Die Shannara-Chroniken - Elfensteine. Teil 2 - Terry Brooks - E-Book

Die Shannara-Chroniken - Elfensteine. Teil 2 E-Book

Terry Brooks

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Beschreibung

Der Roman zum Fantasy-Serien-Highlight 2016

Der Elcrys, der heilige Baum der Elfen und das letzte Bollwerk gegen die Dämonen, stirbt. Die junge Elfin Amberle Elessedil und der Heiler Will haben jedoch endlich den Wildewald erreicht. Hier, so hoffen sie, können sie den Samen des Elcrys neues Leben einhauchen. Doch da werden Will die magischen Elfensteine entwendet – der einzige Schutz, den die beiden gegen die Dämonen haben …

Dies ist Teil 2 von 2 des Romans "Die Shannara-Chroniken - Elfensteine". Teil 1 erscheint unter der ISBN 978-3-641-19101-6.

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Seitenzahl: 552

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Buch

Der Elcrys, der heilige Baum der Elfen und das letzte Bollwerk gegen die Dämonen, stirbt. Die junge Elfin Amberle und der Heiler Will haben jedoch endlich den Wildewald erreicht. Hier, so hoffen sie, können sie den Samen des Elcrys neues Leben einhauchen. Doch da werden Will die magischen Elfensteine entwendet – der einzige Schutz, den die beiden gegen die Dämonen haben …

Autor

Im Jahr 1977 veränderte sich das Leben des Rechtsanwalts Terry Brooks, geboren 1944 in Illinois, USA, grundlegend: Gleich der erste Roman des begeisterten Tolkien-Fans eroberte die Bestsellerlisten und hielt sich dort monatelang. Doch Das Schwert der Elfen war nur der Beginn einer atemberaubenden Karriere.

Terry Brook bei Blanvalet:

1. Das Schwert der Elfen (1: 19099 + 2: 19100)

2. Elfensteine (1: 19101 + 2: 19102)

Weitere Titel in Vorbereitung

Terry Brooks

DIE SHANNARA-CHRONIKEN

Elfensteine

Teil 2

Roman

Aus dem Englischen von Mechthild Sandberg-Ciletti

Vollständig durchgesehen und überarbeitet von Andreas Helweg

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

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Die amerikanische Originalausgabe erschien unter dem Titel »The Elfstones of Shannara, Part 2« bei Ballantine Books, New York

Der vorliegende Roman ist bereits in geteilter Form im Goldmann Verlag und im Blanvalet Verlag erschienen unter den Titeln: »Der Druide von Shannara (Teil 2)« und »Die Dämonen von Shannara«

1. Auflage

E-Book-Ausgabe Dezember 2015

Copyright © der Originalausgabe 1982 by Terry Brooks

This translation published by arrangement with Ballantine Books,

A Division of Random House, Inc.

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 1982/1983 by

Verlagsgruppe Random House GmbH, München

Umschlaggestaltung: Isabelle Hirtz, Inkcraft

Illustration: Max Meinzold, München

HK · Herstellung: sam

Satz: Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling

ISBN: 978-3-641-19102-3V002

www.blanvalet.de

1

Sie brauchten die ganze Nacht, um aus dem Turm wieder herauszufinden. Beim flackernden Licht der Fackel, die Crispin in einem eisernen Halter neben dem Tor zurückgelassen hatte, durchwanderten sie eine scheinbar endlose Folge von Gängen und Treppenschächten, die sich durch den Fels des Berges stetig abwärts wanden. Zu Tode erschöpft von den Strapazen der vergangenen Tage, rannten sie stolpernd Hand in Hand durch die dunklen Gänge des uralten Steinturms. Sie sprachen nicht; sie hatten nichts zu sagen. Sie waren noch immer wie betäubt vor Schreck und Entsetzen über das, was geschehen war. Es beherrschte sie nur ein Gedanke – diesem Berg zu entfliehen.

Rasch verloren sie jegliches Zeitgefühl, und sie hätten nicht sagen können, ob sie nun Stunden oder gar schon Tage durch die Finsternis des Berges flohen. Sie hatten keine Vorstellung, wohin die Gänge sie führten. Sie vertrauten blind auf ihren Instinkt und auf das Glück, während sie in der verzweifelten Hoffnung durch das Labyrinth der Gänge irrten, dass sie irgendwo schließlich doch wieder an das Tageslicht gelangen müssten. Ihre Glieder schmerzten, und ihre Muskeln verkrampften sich, und ihnen schwindelte vor Müdigkeit. Die Fackel brannte herunter, und noch immer nahm der Irrgarten der Gänge kein Ende.

Doch dann standen sie unversehens vor einer wuchtigen Eisentür, die durch einen schweren Riegel gesichert war. Wil wollte ihn öffnen, als Amberle ihn am Arm fasste.

»Wil«, fragte sie ängstlich, und ihre Stimme war heiser vor Erschöpfung, »was tun wir, wenn da draußen auch Dämonen auf uns warten? Was tun wir, wenn der Raffer nicht allein war?«

Wil blickte sie schweigend an. Diese Möglichkeit hatte er bis jetzt nicht in Erwägung gezogen. Er hatte es sich einfach nicht gestattet. Er dachte zurück an alles, was seit dem Halt im Kobelwald passiert war. Immer und überall gelang es den Dämonen, sie zu finden. Es hatte etwas Unausweichliches. Selbst wenn der Raffer vernichtet sein sollte, warteten andere Dämonen. Und der Spitzel in Arborlon hatte alles mitangehört.

»Wil?« Amberles Gesicht war voller Sorge, während sie seine Antwort erwartete.

Er traf seine Entscheidung.

»Wir müssen es wagen. Es gibt keinen anderen Weg.«

Behutsam streifte er ihre Hand von seinem Arm und schob Amberle hinter sich. Dann öffnete er vorsichtig den Riegel und zog die Tür auf. Dunstiges Tageslicht fiel herein. Sie hörten das Plätschern des Flusses, dessen Wellen sacht gegen die Wände einer Grotte schlugen, in der sich der versteckte Anlegeplatz der Elfen befand. Nichts regte sich. Wil und Amberle tauschten flüchtig einen Blick. Wil ließ die Fackel auf den Grund des Tunnels fallen, wo ihr Feuer erlosch.

Der Pier und die Boote, die an ihm festgemacht waren, waren morsch und nicht mehr zu gebrauchen. Wil und Amberle liefen einen schmalen Sims in der Grotte entlang und gelangten schließlich an ein bewaldetes Flussufer am Fuß des Pykon. Nirgends war eine Seele zu sehen. Sie waren allein.

Gerade erst graute der Tag mit kaltem, silbernem Licht. An Bäumen und Büschen glitzerten zu Kristallen gefrorene Tautropfen, und das Land lag unter einem weißen Schleier von Raureif. Verwundert blickten sie sich um, sahen ihren eigenen Atem, der in Wölkchen vor ihren Gesichtern aufstieg, spürten die Kälte, die ihnen durch die Kleider hindurch in alle Glieder kroch. Laut gurgelnd strömte der Fluss zwischen den beiden Bergspitzen dahin, kaum sichtbar unter dem dichten Gespinst weißen Nebels. Dunkel und mächtig ragten die Zwillingstürme des Pykon in den Nebel hinein.

Unsicher blickte Wil sich um. Die Boote der Elfen, die in der Dunkelheit der Höhle versteckt waren, waren nur noch Wracks. Hier schien es nichts zu geben, was ihnen weiterhelfen konnte. Aber dann fiel sein Blick auf ein kleines Ruderboot, das ein gutes Dutzend Schritte entfernt, halb von Gebüsch verborgen, am Flussufer lag. Er nahm Amberle bei der Hand und führte sie am dicht bewachsenen Ufer entlang zu dem kleinen Boot. Es war ein Fischerboot in gutem Zustand, fest und sicher am Gesträuch vertäut. Offenbar hatte es jemand zurückgelassen, der sich von Zeit zu Zeit damit vergnügt hatte, hier in der Nähe der Grotte zu fischen, wo das Wasser besonders tief war. Wil löste die Leine, half Amberle ins Boot und stieß es vom Ufer ab. Sie brauchten den Kahn viel dringender als der abwesende Fischer.

Von der Strömung des Flusses ließen sie sich ostwärts tragen, während der Tag heller wurde und die Luft sich allmählich erwärmte. Fest in ihren Umhang gehüllt, schlief Amberle vor Erschöpfung bald ein. Wil hätte es ihr gern nachgetan, doch der Schlaf mied ihn. Er war so übermüdet, dass er sich nicht entspannen konnte. Unablässig plagten ihn die Erinnerungen an all das, was ihnen auf dieser Reise zugestoßen war. Nach einer Weile schob er das kleine Ruder, das auf dem Boden des Bootes lag, in die Dolle, hockte sich aufs Heck des zierlichen Kahns und steuerte das Gefährt den Fluss hinunter, während er mit abgestumpften Sinnen beobachtete, wie hinter den Bergen die Sonne aufging und den Morgennebel aufzehrte. Der Raureif auf Büschen und Bäumen schmolz dahin. Die Gipfel des Pykon verloren sich in der Ferne, als der Fluss sie weiter ostwärts trug, und rundum leuchtete jetzt das satte Grün der Wälder. Strahlend blau lachte der Himmel, nur hier und dort trieben träge einige weiße Federwölkchen durch den Morgensonnenschein.

