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Zwei Jahrzehnte, zwei Koffer, ein Versprechen ... Es ist der Sommer 2001, ein Internat in den Highlands, Abschlussball. Hanna aus Berlin und der Schotte Neil sind Freunde. Als sie auseinandergehen, geben sie sich ein Versprechen: Sie werden einander immer Unterschlupf bieten, egal wann, egal unter welchen Umständen. Als Pfand für diesen Pakt behält Neil einen Notfallkoffer von Hanna, sie nimmt seinen mit nach Berlin. Schon bald beschleicht sie die Ahnung, dass neben Zahnbürste und Lieblingskleid auch ihr Herz in Schottland geblieben sein könnte. Doch dann schlägt das Leben zu: Man sieht sich zu selten und die Jahre vergehen, es gibt viele kleine Notfälle, aber nicht den einen Ernstfall, und der Koffer wird vom Ziel brennender Sehnsucht zum fernen Trost und schließlich zum Staubfänger auf dem Schrank. Bis einer vor der Tür des anderen steht … Eine herzerwärmende Geschichte über verpasste Chancen, übers Scheitern und Weitermachen, die Suche nach Heimat und diese eine Liebe. Wer auf Netflix die Neuverfilmung von David Nicholls Bestseller »Zwei an einem Tag« gesehen hat, wird diesen Roman lieben!
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Veröffentlichungsjahr: 2024
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Cover & Impressum
Zitat
Playlist
Erster Teil
SPÄTER
1999
Die Exkursion
23:30 Uhr
0:39 Uhr
1:42 Uhr
6:50 Uhr
Der Bibliotheksausweis
2001
Abschlussball
Der Notfallkoffer
Who the fuck is Alice
Berlin, Berlin
2003
Praktische Erfahrungen
Strip the Willow
2005
Alumnis
18:01 Uhr
18:55 Uhr
19:03 Uhr
20:55 Uhr
21:54 Uhr
22:30 Uhr
23:21 Uhr
23:22 Uhr
23:40 Uhr
23:41 Uhr
0:20 Uhr
2006/07
Gute Vorsätze
2007
Nach der Schonzeit
2010
Zweiter Teil
SPÄTER
2013
Das Geschenk
König Drosselbart
2014
Eine sehr lange Nacht
18 Uhr
20:30 Uhr
3:53 Uhr
6:08 Uhr
2016
Seine Regine
2018
Das Dinner
2019
Dritter Teil
BALD
2021
Brüche und Briefe
Ankunft
Bangen und Hoffen
Freibriefe
Lichterfelde
DANK
Neustart Kultur
Inhaltsübersicht
Cover
Textanfang
Impressum
Literaturverzeichnis
In twenty years from now, I’ll be the same
And you’ll be changing all the letters
In your maiden name
Oh, you’re thinking that we are one
But we’ll never be the same
Travis, Good Feeling (1997)
1999
Belle & Sebastian, We Rule the School
Wet, wet, wet, Maybe I’m in love
2001
Travis, All I want To Do Is Rock
Marlene Dietrich, Ich hab noch einen Koffer in Berlin
Seeed, Dickes B
2003
The Delgados, Woke from Dreaming
The Corries, The Flower of Scotland
Snow Patrol, Run
2005
Katie Melua, Piece by Piece
2006
Mia, Tanz der Moleküle
2007
Flowers of the forest
2010
Amy Macdonald, Your Time Will Come
2013
Emma Pollock, The Child in Me
Frightened Rabbit, Holy
2014
Annie Lennox, September in the Rain
2016
The Parlotones, Push Me to the Floor
2018
The Fratellis, I Am That
2019
Franz Ferdinand, Slow, Don’t Kill Me Slow
2021
Dota Kehr & Max Prosa, Für Einen
Hanna atmete erst auf, als sie mit der Bordkarte in der Hand an der Sicherheitskontrolle anstand. Nur eine Frau war noch vor ihr. Die Dame trug einen Hosenanzug und einen perfekt geföhnten Bob und strahlte die routinierte Ungeduld der Vielfliegerin aus. Sie selbst war länger nicht geflogen, und die Maschine ging zu nachtschlafender Zeit – dennoch war es wohl vor allem der Anlass ihrer Reise, der sie so flattrig machte.
Dabei war heute Morgen alles glatt gelaufen. Sie hatte den Wecker gehört und war sofort aufgestanden. Den Spuren des schwachen Moments gestern Abend, als sie ihren Tränen freien Lauf gelassen hatte, war sie mit Concealer und mehreren Lagen Wimperntusche beigekommen. Der Bus zum Flughafen war pünktlich gewesen, und der Mann am Counter hatte ihre Reservierung sofort gefunden. Nach dem Sicherheitscheck würde sie am Gate noch Zeit haben, einen Kaffee zu trinken, den startenden Flugzeugen hinterherzusehen und sich innerlich auf den Abend einzustellen.
Als sie an der Reihe war, zog sie ihren neu gekauften Blazer aus und legte ihn in eine der dafür vorgesehenen Kunststoffkisten. Dann hievte sie ihren Trolley auf das Rollband und sah ihren Sachen nach, die in dem kleinen Tunnel verschwanden.
Die Businessfrau vor ihr wurde nach dem Passieren des Bodyscanners aufgefordert, die Schuhe auszuziehen, und als sie ihre Loafer abstreifte, kam ein Loch am großen Zeh ihrer linken Socke zum Vorschein.
Hanna lächelte. Es war beruhigend zu sehen, dieses verborgene Loch in der geföhnten Fassade.
Sie passierte die Schleuse unbehelligt, aber der Securitymann am Ende des Förderbands winkte sie heran. Vor ihm lag ihr Trolley. »Bittemalöffnen.«
Sie überlegte, ob sie vergessen hatte, ihre Nagelschere aus dem Kulturbeutel zu nehmen. Unter dem ungeduldigen Blick des Mannes zog sie den Reißverschluss ihres Koffers auf und beobachtete dann, wie er das Instrument in die Hand nahm, das gleich obenauf lag.
»Das ist ein Dudelsack«, erklärte sie mit einem Lächeln, während sie wieder in die Ärmel ihres Blazers schlüpfte.
»Ja«, erwiderte er nur und wendete die an einem dunkelgrünen Samtbeutel befestigten Pfeifen in seiner Hand.
»Sorry, ich dachte nur … Weil Sie so skeptisch gucken.«
Der Mann beachtete sie nicht weiter, sondern nahm sein Funkgerät vom Gürtel und sprach etwas hinein, das sie nicht verstand.
Hanna sah auf die Uhr, aber es war immer noch genug Zeit. Boarding war erst in einer Dreiviertelstunde.
»Kofferbitteschließen.« Der Securitytyp legte den Dudelsack in eine der Kunststoffkisten.
»Was ist das Problem?«
»Das erklären Ihnen die Kollegen.« Er nahm die Kiste und bedeutete ihr, ihm zu folgen.
