Die von der Liebe träumen - Winfried Kerkhoff - E-Book

Die von der Liebe träumen E-Book

Winfried Kerkhoff

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Beschreibung

Mit »Die von der Liebe träumen« liegt ein weiteres Buch von Winfried Kerkhoff aus dem märchenhaft-phantastischen Bereich vor, schon seit Jahren angekündigt. Die Geschichten sind teils in Prosa, teils in Versform dargeboten, einige von ihnen wurden in der Idee schon vor vielen Jahren (2004) erfunden, andere dieses Jahr erst für dieses Buch entwickelt: Der Autor stellt darin 13 neue Geschichten vor, in denen von der Liebe geträumt und in der Liebe gelebt wird. Die Geschichten erzählen: Liebe kann wunderbar und vergnüglich sein, sie kann Geborgenheit, Sicherheit und Kraft geben, sie ist verletzlich, ein Wagnis. Wer Liebe als stetig leben und erleben will, muss sie immer wieder neu erfinden. Stillstand ist der Tod der Liebe. Sie fordert Einsatz und Anstrengung. Sie ist hilfreich und ist auf Hilfe angewiesen, vor allem auf Gegenseitigkeit. - Winfried Kerkhoff war in Berlin an der Freien Universität und an der Humboldt Universität als Professor tätig und ist u. a. Mitherausgeber der Enzyklopädie der Sonder- und Heilpädagogik. Nach seiner universitären Zeit verfasste er Bücher im belletristischen Bereich. Als erstes Buch erschien »Golden sind meine Märchen«, danach: »Na dann, Herr Prof. K.«, »Unsere schwarzweiße Kuh.« Zuletzt »Sechzehn geschenkte Jahre«, eine Hommage an seine verstorbene behinderte Frau.

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Seitenzahl: 113

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Winfried Kerkhoff

Die von der Liebe träumen

Engelsdorfer Verlag

Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten

sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Copyright (2016) Engelsdorfer Verlag Leipzig

Alle Rechte beim Autor

Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)

www.engelsdorfer-verlag.de

Für Elisabeth

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Vorschau

Ich schick mein Herz

Vom Lieben

Die Kranichin

Der unbekannte Mann

Die drei Schwestern

Zimmer 710

Die Hochzeitsgeschenke

Das Leben der Danamir

Die Mondgondel

Italienische Fantasie

Orpheus und Eurydike

Rosengartenblau

Einen Engel lieben

Weitere Werke des Autors

Endnote

Vorschau

Kurzinformation

Ein Herz wird auf Reise geschickt und detailliert dem Empfänger in »Ich schick mein Herz« (Gedicht 1996) empfohlen – mit ›guten‹ Ratschlägen.

»Vom Lieben« hat verschiedene Vorlaufsformulierungen und –formen in seiner Entstehung gehabt. Endgültige Fassung 2011. Zwei ›Lieben‹ auf der Lebensreise unterhalten sich über die Liebe und, wie das Lieben in dieser Situation werden kann.

In »Die Kranichin« (2016) wird Wappenkunde betrieben. Zu den Veränderungen werden jeweils einschneidende ›geschichtliche‹ Ereignisse aus den Annalen der Königsfamilie in Kranichhausen geboten.

»Der unbekannte Mann« (Gedicht 1997) in einem Grab verwandelt sich und nimmt die Gesichtszüge des Betrachters an. Das Gedicht entstand nach Besuch einer Ausstellung russischer Gemälde.

»Die drei Schwestern« wurden unschuldig verurteilt, angeblich wegen einer unterlassenen Hilfeleistung. Werden sie nach ihrem Tode auf Rache sinnen oder helfen, ist die Frage! Der Entwurf entstand 2006, endgültige Fassung 2016.

In »Zimmer 710« geht es um die Sorge und das Bangen eines Liebenden, bis er seine Hoffnungen auf Liebe überraschend erfüllt sieht (Erzählgedicht 1996).

»Die Hochzeitsgeschenke« ist eine Rahmengeschichte, die auf ihre Weise mit der Kerngeschichte verwoben ist. Das Versagen eines Vorfahren wird durch einen Nachfahren hunderte von Jahren später gesühnt (2016).

»Das Leben der Danamir« (endgültige Fassung 2016) erzählt von dem Leben einer unsichtbaren Frau und den Versuchen der »Normalisierung«. Blind ist hier die Gesellschaft – wenn auch nur in Bezug auf eine Person – und die Frau die Sehende. Damit es dennoch zu einem guten Kontakt kommt, müssen beide Seiten aufeinander zugehen und die Voraussetzungen dafür geschaffen werden.

