Die Stunde des Pelikans - Walter Heinrich - E-Book

Die Stunde des Pelikans E-Book

Walter Heinrich

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Beschreibung

KZ Auschwitz, 1941. Nachdem einem Gefangenen die Flucht gelungen ist, werden zehn zufällig ausgewählte Häftlinge zum Tod im ›Hungerbunker‹ verurteilt. Da tritt ein Mann vor und bittet den Lagerführer, ihn gegen einen der Todgeweihten auszutauschen. Was bringt diesen Menschen dazu, sein Leben für einen anderen zu geben? Der Freiwillige ist der polnische Franziskanermönch Maximilian Kolbe. Seine selbstlose Tat machte ihn zum ›Märtyrer von Auschwitz‹, der 1982 von Johannes Paul II. heiliggesprochen wurde.

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Seitenzahl: 361

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Walter Heinrich

Die Stunde des Pelikans

Die Lebensgeschichte des Maximilian Kolbe

Roman

Diogenes

An einem Sommerabend

Sie hockten reglos auf den Treppen vor den Eingängen ihrer Blockgebäude oder lehnten an den Mauern; sie kauten an den Resten ihres Abendbrots, schwiegen vor sich hin und starrten auf die Lagerstraße; sie vollzogen ihren bescheidenen Feierabend und wirkten seltsam leblos dabei, diese Häftlinge – leblos, nicht wesenlos, in dem Licht, das eintritt kurz vor Sonnenuntergang nach strahlenden Sommertagen und alles entschärft und irgendwie verklärt.

Dann kam plötzlich Fritsch vorbei. Er kam mit dem üblichen Gefolge: mit seinem Rapportführer Palitzsch und zwei weiteren Of‌fizieren in den grünen Uniformen der Waffen-SS. Sie schritten durch die Lagerstraßen auf ihre besondere bewusste Art, die immer gleich Leben in die Gefangenen brachte: Viele sprangen auf und verzogen sich ins Innere der Blocks. Nur einige wenige, die Erfahreneren unter ihnen, blieben, wo sie waren, und blickten nur einfach weg. Sie wussten, was Fritsch am meisten reizte, war zu deutlich gezeigte Angst. Und natürlich wussten sie auch, wohin die Lagerführung ging, dass eine ›Auswahl‹ anstand auf dem Appellplatz und weswegen. Das Lager war ja erstaunlich hellhörig, und man wusste jederzeit alles und war aus geheimnisvollen Quellen immer informiert über das, was gerade gespielt wurde.

Gestern war einer von ihnen geflohen, Klos mit Namen. Er war vor seiner Verhaftung Bäcker gewesen und kam erst vor Kurzem ins Lager, als »Politischer«. Wahrscheinlich hatte ihm seine lockere Zunge dazu verholfen, die er nicht bezähmen konnte, nicht einmal, als er schon im Lager war. So machte er von Anfang an kein Hehl daraus, dass er abhauen würde, sobald sich ihm eine Gelegenheit dazu böte, und dass er dann kämpfen würde als Partisan aus dem Untergrund. Doch er war ein Typ, den jeder für einen Großsprecher hielt, sogar die Lagerleitung. Als sein Blockkapo ihn nämlich melden wollte, nachdem er trotz mehrmaliger Verwarnungen nicht aufhörte, frech und aufrührerisch daherzureden, lachte der diensthabende Unterscharführer nur und ließ die Sache auf sich beruhen.

Doch dann, gestern, war er plötzlich weg, wie vom Erdboden verschwunden. Man versuchte natürlich, ihn wieder aufzugreifen. Eine Menge Suchmannschaften mit Motorrädern und Hunden durchkämmten die Gegend, wo Klos’ Arbeitskommando tagsüber mit Trockenlegungsarbeiten beschäftig war. Sie suchten etliche Nachtstunden lang und den ganzen heutigen glühend heißen Tag, fahndeten in den Sümpfen um den Fluss und überall im Umkreis der Fünf-Kilometer-Sicherheitszone um das Lager – aber jetzt, da die Auswahl stattfand, zeigte sich, dass sie ihn trotz aller Bemühungen nicht mehr zu fassen vermocht hatten.

Das war schon erstaunlich, dass einmal ein Fluchtversuch vom Außenposten gelang, wo man in der Regel schärfer bewachte und im Verdachtsfall schneller schoss. Aber vielleicht wirkte diesmal der Umstand mit, dass man mit der Suche nicht sofort hatte beginnen können, weil niemand merkte, wann genau Klos geflohen war. Es fiel erst auf, als sein Block nach der Rückkehr vom Außenkommando beim Abendappell abgezählt wurde. Das war schon ziemlich spät, und es wurde bald dunkel – ein Vorteil für Klos, den der ganze Suchaufwand mit Scheinwerferfahrzeugen und viel Mannschaft mit Hunden nicht aufwiegen konnte.

Jedenfalls hatte wieder mal einer ein Zeichen der Hoffnung gesetzt, und wenn auch die meisten von ihnen wohl nicht ernsthaft daran dachten, selbst einen Fluchtversuch zu wagen, setzte sich doch dieser Trost im Bewusstsein der Häftlinge fest: Flucht war schwierig, aber möglich! Und an dieser Hoffnung, die sie innerlich erbaute, änderte auch das kaum etwas, was sie kostete: die Auswahl. Diese Strafmaßnahme bestand darin, dass für jeden Häftling, dessen Flucht gelang, zehn Mithäftlinge aus dem gleichen Block zum Tod im Hungerbunker ausgewählt wurden. Fritsch hatte sich das selbst ausgedacht. Als Lagerführer baute er sehr auf die abschreckende Wirkung solcher Maßnahmen und führte sie auch stets persönlich durch, um damit alle Häftlinge immer sicher zu beeindrucken.

Vielleicht doch nicht immer. Und nicht alle. Die Häftlinge dachten es, als sie jetzt Fritsch zurückkommen sahen und sofort merkten, dass etwas nicht stimmte. Sie waren in der Zwischenzeit alle wieder aus den Blocks herausgetreten und warfen vage Blicke in Richtung Appellplatz, von wo der Lagerchef auf‌tauchen musste, sobald er die Auswahl beendet hatte. Sie blickten also hin und fassten es nicht gleich, als Fritsch angestiefelt kam, nicht forsch und selbstbewusst wie sonst immer, sondern unsicher und nachdenklich. Auch kam er allein, ohne seinen Anhang, und machte ein Gesicht, dem man anmerkte, dass etwas Außergewöhnliches vorgefallen sein musste. Was das genau war, konnte man ihm natürlich nicht ansehen, und er selbst gab sich Mühe, das Ganze möglichst nicht so wichtig zu nehmen.

Im Grunde war auch nichts Besonderes geschehen auf dem Appellplatz, nichts jedenfalls, was den Lagerführer ernstlich hätte beunruhigen müssen. Es war einfach eine Auswahl gewesen wie sonst auch, wenn ein Fluchtfall vorlag, und er hatte sich seine Häftlinge für den Hungerbunker mit gewohnter Arglist herausgesucht, zehn aus den etwa vierhundert Gefangenen von Block 14a, der Klos’ Block gewesen war. Dann, als er eben damit fertig war, meldete sich einer, trat aus der Reihe der Häftlinge heraus und bat, für einen, der schon ausgewählt war, ausgetauscht zu werden. Und er, Fritsch, fand zuerst nichts dabei, wechselte die Männer aus, und das war alles.