Verwirrt rollte sie ihren Trolley hinter sich her bis zu einer unauffälligen Tür, neben der ein Schild mit der Aufschrift »Zoll« angebracht war. Auf das Klopfen ihres Begleiters hin öffnete eine Frau in grüner Uniform, bedeutete ihnen hereinzukommen, und sie betraten ein kleines, künstlich beleuchtetes Durchgangszimmer mit einem Aktenschrank an der Wand und in der Mitte einem weißen Tisch mit zwei Stühlen. Der Sicherheitsmitarbeiter stellte die Kiste mit einer triumphalen Geste darauf ab, als wollte er sagen: Du glaubst ja nicht, was ich hier mal wieder entdeckt habe.
Dann ging er wieder, und Hanna war froh, als die Tür hinter ihm zufiel. Aus dem Nachbarzimmer drangen die Stimmen zweier Männer, die sich über die Tabellenplatzierung des Hertha BSC unterhielten, und der Duft von Kaffee. Flüchtig kam ihr der Gedanke, ob man ihr einen anbieten würde.
Die grün Uniformierte hatte einen kurzen, schwarz gefärbten Pony und an der Augenbraue zwei Einstichlöcher, in denen außerhalb der Dienstzeiten vermutlich ein Piercing steckte. Jetzt aber inspizierte sie nur kurz und sachlich das Corpus Delicti. »Diese Flöten hier sind aus Elfenbein«, stellte sie fest.
Während Hanna nickte, ging ihr auf, dass genau das wohl das Problem war. »Ist aber schon uralt«, erklärte sie. »Hab ich nicht selbst gejagt.«
Die Frau quittierte den Scherz mit einem Lächeln. »Glaube ich. Aber haben Sie dafür eine EG-Bescheinigung oder einen Altersnachweis?«
»Was, bitte?« Hanna stieg das Blut in die Wangen.
»Eine EG-Bescheinigung für den Handel mit Elfenbein oder einen Altersnachweis, der bestätigt, dass das Instrument vor 1947 gefertigt wurde«, präzisierte die Zöllnerin. »Haben Sie dann wahrscheinlich nicht?« Fast mitfühlend sah sie Hanna an.
»Nein, ich will die Pipe ja auch nicht verkaufen.«
»Mmh«, machte die Beamtin, öffnete den Aktenschrank, holte ein Klemmbrett mit einem Stapel Formulare heraus und legte es auf den Tisch. Dann zog sie einen Kugelschreiber aus ihrer Hemdtasche und bedeutete Hanna, sich zu setzen. »Ich bräuchte dann mal Ihren Pass, und hier notieren Sie bitte Ihre Ziel- und Heimatadresse.«
»Okay.« Ergeben nahm Hanna Platz, zog aus der Innentasche ihres Blazers erst das gewünschte Dokument und dann den Briefbogen aus dickem Papier, der ihr vor vier Monaten den finalen Dolchstoß versetzt hatte. Sie hatte gewusst, dass er kommen würde, aber doch bis zum letzten Moment nicht so richtig dran geglaubt. Auch jetzt noch, während sie die Adresse ihres Hotels im schottischen Cumnock abschrieb, vermied sie den Blick auf den Briefkopf, auf dem in violett geprägten Lettern die zwei ineinander verschlungenen Namen prangten. Sie hätte ein Zimmer im Schloss haben können, wo auch die Feier stattfand, aber sie hatte sich entschieden, wenigstens für die Nacht ein bisschen Distanz zwischen sich und das Brautpaar zu bringen.
Als sie fertig war, gab sie der Frau das Klemmbrett zurück und versuchte, in ihrem Gesicht zu lesen, wie das hier für sie ausgehen würde.
»Tut mir leid, aber wenn Sie weiterreisen wollen, werden wir den Dudelsack konfiszieren müssen.«
»Er gehört mir ja noch nicht mal!«
Ihr Gegenüber horchte auf. »Warum haben Sie ihn dann dabei?«
»Das ist ’ne lange Geschichte. Jedenfalls muss ich damit heute Abend ein Ständchen spielen, auf einer schottischen Hochzeit.« So ausgesprochen fand sie die Vorstellung selbst absurd. Wem wollte sie eigentlich was genau damit beweisen?
»Sie können das Ding spielen? Nicht schlecht!« Die Beamtin stützte ihre Hände flach auf die Tischplatte. »Also, es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder Sie nehmen Ihren Koffer und den Dudelsack und kehren nach Hause zurück, oder Sie boarden gleich und fliegen zu der Hochzeit, nur wird der Dudelsack dann leider hierbleiben müssen.«
»Das ist die Hochzeit meines besten Freundes«, versuchte Hanna es ein letztes Mal.
»Oh, wie in diesem Film mit Julia Roberts?«
»Ziemlich genau so«, bestätigte Hanna schwach. »Nur dass ich auf keinen Fall den Bräutigam küssen kann.«
Es war ein Dienstag im August, als sie das erste Mal miteinander sprachen und dann auch gleich die Nacht zusammen verbrachten. Wenn Neil nicht wegen seiner langen Beine auf dem Beifahrersitz platziert worden und Hanna nicht ganz hinten im Minibus gesessen und daher als Letzte ausgestiegen wäre, hätten sie sich kaum jemals näher kennengelernt. So aber stand Hanna damals auf dem Wanderparkplatz zwischen Glen Croe und Glen Kinglas rechts neben Neil, als Mr Drummond, ihr Fahrer, mit Zeige- und Mittelfinger seiner knorrigen, sommersprossigen Hand nacheinander auf je zwei Internatsschüler zeigte: »Ihr beide, ihr, ihr, und ihr zwei.« Solche banalen Zufälle sind es, die manchmal über ein ganzes Leben entscheiden. Oder zwei, in diesem Fall.
Während Neil am liebsten alleine losgegangen wäre, hatte Hanna eigentlich gehofft, mit dem Mädchen zusammen eingeteilt zu werden, mit dem sie sich gerade im Bus unterhalten hatte. Sie war erst seit zwei Wochen in Callander und befand sich noch in der aufregenden, aber auch etwas aufreibenden Phase des Beschnupperns und Positionierens, die jede kennt, die schon mal die Schule gewechselt hat.
Alice, die Tochter eines südenglischen Duftkerzenmagnaten, sollte mit der kleinen Kim Ling ein Team bilden und protestierte laut. »Och nö. Ich wollte mit Tabatha.«
»Keine Extrawürste. Ihr sollt sowieso nicht quatschen, sondern malen. Abendlicht und Perspektive, das sind die Stichworte, an die ich euch von eurer Kunstlehrerin erinnern soll. Um acht treffen wir uns wieder hier.« Bei den letzten Worten drehte Mr Drummond, der sonst als Pförtner der Callander Chambers Boarding School arbeitete, wieder Richtung Fahrertür ab.
Kim Ling lächelte betont gleichmütig und deutete mit dem Kinn in Richtung des grünen Tals, das unter ihnen lag.
»Meinetwegen gern«, sagte Alice.
»Hast du einen Plan?«, wandte Hanna sich an ihren Begleiter, der nur einmal scheu herübergesehen hatte und abzuwarten schien, bis sie ihn ansprach.
