Die Todesvögel Salazars - Miguel Araújo Oliveira - E-Book

Die Todesvögel Salazars E-Book

Miguel Araújo Oliveira

0,0

Beschreibung

Alsdann stehen sie erneut in meiner Zelle. Setzen mir eine Pistole an die Schläfe. Spannen den Hahn. Sie treiben mit mir ihre Possen. Lachen. Tun so als ob. Dann schlagartig drücken sie ab. Ich zucke zusammen. Verzweifelt. Schließe blitzartig die Augen. Vor Angst. Ich zittere am ganzen Leib. Aber sie lachen wieder. "Hast Glück gehabt", höhnen und hohnlachen sie. "Diesmal war keine Patrone drin!" "Miguel Oliveiras Lesestück bringt die Ungerechtigkeit und die Brutalität der Diktatur auf die Bühne und gibt damit den Opfern von Folter und Gewalt eine Stimme, die unter dem Regime gelitten haben. Es ist ein unerträglicher Text, der die Ausweglosigkeit, das bittere Leid und das Scheitern einer Gruppe junger Dissidenten aufzeigt, die in Mitten einer Willkürherrschaft den Mut aufbringt, Freiheit für sich und für ihr Land einzufordern." Susana de Abreu, ehemalige Hochschuldozentin im Bereich Literatur

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 117

Veröffentlichungsjahr: 2024

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Miguel Araújo Oliveira, 1979 in Hamburg geboren, ist Autor verschiedener Bücher, unter anderen über die Schriftsteller John Dos Passos, Günter Grass und Ödön von Horváth. Seit der Veröffentlichung seines Gedichtbandes Sem Título gilt Miguel Oliveira als einer der wichtigsten Vertreter der madeirensischen Gegenwartsliteratur. Eine Auswahl seiner Gedichte wurde in mehreren Anthologien zeitgenössischer portugiesischer Dichter aufgenommen. Derzeit ist Oliveira Professor an mehreren Lissaboner Universitäten.

für Melanie und Nicole

---

den Opfernin Memoriam

„Denn es soll nicht vergessen werden im Mund ihrer Nachkommen“

(Deuteronomium 31: 21)

INHALT

Personen

Ich habe dich bei deinem Namen gerufen

Erste Farce

Erste Szene

— Die Wahrheit…

Zweite Szene

— Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder…

Dritte Szene

— Haltet mich nicht auf… dass ich zu meinem Herrn ziehe…

Vierte Szene

— Zähle die Tage meiner Flucht, sammle meine Tränen in deinen Krug; ohne Zweifel du zählst sie…

Zweite Farce

Erste Szene

— Und der Rauch ihrer Qual steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeit…

Zweite Szene

— … und nichts als die Wahrheit

Fünfzehn Punkte zum Stück

Gott allein ist gerecht

Nachwort

… doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen

Anmerkungen

… so will ich dir antworten und will dir kundtun große und unfassbare Dinge, von denen du nichts weißt

Personen

»Ich habe dich bei deinem Namen gerufen«

(Jesaja 43: 1)

Guilherme Vasconcelos

Student der juristischen Fakultät der Universität Lissabon

Rafael Eduardo Barros

Student am Institut für Wirtschafts-und Finanzwissenschaften der Technischen Universität Lissabon

Manuel Fernandes

e

Castro

Angeklagter

Noémia Cardoso

Freundin von Ana Luísa Rebelo und Studentin am Institut für Wirtschafts- und Finanzwissenschaften der Technischen Universität Lissabon