Als es Mittag wurde, erreichten sie die Stelle, wo sich der Mermidon nach Süden wandte, um der dunklen Kette des Steinkamms entgegenzutreten. Es war ein warmer Tag, die Sonne hatte die Feuchtigkeit und Kälte des frühen Morgens vertrieben. Über dem Wasser des Mermidon kreisten Vögel in leuchtenden Farben und erfüllten den Tag mit ihrem Gesang. Der Duft wilder Blumen hing betörend in der Luft.

Amberle räkelte sich und erwachte. Schlaftrunken blickte sie Wil an.

»Hast du auch geschlafen?«

Er schüttelte den Kopf.

»Ich konnte nicht.«

Sie setzte sich auf.

»Dann schlaf doch jetzt. Ich übernehme das Steuer. Du musst dich ausruhen.«

»Nein, es ist schon gut. Ich bin nicht müde.«

»Wil, du bist doch völlig erschöpft.« Sorge sprach aus ihrer Stimme. »Du musst schlafen.«

Tiefe Qual lag in seinen Augen, er blickte sie einen Moment lang wortlos an.

»Weißt du, was mir da heute Nacht geschehen ist?«, fragte er schließlich.

»Nein.« Sie schüttelte langsam den Kopf. »Und ich glaube, du weißt es auch nicht.«

»O doch, ich weiß es genau. Ich weiß ganz genau, was geschehen ist. Ich wollte die Elfensteine einsetzen, und ich konnte es nicht. Ich habe keine Macht mehr über sie. Sie ist mir verloren gegangen.«

»Das kannst du nicht wissen. Du hattest doch schon das erste Mal Mühe mit den Steinen, als du sie im Tirfing gebrauchen wolltest. Vielleicht hast du es diesmal allzu sehr erzwingen wollen. Vielleicht hast du dir selbst gar keine Chance gelassen.«

»Doch, doch, ich hab mir jede Chance gelassen«, widersprach er leise. »Ich habe alles eingesetzt, was ich in mir habe, um die Kraft der Elfensteine freizusetzen. Aber es geschah nichts. Gar nichts. Allanon vertraute mir an, dass dies eintreten könnte. Das kommt daher, dass mein Elfenblut mit Menschenblut gemischt ist. Nur Elfenblut hat die Macht über die Steine, und in mir fließt es, scheint mir, äußerst schwach. In mir ist eine Sperre, Amberle. Einmal habe ich sie überwunden, aber jetzt gelingt es mir nicht mehr.«

Sie rückte näher an ihn heran und legte ihre Hand leicht auf seinen Arm.

»Dann müssen wir es eben ohne die Steine schaffen.«

Er lächelte schwach bei diesen Worten.

»Die Elfensteine sind die einzige Waffe, die wir besitzen. Wenn uns die Dämonen wiederfinden, sind wir erledigt. Wir haben nichts, womit wir uns schützen können.«

»Dann dürfen die Dämonen uns eben nicht finden.«

»Sie haben uns noch jedes Mal gefunden, Amberle, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, die wir ergriffen haben. Wir konnten gehen, wohin wir wollten, sie haben uns immer wieder gefunden. Und sie werden uns auch diesmal finden. Das weißt du.«

»Ich weiß nur, dass du derjenige warst, der sich nach unserer Flucht aus Havenstedt strikt weigerte, umzukehren«, erwiderte sie. »Ich weiß, dass du derjenige bist, der nicht ein einziges Mal daran gedacht hat, die Flinte ins Korn zu werfen. Ich weiß, dass du derjenige bist, den Allanon als meinen Beschützer ausgewählt hat. Würdest du mich im Stich lassen?«

Wil errötete. »Nein. Niemals.«

»Und ich dich auch nicht. Wir haben diesen Weg gemeinsam angetreten, und wir werden ihn gemeinsam beenden. Wir können uns aufeinander verlassen, du und ich. Wir werden uns gegenseitig helfen, alles bis zum Ende durchzustehen. Ich habe so ein Gefühl, dass es gelingen wird.« Sie hielt inne, und ein scheues Lächeln flog über ihr Gesicht. »Dir ist doch wohl klar, dass eigentlich du mir diesen Vortrag hättest halten sollen, nicht ich dir. Ich war es doch, die nicht an ihr Erbe glaubte, die kein Vertrauen zum Druiden hatte. Du hast immer daran geglaubt.«

»Ja, wenn die Elfensteine mir nicht den Dienst versagt hätten …«, begann Wil bedrückt.

Amberle schloss ihm rasch mit einem Finger die Lippen.

»Sei nicht so sicher, dass sie dir den Dienst versagt haben. Überleg doch mal einen Augenblick, was du mit ihnen bewirken wolltest. Du wolltest sie als eine Waffe der Vernichtung einsetzen. Ist dir das überhaupt möglich, Wil? Vergiss nicht, dass du ein Heilkundiger bist. Du hast es dir zur Aufgabe gemacht, Leben zu erhalten, nicht zu zerstören. Der Elfenzauber ist immer nur ein Teil dessen, der sich seiner bedient. Vielleicht solltest du die Elfensteine nicht auf die Weise gebrauchen, wie du sie einsetzen wolltest, als du dich dem Raffer gegenübersahst.«

Wil überdachte Amberles Worte reiflich. Allanon hatte ihm erklärt, dass sich in den drei Steinen Herz, Geist und Körper zu jener einen Kraft vereinigen mussten, die den Zauber ausmachte. Wenn ein Teil fehlte …

»Nein.« Er schüttelte mit Nachdruck den Kopf. »Das ist Haarspalterei. Mein Großvater glaubte so fest an die Erhaltung des Lebens wie ich, und doch setzte er die Elfensteine ein, um zu vernichten. Und er tat es ohne die Schwierigkeiten, die ich erlebte.«

»Nun, dann gibt es noch eine andere Möglichkeit«, fuhr sie fort. »Allanon hat dich vor dem inneren Widerstand gewarnt, der seinen Ursprung in deinem gemischten Blut hat. Einmal schon hattest du ihn verspürt. Vielleicht ist daraus eine neue Sperre entstanden – eine geistige Sperre in der Form, dass du – unbewusst – befürchtest, dass die Kraft der Elfensteine dir verloren ist, obwohl es in Wirklichkeit gar nicht zutrifft. Vielleicht war die Sperre, die dich heute Nacht hinderte, von dir selbst geschaffen.«

Wil starrte sie nachdenklich an. War das möglich? Er schüttelte den Kopf.

»Ich weiß nicht. Ich bin mir nicht sicher. Es ging alles so schnell.«

»Dann hör mir zu.« Sie neigte sich zu ihm hinüber, so dass ihr Gesicht dem seinen ganz nahe war. »Akzeptiere nicht so rasch als Wahrheit, was nur Mutmaßung ist. Einmal hast du dich der Elfensteine bedient. Da hast du ihre Kraft heraufbeschworen und sie zu deiner eigenen gemacht. Ich glaube nicht, dass einem eine solche Gabe so leicht verloren geht. Vielleicht ist sie nur verschüttet. Nimm dir Zeit, sie zu suchen, ehe du sagst, dass sie dir auf immer genommen sei.«

Voll tiefer Verwunderung blickte er sie an.

»Du hast mehr Vertrauen in mich als ich selbst. Wie seltsam! Auf unserer Reise nach Arborlon hattest du noch große Zweifel an mir. Erinnerst du dich?«

Sie rückte ein Stück von ihm ab.

»Das war falsch von mir. Ich habe Dinge von mir gegeben, die ich besser nicht gesagt hätte. Ich hatte Angst …«

Einen Augenblick schien es so, als wolle sie noch mehr sagen; doch wie schon bei anderer Gelegenheit, als es den Anschein hatte, sie wolle ihre Angst erklären, ließ sie das Thema fallen. Wil war klug genug, sich damit zufriedenzugeben.

»Nun, in einer Hinsicht hast du jedenfalls Recht gehabt«, meinte er, bemüht, in leichtem Ton zu sprechen. »Diesen Vortrag hätte ich dir halten sollen. Nicht du mir.«

Eine unbestimmbare Wehmut lag tief in ihren Augen.

»Dann denk daran, das zu tun, wenn du siehst, dass ich es brauche. So, kannst du jetzt schlafen?«

Er nickte. »Ja, ich glaube schon – ein Weilchen wenigstens.«

Sie tauschten den Platz, und er streckte sich auf dem Boden des Kahns aus, seinen zusammengerollten Umhang als Kissen unter dem Kopf. Gedanken an die Elfensteine schossen ihm aufreizend durch den Sinn. Er schloss die Augen. Glaub an dich selbst, hatte Allanon zu ihm gesagt. Hatte er diesen Glauben? War dieser Glaube stark genug?

Die Gedanken zerstreuten sich. Er versank in tiefen Schlaf.

Es war schon später Nachmittag, als Wil erwachte. Mit steifen, schmerzenden Gliedern stemmte er sich von dem harten Boden des Bootes in die Höhe und erhob sich vollends, um Amberle am Ruder abzulösen. Er war hungrig und durstig, doch sie hatten nichts zu essen und nichts zu trinken. Sie hatten alles auf ihrer Flucht durch den Pykon verloren.

