Die Tierschutzbande - Winnie Bürger - E-Book

Die Tierschutzbande E-Book

Winnie Bürger

0,0
3,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Die Tierschutzbande ist ein Buch über sechs Freunde, die sich dafür einsetzen, dass Tiere ein schönes und artgerechtes Leben haben. Ihr Einsatz macht dabei vor keinem Thema halt: sei es Insektensterben, illegaler Welpenhandel, das Leben der Zirkustiere oder die Haltung sogenannter Nutztiere. Wo immer sie auf Tierleid treffen suchen sie nach Lösungen und greifen ein. Weil jedes Tier ein fühlendes Lebewesen ist, das es zu beschützen gilt. Mit fundierten Sachkenntnissen zu den einzelnen Themen ist dieses Buch auch für ältere Tierfreunde informativ und lesenswert.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 282

Veröffentlichungsjahr: 2020

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Winnie Bürger

Die Tierschutzbande

Abenteuer aus dem Jugendtierschutz

© 2020 Winnie Bürger

Verlag und Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN

 

Paperback:

978-3-347-18558-6

Hardcover:

978-3-347-18559-3

e-Book:

978-3-347-18560-9

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Fotos www.pixabay.de (lizenzfrei), Ärzte gegen Tierversuche (S.142) und Urheberrecht der Autorin (S. 164, 174, 181).

Machen ist wie wollen,

nur krasser!

(unbekannter Verfasser)

1. Wie alles begann

2. Die Tierschutzbande

- Die Tiere bei uns Zuhause

- Im Zirkus leben wie ein Tier

- Tiere im Zoo

- Das Müll-weg-Projekt

- Tierische Freizeitvergnügen

- Sag mir wo die Bienen sind

- Stadttauben und Teichvögel

- Pelz, Daunen und noch mehr Tierleid

- Frische Fische fischen

- Jagd auf die Jäger

- Das große Leid der kleinen Welpen

- Andere Länder, andere Sitten

- Tierversuche – Versuchstiere

- Nutztiere auf dem Bauernhof

- Vegetarisch und vegan

- Tiertransporte all over the world

- Kampfhund ist keine Rasse

3. Anlagen

Wie alles begann

Nur noch ein paar Tage, dann war es soweit: Geburtstag! Leonie und Leon waren schon ganz aufgeregt, und wie immer, seit die Zwillinge denken konnten, wünschten sie sich nichts sehnlicher als einen Hund. Dabei war ihnen ganz egal was für einer, Hauptsache ein freundlicher, fröhlicher Kerl mit dem man rennen und spielen, kuscheln und quatschen konnte. Ja, auch quatschen! So wie mit einem besten Freund nur, dass der Hund garantiert nichts weitererzählen oder einen sogar auslachen würde.

Aber ihre Mutter schüttelte immer den Kopf: „Die ganze Arbeit mit so einem Hund bleibt doch an mir hängen. Mit einem Hund muss man Gassi gehen – ein paar Mal am Tag und zwar auch wenn es regnet. Man muss mit ihm zum Tierarzt, man muss ihn beschäftigen, ihn füttern, bürsten, ihm die Ohren putzen, sich um ihn kümmern auch wenn er alt und krank wird. Dann sogar besonders!“

Egal wie oft Leonie und Leon ihr versprachen, dass sie sich auch wirklich immer um „ihren“ Hund kümmern würden, ihre Mutter blieb bei ihrem Nein.

Trotzdem freuen sich die Zwillinge auf ihren Geburtstag. Ihre Freunde würden kommen und es gäbe reichlich Kuchen und Geschenke. Von ihren Eltern hatten sie sich (außer dem Hund) natürlich auch noch ein paar andere Sachen gewünscht: ein cooles Sweatshirt, neue quietschgrüne Sneakers, einen Laserpointer, neue Kopfhörer und und und…

Dann war es endlich so weit. Voller Vorfreude sprangen Leonie und gleich danach auch Leon aus dem Bett und liefen in die Küche. Dort stand zwar der Kuchen, den die Mutter gestern Abend noch gebacken hatte, aber kein einziges bunt verpacktes Päckchen. Was war denn da los? Schnell schauten sie ins Wohnzimmer. Auch da waren keine Geschenke. Hatten sie vielleicht in ihrem Zimmer etwas übersehen? Sie rannten zurück – aber auch da war nichts zu sehen. Vielleicht auf der Terrasse? Im Bad? Auf dem Gästeklo? Sogar im Keller sahen sie nach und fanden…nichts. Das durfte doch nicht wahr sein! Auf Zehenspitzen schlichen sie zum Schlafzimmer ihrer Eltern, machten leise die Tür auf und sofort ging es los: „Happy Birthday to you, Happy Birthday to you, Happy Birthday Leon und Leonie, Happy Birthday to you!“ sangen die noch ganz schlaftrunkenen Eltern mehr laut als schön.

Aha, sie hatten es also nicht vergessen. Aber wo waren denn jetzt die verflixten Geschenke?

