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Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. "Toni, der Hüttenwirt" aus den Bergen verliebt sich in Anna, die Bankerin aus Hamburg. Anna zieht hoch hinauf in seine wunderschöne Hütte – und eine der zärtlichsten Romanzen nimmt ihren Anfang. Hemdsärmeligkeit, sprachliche Virtuosität, großartig geschilderter Gebirgszauber – Friederike von Buchner trifft in ihren bereits über 400 Romanen den Puls ihrer faszinierten Leser. Obwohl es nach dem Besuch auf dem Glockner-Hof eine kurze Nacht war, standen Hermann, Frauke und die drei Binder-Schwestern zeitig auf. Sie frühstückten nicht. Alle tranken nur mehrere Becher Kaffee. Wortlos stellte Frauke ihrem Mann ein Glas mit einer doppelten Dosis Alka-Seltzer Brausetabletten hin. Hermann dankte es seiner Frau mit einem liebevollen Blick. »Es war eben gestern Abend beziehungsweise heute Nacht sehr feucht-fröhlich«, grinste er. »Nachdem ihr euch auf den Heimweg gemacht hattet, lernte ich noch die Nachbarn kennen. Sie freuen sich, dass wir auf den Glockner Hof ziehen. Ich musste mit jedem anstoßen«, erzählte Hermann. »Hast einen schlimmen Brummschädel, wie?«, fragte Uschi. »Ja, ein bisserl Brummschädel habe ich schon, aber er hält sich in Grenzen.« »Hättest ausschlafen sollen«, bemerkte seine jüngste Tochter Nora. »Madl, das ist sicherlich von dir gut gemeint. Aber heute ist Umzugstag. Adrian hat einen Lastwagen organisiert. Wir können unseren eingelagerten Hausrat holen«
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Seitenzahl: 123
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Obwohl es nach dem Besuch auf dem Glockner-Hof eine kurze Nacht war, standen Hermann, Frauke und die drei Binder-Schwestern zeitig auf. Sie frühstückten nicht. Alle tranken nur mehrere Becher Kaffee. Wortlos stellte Frauke ihrem Mann ein Glas mit einer doppelten Dosis Alka-Seltzer Brausetabletten hin. Hermann dankte es seiner Frau mit einem liebevollen Blick.
»Es war eben gestern Abend beziehungsweise heute Nacht sehr feucht-fröhlich«, grinste er. »Nachdem ihr euch auf den Heimweg gemacht hattet, lernte ich noch die Nachbarn kennen. Sie freuen sich, dass wir auf den Glockner Hof ziehen. Ich musste mit jedem anstoßen«, erzählte Hermann.
»Hast einen schlimmen Brummschädel, wie?«, fragte Uschi.
»Ja, ein bisserl Brummschädel habe ich schon, aber er hält sich in Grenzen.«
»Hättest ausschlafen sollen«, bemerkte seine jüngste Tochter Nora.
»Madl, das ist sicherlich von dir gut gemeint. Aber heute ist Umzugstag. Adrian hat einen Lastwagen organisiert. Wir können unseren eingelagerten Hausrat holen«, antwortete Hermann. »Das wisst ihr. Aber ich gestehe euch, ans Steuer werde ich mich nicht setzen. Wir können im Lastwagen nicht mitfahren. Wie fahren mit unseren Autos vorneweg.«
»Hermann, das ist schon klar. Jetzt warte mal. Die Brausetabletten werden bald wirken. Dann tust etwas essen und nimmst danach nochmal zwei Brausepillen. Fahren musst du nicht«, sagte Frauke. »Ich kann fahren.«
Sie schaute in die Runde.
Alle drei Schwestern schüttelten die Köpfe. Sie erklärten abwechselnd, dass sie mit ihren Liebsten verabredet waren. Die Glockner–Brüder hatten zusammen mit Kay, dem Architekten, möglich gemacht, dass die Bäder aus Fertigmodulen eingebaut würden.
»Ihr müsst verstehen, dass wir dabei sein wollen. Kay kommt bald mit einem Katalog. Wir müssen die Sanitärteile aussuchen. Kay gibt die Info an die Handwerker weiter. Sie holen sie vom Großhandel und bringen sie mit«, erklärte Uschi.
