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Du siehst einen Tropfen am Fenster, und der rinnt hinab in einer Linie und trifft auf einen anderen Tropfen. Welche Freude! Unzählige solcher Freuden säumten die Wege der Menschen des 20. Jahrhunderts. Gezeugt, geboren, gelebt, verflossen. Die Tropfen vom Fenster verwandeln sich, werden Brauchwasser, Abwasser, Nebel und Wolken und treffen wieder auf die Erde. Tropfenweise wiederholt es sich auch im menschlich-sozialen Kreislauf seit Jahrtausenden. Aber du bist ein Kind des 20. Jahrhunderts, und du ahnst dieses Leben, als du aus dem Schulfenster siehst. Später bist du umgeben von Büchern und dich fasziniert der Gedanke, sie zu vermehren. Du möchtest Tropfen beschreiben, die man versteht. Du lernst es hartnäckig, und nebenbei musst du leben. Doch plötzlich stirbt dein Vater, dir gegenüber sprachlos, nur Lebenslinien bleiben kurze Zeit, die denen anderer Tropfenbahnen gleichen. Sie verschwimmen in den Meeren, die man das menschliche Leben nennt. Die Tropfenbahnen bilden Eigenheiten, bevor sie sich zu Strömen vereinen auf den Wegen zum Meer. Nicht das Absondern einzelner Tropfen hilft uns weiter zu leben, sondern das Aufgehen in den Strömen. Aber das ist kein Vernichten der Eigenart des Einzelnen. Es ist ein Aufheben im Sinne von Verstärken. Ich sage es als einer der vielen Wasserfänger, der zugleich ein Tropfen ist, und ich möchte mit diesem Buch die Zahl der Bücher und ihre Botschaften vermehren.
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Seitenzahl: 475
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Ähnlichkeiten mit lebenden und toten Personen und deren Handlungen sind beabsichtigt und ihre Namen verfremdet.
Alles ist den literarischen Grundmotiven untergeordnet.
Horst Seidel
Die Wasserfänger oder ein Leben reicht nicht
Engelsdorfer Verlag Leipzig 2020
Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.de/DE/Home/home_node.html abrufbar.
Copyright (2020) Engelsdorfer Verlag Leipzig
Alle Rechte beim Autor!
Titelbild © T. Hemmann
Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)
www.engelsdorfer-verlag.de
Cover
Titel
Impressum
Vorab
Dämonische Begegnungen der ungefährlichen Art
Auf der Suche nach den Zeitströmen
Helden, Taten, Katastrophen
Ein Ende einer Flut
Ein Arbeitstag Droppens nach seiner Alptraum-Nacht
Inge, das Traumhaus und Hartmuts Wieder-Entdeckungen
Inges Genesung und Denken an die Kindheit und Jugend
Hartmuts erste Eroberung der Welt und die Geburt der zwiespältigen Überraschungen
Walter Droppen entdeckt sich und sein soziales Schicksal
Hartmuts Aufbruch ins Blaue und seine Suche nach dem neuen Menschen
Ein Dialog auf offener Straße
Walter Droppen will sein soziales Schicksal bestimmen
Nachbemerkungen des Autors und offene Fragen
Eine Vater-Sohn-Begegnung in Dresden-Klotzsche
Neue Eltern – ernannte Kinder
Unerwarteter Zaungast
Wie der Hartmut gehärtet wurde
Harmut und Inge Droppen – im Strom von Klein-Deutschland
Weitere Blicke auf den Strom und auf eine mehr als abenteuersüchtige Großmutter
Amerikanische und deutsche Rätsel um Ada
Harald will ein gutes und gerechtes Leben
Vom edelmütigen, teuren Genossen Hartmut aus Sachsen
Hartmut trifft Walter Droppen im Walde
Von Inges und Hartmuts Liebe zu sich und zur Arbeit
Die Droppens in den Stromschnellen ihres Arbeitslebens
Stimmungsvolle Begebenheit im Herbst
Eine wunderliche Demo
Arbeiten wie Wasser – Ein Essay
Wir sind vor dem Ende des 20. Jahrhunderts, fahren im Auto, Hartmut Droppen lenkt den Opel Astra, also einen PKW, durch die Nacht. Es ist um Ostern, und er fährt mit einer männlichen Person neben sich durch einen Schneeschauer.