Aber plötzlich stieß ihn etwas daran. Dass sich einer freiwillig zum Tod durch Verhungern meldete, das stimmte nicht recht, das störte ihn zunehmend und, gegen seinen Willen, sann er darüber nach, ob er etwa einen Fehler gemacht hätte mit diesem Austausch.

Erregt schritt Fritsch davon in Richtung Lagerverwaltung, und kaum war er außer Sicht, folgten ihm seine Begleiter. Auch ihnen ging manches durch den Kopf, wie man bemerken konnte, denn sie kamen einzeln daher und passierten das Spalier der Häftlinge in ungewohnt abwesender Manier.

Etwas später zogen dann die vorbei, die alles am meisten betraf: die zehn Ausgewählten. Da wandten sich die meisten ab, manche, um ihre feuchten Augen zu verbergen, andere, um sich heimlich zu bekreuzigen, und wieder andere, weil sie den Kummer, der über sie kommen wollte, nicht ertrugen.

Nur die Bunkerhäftlinge selber machten sich keine Gedanken mehr, jedenfalls nicht solche, die sie noch irgendwie ängstigen konnten. Für sie war alles entschieden, ihr Ende war absehbar geworden, schon besiegelt und verbucht sozusagen und nur noch an den Umstand von einigen gezählten Tagen im Hungerbunker gebunden.

Dort, in ihrer Zelle, holte sie freilich die Verzweif‌lung wieder ein. Nur der eine unter ihnen, der sich für einen anderen gemeldet hatte, blieb merkwürdig gelassen und gab ihnen etwas wie einen Halt im Abgrund der Ängste, die in ihnen aufsteigen wollten. Er saß nur einfach da, auf dem blanken Betonboden, in ihrer Mitte, und schwieg. Aber doch merkte man, dass etwas in ihm vorging, und irgendwie nahmen alle andern daran teil.

Was diesen Häftling bewegte, war eine Art Rückschau auf das, was sein Leben gewesen war – ein wesentlicher geistiger Prozess des Sichlösens von tief eingeprägten Erlebnissen. Er erkannte seine Erfahrungen plötzlich sehr klar, ihren Sinn und ihre Zusammenhänge, und dies geschah aus einem seltsamen Abstand, fast so, als wäre er es gar nicht selbst gewesen, der sie gemacht hatte.

Tatsächlich sah er sich in den Bildern, die jetzt aus seinen Seelentiefen aufstiegen und sich ihm bewusst machten, wie einen Fremden, dessen persönliches Geschick ihn kaum noch berührte. Dagegen schien ihm seine Rolle in einem größeren Ganzen hervorgehoben, seine eigentliche Berufung und Aufgabe, und wie er sie erfüllte.

Einige dieser Bilder aus seinem Leben waren folgende …

Der Flug des Pelikans

Eine Demonstration

Es ist das Jahr 1917. Ein heißer, unruhiger Sommer liegt über Rom und schürt den Unmut der Bürger, die an den zunehmenden Bürden und Einschränkungen durch den Krieg gegen die Krauts, die Österreicher, zu leiden haben. Maksymilian Kolbe, dreiundzwanzig Jahre alt, trägt die schwarze Kutte der Franziskaner-Minoriten und studiert Theologie und Philosophie am römischen Franziskanerkolleg San Teodoro.

An einem Tag, schwül und brütend schon am Morgen, ist der junge Franziskaner in der Stadt unterwegs und wird Zeuge einer antikirchlichen Demonstration. Das geschieht unbeabsichtigt und bringt ihn und zwei seiner Mitbrüder, die ihn begleiten, in eine nicht ungefährliche Situation. Dennoch kann er nicht widerstehen, dem Zug der Menge in einiger Entfernung zu folgen und das Ereignis zu beobachten, was seine etwas furchtsamen Begleiter nicht wenig irritiert. Nur zögernd schließen sie sich an, und so gelangen sie schließlich zum Petersplatz, wo das Geschehen seinen Höhepunkt erreicht. Um besser sehen zu können, erklettert Maksymilian einen abgestellten Handwagen, den seine Mitbrüder, sich ängstlich umschauend, vorsorglich festhalten und vor dem Fortrollen sichern. Von oben, aus seiner erhabenen Position, kann er die Szene gut überschauen und schildert den Brüdern, stockend und staunend, was er zu sehen bekommt und wovon die jungen Patres noch in keinem ihrer theologischen Bücher gelesen haben, die sie zu ihrer Ausbildung studieren …

Da hat sich eine Volksmenge von mehreren Tausend Zuschauern auf einem Teil des weiten Platzes eingefunden und säumt eine breite Gasse, durch die sich ein Zug von wohl zweihundert Demonstranten und Mitläufern bewegt. Sie tragen Schilder und Spruchbänder mit antipäpstlichen Parolen und wiederholen gewisse Sprüche in lautstarken Sprechchören. Was sie besagen, kann Maksymilian zwar nicht genau verstehen, aber er merkt, dass es sich um gewaltige Emotionen handelt, die hier zur Entladung drängen.

Jetzt verteilt eine Gruppe der Demonstranten Flugblätter an die Zuschauer, wobei einige von ihnen versuchen, die Menge durch Einzelrufe, spontan und fanatisch ausgestoßen, aufzuhetzen und in Bewegung zu bringen. Eine zweite Gruppe schwenkt schwarze Fahnen mit abgründigen Symbolen und anderen herausfordernden Motiven, unter anderem den Erzengel Michael, wie er besiegt unter den Füßen Luzifers liegt – man hisst sie mit Gejohle und unter dem Absingen von Spottliedern gerade gegenüber dem Papstpalast. Gleichzeitig schiebt man einen Theaterwagen unter die Fenster des päpstlichen Domizils und beginnt, einige kleine Stücke zu spielen, Parodien, wie Maksymilian unschwer erkennen kann, da die Akteure in ihrem pantomimischen Spiel furchtbar übertreiben. Und natürlich behandeln die Szenen Probleme und Schwächen der Kirche.

Äußerst gehässig und boshaft vorgebracht erscheinen Maksymilian diese Darbietungen, nur darauf zielend, das Volk zu erregen und aufzuhetzen – was denn auch zunehmend geschieht. Besonders als zwei Schauspieler, verkleidet als Wachen der Schweizergarde des Vatikans, lebensgroße Puppen aufs Podium des Bühnenwagens schleppen, gerät die Menge in Wallung. Die Puppen stellen berühmte Opfer der Inquisition dar, und wechselnde Schautafeln zeigen ihre Namen an, darunter auch Giordano Bruno, der Renaissance-Philosoph, von dem die Patres schon gehört haben.

Dann sieht Maksymilian, wie diese Puppen vom Hl. Of‌fizium, dargestellt durch einige papageienhaft gekleidete, ballonartig aufgeblähte, pathetisch agierende Kardinäle mit grellrot geschminkten Gesichtern, zuerst verhört, dann gefoltert und schließlich verurteilt werden. Dies alles geschieht mit übertrieben scheinheiligem Getue, mit großen Bekreuzigungsgebärden und vielen Blicken gegen den Himmel.