Als älteste der Schwestern fungierte sie meistens als Sprecherin.
»Frauke, du musst fahren«, sagte Heike.
Frauke seufzte leise.
»Ja, es bleibt nichts anderes übrig. Bei unseren Verwandten sind auch noch Sachen aus der Zeit, als wir dort untergeschlüpft waren. Allerdings werde ich ihnen nicht sagen, dass wir auf den Glockner-Hof ziehen. Ich lasse sie erst einmal in dem Glauben, wir würden in die Dienstwohnung einziehen. Ich will keine Diskussion haben. Ihr kennt sie, diese unverbesserlichen Bedenkenträger. Ich höre sie schon fragen, ob wir uns das auch gut überlegt hätten und so weiter und so weiter. Ob es nicht besser wäre, damit zu warten bis nach eurer Hochzeit oder wenigstens Verlobung«, sagte Frauke. »Ihr wisst, wie sie sind, und je weniger sie wissen, desto besser.«
Das sei eine gute Idee, stimmten Hermann, Uschi, Heike und Nora zu.
»Höre einfach nicht hin! Sie müssen noch nicht einmal wissen, dass die Sachen aus dem Lager geholt werden«, sagte Heike.
»Heike, genau! ›Was niemand weiß, macht niemand heiß‹, sagt man«, grinste Nora. »Wissen sie eigentlich, dass wir Burschen gefunden haben?«
Nora schaute alle der Reihe nach an.
Es stellte sich heraus, dass Hermann und Frauke nichts erzählt hatten. Die Madln hatten ohnehin in den letzten Wochen nicht mit den Verwandten telefoniert.
»Gut, dann sind wir uns einig«, sagte Uschi zufrieden.
Nach mehreren Bechern Kaffee aßen sie jetzt doch eine Kleinigkeit. Uschi, Heike und Nora wurden unterbrochen. Adrian rief an und fragte, wo sie blieben. Kay wäre mit dem Katalog schon gekommen.
Die Madln nahmen den Rest ihrer Brote und eilten zu ihrem Auto.
»Mei Frauke, was für eine Veränderung und was für ein Tempo! Davon kann man schon alleine Kopfdruck bekommen.«
»Hermann, das ist richtig. Seit Pfarrer Zandler zu uns kam und uns mit nach Waldkogel genommen hat, hat alles eine Geschwindigkeit bekommen, sodass mir ebenso schwindelt.«
»Vielleicht solltest du auch Alka-Seltzer nehmen«, grinste Hermann.
Frauke lachte.
»Nein, das ist nicht nötig. Was macht dein Brummschädel?«
»Danke, ist schon viel besser. Aber hinters Steuer setze ich mich nicht.«
»Ist klar!«
»Ich begleite die Helfer zum Lager. Kannst mich dort absetzen. Ich will ehrlich sein. Ich möchte unsere Verwandten nicht sehen. Außerdem kannst du dann besser argumentieren, dass du es eilig hast. Sage einfach, dass ich im Lager etwas suchen würde.«
»Gut, so machen wir es«, lachte Frauke. »Wie lautet der Text der Arie in der Operette ›Der Vetter aus Dingsda‹? ›Onkel und Tanten sind Verwandte, die man am liebsten nur von hinten sieht‹«, zitierte Frauke.
Hermann sah sie an und nickte. Sie dachten beide daran, wie schlimm die Zeit war, als sie bei ihnen wohnten. Sie waren zwar dankbar. Aber es war oft schwer zu ertragen gewesen, wie sie sich eingemischt hatten. Sie waren richtig übergriffig. Auch als Pfarrer Zandler ihnen das Angebot machte, das Sportlerhäusl zu bewirtschaften, waren sehr spitze Bemerkungen gefallen.
Die Nonne an der Autopforte des Klostergeländes rief an. Sie teilte mit, dass Holger Wiesner sie sprechen möchte. Frauke antwortete, er sollte kommen. Sie würden gerade frühstücken.
Augenblicke später kam Holger Wiesner durch den Park. Frauke sah ihn und ließ ihn über die Terrasse eintreten.
Sie begrüßten sich.