„Weshalb bist du gekommen?“, fragt Hartmut.
„Du hast es dir gewünscht“, antwortet der andere.
„Das stimmt. – Aber 35 Jahre nach deinem Tod …?“
„Ich habe es mir auch gewünscht“, bekennt der andere, es ist Walter Droppen, Hartmuts Vater, und der ergänzt mit der Frage: „Ist das Buch fertig, was du versprochen hast?“
Der Sohn zögert mit der Antwort. Der Vater erklärt, dass seine Geduld zu Ende gehe.
Der Sohn bittet um Nachsicht.
„Die hatte ich viel zu lange. – Du hast mir keine Enkelkinder gemacht, du hast einen Beruf gewählt, der die Welt nicht vorwärts bringt und mich auch noch vergessen.“
„Keinesfalls!“, protestiert sein Sohn energisch. „Ich habe dich nicht vergessen, ich suchte nur den richtigen Rahmen für dein Lebensbild.“
„Du hattest meine Niederschrift; das musste doch genügen. Oder etwa nicht!??“
Der Sohn gesteht etwas kleinlaut: „Ich habe vielleicht zehn Mal angefangen. Ich wollte dich glaubwürdig in deiner Zeit zeigen, aber auch lesbar für viele Leute, die dich nicht kannten.“
„Und dazu brauchst du so lange? – Ist mein Lebensbericht schon im Altpapier??“
„Nein, er war mir das wichtigste Recherchematerial und …“
Walter Droppen unterbricht ihn: „Ach“, äfft er den Sohn nach, „Rechenmaterial; rechnen willst du mit mir? Wohl lauter Droppen zusammenzählen, was?? – Und wo bleibe ich dann, he??“
Hartmut überlegt eine Weile, dann sagt er: „Wir müssen anhalten; der Schneefall wird dichter.“ Nach kurzer Pause entgegnet er etwas ärgerlich: „Entschuldige, aber zu deinen Lebzeiten hast du nie danach gefragt. Ich dachte schon, es interessiert dich gar nicht, was ich mache.“
„Quatsch. – Ich wollte dich nicht drängen.“
„Und dann warst du plötzlich weg.“
„Ich war nicht weg, ich bin gestorben.“
„Und jetzt bist du auferstanden.“
„Hör mit den Märchen auf.“
„Ich dachte, du warst ja auch mal evangelisch-lutherisch.“
„Du bist doch nicht etwa wieder in der Kirche?“
„Nee, nee, Papa.“
„Also; du hättest meinen Lebensbericht doch einfach zum Druck geben können. Ich habe es deiner Mutter bereits vor vielen Jahren gesagt. – Ich habe Hunderten von Arbeitern geholfen, ein besseres Leben zu führen! Ich war ihre Stimme. – Das ist ein Verdienst fürs ganze Leben!“
„Mutti sagte, deine Stimme habe versagt, bevor du gestorben bist.“
„Ja, aber man stirbt nicht unverstanden, wenn man geliebt wird. Oder hast du mich nicht …?“
Das Gespräch nimmt einen gereizten Ton an.
Der Sohn meint versöhnlich: „Mutti würde jetzt sagen: Streitet euch nicht schon wieder!“
Walter Droppen steigt aus.
Hartmut Droppen will ihn am Ärmel festhalten, aber der gleitet ihm aus den Fingern.