Endlich, als die Volksmenge schon ziemlich außer sich ist und ihr Johlen und Schreien weithin über den Platz hallt, wird ein inzwischen vorbereiteter Scheiterhaufen entzündet. Die Puppen, die man zuvor mit blutroter Farbe beschmiert hat, werden nun sämtlich in die übermannshoch auf‌lodernden Flammen geworfen und verbrennen wie Zunder. Jetzt ist die Menge nicht mehr zu halten. Sie stürmt auf den päpstlichen Palast zu und beginnt in grotesken Anfällen von blindwütigem Hass die Mauern zu beschmieren und unsittlich zu beschmutzen. Dabei werden auch mitgebrachte Abbilder, den Papst und hohe kirchliche Würdenträger darstellend, provokativ zerstört, verbrannt oder unter dem Hersagen von Flüchen und magischen Formeln mit Messern durchstochen und zerschnitten.

Als schließlich eine Schwadron berittener Carabinierierscheint und versucht, das aufgebrachte Volk mit gezückten Säbeln zu zerstreuen, wird sie regelrecht aufgerieben. Ohne ihre Waffen recht gebrauchen zu können, werden etliche der Gendarmen von ihren Pferden gerissen, entwaffnet und davongejagt. Der Rest der Gesetzeshüter sucht vorsorglich das Weite und verlässt fluchtartig den Schauplatz.

Mit naivem Staunen beobachtet Maksymilian den Ablauf der dramatischen Ereignisse. Er sieht mit Beklemmung, wie der einfache Mensch, aufgelöst in der Masse, seine natürliche Hemmung und Selbstkontrolle verliert, wie schnell und leicht er in den Sog von Fanatismus und Zerstörungswut gerät und gegen seine Vernunft und sein eigentliches Menschentum handelt. Beinah körperlich und mit großem Entsetzen spürt er die verheerenden Energien, die Zorn und Hass freizusetzen vermögen – spürt das alles intensiv wie ein Kind und glaubt mit einmal, das Mysterium des Bösen zu begreifen, den Geist des Widergöttlichen, der den Menschen so rasch zu entmenschen vermag. So steht er auf der Ladefläche des Handwagens und überlässt sich, auf das Schauspiel starrend, wie gebannt seiner gewaltigen, fast unwirklichen Erfahrung.

Die beiden Mitbrüder haben schon eine Weile kein Wort mehr von ihm gehört. Sie sind durch den zunehmenden Tumult bereits ziemlich nervös und werfen ängstliche Blicke um sich. Endlich zupft Pater Pal, der Rumäne, ihren Anführer an der Kutte.

Ich glaube, sagt er in seinem gebrochenen Italienisch, du solltest jetzt vom Wagen absteigen! Es wird sonst etwas unruhig …

Und Bruder Pignalberi kommentiert spontan: Er meint, was ich schon lange meine, wir sollten uns in Sicherheit bringen! Schleunigst verschwinden, verduften, abhauen, bevor sie uns entdecken!

Doch Maksymilian reagiert nicht gleich. Bewegungslos wie eine Säule steht er oben und scheint die Brüder und die eigene Situation völlig vergessen zu haben. Erst als ihn Pignalberi am Habit vom Karren herunterzerrt, kommt er zu sich und blickt seine Mitbrüder mit großen Augen an.

Habt ihr das gesehen?, fragt er.

Die andern werfen sich einen Blick zu.

Nicht so gut wie du, sagt Pater Pal. Und Pignalberi versichert glaubhaft: Aber wir verzichten gern!

Diese Wut!, setzt Maksymilian fort, mehr zu sich selbst. Dieser unglaubliche Hass in den Herzen der Menschen …

Ja eben! Wir sollten uns hüten und keine unziemliche Neugier für das Übel zeigen – was ja auch unserm Stand widerspricht!, entfährt es Pignalberi.

Warum? Kämpfen wir nicht gegen das Böse? Und müssen wir nicht kennen, wogegen wir kämpfen?

Maksymilian sagte es. Er steht, kleiner und schmächtiger als seine Brüder, zwischen ihnen und rührt sich nicht von der Stelle.

Komm jetzt!, drängt Pater Pal und erläutert: Es sind wahrscheinlich Freimaurer, die hier agieren. Sie feiern ihr zweihundertjähriges Bestehen, hab ich gehört. Aber nun komm schon!

Doch Maksymilian steht wie angenagelt.

Wo wohnt ihr Logenmeister?

O Heilige Mutter! Pignalberi ringt die Hände. Im Palazzo Verde. Warum?

Weil wir ihn aufsuchen werden! Wir müssen ihm erklären, dass Hass niemals unsere Probleme löst, sondern nur neue schafft.

Maksymilian setzt sich sogleich in Bewegung, doch nun zögern die Brüder.

Du willst zum Großlogenmeister?

Er muss überzeugt werden, versteht ihr. Wir müssen etwas tun, dass solche Dinge nicht mehr geschehen. Kommt mit!

Nun stehen die Brüder ihrerseits wie angenagelt. Als Maksymilian ihre Hemmungen sieht, fügt er hinzu, plötzlich sehr geschmeidig und mit jener entwaffnenden Rücksichtnahme, die jeden mit Scham erfüllt, der wagt, ihrer Gefühlslogik zu widerstehen:

Wir gehen natürlich nur hin, wenn ihr das selber wollt. Wenn ihr einfach glaubt, wie ich auch, dass Aufklärung ein gutes Mittel ist, im Sinne des Evangeliums zu wirken – also zu kämpfen, nicht davonzulaufen!

Kämpfen! Si, si! Aber vielleicht sollte man die Dinge zeitlich etwas ordnen und das Letztere zuerst tun. Man kann ja nur kämpfen, wenn man gesund bleibt …

Der italienische Minderbruder wendet sich an seinen rumänischen Genossen um eine hilfreiche Geste, und Pater Pal hat in der Tat einen rettenden Einfall. Nicht ganz ohne Scheinheiligkeit in der Stimme wirft er ein: Ich bin auch dafür, dass wir etwas tun. Aber natürlich nicht ohne die Erlaubnis unserer Oberen! Wir stehen im Gelübde!

Die Mahnung an die schwerwiegende Pflicht mönchischen Gehorsams wirkt augenblicklich und entscheidet die Auseinandersetzung.

Gewiss, gibt Maksymilian sofort kleinlaut zu und lässt den Kopf hängen. Es ist nicht das erste Mal, dass er gewisse innere Aufwallungen und Willensimpulse bezähmen muss.

Doch die andern sind befriedigt. Sie ergreifen die Initiative, fassen ihren kämpferischen Mitbruder an den Ärmeln seiner Kutte und ziehen ihn so rasch wie möglich aus dem Sichtbereich der Menge, hinein in eine schmale Gasse, die wegführt vom Ort der Gefahr.