»Die Mondgondel« (Erzählgedicht) aus dem Jahr 1994 liefert einen geheimnisvollen Rahmen für eine Romanze und soziales Verhalten außerhalb dieser »Welt«. Jenseits der Welt herrschen Gewalt und Hass.

Ein junger Mann sucht in einem Kosmetikgeschäft nach einem passenden Geschenk für seine Geliebte und wird in »Italienische Fantasie« durch Erinnerungen an seine Geliebte dabei sehr durcheinander gebracht (Erzählgedicht 1997).

Orpheus, griechischer Sagensänger, stieg in die Unterwelt, um seine Geliebte zurückzuholen. Was war es, das diesen Versuch tragisch enden ließ? Die Überlegungen des Autors führten dazu, das Gedicht »Orpheus und Eurydike« – im Jahr 1907 – zu schreiben.

»Rosengartenblau« aus dem Jahr 1994 ist ein romantisches Erzählgedicht, in dem Wirklichkeit und Traumwelt ineinander übergehen.

Kann man »Einen Engel lieben«? Unmöglich scheint das nicht zu sein, hier scheitert es, so wie Liebe oftmals an scheinbaren Kleinigkeiten, die nicht eingelöst werden, scheitert. Aber ein Hoffnungsschimmer bleibt. Erzählgedicht, entstanden 2002, nach Jahren – 2007 – ergänzt.

Ich schick mein Herz

Ich mach kein’n Scherz:

Ich schick mein Herz

dir durch das Telefon.

Bitte, flieg nicht ohne es davon.

Fern von dir möcht’ es nicht sein.

Drum pack es in den Koffer rein.

Ich hoff’, du hast noch etwas Platz dafür.

Du packst doch für die Insel in dem Meer?

Du brauchst es nicht in Watte packen,

es hat schon viele, viele Macken.

Du kannst es in den Koffer pressen, bis es passt,

ich hoffe sehr, dass er’s – nicht voll – noch fasst.

Zu kümmern brauchst du dich nicht groß,

mein Herz wurd’ mit der Zeit sehr anspruchslos.

Zufrieden ist es, streichelst du es ab und an,

Willst du was Gutes tun, so küss es dann und wann.

Möchtest du dich zeigen ziemlich nett,

dann nimm es manchmal mit ins Bett.

Umschling es, Herz am Herzen liegend, mit dem Arm,

es kuschelt gern, ist lieb und hält dich warm.

Steigst du nach Wochen wieder in den Flieger rein,

vergiss nur nicht, pack auch mein Herz mit ein.

Doch willst du es, daran gewöhnt, gar nie mehr missen,

ich schenk es dir. Bedingung ist: du lässt mich deines

küssen.

Vom Lieben

1

»Wo bin ich geboren?«, fragte die junge Liebe.

»In den Schaumkronen des Meeres, so wie es die Griechen von der Liebesgöttin Aphrodite berichten«, antwortete die alte erfahrene Liebe. »Der Wind des Meeres hat dir einen seiner vielen Flügel gegeben, damit du dich mit ihm hochschrauben und gleiten kannst.«

»Und wohin wird mich der Meereswind treiben, wenn ich in den Lüften bin?«, wollte die junge Liebe wissen. »Er wird dich zur Liebesinsel treiben«, erwiderte die alte Liebe. »Das ist dein Ziel, dort wirst du bleiben und glücklich sein.«

»Und, ist es weit bis dahin?«, fuhr die junge Liebe fort.

»Ja, es ist sehr weit und anstrengend. Manchmal wird ein Orkan dich zausen und an deinen Federn rupfen. Vielleicht musst du auf den Wogen eine Zeit lang in Richtung Insel schwimmen, bis dir neue Flügelfedern gewachsen sind. Aber du wirst auf jeden Fall dort ankommen«, tröstete die alte Liebe.

»Das ist aber sehr einsam, wenn es so lange dauert bis zur Liebesinsel«, meinte die junge Liebe traurig.

»Du wirst vielleicht eine andere Liebe unterwegs treffen, die ein Stück mit dir fliegen will, vielleicht auch länger. Ihr werdet sehen«, war die Antwort der alten Liebe.

»Woran kann ich erkennen, dass die andere Liebe mit mir fliegen will«, wollte die junge Liebe wissen.