Maria Correia Costa

Mutter von Pedro Miguel Costa

Jorge

Henrique

de Sousa

Freund von Cláudio Pestana

Ana Luísa Rebelo

Todesopfer der Geheimpolizei DGS

Pedro Miguel Costa

Deportierter in der Strafkolonie Tarrafal, Kap Verde

Cláudio Pestana

Gefangener im Kerker von Caxias der Geheimpolizei DGS

Pfarrer

Erster Agent

der DGS

Zweiter Agent

der DGS

António João dos Ramos

Polizeibeamter

Strafrichter

am Tribunal da Boa-Hora

Maria Amália Ramalhos

Mutter von Rafael Eduardo Barros

Erste Farce

Erste Szene

»Die Wahrheit…«

Es ist der 10. April 1974. In der Mitte der Nacht. Wir befinden uns in einem Raum im Tribunal da Boa Hora,1in dem eine kleine Gruppe von Dissidenten, mehrheitlich Studenten, eingebrochen ist. Der Ein- und Ausgang befinden sich auf der linken Seite der Bühne. Auf der gleichen Seite befindet sich zum Publikum gewandt ein Richterpult. In der Mitte steht eine leere Anklagebank. Auf der rechten Seite der Bühne sind vier Stühle aufgestellt. Das Bühnenlicht fällt auf die Tische und Stühle.

[Alle Dissidenten sind unauffällig gekleidet. Noémia Cardoso, sitzt auf einem der Stühle auf der rechten Seite der Bühne. Guilherme Vasconcelos, Student an der juristischen Fakultät, sitzt am Richterpult. Seine Gesichtszüge sind sorgenvoll. Es herrscht eine angespannte Atmosphäre. Maria Correia Costa geht nervös auf und ab. Die Stille ist schier unerträglich und fällt schwer auf das Gemüt der kleinen Gruppe.]

GUILHERME VASCONCELOS [aufgebracht: — Verdammt! Setzen Sie sich hin! Ihr Auf und Ab geht mir auf die Nerven! [zügelt sich: —Verzeihen Sie mir bitte! Die Pferde gehen mit mir durch!

[Maria Correia Costa, eine Frau in den Mittfünfzigern, die einen dunklen Rock trägt, sieht ihn bestürzt an. Sie setzt sich gehorsam auf einen der leeren Stühle. Sie schaut auf ihre Uhr. Die Zeit vergeht. Eine Ewigkeit passiert nichts. Nur hin und wieder unterbricht ein nervöses Räuspern von Guilherme Vasconcelos die Stille. Plötzlich ist von draußen ein Geräusch zu vernehmen. Rafael Eduardo Barros und Jorge Henrique de Sousa treten in den Gerichtssaal ein. In ihrer Mitte bringen sie Manuel Fernandes e Castro, den sie nach vorne stoßen. Manuels Gesicht und Oberkörper sind mit einem braunen, robusten Kartoffelsack bedeckt. Die Hände wurden ihm auf den Rücken gefesselt.]

GUILHERME VASCONCELOS — Endlich! -- Hat euch jemand gesehen?

RAFAEL EDUARDO BARROS — Nein! -- Bestimmt nicht! -GUILHERME VASCONCELOS — Nimmt ihm das ab!

[Jorge Henrique de Sousa streift Manuel Fernandes e Castro den Leinensack vom Kopf. Dabei unterstützt ihn Rafael Eduardo Barros. Danach entfernen sie den Strick, mit dem sie Manuels Hände zusammengebunden hatten. Manuel Fernandes wird zum Tisch in der Mitte geführt: der Anklagebank.]

MANUEL FERNANDES E CASTRO — Wo bin ich hier? Was soll das?

[Manuel Fernandes sieht sich ängstlich um. Er schaut in alle Gesichter. Plötzlich rennt er zum Ausgang und versucht zu entkommen. Aber Rafael Eduardo Barros packt ihn rechtzeitig am Arm. Jorge Henrique de Sousa kommt ihm zur Hilfe. Zusammen bezwingen sie Manuel Fernandes. Sie bringen ihn gewaltsam zurück an den Tisch und setzen ihn unsanft auf den Stuhl. Eingeschüchtert hört Manuel Fernandes auf, Widerstand zu leisten.]

MANUEL FERNANDES E CASTRO [protestiert: — Was wollt ihr von mir? Wer seid ihr? Was soll das Ganze?

GUILHERME VASCONCELOS — Halten Sie den Mund! Wir stellen hier die Fragen! Verstanden?

[Manuel antwortet nicht. Rafael Eduardo Barros schlägt Manuel von hinten auf den Kopf.]