Kommt schon! Beeilt euch!, drängt Pignalberi. Wenn die Welt gefährlich wird, dann nichts wie ins Kloster …

 

Wenig später erreichen die Minderbrüder, schon ziemlich abseits des Petersplatzes, das Ende einer langen Gasse. Pignalberi atmet auf, und auch die andern fühlen sich irgendwie erleichtert und bereits in Sicherheit. Da stehen plötzlich einige jugendliche Demonstranten vor ihnen. Sie kamen um die Ecke, und nun stehen sie da und füllen die ganze Breite der Gasse aus. Acht Burschen sind es, im Alter zwischen fünfzehn und dreiundzwanzig. Sie tragen kurze Stöcke und schwenken eine selbstgemachte Fahne, bestehend aus einem weißen Leintuch, auf das mit roter und schwarzer Farbe eine schwer erkennbare Figur gemalt ist.

Wohin die Burschen wollen, ist klar, aber ihnen auszuweichen, dafür ist es für die Minderbrüder zu spät. Die Jugendlichen haben sie bereits erblickt und kommen auf sie zu, wobei sie in höhnischer Weise Ehrfurcht heucheln und Ausrufe der Bewunderung ausstoßen angesichts der gut aufgebügelten schwarzen Habite der Gottesmänner. Erst beim Anblick der Rosenkränze, die den Brüdern in franziskanischer Manier seitlich herabhängen, schlägt ihr Spaß in Ernst um, und sie nehmen eine drohende Haltung ein.

Auf ein Zeichen des Wortführers, eines kräftigen, aber nicht sonderlich klug aussehenden Kerls, breiten zwei von ihnen die Fahne aus, um sie den Brüdern zu zeigen und sie zu provozieren. Und jetzt können sie die roh und laienhaft gemalte Darstellung darauf gut erkennen: Es ist die von einer riesigen Schlange gefesselte Muttergottes, deren Kind von dem Tier gerade mit großem Appetit verschlungen wird.

Einen Moment lang beobachtet der Wortführer die Reaktion der drei Brüder, die deutlich zusammenzucken, erschrocken zurückweichen und völlig blass geworden sind, dann bricht er in Schmährufe aus.

Verdammte Madonna! Der Teufel soll sie holen! Die Schlange soll sie vertilgen, samt ihrem Bambino und allen von euch Heuchlern.

Bruder Pignalberi und Pater Pal weichen entsetzt zurück, Schritt für Schritt, bis sie das schützende Dunkel eines Hausflurs erreichen, worin sie blitzschnell verschwinden. Gleich darauf erscheinen ihre Köpfe in einem Fenster im obersten Stockwerk des Hauses. Von dort versuchen sie durch Zurufe auch Maksymilian zum Rückzug zu bewegen – aber was nützt es!

Der schmächtige Mitbruder, bleich wie der Tod, hat den Wortführer bereits am Hemd gepackt. Zutiefst empört zerrt er an ihm mit ganzer Kraft und brüllt ihn an.

Wie kannst du so etwas tun? Die Madonna verfluchen! Du weißt nicht einmal, wer sie ist!

Der Wortführer ist sprachlos. Er steht nur da, ein breitschultriger Muskelmann, und starrt erstaunt auf diesen Schmächtling, der so aufmutzt und ihm fast das Hemd zerreißt.

Was ist denn mit dem los?, scheint er zu denken. Statt eingeschüchtert zu sein, spielt der sich auf, als wäre er in der Überzahl und hätte eine ganze Schar Mitstreiter hinter sich … Der Wortführer blickt sich sicherheitshalber um, als könnte es sein, dass sie in einen Hinterhalt geraten wären. Aber dem ist nicht so, wie er dann doch begreift.

Dafür weißt du’s umso besser, he!, sagt er.

Da schüttelt ihn Maksymilian schon wieder, wobei er freilich selbst mehr hin und her gerissen wird als der andere.

Aber jemanden beschimpfen, den man nicht kennt, das ist doch dumm! Einfach dumm!

Dumm, sagst du?

Blitzschnell schlägt der Wortführer Maksymilians Hände herunter, packt ihn an der Kutte, hebt ihn fast vom Boden auf und schüttelt ihn nun seinerseits.

Wer ist dumm? Spuck’s ruhig aus: Wen meinst du?

Maksymilians Kopf pendelt hin und her, vor und zurück; kaum dass er noch sieht, was um ihn ist, doch versucht er nicht, sich zu befreien. Endlich stellt ihn der andere wieder auf die Füße, schaut grinsend in die Runde und dann auf sein Opfer.

Willst du noch was sagen, Pfäff‌lein?

Maksymilian blickt den Wortführer ruhig an.

Weiß eigentlich deine Mutter, was du hier tust?

Was hat die damit zu tun? Der andere ist leicht irritiert.

Lass sie gefälligst aus dem Spiel!

Aber sie hat dich geboren und aufgezogen!

Na und?

Sie hat dir zu essen gegeben und deine Wäsche gemacht!

Was geht’s dich an, verdammt!

Sie hat dich gepflegt, wenn du krank warst, und dich getröstet, wenn du traurig warst. Sie hat dich geliebt und liebt dich noch immer: Wie kannst du sagen, sie sei aus dem Spiel?

Der Wortführer starrt Maksymilian verständnislos an. Er begreift nicht, worauf der verrückte Kuttentyp mit seinem Gerede hinauswill. Das macht ihn unsicher, und sein anfänglicher Übermut kippt plötzlich in Missgelauntheit und Ärgerlichkeit um, zumal auch seine forschen Begleiter auf einmal etwas betreten wegblicken.

Du bist ein Idiot!, sagt er dann zu Maksymilian und lässt seine Kutte los. Doch der, kaum freigekommen, fasst nach der Fahne der Burschen, zerrt daran und versucht sie zu zerreißen.

Wie kannst du nur deine Mutter verfluchen und derart beschämen!

Er sagt das nicht laut, aber mit einer vor Empörung zitternden Stimme, was die Burschen seltsamerweise nicht kaltlässt; sie entreißen ihm zwar die Fahne, aber greifen ihn nicht an. Auch der Wortführer fühlt sich unversehens aus seiner sicheren Angriffsposition in eine ungewohnte Verteidigungshaltung gedrängt.

Ich habe die Madonna gemeint, du Idiot, nicht meine Mutter! Doch nicht meine eigene Mutter … Was glaubst du überhaupt!

Da stellt sich Maksymilian vor ihn hin, fast auf Tuchfühlung, und hat plötzlich den Ton eines Vaters in der Stimme.

Du hast sie nicht gemeint, aber du hast sie doch getroffen! Denn genau das Wesen, das deine Mutter für dich ist, ist die Madonna für sie! Und für dich! Und für uns alle! Wer sie verhöhnt, verhöhnt das Beste, das er hat – in sich selber hat und in allen, mit denen er lebt … Ihr dürft das nicht tun! Versprecht mir, jeder von euch, die Madonna nie wieder zu beleidigen!

Die Burschen staunen. Sie verstehen zwar nicht ganz, was der sagen will, der da vor ihnen steht wie ein nicht ganz geglückter Erzengel, aber sie merken, dass er es ehrlich meint. So seltsam seine Rede klingt, so sehr spüren sie, dass er selbst davon überzeugt ist – so sehr, dass er sogar riskiert, dafür Prügel zu beziehen. Und das eigentlich ist es, dieses riskante Einstehen für seine komische Wahrheit, was den Burschen unbewusst imponiert. Also senken sie die Köpfe, irgendwie im Innern betroffen. Dann, ohne noch Blicke untereinander auszutauschen, drücken sie sich an Maksymilian vorbei, einer nach dem andern, und trollen sich die Gasse hinunter. Zuletzt zieht der Wortführer ab, schweigend, mit dem Gesicht eines unsicheren Jungen, der sich nicht wohl fühlt in seiner Haut und es auf einmal sehr eilig hat, seiner Gruppe zu folgen. Dann ist es für einen Moment still um Maksymilian, der, äußerlich unbewegt, wie verloren in der Gasse steht.