Der Vater kam auf die beiden zu, schlug Leon als Gratulation unter Männern fest auf die Schulter, nahm Leonie in den Arm, schnappte sich dann die beiden und warf sie auf’s Bett. Ihre Mutter drückte ihnen einen dicken Kuss auf die Wange: „Alles Liebe zum Geburtstag, meine zwei Schätze. Wir haben eine Überraschung für euch. Weil heute doch Samstag ist, machen wir einen Ausflug. Statt Geschenke.“

Wie jetzt? Ausflug? Keine Geschenke? Mann, wie blöd ist das denn! Leonie und Leon waren sauer und trollten sich schlurfend ins Bad. Als endlich alle geduscht und angezogen waren gab es erst mal Frühstück und dann wollten die Eltern doch tatsächlich diesen doofen Ausflug machen. Hoffentlich nicht ins Museum, auf alten Kram hatten sie nun überhaupt keine Lust.

Murrend stiegen sie ins Auto und ihr Vater fuhr los. Aus Protest schauten die Zwillinge während der Fahrt die ganze Zeit nur auf ihre Handys. Sollten die Eltern ruhig merken, dass sie diese „Überraschung“ total blöd fanden!

Endlich hielt der Wagen an. Die Zwillinge sahen sich um. Wo waren sie denn hier gelandet? Sie standen auf einem großen Parkplatz am Waldrand. Vor sich sahen sie ein breites Metalltor in einer hohen Mauer. Dahinter konnte man langgezogene Dächer erkennen, und es roch irgendwie komisch. Stinkig. Eklig. Aber dann hörten sie die Geräusche, die von dem Grundstück herüberdrangen und schlagartig stieg ihre Laune: Bellen! Sie waren beim Tierheim! Leon sprang aus dem Auto, Leonie gleich hinterher und beide stürzten auf das Eingangstor zu. Ihre Eltern kamen kaum nach, da hatten sie auch schon auf die Klingel gedrückt und der fragenden Stimme in der Gegensprechanlage atemlos zugerufen: „Ich bin Leon“ „…und ich bin Leonie“ „Wir haben heute Geburtstag, und wir bekommen einen Hund!“.

Aber so einfach war es dann doch nicht.

Eine große Frau in Jeans und einem grünen Sweatshirt öffnete ihnen die Tür: „Hallo, und herzlichen Glückwunsch ihr Zwei. Ich bin Gloria. Eure Eltern haben mir schon gesagt, dass ihr einen Hund wollt, aber wisst ihr denn auch, wieviel Arbeit so ein Hund macht? Und was man alles bedenken muss? Zum Beispiel wie alt er werden kann. Was soll mit ihm geschehen, wenn ihr nach ein paar Jahren keine Lust mehr habt euch um ihn zu kümmern? Nein, so schnell geben wir unsere Hunde nicht her. Die sollen es ja gut haben und bis an ihr Lebensende bei ihrer Familie glücklich leben dürfen. Deshalb schauen wir uns jetzt erst mal unsere anderen Tiere an.“

Zuerst ging es zu den sogenannten „Kleintieren“. Das waren Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Mäuse, Ratten und sogar Chinchillas. Leonie rief bei jedem einzelnen Tier „Oooh, ist das süüüß!“ aber Leon murmelte nur „Krieg dich wieder ein. Ich denke, wir wollen einen Hund!“ Aber zugegeben, die Tierchen waren schon alle ziemlich niedlich. Und sie hatten tolle Ställe. Große Ausläufe mit viel Stroh gepolstert, Hütten darin und Rampen und Brücken zum Drunter- und Drüber-Laufen. Aber warum waren sie alle nach Arten getrennt? Man könnte doch alle zusammen in ein Gehege setzen, das wäre doch viel lustiger. Leon fragte und Gloria erklärte ihm: „Das ist zwar eine nette Idee, aber damit macht man die Tiere nicht glücklich. Ich erzähle Euch mal, was die jeweiligen Arten so brauchen:

Kaninchen sind eigentlich ruhige Tiere, die aber viel Bewegung wollen. Entweder brauchen sie einen großen Auslauf im Zimmer oder einen Garten, in dem sie laufen und – was auch ganz wichtig für sie ist – buddeln können. Dabei muss man natürlich aufpassen, dass sie sich nicht unter dem Zaun durchgraben und weglaufen, und im Zimmer muss man aufpassen, dass sie nicht an Kabeln oder giftigen Zimmerpflanzen nagen können. Weil Kaninchen sehr schreckhaft sind brauchen sie außerdem eine Hütte, in die sie verschwinden können, wenn ihnen etwas Angst macht. Kaninchen sind Sippentiere und brauchen unbedingt Gesellschaft von Artgenossen um glücklich zu sein. Das heißt natürlich, dass die Gehege umso größer sein müssen, je mehr Kaninchen darin leben.

Meerschweinchen sind zwar auch ängstlich und brauchen auch Gesellschaft, trotzdem passen sie nicht zu Kaninchen dazu. Viele Kaninchen mögen es gestreichelt zu werden, Meerschweinchen nicht. Wenn man Meerschweinchen auf den Arm nimmt halten sie zwar still, aber das geschieht nicht, weil sie das Streicheln genießen, sondern weil sie in eine Schreckstarre verfallen. Die meisten Menschen wissen das nur nicht. Außerdem sind Meerschweinchen tagaktiv, Kaninchen eher in der Dämmerung. Wenn also das Kaninchen seine Ruhe haben will macht das Meerschweinchen Action und umgekehrt. Sie „sprechen“ auch eine andere Sprache – alles Dinge die dazu führen können, dass sich Meerschweinchen und Kaninchen beißen und verletzen. Aber auch wenn sie ruhig zusammenleben, wirklich mögen tun sie sich nicht. Sie beide wollen viel lieber Gesellschaft von Artgenossen.