Die Wagentür klinkt unhörbar ein. Der schneeige Vorhang lichtet sich. Aber noch ehe der Sohn sehen kann, wohin sein Vater gegangen ist, sieht er ganz deutlich neben dem Auto seine Mutter stehen; sie lächelt ihn, scheint ihm, sehr glücklich an. Er hat den Wagen in die Parktasche der Omnibusse gelenkt; er weiß, dass um diese Zeit kein Bus mehr kommt. Am Gasthaus gibt es ein Vordach, wohin Hartmut gehen möchte. Seine Mutter bleibt am Auto stehen, und der Sohn denkt: „Sie will mal drin sitzen.“ Droppens hatten nie ein Auto. In jungen Jahren ist sie viele Jahre gewandert; da war sie noch keine Mutter, aber immer stolz auf ihren Geburtsort in den USA und auf ihre Großstadt-Leipzig, eine wandernde Jungsozialistin. Hier nun zwischen den Dörfern, in die es sie verschlagen hatte, ergriff sie wohl das Fernweh. Hartmut öffnet ihr die Tür, denn auch dieser Handgriff ist ihr neu. Aber ihr ganzes Leben hat sie Menschen froh gemacht und Entbehrungen ertragen in diesem Sinne. Und sie fragt auch gleich ihren Sohn: „Bist du glücklich mit Inge?“ Er zögert mit der Antwort, aber lächelt, und das genügt ihr schon. Sie fahren ein paar Kilometer, bis Mutter Droppen plötzlich aufgeregt hinauszeigt: „Dort hat meine Mutter gewohnt, nachdem sie Papa hierher gelockt hat.“ Hartmut weiß Bescheid. Sie fahren langsam durch Gutberg, und Hartmuts Mutter konnte es ihrem Mann lange nicht verzeihen, dass er die alte Frau so verschaukelt hat in ihren letzten Jahren. Droppens selbst wohnten in Neugutberg, aber das hatte mit Gutberg gar nichts zu tun, und das tief eingeschnittene Zschopautal liegt noch immer zwischen den Orten. Trotzdem ist Hartmuts Mutter manchmal mit dem Kinderwagen hinunter und wieder hinaufgefahren. Der Oma konnte eine solche Tour nicht zugemutet werden. Die Zeit, da sie mehrere Männer prüfte, die Reise nach Kalifornien nicht scheute und sogar als erste Schlosserin Deutschlands galt, war schon damals fast vergessen.
Hartmut fährt zurück zur Gaststätte „Geiger“. Eigentlich wollte er nach Raschelthal, aber ein unbestimmtes Gefühl, vielleicht auch seinen Vater wieder zu treffen, zieht ihn zurück.
Seine Mutter saß stolz lächelnd neben ihm, schaute hinaus in die feuchte, vorösterliche Nacht und schwieg. Möglicherweise dachte sie nur immer: „Es ist etwas aus ihm geworden.“ Das fahle Licht lässt die Schatten zerfließen, aber die Straße als helles Band leuchtet wie ein Fluss, der sich im Mondlicht spiegelt, denn es hat aufgehört zu schneien und der Schnee ist auf dem Asphalt getaut. Sie fahren also zurück. Der Hof der Gaststätte macht einen wüsten Eindruck.
Sie können es jetzt erst richtig sehen, da sie ihn betreten. Dort fand zweifellos am Vorabend eine Party statt. Der Grund bleibt ihnen verborgen. Doch Mutter und Sohn sind nicht die einzigen, die jene liederliche Szenerie bemerken. Es ist, als hätte das unzeitgemäße Wetter mehrere Leute dahin geschwemmt, während die Partygäste vermutlich vom Schneesturm überrascht worden sind und rasch das Weite gesucht haben. Die nächtlichen Einkehrer können nicht wissen, dass es kurz vor Beginn des 21. Jahrhunderts (früher hätte man gesagt: … zum guten Ton gehört) ein Zeichen von Selbstbewusstsein ist, Unordnung zu hinterlassen. „Ich war hier!“, signalisieren auch manche Tiere, indem sie mit ihrem Urin den Platz ihrer Anwesenheit oder ihr Revier markieren.
Leere Flaschen, zerknüllte Papierservietten, auch Plastikteller, solche Bestecks, Essenreste und andere Hinterlassenschaften belebten den Hof, auf dem noch ein paar Bänke und Tische wild durcheinander standen oder umgekippt waren. Der Neuschnee deckt es nicht zu.
