutig bewegte.

Waren es die unbewusst abgespeicherten Erwartungen meiner Mutter, die mich stressten? Oder der Druck, den ich mir selber machte, um meinen Vorstellungen von emanzipierter Frau und meinem Freund Gosha zu genügen?

Magersucht hat angeblich auch mit Genussverweigerung zu tun.„Wollte ich mir nichts gönnen, um nicht zu weich zu werden, so dass die weiblichen Seiten erstarken konnten?“fragte ich mich immer wieder:„War das mein ursächliches Thema?“

Ich empfand mich durchaus als sinnlich und genussfreudig. Doch irgendwie schien es mir nicht zu gelingen, dies nach außen zu leben. Ich war wie in einem angstbesetzten Korsett. Immer hatte ich das Gefühl, ich wäre falsch.

In der Sexualität übernahm Gosha die Führung und wollte mich von seinem kraftvollen, leidenschaftlichen Sex überzeugen, der mir nicht entsprach. Für mein Bedürfnis nach Zärtlichkeiten und Erotik hatte er leider kein offenes Ohr, was mich sehr enttäuschte. Sexualität war nicht nährend für mich, sondern ein frustrierendes Kapitel.

Diese Themen gaben nochmals enormen Druck, der mich fast verzweifeln ließ.

Nach einer zeitweisen Verbesserung meiner Rücken- und Beinbeschwerden nahmen die Rückenschmerzen mit fünfundzwanzig wieder zu. Das lahmende Bein zwang mich zum Loslassen von allen körperlichen Leistungen.

Der jetzt konsultierte Arzt vermutete einen Bandscheibenvorfall als Ursache meiner Symptome. Wegen meines jungen Alters wurde vom Röntgen mit all seinen Strahlenbelastungen für die Geschlechtsorgane abgesehen. Er behandelte mich mit der neu aufkommenden Methode der Osteopathie und Chiropraktik, was ich als wohltuend empfand. Gleichzeitig hatte dieser Arzt auch ein Gespür für meinen inneren Stress und empfahl mir eine Psychotherapie. Beim Psychiater Dr. B. fand ich einen Ort, wo meine Seele Aufmerksamkeit bekam und sich ausdrücken durfte. Dafür war ich sehr dankbar!

Wer bin ich wirklich?

Die Integration meiner weiblichen Seite war das zentrale Thema. Doch wer war ich wirklich als Frau?

Da war die männliche Rolle des starken Jungen, die mir von meiner Mutter während ihrer Schwangerschaft zugedacht wurde. Diese galt es zu ergänzen mit meinen weiblichen Qualitäten. Ich versuchte mich mehr den weiblichen Gefühlen der Hingabe, des Geschehenlassens und des körperlichen Frauseins zu öffnen. Meine Angst, mit dem weiblichen Hormonzyklus meine geistige Klarheit und Kontrolle zu verlieren, war groß.

Ich meditierte auf meinen Beckenraum, um meine Geschlechtsdrüsen wieder zum Arbeiten zu bringen.

Es war ein langsames Herantasten an die wunden Punkte. Immer wieder überfielen mich tiefsitzende Ängste, zu mir und meinem Frausein zu stehen. Nach meinem Empfinden stammten diese angstbesetzten Themen nicht nur aus diesem jetzigen Erdendasein.

In diesen zwei Jahren mit psychotherapeutischer Begleitung nahm ich einige Kilogramme zu, meine Menstruation setzte wieder ein, und ich war sehr dankbar für die fülligeren Brüste.

Ich begann mit dem Thema Essen lockerer umzugehen. Manchmal versuchte ich mich anzupassen, aß zeitweise ein wenig Fleisch und glaubte auf einem guten Weg zu sein.

Nach einigen Jahren des Unterrichtens an Privatschulen und mehreren längeren Auslandreisen wollten wir uns auf dem Lande niederlassen. Gosha und ich nahmen eine Stelle mit möglichem Jobsharing als Sekundarlehrer:in an.