Hamster sind nachtaktiv, wollen also tagsüber schlafen und ihre Ruhe haben. Nachts wollen sie dann laufen, Höhlen und Gänge anlegen, Futter sammeln und es in ihrem Bau horten. Sie sind Einzelgänger, haben also kein Interesse an Gesellschaft und weil sie so aktiv sind müssen ihre Käfige genau so groß wie die von Kaninchen und Meerschweinchen sein, auch wenn die Hamster viel kleiner sind. Außerdem sollte die Einstreu mindestens 30 cm hoch sein, damit sich der Hamster darin vergraben kann. In Freiheit läuft ein Hamster extrem weite Strecken, das kann er im Gehege nicht. Ein Laufrad ist deshalb zur Beschäftigung wichtig, dabei muss aber unbedingt darauf geachtet werden, dass es ein sicheres Laufrad ist bei dem er nicht mit den Pfötchen in irgendwelche Zwischenräume rutschen kann. Am besten ist ein Rad mit geschlossener Lauffläche (also kein Gitter) und mindestens 25 cm Durchmesser, das sicher im Gehege befestigt wird. Wenn der Hamster durch die Wohnung laufen darf wird er gerne auf alle möglichen Möbel hinaufklettern – fällt er dann herunter kann er sich böse wehtun. Deshalb muss man unbedingt gut auf ihn aufpassen. Leider werden Hamster nicht sehr alt. Normalerweise nur ein bis drei Jahre. Meerschweinchen etwa sechs bis acht. Gute Pflege natürlich vorausgesetzt.

Hier seht ihr die ganz besonders niedlichen Chinchillas. Wisst ihr, dass die zwei Meter weit springen können? Ihr könnt euch vorstellen, dass sie deshalb ein richtig großes Gehege brauchen, mit Ästen zum Hochklettern. Es sollte pro Tier mindestens einen Quadratmeter groß und einen Meter hoch sein. Sie brauchen auch unbedingt Gesellschaft von Artgenossen, damit sie sich wohlfühlen. Wie Hamster sind auch Chinchillas erst ab dem Abend aktiv und sollten tagsüber in Ruhe gelassen werden. Wenn man sie aus dem Gehege nehmen möchte muss man das sehr vorsichtig tun. Die meisten Tiere haben Angst, wenn eine Hand von oben kommt und versuchen dann zu fliehen. Deshalb muss man vorsichtig und langsam von vorne zugreifen – nicht zu fest, sonst können schnell die Rippen brechen. Bei den springenden Chinchillas ist das Einfangen wirklich nicht einfach!“

Gloria ging zum nächsten Gehege und redete weiter „Das sind unsere Ratten und Mäuse. Es sind natürlich Tiere die als Haustiere gezüchtet werden, also keine, die vorher im Kanal oder auf dem Dachboden gelebt haben. Man nennt sie auch Farbratten bzw. Farbmäuse. Auch diese Tiere sind eher nachtaktiv und fangen erst abends an zu spielen. Mäuse lassen sich nicht so gerne anfassen aber Ratten sind meistens sehr zutraulich. Übrigens soll man sie niemals am Schwanz hochheben, das tut ihnen weh, auch wenn man das im Fernsehen leider immer wieder sieht. Wenn man sie hochhebt muss man das wie bei den Chinchillas sehr vorsichtig machen, damit ihnen nichts passiert.

Ratten müssen mindestens zu zweit leben, besser sind aber drei oder sogar vier Tiere. Natürlich muss man schauen, dass sie sich nicht vermehren können, sonst hat man ganz schnell zwanzig oder vierzig – das wollen eure Eltern bestimmt nicht. Aber drei, vier Tierchen machen viel Freude, weil sie so verspielt sind. Dafür brauchen sie Äste und Seile zum Klettern, Hütten zum Verstecken und Schlafen, kleine Hängematten zum Ausruhen, Röhren zum Durchflitzen, Sand zum Buddeln und natürlich auch Wasser, Futter und Einstreu. Außerdem ist bei allen Kleintieren wichtig, dass die Käfige nicht zu kalt und nicht in Zugluft stehen aber auch nicht zu hell und sonnig oder heiß.

Ihr seht schon: auch bei den Kleintieren gibt es viel zu beachten damit sie gesund bleiben und ein glückliches, artgerechtes Leben haben. Sie machen viel Freude aber auch viel Arbeit, und bei jeder Art muss man sich genau informieren was das richtige Futter für sie ist.“

Leon und Leonie schauten sich an. Dass es so viel zu beachten gibt bei diesen kleinen Tieren hätten sie nicht gedacht. Aber klar, wenn man sich vorstellt, wie die Tierchen in Freiheit leben kann man sich auch vorstellen wie unglücklich sie sind, wenn sie ihr Leben in einem kleinen Käfig verbringen müssen, in dem sie nicht hüpfen, springen, rennen und buddeln, sondern sich höchstens mal umdrehen können. Hoffentlich wissen das alle Leute, die sich so ein Kleintier holen!