Nach einiger Zeit verengte sich der Lauf des Flusses, und die Zweige der Bäume zu beiden Seiten des Ufers schlossen sich wie ein Baldachin über ihnen. Die Schatten auf dem Wasser wurden länger, und im Westen hing die Sonne jetzt schon tief über der Wand des Steinkammgebirges. Ihr goldenes Licht färbte sich mit dem Nahen des Abends zu roter Glut. Eine Folge von Stromschnellen schaukelte das kleine Boot wild hin und her, doch Wil gelang es, die gefährlichen Felsbrocken zu meiden, und er hielt mit eiserner Hand den Kurs, bis sie die gefährlichen Strudel und Untiefen hinter sich gelassen hatten. Als der Fluss auf seiner langen Wanderung nach Callahorn wieder nach Osten schwenkte, steuerte Wil den Kahn an Land, und sie stiegen aus.

Die Nacht verbrachten sie im Schutz einer ausladenden alten Weide, ein gutes Stück vom Flussufer entfernt. Nachdem sie das Boot im Gebüsch versteckt hatten, sammelten sie Früchte und Kräuter für ein karges Nachtmahl und machten sich auf die Suche nach Trinkwasser. Doch sie fanden nirgends eine Quelle und mussten sich schließlich mit der harten Nahrung begnügen. Bald nach dem Essen schliefen sie ein.

Der Morgen zog hell und freundlich herauf, und Wil und Amberle brachen zeitig auf, um den Marsch zum Steinkamm in Angriff zu nehmen. In zügigem Tempo wanderten sie durch den frühen Morgen, während sie mit herzhaftem Appetit die Früchte verspeisten, die vom vergangenen Abend übrig waren. Die Stunden verflogen rasch. Am späten Vormittag entdeckten sie einen Bach mit einem sprudelnden Wasserfall und stellten fest, dass das Wasser genießbar war. Sie tranken gierig und ausgiebig, doch da sie kein Behältnis hatten, konnten sie nichts mitnehmen.

Der Tag wurde älter, und immer näher rückte hinter der grünen Mauer der Wälder das Steinkammgebirge, eine gewaltige Kette gezackter Spitzen, die sich über den westlichen Horizont dehnte. Nur im Süden, wo das öde, undurchdringliche Totenmoor lag, waren keine Berge. Dort war die Luft von dichten grauen Nebeln verschleiert, die wie Rauchwolken aus dem Moor aufstiegen.

Zum ersten Mal, seit sie dem Pykon entronnen waren, machte sich Wil Gedanken darüber, wie ihre Reise weitergehen sollte. Ihr Entschluss, dem Mermidon bis zu den Wäldern am Fuß der Bergkette zu folgen, war durchaus naheliegend gewesen. Jetzt aber, da sie hier waren, fragte er sich, wie sie es je schaffen sollten, diese gigantischen Gipfel zu überwinden. Sie kannten beide dieses Gebiet nicht; sie wussten beide nicht, ob es Pässe gab, die einigermaßen gefahrlos über das Gebirge hinwegführten. Wie sollten sie es jetzt, ohne die Führung der Elfenjäger, verhindern, dass sie hoffnungslos in die Irre gingen?

Als die Sonne unterging, standen sie unmittelbar am Fuß des Steinkamms und blickten Tausende von Fuß hinauf zu einem Wald nadelspitzer Felsgipfel, der nirgends eine Lücke zeigte, nirgends einen Durchgang bot. Sie ließen den Wald hinter sich und erklommen die unteren Hänge des Berges unmittelbar vor ihnen. Die weiten grünen Matten waren mit leuchtend blauen Glockenblumen und rotem Tausendgüldenkraut übersät. Die Sonne war beinahe hinter dem Horizont verschwunden, und sie sahen sich nach einem Lagerplatz um. Bald hatten sie einen Bach gefunden, der munter aus den oberen Felshängen herabsprudelte; an einem kleinen Teich im Schutz einer Gruppe von Fichten ließen sie sich zur Nacht nieder. Wieder gab es nur frische Früchte und Kräuter zum Nachtmahl, doch Wil hungerte nach Fleisch und Brot; er aß das, was sie hatten, ohne viel Appetit. Sie wünschten einander gute Nacht, wickelten sich in ihre Umhänge und schlossen die Augen.

Wil überlegte noch immer, wie es ihnen gelingen sollte, das Gebirge zu überwinden, als der Schlaf ihn übermannte.

Als er erwachte und die Augen aufschlug, saß ein Junge neben ihnen im Gras und musterte ihn. Es war früh am Morgen, und die Sonne stieg wie in einem Glorienschein dunstverschleierten goldenen Lichts aus den fernen Wäldern empor. Auf den weiten, offenen Hängen des Berges, die sich über ihnen dehnten, öffneten sich die Blüten der wilden Blumen, und Tautropfen schimmerten im Gras.

Wil blinzelte überrascht. Im ersten Moment glaubte er, seine Augen spielten ihm einen Streich, und wartete darauf, dass der Junge wieder in den Gefilden seiner Fantasie untertauchen würde. Doch der Junge blieb, wo er war. Mit gekreuzten Beinen hockte er vor Wil im Gras und betrachtete ihn schweigend. Es war also kein Trugbild, sagte sich Wil und richtete sich ein wenig auf.

»Guten Morgen«, sagte er endlich.

»Guten Morgen«, antwortete der Junge feierlich.

Wil rieb sich den Schlaf aus den Augen und nahm sich Zeit, um den Jungen zu mustern. Er war ein Elf, ziemlich groß, mit zerzaustem, sandblondem Haar, das ihm in sein Gesicht fiel. Auf der Nase saßen ein paar Sommersprossen. Der Junge trug eine Hose und ein Wams aus Leder, und um seinen Hals sowie an seinem Gürtel hing eine Vielzahl von Beuteln und Säcken. Er war sehr jung, viel jünger noch als Wil und Amberle.

»Ich wollte euch nicht wecken«, erklärte der Junge.

Wil nickte. »Du warst sehr leise.«

»Ich weiß. Ich kann mich durch einen Wald schleichen, ohne dass mich jemand hört.«

»Tatsächlich?«

»Ja. Und ich kann mich an einen Fuchsbau heranpirschen, ohne dass der Fuchs was merkt. Das hab ich schon einmal gemacht.«

»Das ist ja allerhand.«

Der Junge sah ihn neugierig an.

»Was tut ihr hier draußen?«

Wil musste unwillkürlich lachen.

»Genau das Gleiche wollte ich dich gerade fragen. Wohnst du hier?«

Der Junge schüttelte den Kopf.

»Nein. Ich wohne im Süden, unterhalb vom Irrybis. Im Rockshort.«

Wil hatte keine blasse Ahnung, was ein Rockshort sein könnte. Er hörte, wie Amberle sich hinter ihm regte.

»Sie ist sehr schön«, sagte der Junge leise. »Seid ihr verheiratet?«

»Ah – nein, wir reisen nur zusammen«, erwiderte Wil leicht verlegen. »Wie bist du denn hierhergekommen?«

»Ich bin geflogen«, antwortete der Junge. »Ich bin ein Himmelsreiter.«

Wil war sprachlos. Der Junge blickte an ihm vorbei zu Amberle, die sich jetzt aufsetzte.

»Guten Morgen, schöne Dame«, begrüßte er sie.

»Guten Morgen«, antwortete Amberle. Belustigung mischte sich mit Verwunderung in ihren grünen Augen. »Wie heißt du?«

»Perk.«

»Ich heiße Amberle.« Das Elfenmädchen lächelte. »Und das ist Wil.«

Der Junge stand auf und trat zu Wil, um ihm die Hand zu schütteln. Mit Überraschung stellte Wil fest, dass die Handfläche des Jungen schwielig und von Hornhaut überzogen war. Der Junge schien sich dieser Tatsache bewusst zu sein und zog seine Hand rasch zurück. Amberle bot er sie gar nicht, sondern nickte ihr nur zu.

»Möchtet ihr etwas zum Frühstück?«, fragte er.

Wil zuckte die Schultern. »Woran hattest du denn gedacht, Perk?«

»Milch, Nüsse, Käse und Brot. Das ist alles, was ich bei mir habe.«

»Nun, das ist doch wunderbar.« Wil lachte und blickte rasch zu Amberle hinüber. Er hatte keine Ahnung, was Perk hier tat, doch was er zum Frühstück zu bieten hatte, klang köstlich.

»Wir teilen das Frühstück gern mit dir.«

Sie ließen sich im Gras nieder. Aus einem der Beutel, die er bei sich trug, holte der junge Elf die versprochenen Nüsse, den Käse und das Brot hervor, dazu drei kleine Becher. Diese füllte er mit Milch aus einem anderen Beutel.

Wil und Amberle verzehrten die kleine Mahlzeit mit Heißhunger.

»Woher hast du die Milch?«, fragte Amberle.

»Von den Ziegen«, murmelte der Junge mit vollem Mund. »Ein paar Meilen weiter nördlich ist ein Ziegenhirt mit einer kleinen Herde. Ich hab heute Morgen in aller Frühe eine von den Geißen gemolken.«

Amberle warf einen fragenden Blick auf Wil. Der zuckte die Schultern.

»Er hat mir erzählt, dass er ein Himmelsreiter ist. Er fliegt.«

»Ein richtiger Himmelsreiter bin ich nicht – noch nicht«, schränkte der Junge ein. »Dazu bin ich noch zu jung. Aber eines Tages werde ich einer sein.«

Ein etwas verlegenes Schweigen folgte auf diese Worte, das der Junge schließlich brach.

