Die tödliche Tugend der Madame Blandel - Marie Pellissier - E-Book
  • Herausgeber: Diana
  • Kategorie: Krimi
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2014
oder
Beschreibung

Gardienne Lucie: Ordnung geht über LeichenParis, Place des Vosges: Seit über vierzig Jahren wacht die Gardienne Lucie über das Wohl des Hauses und seiner Bewohner. Nur die kaltherzige Vanessa Blandel macht ihr das Leben schwer. Als eines Tages Vanessas Leiche aus der Seine geborgen wird, glaubt Lucie einen großen Fehler begangen zu haben. Denn in ihrer wohlgemeinten Ordnungswut hat sie in der Beletage der Blandels wichtige Spuren verwischt. Sie muss unbedingt vor der Polizei herausfinden, wer Vanessa auf dem Gewissen hat! Mitten im August liefert sich Lucie mit dem ermittelnden Kommissar Legrand ein heißes Kopf-an-Kopf-Rennen, das sie tief ins Herz der Seine-Metropole führt …

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:438

Sammlungen



MARIE PELLISSIER

Die tödliche Tugend

der Madame Blandel

Kriminalroman

Für Antoine

Originalausgabe 06/2014

Copyright © 2014 by Diana Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Dieses Werk wurde vermittelt durch

die Literarische Agentur Michael Gaeb

Redaktion | Lisa Scheiber

Umschlaggestaltung | t.mutzenbach design, München

Umschlagmotiv |© shutterstock

Satz | Leingärtner, Nabburg

Alle Rechte vorbehalten

ePub-ISBN 978-3-641-12528-8

www.diana-verlag.de

Prolog

Die letzte Metro ratterte über die alten Gleise, am Samstagmorgen um kurz vor halb drei. Paul lag unter der Eisenbahnbrücke und blickte über die Seine auf die weit entfernten Lichter der Straßenlaternen am anderen Ufer, die sich im bewegten Wasser spiegelten. Lichtkegel glitten vorüber. Mild war die Luft nach der drückenden Hitze des Tages. An der Seine kühlte es nachts schneller ab als unter den Arkaden an der Place des Vosges.

Der Clochard freute sich, diesen »Logenplatz« gefunden zu haben, ohne Unsummen an Miete oder Zinsen für die Lage am Wasser zu bezahlen, wie die anderen Pariser es taten, wenn sie den Immobilienbesitz nicht in die Wiege gelegt bekommen hatten. So war das eben: Man gehörte zu denen, die besaßen, jenen, die hart dafür arbeiteten so tun zu können, als besäßen sie, oder zu den Übriggebliebenen, die Zuwendungen bekamen, und sei es nur in Form einer politisch korrekten Bezeichnung. SDF durfte er sich nun nennen, Sans Domicile Fixe, ohne festen Wohnsitz. Ein Clochard war selbst als reiner Ausdruck nicht mehr gesellschaftsfähig.

Ein Motorengeräusch ließ ihn aufhorchen. Die Feiern auf den Yachts de Paris waren doch seit über einer Stunde vorbei. Es hatte noch etwas gedauert, bis auch das letzte Lachen verklungen, das letzte Gespräch verstummt und das letzte Auto gefahren war. Paul reckte sich, um an der Säule vorbeisehen zu können. Täuschte er sich, oder schaukelten da zwei helle Kreise auf die Schleuse zu? Er stützte sich auf seine Ellbogen. Von der anderen Seite näherte sich langsam ein Wagen. Erst kurz vor dem Wasser, keine zehn Meter von Paul entfernt, blieb er stehen. Der Fahrer schaltete den Motor aus. Stille.

Ein ungutes Gefühl beschlich den Clochard. Normalerweise waren die Quais mit einer Schranke verriegelt. Nur geladene Gäste wurden für die abendlichen Feste durchgelassen. Jetzt jedoch hätte alles verschlossen sein müssen.

Die Tür öffnete sich. Paul sah eine dunkle Gestalt aussteigen, die sich mehrmals umblickte. Reflexartig zog er den Kopf ein. Sein Herz schlug schneller. Doch der Fahrer hatte ihn im Schatten der Brücke wohl nicht gesehen. Er umrundete sein Auto, öffnete die Beifahrertür und verschwand aus Pauls Blickfeld.

Seltsamer Wagen. Ungewöhnliche Scheinwerferform. Kein typischer Franzose. Vielleicht ein älteres Modell?

Da tauchte die Gestalt wieder auf, sie bewegte sich nun langsam und mühevoll rückwärts Richtung Wasser, als schleife sie etwas Schweres hinter sich her.

Paul kniff die Augen zusammen, um mehr zu erkennen, doch der Fahrer war im Schatten des gegenüberliegenden Brückenpfeilers verschwunden. Nur noch ein leise scharrendes Geräusch war zu hören. Dann nichts mehr.

Paul hielt den Atem an und lauschte angestrengt. Da hörte er den Aufprall auf dem Wasser. Einen Moment später die Autotür, den Motor, der ansprang.