Gloria war schon wieder unterwegs aus dem Kleintierhaus heraus und ins nächste Gebäude. Hier zwitscherte und trillerte, kreischte und pfiff es – ein Höllenlärm! Die Volieren, in denen Kanarienvögel, Wellensittiche, Papageien und sogar ein Kakadu saßen waren so hoch wie ein Zimmer und ein paar Meter breit und lang damit die Vögel auch ihre Flügel ausbreiten und fliegen können. Nicht wie in den Mini-Käfigen die man bei den Leuten zu Hause so sieht und wo die Vögelchen nur von Stange zu Stange hüpfen aber kein bisschen fliegen können. Große Äste waren darin aufgestellt auf denen die Vögel hinauf- und hinunterlaufen oder auf denen sie nach einem kurzen Rundflug landen konnten. Überall saßen zwei, drei zusammen und schnäbelten freundschaftlich miteinander. Ein paar waren unten im Sand und schüttelten ihr Gefieder, andere genehmigten sich gerade ein Schlückchen Wasser. Eigentlich machten alle einen ganz zufriedenen Eindruck.

„Und das sind sie auch.“ bestätigte Gloria. „Natürlich haben sie hier nicht so viel Platz wie in Freiheit – das kann man leider überhaupt keinem Tier bieten, aber immerhin haben sie hier, was sie brauchen: viel Platz, Gesellschaft von Artgenossen und Möglichkeiten zur Beschäftigung und zur Gefiederpflege. Papageien können durchaus 70, 80 Jahre alt werden, wenn sie gut gehalten werden. Wichtig ist auch, dass sowohl der Käfig als auch alles was darin ist aus Materialien besteht, die die Vögel anknabbern können ohne Vergiftungen zu bekommen.“

Worauf man alles achten muss! Leon und Leonie waren ganz erstaunt. Ob ihr Freund Heiko mit seinen Wellensittichen das wohl weiß? Und Theresa, die ein Kaninchen hat?

Währenddessen ging Gloria schon wieder weiter, überquerte den Innenhof und hielt die Tür zu einem langgestreckten Gebäude auf. Über der Tür stand in bunten Buchstaben „Katzenhaus“ und hinter den großen Fenstern, die fast bis auf den Boden gingen, saßen, lagen und liefen dutzende von Katzen und Katern. Große, Kleine, Dicke, Dünne, Alte, Junge, mit kurzem Fell oder so flauschigem Langhaar, dass man die Augen gar nicht darunter erkennen konnte.

Leonie war schon wieder ganz aus dem Häuschen und rief ein ums andere Mal ihr „Oooh, sind die süüüß!“. Fand Leon ja auch, aber trotzdem rollte er cool mit den Augen und murmelte „Sind halt Katzen!“

Aber die waren nicht nur ganz unterschiedlich anzuschauen, sie verhielten sich auch ganz unterschiedlich. Da war eine dicke, fast weiße mit schwarzen Flecken, die auf ihrem Kratzbaum liegen blieb und die Besucher völlig ignorierte. Ein schlanker, rabenschwarzer Kater mit weißen Tasthaaren an der Schnauze und großen leuchtend grünen Augen dagegen kam gleich an und strich Leonie schnurrend um die Beine. Eine lebhafte Katze mit dreifarbigem Fell hatte sich Leon ausgesucht und sprang extra von einem Regal herunter um ihn sich mal aus der Nähe anzusehen. „Das ist eine sogenannte Glückskatze.“ erklärte Gloria. „So nennt man diese dreifarbigen. Es sind fast immer Weibchen, eine männliche Glückskatze ist sehr, sehr selten.“ Insgeheim fühlte Leon sich geschmeichelt, dass ausgerechnet eine Glückskatze so interessiert an ihm war, aber natürlich ließ er sich nichts anmerken und kraulte ihr nur mal kurz das Fell. In den meisten Katzenzimmern waren drei bis fünf Tiere zusammen. Manchmal sah man gar nicht alle, weil es auch sehr scheue Katzen gab, die sich schnell in eine Hütte oder unter ein Schränkchen flüchteten. „Warum haben die denn Angst vor uns?“ fragte Leonie. „Das ist ganz unterschiedlich. Manche haben schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht, andere haben auf der Straße gelebt und Menschen nie wirklich kennengelernt und wieder andere sind einfach nur vorsichtig und schüchtern und schauen sich die Menschen erst einmal in Ruhe an, bevor sie zum Streicheln hingehen. Katzen sind sehr eigenwillige Tiere. Sie kommen, wenn sie gestreichelt oder gefüttert werden wollen und fünf Minuten später reicht ihnen die Streichelei vielleicht schon, dann können sie fauchen oder mit der Pfote schlagen und wollen wieder in Ruhe gelassen werden. Katzen sind nur etwas für Menschen, die diese Eigenwilligkeit auch akzeptieren können.“ „Gehorchen die denn auch? Kommen die, wenn man sie ruft?“ fragte Leon. „Manche, sehr menschenbezogene Katzen kommen auch auf Rückruf, andere kann man rufen so viel man will, sie kommen nur, wenn sie selbst Lust dazu haben. Nicht, weil sie es nicht lernen können, sondern weil sie einfach nicht wollen. Das ist bei Hunden nicht so ausgeprägt.“