Ich fühlte mich aber weiterhin nicht in meiner Kraft. Das Gefühl, den Boden unter meinen Füßen zu verlieren, war oft da und zwang mich dazu, mich immer wieder hinzusetzen. Die Gelenke schmerzten häufig; es fühlte sich an wie Rheuma, wenn ich morgens aufstand.

In diese Zeit fiel auch ein Besuch bei einer Astrologin. Ihre Aussagen waren für mich und mein Selbstbild sehr hilfreich. Die Beratung ermutigte mich, wieder mehr auf meine innere Stimme zu hören. Von dieser Astrologin ließ ich mir auch homöopathische Mittel nach der Methode des deutschen Astrologen Wolfgang Döbereiner verschreiben. Diese „Kügeli“ sollten mich auf meinem Weg zu mehr Authentizität in meinem Leben unterstützen. Es waren bis zu zehn, teils hochpotenzierte Mittel, die ich über einige Monate einnahm.

Lichtnahrung

Gosha hätte gerne eine Familie mit eigenen Kindern gegründet, mir war das nicht so wichtig. Vielleicht klappte das Kinderzeugen auch nicht, weil ich sieben Jahre lang keine Menstruation hatte.

Doch bereits beim ersten ungeschützten Zusammensein wurde ich schwanger. In den folgenden Wochen kämpfte ich mich durch meine Teilzeitarbeit als Sekundarlehrerin. Mir war übel. Ich fühlte mich schwach und emotional nicht unterstützt von meinem Mann Gosha.

Auch meine Bein- und Rückenschmerzen nahmen wieder zu, vor allem, wenn ich mich zwang, in die Schule zu gehen. Für meine Seele war das Unterrichten nicht mehr stimmig. Doch mein Ego tat sich sehr schwer, die einmal gefassten Pläne des Jobsharings als Lehrer loszulassen.

Ich fiel in eine tiefe körperlich-seelisch-geistige Krise.

Detailliertere Ausführungen dazu finden Sie im 3. Kapitel ab Seite 87.

Im vierten Schwangerschaftsmonat wurde Essen immer mühsamer, bis ich keinen Bissen mehr hinunterbrachte. Bilder aus meiner frühesten Baby-Zeit kamen hoch. Meine Bedürfnisse nach Trinken, Nahrung und Zuwendung schienen damals nicht so gestillt worden zu sein, wie es mir gutgetan hätte. Zur Zeit meiner Geburt war es Brauch, dass die Babys nur alle vier Stunden aufgenommen und gestillt wurden. Dieses Ritual hatte meinem Rhythmus anscheinend nicht entsprochen.

Mir schien, als würde ich seelisch in diese Baby-Phase zurückfallen. Ich konnte fast nur noch flüssige Nahrung, Säfte und Milch zu mir nehmen. Gosha kaufte mir auf meinen Wunsch hin eine Schoppenflasche. Ich hatte das Gefühl, ich müsste mich seelisch nachnähren. Liebe und Zuwendung wollte ich mir schenken, wie ich sie wohl an meinem Lebensanfang gebraucht hätte. Schließlich ging auch das Trinken kaum mehr … und ich ließ auch davon los!

Nicht mehr essen zu können, schien mir eine riesige Vertrauensprüfung aus der seelisch-geistigen Welt für mein Ego zu sein. War ich bereit, meine Zwänge und Ängste bezüglich Essen und materieller Nahrung ganz loszulassen?

Innere Bilder von einem Leben als Mutter, in dem ich hungern musste, wurden mir gezeigt. Es galt zu entscheiden, welche meiner Kinder ich auf die Flucht mitnehmen konnte und welche ich verhungern lassen musste. Eine herzzerreißende Situation! Waren dies Bilder aus meinem, dem kollektiven Unterbewusstsein oder gar aus früheren Leben?

Ich war bereit, mit meiner Seele durch die mir gestellten Prüfungen zu gehen. Lieber wollte ich das Leben loslassen, als in einem nicht stimmigen Seelenkorsett weiterzuleben.