Als er sich ihr zuwandte, wirkte er, als hätte er zwar einen, wäre aber noch unsicher, ob er ihn mit ihr teilen wollte.
»Ich bin Hanna«, erklärte sie. »Falls du das nicht weißt. Ich bin neu. Wie du heißt, hab ich leider auch vergessen. Ich bin nicht so gut mit Namen.« Das stimmte nicht unbedingt, aber es klang netter. Sie mussten ja jetzt miteinander auskommen.
»Neil«, antwortete er. »Angenehm.« Er nickte ihr zu.
Hanna wunderte sich ein wenig über die gewählte Ausdrucksweise.
Er blickte auf ihre knöchelhohen Turnschuhe, dann fragte er: »Da lang?«
An der Stelle, auf die er deutete, war erst auf den zweiten Blick ein Trampelpfad zu erkennen, der über eine leichte Senke in den Berg hineinführte. »Okay«, sagte Hanna.
Während sie schweigend nebeneinander den Parkplatz überquerten, klaubten sie beide in Gedanken zusammen, was sie übereinander wussten. Sie über ihn: so gut wie nichts. Neben Kunst hatten sie nicht viele Fächer miteinander, genau konnte sie es nicht sagen. Die anderen riefen ihn mit irgendeinem wenig liebevollen Spitznamen, der ihr auch gerade nicht einfiel. Durch mehrere Schulwechsel hatte sie jedoch ein intuitives Sensorium für das Geflecht unter den Schülerinnen und Schülern entwickelt, und wenn sie sich die Oberstufe von Callander Chambers auf einer Schießscheibe vorstellte, wie sie im Sportkeller hing, dann befand sich dieser Junge – zu groß, zu dünn, zu schweigsam – ziemlich weit außen auf einer Eins oder Zwei.
Er hingegen wusste über sie, dass sie aus Deutschland war und so hübsch und normal, dass sich jeder weitere Gedanke an sie erübrigte. Mädchen wie sie redeten in Callander normalerweise nicht mit ihm.
Sie ließen den Parkplatz hinter sich, und bald wurde der Pfad so schmal, dass sie nicht mehr nebeneinanderlaufen konnten. Neil bedeutete Hanna mit einer höflichen Geste vorzugehen.
Es war einer dieser schottischen Sommertage, an denen man im T-Shirt fror, solange die Wolken vor der Sonne hingen, aber mit Pullover oder Jacke anfing zu schwitzen, wenn sie herauskam. Oder wenn man richtig in Bewegung geriet, so wie jetzt, da es bergan ging.
Nach einer Dreiviertelstunde, in der sie nur wenige Worte wechselten, wenn sie an einen Abzweig kamen, eröffnete sich hinter einer Kurve ein prachtvolles Panorama. Zwischen den schroffen Hügeln, über denen sich Wolkenformationen in Schattierungen von leuchtend weiß bis dunkelgrau auftürmten, lag lang gezogen das Tal, das in Teilen auch vom Parkplatz aus zu sehen gewesen war, nur war jetzt, von weiter oben, der Blick darauf spektakulärer. In seiner Mitte lag ein See, der von den vereinzelt durch die Wolkendecke brechenden Sonnenfinger zum Leuchten gebracht wurde wie der Zauberstein einer Fee. Über den Bach, der ihn speiste, führte eine moosüberzogene Bogenbrücke aus Bruchsteinen, die direkt aus den Untiefen der schottischen Geschichte zu kommen schien. Man sah die englischen Truppen in ihren roten Uniformen förmlich vor sich, wie sie in Zweierreihen zum Klang der Trommeln darübermarschierten, um die Vorherrschaft ihres Königs über die schottischen Clans zu sichern. Sie hatten noch gestern in Mrs Abbots Geschichtsstunde davon gehört.
»Das ist ja der Hammer!« Hanna blieb stehen und zog den Reißverschluss ihrer Windjacke auf.
Neil, der schon ein abgeklärtes »Nett« befürchtet hatte, atmete auf. Schließlich hatte er den Weg vorgeschlagen. Und darüber hinaus war das sein Land. »Da ist der ›Rest and Be Thankful‹«, erklärte er und zeigte auf den höchsten Punkt des Passes mit dem Parkplatz. »Der Name kommt von der Inschrift auf dem Stein, der dort für die erschöpften Reisenden aufgestellt wurde.«
»Ha, und ich hab gestern gedacht, als es hieß, heute stünde der ›Raste und sei dankbar‹ auf dem Programm, das wäre wieder einer der Sprüche, mit denen sie uns die richtigen Werte vermitteln wollen.«
»So wie der Slogan auf unserem Bus: ›Live, learn, grow‹?«
»Genau. Komisch eigentlich, dass sie nicht gleich ›Live, learn, lead‹ geschrieben haben. Das wär eine schöne Alliteration und würde gleich klarstellen, wozu wir ausgebildet werden.«
»Stimmt.« Er lachte und sah aus, als überraschte ihn das.
»Was ist dein Hausspruch?«
»Ich lebe nach dem Motto ›Das große Ziel der Bildung ist nicht Wissen, sondern Handeln‹. In Haus Spencer.«
»Ich Haus Yeats: ›Bildung bedeutet nicht, einen Eimer zu füllen, sondern ein Feuer zu entzünden.‹«
»Sind hier draußen wahrscheinlich nicht erlaubt.«
Hanna grinste. »Wollen wir uns trotzdem einen Platz suchen und unser Bild angehen?«
Er nickte. »Da vorn kannst du dich anlehnen.« Er wies auf einen Felsen.
»Du hast ihn zuerst gesehen.«
»Nein, der ist für dich.«
»Extra hier aufgestellt?«
»Extra hier aufgestellt«, bestätigte er und lächelte.
»Na dann.« Hanna gab gerne nach.
Sie öffneten ihre Rucksäcke, auf denen das Wappen des Internats eingestickt war: ein roter königlich-schottischer Löwe, der über ein Piktogramm des Schulgebäudes wachte. Je ein zerdrücktes Lunchpaket, eine Klappstaffelei, zwei Malkartons und eine Metallschachtel mit Ölkreiden waren darin.
Hanna klappte die Staffelei aus, stellte sie über ihren ausgestreckten Beinen auf, spannte den Karton ein und überlegte, wie sie ihr Bild angehen sollte. Ob sie Neil, der seitlich in ihrem Blickfeld saß, mit aufnehmen sollte, und wenn ja wie, sodass es der Komposition etwas gab.