»Blacky schickt mich. Er wäre gern selbst gekommen, aber er muss zu einem wichtigen Termin. Er hat mir die Aufgabe zugeteilt, euch beim Umzug zur helfen. Auf dem Parkplatz beim Sportlerhäusl wartet der Lastwagen mit zwei Helfern. Es sind Boris und Frieso. Außerdem komme ich auch mit«, erklärte Holger. »Ursprünglich war abgemacht, euch hier beim Kloster zu treffen. Aber hier kann der Mehrtonner-Lkw schlecht wenden.«
Frauke und Hermann standen auf.
»Ich sehe, ihr seid noch beim Frühstück«, sagte Holger weiter. »Nehmt euch Zeit! Es kommt jetzt auf eine halbe Stunde nicht an. Bis in den Bayrischen Wald ist es keine so große Strecke. Und wenn alle anpacken, ist alles schnell verladen.«
Frauke erklärte, dass Hermann helfen würde, während sie Sachen bei ihren Verwandten abholen würde. Sie bot Holger einen Kaffee an.
»Den nehme ich gern«, sagte er.
Frauke holte ihm einen Becher und schenkte ein.
Er gab Zucker und Sahne dazu und rührte um.
»Es soll gestern auf dem Glockner–Hof sehr fröhlich gewesen sein«, sagte Holger.
»Das war es. Hat sich wohl schon in ganz Waldkogel herumgesprochen, wie?«, fragte Hermann.
»Sicher, wegen dieser Sache haben Wolfi und Chris die Hauptstraße gesperrt. Das blieb nicht unbeachtet. Und heute am frühen Morgen parkten noch einige Autos im Halteverbot. Aber besser so, als im betrunkenen Zustand einen Unfall zu bauen. Bürgermeister Fellbacher hat angeordnet, dass keine Strafzettel verteilt werden.«
»Mei Holger, das ist wirklich freundlich von ihm«, sagte Hermann. »Da fällt mir ein, unser Auto steht noch auf dem Parkplatz der Gemeinde hinter dem Rathaus. Ich hatte ein bisserl Schlagseite. Deshalb bin ich gelaufen. Wir müssen da noch vorbei.«
»Hermann, ich setze euch dort ab«, sagte Holger.
Hermann und Holger unterhielten sich, während Frauke den Tisch abräumte und das Geschirr in die Spülmaschine tat.
Danach brachen sie auf. Hermann und Frauke holten das Auto. Sie fuhren noch beim Glockner–Hof vorbei. Sie sahen schnell ein, dass sie störten. Die Handwerker waren schon bei der Arbeit. Uschi, Heike und Nora diskutierten mit Kay über die Anordnung der Sanitärobjekte für die Badezimmer. Außerdem war Janas Mann Hansi mit vielen Helfern dabei, die Wohnung im Erdgeschoss zu streichen. Sie sollten bis abends fertig sein, wenn Frauke und Hermann mit den Möbeln und dem restlichen Hausrat kämen.
»Bis zum Nachmittag ist alles fertig«, sagte Hansi. »Jana kommt mit einigen angehenden Hauswirtschafterinnen aus der Villa Lohe her. Bis ihr am Abend aus dem Bayrischen Wald kommt, wird alles sauber sein, fertig für das Aufstellen der Möbel.«
Lotta nahm Frauke zur Seite und riet ihnen, zu gehen.
»Macht euch keine Sorgen, das wird alles«, sagte sie.
»Vielleicht ist es doch ein bisserl voreilig gewesen, unsere eingelagerten Sachen heute schon zu holen«, sagte Frauke.
Uschi, die die Treppe herunterkam, hatte es gehört.
»Frauke, das wird alles«, sagte Uschi. »Jetzt macht euch auf den Weg.«
Sie umarmte zuerst ihre Mutter und dann ihren Vater.
Frauke und Hermann verabschiedeten sich herzlich von Lotta. Adam war zur Arbeit.
Nora und Heike kamen herunter.
»Sie sind schon gefahren?«, fragte Nora.