»Ihr habt mir noch gar nicht erzählt, was ihr hier draußen macht«, bemerkte er. »Lauft ihr vor irgendwas davon?«

»Warum fragst du das, Perk?«, wollte Amberle sogleich wissen.

»Weil ihr so ausseht, als ob ihr vor irgendwas flieht. Eure Kleider sind ganz zerrissen und schmutzig. Ihr habt keine Waffen und kein Essen und keine Decken. Ihr habt kein Feuer entzündet. Und ihr seht so aus, als ob euch etwas schreckliche Angst gemacht hat.«

»Perk, du bist ein kluger Junge«, bemerkte Wil eilig und wusste schon, wie er diese Situation anpacken wollte. »Versprichst du mir, dass du es nicht weitererzählst, wenn ich dir jetzt etwas sage?«

Der Junge nickte mit einer Miene gespannter Erwartung. »Ja, das verspreche ich.«

»Gut.« Vertraulich neigte sich Wil ihm zu. »Diese Dame hier – Amberle – ist etwas ganz Besonderes. Sie ist eine Prinzessin, eine Enkelin von Eventine Elessedil, dem König der Elfen.«

»Dem König der Landelfen«, verbesserte Perk. Als Wil, durch den Einwurf des Jungen verwirrt, innehielt, rückte dieser begierig näher an ihn heran. »Seid ihr auf Schatzsuche? Oder ist die Dame verzaubert? Ist sie behext?«

»Ja. Nein.« Wil brach ab. Worauf hatte er sich da eingelassen? »Wir suchen, äh, wir sind auf der Suche nach einem … einem Talisman, Perk. Nur Amberle kann seine Kraft zur Wirkung bringen. Das Volk der Elfen wird von großem Unheil bedroht. Nur dieser Talisman kann vor diesem Unheil schützen, und wir müssen ihn schnell finden. Wärst du bereit, uns zu helfen?«

Perks Augen blitzten aufgeregt.

»Ein Abenteuer? Ein richtiges Abenteuer?«

»Wil, ich weiß nicht …«, unterbrach Amberle ihn mit gerunzelter Stirn.

»Vertrau mir bitte.« Wil hob beschwichtigend die Hände. Er wandte sich wieder an Perk. »Das ist eine sehr gefährliche Sache, Perk. Die Wesen, vor denen wir fliehen, haben schon eine ganze Anzahl von Elfen getötet. Das ist kein Spiel. Du musst genau das tun, was ich dir sage, und wenn ich dir sage, dass es vorbei ist, dann musst du uns auf der Stelle verlassen. Ist das klar?«

Der Junge nickte zustimmend.

»Was soll ich denn tun?«

Wil wies zum Steinkammgebirge hinauf.

»Du sollst mir einen Weg durch dieses Gebirge zeigen. Kennst du einen?«

»Aber natürlich.« Perks Stimme klang entrüstet. »Wohin wollt ihr denn?«

Wil zögerte. Eigentlich hätte er das dem Jungen lieber nicht verraten.

»Spielt das eine Rolle?«, fragte er.

»Aber gewiss spielt das eine Rolle«, gab Perk sogleich zurück. »Wie kann ich euch zeigen, wie ihr zu eurem Ziel kommt, wenn ich gar nicht weiß, wo euer Ziel liegt?«

»Das klingt sehr vernünftig«, bemerkte Amberle und warf Wil einen Blick zu, der besagte, dass er all dies hätte voraussehen müssen. »Ich glaube, es ist besser, du sagst es ihm, Wil.«

Wil nickte. »Also gut. Wir wollen in den Wildewald.«

»In den Wildewald?« Mit ernster Miene schüttelte Perk den Kopf, und sein Eifer wurde ein wenig gedämpfter. »Der Wildewald ist mir verboten. Er ist gefährlich.«

»Das wissen wir«, pflichtete Amberle ihm bei. »Aber wir haben keine andere Wahl. Wir müssen dorthin. Kannst du uns helfen?«

»Ja, ich kann euch helfen«, antwortete der Junge fest. »Aber ihr könnt nicht durch das Gebirge wandern. Da würdet ihr Tage brauchen.«

»Ja, aber wenn wir nicht durch das Gebirge gehen, wie kommen wir dann hin?«, fragte Wil. »Gibt es denn einen anderen Weg?«

Perk lachte. »Klar. Wir können fliegen.«

Wil sandte einen Hilfe suchenden Blick zu Amberle hinüber.

»Perk, das geht doch gar nicht, wir können nicht fliegen«, sagte sie behutsam.

»Doch, wir können fliegen«, beharrte er. »Ich hab euch doch gesagt, dass ich ein Himmelsreiter bin – jedenfalls schon fast.«

Eine blühende Fantasie hat der Knabe, dachte Wil.

»Schau mal, Perk, zum Fliegen braucht man Flügel, und die haben wir nicht.«

»Flügel?« Der Junge machte ein verwirrtes Gesicht. Dann lachte er. »Ach so, ihr dachtet – ach so, jetzt verstehe ich. Nein, nein, nicht wir selbst. Wir haben Genewen. Hier, kommt mit.«

Eilig sprang er auf und lief aus dem Schatten der Föhren auf die Wiese hinaus. Verwundert folgten ihm Wil und Amberle. Als sie die Bäume hinter sich gelassen hatten und am offenen Hang standen, griff Perk in einen der Lederbeutel, die er am Hals trug, und zog eine kleine silberne Pfeife heraus. Er legte sie an die Lippen und blies hinein. Kein Laut war zu hören. Wil blickte erneut zu Amberle hinüber und schüttelte verstohlen den Kopf. Perk steckte das silberne Pfeifchen wieder ein und hob den Kopf zum Himmel hinauf. Ganz mechanisch folgten Wil und Amberle seinem Beispiel.

Plötzlich stieg aus den Zacken des Steinkamms ein gewaltiges, golden schimmerndes Wesen in die Lüfte empor. Hell blitzte es im warmen Sonnenlicht des Morgens, als es am Hang des Berges abwärtstauchte und auf sie zukam. Wil und Amberle fuhren erschreckt zusammen. Es war der größte Vogel, den sie je gesehen hatten, ein riesenhaftes Geschöpf mit einer Spannweite von vollen dreißig Fuß. An dem schlanken, von einem Kamm gekrönten Kopf, der, schwarz gesprenkelt, wie Feuer leuchtete, saß ein mächtiger gebogener Schnabel, und scharfe Krallen schoben sich aus den Füßen, als der Vogel sich näherte. Einen Moment lang fühlten sich Wil und Amberle an das geflügelte schwarze Ungeheuer erinnert, das sie auf ihrer Flucht durch das Rhenntal beinahe eingeholt hätte, doch dann sahen sie, dass dies nicht dasselbe Geschöpf war. Keine fünf Schritte von ihnen entfernt landete der Vogel auf der Wiese und faltete die gewaltigen Schwingen über seinem golden gefiederten Körper. Sein Schrei zerriss die morgendliche Stille, und dann neigte er den schmalen Kopf begierig zu Perk hinunter. Der Junge antwortete mit einem raschen, seltsamen Ruf und wandte sich dann wieder seinen erstaunten Begleitern zu.

»Das ist Genewen«, verkündete er strahlend. Dann lachte er. »Seht ihr? Ich sagte doch, dass wir fliegen können.«

Angesichts des Riesenvogels waren Wil und Amberle eher bereit, die Geschichte zu glauben, die Perk ihnen dann erzählte.

Vor der Zeit von Jerle Shannara und vor dem Ausbruch des Zweiten Krieges der Rassen verließ eine kleine Schar von Elfen – aus Gründen, die nun längst vergessen waren – ihre Heimat und wanderte nach Süden, um sich am Fuß des Irrybisgebirges in einem rauen, unerforschten Gebiet bergigen Waldlands anzusiedeln, das an ein großes Wasser grenzte, den Rassen als Blaue Scheide bekannt. Diese Elfen waren Perks Vorfahren. Im Lauf der Jahre wurden sie zu Jägern und Fischern, die westlich vom Myriansee in kleinen Dörfern an der steilen Felsküste der Blauen Scheide hausten. Die Elfen entdeckten schon bald, dass sie diese Felsen mit einer Familie riesiger Vögel teilten, die in den Höhlen über den Wassern der Blauen Scheide ihre Nester bauten.