Bei einem Casting, bei dem ein Darsteller für einen jugendlichen Sonderling gesucht wurde, hätte er die Rolle sicher, dachte sie, während sie ihn studierte, wie er unbequem über die kleine Staffelei gebeugt dasaß. Seine dunkelbraunen Haare sahen aus, als hätte er sich vor ein paar Monaten einfach den Kopf rasiert und sie dann wachsen lassen, jedenfalls waren sie hinten im Nacken genauso lang wie oben, eine seltsame Nichtfrisur. Das Brillengestell, das er sich zum Malen aufgesetzt hatte, machte die Sache nicht besser, und der beigefarbene Wollpullover, den er trug, stammte dem Schnitt der Ärmel nach zu urteilen noch aus den tiefen Achtzigern. Das alles war mehr als ungewöhnlich für einen Internatsschüler. Die meisten von ihnen demonstrierten schon jetzt mit teuren Polohemden ihren Führungsanspruch in der Wirtschaftswelt des neuen Jahrtausends. Wenn sie nicht gerade mit bunten Haaren und übergroßen Hosen gegen ihr Schicksal als reiche Erben aufbegehrten.
Neil sah auf, und sein Blick traf ihren.
»Ich überlege nur, ob du mit auf mein Bild kommst«, erklärte sie.
»Lieber nicht«, nuschelte er.
»Warum nicht? Ich glaube, ein Schotte fehlt hier noch in meinem Panorama. Du bist doch Schotte?« Neil sprach mit einem ausgeprägten schottischen Dialekt.
»Ich bin zwar Schotte, aber nicht so … der Musentyp.«
Hanna lachte. »Na gut, dann lass ich dich weg.« Betont streng sah sie auf ihr Blatt und öffnete schließlich die Schachtel mit den Kreiden. Sie waren noch ganz neu, nach Farben geordnet und sahen verlockend aus.
Seit sie in Callander war, war Hanna kaum zum Malen gekommen, obwohl sie sich eigentlich als junge Künstlerin verstand. Einmal hatte sie angesetzt, den Ausblick aus ihrem Zimmer in den Obstgarten zu zeichnen, aber dann war schon wieder ihre Mitbewohnerin mit zwei Freundinnen hereingekommen, und sie hatte das Gefühl gehabt, sie müsste sich mit unterhalten, um nichts zu verpassen.
Jetzt, während sie sich in den Ausblick vertiefte, überkam sie eine Ruhe wie schon seit Wochen nicht mehr. Die Abendsonne wärmte mit letzter Kraft, und nur der Wind war zu hören, wenn er durch die Gräser hauchte, hin und wieder ein unsichtbarer Vogel und schließlich die Kreide auf dem Karton. Sie übertrug die zwischen einem metallischen Braunrot und einem samtigen Dunkelgrün changierenden Oberflächen der Berge aufs Papier, verwischte sie mit dem Finger, verglich, legte einen Farbauftrag nach, verwischte wieder und so weiter, bis sie zufrieden war und zum nächsten Bildteil überging.
Als Neil einmal zu ihr hinübersah, während er seinen Rücken streckte, schien sie ihm gleichermaßen vollkommen entspannt und hoch konzentriert. Ihr Mund war leicht geöffnet, während ihre Augen hin und her wanderten und ihre Fingerkuppen über den Karton strichen. Irgendwie empfand er den Anblick, wie sie so versunken arbeitete, als intim. Er sah erst weg, dann verstohlen wieder hin.
Unterhalb ihres linken Auges prangte ein grüner Fleck, wo sie sich mit den Kreidefingern ins Gesicht gefasst hatte. Sie hatte eine kleine, etwas gerötete Nase, und ihre Wangen sahen sehr weich aus. Ihr Haar war zu einer komplizierten Frisur geflochten, die am Hinterkopf in einem blonden Puschel mündete. Wie lange sie wohl morgens dafür brauchte?
»Wow«, meinte Hanna irgendwann und lockerte ihre Beine. »Das hat mich jetzt richtig weggebeamt.«
Neil grinste.
»Was denn, hab ich gespeichelt?« Hanna lachte und fuhr sich scherzhaft mit dem Handrücken über den Mundwinkel.
»Nur fast.«
»Ich bin sonst gar nicht so der Naturfreak, aber hier … Ich weiß nicht, was es ist. Es ist irgendwie …« Der Satz hing in der Luft.
»… wie es ist«, sagte er.
Sie sah ihn an. »Genau. Genau so ist es. Es ist, wie es ist.«
»Die Berge hier wissen das. Früher mal waren sie von Wald überzogen.«
»Echt, und wo ist der hin?«
»Die Engländer sind gekommen und haben Schiffe für ihre kolonialen Feldzüge daraus gebaut, und dann haben sie auch noch Massen an Schafen angesiedelt, die alles weggefressen haben. Mal so zusammengefasst.«
»Krass. Die Engländer wieder.« Sie kannte die schottisch-englische Rivalität vom Fußball her.
»Genau. Haben alles plattgemacht.« Er grinste verhalten.
»Aber ihr habt was draus gemacht, das muss man sagen. Ich meine, guck dir nur mal diese Farben an.«
»Hellbraun. Dunkelbraun. Und Grün«, sagte er ironisch.
Sie ließ sich nicht darauf ein, was ihn insgeheim freute. »Und Blau. Und Silbern«, schwärmte sie, griff nach der weißen Kreide und verstärkte noch mal einen der Lichtreflexe auf dem See.
»Bald nicht mehr so blau. Von Westen her zieht es sich zu.«
Hanna lächelte. Dass es außerhalb von maritimen Kinofilmen Menschen gab, die Sätze mit »von Westen her …« begannen, hatte sie auch noch nicht gewusst.
»Was ist daran witzig?«
»Gar nichts. Du scheinst einen guten Draht zur Natur zu haben. Zeig doch mal dein Bild!«
Er drehte es in ihre Richtung.
Hanna legte ihre Kreide in die Rille in der Schachtel zurück, stellte die Staffelei zur Seite und stand auf, um es von Nahem zu betrachten.
Es war eine brave, naturgetreue, aber nicht unzulängliche Arbeit. Die Vorzeichnung verriet, dass Neil die Perspektiven gut erfasste. Sicher würde er ein A oder B dafür bekommen. »Kompliment«, sagte sie. »Du hast es drauf. Willst du meins auch sehen?«
»Klar«, sagte er, und sie zeigte es ihm bereitwillig.
»Das sieht richtig nach Kunst aus.«
»Danke!«, erwiderte Hanna selbstbewusst. »Du … weißt du was?« Ein Gedanke, der ihr vorhin schon gekommen war, drängte jetzt zur spontanen Umsetzung. »Ich geh noch mal etwas weiter den Berg da rauf und integriere eine zweite Perspektive in das Bild.«
»Kapier ich nicht, und ich glaube, bei Mrs MacMillan riskierst du damit dein A.«
»No risk, no fun«, sagte Hanna und räumte ihr Material zurück in den Rucksack.
»Bleib bloß nicht zu lange. Also … nur, weil …«
»Schon klar, von Westen her zieht es sich zu.« Sie grinste ihn an, dann ging sie.
Als sie weg war, fühlte Neil sich zunächst seltsam zurückgelassen, dann jedoch arbeitete er effizienter als zuvor an seinem Bild, bis es zunehmend nach Regen aussah. Die Sonne war hinter einer dichten Wolkendecke verschwunden, und man hätte meinen können, es dämmerte schon, dabei war es erst halb sieben. Das Tal starrte jetzt dunkel und abweisend zu ihm herauf. Vor etwa einer Dreiviertelstunde hatte er einmal Alice und Kim Ling von Weitem gesehen und einen Teufel getan, sich bemerkbar zu machen. Jetzt aber war auf den Wegen keine Menschenseele mehr unterwegs.