Etliche Jahre später fand ich Literatur zum Thema Lichtnahrung, die meinen Erfahrungen des nicht mehr Essenkönnens oder -wollens sehr nahe kommen.

LichtnahrungoderBreatharianismus

ist eine Bezeichnung für ein esoterisches Konzept, wonach die für das Leben notwendige Energie nach Vorstellung ihrer Anhänger aus feinstofflicher Energie gewonnen werden soll. Dadurch soll es möglich sein, ohne feste und flüssige Nahrung zu überleben.

Geschichte

Berichte über Menschen, die angeblich keine oder nur sehr wenig Nahrung zu sich nahmen, gibt es seit Jahrhunderten.So soll der Schweizer Einsiedler Niklaus von Flüe (1417–1487) angeblich in den letzten 19 Jahren seines Lebens außer Wasser und der Eucharistie nichts zu sich genommen haben.

Die Lichtnahrung wurde vor allem durch die Australierin Ellen Greve, die sich selbst Jasmuheen nennt, bekannt. Sie behauptet, seit 1993 keine Nahrung im herkömmlichen Sinne mehr zu benötigen, jedoch aus gesellschaftlichen Gründen und in sehr geringen Mengen ab und zu eine Kleinigkeit zu essen. In einem von ihr vorgeschlagenen 21-tägigen „Lichtnahrungsprozess“ soll sich der Körper angeblich darauf einstellen, keinerlei feste Nahrung und Flüssigkeit mehr zu benötigen, sich also nur noch von „Licht“, von „ätherischer Lebensenergie“ zu ernähren. Dieser 21-tägige „Lichtnahrungsprozess“ sieht unter anderem vor, dass sieben Tage lang durchgehend weder gegessen noch getrunken und an den folgenden vierzehn Tagen nur getrunken werden soll. Nach Beendigung der 21 Tage könne wieder normal gegessen werden. Es soll von diesem Zeitpunkt durch den Prozess und mit Hilfe von „Energiewesen“, z. B. der „Christusenergie“, möglich sein, auf „grobstoffliche“ Nahrung zu verzichten.

In der Schweiz bot der Arzt und Psychiater Jakob Bösch solche 21-tägige Lichtnahrungsprozesse an.

Bei diesem Prozess geht es vor allem auch um eine spirituelle Erfahrung des Loslassens und Vertrauen-Findens in etwas „Höheres“, das uns nährt und trägt.

Mehr dazu finden Sie im Internet unter „Lichtnahrungsprozess“.

Im vierten und fünften Schwangerschaftsmonat verlor ich fünf Kilogramm an Gewicht. Eigentlich wusste ich, dass ich in dieser Phase der Schwangerschaft an Gewicht hätte zunehmen sollen. Doch ich vertraute darauf, dass das Erlebte für mich ein heilsamer Prozess sein würde.

Im sechsten Schwangerschaftsmonat konnte ich wieder langsam zu einem einigermaßen normalen Essverhalten zurückkehren und nahm bis zur Geburt insgesamt fünf Kilogramm zu. Ich wog am Ende der Schwangerschaft 56 Kilogramm.

Ein gesunder, 3.5 Kilogramm schwerer Junge erblickte im Sommer 1985 das Licht der Welt.

Ich lebte nun wieder vorwiegend vegetarisch, aber mit weniger Rohkost. Jedes Familienmitglied wurde von mir nach seinem individuellen Geschmack mit meinen Kochkünsten verwöhnt. Unser Sohn wurde ein richtiger Fleischtiger, Gosha war ein pflegeleichter Allesesser, der wohl gerade deswegen meine Esslaunen nicht verstehen konnte.

Auf meinen Beinen konnte ich von Jahr zu Jahr besser stehen. Häufiges Fahrradfahren mit Baby-Anhänger sowie Yogaübungen halfen mir, mit meinen Schwachstellen, Rücken und Beinen, bestmöglich umzugehen.