Nach einem legendären Vogel der alten Welt nannten sie diese Vögel Rocks. Die Rocks und die Elfen wahrten zunächst tunlichst Abstand voneinander, doch mit der Zeit erkannten die Elfen, dass die Riesenvögel ihnen von großem Nutzen sein konnten, wenn es möglich war, sie zum Tragen und Befördern von Lasten abzurichten. Die Elfen waren einfallsreiche und resolute Leute und machten sich sogleich daran, dieses Ziel zu verwirklichen. Nach zahlreichen Fehlschlägen entdeckten sie tatsächlich einen Weg, mit den Vögeln Kontakt aufzunehmen und sich mit ihnen zu verständigen, und das führte dazu, dass sie zunächst einigen der jungen Vögel Geschirr anlegten. Nach einiger Zeit schafften es die Elfen schließlich, sich zu Herren der ganzen Vogelsippe zu machen. Die Rocks wurden zu Reittieren der Elfen, die jetzt ihre Jagd- und Fischgründe weiter ausdehnen konnten. Die Vögel wurden aber auch zu starken Beschützern ihrer Herren, indem man sie darauf abrichtete, mit den Feinden der kleinen Gemeinde zu kämpfen. Die Elfen ihrerseits verteidigten die Rocks gegen andere Tiere, die etwa die Brutstätten überfallen oder in ihre Futtergebiete einfallen wollten. Sie machten es sich zur Aufgabe, für die Vögel zu sorgen, sie bei Krankheit und Verletzung zu behandeln und zu heilen, sich stets um ihr Wohlbefinden zu kümmern. Im Lauf der Jahre wurde das Band zwischen Elf und Vogel immer fester. Das Land, in dem sie gemeinsam lebten, nannten sie Rockshort. Es war klein und abgeschieden, in einer Wildnis gelegen, die nur dünn besiedelt war und selten von Reisenden aufgesucht wurde. Jede Verbindung zwischen Rockshort und den größeren Elfengemeinden nördlich vom Wildewald war längst abgebrochen. Die Elfen im Rockshort hatten ihre eigene Regierung gebildet, und wenn sie auch die Souveränität des Elfenkönigs in Arborlon über die Mehrheit der Westlandelfen anerkannten, so betrachteten sie sich doch als ein selbstständiges Volk. Sie nannten sich selbst die Luftelfen und die übrigen Westlandelfen die Landelfen.

Perk war Sohn und Enkel von Himmelsreitern. Himmelsreiter waren jene Männer, die die gewaltigen Rocks abrichteten, ritten und die für die Ernährung und für die Verteidigung der im Rockshort lebenden Elfen und Vögel zuständig waren. Es gab noch andere Ämter, die den Männern und Frauen vom Rockshort übertragen wurden, doch das des Himmelsreiters war das am meisten begehrte. Nur der Himmelsreiter konnte dem Rock befehlen. Nur er durfte fliegen, die Himmelsbahnen von einem Ende des Landes bis zum anderen durchreiten. Der Himmelsreiter war ein Mann, der Vertrauen und Ehre genoss, der sein Leben in den Dienst seiner Mitbürger stellte, der stets als ein Symbol ihrer Lebensweise gelten würde.

Perk befand sich im zweiten Jahr seiner Ausbildung als Himmelsreiter. Die, denen dieses Amt einmal übertragen werden sollte, wurden früh ausgewählt, und die Ausbildung dauerte dann bis zu dem Tag, an dem der Junge das Mannesalter erreichte. Häufig war die Wahl schon vorbestimmt, wie im Fall von Perk, von dem erwartet wurde, dass er in die Fußstapfen seines Vaters und seines Großvaters treten würde, die beide Himmelsreiter waren. Genewen war der Vogel seines Großvaters, doch dieser war zu alt, um noch regelmäßig im Dienste des Rockshorts zu fliegen. Wenn Perk das Mannesalter erreichte, würde Genewen in seinen Besitz übergehen. Die Rocks wurden sehr alt, lebten im Allgemeinen vier-, in seltenen Fällen fünfmal so lang wie die Elfen. Ein Rock konnte also im Lauf seines Lebens mehreren Herren dienen. Genewen war zuerst von Perks Großvater in Dienst genommen worden, doch wenn sie bei Gesundheit blieb, würde sie eines Tages Perks Sohn dienen, vielleicht auch seinem Enkel.

Im Augenblick jedoch diente sie Perk, der unter der Aufsicht seines Großvaters zum Himmelsreiter ausgebildet wurde. Ein Übungsflug hatte den Elfenjungen ins Steinkammgebirge und zu dieser Begegnung mit Wil und Amberle geführt. Im Rahmen seiner Ausbildung zum Himmelsreiter musste er vom Rockshort aus immer längere Flüge unternehmen. Und bei jedem Flug hatte er ganz bestimmte Aufgaben zu erfüllen, musste ganz bestimmte Vorschriften befolgen. Diesmal sollte er dem Rockshort sieben Tage fernbleiben, wobei man ihm nur einen schmalen Proviant an Brot und Käse und einen Kanister Wasser mitgegeben hatte. Was er sonst noch brauchte, um seinen Hunger zu stillen, musste er sich selbst beschaffen. Er hatte den Auftrag, bestimmte Teile des Gebirgslandes rund um den Wildewald zu erforschen und bei seiner Rückkehr genau zu beschreiben. Der Wildewald selbst war ihm verboten, wie allen, die sich noch in der Ausbildung befanden. Er durfte in dem Land, das an den Wildewald angrenzte, landen, nicht aber in dem Gebiet selbst. Und er war gehalten, allen Kontakt mit seinen Bewohnern zu vermeiden.

Die Anweisungen waren klar und deutlich, und Perk stellte sie nicht in Frage. Am Morgen seines zweiten Tages jedoch entdeckte er, während er am Ostrand des Steinkamms entlang nach Süden flog, Wil und Amberle, zwei vermummte Gestalten, die im Schutz einer Gruppe von Fichten unter ihm schliefen. Er schwang sich herab, um die beiden näher in Augenschein zu nehmen, und sogleich war seine Neugier geweckt. Wer waren diese Wanderer, Elfen wie er selbst, ein junger Mann und ein junges Mädchen, ganz offensichtlich aus einem anderen Teil des Landes? Was taten sie so schlecht ausgerüstet in diesem rauen Land? Es bedurfte nur kurzer Überlegung, dann war sein Entschluss gefasst. Er hatte Anweisung, jeden Kontakt mit den Bewohnern des Wildewalds zu vermeiden, hinsichtlich eventueller Kontakte mit anderen jedoch war ihm nichts gesagt worden – ein Versehen seines Großvaters vielleicht, aber auf jeden Fall eine Tatsache. Obwohl Perk durch die hohen Anforderungen seiner Ausbildung Bedachtsamkeit und Vorsicht gelernt hatte, war er dennoch ein Junge mit eben der Abenteuerlust eines Jungen. Sein Großvater hatte die Tür angelehnt gelassen, da war es nur natürlich, dass er sie jetzt ganz aufstoßen wollte. Er wollte gehorsam sein, aber er war auch wissbegierig. Und manchmal musste eben der Gehorsam vor der Wissbegierde weichen.

Und dies war eine solche Gelegenheit – zum Glück für Wil und Amberle.

Nachdem Perk zum Ende gekommen war, beantwortete er geduldig die Fragen der beiden. Doch seine Ungeduld, das neue Abenteuer anzugehen, gewann schließlich die Oberhand. Mit erwartungsfrohem Blick fragte er seine neuen Freunde, ob sie zum Abflug bereit seien. Genewen war zwar nicht daran gewöhnt, mehr als einen Reiter zu tragen, doch sie konnte es leicht schaffen. Sie würde sie im Nu über die Bergkette des Steinkamms hinwegtragen.

Wil und Amberle musterten den Riesenvogel mit skeptischen Blicken. Hätte es einen anderen Weg gegeben, sie hätten ihn mit Freuden eingeschlagen. Allein schon der Gedanke an das Fliegen machte ihnen Angst. Doch es gab keine andere Möglichkeit, und da stand der Junge, die Hände in die Hüften gestemmt, und wartete darauf, dass es endlich losging. Mit einem Schulterzucken erklärte Wil, sie seien bereit. Lieber Himmel, wenn ein Knabe dies konnte, dann konnten sie es doch gewiss auch.

Sie folgten Perk zu Genewen hinüber. Der Riesenvogel trug ein ledernes Geschirr, das eng um seinen Körper lag. Perk zeigte ihnen die Fußschlingen, die ihnen gestatteten, an dem Geschirr bis zur Mitte des gefiederten Rückens hochzuklettern. Er hielt Genewen ruhig, während sie hinaufstiegen, schob ihre Stiefel dann in lederne Schlaufen, führte ihre Hände zu verknoteten Haltegriffen und band sie vorsichtshalber schließlich noch mit Sicherheitsgurten an das Geschirr. So, klärte er sie auf, würden sie auch dann nicht abstürzen, wenn ein starker Wind sie vom Rücken des Vogels herunterwehen sollte. Wil und Amberle, die auch ohne diese Aussicht Angst genug hatten, fanden das wenig tröstlich. Als sie beide fest saßen, gab Perk jedem von ihnen ein kleines Stück einer bräunlichen Wurzel und sagte, sie sollten sie gut kauen und dann hinunterschlucken. Diese Wurzel, erklärte er, helfe gegen das Unwohlsein während des Flugs. Sie schoben sie eiligst in den Mund.

Der Elfenjunge saß nun ebenfalls auf, zog unter den Gurten des Geschirrs eine lange, mit Leder umwickelte Peitsche hervor und versetzte Genewen einen scharfen Schlag. Mit einem durchdringenden Schrei breitete der Rock seine gewaltigen Schwingen aus und stieg steil in den leuchtenden Morgen auf. Starr vor Angst sahen Wil und Amberle, wie die grüne Wiese unter ihnen zurückblieb. Die Fichten, unter denen sie geschlafen hatten, schienen zu schrumpfen, als Genewen hoch über dem grünen Weideland kreiste, sich von den Strömungen des Windes weiter aufwärts tragen ließ und in weitem Bogen westwärts flog, den Gipfeln der Berge entgegen.