Zum wiederholten Mal sah er auf seine Armbanduhr. In einer guten Stunde wurden sie von Mr Drummond auf dem Parkplatz erwartet. Hanna sollte wirklich langsam zurückkommen. Oder hatte er sie falsch verstanden, und sie hatte gar nicht zurückkommen, sondern gleich zum Parkplatz gehen wollen? War er jetzt der Dumme, wenn er hier wartete, während Hanna querfeldein auf einige der anderen gestoßen und schon mit ihnen zurückgewandert war? Vielleicht klärten Alice und Co. sie just in diesem Moment darüber auf, was für ein peinlicher Typ er war.
Er war mittlerweile seit einem Jahr in Callander, und das nicht freiwillig. In den ersten Wochen, er war damals fünfzehn gewesen, hatte er solche Sehnsucht nach seinem verlorenen Zuhause gehabt, dass er mehrere Male im Unterricht zu weinen begonnen und sich daraufhin immer mehr zurückgezogen hatte. Seine Strategie in den folgenden Wochen: einfach nicht antworten, wenn er fürchtete, sonst wieder heulen zu müssen. Mrs Carstens wollte in Englisch wissen, ob er schon mal das Geburtshaus des schottischen Nationaldichters Robert Burns besucht habe, er komme doch aus der Gegend. Schon bei dem Gedanken an seine Antwort spürte er dieses würgende Stechen im Rachen als Vorbote der Tränen. Also schluckte er, schwieg und sah an Mrs Carstens vorbei aus dem Fenster. Nach einigen Sekunden, die sich wie eine Ewigkeit anfühlten, zuckte sie die Achseln, ließ von ihm ab und fuhr mit dem Unterricht fort. Ging doch. Sein Banknachbar fragte ihn nach seinem Lieblingsfußballverein. Neil fürchtete, den Namen des Clubs, in dem er früher mal bei den C-Junioren gespielt hatte, nicht tränenfrei über die Bühne zu bekommen, und blieb die Antwort schuldig. Das mit dem Weinen legte sich, schweigsam und zurückgezogen blieb er jedoch.
Er war von den anderen zwar nie im Papierkorb gefesselt worden, und man hatte ihn auch nicht für wert erachtet, eines der verbotenen Aufnahmerituale an ihm zu vollziehen. Abgesehen von gelegentlichen groben Witzchen über seinen Vater, seinen Dialekt oder seine dörfliche oder sonst wie seltsame Art ließ man ihn eigentlich in Ruhe. Doch er war nie richtig in Callander angekommen, jedenfalls nicht als der Junge, der er früher gewesen war.
Plötzliche Windböen, wie sie einem Gewitter oder kräftigen Regenguss vorausgehen, machten das Malen auf der Staffelei unmöglich, und er packte ein. Mit lustlosen Bissen verschlang er noch das labbrige Schinken-Käse-Sandwich aus dem Lunchpaket, während seine Augen immer wieder die Umgebung absuchten.
Hanna könnte auch gestürzt sein, überlegte er, oder sie war einem Mann begegnet, der auf genau so eine Situation gelauert hatte … Er erinnerte sich an eine entsprechende Schlagzeile von vor ein paar Monaten. Der Gedanke war widerwärtig und hinterließ ein beklemmendes Gefühl.
Er würde ihr den Berg hinauf folgen. Vielleicht saß sie ja auch gleich hinter der nächsten Kurve.
Doch so war es nicht. Er lief zurück und nahm sich einen leeren Karton. Liebe Hanna, schrieb er.
Dann riss er das Liebe Hanna ab, stopfte es sich in die Hosentasche und begann von Neuem: Hi Hanna, ich sehe gerade nach, ob du noch hier irgendwo bist. Warte hier oder geh einfach schon zum Bus, wie es dir lieber ist.
Er ließ den Karton aus dem Reißverschluss seines Rucksacks herausragen, legte den Rucksack gut sichtbar auf den Stein, an dem Hanna vorhin gelehnt hatte, und machte sich erneut auf in die Richtung, in die sie verschwunden war. Er überlegte, ob er nach ihr rufen sollte. Aber wenn ein Fremder sie festhielt, würde er ihn damit nur auf sich aufmerksam machen und seinen Vorteil verspielen – an dieser Stelle rief er sich zur Ordnung. Das war ja lachhaft und er kein kampferprobter Highlander aus einem historischen Roman, der seiner Jungfrau zu Hilfe eilte. Mal davon abgesehen, dass Hanna bestimmt keine Jungfrau mehr war.
Es begann zu nieseln.
Er kam an eine Gabelung und vermutete, dass Hanna den linken, dem Tal zugewandten Pfad genommen hatte. Der Weg war uneben. Er musste aufpassen, wo er hintrat, und gleichzeitig nach unten schauen, ob Hanna mit verstauchtem Knöchel irgendwo lag.
Nach zwei weiteren Abzweigen sagte er sich, dass es keinen Sinn mehr hatte, und drehte um. Er glaubte nicht, dass sie so weit gelaufen war. Und wenn er selbst rechtzeitig zur Abfahrt am Parkplatz ankommen wollte, musste er sich beeilen.
Der Regen wurde dichter, Neil begann zu joggen, so schnell der Untergrund es erlaubte, und bereute, dass er seinen Rucksack an der Aussichtsstelle zurückgelassen hatte. Jetzt musste er wohl oder übel noch mal dort vorbei und konnte nicht auf direktem Weg zum Parkplatz zurückgehen.
Kurz darauf hörte er das Rufen.
»Neil!«
Hanna. Von oben. Er ließ seinen Blick über den Berg schweifen, und da war sie, hockte mit aufgesetzter Kapuze ein Stück oberhalb des Wegs, neben ihr der Rucksack.
»Bist du verletzt?«, rief er.
»Nein, ich hab mich nur verlaufen. Warte, ich komm zu dir runter.«
Sie lief den Hügel hinunter, und eine kleine Lawine aus Geröll folgte ihr. Ihre Wimperntusche war vom Regen verschmiert, und einige aus der Frisur gerutschten Haare klebten in ihrer Stirn, als sie vor ihm stand und erklärte: »Irgendwann hab ich eingesehen, dass ich nicht mehr zurückfinde, und mich wegen der besseren Übersicht da oben hingehockt und auf dich gewartet.«
Ein eigenartiges Hochgefühl überkam ihn. »Und wenn ich nicht gekommen wäre?«
»Ich dachte mir irgendwie, dass du kommst.«
Er war sich nicht sicher, ob das für ihn sprach oder gegen ihn. »Ich muss noch meinen Rucksack holen – willst du schon allein zurück zum Parkplatz gehen?«
»Auf keinen Fall. Ich weiche dir nicht mehr von der Seite.«
Er lächelte und drehte sich schnell um, damit sie es nicht sah. »Dann mir nach«, sagte er laut, um Regen und Wind zu übertönen, und stapfte los. Hanna folgte ihm.