Hartmut Droppen geht mit seiner Mutter mitten hinein in diesen chaotischen Hof. Vor ihnen steigt ein etwas rundlich wirkender Mann über einen Haufen Flaschen und Gläser, was Frau Droppen ärgert. Sie schüttelt den Kopf. Als hätte es der Mensch gespürt, dreht er sich um, und Hartmut sagt überrascht: „Mensch, Harald!“ Es ist der Bruder seiner Frau. Er erklärt, ohne Begrüßung oder Anrede: „Nee, nee, da mische ich mich nicht mehr ein. Wenn man etwas für Recht und Ordnung machen will, wird man bestraft und zum Feind erklärt.“ Hartmut hat ihn mit Inge, also mit Haralds Schwester, in den Gefängnissen Dresden und Brandenburg besucht, als er unter Verdacht feindlicher Tätigkeiten stand, obwohl er nur Menschenrecht und Völkerrecht kennenlernen wollte. Als er sein Haus fertig gebaut hatte, trennten sich seine Frau von ihm und der Staat ebenfalls. Aber alle, die sich nun hier sahen, freuten sich. „Deine Urlaubs-Dias habe ich noch“, sagte Hartmut. „Na, haste doch geerbt“, antwortete der Schwager und ging eilig irgendwohin.
An einem Tisch, der noch stand, saßen Droppens Nachbarn aus Dresden. Sie wohnten über ihnen in der Dachwohnung des Vorortes bis sie 1980 starben. Hartmut und seine Mutter kommen mitten in ein Gespräch, das die beiden alten Nachbarn mit einem Unbekannten führen. Walter Richter erklärt: „Mich kriegt keiner mehr in die Stadt – seit 50 Jahren war ich nicht dort.“ „Aber Dresden ist doch sehr schön geworden!“, antwortet der andere. „Mich kriegt keiner mehr in die gefolterte und verfälschte Stadt!“, poltert Richter. Seine Jugend und erfolgreichsten Jahre hatte er in der Nazizeit gelassen, und dafür musste er einsitzen. Seine Frau streichelt ihn; klug und immer fürsorglich, war sie stets an seiner Seite geblieben.
Hartmut rechnet kurz; die Rechnung von Alfred Richter geht nicht auf. Er wünscht sich seine Frau her, doch die erwartet ihn in ihrem Wochenendhäuschen. Eine der schönen, wenn auch von Trauer überschatteten Überraschungen hatte sie diesen Richters zu verdanken. Gertraude hatte sie als Alleinerbin eingesetzt, aber mit einer Bedingung, die man sich nur sehr aufmerksam erlesen konnte.
Statt ihrer sitzt Hartmuts erste Frau, Heide, bei einem Glas Rotwein dort und erklärt seinem Sohn Karsten, welche Bedeutung die Völkerschlacht bei Leipzig für Sachsen heute noch hat. Hartmut denkt: „Woher hat sie den Wein und das Glas? – Sie hat es sich also nicht abgewöhnt. – Ihre ungezügelte Lebensfreude hat sie vermutlich auch in den Tod geführt, so hätte sie ihn nicht verdient. Ihr Lebensende blieb geheimnisumwittert.“
Auch Arina sitzt mit an dem Tisch, sie hatte eigentlich mit Karsten reden wollen, aber Heide mischte sich – wie immer – ein. Arina war das Kind aus Hartmuts erster Ehe und auf merkwürdige Weise nach dem plötzlichen Tod ihrer Adoptivmutter dem Bruder von Heide zugeteilt worden. – Die DDR machte alles möglich.
Karsten hielt Abstand wie immer, wenn man ihm nicht zuhörte. Er hatte in ein Gespräch nur ironisch eingeworfen: „Ja, ich weiß: Früher war alles besser.“ Wem der Einwurf galt, blieb ungewiss. Nach der Wende hatte er Unternehmerträume, fühlte sich als Existenzgründer, aber nur wenige Jahre danach warf ihn eine unheilbare Krankheit aus der Bahn. Dennoch achtete Hartmut ihn sehr, weil er nicht aufgab und sich stets neue Ziele setzte.