»Ja, sie sind bereits fort«, antwortete Uschi. »Ich habe darauf bestanden, dass sie sich auf den Weg machen. Jeder hat seine Aufgabe. Wir achten darauf, dass ihre Wohnung bis zum Abend bezugsfertig ist. Sie holen die Sachen. Ich freue mich. Von uns sind auch viele persönliche Sachen eingelagert.«
Uschi, Heike und Nora tranken im Stehen noch einen Kaffee. Dann eilten sie wieder nach oben, um den Handwerkern auf die Finger zu schauen. Jede der drei Madln hatte ganz genaue Vorstellungen, wie sie das Bad haben wollten, wo die Lampen, die Handtuchhalter, die Regale für die Handtücher angebracht werden sollten.
Lotta backte mehrere Bleche mit gedecktem Apfelkuchen. Die Handwerker freuten sich über den Kuchen mit Sahne.
»Solche Bauherren hätten wir immer gern«, sagte einer.
Die anderen stimmten zu.
Kay kam im Laufe des Tages mehrmals kurz vorbei und begutachtete den Fortgang der Arbeiten. Jedes Mal betonte er, dass Eile angesagt war.
»Mei Kay, verschwinde«, sagte einer der Vorarbeiter. »Wenn du herumstehst, hält uns das nur von der Arbeit ab. Wir werden bis zum Abend fertig sein. Wir rufen dich an. Raus mit dir.«
Am Nachmittag kam Adam von der Arbeit.
»Bist früh dran«, sagte Lotta.
Er gab seiner Frau einen Kuss.
»Ich habe einen Kollegen gebeten, mich abzulösen. Ich merkte dann doch die Müdigkeit nach dem wenigen Schlaf letzte Nacht. Ich fürchtete, hinter dem Steuer in einen Sekundenschlaf zu fallen und den Lastwagen in den Graben zu fahren, auf die Gegenseite oder gegen einen Baum.«
Lotta erkundigte sich, ob die Geschäftsleitung nicht gemosert hatte.
»Nein, sie weiß, was sie an mir hat, und wenn ich sage, dass ich besser die Finger vom Lenkrad lasse, dann haben sie nix dagegen«, antwortete Adam. »Und ich soll dich grüßen.«
»Danke!«
Pünktlich zum abendlichen Angelusläuten waren in der oberen Etage die drei Badezimmer eingebaut und die Wohnung im Erdgeschoss, die Frauke und Hermann bewohnen würden, gestrichen. Kay hatte alles abgenommen und war voll des Lobes.
Jana rückte mit einem Kurs der Villa Lohe an. Sie brachten auch Putzeimer und andere Reinigungssachen mit. Denn es war nicht zu erwarten, dass genügend Putzutensilien für zwanzig Helferinnen vorhanden waren.
Binnen kürzester Zeit war alles sauber und ordentlich. Jana rückte mit dem Kurs wieder ab. Zufrieden nahmen Lotta, Uschi, Heike und Nora alles unter die Lupe.
Sie waren sehr zufrieden.
»Jetzt müssen Hermann und Frauke nur noch kommen«, seufzte Uschi. »Sie haben sich bis jetzt den ganzen Tag nicht gemeldet. Meint ihr, ich sollte sie anrufen?«
Heike und Nora rieten davon ab.
»Sie hatten viel zu tun. Uschi, erinnere dich, wie es war, als wir den Hausrat einlagerten«, sagte Nora.
Uschi nickte. Sie erinnerte sich hauptsächlich daran, wie schwer es Frauke gefallen war, ihre Dienstwohnung zu räumen. Viele Jahre hatten sie dort gewohnt, im Obergeschoss des Ausflugslokals, das jetzt abgerissen wurde, um Platz für ein Sport- und Golfhotel zu machen. Die schweren Baumaschinen mit der Abrissbirne parkte schon auf dem Gelände, das einst ein Biergarten gewesen war.
Uschi verdrängte die Bilder im Kopf. Sie dachte an das neue Sportlerhäusl, welches in wenigen Wochen eröffnet werden würde.
Nora schlug vor, dass sie warmes Essen vorbereiten könnten, zum Beispiel einen Eintopf. Der ließ sich gut vorbereiten und bräuchte nur aufgewärmt zu werden. Lotta gefiel die Idee. Sie sagte den Madln, sie sollten sich aus Keller, Vorratskammer und Kühlschrank nehmen, was sie bräuchten. Uschi, Heike und Nora prüften zuerst die Vorräte. Sie häuften alles auf dem Küchentisch von Lottas Küche an. Dann machten sie sich an die Arbeit.