Wil und Amberle wurden von einer Mischung seltsamer Gefühle überwältigt, die zwischen Angst und Schwindel einerseits und jauchzendem Frohlocken andererseits schwankten. Nur der Saft der fremdartigen Wurzel verhinderte, dass sich ihnen der Magen umdrehte. Mit der Zeit jedoch vergingen Schwindel und Übelkeit, während das Gefühl schwereloser Beschwingtheit stärker wurde und ganz von ihnen Besitz ergriff und sie auf das weite Land hinunterblickten, das sich in einem überwältigenden Panorama von Wäldern, Sümpfen, Bergen und Flüssen unter ihnen dehnte. Es war ein unbeschreiblicher Anblick. Vor ihnen stießen die schwarzen Spitzen des Steinkamms wie zackige Zähne aus der Erde empor, und das dünne blaue Band des Mermidon schlängelte sich aus dem unfruchtbaren Fels ins flache Wiesenland hinaus. Im Norden, eingeschlossen vom Grün der Westlandwälder, lag dunkel und verschleiert das Wirrnismoor. Im Osten, jetzt weit entfernt, ragten die Zwillingstürme des Pykon in den Himmel. Im Süden hüllten die brodelnden Dämpfe, die aus dem Totenmoor aufstiegen, das Irrybisgebirge in graue Schleier. Da lag es unter ihnen ausgebreitet, das ganze Land, scharf gezeichnet von der Morgensonne, die aus einem wolkenlosen, leuchtend blauen Himmel herunterbrannte.

Genewen stieg zu einer Höhe von mehreren hundert Fuß auf, während sie mit stetigem Flügelschlag immer tiefer in das Steinkammgebirge hineinflog, sich in diesem Felslabyrinth mit sicherem Instinkt ihren Weg suchte, durch Spalten und Klüfte tauchte, in Täler hinabstieß, dann wieder steil nach oben stieg, um einen neuen scharfzackigen Rücken zu überwinden. Wil und Amberle klammerten sich eisern mit ihren Händen an ihren Riemen fest, doch es war ein runder, glatter Flug; der gewaltige Vogel sprach auf jede Bewegung des Knaben, der ihn lenkte, an. Der Wind fegte in kurzen Böen über sie hinweg, doch er war freundlich und warm an diesem Sommertag, wehte sacht aus Süden. Ab und zu warf Perk einen Blick über die Schulter auf seine neuen Freunde und lachte über das ganze sommersprossige Gesicht. Der Höflichkeit halber lächelten sie zurück, doch Begeisterung sprach nicht aus diesem Lächeln.

Fast schon eine Stunde dauerte der Flug, immer tiefer hinein in das Gebirge, bis die grünen Wälder ganz aus ihrem Blickfeld entschwunden waren. Von Zeit zu Zeit konnten sie durch eine Lücke im Zackenwald die Dämpfe des Totenmoores sehen, das grau und abweisend im Süden lag. Dann aber schlossen sich die Berge wie eine undurchdringliche Wand um sie, massige Felstürme, die das Sonnenlicht verdunkelten. Flüchtig dachte Wil daran, wie es wohl gewesen wäre, wenn er und Amberle versucht hätten, diese grimmigen Berge zu Fuß zu überqueren. Es schien unmöglich, dass sie es geschafft hätten, schon gar nicht ohne die Hilfe der Elfenjäger. Die Dämonen, dachte er, jagten ihnen gewiss noch immer nach, doch diesmal würde es selbst dem Raffer, wenn er den Einsturz der Brücke am Pykon überlebt hatte, unmöglich sein, ihnen wieder auf die Spur zu kommen.

Nach einer Weile lenkte Perk den Riesenvogel zu einem baumlosen Hochplateau über einem funkelnden Bergsee. Der Rock landete ruhig und sicher wieder auf festem Boden, und seine Reiter stiegen ab. Perk sprang flink und behände vom Rücken des Vogels, während Wil und Amberle sich mit steifen, ungelenken Bewegungen herunterließen. Auf ihren Gesichtern stand tiefe Erleichterung.

Eine halbe Stunde rasteten sie auf dem Plateau, dann kletterten sie wieder auf Genewens Rücken, und der Flug ging weiter, immer in westlicher Richtung. Noch zweimal machten sie im Laufe des Morgens Rast, und jedes Mal erbot sich Perk, Essen und Trinken mit seinen neuen Freunden zu teilen. Doch diese lehnten ab. Nur ein weiteres Stück von der geheimnisvollen braunen Wurzel nahmen sie gern entgegen. Perk versagte sich einen Kommentar. Ihm war es genauso gegangen, als er das erste Mal geflogen war.

Am späten Morgen erreichten sie den Ostrand des Wildewalds. Von Genewens Rücken aus konnten sie das ganze Tal überblicken, eine schier undurchdringliche Wildnis aus dichtem Wald und struppigem Dickicht, eingeschlossen von den Gipfeln des Steinkamms und des Irrybisgebirges und von der weiten, nebelverhangenen Einöde des Totenmoors. Ein unheimliches Gebiet war es, dicht überwuchert von Buschwerk und Gestrüpp, ein Auf und Ab von Talmulden und Hügelkämmen, von Sümpfen durchzogen. Hier und da ragten einsame Felsspitzen auf, die aus dem grünen Meer der Bäume emporstießen wie himmelsuchende Arme. Nirgends waren Anzeichen menschlicher Besiedlung auszumachen; es gab keine Dörfer, keine Einödhöfe, keine bebauten Äcker, kein grasendes Vieh. Das ganze Tal war eine einzige Wildnis, finster und bedrohlich. Wil und Amberle blickten voll Sorge hinunter.

Nun aber steuerte Perk den Vogel wieder in den Schatten der Berge hinein, und der Wildewald verschwand hinter den Gipfeln. Ohne Pause flogen sie weiter bis kurz nach Mittag, als Perk Genewen wieder nach Süden lenkte. Der Rock segelte durch eine schmale Kluft, und vor ihnen tauchte erneut der Wildewald auf. Sie flogen geradewegs darauf zu, indem sie dem Gefälle einer langen Geröllhalde folgten, die bis zum oberen Rand der Talmulde reichte. Dort schwenkte Genewen nach rechts ab und landete wenig später im Schutz einiger Tannen auf einem weiten Hang, der Blick auf den Wildewald bot.

Vorsichtig kletterten Wil und Amberle vom Rücken des Rock und rieben sich die Muskeln, die vom langen Flug ganz verkrampft waren. Nachdem Perk seinem Riesenvogel rasch einen Befehl erteilt hatte, folgte er seinen beiden Freunden. Seine Augen blitzten.

»Seht ihr! Wir haben es geschafft!« Er strahlte über das ganze Gesicht.

»Ja, tatsächlich.« Wil lächelte ungläubig.

»Und was tun wir jetzt?«, erkundigte der Junge sich eifrig.

Mit einem dankbaren Lächeln richtete Wil sich auf.

»Du tust jetzt gar nichts mehr, Perk. Hier ist für dich das Ende des Wegs.«

»Aber ich möchte euch helfen«, beharrte Perk.

Amberle trat zu ihm und legte ihm den Arm um die Schultern.

»Du hast uns schon sehr geholfen, Perk. Ohne dich wären wir nicht so weit gekommen.«

»Aber ich möchte …«

»Nein, Perk«, unterbrach Amberle ihn rasch. »Das, was wir jetzt tun müssen, ist viel zu gefährlich. Da dürfen wir dich nicht mit hineinziehen. Wil und ich müssen in den Wildewald. Du hast selbst gesagt, dass du dorthin nicht darfst. Darum musst du uns jetzt verlassen. Vergiss nicht, du hast Wil versprochen zu gehorchen.«

Der Junge nickte enttäuscht.

»Aber ich hab keine Angst«, murmelte er.

»Das weiß ich.« Amberle lächelte. »Ich glaube, es gibt kaum etwas, wovor du Angst hast.«

Perks Gesicht hellte sich ein wenig auf bei diesem Kompliment, und ein flüchtiges Lächeln huschte über seine Züge.

»Eines kannst du noch für uns tun.« Wil legte dem Jungen eine Hand auf die Schulter. »Wir wissen nicht sehr viel über den Wildewald. Kannst du uns etwas darüber berichten, was uns da unten erwartet?«

»Ungeheuer«, antwortete der Junge, ohne zu zögern.

»Ungeheuer?«

»Ja, Ungeheuer aller Art. Hexen auch, hat mein Großvater immer gesagt.«

Wil wusste nicht, ob er das glauben sollte. Schließlich lag dem Großvater daran, seinen Enkel von einem Ausflug in den Wildewald abzuschrecken; da hatte er in seinen Warnungen vielleicht übertrieben.

»Hast du schon einmal von einem Ort namens Sichermal gehört?«, fragte er, einem Impuls folgend.

Perk schüttelte bedauernd den Kopf.

»Das dachte ich mir.« Wil seufzte. »Ungeheuer und Hexen also, wie? Gibt es Straßen und Wege da unten?«

Der Junge nickte. »Ich zeig es euch.«

Er führte sie aus den Tannen heraus zu einer kleinen Anhöhe, von wo aus sie ins Tal hinunterblicken konnten.