GUILHERME VASCONCELOS — Haben Sie das verstanden? MANUEL FERNANDES E CASTRO — Ja doch! --- Ich habe verstanden!

[Guilherme signalisiert Rafael Eduardo Barros und Jorge Henrique de Sousa, sich zu setzen. Manuel verfolgt sie mit einem verängstigten Blick.]

GUILHERME VASCONCELOS — Wie heißen Sie?

MANUEL FERNANDES E CASTRO [mit zittriger und unsicherer Stimme: — Manuel e Castro.

GUILHERME VASCONCELOS — Manuel Fernandes e Castro! Richtig?

MANUEL FERNANDES E CASTRO — Ja, Manuel Fernandes...

GUILHERME VASCONCELOS — Und Sie wissen nicht, warum Sie heute hier sind? Sie haben auch keine Ahnung, warum Sie hier sein könnten?

MANUEL FERNANDES E CASTRO — Ich weiß es nicht! Ich weiß nicht einmal, wo ich hier bin!

[Rafael Eduardo Barros lacht auf. Es ist ein böses Lachen.]

GUILHERME VASCONCELOS [hämisch: — Ach Sie wissen nicht, wo Sie sind? -- Sie wissen es wirklich nicht? Sehen Sie sich doch einmal um! Sie waren doch schon einmal hier, oder etwa nicht? [bestimmt: — Sogar mehr als nur einmal! --- Sie sind hier im Tribunal da Boa Hora! Sagt Ihnen das etwas?

[Manuel Fernandes schüttelt den Kopf. Wieder ein böses Lachen von Seiten Rafael Eduardo Barros.]

GUILHERME VASCONCELOS [sarkastisch: — Natürlich nicht! --- Kennen Sie eine junge Frau mit Namen --- Ana Luísa?

MANUEL FERNANDES E CASTRO — Nein! --- Ich habe noch nie von einer -- Ana Luísa gehört. --- Nein!

GUILHERME VASCONCELOS — Ana Luísa ... Rebelo! ---Sind Sie sich sicher, dass Sie sie nie gekannt haben? Ich habe hier ein Bild von ihr!

[Er steht auf und bringt Manuel Fernandes e Castro das Foto zur Anklagebank und legt es ihm auf den Tisch.]

GUILHERME VASCONCELOS — Sie erkennen sie also nicht?

[Manuel schaut mit aufgerissenen Augen auf das Foto. Er ist immer noch verängstigt. Er schüttelt den Kopf.]

MANUEL FERNANDES E CASTRO — Nein! Ich kenne sie nicht! --- Was soll das Ganze hier? Warum...

GUILHERME VASCONCELOS [fährt ihn unwirsch an: — Halten Sie den Rand! Ich habe es Ihnen doch schon gesagt! Ich bin hier derjenige, der die Fragen stellt!

[Rafael Eduardo Barros steht auf. --- Mit einer Geste fordert Guilherme ihn auf, sich wieder zu setzen.]

GUILHERME VASCONCELOS — Und Cláudio Pestana? ---

[Pause.]

GUILHERME VASCONCELOS — Jorge Henrique de Sousa?

[Pause.]

GUILHERME VASCONCELOS — Pedro Miguel Costa?

[Pause.]

GUILHERME VASCONCELOS [voller Verachtung: — Die kennen Sie wohl auch nicht? -- Nicht wahr?

MANUEL FERNANDES E CASTRO — Nein! Ich kenne diese Leute nicht. Keinen von ihnen! Ich habe diese Namen noch nie in meinem Leben gehört!

GUILHERME VASCONCELOS — So, so! Sie erinnern sich nicht an die Namen! Vielleicht erinnern Sie sich, wenn Sie ihre Gesichter sehen? --- Vielleicht fällt Ihnen ja dann wieder etwas ein!?

[Guilherme legt weitere Fotos auf den Tisch. Verteilt sie auf der Tischplatte. Erst will Manuel sie nicht sehen. Wütend greift Guilherme nach Manuel, beugt ihn abrupt vornüber, so dass Manuels Nase auf den Fotos landet. Nachdem Guilherme Manuel endlich loslässt, sieht sich Manuel nun alle Fotos an. Verängstigt. Beklommen, schüttelt er den Kopf.]

