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Der Weg zurück ist auch ein Weg nach vorn 'Ich suche jemanden, der mir in den Tod hilft! Dafür werde ich Sie nach meinem Tod als Alleinerbin einsetzen.' Die reiche, exzentrische Beatrice Vero will sterben und wendet sich mit dieser ungewöhnlichen Bitte an Cordula, eine Autorin. Diese versucht die Signora davon zu überzeugen, so lange am Leben zu bleiben, bis sie deren handschriftliche Erinnerungen gesichtet hat. Sie bietet sogar an, ein Buch über ihr abwechslungsreiches Leben zu schreiben. Und während die beiden auf Sardinien gemeinsam an diesem Projekt arbeiten, kehrt für Signora Beatrice ganz unerwartet die Lust am Leben zurück. Doch der Tod folgt seinen eigenen Regeln.
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Seitenzahl: 236
Veröffentlichungsjahr: 2016
Die hier geschilderte Stadt ist ein fiktiver Ort auf der Insel Sardinien, den die Autorin aus verschiedenen realen und erfundenen Orten zusammengesetzt hat. Namen, Handlung und Personen sind frei erfunden.
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www.langen-mueller-verlag.de
© für die Originalausgabe und das eBook:
2014 LangenMüller in der
F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München.
Umschlaggestaltung: Wolfgang Heinzel
Schutzumschlagmotiv: getty images
Satz und eBook-Produktion:
Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling
www.Buch-Werkstatt.de
ISBN 978-3-7844-8201-9
Die meisten Menschen leben in den Ruinen ihrer Vergangenheit.
Jean Cocteau
Für Ahmed Chouraqui
Wenn es geschehen ist, werden alle zusammenhalten. Die alten Frauen besuchen einmal mehr die Kirche und bitten um Ablass, die Männer gehen wie immer in die Bar gegenüber und nach den ersten verschämten Blicken – jeder von ihnen kann es getan haben und besser ist es, nicht zu wissen wer, denn sie alle haben in ihrer Fantasie mindestens einmal die Grenzen zu dem dunklen Land überschritten. Und hatte sie, die Verrückte, die Hure, die Tat nicht immer wieder provoziert? – Nach anfänglicher Scham also wird endlich einer von ihnen, vielleicht heißt er Alberto, sein Glas heben. Sie werden anstoßen und erleichtert trinken, bereit, gemeinsam zu vergessen.
Beatrice Vero
1
Erstaunlich, wie gering ihr Gewicht war! Der Händler nahm die fünf Goldringe aus dem Beutelchen, in dem ich sie hergebracht hatte, betrachtete sie durch eine Lupe, kratzte an der Oberfläche und legte jeden einzelnen auf ein mit blauem Samt ausgeschlagenes Tablett. Er müsse sie wiegen, murmelte er und verschwand in einem Nebenzimmer. Ich wartete in dem geräumigen Verkaufsraum, große Spiegel an den Wänden, einige Wanduhren, stuckverzierte Decke, Glasvitrinen, darin alle Arten von Schmuck.
Als er zurückkam, nannte er einen niedrigen Preis. Keine gute Zeit für Gold, sagte er und sah mir zum ersten Mal in die Augen. Zwischen uns auf dem blauen Samt lagen die Ringe, in dem Glastisch spiegelte sich sein Bauch in der roten Weste. Er trommelte leicht mit den sorgfältig manikürten Fingernägeln auf den Tisch. Die Uhren tickten. Ich überlege es noch mal, sagte ich und sammelte die Stücke ein. Er schaute gelangweilt, etwas resigniert zu mir herüber, wartete höflich, bis ich die Ringe wieder eingepackt hatte, seine Fingernägel klickten auf der Glasplatte.
Draußen regnete es stark, ich hatte keinen Schirm dabei, und da ich nicht im Laden warten mochte, verabschiedete ich mich und trat vor die Tür. Ich blieb unter dem Vordach stehen, der Regen prasselte auf das Pflaster und auf meine Schuhspitzen. Zu große Füße, dachte ich und ich dachte an die Miete, das Geld, das gerade noch eine Woche reichen würde. Vielleicht musste ich diesmal doch meine Eltern um Hilfe bitten. Nein, dann würde ich lieber Fiorentina fragen!