„Die Katzen meiner Freundin Honny dürfen draußen alleine herumlaufen und manchmal bringen sie dann eine tote Maus oder ein totes Vögelchen in die Wohnung. Igitt!“ Leonie schüttelte sich. „Die meisten Katzen wollen Freigang haben, also die Möglichkeit, nach draußen zu gehen.“ erklärte Gloria. „Wenn man einen Garten hat kann man z.B. eine Katzenklappe an der Tür anbringen, dann kann die Katze raus und rein wie sie will. Das sollte man natürlich nicht tun, wenn man direkt an einer befahrenen Straße wohnt – so viele Katzen werden angefahren oder sogar überfahren. Für die Besitzer einer Freigängerkatze ist es deshalb immer schlimm, wenn die mal längere Zeit nicht heimkommt, weil sie nie wissen, was mit ihr passiert ist. Ein Kater, der sich in ein Katzenmädchen aus der Nachbarschaft verliebt, kann durchaus auch mal ein paar Tage wegbleiben, und zu Hause sitzt seine unglückliche Familie und hofft, dass ihm nichts passiert ist.“ „Warum macht man ihm denn kein Halsband um? So mit Telefonnummer und Adresse?“ „Das ist sehr gefährlich für Katzen, weil sie ja durch Hecken streifen und auf Bäume klettern. Da verfängt sich so ein Halsband ganz schnell mal in einem Ast, die Katze kann nicht weg und muss verhungern oder verdursten, wenn sie nicht zufällig gefunden wird. Aus diesem Grund hängt man Katzen auch kein Glöckchen um. Das würde zwar die Vögel und Mäuse warnen, aber die Gefahr, dass die Katze damit hängen bleibt und umkommt ist einfach zu groß. Und auch wenn das Jagen und Beute machen nicht schön ist, es ist nun mal eine angeborene Verhaltensweise bei Katzen.

Deshalb jagen sie auch, wenn sie keinen Hunger haben: einfach, weil das Jagen ihnen Spaß macht.“ Gloria nahm einen langen Stab an dessen Ende bunte Federn angebracht waren und wedelte damit auf dem Boden hin und her. Schwupps, kamen gleich drei Katzen angelaufen und wollten sich auf das Spielzeug stürzen. „Seht ihr. Katzen sind sehr verspielt. Wenn sich irgendwo irgendetwas schnell bewegt versuchen sie, es zu erwischen. Ein Mäuschen oder ein Vögelchen überlebt das natürlich meistens nicht.“

„Das ist traurig!“ seufzte Leonie, aber dann musste sie gleich wieder lachen, weil eine noch winzig kleine Katze in die Box mit Katzenstreu sprang und dort ihr Geschäft verrichtet. „Die ist doch noch so klein, woher weiß sie denn, dass sie ins Katzenklo gehen muss?“ „Auch das ist eine angeborene Verhaltensweise von Katzen. Sie machen ihr Geschäft am liebsten in Sand oder Streu, und wenn man ihnen so eine mit Sand gefüllte Box hinstellt gehen sie automatisch dort rein. Draußen leider auch gerne in Sandkästen auf Spielplätzen, das ist natürlich weniger schön. Aber in die Wohnung machen Katzen eigentlich nur dann, wenn man das Katzenklo nicht oft genug saubermacht, wenn sie krank sind oder aus irgendwelchen Gründen unglücklich. Vielleicht weil sie zu viel alleine sind, sich mit der anderen Katze im Haus nicht verstehen oder früher Freigang hatten, jetzt aber nicht mehr raus dürfen.“

„Ganz schön kompliziere Tiere, so Katzen. Deshalb will ich auch am liebsten einen Hund!“ trumpfte Leon auf. „Die gehorchen, schmusen und spielen gerne…“ „…und müssen Gassi gehen, auch wenn’s regnet.“ fiel ihm Leonie ins Wort und grinste. Leon streckte ihr die Zunge heraus. „Trotzdem! Hunde sind am besten!“

„Na, dann gehen wir mal ins Hundehaus.“ lachte Gloria und schon flitzte Leon los. Darauf hat er doch die ganze Zeit gewartet! Als er um die Ecke kam und der erste Hund ihn sah bellte der gleich los – und sofort machten alle anderen Hunde mit. War das ein Lärm! Man konnte sein eigenes Wort kaum noch verstehen. „Keine Sorge, es wird gleich wieder ruhiger.“ rief Gloria. „Aber erst müssen die Hunde ja Bescheid sagen, dass da jemand kommt.“

Sie warteten ein paar Minuten, dann war es tatsächlich wieder fast ganz still. Nur ein paar Kleine kläfften noch ein bisschen vor sich hin. Langsam gingen Leon, Leonie und Gloria an den Zwingern vorbei. So viele Hunde, einer toller als der andere, und fast alle drängten sich an die Gitter ihres Auslaufs und schauten mit treuen Augen zu den Menschen, als wollten sie sagen „Hey du, holst du mich hier heraus?“ Leon wurde das Herz ganz schwer und Leonie flüsterte „Vielleicht dürfen wir ja zwei haben oder so?“ Er schüttelte den Kopf. Schließlich konnten sie froh sein, wenn ihnen die Eltern einen Hund erlaubten, zwei machten sie bestimmt nicht mit.