»Sie wird es dir sagen. Du wirst es fühlen. Zusammen werdet ihr mit zwei Flügeln besser vorankommen«, war die Auskunft der alten Liebe.

»Meinst du, dass wir zusammen fliegen können, dass es einen guten Flügelschlag zusammen gibt?«, fragte die junge Liebe.

»Ihr müsst es ausprobieren. Sonst findest du sicher eine andere Liebe«, machte die alte Liebe Mut.

»Dann will ich jetzt los fliegen«, entschloss sich die junge Liebe und schraubte sich hoch.

2

Die alte Liebe schaute sehnsüchtig der jungen Liebe nach, wie sie sich schnell in den Wind erhob. Sie wusste, dass es ein langer beschwerlicher Flug war bis zur Liebesinsel, auch sie war auf dem Weg dorthin.

Tage und Wochen, ja Jahre vergingen. Oft wurde die alte Liebe von jüngeren Lieben überholt, die allein oder zu zweien aneinander gekoppelt mit zwei Schwingen flogen. Die alte Liebe schien ganz gut voranzukommen. Sie sah auch trudelnde Doppel und unter sich auf dem Meere zerzauste Singles und Zweier. Opfer des Orkans. Sie hatte immer Glück gehabt und konnte dem Orkan ausweichen.

Da sah die alte Liebe die junge Liebe unten auf dem Meer, sie hatte kaum noch Schwungfedern. Die alte Liebe ließ sich nach unten fallen und setzte auf neben der jungen Liebe.

3

»Was ist geschehen?«, fragte die alte Liebe.

»Ich kam in einen Orkan, der riss an mir und ich verlor an Federn und Kraft. Dann traf ich eine andere junge Liebe. Wir flogen prächtig zusammen. Doch nach einiger Zeit wurde ich müde und wir wurden langsamer. Die andere Liebe stöhnte, weil sie sich mehr anstrengen musste, um das Tempo zu halten. Wir wurden langsamer. Es überholten uns immer mehr Lieben, allein und zu zweit.

Da ließ die andere einfach los und flog mit einer anderen kräftigen jungen Liebe davon«, erzählte die junge Liebe und schaute sehnsüchtig und traurig in die Richtung der Insel der Liebe.

Die alte Liebe wusste nicht, war es nun Sehnsucht zur anderen verlorenen Liebe oder Sehnsucht nach der Liebesinsel.

»Was ist dann mit dir passiert?«, wollte die alte Liebe wissen.

»Ich trudelte nach unten und fiel ins Meer. Ich war sehr kraftlos, konnte Tage nicht weiter, nur auf der Stelle schwimmen«, antwortete die junge Liebe und sackte traurig ineinander. Von der Glut einer jungen Liebe war kaum noch was zu spüren.

»Ich schwimme mit dir. Ich ziehe dich!«, entschloss sich die alte Liebe. »Ich zeige dir, wie man neue Kraft gewinnt. Wie man sich die lange Zeit der Reise vertreibt, wie man sich gegenseitig ermutigt.«

Und schon – sie voraus – schwammen sie los. Sie putzten sich gegenseitig. Die alte Liebe wärmte und schützte die junge Liebe in der Nacht. Sie kamen gut voran, und die Federn der jungen Liebe wuchsen von Tag zu Tag.

4

Die alte Liebe merkte nach einigen Wochen, in denen sie zusammen geschwommen waren, dass die junge Liebe neuen Lebensmut bekam.

»Ich will wieder fliegen«, rief die junge Liebe eines Tages.

Und sie flog, zuerst im Windschutz der alten Liebe. Oft waren sie aneinander gekoppelt, um Kraft zu sparen. Die junge Liebe wurde immer schneller. Die alte Liebe kam außer Atem.

»Flieg allein weiter«, riet die alte Liebe.

»Nein«, sagte die junge Liebe, »ich werde dich nicht in Stich lassen.«

Doch die anderen jungen Lieben zu zweit oder allein waren schneller, und so fragte die junge Liebe eines Tages: »Bist du böse, wenn ich schon mal voran fliege? Ich habe solch eine Sehnsucht nach der Insel der Liebe!«

Die alte Liebe lächelte: »Ich würde gern mit dir weiterfliegen, zu zweit ist es bequemer und schöner, man kann sich unterhalten und Mut machen, man kann sich gegenseitig die Liebe erklären und nahe sein. Aber flieg nur, ich komme nach.«

Und gab ihr einen kleinen Schub, dass sie auch wegflog.