Wenig später, als die Gefahr sicher überstanden ist, erscheinen seine Mitbrüder wieder, zuerst Pater Pal, dann Bruder Pignalberi. Vorsichtig lugen sie aus dem Hausflur, in dem sie zuvor verschwunden sind, schlüpfen dann heraus und legen Maksymilian fürsorglich die Hände auf die Schultern.

Wenn die Kerle jetzt nicht abgehauen wären, tönt Pignalberi mit drohender Gebärde, hätten wir eingegriffen, Bruder. Glaub mir, ich habe mich nur schwer zurückhalten können und saß schon wie auf glühenden Kohlen …

Er stockt mit einmal und beobachtet verwundert, wie Pater Pal sich niedergebeugt hat und hinter seinem Rücken schnuppert, riecht und an eindeutiger Stelle einen offenbar eindeutigen Geruch wahrnimmt. Er rümpft plötzlich die Nase.

Nicht auf Kohlen, glaub ich!, sagt Pal lakonisch und folgt Maksymilian nach, der bereits den Weg zum Kolleg eingeschlagen hat. Und Pignalberi, weder gekränkt noch beschämt, aber schon wieder von Furcht geplagt, läuft den Brüdern hinterher, etwas gehemmt freilich und in einer merkwürdig breitbeinigen Gangart.

Ein Anliegen

Am folgenden Tag schon steht Maksymilian im Arbeitszimmer des Rektors von San Teodoro. Er hat eben sein Anliegen vorgebracht und wartet nun auf Antwort. Hinter ihm in dem weitläufigen, franziskanisch einfach ausgestatteten Raum harrt Pater Pal aus, nahe der Tür und devot an die Wand gedrückt. Er ist mitgekommen, zur Verstärkung sozusagen, doch sieht es so aus, als bemühte er sich, möglichst vollständig im Boden zu versinken.

Beide Brüder blicken auf Pater Ingnudi, den etwa fünfzigjährigen rundlichen Vorstand des Kollegs, der gedankenvoll auf und ab geht. Er tut dies schweigend, mit kleinen nervösen Schritten und mit wechselndem Mienenspiel: Einmal blickt er mit versuchsweise autoritärer Miene in die Richtung der beiden Brüder, dann wieder wendet er sich mit ratlosem Ausdruck Pater Basile zu, dem Novizenmeister des Hauses, der Jesuit ist. Dieser scheint an dem Fall, der hier verhandelt wird, wenig interessiert; er sitzt in der kleinen Sitzecke des Zimmers und hat noch kein einziges Mal von der Zeitung aufgeblickt, die er gerade liest. Doch die Brüder kennen dieses Spiel bei ihm: Je unbeteiligter er sich gibt, desto genauer hört er zu, desto schärfer denkt er nach und desto sicherer brütet er etwas aus.

Endlich bricht der Rektor das Schweigen. Er wendet sich Maksymilian zu, wobei er die Augenbrauen auf eine Weise hochzieht, die wohl etwas wie Verwunderung, freilich im negativen Sinn, ausdrücken soll.

Warum kommen Sie mir überhaupt mit so etwas? Sie wissen doch, dass ich nicht gerne Nein sage! Warum bringen Sie mich in Verlegenheit?

Tut mir leid, Pater Rektor. Aber ich dachte nicht …

Was nicht? Dass ich doch einmal Nein sagen könnte? Pater Ingnudi blickt kopfschüttelnd zu Basile, der, ohne von der Zeitung aufzublicken, richtigstellt: Er meint, dass er dich in Verlegenheit bringt!

Der Rektor begreift. Er trippelt auf Maksymilian zu, in südländisch pathetischer Weise die Hände ringend, und fleht ihn an: Es ist nicht Ihr Ernst, mein Lieber! Es ist nicht wirklich Ihre Absicht, in diesen Palazzo Verde zu gehen, nicht wahr! Denken Sie doch, Sie sind dort ganz allein! Mitten im Hauptquartier der Freimaurer!

Wir gehen zu zweit, sagt Maksymilian unbewegt und deutet auf Pater Pal. Er wird mich begleiten.

Nur wenn wir die Erlaubnis bekommen sollten, wirft Pal von der Türe her ein, etwas hüstelnd. Wenn nicht …

Dann nicht, natürlich! Ingnudi scheint einen Moment lang besänftigt, dann fährt er auf: Natürlich nicht! Was denkt ihr denn? Was glaubt ihr überhaupt? Wofür haltet ihr euch? Wohl, ich verstehe das Glaubenpathos junger Ordensleute und einen gewissen kämpferischen Überschwang – verstehe das, weil ich auch mal jung und voller Glauben war …

Ein Hüsteln Basiles unterbricht ihn, und Ingnudi versteht: Den Glauben hab ich natürlich noch! – Aber gleich in die Höhle des Löwen gehen und den Großmeister der Freimaurer bekehren zu wollen, das geht einfach zu weit. Das grenzt an geistige Überhebung und ist zudem gefährlich. Schließlich bin ich für euer Heil verantwortlich, nicht nur für das der Seele und des Geistes, sondern auch des Leibes. Ich bitte euch, das zu verstehen!

Der Rektor, schon wieder versöhnlich gestimmt, blickt auf Maksymilian, der aber weiter nicht reagiert und ruhig wartet. Auf ihn wirkt so eine heftige italienische Verneinung wie eine polnische Bejahung, die man mit Geduld erkämpfen muss.

Was ist?, fragt Ingnudi gereizt. Die Sache ist entschieden, warum geht ihr nicht?

Weil wir meinen, Pater Rektor, dass man etwas unternehmen sollte. Gegen diese Herausforderung der heiligen Kirche. Es schadet uns beim gläubigen Volk, wenn wir nichts gegen das Böse tun … glauben wir!

So, so! Der Rektor, weniger geduldig als Maksymilian, fuchtelt nervös mit den Händen. Und was noch? Was glauben die Herren sonst noch?

Dass man Hass und Gewalttätigkeit, wo und durch wen immer sie verbreitet werden, mit allen Mitteln bekämpfen muss … müsste … sollte … Maksymilian sagt es, immer kleinlauter werdend angesichts des Rektors, der vor ihm steht und ihn düster fixiert.

Mit allen Mitteln? Was meinen Sie damit?

Er meint natürlich mit allen Mitteln im Sinne unseres christlichen Auf‌trags, wenn ich recht verstehe, wirft der Novizenmeister aus seiner Ecke vermittelnd ein.

Ah! Sie wollen damit doch nicht sagen, dass wir das nicht längst tun, mein Lieber! Predigen wir nicht das Wort Gottes seit eh und je, die Botschaft des Friedens und der Liebe? Tut denn die Kirche und wir in ihr Ihrer Meinung nach noch nicht alles, was der HERR uns einst aufgetragen hat?!