„Ihr wisst ja, ein Hund macht viel Arbeit und ist eine große Verantwortung.“ sagte Gloria. „Katzen können bis zu 20 und mehr Jahren alt werden, aber auch Hunde können 17 oder 18 Jahre leben. Normalerweise werden kleine Hunde älter als große Hunde, aber wie bei Menschen auch, weiß man das natürlich vorher nie. Deshalb muss man sich als erstes überlegen, ob man sich tatsächlich so lange Zeit um den Hund kümmern will und kann. Manchmal kommen alte Leute hier ins Tierheim und wollen einen Welpen. Die sind dann ganz beleidigt, wenn wir ihnen den nicht geben. Oder eine Familie mit zwei kleinen Babys wollen unbedingt einen schönen, aber unsicheren Hund. Der dann vielleicht aus Angst nach dem Kind schnappt, wenn es ihn mal an den Ohren zieht. Oder Leute, die in der vierten Etage ohne Aufzug wohnen wollen einen großen Hund, der mit zunehmendem Alter meistens Knochenprobleme bekommt – wie soll der denn dann die ganzen Treppen laufen, drei, vier Mal am Tag? Das ist wirklich oft sehr unüberlegt. Man schafft sich einen Hund eben nicht nur für jetzt an, sondern für ein ganzes Hundeleben. Hunde hängen so sehr an ihren Menschen, dass es für sie das Schlimmste ist, wenn sie weggegeben werden wie ein altes Handy oder ein unmoderner Pulli. Manche sind dann so traurig, dass sie nicht mehr fressen und gar keine Freude mehr am Leben haben. Deshalb müssen wir hier im Tierheim genau schauen, wem wir welchen Hund mit gutem Gewissen geben können. Damit die Menschen und der Hund ein Leben lang glücklich zusammen sind.“

Leon nickte. Dass Hunde so alt werden können hatte er nicht gewusst. Dann wäre er ja mit der Schule fertig, machte vielleicht eine Ausbildung, hätte eine Freundin oder wäre sogar schon verheiratet. Und was, wenn die Freundin keine Hunde mögen würde? Na, dann wäre sie sowieso nicht die Richtige! Aber wer könnte sich um den Hund kümmern, wenn er tagsüber arbeiten wäre? Das wäre schon ein Problem. Ob die Eltern dann wohl einspringen würden? Leon nahm sich vor, sie gleich unbedingt danach zu fragen.

„Viele Leute überlegen sich auch nicht, wie viel Arbeit Hunde machen.“ redete Gloria weiter. Drei, vier Mal am Tag muss man mit dem Hund raus. Je nachdem wie jung und lebhaft der Hund ist, müssen das auch lange Spaziergänge sein, mit viel Beschäftigung, damit ihm nicht langweilig wird und er zu Hause Unsinn macht. Dabei ist das Wetter ganz egal: wenn der Hund muss, dann muss er auch bei Regen oder Schnee raus. Ab und zu bekommen die Tiere auch mal Magenverstimmung; dann müssen sie noch öfter raus, und es kann auch mal ein Häufchen oder Erbrochenes in der Wohnung landen. Ja, Leonie, da ziehst du ein Gesicht, aber das muss dann weggewischt werden. Der Hund kann es ja nicht selbst wegmachen. Hunde können fast dieselben Krankheiten bekommen wie Menschen. Das kostet viel Geld beim Tierarzt und bedeutet oft viel Mühe für die Besitzer. Aber auch mit gesunden Hunden muss man einiges beachten. Man darf Hunde nicht in jedes Restaurant oder Hotel mitnehmen, und Ferienwohnungen sind auch nicht immer für Hunde erlaubt. Fliegen ist für Hunde eine Tortur, deshalb ist es besser, als Hundebesitzer mit dem Auto oder der Bahn in Urlaub zu fahren.

Oder man lässt ihn bei Freunden oder Nachbarn zu Hause zurück. Das ist für den Hund aber auch schlimm: er weiß ja nur, dass ihr weg seid, aber nicht, ob ihr wiederkommt.

Natürlich machen sich einige Leute nicht so viele Gedanken darum, ob es ihrem Hund gut geht oder nicht – Hauptsache, sie selbst sind glücklich. Aber das ist egoistisch und gemein. Solche Leute sollten kein Tier besitzen.“

„Also, wenn ich einen Hund bekomme dann will ich, dass es ihm richtig gut geht. So lange er lebt. Oma und Opa sind auch nicht mehr so fit, aber die hab‘ ich trotzdem lieb und würde sie nie weggeben.“ sagte Leonie und Leon nickte „Und mit dem Gassi gehen können wir uns ja abwechseln. Ich gehe, wenn die Sonne scheint und Leonie, wenn es regnet!“ „Du spinnst wohl, da wechseln wir uns auch ab!“ rief Leonie empört und boxte Leon in die Seite. „Ist ja schon gut.“ grinste der. „War halt ein Vorschlag.“

Inzwischen waren alle Hunde wieder ruhiger geworden. An den Zwingern mit den ganz großen Hunden waren sie schon vorbeigegangen. Vorbei an Arnie, einem wunderschönen Rottweiler mit glänzendem Fell, der freudig mit seinem kurzen Stummelschwänzchen wedelte. Vorbei an Django, einem langhaarigen Schäferhund, der aussah wie ein großer Bär und leise jaulte, als wollte er sie zu sich rufen. Vorbei an Paul, einem Golden Retriever, der so lieb schaute wie diese Rasse immer schaut, an dessen Zwinger aber ein Schild davor warnte ihn anzufassen. Vorbei an so vielen großen Hunden, dass sie sich die Namen gar nicht alle merken konnten.