1990 meldete sich eine neue Untermieterin. In dieser Schwangerschaft ging es mir körperlich und psychisch ausgezeichnet. Ich war sehr dankbar, dass dieses Mal die ganzen neun Monate der Schwangerschaft problemlos verliefen. Ich nahm bis zur Geburt 12 Kilogramm zu, doch unsere Tochter war genau gleich groß und schwer wie ihr Bruder, bei dem ich nur 5 Kilogramm zugenommen hatte. Anscheinend haben sich beide Babys in der Gebärmutter genommen und bekommen, was sie brauchten.

Blutgruppenernährung

Auch in den folgenden Jahren war mein Bauch häufig gebläht. Ich fragte mich immer wieder, was denn darin nicht stimmen könnte.

Im Jahr 1996 wurde die Theorie mit der Blutgruppenernährung zu einem Trend.

Blutgruppen-Ernährung

Der Naturheilkundler Dr. Peter J. D’Adamo verfasste dazu das Bestseller-Buch: „4 Blutgruppen – Vier Strategien für ein gesundes Leben“.

„Es muss einen Grund geben, warum es so viele Paradoxa bei den Studien über Ernährung und dem Überleben von Krankheiten gibt, warum manche Menschen Gewicht verlieren und andere, obwohl sie die gleiche Diät machen, kein Gewicht verlieren oder warum manche Menschen auch im Alter ihre Vitalität behalten und andere nicht“, sagt D’Adamo. Die fehlende Verbindung bzw. die Erklärung dafür sind nach D’Adamos Meinung die vier Blutgruppen: O, A, B und AB.

Seine Forschungen in Anthropologie, der Geschichte der Medizin und in Genetik führten ihn zur Feststellung, dass „die Blutgruppe der Schlüssel ist, der die Tür zu den Geheimnissen von Gesundheit, Krankheit, Langlebigkeit, körperlicher Vitalität und emotionaler Stärke aufschließt“.

Dr. D’Adamo erklärt, dass die praktische Respektierung der Blutgruppe der „Schlüssel“ ist, der es jedem Menschen ermöglicht, eine fundierte Auswahl zu treffen bezüglich seiner Ernährung, sportlicher Betätigung, Nahrungsergänzungen und auch über die Art der ärztlichen Behandlung. Mit der Blutgruppen-„Straßenkarte“ kann jeder diese Wahlmöglichkeiten nun „entsprechend seinem exakten biologischen Profil“ und „den dynamischen natürlichen Kräften innerhalb seines eigenen Körpers“ einsetzen.

Menschen mit Blutgruppe O fahren gut mit intensiver körperlicher Betätigung, (Tier)-Proteinen, viel Gemüse, aber wenig Milch- und Getreideprodukten, sagt Dr. D’Adamo. Der maßgebliche Grund für eine Gewichtszunahme bei Typ O ist das Gluten, das man in Weizenprodukten findet und, in geringerem Maß, auch in Linsen, Mais, weißen Bohnen und Kohl. Ideale sportliche Betätigungen für Typ O sind Aerobic, Kampfsport, Kontaktsportarten und Laufen.

Für Menschen mit Blutgruppe A ist eher eine vegetarische Ernährungsweise geeignet und Nahrung, die frisch, rein und biologisch ist. Da Typ A zu Herzkrankheiten, Krebs und Diabetes neigt, „kann ich nicht genug hervorheben, wie entscheidend diese Ernährungsanpassung für das empfindsame Immunsystem von A ist“, sagt Dr. D’Adamo. Typ A profitiert von beruhigenden Konzentrations-Übungen wie Yoga und Tai Chi.

Menschen mit Blutgruppe B haben ein starkes Immunsystem und ein tolerantes Verdauungssystem und neigen dazu, vielen der ernsthaften chronischen Krankheiten zu widerstehen oder überleben sie zumindest besser als die anderen Blutgruppen. Typ B profitiert von gemäßigten sportlichen Betätigungen, die eine geistige Ausgeglichenheit erfordern, wie Wandern, Radfahren, Tennis und Schwimmen.

„Blutgruppe AB