MANUEL FERNANDES E CASTRO — Nein, ich schwöre! Ich kenne sie nicht! Ich habe sie noch nie gesehen!

JORGE HENRIQUE DE SOUSA — Lügner! Mich kennt dieser Hund!

[Manuel Fernandes dreht sich zu Jorge um. Mustert ihn. Schüttelt erneut den Kopf.]

MANUEL FERNANDES E CASTRO [verzweifelt: — Ich schwöre, ich kenne sie nicht! Ihn nicht und die anderen auch nicht! Ich schwöre es, bei meiner seligen Mutter!

RAFAEL EDUARDO BARROS — Hurensohn!

NOÉMIA CARDOSO — Mörder!

MANUEL FERNANDES E CASTRO [jammert: — Ich ein… Mörder? --- [verzweifelt: — Noch nie habe ich die gesehen! Ich schwöre es, bei Gott, ich kenne sie nicht!

GUILHERME VASCONCELOS — Das ist ja eigenartig! Es gibt hier nämlich Leute, die ihrerseits beschwören, dass Sie sie gekannt haben. Und zwar alle gekannt haben. Ausnahmslos alle! --- Aber deswegen sind wir ja heute hier, um die Wahrheit herauszufinden!

[ Guilherme kehrt wieder zum Richterpult zurück.]

GUILHERME VASCONCELOS — Ich erkläre die Sitzung für eröffnet! Manuel Fernandes e Castro wird beschuldigt, ein Spitzel der PIDE2 zu sein.

MANUEL FERNANDES E CASTRO [protestiert: — Ich? Ein PIDE!? Ich habe noch nie für den Staatsschutz gearbeitet!

GUILHERME VASCONCELOS — Halten Sie den Mund! Unterbrechen Sie mich nicht! --- Dies ist meine letzte Verwarnung!

[Manuel Fernandes e Castro sieht sich wieder eingeschüchtert um.]

GUILHERME VASCONCELOS — …Wird beschuldigt, ein inoffizieller Mitarbeiter der PIDE zu sein und unsere Freunde und Kommilitonen aus meiner und anderen Fakultäten denunziert zu haben! Um die Wahrheit herauszufinden, ruft dieses Gericht die erste Zeugin auf: --- Noémia Cardoso!

MMANUEL FERRNANDES E CASTRO — Wie bitte? Ich muss doch protestieren! Was für ein Gericht? Das ist wohl ein schlechter Scherz! Mit welcher Autorität denn? Was nehmt ihr euch da heraus? Ich erkenne dieses Gericht nicht an! Ich erkenne es nicht an! Ein Dummejungenstreich! Nichts Anderes ist das hier! Ein niederträchtiger Schabernack!

GUILHERME VASCONCELOS — Jetzt reicht es mir!

[Guilherme Vasconcelos gibt Rafael Eduardo Barros einen Wink, der sofort aufsteht und auf Manuel zugeht.]

MANUEL FERNANDES E CASTRO [steht auf: — Lasst mich hier raus! Ihr werdet diesen schlechten Scherz noch bereuen! Das verspreche ich euch! --- Noch können wir diese ganze Geschichte hier vergessen. Ich werde euch auch nicht anzeigen!

[Rafael Eduardo Barros versetzt Manuel Fernandes e Castro einen Kinnhaken. Der Schlag ist so heftig, dass Manuel aus der Nase blutet. Rafael Eduardo Barros zwingt Manuel, sich wieder zu setzen. Manuel leistet keinen weiteren Widerstand. Er holt ein Taschentuch aus der Tasche und versucht, das Blut abzutupfen. Guilherme signalisiert Rafael Eduardo Barros, sich wieder zu setzen.]

GUILHERME VASCONCELOS [unbeeindruckt, als wäre nichts passiert: — Frau Noémia Cardoso! --- Bitte treten Sie vor!