Adrian, Mattis und Hannes kamen herein, um den Madln Gesellschaft zu leisten. Aber das passte den Binder-Schwestern nicht. Sie drängten die Burschen aus der Küche. Nach den fast zwei Tagen Hektik und Aktivität fiel es ihnen schwer, auf die Ankunft von Frauke, Hermann und den Möbelwagen zu warten.
Adrian, Mattis und Hannes suchten ihre Eltern. Wie oft, wenn sie ihre Ruhe haben wollten, hatten sie sich in Lottas Töpferwerkstatt zurückgezogen.
Die Tür stand offen.
»Ah, hier seid ihr«, raunte Adrian. »Wir haben euch gesucht. Die Madln belagern die Küche und wir störten.«
»Kommt vor, dass sich eine Frau beim Kochen gestört fühlt. Bei euch sind es gleich drei Madln. Es wird öfter vorkommen, dass Uschi, Heike und Nora ungestört ihr Ding machen wollen, wie man modern sagt. Damit müsst ihr euch abfinden«, sagte Adam.
Er schaute seine Buben an.
»Mei, seid ehrlich. Es gibt Augenblicke, da wollt ihr auch unter euch sein. So schön es auch mit den Weibern ist, Mannsbilder und Weiber haben beide ein Recht auf Alleinsein. Beide sprechen eine andere Sprache, wenn sie unter sich sind. Der Tonfall ist anders, die Wortwahl ist verschieden. Auch wenn die gleichen Worte gewählt werden, haben sie verschiedene Bedeutungen. Leider ist das vielen nicht bewusst. Ich habe das oft beobachtet. So ist es auch nicht verwunderlich, wenn es zum Streit kommt. Ein Paar gebraucht die gleichen Worte, aber durch die unterschiedlichen tieferen Bedeutungen der Worte reden sie aneinander vorbei. Dann kann es krachen. Dann fallen Sätze wie, du verstehst mich nicht und so weiter. Es wäre schön, wenn es für die Gespräche ein Übersetzungsprogramm geben würde oder einen Dolmetscher. Neulich beim Stammtisch bei den Baumbergers haben wir uns auch darüber unterhalten. Ich weiß nicht mehr, wie wir darauf kamen. An dem Abend war auch Sepp da, Doktor Josef Jäger. Er ist Neurologe und Therapeut im Krankenhaus in Kirchwalden und hat hier in Waldkogel eine Therapiepraxis. Er scheint wirklich ein guter Therapeut zu sein. Er sagte, er sehe sich oft in die Rolle des Dolmetschers gedrängt. Er macht viel Ehe- und Familienberatung und triff dabei immer wieder auf die gleiche Sache. Die Paare lieben sich. Doch beide fühlen sich vom anderen unverstanden. Sie sprechen miteinander, aber sie reden aneinander vorbei, sagte Sepp«, erklärte Adam.
Wortlos wie auf ein geheimes Kommando griffen die Brüder nach einer Flasche Bier. Mit dem am Schlüsselbund befestigten Öffner machten sie die Bierflaschen auf. Sie tranken aus der Flasche.
»Adam, du hast uns eben eine Lektion erteilt, wie?«, brummte Hannes.
»Wenn du es so siehst, kannst du es tun. Ich würde es als guten Rat ansehen.«
Adrian trank einen Schluck Bier.
»War es bei dir und Lotta auch so?«, fragte Adrian.
Adam und Lotta lachten.
»Lotta, erinnerst du dich?«
»Nur dunkel und du?«, antwortete Lotta. »Als wir verheiratet waren, war es schon vorbei. Wir hatten die Fremdsprache des anderen gelernt. Wir hatten viel Zeit von dem Augenblick an, als wir uns kennenlernten, über unsere Verlobungszeit bis zur Heirat. In dieser Zeit haben wir gelernt, die Worte des anderen richtig zu deuten.«
Adam stimmte Lotta zu.