Eine halbe Stunde später hätten sie den Rucksack längst erreichen müssen. Doch nicht einmal mehr das Tal war zu sehen, und das, was unter ihren Füßen zunächst noch wie ein Trampelpfad gewirkt hatte, war auch nicht mehr zu erkennen. Vom Boden stieg ein brackiger Geruch auf. Neil bahnte ihnen den Weg jetzt selbst durch die harten kniehohen Gräser, die auf dem sumpfigen Grund wuchsen. Die Jeans klebten nass an ihren Oberschenkeln, und hinter jeder Kurve erschien, verhüllt von grauen Regenbändern, nur dieselbe Hügellandschaft im schwindenden Tageslicht. Sie hatten es zwar noch nicht ausgesprochen, aber jedem für sich war ihnen inzwischen klar, dass sie sich verirrt hatten.
»Es ist schon zwanzig nach acht«, rief Hanna. »Falls Mr Drummond überhaupt auf uns gewartet hat, dann ist er es inzwischen sicher leid.«
»Bleibst du kurz hier? Ich prüfe noch mal die Lage hinter dem Hügel da vorn.«
Hanna sah ihm nach, wie er sich mit seinem eigentümlich aufrechten, fast etwas tänzerischen Gang entfernte und fragte sich, ob er vielleicht schwul war. Auch weil er so höflich sprach.
»Leider nichts«, erklärte er, als er zurückkam, mit einem Gesichtsausdruck, als wäre das seine Schuld. »Ich kenn mich hier leider auch nicht so gut aus. Nur diesen Weg vom Parkplatz aus kannte ich, weil ich mal die Ferien bei Freunden in der Gegend verbracht hab.«
»Ich war doch die, die so blöd war, allein loszuziehen. Tut mir echt leid. Wenn ich nicht weggegangen wäre, säßen wir jetzt gemütlich im Bus auf dem Weg nach Hause.« Nach kurzem Schweigen setzte sie hinzu: »Oder jedenfalls ins Internat.«
Neil wurde plötzlich klar, dass auch ein potenzielles Premier-League-Mädchen wie Hanna sich in den ersten Wochen auf einer neuen Schule fremd fühlen musste. »Ich hätte dich davon abhalten müssen. Ich weiß doch, dass hier ein Hügel wie der andere aussieht und man sich leicht verirren kann«, sagte er sanft.
»Ich hätte mich sowieso nicht abbringen lassen … Meinst du, die suchen uns?«
»Bestimmt.« Sicher war er sich nicht.
»Wie kalt wird es denn hier nachts?«
»Vielleicht 9 oder 10 Grad.« Neils Tonfall nach zu schließen, war auch das auf sein persönliches Versagen zurückzuführen.
»Noch ist es ja nicht so weit. Und zumindest mir macht der Regen auch gar nichts mehr aus, seit ich sowieso bis auf die Knochen durchnässt bin.« Sie versuchte sich an einem aufmunternden Grinsen, doch dann überlief sie ihren Worten zum Trotz ein Frösteln.
»Siehst du, du frierst!«, stellte Neil fest, und noch ehe sie protestieren konnte, hatte er sich seinen Pullover über den Kopf gezogen und hielt ihr das schwach nach Schafswolle riechende Ding vor die Nase.
Wie ein dickes, nasses Lamm, das er für mich gejagt hat, dachte sie.
An ihm selbst klebte jetzt allerdings nur noch das T-Shirt von irgendeinem Sportteam, das sie nicht kannte, die Farben von der Dämmerung verschluckt. Es war ihm zu kurz und reichte nur knapp bis zu der Jeans, die ihm auf den schmalen Hüften hing.
»Wenn du erfrierst, habe ich auch nichts davon«, sagte Hanna und machte keine Anstalten, den Pullover entgegenzunehmen. Sie spürte das kalte Rinnsal, das aus ihren Haaren unter der Jacke ihren Rücken hinunterlief, und sehnte sich plötzlich schmerzlich nach Berlin.
Wenn das Leben nach Plan gelaufen wäre, würde sie jetzt vielleicht im warmen Licht der Abendsonne an dem Graffiti arbeiten, das sie in ihrem Zimmer in der Schöneberger Wohnung auf die große Wand gegenüber ihrem Hochbett hatte sprayen wollen. Auf dem Fensterbrett säße der schöne Sean, mit dem sie in diesen Sommerferien vor der Eisdiele am Nollendorfplatz angebandelt hatte. Er würde den Rauch seiner selbst gedrehten Zigarette in den Abendhimmel blasen und charmant darum betteln, dass sie bitte nackt malen solle. Aber ihr Leben war dem Plan ihrer Eltern gefolgt. Und so stand sie stattdessen mit diesem aus der Zeit gefallenen Gentleman im strömenden Regen mitten im schottischen Nirgendwo.
Nachdem Neils Kopf wieder im Halsausschnitt seines Pullovers erschienen war, liefen sie weiter. Ihre Lage konnte noch einigermaßen prekär werden: Unter Umständen würde es die ganze Nacht durchregnen, und hier waren, in welche Richtung man auch blickte, nichts als Berge. Kaum Bäume, unter denen man Schutz suchen konnte, höchstens mal ein Farn oder Felsen, hinter dem sie dem Wind nicht ganz so stark ausgesetzt wären. Es war beinahe dunkel, und sie hatten nur einen nutzlosen Rucksack mit Malutensilien bei sich. Kühe auf der Weide drängten sich in solchen Nächten aneinander und wärmten sich gegenseitig, aber Neil und sie? Falls es so weit käme, wäre es vielleicht gar nicht so verkehrt, sollte er schwul sein.
Doch dann schälte sich wie ein Geisterschiff auf hoher See ein kleines Haus vor ihnen aus der Dunkelheit.
»Wow, siehst du das auch?«, stieß Hanna überrascht hervor.
Neil, der ein permanentes Zittern nicht unterdrücken konnte, seit er vorhin kurz seinen Pullover ausgezogen hatte, wäre vor Erleichterung am liebsten auf die Knie gefallen. »Vielleicht eine Wunschhütte, die sich nur den Wanderern mit dem reinen Herzen zeigt.«
»Du glaubst an Märchen?«
»Gerade schon. Warte hier, ich geh mal drum herum. Vielleicht ist auf der Rückseite irgendwo Licht.«
»Und ich gucke, ob ich eine Klingel finde.« Hanna fuhr mit der Hand über das nasse, moosige Mauerwerk, bereit, sie sofort wegzuziehen, falls sie auf etwas Ekelhaftes stoßen sollte, eine Fledermaus oder einen regenweichen Kokon halb fertiger Krabbeltiere. »Jedenfalls ist die Wand aus Stein und nicht aus Pfefferkuchen. Also wohnt sehr wahrscheinlich auch keine Hexe hier, die uns in einen Käfig sperren will«, plauderte sie weiter gegen das mulmige Gefühl an, das sich nach der ersten Erleichterung einstellte.