[Noémia Cardoso, eine junge Frau, steht auf. Sie stellt sich zu Guilherme neben das Richterpult.]

GUILHERME VASCONCELOS — Schwören Sie, die Wahrheit zu sagen, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit?

NOÉMIA CARDOSO — Ich schwöre Herr Richter!

MANUEL FERNANDES E CASTRO [zwischen den Zähnen: — Das ich nicht lache! Herr Richter!

GUILHERME VASCONCELOS [ihn ignorierend: — Bitte! Sie haben das Wort!

NOÉMIA CARDOSO — Am 23. Februar gingen Ana und ich -- Ana Luísa Rebelo, wir beide studieren Wirtschaft und Finanzmanagement -- also wir gingen beide die Marquis de Fronteira Straße entlang. Gerade als wir am Henrique Mendonça Palast3 vorbei wollten, sah ich auf der anderen Straßenseite einen Mann stehen, der auf Ana zeigte. Daraufhin kamen zwei Männer in Zivil auf uns zu. Sie fragten uns nach unseren Namen und wir antworteten ihnen. Der eine packte Ana sogleich am Arm und sagte, es sei besser, kein Aufsehen zu machen und ihm zu folgen. Man würde ihr nur ein paar Fragen stellen und Ana könnte dann wieder nach Hause gehen. Ana wehrte sich nicht und begleitete ihn. Wohin sie gegangen sind, weiß ich nicht.

[Pause.]

NOÉMIA CARDOSO — Der andere fragte mich nach meiner Adresse. Aus Angst sagte ich ihm, wo ich wohnte. Das war auch besser so. Denn er zwang mich, auf der Stelle nach Hause zu gehen. Er begleitete mich bis vor die Haustür. Von dem Zeitpunkt an beobachtete ein Mann in Zivil das Haus. Wenn immer ich ausging, ob nun in die Universität oder nur in ein Café, wenn immer ich einen Spaziergang machte oder einen Termin wahrnahm, verfolgten sie mich. Manchmal waren sie schon da. Lasen die Zeitung, als wäre nichts. Sie warteten auf mich. Ich setzte mich, --- lustlos --- und sah sie mal verächtlich, mal zerfahren an.

[Pause.]

NOÉMIA CARDOSO — Wenn immer ich nach Hause zurückkam, fand ich meine Schreibtischschubladen halb offen vor. Am Anfang fragte ich mich, ob ich sie vielleicht, aus Unachtsamkeit, tatsächlich offen gelassen hatte, bevor ich das Haus verließ. Aber als ich dann den Schreibtisch genauer untersuchte, fand ich, dass jemand meine Korrespondenz durchgesehen haben musste. Briefe, die vorher noch im geschlossenen Umschlag gesteckt hatten, waren inzwischen geöffnet und gelesen worden! Die Seiten in meinem Adressbuch schienen an den Rändern leicht zerknittert. Meine Kleidung, die ordentlich und gebügelt im Kleiderschrank hing, hatte hier und da auf einmal Falten bekommen. Einige Blusen waren sogar vom Kleiderbügel gefallen. Ich beobachtete sorgfältig, ob Gegenstände in den Regalen oder Möbelstücke bewegt worden waren. Nervös sah ich mich um und untersuchte, ob mir nebst meiner inneren Ruhe noch etwas anderes gestohlen worden war. [hysterisch: — Wer sich auch immer Zutritt verschaffte, durchsuchte auch mein Bett. Sie überprüften, ob unter der Matratze etwas versteckt war. Etwas unter dem Bettlacken oder dem Kopfkissen lag. Sie drehten jeden Teppich um! Sie inspizierten meine Fotos, die auf dem Nachttischchen standen. Wahrscheinlich lösten sie sie aus den Rahmen. Sogar meine schmutzige Wäsche mussten sie durchsucht haben. Den Mülleimer. In der Küche inspizierten sie gar mein Essen. Wer weiß... ob sie nicht hineingespuckt haben?! --- Und im Badezimmer... Gab es Fingerabdrücke. Am Spiegelschrank, die nicht meine waren. [sich am Kopf fassend