Ingnudi blickt herausfordernd auf Maksymilian, der seinem Blick nicht ausweicht.

Vielleicht genügt das nicht, Pater Rektor, sagt er. Vielleicht müsste man mehr auf die Zeit eingehen, auf unsere gegenwärtige Situation, auf diese Ausschreitungen gegen die Kirche und ihre aktuellen Ursachen …

Die Sie aber doch gar nicht kennen!, unterbricht ihn Ingnudi. Was Sie nämlich für Ursachen halten, sind ja bereits die Folgen – und auch nur einige unter vielen. Nein, mein Lieber! Was wirklich schuld ist an solchen Demonstrationen, ist das ganze Gesellschaftsklima, das sie ermöglicht und hervorruft. Ich meine den allgemeinen materialistischen und antireligiösen Geist unserer gottlosen Zeit, der überall allgegenwärtig und doch nirgends konkret zu fassen ist. Was Sie unter Kampf gegen das Böse verstehen, läuft doch nur auf ein riskantes Wagestück hinaus, auf einen leichtsinnigen Bubenstreich, auf ein lächerliches Manöver – ähnlich dem Kampf Davids gegen Goliath!

Der Rektor wendet sich Basile zu, dessen Bestätigung erwartend. Doch der Novizenmeister schüttelt heftig den Kopf, und Ingnudi begreift seinen Fauxpas.

Ich meine, ohne das Wunder mit dem Kiesel. Damit lässt sich in unserem Fall nicht rechnen. Nein. Ich kann Ihnen die Erlaubnis zu solchen biblischen Schießübungen nicht geben, beim besten Willen nicht!

Einen Moment tritt nun Stille ein. Die Ablehnung des Rektors schwingt unwiderruf‌lich im Raum und bewirkt eine etwas peinliche Stimmung, die oft entsteht, wenn allseits guter Wille herrscht und doch keine Übereinstimmung erzielt wird.

Man könnte noch etwas erwidern, rein theoretisch, denkt Maksymilian für sich. Aber praktisch verbietet es sein Gelübde, der mönchische Gehorsam. Wenn überhaupt, dann muss er hier zur Geltung kommen, so scheint es ihm, in solchen Momenten wie jetzt. Er schweigt also, senkt devot den Kopf und versucht, den Geschmack der Enttäuschung loszuwerden. Wie schon des Öfteren, seit er bei den Minderbrüdern eingetreten ist, spürt er, dass die Pflicht zum Gehorsam schwer ist und von allen Gelübden vielleicht das größte Opfer darstellt – jedenfalls für ihn, der sich schon öfter von etwas ausgefallenen Ideen und einem allzu persönlichen Engagement in manchen Dingen versucht sieht.

So oder ähnlich gehen ihm die Gedanken durch den Kopf, und jedenfalls nimmt er sich vor, über die Sinnfälligkeit des christlichen Gehorsams und die richtige Art, ihn zu praktizieren, genauer nachzudenken. Nicht dass er Zweifel hätte an seiner Berufung, er möchte nur besser begreifen, was sie wirklich von ihm fordert und wozu er sich im tieferen Sinne eigentlich verpflichtet hat.

Da hebt sich endlich Pater Basile aus seinem Sessel und kommt auf Maksymilian zu. Er spürt, wie nötig der enttäuschte Minderbruder noch ein paar Worte zum Thema braucht, und beginnt aus seiner Zeitung vorzulesen:

Die Demonstrationen der vergangenen Tage in Rom und in anderen Städten gegen die Kirche sind Ausdruck einer allgemeinen Unsicherheit in der Gesellschaft. Bedingt durch Rüstungsüberforderung, Geldentwertung, wirtschaftliche Depression und zunehmende Arbeitslosigkeit sowie deren Folgeerscheinungen werden immer breitere Kreise von einer sich zuspitzenden existenziellen Angst erfasst, die offenbar immer häufiger in Aggression umschlägt …

Da haben Sie’s doch! Das ist es, was ich meine! Rektor Ingnudi wendet sich versöhnlich den Brüdern zu.

Was sich da an Hass und Gewalttätigkeit vor euren Augen entladen hat, ist nichts anderes als Angst! Diese uralte simple kreatürliche Angst des Menschen um sich selbst, um seine Hoffnungen, um seine Wünsche und Träume. Ja, Angst ist letztlich die Ursache von Hass, deshalb müssen wir sie bekämpfen, nicht den Hass, nicht die Gewalt, nicht irgendwelche Ausschreitungen, die nur Folgen sind.

Wie?

Wie wie?

Auf welche Weise sollen wir das tun?, fragt Maksymilian, scheinbar naiv wie ein Kind.

Das dürf‌te für einen Christen, zumal für einen Ordensbruder doch klar sein – durch Glauben, gelebt und gepredigt! Es geht einfach darum, die kreatürliche Furcht und Neigung zur Zerstörung, wie sie im Herzen des Menschen gegeben sind und Ausdruck seiner extrem materialistischen Gesinnung sind, durch ein festes unerschütterliches Gottvertrauen zu ersetzen, nichts weiter! Also: Unglaube raus – Vertrauen rein, und schon löst sich die Angst von selbst auf, verflüchtigt sich, verdampft gewissermaßen in der strahlenden Sonne unseres christlichen Glaubens!

Der Rektor fühlt sich in seinem Element und unterstreicht seine Worte mit heftigen Gebärden, die vielleicht das Aufsteigen von Rauch in den Himmel andeuten sollen. Er legt Maksymilian jovial die Hand auf die Schulter.

Ich weiß, Sie verstehen, was ich meine!

Maksymilians Gesicht drückt unverhohlene Skepsis aus.

Vielleicht, antwortet er vorsichtig. Jedenfalls klingt es sehr einfach …

Ist es aber nicht, mein Lieber!, lächelt der Rektor. Wohl ist die ewige Wahrheit im Grunde einfach – sehr einfach, weil vollkommen natürlich. Aber ihre Verwirklichung in der Zeit ist schwierig und das eigentliche Problem von uns Christen. Es muss von jeder Generation neu gelöst werden, mit immer neuen, einfallsreichen, zeitgemäßen Mitteln …

Basiles spontanes Hüsteln unterbricht den Rektor, der sich seinem Freund zuwendet.

Du möchtest etwas sagen?

An welche Mittel denkst du genau?

Ingnudi blickt verwundert.

Hab ich gesagt, dass ich welche weiß? Ingnudi zuckt mit den Schultern, und Basile senkt vielsagend den Kopf.

Aber es ist franziskanischer Brauch, setzt Ingnudi fort, die Gottesmutter zu bitten, sie möge uns vermitteln, was uns selbst nicht einfällt. Betet zu ihr um den Geist ihres Sohnes. Ich bin sicher, er wird uns helfen, die rechten Wege zu gehen!

Der Rektor hält die Unterredung für beendet und öffnet die Tür, um die Brüder hinauszulassen. Doch der Novizenmeister ruft Maksymilian zurück und winkt ihn zu sich. Er hat plötzlich einige Papiere in der Hand und hält sie dem andern hin.