Neil fand geschlossene Fensterläden und seltsamerweise auf der Rückseite ein Dixie-Klo.
»Neil? Falls jemand hier sein sollte – vielleicht fragst lieber du nach dem Telefon, ich meine, weil du ja auch Schotte bist …«, rief Hanna mit dünner Stimme. Aber es schien ohnehin weder eine Klingel noch eine Glocke oder einen Türklopfer zu geben.
»Klar, mach ich. Obwohl dein Englisch tadellos ist«, meinte Neil, als er wieder neben ihr auftauchte.
Hanna atmete auf, am liebsten hätte sie jetzt seine Hand genommen. »Ich war die letzten Jahre in Vancouver auf der Schule. Mein Vater ist Diplomat«, erklärte sie und klopfte zaghaft gegen die Tür.
Als sich nichts rührte, klopfte sie noch einmal lauter. »Und warum bist du in Callander?«
»Ach, wir mussten letztes Jahr umziehen, und da meinte mein Vater, das wäre ein guter Moment, um auf eine bessere Schule zu wechseln.«
Hanna konnte Neils Gesicht nicht sehen, aber ihr fiel auf, wie ausweichend er formulierte. Sie nahm sich vor, später nachzuhaken. Dann hämmerte sie ein weiteres Mal gegen die Tür.
»Scheiße!«, stieß sie hervor, als von drinnen immer noch kein Geräusch zu vernehmen war. »Und ich hatte schon gehofft, heute Nacht doch noch ins Bett zu kommen.«
»Darf ich mal?«, fragte Neil dicht neben ihr, griff nach der Türklinke und drückte sie herunter. Leise quietschend ging die Tür nach innen auf.
»Krass.« Hanna hielt den Atem an und hielt sich direkt hinter Neils Schafspullover, als er hineinging. »Und wenn jetzt einer kommt …? Oder vielleicht ist ja doch jemand hier«, flüsterte sie.
»Hallo?«, sagte Neil laut in das Dunkel hinein und blieb stehen. »Jemand da?«
Sie warteten auf eine Reaktion, aber es kam keine. Es roch muffig, nach klammen, alten Stoffen, außerdem hing ein Hauch kalter Asche in der Luft.
»Es gibt in den Highlands Ehrenamtler, die sich um die Instandhaltung alter Hütten kümmern, damit Wanderer bei Regen irgendwo unterkommen. Vielleicht ist das hier –« Krachend stieß er gegen einen Gegenstand.
Hanna schrak zusammen, aber als sie merkte, dass er nur gegen einen Stuhl gelaufen war, stellte sie ihren Rucksack ab. »Licht wäre gut.«
Zwanzig Minuten vergingen, bis sie in einer Schublade eine Taschenlampe fanden. Ihr Lichtkegel war schon schwach, als Hanna sie einschaltete, aber immerhin sahen sie jetzt, was sie vorher nur hatten ertasten können: Die Hütte bestand aus einem einzigen Raum mit einem gemauerten Kamin, neben dem etwas Feuerholz lagerte. Es gab einen Holztisch mit vier Stühlen, und in einer Nische standen längs der Wände zwei mit dünnen Matratzen belegte Pritschen, außerdem ein modernes zusammengeklapptes Feldbett, dem jedoch die Auflage fehlte. An den kleinen Fenstern hingen fleckige, mit englischen Rosen bedruckte Vorhänge und überall in den Ecken Spinnweben.
Doch weil sich ein Rest Wärme der vergangenen Sommertage in dem Gemäuer gehalten hatte, der Regen nur an einer mit einem Eimer gesicherten Stelle hineintropfte, und Neil und Hanna sechzehn und siebzehn Jahre alt und nach fast drei Stunden im Regen ohnehin nicht anspruchsvoll waren, entlockten ihnen die weiteren Entdeckungen im zunehmend schwächeren Lichtkegel der Taschenlampe einen euphorischen Ausruf nach dem anderen.
»Haferkekse! Oh, seit 12/98 abgelaufen, aber egal …«
»Eine Tütensuppe!«
Und dann: drei Teelichter und eine Packung langer Streichhölzer ganz oben in einem der Hängeschränke über der winzigen Küchenzeile sowie eine gefüllte Petroleumlampe an einem Haken über der Tür.
Nachdem Neil die Lampe entzündet hatte, trug er sie zur Feuerstelle. »Mal sehen, wie der Kamin zieht«, meinte er, schichtete einige der Hölzer zu einer kleinen Pyramide auf, sah sich suchend um und wandte sich schließlich an Hanna. »Hast du noch Malkartons übrig?«
Sie legte ihren Rucksack auf den Tisch in der Mitte des Raums und öffnete ihn. Es war Wasser eingedrungen, aber die Papiere, darunter ihr multiperspektivisches Landschaftsbild, hatten nur an den Rändern etwas abbekommen. Vorsichtig nahm sie ihr Werk heraus und legte es zum Trocknen auf den Tisch, dann riss sie von einem der Ersatzkartons die feuchten Stellen ab und reichte den Rest Neil, der derweil aufgestanden war und ihr Bild betrachtete.
»Interessant«, sagte er. »Toll.« Er fand eigentlich, dass Hannas zweite Perspektive, wie sie es genannt hatte, seltsam aussah. Aber was wusste er schon.
»Danke«, antwortete Hanna mit Stolz in der Stimme.
Irgendwie gefiel es ihm, dass sie nicht bescheiden abwiegelte, sondern offen zeigte, dass sie einiges von ihren Fertigkeiten hielt.
Er kniete sich wieder vor den Kamin und riss den Karton in Stücke, die er zusammenknüllte und unter das aufgeschichtete Holz schob. Dann hielt er eines der Streichhölzer an den Karton. Er fing Feuer, und bald griffen die Flammen auf die Scheite über.
Hanna hatte sich neben ihn gesetzt und sah zu. Eine Weile starrten sie beide in die Flammen und spürten die aufsteigende Wärme an ihren Gesichtern.
»Der Rauch zieht ab«, meinte Neil. »Bald haben wir es warm.«
Hanna nickte und wies auf die nassen Flecken unter ihnen auf dem Fußboden. »Wir sollten mal aus unseren Klamotten raus.«
Sie stand auf und öffnete den Schrank, in dem Decken aus Wolle oder Fleece und ein eingerollter Schlafsack lagen.
Neil sah ihr nach, der Haarpuschel an ihrem Hinterkopf hing jetzt platt herab.
Hanna strich in der Präsentationsgeste einer Verkaufschannel-Moderatorin über die Faltkanten der Decken und verkündete: »Voilà, unsere neuen Mehrzweck-Bademäntel!« Dann nahm sie die oberste und hängte sie mithilfe dreier Wäscheklammern an die quer durch den Raum gespannte Leine. Vermutlich waren sie wirklich nicht die ersten nass geregneten Wanderer, die hier unterkamen. »Bitte nicht durch die Mottenlöcher spannen«, wies sie Neil an.