»Seht ihr das da?«, fragte er und wies auf ein wirres Chaos umgestürzter Bäume am Fuß des Hangs. Wil und Amberle blickten seinem ausgestreckten Arm nach. »Auf der anderen Seite dieser Bäume verläuft eine Straße, die nach Grimpenwacht führt. Alle Straßen im Wildewald führen nach Grimpenwacht. Das ist ein Dorf, das irgendwo mitten im Wald liegt. Von hier aus kann man es nicht sehen. Mein Großvater hat mir erzählt, dass es ein ganz schlimmer Ort ist, wo nur lauter Banditen wohnen. Aber vielleicht findet ihr dort jemanden, der euch führen kann.«

»Ja, vielleicht.«

Wil lächelte zum Zeichen seines Dankes. Banditen, dachte er bei sich, waren Hexen und Ungeheuern immer noch vorzuziehen. Dennoch war Vorsicht geboten. Selbst wenn alle Banditen und Hexen und Ungeheuer Ausgeburten der Fantasie waren, so mussten sie doch vor den Dämonen auf der Hut sein, die, nur allzu wirklich, sie verfolgten, sie jagten, vielleicht schon auf sie warteten.

Perk war tief in Gedanken versunken. Nach einer kleinen Weile blickte er auf.

»Was habt ihr denn vor, wenn ihr dieses Sichermal gefunden habt?«, fragte er.

Wil zögerte. »Nun, Perk, wenn wir Sichermal gefunden haben, dann haben wir auch den Talisman gefunden, von dem ich dir erzählt habe. Dann können wir nach Arborlon zurückkehren.«

Der Junge strahlte.

»Dann kann ich doch noch etwas für euch tun«, verkündete er voller Eifer.

Er griff in den kleinen Beutel, den er um den Hals trug, und entnahm ihm das silberne Pfeifchen, um es Wil zu reichen.

»Perk, was …?«, begann Wil, als der Junge ihm das Pfeifchen in die Hand drückte.

»Ich habe noch fünf Tage Zeit, ehe ich in den Rockshort zurückkehren muss«, erklärte der Junge rasch. »Jeden Tag fliege ich zur Mittagszeit einmal über das Tal. Wenn ihr mich braucht, dann gebt mir das Signal mit dieser Pfeife, und ich komme. Der Ton kann von Menschen nicht vernommen werden – nur von den Rocks. Wenn es euch gelingt, den Talisman innerhalb der fünf Tage zu finden, die mir noch bleiben, dann können Genewen und ich euch wieder nach Norden bringen, in eure Heimat.«

»Perk, ich glaube nicht …«, begann Amberle kopfschüttelnd.

»Moment mal«, unterbrach Wil. »Wenn Genewen uns wieder nach Norden fliegen könnte, würden wir viele Tage sparen. Und wir müssen so schnell wie möglich zurück, Amberle, das weißt du doch.« Rasch wandte er sich Perk zu. »Könnte Genewen denn einen solch langen Flug unternehmen? Könntest du es?«

Der Junge nickte voller Selbstvertrauen.

»Aber er hat doch gerade gesagt, dass ihm der Wildewald verboten ist«, wandte Amberle ein. »Wie soll er dann dort landen?«

Perk ließ sich den Einwand durch den Kopf gehen.

»Nun ja, wenn ich Genewen nur so lange lande, bis ihr aufgestiegen seid – das wäre doch nur ein Moment.«

»Mir gefällt das alles nicht«, erklärte Amberle und blickte Wil stirnrunzelnd an. »Das ist viel zu gefährlich für Perk – und er verletzt damit das Vertrauen, das man in ihn gesetzt hat.«

»Aber ich möchte euch helfen«, beharrte der Junge. »Außerdem habt ihr mir doch selbst erzählt, wie wichtig das alles ist.«

In seiner Stimme lag so viel Entschlossenheit, dass Amberle zunächst kein weiteres Gegenargument vorbringen konnte. Wil nutzte die Gelegenheit, um sich nochmals einzumischen.

»Pass auf, machen wir es doch so. Ich verspreche dir, wenn für Perk auch nur die geringste Gefahr besteht, werde ich ihn auf keinen Fall rufen. Was hältst du davon?«

»Aber Wil …«, begann der Junge.

»Und Perk verspricht uns, dass er nach Ablauf der fünf Tage zum Rockshort zurückkehren wird, wie er das seinem Großvater zugesagt hat, ganz gleich, ob ich ihn rufen werde oder nicht«, schloss Wil, ohne den Einwendungen Raum zu lassen, die der Junge erheben wollte.

Amberle überdachte Wils Vorschlag, dann nickte sie widerstrebend.

»Also gut. Aber ich werde dafür sorgen, dass du dein Versprechen hältst, Wil.«

Die Blicke der jungen Leute trafen sich.

»Dann ist es abgemacht«, entschied Wil und wandte sich wieder an den Jungen. »Wir müssen jetzt los, Perk. Wir schulden dir großen Dank.«

Er nahm die schwielige Hand des Elfenjungen und drückte sie lange und fest.

»Leb wohl«, sagte Amberle und beugte sich zu Perk hinunter, um ihn auf die Wange zu küssen.

Der Junge errötete und senkte die Lider.

»Leb wohl, Amberle. Viel Glück.«

Mit einem letzten Winken machten sich Wil und Amberle auf den Weg den Hang hinunter in die Wildnis des ausgedehnten Waldes. Perk blickte ihnen nach, bis sie außer Sichtweite waren.

2

In den frühen Abendstunden des zweiten Tages nach dem Aufbruch von Wil und Amberle aus Arborlon saß Eventine allein in seinem Studierzimmer, den Kopf grübelnd über Landkarten geneigt, die aufgeschlagen vor ihm auf dem Schreibtisch lagen. Draußen regnete es unablässig, wie schon seit zwei Tagen. Die Wälder des Elfenlandes wurden überflutet. Allmählich stahlen sich die Schatten des Abends lang und dunkel durch die hohen Fenster ins Zimmer.

Manx lag zusammengerollt zu Füßen seines Herrn. Der zottige graue Kopf ruhte auf den Vorderpfoten, der Atem ging regelmäßig.

Der alte König hob den Kopf von seiner Arbeit und rieb sich die von Müdigkeit geröteten Augen. Zerstreut blickte er durch das Zimmer, dann rückte er seinen Sessel vom Tisch weg. Allanon müsste eigentlich längst hier sein, dachte er besorgt. Es gab noch so viel zu tun, so vieles, was ohne die Hilfe des Druiden nicht bewältigt werden konnte. Eventine hatte keine Kenntnis davon, wo der große Alte sich diesmal hinbegeben hatte; er war am frühen Morgen aufgebrochen und seitdem nicht mehr gesehen worden.

Der König starrte in den Regen hinaus. Seit drei Tagen nun arbeitete er mit dem Druiden und den Mitgliedern des Hohen Rates an den Verteidigungsplänen für das Elfenland, denn sie alle wussten, dass eine Verteidigung notwendig werden würde. Die Zeit zerrann ihnen förmlich zwischen den Fingern. Der Ellcrys siechte dahin, die Mauer der Verfemung wurde immer brüchiger. Jeden Tag erwartete der König zu hören, dass beide gefallen waren, dass die gefangenen Dämonen sich in Freiheit befanden und die Invasion des Westlandes begonnen hatte. Das Elfenheer war in Alarmbereitschaft versetzt worden: Fußsoldaten und Reiterei; Leibgarde und Schwarze Wache; reguläres Heer und Reservetruppen. Der König hatte gerufen, und alle Männer, die nicht durch Alter oder Gebrechen daran gehindert wurden, waren seinem Ruf gefolgt, hatten ihr Heim und ihre Familien verlassen und waren in Scharen nach Arborlon geströmt, um sich zum Kampfe ausrüsten zu lassen. Doch der König war sich bewusst, dass auch die wilde Entschlossenheit des Elfenheeres nicht ausreichen würde, einem Angriff der Dämonen zu widerstehen, wenn es den Mächten des Bösen einmal gelungen war, sich zu befreien und sich zum Kampf zu vereinen. Allanon hatte ihm das prophezeit, und Eventine war klug genug, diese Vorhersage des Druiden, so bitter sie sein mochte, nicht in Zweifel zu ziehen. Die Dämonen verfügten über größere körperliche Kräfte als die Elfen; und sie waren den Elfen an Zahl überlegen. Grausame, tollwütige Geschöpfe, die von einem Hass getrieben wurden, der am Tag ihrer Verbannung aufgeflammt war und sich auf jene konzentrierte, die die Verbannung herbeigeführt hatten. Jahrhundertelang hatte nur der Hass sie am Leben gehalten, und jetzt würde dieser Hass sich Bahn brechen. Eventine gab sich keinen Illusionen hin. Wenn den Elfen nicht von anderer Seite noch geholfen wurde, würden die Dämonen sie alle vernichten.

Es wäre töricht gewesen, sich allein auf Amberle und das Samenkorn des Ellcrys zu verlassen. Der Gedanke mochte noch so schmerzlich sein, Eventine wusste, er musste sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass er seine Enkelin vielleicht nie wiedersehen würde. Schon vor ihrer Rückkehr nach Arborlon hatte der König Boten an die anderen Rassen ausgesandt, um diese zu bitten, mit den Elfen gegen das Böse anzugehen, das sein Land bedrohte, das letztlich sie alle vernichten würde. Die Boten waren nun schon seit mehr als einer Woche unterwegs; keiner war bisher zurückgekehrt. Es war in der Tat noch zu früh, eine Antwort von den anderen Rassen zu erwarten; selbst Callahorn war mehrere Tagesritte entfernt. Aber Eventine zweifelte ohnehin daran, dass sich viele auf seine Seite stellen würden.