Wenn hieraus eine Geschichte entstehen sollte, wie würde ich am besten beginnen? Ich würde sagen: Stop, fangen wir noch einmal von vorn an, beginnen wir mit dem Schönsten. Und ich sah mich selbst an einer üppig gedeckten Tafel sitzen, viele Freunde um mich herum, der Stuhl neben mir ist leer. Ich höre ihr Murmeln, rieche den Duft der Blumen, die überall im Raum verteilt sind: Callas, Rosen natürlich, blauer Phlox. Ein Unbekannter tritt ein, schwarzes, störrisches Haar über einem bleichen Gesicht. Mit seinen dunkelblauen Augen fixiert er mich und lächelt, als er den leeren Platz neben mir entdeckt: Gaetano.
2
Wenn l’amore dich anlacht, dann lächle zurück und denk nicht nach! Signora Vero trinkt den letzten Schluck Whisky, schließt für einen Moment die Augen und ihre Zungenspitze fährt über die Lippen, bevor sie weiterhastet: von Patagonien nach Feuerland, zwei Schritte vor, ein Schritt zurück, und Buenos Aires im Tangotakt. Have you ever been there?
Seitdem wir uns vor einer halben Stunde zusammengesetzt haben, redet Signora Vero, die roten Lippen pausenlos in Bewegung, die dramatisch geschminkten Augen, schwarz wie der flache Filzhut, den sie tief in die Stirn gedrückt trägt; Schiffe, Meere, Menschen ziehen vorbei, rastlos treibt es sie über den südamerikanischen Kontinent bis nach Kolumbien, in Cartagena lebt sie mit einem Mann und verliebt sich in eine Frau, die große Liebe ihres Lebens, hätte sie nie von sich gedacht. Aber sie hat nicht gezögert, nie, hat gelebt, heftig und schnell, sich das Leben genommen, wie sie sagt, intensiv, Tempo, Tempo.
Wir saßen unter dem Vordach der Bar, das uns vor dem Regen schützte, diesem Regen, der seit Tagen nicht aufhören wollte, graue schwere Wolken über einem grau schäumenden Meer, grau wie die Mauern des alten Turmes auf der Promenade. Signora Vero brach den Filter von einer Parisienne, drückte sie in die Zigarettenspitze und mit der Daumenkuppe öffnete sie die Kappe des silbernen Feuerzeuges, inhalierte tief.
Sie hielt mir die geöffnete Packung hin, doch ich lehnte ab. Sehen Sie, fuhr sie fort, ich habe genug für fünf Menschen erlebt und ich kann gut erzählen, ich weiß das; einen ganzen Müllbeutel voller Aufzeichnungen gibt es schon, aber mir fehlt die Ruhe, die Zeit, alles durchzuschauen und zusammenzubringen. In mir ist es immer kribbelig, wie ein Hügel voller Ameisen ist dieses Kind, sagte meine Mutter oft, wahrscheinlich würde man mir heute Ritalin verpassen!
Sie hatte eine unglaubliche Sprachbegabung, drechselte endlos lange Sätze, die beim Militärputsch in Argentinien begannen, Ausritte durch Patagonien nahe heranholten, um zum Schluss auf der Hochzeit einer Cousine zurück in Rom anzukommen. Faszinierend! Bei manchen Reihungen dachte ich, da findet sie nicht mehr heraus, doch sie schlitterte durch Katastrophen und Satzkonstruktionen, schob hier eine Hitzewelle, dort eine Beerdigung ein und in einem Nebensatz streifte mich der Duft der Friedhofsblumen. So wie sie jahrelang durch unwegsames Gelände gereist war, so schlingerte sie durch ihre abenteuerlichen Satzungetüme. Waren es ihre weit ausschwingenden Sätze, ihr Erzähltempo oder der Nikotinmangel – seit Sylvester, seit sieben Tagen also, rauchte ich nicht mehr –, dass ich nervös wurde?
Ich hatte immer noch nicht verstanden, was sie eigentlich von mir wollte. In meiner Handtasche trug ich die Zeitung bei mir, in die sie eine Anzeige gesetzt hatte: Suche Schriftsteller oder anderen kreativen Menschen zwecks Projektrecherche. Wahrscheinlich wollte sie reden, auf ihre selbstbezogene Weise noch einmal ihr Leben erzählen und ich sollte es aufschreiben! Oder ihre Niederschriften durcharbeiten, einen Müllbeutel voller Aufzeichnungen gab es ja schon. Doch sie sprach von allem Möglichen, nur nicht von dem Auftrag.