Jetzt kamen die Zwinger mit den kleinen Hunden. Auch hier wuselten so viele herum, aber meistens zwei, drei in einem Zwinger. Klar, die brauchten ja weniger Platz als die Großen, da konnte man auch mal mehrere zusammensetzen, damit sie ein bisschen Gesellschaft hatten. „Manche davon leben sowieso seit Jahren zusammen, denn viele Menschen holen sich gleich mehrere kleine Hunde. Oft sind es ältere Leute die dann krank werden, ins Altenheim müssen oder sogar sterben und so kommen die Hunde hier her. Natürlich trennen wir die dann nicht. Schlimm genug, dass sie ihr Zuhause verloren haben, da sollen sie wenigstens mit ihrem Kumpel zusammenbleiben können.“ erzählte Gloria. „Hier zum Beispiel sind Ernie und Bert, das sind Geschwister und beide schon zehn Jahre alt. Ihr Frauchen kam ins Altenheim und konnte sie nicht mitnehmen, die Kinder des Frauchens wollten sie nicht und jetzt sind die beiden hier. Aber wir haben schon nette Interessenten, die sie am Wochenende abholen werden.“

Aus dem Zwinger schauten zwei winzige Chihuahuas mit großen Augen die Besucher an. Leon und Leonie waren froh, dass die beiden ein neues Zuhause bekommen sollten. Denn es war zwar ein schönes Tierheim mit netten Pflegerinnen und Pflegern, aber natürlich war es nicht mit einem richtigen Zuhause zu vergleichen.

Neben Ernie und Bert sprang fröhlich ein kleiner Rauhaardackel am Gitter hoch. Ein Stück weiter tobten drei schwarze Zwergpudel, dann kam noch ein Zwinger mit einem Pinscher und einem flauschigen, weißen Malteserhündchen. Ein Yorkshire-Terrier, der kläffte und ihnen die Zähne zeigte. Ein kleiner hellbrauner Mischling, der sich gleich ängstlich in seinen Innenraum verzog, und dann kam noch ein übergewichtiger, schnaufender Mops mit heraushängender Zunge. „Warum keucht der denn so? Hat der Schnupfen?“ fragte Leonie besorgt. „Nein, das ist eine sogenannte Qualzucht. Damit sie besonders niedlich aussehen züchten verantwortungslose Vermehrer die Nase so kurz, dass die Tiere fast keine Luft bekommen. Das sieht für die Käufer putzig aus, ist für den Hund aber eine lebenslange Qual. Unser kleiner Emil hier ist so atemlos, dass er nur ganz kurze Spaziergänge machen kann; im Sommer, wenn es heiß ist, wird er sogar manchmal ohnmächtig beim Spazierengehen. Seine Besitzerin hat ihn außerdem auch noch viel zu dick werden lassen und als es ihm dann schlecht ging wollte sie ihn nicht mehr und hat ihn zu uns gebracht.“ „Wie gemein!“ empörte sich Leon. „Ja, aber das kommt leider oft vor. Nicht nur bei den Hunden, bei allen Tieren. So lange sie niedlich sind ist alles gut, aber wenn sie unbequem, krank oder lästig werden gibt man sie ab, wie man eine alte Jacke in die Kleidersammlung packt.“ seufzte Gloria. „Und dabei müssen wir noch froh sein, wenn sie uns gebracht und nicht einfach ausgesetzt werden.“

Leon und Leonie schüttelten traurig ihre Köpfe. Niemals würden sie einem Tier so etwas antun. Wenn sie sich vorstellten, ihre Eltern würden sie einfach weggeben, wenn sie krank oder frech oder schlecht in der Schule oder nicht hübsch genug wären – wie schlimm wäre das denn!