Wie versprochen habe ich Ihre Pläne den Kollegen der naturwissenschaftlichen Fakultäten gezeigt. Sie haben Ihre Skizzen und Berechnungen sorgfältig geprüft – ich kann Ihnen nur gratulieren!

Basile lächelt, und Maksymilians Gesicht hellt sich mit einmal auf. Seine Stimme zittert fast vor freudiger Erregung.

Die Herren sind also … überzeugt? Meine Erfindung kann … wird verwirklicht werden?

Basiles Lächeln friert ein wenig ein.

Vielleicht. Jedenfalls hat niemand den Beweis erbringen können, dass es nicht funktioniert. Leider ist der Gegenstand Ihrer Arbeit, so hervorragend die Arbeit selbst ist, im Moment nicht sehr gefragt. Wie Sie wissen, hat die Kirche zurzeit andere Probleme und kann deshalb Ihr Projekt nicht weiter unterstützen, jedenfalls vorerst nicht …

Er wägt Maksymilians Papiere und Zeichnungen bedeutsam in seiner Hand.

… Raumschiffe zum Mars! Gewiss ein hohes Ziel christlicher Evangelisierung, wenn es die Zukunft einmal fordern sollte. Im Augenblick hätten wir bessere Chancen, wenn Sie Ihr Talent erdnäheren Aufgaben zuwenden könnten.

Maksymilians Miene verdüstert sich wieder. Er schweigt, wendet sich zur Tür und verschwindet. Als er bemerkt, dass er seine Pläne vergessen hat, dreht er um und wird unfreiwillig Zeuge eines Gesprächs zwischen seinen Vorgesetzten.

Diese jungen Leute!, sagt der Rektor. Möchten immer gleich Helden und Heilige sein und große Dinge tun und die Welt verbessern! Wann begreifen sie wohl, dass die Welt nur zu verbessern und umzuwandeln ist, indem jeder Einzelne dies mit sich selbst tut. Der Weg führt nach innen, nicht nach außen! Warum begreift man das so schwer? Haben doch so viele Kirchenlehrer und Mystiker so viel darüber geschrieben!

Als sie das aufschrieben, waren sie selbst vielleicht nicht mehr die Jüngsten!, wirft Basile ein.

Was willst du damit sagen?

Nun, vielleicht kann der junge Mensch nicht gleich nach innen gehen. Vielleicht braucht er das Außen noch als Übung, als Mittel für sein inneres Werden. Und die äußere Welt ihrerseits braucht unseren Weg nach innen zu ihrer Korrektur …

Sind das nicht jesuitische Spitzfindigkeiten, mein Lieber? Dein Orden hat in dieser Richtung schon manches Mal über die Stränge geschlagen, wenn ich nicht irre.

Mag schon sein, kontert Basile gutmütig. Aber äußere Lebenserfahrung ist nun mal der bessere Lehrmeister als Studieren, und wer auf äußeren Wegen stolpert, lernt leichter, es auf den inneren Wegen zu vermeiden. Deshalb glaube ich, wir sollten den Brüdern etwas mehr Freiraum geben, meinst du nicht?

Ingnudi wiegt bedenklich den Kopf, dann sieht er plötzlich Maksymilian an der Türe stehen.

Ah! Sie sind noch da! Er trippelt auf ihn zu.

Haben Sie auch das Gefühl, ich sei zu streng mit euch?

Maksymilian wirft einen Blick auf Basile, der schüttelt kaum merklich den Kopf.

Ich glaube nicht, sagt er. Sie wollen doch nur, dass wir uns im Außen nicht verlieren und leichter den Weg nach innen finden, der viel wichtiger ist …

Ingnudi ist betroffen. Und während Basile dem Minderbruder lächelnd die Pläne reicht und dieser endgültig verschwindet, entfährt dem Rektor ein staunendes Murmeln.

Er hat mich durchschaut und alles verstanden! Es sind doch sehr aufgeweckte junge Leute, die wir da heranziehen. Die Kirche kann durchaus stolz auf uns sein … Ich meine, auf unsere Alumnen!

Eine Gründung

Etwa drei Monate später geschah etwas, das heute in franziskanischen Chroniken festgehalten und nachzulesen ist, das aber damals, am 17. Oktober 1917, noch nicht einmal die Studenten von San Teodoro bemerkten, denen doch wahrhaftig nichts entging, was sich innerhalb der Mauern ihres Kollegs ereignete. Für die meisten von ihnen war es ein ganz gewöhnlicher Arbeitstag gewesen, angefüllt mit den üblichen Vorlesungen, mit Studierstunden, mit den vorgeschriebenen Andachten, Gebetszeiten und, jetzt am Abend, mit entspannenden Gesprächen bei einem Spaziergang in den umliegenden Straßen oder bei einem mehr meditativen Verweilen im nahe gelegenen Park.

Jedenfalls waren die meisten Brüder an diesem schönen Abend außer Haus, und also fiel es niemandem auf, dass einige von ihnen fehlten. Diese, es waren sieben, hatten sich im Sprechzimmer des Rektors zu einer heimlichen Verabredung zusammengefunden. Genauer gesagt, waren es zuerst nur sechs, denn der Siebte kam etwas zu spät – nicht aus schuldhaftem Versäumnis, sondern aus Veranlagung sozusagen, aus einem unwiderstehlichen Zwang seiner Natur …

Es ist Bruder Pignalberi, der jetzt mit wehendem Habit und einem Brief in der vorgestreckten Hand den Hauptflur des Kollegs entlangfliegt, vor einer der Türen haltmacht und hineinhorcht. Dann, sich vorsichtig umblickend, gibt er ein bestimmtes Klopfzeichen und wird eingelassen. Drinnen ist es merkwürdig dunkel, und Pignalberi muss seine Augen erst daran gewöhnen, bevor er genauer sieht, was hier vorgeht.

Da steht ein riesiger Tisch inmitten eines scheinbar unbegrenzten Zimmers, das so groß und so hoch ist, dass man bei verdunkeltem Fenster weder Wände noch Decke sehen kann. Die zwei brennenden Kerzen in der Mitte des Tisches beleuchten gerade nur die Gesichter der sechs Brüder, die rundherum sitzen, und natürlich die kleine Statue der Gottesmutter, die man zwischen den Kerzen aufgestellt hat. Pignalberi, von der mystischen Stimmung der Szene beeindruckt, nähert sich würdig und nimmt den noch unbesetzten siebten Platz am Tisch ein. Als er bemerkt, dass ihn die andern vorwurfsvoll anblicken, gibt er sich zerknirscht.

Tut mir leid, Brüder, dass ich zu spät komme! Man will unbedingt pünktlich sein, und dann wird man aufgehalten – ihr versteht das!

Wir verstehen das nicht, Pig, sagt eine herbe Stimme.

Nicht? Also gut! Ihr wisst, wie ich bin, und ich weiß es auch. Aber es tut mir leid, heute am meisten! Pignalberi gefällt sich in seiner Offenheit, die er den andern voraushat, wie er weiß.

Immerhin bin ich überhaupt gekommen, andere schicken nur Briefe, wie Pater Basile. Er reicht Maksymilian den mitgebrachten Brief, der ihn sofort öffnet. Dann liest er das Schreiben den Brüdern vor.