Der Schnee war nun in Regen übergegangen. Ein feiner, nebeliger Regenschleier zog um den „Geiger“. Hartmut Droppen hatte sich wieder ins Auto gesetzt; ihn fröstelte. Plötzlich kam Wind auf, und der Nebelvorhang riss auf bis zu den Wolken hinauf. Der Mond beschien für kurze Zeit wieder einen völlig leeren, schattenreichen, kalten Hof. Hartmut schüttelte den Kopf und ließ den Motor an.
Hartmut Droppen will wieder jene unsagbare Traurigkeit beherrschen, die er empfindet, wenn er daran denkt, dass inzwischen niemand mehr nach seinen Eltern fragt. Diejenigen, die gefragt hätten, sind auch gestorben. Es scheint, als wären diese Leben nicht gewesen. Was sind Gräber? – Merkzettel im Menschheitsbuch der Geschichte? Irgendwann ist die Liegezeit vorbei. Oder die Speicherkapazität des Computers ist erschöpft. Eher vielleicht bleibt die Erinnerung im Menschheitsgedächtnis. – „Aber wie kommt sie dahin?“, fragt er sich.
Ich, der Erzähler, bleibe beim Buch und erzähle Lebensgeschichten aus dem 20. Jahrhundert, die denen meiner Eltern gleichen. Sie sollen alle nicht weggespült werden vom Abwasser der Geschichte. Ich weiß noch nicht, wen ich treffen werde und wie viel Erzählzeit ich ihnen widmen kann auf dem Weg zum Buch. Einige begegneten mir schon, aber sie sind der Gegenwart wieder entkommen.
Wenn wir bei diesem Bild der Gefahr des Wegspülens bleiben, sehen wir unsere Lieben in die Gullys gespült, aber wir wissen doch, was sie geleistet haben. Sollten wir sie Gully-Helden nennen? – Keinesfalls!
Kurz vor dem 21. Jahrhundert lebt Hartmut Droppen mit seiner Frau und seinen Kindern in Dresden. So viele andere haben diesen Jahrhundert- und Jahrtausendwechsel nicht mehr erlebt. Es ist notwendig, auch die eigenen Lebensbahnen zurückzuverfolgen, jede zieht einen Faden durch die Geschichte, oft verdienstvoll und freudvoll erarbeitet, trotz mancher Leiden – so wie es Menschenart ist.
Überschwemmungen, Dürreperioden, Erdbeben und andere Katastrophen erlebt nicht nur unser blauer Planet. Auch das Zusammenleben der Menschen ist solchen vergleichbaren Erschütterungen unterworfen; soziale Ströme fließen in uns und mit uns.
Die nationalsozialistische Überschwemmung im 20. Jahrhundert vernichtete nicht nur materielle Werte.
Das kritische Jahr, das unsere Rückschau einleitet, ist dass Jahr 1999, und es wird von Hartmut Droppen erzählt, der sich schließlich vom Ich-Erzähler verabschiedet, weil der Fluss der Geschichte einen etwas anderen Menschen aus ihm gemacht hat.
Ein sehr kluger Mensch erkannte einmal, dass die Menschheit oft heiter von ihrer Vergangenheit scheidet, und er nahm Bezug auf die Komik (Karl Marx). Humor und Satire sind ihre treuen Weggefährten in der Literatur. Hartmut und ich erzählen gelegentlich auch so.
Es soll Zuversicht und Hoffnung spenden, denn der Mensch ist auf diese Art dem Tier überlegen.
Als Walter Droppen jubelte: „Überraschung!“, lauerten die Nationalsozialisten auf Material, das sie zu kriegerischen Helden machen können. Vater Droppen wollte diesen Wunsch keinesfalls erfüllen, aber sein Zauberstab ließ nichts anderes zu und seinen zwei Weibern, mit denen er nacheinander verheiratet war, blieb keine Wahl. Zwei männliche Helden aus der ersten Ehe und zwei nachfolgende, Zwillinge, versprachen „Führerbefehl – wir folgen Dir!“ Die zweite Zeugungszeit im zweiten Jahr der Nazizeit war Weihnachten, das Fest der Liebe. (Von dem Märchen, als das Vater Droppen das christliche Weihnachtsfest und andere solche Feste bezeichnete, hielt er nichts, aber es blieb die Geburtshoffnung.) Kein Mensch konnte damals erkennen, welche Helden nach neun Monaten geboren wurden. Das Kirchenjahr war noch nicht vollendet, der Herbstanfang gebar ein Menetekel.