Die Zwerge würden sie zweifellos unterstützen, so wie sie stets Beistand geleistet hatten. Die Zwerge und die Elfen hatten gemeinsam gegen jeden Feind gekämpft, der die freien Völker der Vier Länder seit den Tagen des ersten Druidenrats bedroht hatte. Doch die Zwerge mussten aus den Tiefen der Wälder des Anar herbeieilen. Und das zu Fuß, denn sie waren keine Reiter. Eventine schüttelte den Kopf. Sie würden kommen, so schnell es ihnen möglich war – doch vielleicht nicht rasch genug, um den Elfen zu helfen.

Callahorn lag näher, aber es war nicht mehr das Callahorn von früher, nicht mehr das Callahorn Balinors. Hätte Balinor noch gelebt oder hätten die Buckhannahs noch regiert, so wäre die Grenzlegion unverzüglich aufgebrochen. Doch Balinor war tot, und er war der letzte der Buckhannahs gewesen. Callahorns gegenwärtiger Herrscher, ein entfernter Verwandter der Buckhannahs, der mehr auf zufälligem als auf rechtmäßigem Wege auf den Thron gelangt war, war ein übermäßig vorsichtiger Zauderer, der es vielleicht für das Einfachste halten würde, zu vergessen, dass die Elfen auch Callahorn zu Hilfe gekommen waren, als man gerufen hatte. Im Übrigen besaßen die vereinigten Räte von Tyrsis und Varfleet und von Kern, das nach seiner Zerstörung vor fünfzig Jahren wiederaufgebaut worden war, jetzt mehr Macht als der König. Sie würden sich Zeit lassen mit einem Entschluss, selbst wenn es Eventines Boten gelang, ihnen die Dringlichkeit der Lage deutlich zu machen, denn ihnen fehlte ein Führer, der fähig gewesen wäre, sie zu einen. Sie würden beraten und besprechen, und die Grenzlegion würde sich inzwischen in ihrer Garnison langweilen.

Ironischerweise würde gerade das Misstrauen, das sie gegen ihre Landsleute aus dem Südland – und insbesondere gegen die Föderation – hegten, die Männer von Callahorn daran hindern, rasch zu handeln. Erst nach der Vernichtung des Hexenmeisters und nach dem Sieg über sein Heer hatten die größeren Städte verspätet das Ausmaß der Bedrohung erkannt, das diese dunklen Mächte dargestellt hatten. Von Furcht getrieben, hatten sie sich zu einem Bündnis zusammengetan, das zunächst nicht mehr war als eine lockere Vereinigung von Ländern, die gemeinsame Grenzen und gemeinsame Ängste hatten, sich jedoch rasch zu der sehr starr geordneten Föderation entwickelte. Die Föderation war seit mehr als tausend Jahren der erste Versuch der Menschenrasse, eine gemeinsame Regierung zu bilden. Ihr Ziel war die Vereinigung des Südlands und der Menschenrasse unter einer einzigen Regierung. Diese Regierung sollte natürlich die Föderation sein. Zu diesem Zweck hatte man erste gemeinsame Bemühungen unternommen, auch die anderen Städte und Provinzen zu vereinigen. In den vier Dekaden ihres Bestehens war es der Föderation gelungen, beinahe das gesamte Südland unter ihrer Regierung zu einen. Von den bedeutenden Städten des Südlands hatte nur Callahorn sich den Vereinigungsbestrebungen der Föderation widersetzt. Die Folge waren beträchtliche Reibungen zwischen beiden Regierungen – insbesondere, da die Föderation beständig weiter nach Norden, den Grenzen Callahorns entgegen, wuchs.

Eventine runzelte die Stirn und verschränkte die Arme vor der Brust. Er hatte einen Boten an die Föderation entsandt, hatte jedoch wenig Hoffnung, von dort Beistand zu erhalten. Die Föderation zeigte kaum Interesse an den Angelegenheiten der anderen Rassen, und es war zu bezweifeln, dass sie eine Dämoneninvasion des Westlands als Besorgnis erregend betrachten würde. Ja, es war sogar zu bezweifeln, dass sie eine solche Invasion überhaupt für möglich halten würde. Die Menschen des tiefen Südlands wussten kaum etwas über die Zaubermächte, die die anderen Länder seit den Tagen des ersten Druidenrats geplagt hatten. Sie hatten zunächst ein abgekapseltes Dasein geführt und waren im Rahmen ihrer noch recht jungen Expansionsbestrebungen noch nicht auf die unerfreuliche Wirklichkeit jenseits ihrer eigenen begrenzten Erfahrungswelt gestoßen.

Wieder schüttelte der König den Kopf. Nein, die Städte der Föderation würden keine Hilfe entsenden. Wie damals, als sie vor der Ankunft des Hexenmeisters gewarnt worden waren, würden sie nicht an die Gefahr glauben.

An die Gnomen war kein Bote geschickt worden. Es wäre sinnlos gewesen. Die Gnomen waren eine Rasse, die sich aus vielen einzelnen Stämmen zusammensetzte. Sie hatten keinen gemeinsamen Herrscher, keine Regierung, die sie unter sich vereinigte. Ihre Häuptlinge und ihre Seher waren ihre Führer, und jeder Stamm hatte seinen eigenen Häuptling und seinen eigenen Seher, und sie alle befehdeten einander unablässig. Verbittert und voller Groll seit ihrer Niederlage bei Tyrsis, hatten sich die Gnomen in den fünfzig Jahren, die seitdem vergangen waren, nicht mehr um die Angelegenheiten der anderen Rassen gekümmert. Es war kaum zu erwarten, dass sich das jetzt ändern würde.

Somit blieben die Trolle. Auch die Trolle waren eine Rasse, die sich aus verschiedenen Stämmen zusammensetzte, doch seit dem Ende des fehlgeschlagenen Dritten Krieges der Rassen waren bei den Trollen, die in den Weiten des Nordlandes lebten, Bestrebungen zum Zusammenschluss im Gange. In manchen Gebieten hatten sich bereits die ersten Stämme unter einer gemeinsamen Ratsregierung zusammengefunden. Eine der größten dieser Gemeinden lebte im Kershalt, an der nördlichen Grenze des Elfenlandes. Das Kershalt war in erster Linie von Felstrollen besiedelt, es lebten allerdings auch einige der weniger angesehenen Stämme in bestimmten Teilen dieses Gebietes. Traditionsgemäß waren Elfen und Trolle immer Feinde gewesen; in den letzten beiden Rassenkriegen hatten sie erbittert gegeneinander gekämpft. Mit dem Sturz des Hexenmeisters jedoch hatte die Feindschaft zwischen den beiden Völkern spürbar nachgelassen, und in den letzten fünfzig Jahren hatten sie relativ friedlich nebeneinander gelebt. Besonders gut waren dabei die Beziehungen zwischen Arborlon und dem Kershalt. Der Handel zwischen beiden Regionen florierte, und es gab bereits Pläne, Abordnungen auszutauschen. Es bestand also eine Chance, dass die Trolle des Kershalt sich bereitfinden würden, den Elfen Beistand zu leisten.

Der alte König bremste seinen Optimismus, eine geringe Chance, sagte er sich. Doch sie mussten jede Möglichkeit nutzen. Wenn die Elfen überleben wollten, dann brauchten sie die Hilfe aller, die bereit waren, ihnen zur Seite zu stehen.

Seufzend erhob er sich, reckte seine müden Glieder und blickte dann auf die Landkarten, die auf dem Tisch ausgebreitet lagen. Jede zeigte einen anderen Teil des Westlands; das gesamte erforschte Land, das zum Elfenreich gehörte, sowie die Gebiete, die es umgaben, waren hier eingezeichnet. Eventine hatte die Karten so gründlich und eingehend studiert, dass er meinte, er könnte sie jetzt im Schlaf nachzeichnen. Aus einem dieser Teilgebiete würden die Dämonen anrücken; und dort musste der Abwehrriegel der Elfen errichtet werden. Aber wo? Wo würde die Mauer der Verfemung zuerst bröckeln? Wo würde die Invasion beginnen?

Der König ließ seine Augen von einer Karte zur anderen wandern. Allanon hatte ihm versprochen, wenn möglich festzustellen, wo der Durchbruch stattfinden würde, und auf diese wichtige Information wartete nun das Elfenheer. Doch bis dahin …

Er richtete sich auf und ging zur Fenstertür, die in den Park hinausführte; während er dort verweilte und in die dichter werdende Dunkelheit hinausblickte, sah er Andor den Fußweg heraufkommen. Er hielt wegen des Regens den Kopf gesenkt und trug in den Armen einen Stapel von Truppenverzeichnissen und Proviantlisten, die zu beschaffen er beauftragt worden war. Die tiefen Falten, welche die Stirn des alten Königs durchfurchten, glätteten sich. Andor war ihm in diesen letzten Tagen eine unschätzbare Hilfe gewesen. Ihm war die zeitraubende, aber notwendige Aufgabe zugefallen, Informationen zusammenzutragen – eine undankbare Aufgabe, die Arion zweifellos zurückgewiesen hätte. Andor jedoch hatte die Arbeit ohne ein Wort des Widerspruchs auf sich genommen.

Der König schüttelte den Kopf. Sonderbar, doch obwohl Arion der Kronprinz der Elfen war und ihm von seinen beiden Söhnen der nächste, hatte es in diesen letzten Tagen Momente gegeben, in denen er sich selbst besonders in Andor wiedererkannt hatte. Sein Blick schweifte zum bleiernen Abendhimmel hinauf, und er fragte sich plötzlich, ob es Andor manchmal ebenso ging.