»Ich kann auch rausgehen.« Er machte Anstalten aufzustehen.
»Bist du verrückt?«
Neil antwortete nicht und ließ sich auf den kalten Steinboden zurücksinken. Sein Fuß begann rhythmisch auf die Fliesen zu tippen. Er hörte hinter der Decke das Platschen nasser Kleidungsstücke, die auf den Boden fielen, und betrachtete seine Hände, die ihm groß und fremd vorkamen. Als er einmal seinen Blick hob, sah er unterhalb der Decke Hannas Füße und ihre erstaunlich muskulösen Waden.
»Warte, ich hänge noch eben meine nassen Sachen auf, und dann kannst du.«
»Lady Campbell«, sagte er spontan, als sie wieder zum Vorschein kam, eine Decke wie ein Saunatuch unterhalb der Achseln festgesteckt.
»Was?«
»Äh … ich meinte nur, dass du jetzt in den Tartan des Campbell-Clans gekleidet bist.«
Hanna sah an sich hinab. »Tartans sind diese Schottenkaros, oder?« Sie hielt ihr provisorisches Kleid aus Fleece oben an der Einsteckstelle fest und befestigte mit der anderen Hand etwas umständlich ihre nassen Klamotten an der Leine. Die Unterwäsche legte sie auf einen der Stühle und schob ihn beiseite.
Neil rieb über einen unsichtbaren Fleck auf seiner Jeans und flüchtete sich in sein Geschichtswissen. »Genau, Königin Victoria hat ihn im 19. Jahrhundert im ganzen Königreich bekannt gemacht. Es gibt sogar ein Wort dafür: die Tartanisierung. Schloss Balmoral, der schottische Sommersitz der Queen, ist noch aus der Zeit komplett mit Karos ausgekleidet. Inzwischen gibt es allerdings, wie wir hier sehen, sogar Tartandecken aus billigem Fleece in Ein-Euro-Shops.«
»Beleidige mein Kleid nicht.« Hanna tat empört und warf ihm die zweite Fleecedecke aus dem Schrank zu. Dann verschwand sie wieder hinter ihrem Raumteiler.
Nachdem er sich so schnell ausgezogen hatte, wie die am Körper klebenden Klamotten es erlaubten, probierte er zunächst, die Decke ebenso wie Hanna unter den Achseln festzustecken. Als er an sich herabsah, kam er sich allerdings so blöd und weibisch vor, dass er beschloss, sie sich lieber um die Hüften zu binden und das Risiko einzugehen, dass er wieder den Highlander spielte, ohne die Figur dafür zu haben. »Ich kümmere mich dann mal um unser Betthupferl«, sagte er, warf mit steifen Bewegungen Jeans, T-Shirt und Pullover über die Wäscheleine und vermied es, Hanna dabei anzusehen. Dann ging er zur Küchenzeile hinüber, dankbar, dass sie die Gelegenheit ungenutzt verstreichen ließ, einen Witz über Schottenröcke und die Frage nach dem Darunter zu machen.
In den Schränken entdeckte er noch einen Vorrat an schwarzem Beuteltee, Zucker und neben der Scheuermilch im Unterschrank eine halb volle Flasche Whiskey. Todesmutig nippte er daran – es war wirklich Whiskey. Er füllte einen Kessel mit Wasser, den man in einer entsprechenden Vorrichtung über das Feuer hängen konnte.
Hanna hatte sich auf einem der Betten ausgestreckt und beobachtete ihn. Sie fand, dass er eigentlich ganz niedlich aussah, wie er so in seinem Schottendress vor sich hin arbeitete. Er war sehr dünn und seine Haut schneeweiß, aber sein Rücken hatte eine schöne Form. Wie er wohl auf die Frage reagieren würde, ob er ihr für einen Akt Modell stünde? Sie lachte in sich hinein.
Laut sagte sie nach einer Weile: »Bestimmt haben sie schon unsere Eltern benachrichtigt, und die machen sich Sorgen.«
»Mein Vater nicht. Der wird nur in den Hörer brummeln, dass sie mir Hausarrest geben sollen, sobald ich wieder auftauche.«
»Meine Mutter nutzt wahrscheinlich die Gelegenheit, meinem Vater die Hölle heiß zu machen, und verlangt von ihm, dass er kraft seines Amtes als deutscher Konsul die Polizei unter Druck setzt, sofort eine Hundertschaft loszuschicken. Plus Hubschrauber.«
»Das wird peinlich, wenn die hier ankommen«, erwiderte Neil trocken.
»Es wird auch nicht klappen. Mein Vater hat so einen starken deutschen Akzent, dass man ihn kaum versteht. Und im Internat? Meinst du, da kriegen wir Ärger?«
»Keine Ahnung. Was hätten wir anderes tun sollen? Allerdings …«
»Was?«
Er zögerte. »Die Regeln bezüglich Jungs und Mädchen sind in Callander ziemlich streng …« Hätte er bloß nichts gesagt, das hörte sich ja an, als würde er denken … Es war so, dass die Hausordnung sexuelle Kontakte unter Schülerinnen und Schülern verbot und Zuwiderhandlungen zum Ausschluss von der Schule führten.
»Stimmt. Hab ich ja erst kürzlich unterschrieben. Und mich sehr gewundert. Warum ist das eigentlich so? Ob sie glauben, dass uns das zu sehr vom Lernen ablenken würde?«
Neil kontrollierte das Wasser im Kessel. »Vielleicht auch das. Aber hauptsächlich geht es wohl um die möglichen Folgen.«
»Du meinst: Babys?«
»Ich meinte den Einbruch der Nintendo-Aktie.«
Sie musste kurz überlegen, bis sie begriff, dann lachte sie.
»Okay, ich meinte Babys«, gab er zu und blies ein paarmal ins Feuer.
»Das leuchtet ein. Aber wir machen ja nix.«
Neil spürte einen kleinen Stich. Natürlich hatte er nicht wirklich daran geglaubt, aber als eine vage körperliche Eingebung war ihm die Idee durchaus gekommen. Allerdings beliefen sich seine Erfahrungen auf dem Gebiet auf eine Knutscherei am Rande der Highland Games vor zwei Jahren, die überfallsartig hinter dem Festzelt von Mhairi McArran aus der Parallelklasse inszeniert worden war. Er hatte wenig mehr dazu beigetragen, als sich nicht zu wehren.
Als das Wasser heiß war, verteilte er es auf vier Tassen, je zwei für die Suppe und den Tee mit Whiskey. Dann riss er die Packung mit den Haferkeksen auf und legte jedem ein paar auf einen Teller.
Hanna erhob sich von ihrer Pritsche, stellte eins der Teelichter auf den Tisch, zündete es an und schob sich und Neil je einen Stuhl für die Füße zurecht. »Eigentlich ist es richtig heimelig jetzt.«
Die trockene Hitze aus dem Kamin erfüllte inzwischen den ganzen Raum. Der Whiskey wärmte von innen und verstärkte vielleicht noch dieses Glücksgefühl, das auf eine missliche Lage folgt, der man entkommen konnte.