Liebe Brüder im Herrn! Für die heutige Gründung derMILITIA IMMACULATAEwünsche ich euch von Herzen Gottes Segen! Leider kann ich selbst nicht mit dabei sein: verschiedene Rücksichten gegenüber meinem Amt, meinem Orden und der Kirche – ihr versteht das!

Wir verstehen das nicht!, wirft Pignalberi erregt ein. Alle blicken auf ihn, dann liest Maksymilian weiter.

Ich versichere euch aber, dass ich eure Gefolgschaft fördern werde, so gut ich es vermag. Auch werde ich Seine Heiligkeit den Papst auf euer Unternehmen hinweisen und ihn um seinen persönlichen Segen für dieM.I.bitten. Ich bin zuversichtlich, er wird ihn gewähren!

Enttäuscht lässt Maksymilian das Schreiben sinken, und enttäuscht von ihrem Novizenmeister sind auch die andern. Nur Bruder Pignalberi sieht plötzlich einen Vorteil und gibt sich tröstlich:

Auch gut, Brüder! Ist Pater Basile nicht da, so kann er uns auch nicht dreinreden. Und den päpstlichen Segen beschafft er uns gewiss. Schließlich ist er der Beichtvater des Heiligen Vaters – da wäscht eine Hand die andere, ihr versteht!

Wir verstehen das nicht!, sagt die herbe Stimme zum dritten Mal. Es ist Pater Pal, der Pignalberi ungehalten anblickt. Doch der Italiener zuckt nur mit den Schultern.

Rumänische Sturheit!, denkt er bei sich. Östliche Schwerfälligkeit! O Gott, was für weltfremde Mitbrüder hast du mir beschert!

Indessen hat Maksymilian ein Buch in die Mitte des Tisches gerückt und ist aufgestanden. Er blickt schweigend in die Runde, von einem zum andern, wobei sich alle Brüder von ihren Stühlen erheben und mit einmal sehr feierliche Gesichter haben. Sogar Pignalberi zeigt etwas wie würdige Ergriffenheit.

Und jetzt kommt Maksymilian zum Thema des Abends: Er tut es in zeremonieller Manier, mit bedeutungsvoll verhaltener Stimme, hüstelt und schluckt mehrmals, bevor er beginnt.

Liebe Brüder! Ihr wisst alle, wozu wir uns in dieser Stunde hier versammelt haben. Wir wollen eine Gefolgschaft gründen, in der sich Menschen gleichen Geistes zusammenfinden, um wichtige christliche Anliegen in unserer Zeit zu verwirklichen. Damit soll ein Impuls zu einer Gemeinschaft gesetzt werden, die möglichst viele Menschen anspricht und erfasst, sodass sie eines Tages – eines ferneren Tages – die gesamte Erdbevölkerung umschließt! Vielleicht auch nur die Hälfte, man wird sehen …

Er schlägt den schweren unbedruckten Deckel des Buches auf und präsentiert die erste leere weiße Seite – in jungfräulicher Reinheit und Anziehungskraft liegt sie offen vor den Brüdern.

Bevor wir uns hier eintragen und für immer binden, möchte ich noch einmal die Statuten vorlesen, auf die wir uns geeinigt haben. Flink holt Maksymilian aus den Tiefen seines Habits ein Papierchen hervor, vollbeschrieben mit einer winzigen, kaum lesbaren Schrift. Im Licht der Kerze, die Pater Pal gefährlich nahe an das Dokument hält, kann er tatsächlich das meiste entziffern.

Römisch eins, Name:MILITIA IMMACULATAE. Auch Miliz der Unbefleckten Gottesmutter genannt. Abgekürzt:M.I.

Er blickt in die Runde. Jeder nickt und gibt sein Einverständnis.

Römisch zwei, Zweck: Die Rettung und Vervollkommnung des Menschen nach dem Vorbild und mithilfe der Immaculata, betreffend möglichst viele Menschen, einschließlich uns selbst.

Wieder überzeugt er sich, ob die andern zustimmen. Und wieder nicken die Köpfe. Nur Pignalberi hält sich zurück. Sein Gesicht hat einen nachdenklichen Ausdruck angenommen, den Maksymilian geflissentlich übersieht; in Sorge um einen unverzögerten Ablauf der Dinge, setzt er rasch fort:

Römisch drei, Bedingungen: Erstens: Völlige Bereitschaft, der Immaculata als selbstloses Werkzeug zu dienen. Zweitens: Die Wundermedaille tragen.

In diesem Moment wird er von Pignalberi durch ein heftiges Räuspern unterbrochen. Die Runde der Brüder wirft ärgerliche Blicke auf ihn und versucht, den Italiener durch Zischen und Kopfschütteln im Zaum zu halten.

Ist etwas nicht klar, Pig?! Mitbruder Biasi sagt es, und es klingt wie ein Hinauswurf.

Nicht ganz, denkt Pignalberi – denkt es, aber sagt nichts. Schon leicht hierarchisch diese Gefolgschaft, scheint mir. Lässt eigentlich gar keinen Einspruch zu. Es ist wie mit Gottes Willen: Entweder man gehorcht, oder man sündigt. Möge meine Kutte mir helfen, meine Natur zu bändigen …

Pig nickt nun zustimmend, man atmet auf, und Maksymilian fährt fort.

Römisch vier, Mittel: Erstens: Möglichst einmal am Tag sich an die Immaculata wenden mit der Bitte: O Maria, Gottesmutter, hilf uns, die wir uns zu dir bekennen, und allen, die sich noch nicht zu dir bekennen. Zweitens: Alle sonstigen Mittel, die sich aus der Situation sowie aus dem Geschick und der Klugheit des Einzelnen ergeben, besonders aber die Austeilung der wundertätigen Medaille.

Maksymilian hat fertiggelesen und lässt seinen Zettel im Ärmel seiner Kutte verschwinden. Da überkommt ihn ein Hustenanfall, der ihm für einen Moment fast den Atem nimmt. Mit Sorge bemerken die Brüder, dass sein Gesicht plötzlich kreidebleich geworden und eingefallen ist. Aber er fasst sich gleich wieder.

Wer sich zu diesen Statuten bekennt, der spreche jetzt laut seinen Namen und trage sich in dieses Buch ein.

Maksymilian schiebt das schwere Buch seinem Freund Pater Pal zu, der sich setzt und nach der Feder greift, die ihm Bruder Biasi beflissen und schreibfertig reicht.

Ich, Joseph Pal, bekenne mich zur M.I.!

Er sagt es mit seiner herben Stimme und unterschreibt. Dann blickt er ringsum auf die Zeugenschar, bevor er das Buch seinem Nebenmann weiterreicht.

Bruder Girolamo Biasi. Ich bekenne mich auch! Bevor er unterzeichnet, fügt er etwas dünkelhaft hinzu: Als Protokollführer.

Pignalberi starrt ihn an, und es rumort in ihm: Wie er das sagt! Er ist schon unkündbarer Beamter einer Weltorganisation …

Biasi setzt sein Signum wie gestochen, dann gibt er das Buch an die Nächsten weiter.

Bruder Anton Glowinski. Ich bekenne mich zur M.I.Und weiter: Bruder Enrico Granata … Bruder Anton Mansi …

Zuletzt liegt das Buch vor Pignalberi