Ich brauchte einen Job, eine weitere Einnahmequelle. Ich, Cordula Steinfeld- Pasini, zweiundvierzig Jahre alt, Deutsche, die durch Heirat mit dem Italiener Gaetano Pasini nach Sardinien gekommen war. Ich hatte Journalistik und romanische Sprachen studiert. Durch die Übersiedlung auf die Insel vor fünfzehn Jahren hatte ich beruflich in Italien nie wirklich Fuß gefasst. Doch unser gemeinsames Leben hatte mir Freiräume ermöglicht und ich konnte mich, was vorher immer nur ein Traum gewesen war, der Schriftstellerei widmen. So hatte ich einige Erzählungen veröffentlicht und einen kurzen Roman – eine kleine, romantische Liebesgeschichte –, der schon mit der ersten Auflage eingestellt wurde.
Die restlichen Bücher stapelten sich in meinem Kleiderschrank. Ich erfinde Geschichten, die alle traurig sind, ich verlaufe mich in ihnen und komme nicht voran, es treibt mich rückwärts und manchmal brauche ich eine Weile, bis ich bemerke, dass ich hier schon einmal war. Immer wieder denke ich darüber nach, dass wahrscheinlich viele Einfälle und ihre Ausführungen von den Erinnerungen an unsere Toten herrühren, die Erzähler halten sie lebendig, die toten Menschen und die Gegenstände, mit denen wir uns umgeben. Alles vergessene oder verdrängte und ungeliebte Material wird bei ihnen angetrieben, so wie in einem langen Winter das Gerümpel aus dem Meer am Strand angespült wird und sich langsam an der Wasserlinie sammelt, ausgeblichenes Holz, Plastikflaschen, Tang, alte aufgetriebene Schuhe, von denen keiner zum anderen passt. Eine einzige Müllhalde verloren gegangener, ungewollter Dinge.
Die Erzähler nehmen sie auf, ordnen sie, hören ihnen zu, ihrem Raunen und Summen. Durch die Innenwelt des Schriftstellers geschieht eine Verwandlung, von der das Publikum, wenn sie denn gelungen ist, sagt: Das kenne ich, genau das ist mir auch schon passiert. Doch das Geschäft ist anstrengend. Mein letzter Romanentwurf war abgelehnt worden, weil der Held zu zaghaft auftrat. Selbst das Küssen sei bei ihm von komplizierten Gedanken begleitet, bei so viel Lebensschwere würde der Leser gleich wieder aussteigen, lautete die Antwort vom Verlag. Bisher hatte ich also kein Glück gehabt mit meinen literarischen Versuchen.
Ich verdiente mein Geld mit den Übersetzungen von zweitklassigen englischen Serienproduktionen. Und einige Stunden arbeitete ich im hiesigen Tourismusbüro. Meine Tochter Anna und ich lebten von der Hand in den Mund, schon Mitte des Monats waren mein Konto, mein Portemonnaie leer. Darüber hinaus habe ich Schulden bei Freunden und meiner Familie.
Signora Vero war immer noch unterwegs: Panama hat sie nur im Rausch erlebt und in La Havanna wäre sie beinahe an einem gefährlichen Fieber gestorben, gelebtes Leben, so dicht und atemlos. Do you understand?
War es die Angst vor dem Stillstand?, fragte ich höflich, jedoch ohne innere Beteiligung und suchte nach einer Lücke, um mein Anliegen vorzutragen.
No, solo mi piace, mir gefällt der Taumel, das Tempo, alles andere ist langweilig, in meinem Kopf, wissen Sie, die ständigen Gewitter, Blitz und Donner! Und ich muss die gute Zeit nutzen, denn wenn die Traurigkeit kommt – für einen Augenblick war ihr Gesicht wie eingefroren, die Hand blieb in der Luft hängen. Sie wischte die Stimmung fort, rief den Kellner, einen neuen Whisky, befahl sie. Ihr Handy schnarrte, mit einer Entschuldigung wandte sie sich ab und rief ins Telefon hinein: Was gibt’s?
Der Regen hörte auf und die Sonne brach durch die Wolken, warf Lichtsplitter über die See. Noch immer redete Signora Vero am Handy, kurze, scharfe Sätze jetzt. Der Impuls zu rauchen war plötzlich sehr stark, ich sprang auf und sah über die Mauer hinunter, schaute über den, unterhalb der Bar verlaufenden Steinwall, der Bastioni: die riesigen hölzernen Kriegsmaschinen, deren Wurfarme auf das Meer gerichtet waren.