Paul konnte gerade noch einen Blick erhaschen, bevor sich das Auto schnell entfernte.

Kurze Zeit später war alles so, als wäre nichts geschehen. Verlassen die Schiffe der Yachts de Paris, völlig still der Canal St. Martin. Und gegenüber, am anderen Ufer der Seine, direkt unterhalb des Quais Saint Bernard, lag ruhig im Dunkeln das Boot der Brigade Fluviale.

Für die würde es Arbeit geben.

Freitag, 1. August

Vanessa versuchte das Badezimmerfenster zu öffnen, doch die morschen, weiß gestrichenen Latten der Sprossenfenster hatten sich durch den täglichen Wasserdampf verzogen und klemmten an der unteren Kante des Fensterrahmens. Dafür war oben über die Jahre eine Öffnung von einem halben Zentimeter entstanden, durch die ungehindert Luft einströmen konnte. Im Sommer wie im Winter. Jetzt war Sommer. Hochsommer. August in Paris. Eine Zeit, in der jeder vernünftige Bürger an die französischen Küsten floh. Bevorzugt an die Côte d’Azur. Cannes. Nizza. Monaco wäre auch nach Vanessas Geschmack gewesen. Aber ihr Mann Justinien hatte aufgrund seines ach so wichtigen Jobs diesen Monat nicht verreisen können. Und Said hatte neuerdings andere Pläne. Die würde sie ihm schon noch austreiben…

Dann gab das Fenster doch nach, und mit einem Ruck flogen die Flügeltüren auf. Draußen flatterte eine Taube hoch. Vanessa lachte leise. Sie würde heute noch ein ganz anderes Täubchen erschrecken. Endlich.

Der Hof lag ruhig im Schatten. Obwohl erst kurz nach neun Uhr, war es schon wieder ziemlich warm. Vanessa stellte sich nackt an die schmiedeeiserne Brüstung und spürte einen winzigen Lufthauch. Kein Wölkchen am blassblauen Himmel, das Hoffnung auf Abkühlung gegeben hätte.

Unten surrte der Türöffner, und Vanessa sah die Gardienne in den Hof treten. In ihrer Kittelschürze verteilte sie die Post. Vorgestern hatte die alte Hausmeisterin ihr einen großen Umschlag für Justinien überreicht: »Hoffentlich nichts Ernstes?«

Ihre wachen, klaren Augen hatten sie dabei ernst und eindringlich angesehen.

Als junge Frau war sie vermutlich eine Schönheit gewesen. Natürlich nur, wenn man sich an ihrer geringen Größe nicht störte und engelsgleiche Wesen nicht langweilig fand.

Doch Vanessa war nicht so dumm, sich aufgrund von sympathischen Lachfalten und zur Schau gestellter Anteilnahme in die Karten sehen zu lassen.

»Das lassen Sie mal meine Sorge sein!«

Fast wäre es das tatsächlich geworden, als Justinien ihr dieses Dokument schweigend unter die Nase gehalten hatte. Dieser Waschlappen. Er hatte sie verunsichert, doch nicht lange, denn was sich erst als Katastrophe dargestellt hatte, konnte sie in wenigen Stunden als Beweis verwenden. Und heute Abend würden sie einander anders gegenübersitzen. Heute Abend waren Geld und Kind auf ihrer Seite. Vanessa spürte ein erregendes Kribbeln. Sie grinste. Dann streckte sie die Arme, dehnte sich und hielt den Blick demonstrativ nach oben gerichtet. Unter sich hörte sie Lucies Schuhe auf dem Kopfsteinpflaster klappern. Bis heute Nachmittag hatte sie der kleinen Portugiesin Zeit gegeben, um den Stapel Hemden und Bettwäsche zu bügeln. Lucie sollte ruhig ins Schwitzen geraten.

Die Gardienne bügelte für viele Bewohner im Haus, die ihr mit Wertschätzung und Höflichkeit begegneten, während Vanessa gar nichts von Vertraulichkeit mit Hausangestellten hielt. Abram Rosenberg zum Beispiel geriet direkt ins Schwärmen: »Die Seele des Hauses. Une vraie dame.« Eine Hausmeisterin, eine echte Dame, wo gab es denn so etwas? Nun, wer wusste schon, was im Kopf eines Komponisten vor sich ging.

Vanessa betrachtete aus dem Augenwinkel, wie Lucie mit gesenktem Kopf den Hof überquerte.

»Bonjour, Lucie!« Der ältere Mann, der über das vordere Treppenhaus den Hof betreten hatte, hieß Octavien de la Roche, soweit Vanessa wusste, und war irgendein hohes Tier bei der Pariser Polizei. Vanessa hatte ihn bisher erst einmal gesehen.

»Comme il fait beau!«tete, bis Lucie auf seiner Höhe angekommen war, um ihr die Tür aufzuhalten. Dann deutete er einen Diener an, Lucie gab ihm lächelnd zwei Briefumschläge, und die beiden begannen miteinander zu plaudern. Alter Adel.

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