Inzwischen waren sie an den kleinen Hunden vorbei und kamen zu den Zwingern mit mittelgroßen Hunden. Das war die Größe, die sich Leon vorgestellt hatte. Ganz langsam schlenderte er an den einzelnen Hunden vorbei und las ihre jeweilige Beschreibung, die an den Gittern angebracht war. Da war Siri, eine Mischlingshündin mit weißen Locken und einem schwarzen Fleck um das rechte Auge die mit ihrem Bruder Luis, der genauso aussah, zusammenwohnte. Dann Pina, eine schlanke Podenca mit bernsteinfarbenen Augen und großen Ohren „Wie Pommes-Tüten!“ lachte Leonie. Daneben war ein Zwinger leer aber aus dem Innenraum schaute ein schüchterner Mischling zu ihnen heraus. „Das ist Ritchie, ein 4 Jahre alter Parson-Russel-Mix mit Jagdtrieb und Angst vor Kindern.“ las Leon die Beschreibung vor. Sie gingen schnell weiter, damit sich der ängstliche Hund wieder nach draußen traute. Nebenan lag ruhig ein älterer Setter mit grauer Schnauze, der nur kurz blinzelte und dann weiterschlief. Ein junger lebhafter Australian Shepherd mit einem blauen und einem braunen Auge hatte es Leonie besonders angetan. „Das ist ein Hütehund, also ein Hund der für die Arbeit mit Schafen gezüchtet wurde. Das heißt, er braucht eine Aufgabe oder zumindest sehr viel Zuwendung. Er will sich bewegen, zwei oder drei Stunden am Tag, und er will etwas zum Denken haben: also Spiele, bei denen der Kopf gefordert ist. Meint ihr, das könnt ihr ihm bieten?“ fragte Gloria. Leon und Leonie schauten sich an. Wenn sie ganz ehrlich waren würden sie so viel Zeit wohl nicht für den Hund haben. Schade, aber da würde der Hund bestimmt nicht glücklich bei ihnen sein. Sie gingen weiter. Auch die nächsten drei waren nicht das, was sie sich vorgestellt hatten bzw. was zu ihnen gepasst hätte. Leon wurde schon Angst und Bange. Was, wenn gar kein Hund für sie dabei wäre?

Am Ende der Reihe war noch ein doppelt so großer Zwinger mit drei Hunden darin. „Das sind unsere Listis, also sogenannte Listenhunde.“ stellte Gloria die drei vor. „Der graue ist ein American Staffordshire Terrier namens Rufus, der braune ein Staffordshire-Mix namens Spike, und der kleine dreifarbige Bullterrier ist unser Happy.“ „Was sind denn Listenhunde?“ fragte Leonie erstaunt. Leon hatte sich schon schlau gemacht und konnte ihr das erklären: „Das sind Hunderassen, die in manchen Bundesländern auf einer Liste für gefährliche Hunde stehen.

Man nennt die auch Kampfhunde, aber Kampfhund ist ja keine Rasse, sondern nur eine blöde Bezeichnung. Mit den Rassen hat man früher Hundekämpfe gemacht, aber das machen jetzt nur noch Kriminelle, und wenn man sie richtig erzieht sind das genau so tolle Hunde wie alle anderen auch. Aber trotzdem kann man so einen Listenhund nicht einfach so bekommen, da muss man einen Test machen und auch sonst noch ein paar Sachen, und er kostet viel mehr Steuer, und man darf nicht überall mit ihm in Urlaub hin und – ach, ganz viel, was man beachten muss!“ Gloria staunte „Da hast du dich aber wirklich toll informiert. Ja, es ist leider nicht ganz einfach mit diesen Hunden, weil so viele Menschen noch Vorurteile haben und meinen, sie wären alle bissig und aggressiv. Dabei ist es so wie du sagst: wenn man sie richtig erzieht sind sie total verschmuste, liebevolle Hunde. Aber wegen der Steuer, der Vorurteile und der rechtlichen Auflagen sind sie nur sehr schwer an Leute zu vermitteln. Sie sitzen meistens viele, viele Jahre im Tierheim. Oft sogar bis sie sterben. Aber zum Glück gibt es auch Menschen die nur Listenhunde nehmen. Denen sind die Auflagen egal.

Und dann gibt es auch noch Bundesländer wie Niedersachsen, Thüringen und Schleswig-Holstein, die diese Listen abgeschafft haben. Dort ist ein Hund nur dann gefährlich, wenn er etwas Gefährliches getan hat, nicht automatisch, nur weil er eine bestimmt Rasse hat. Deshalb finden Listenhunde in diesen Bundesländern auch viel schneller ein neues Zuhause als hier bei uns. Wir werden nächste Woche Rufus und Spike in ein befreundetes Tierheim in Niedersachsen bringen, wo es schon Interessenten für die beiden gibt. Wir hoffen, sie sind dann bald in ein schönes, neues Zuhause vermittelt. Die beiden sind so lieb, sie hätten das wirklich verdient.“ „Und Happy? Was ist mit dem?“ Leonie hatte schon die ganze Zeit den kleinen, fröhlichen Kerl beobachtet, der schwanzwedelnd die Vorderpfoten durch das Gitter steckt als wollte er sie zu sich winken. „Mit Happy ist das nochmal anders. Er ist zwar ein Bullterrier, also eigentlich ein Listenhund. Aber Happy ist ein sogenannter Mini-Bullterrier, das heißt er wird nicht größer als 30 cm und steht deshalb nicht auf der Liste.“ „Hä?“ wunderte sich Leonie. „Entweder ist er ein böser Hund oder er ist ein lieber Hund. Das hängt doch nicht davon ab, ob er 30 oder 35 cm hoch ist. Und es ist doch auch egal ob so ein Listenhund in Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen lebt. Der Hund ist doch derselbe, egal wo er wohnt. Was ist das denn für ein Quatsch!“ Leonie war empört und Leon musste seiner Schwester mal Recht geben. Was für ein dämliches Gesetz!