Immer werde ich mich an den Morgen erinnern, als ich zum ersten Mal zur Bastioni hochstieg, der Wind vom offenen Meer stieß mich die Treppen hinauf. Die breite Promenade der alten Wehranlage, ihre Mauern und Türme, die mit Lederriemen und Tauen zusammengehaltenen Wurfgeschosse, die runden Fenster des Hospidale. Es war ein Vormittag Mitte März, viele Türen und Holzläden der ineinander verschachtelten Häuser, die zum Meer hinaussahen, waren schon geöffnet. Eine alte Villa neben mir, ein Haus im maurischen Stil, der Garten von einer windschiefen Mauer verdeckt. Keine Autos. Ein weiter Blick über das Meer, hinüber bis zur nächsten Bucht, der Cappo Caccia, die Berge geschichtet in heller werdenden Abstufungen, transparent fast im dampfenden, wogenden Gischtnebel.
Aus dem Schatten des alten Turmes am anderen Ende der Bastioni löste sich ein Mensch und kam mir entgegen. Augenblicklich packten mich heftige Gefühle; Hoffnung und Freude überfluteten mich und ich deutete es wie ein Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass ich angekommen war. Wir waren die einzigen Menschen zwischen Meer und Land. Wir waren die ersten Menschen.
Ich hasse diese Handys, die Signora klappte ihr Gerät zu. Ich ging zum Tisch zurück und fragte sie geradeheraus nach dem Auftrag, erzählte ihr etwas von meiner Arbeit und legte ihr einige Artikel und Erzählungen vor. Sie blätterte desinteressiert in den Papieren und schob die Mappe beiseite. Es ist ein delikater Auftrag, mehr kann ich noch nicht sagen, nehmen wir uns doch ein wenig Zeit füreinander, es ist eine Vertrauensfrage, wir müssen uns besser kennenlernen. Aber ich kann Ihnen versprechen, es wird interessant! Übrigens, ich heiße Beatrice, mein Vater war verliebt in die Beatrice aus Shakespeares Viel Lärm um nichts. Das passt ja auch, bei dem Krach, den ich an den Füßen mit mir herumschleppe, è vero?
É lei, wie heißen Sie?
Cordula.
Oh, das Herzchen! Sie rauchte wieder, die Sonne zündete kleine Funken auf dem schwarzen hochglänzenden Lack ihrer Spitze. Doch plötzlich wirkte sie kraftlos, das Gesicht versteinert: Sono vecchia, achtundsechzig Jahre, zu alt, was für ein Gewicht, noch drei Jahre, dann mache ich Schluss. Ich rauche, ich trinke, bevor ich Krebs kriege und durch ein Röhrchen rauchen muss. Sie röchelte, während sie an ihrer Zigarette zog, sodass ich mir den Schnitt, das Röhrchen im Kehlkopf gut vorstellen konnte, und sie lachte lauthals, als sie in mein erschrockenes Gesicht schaute. Abrupt stand sie auf, raffte ihre Sachen zusammen, rief den Kellner und erklärte mir, dass sie die Zeit vergessen, verplaudert hätte, nun aber sich verabschieden müsse. Drängte auf eine weitere Verabredung. Auf Wiedersehen, sagte sie auf Deutsch und drückte meine Hand.
Ich stand unter dem Vordach der Bar, als sie mit großen und erstaunlich energischen Schritten hinüber zu ihrer Vespa ging, den Kopf vorgebeugt gegen den Wind, sodass sich ihr Rücken unter dem engen schwarzen Mantel leicht rundete. In einer weiten eleganten Schleife fuhr sie über den Platz davon, die wenigen Passanten, die sich heute herausgetraut hatten, schauten ihr hinterher.
Ich musste noch einkaufen, ein Blick auf die Uhr. Der Supermarkt sollte nach der Mittagspause schon wieder geöffnet sein.
Als ich den Einkaufswagen mit Obst, Brot und anderem füllte, war ich nicht konzentriert. Was für eine merkwürdige Begegnung mit der Signora, ihr Verhalten erschien mir wie meine Nikotinsucht, unberechenbar und sprunghaft, sie hatte einen widersprüchlichen Charakter, maßlos und faszinierend gleichzeitig.