»Bis dann, tschüss!«, rief die junge Liebe.

Die alte Liebe sah der schnell davon eilenden jungen Liebe nach, ein paar Tränen rollten aus ihren Augen, aber sie hatte ein Stückchen Glück genossen und wünschte der jungen Liebe alles Liebe und Gute.

5

Wochen flog die alte Liebe weiter und sehnte sich nach der Liebesinsel und dachte oft an ihre junge Liebe, die schon voraus geflogen war, da sie es nicht abwarten konnte. Ob sie schon die Insel erreicht hatte? Keiner wusste ja, wo und wieweit entfernt diese Insel lag. Denn, wer einmal die Liebesinsel erreicht hat, bleibt immer dort.

Oft wurde die alte Liebe überholt, und manches Mal überholte sie andere Lieben, die zu zweit oder allein müde geworden waren und sich zur Insel quälten; und viele sah sie unter sich auf den Wogen des Meeres, allein oder zu zweit, die sich ausruhten, manche zerfleddert und traurig.

Als sie sich so umschaute, bemerkte sie eine Liebe von unten aufsteigen, direkt auf sie zu. Da war wohl jemand, der sie auserkoren hatte, mit ihr zusammen zu fliegen. Viele alte Lieben hatten es schon versucht, aber sie hatte lieber allein weiter fliegen wollen, sie dachte immer wieder an die junge Liebe, die ihre Begleiterin so lange Zeit gewesen war. Die Erinnerung ließ sie nicht los.

Die Liebe, die aufgestiegen war, flog nun neben ihr her, sie war jung, schön und glühte sehr hell.

»Wie geht es dir«, fragte die Liebe die alte Liebe. »Erkennst du mich nicht?«

Die alte Liebe leuchtete auf. Es war die junge Liebe!

»Du?«, rief sie und zugleich zuckte die Liebes-Glut in ihr unruhig und sie taumelte. Sie sackte tiefer und tiefer, kraftlos.

Ihr letzter Gedanke war: »So werde ich die Insel der Liebe nie erreichen!«, und ihr Bewusstsein schwand. Sie fand sich wieder oben auf dem Meer.

6

Aber sie war nicht allein. Die junge Liebe erklärte ihr: »Ich habe hier auf dich gewartet. Das letzte Stück bis zur Insel der Liebe ist wohl besonders schwer. Ich habe nämlich gesehen, dass hier, anders als vorher, nicht die Gleichstarken miteinander fliegen, sondern die starken die schwachen Lieben ziehen. So wie du es mit mir schon vor vielen Wochen gemacht hast.«

»Da bist du auf die Idee gekommen, auf mich zu warten«, ergänzte die alte Liebe, »aber mit mir wirst du es nicht leicht haben!«

»Doch«, entgegnete die junge Liebe, »wenn man jemanden zieht, ist man viel stärker, als wenn man zu zweit schlecht fliegt!«

Es war nicht einfach für die junge Liebe, die alte Liebe zu ziehen. Aber die alte Liebe erholte sich nach und nach; bald flogen sie zu zweit nebeneinander, wenn auch ein wenig schief, weil die junge Liebe einen kräftigeren Flügelschlag hatte.

Sie wussten, der Weg zur Insel der Liebe war weit. Sie mussten vielleicht noch Jahre fliegen.

Aber eines Tages würden sie ankommen.

Die Kranichin

1

Wer kennt nicht das Bild mit einem großen Vogel, in dessen Schnabel eine Windel hängt, darin ein Kind?

Vor unendlich langer Zeit lebte ein König, dessen Staatswappen ein solch großer weißer Vogel mit langen Beinen und einem spitzen Schnabel zierte. In dem Schnabel hing auch ein solches Tuch, in dem ein kleines Kind lag.

Eigentlich waren sich, seit man sich erinnern konnte, alle Leute unter diesem König einig gewesen, wen denn dieser große Vogel darstellen sollte. Es war der Storch, der ein Kind brachte.

Nun war aber ein Streit entstanden. Eine große Zahl der Bürger stand der alten Meinung, dass der Wappen-Vogel ein Klapperstorch sei, kritisch gegenüber. Ein Storch habe rote Beine und nicht dunkle wie beim Wappen. Ein Storch habe einen langen rötlichen Schnabel und nicht einen dunklen und kurzen, er trage kein Federhäubchen. Überdies müsse man das alles neu deuten, denn jeder wisse, dass der »Klapperstorch« keine Kinder bringe und auch niemals gebracht habe.