Vor den Kühlfächern stand Fiorentina plötzlich neben mir. Sie ist eine kleine, energische Person, sie sah zu mir hinauf und freute sich, mich zu sehen. Ich beugte mich vor und küsste sie auf die Wangen und fasste in ihr kräftiges, gelocktes Haar. Auch ich freute mich, war sie doch eine meiner besten Freundinnen. Wir teilten uns eine Stelle in der Tourismusbörse – im Winter allerdings mussten wir mit wenigen Stunden vorliebnehmen, weil das Zentrum nur in der Sommersaison ganztägig geöffnet war. Sie überließ mir die meisten Stunden und war überaus zufrieden mit dieser Regelung.
Fiorentina war mit einem Sarden verheiratet, mit dem sie zwei Kinder hatte. Andrea, ihr Mann, war selbstständiger Immobilienökonom, der den Denkmalprojekten der Unesco beratend zur Seite stand. Er hatte ein eigenes Büro auf Sardinien und fuhr häufig nach Rom, wo er mit großen Firmen zusammenarbeitete. Fiorentina sagte oft, sie arbeite nur, um dem Haushaltsmief zu entgehen. Doch ich wusste, sie liebte ihr Leben mit der Familie, selten habe ich eine zufriedenere Frau gesehen. Sie bewohnten ein schönes, altes Haus am Campo Santo. Fiorentina las viel und besaß eine Bibliothek zeitgenössischer europäischer Erzähler, bei denen ich mich bedienen durfte. Sie war stolz darauf, mit einer »echten Schriftstellerin« befreundet zu sein, und führte mich ihren Freunden jedes Mal wie eine Trophäe vor.
Fiorentina kam vom Festland und gehörte wie ich nicht wirklich zur sardischen Gesellschaft.
Wir gingen zu den Kassen und während unsere Ware über das Band lief, standen wir, einander die Rücken zugewandt, an zwei verschiedenen Laufbändern. Fiorentina redete mit der Kassiererin, manchmal wandte sie den Kopf zu mir, zur rechten Seite um und bezog mich in das Gespräch ein. Sie braucht sich nicht zu schminken, so ausdrucksstark sind ihre Augen und Gesichtskonturen. Sie hat eine sehr schöne Nase, mit einem geraden Rücken und fein geschwungenen Nasenflügeln. Allerdings ist in der rechten Seite eine kleine Einkerbung, direkt an der Verbindung zur Wange, ein feiner Ausschnitt, der im Profil betrachtet wie unter den Händen eines Maskenbildners entstanden wirkte: eine extraterrestrische Prinzessin. Nur wenn man sie von vorn anschaute, war die Symmetrie ihres schönen, zarten Gesichtes dadurch etwas gestört. Als Kind musste sie darunter gelitten haben.
Ich jedenfalls liebte diese Seite an ihr besonders und oft, wenn wir zusammen ausgingen, wechselte ich zur rechten Seite.
Es regnete wieder, beständig und eintönig. Himmel und Gassen waren eisengrau, auch mein Daunenmantel hielt nicht wirklich warm. Fiorentina schob schaudernd ihren Arm unter meinen und beklagte die Kälte!
Trinken wir einen Kaffee zusammen?, fragte ich, die Tragegriffe der beiden Plastiktüten schnitten mir in die Finger und mit dem Kopf wies ich auf ein Café nebenan.
Sie bedauerte, sie habe gar keine Zeit, Marco und Sabrina, ihre Kinder, würden in den nächsten Minuten von der Schule heimkommen. Ich habe noch nichts vorbereitet und Andrea ist diese Woche wieder in Rom. Sie streckte sich auf die Zehenspitzen, ich ging etwas in die Knie hinunter und sie küsste mich auf die Wangen.
Ich wollte sie zurückhalten, ihr sagen, dass ich mich allein fühlte, ein Wort hätte genügt, doch ich ließ sie gehen. Die Pflastersteine glänzten schwarz, ich hatte keinen Schirm dabei, der eisige Mistral warf mir den Regen ins Gesicht und um mich dagegen zu schützen, ging ich durch die nächste enge Gasse zurück nach Haus.
3
Eine stürmische Nacht, der Wind drückte gegen die Fenster und kalte Luft drang unter den Türen herein. Wir lebten in einem alten Stadthaus mit sehr hohen Fenstern und gewölbten Decken, wo die Feuchtigkeit die Fresken langsam zerstört. Die anderen Wohnungen im Haus stehen fast ganzjährig leer. Im Sommer kommen Freunde der Eigentümer oder sie werden an Touristen vermietet.
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