Wir rekapitulieren die ganze Geschichte mit mehreren Zeitgenossen des 20. Jahrhunderts vom Ende desselben her, und ich bin Erzähler, literarischer Protagonist und Akteur. Entdecke ich andere Helden?
Ich war von den Zwillingen der, der später geboren wurde, auch der langsamere. Weil meine Eltern in der Aufregung die Namensgebung als sekundäre Sache betrachtet hatten, waren modische Namen genannt worden, nazifreundlich, obwohl sich die Eltern als Nazigegner fühlten. Deshalb wählen wir als Jahrhundertkenner andere Namen. Genau genommen gehören und gehörten alle zu den Letzten oder zu den Untersten, und das blieb so bis 1989. Für manche war die friedliche Revolution nicht nur eine Wende, sondern eine Katastrophe, aber auch daraus machten sie etwas; sie ruderten mit und nicht zurück.
Unser blauer Plant wird fahl und gelb und trockener. Die Sandwüsten fressen das Grün. Wenn er Wasser ausschüttet, scheint er es im Zorn zu tun, und flutet unmäßig und zuweilen sauer. Der Mensch wird sich anpassen, andere Arten gehen ein, jetzt schon – täglich, stündlich – in jeder Sekunde. Erst, wenn das schaurige Phänomen auch uns Menschen droht oder wenn wir scheinbar von einer Riesen-Katastrophe überrascht werden, lassen wir uns gezwungenermaßen überzeugen. Wir sind so klug, die böse Überraschung vorauszusehen, aber wir halten sie für unglaubhaft, weil wir die neuen Helden sind, obwohl wir noch kämpfen wie zu Ritters Zeiten, Gläubige wie Ungläubige, sind wir gierig auf Eroberungen. Wer will überrascht sein? Die Kämpfer in Klassen zu fassen, ist nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte bleibt trotz aller Aufklärung, trotz aller Wohlfahrtsstrategie und trotz der gesetzten Regelungen unberechenbar. Wie im Erdkern die brodelnde Lava bewegt sich das Karma in den Menschen. Lebensgefühl und Weltgefühl liegen im Streit, spätestens seit dem zwanzigsten Jahrhundert, dem Jahrhundert des Auf- und Umbruchs. – Wer oder was da aufbricht oder umbricht, scheint irgendwie rätselhaft zu bleiben. Die fortschreitende Zivilisation treibt teuflische Blüten.
Einer von den Wasserfängern möchte das ganze Jahrhundert als Zeitzeugen aufrufen und hat doch nur Seinesgleichen zur Verfügung, aber viele sind dem Rückbau zum Opfer gefallen, jedenfalls registrieren es die sozial Etablierten.
Als der Wasserfänger noch ein Parolenrufer und Vorsänger war, fühlte er sich als Trägerrakete neuer Eroberungen im Innern des Menschen. Dann kam es zur Verschrottung im großen Stil, zu früh für ihn und für Seinesgleichen, meint er.
„Völker hört die Signale!“ ist noch nicht ganz verklungen; aber immer häufiger werden sie von den Startkommandos der Weltraumraketen oder den Attentaten der Terroristen oder auch von anderen Verkehrsunfällen ebenso wie von sich ereifernden Reden der Politiker übertönt.
„Das ist Romanstoff!“, trompetet einer.
„Auch so kann man eine Biographie schreiben“, merkt ein anderer an. – Ich versuche es.
Ich lebe im Jahr 1999. Die europäische Währung wird in neun Ländern eingeführt, also im Sommer auch in Sachsen, wo ich lebe. Die Nato greift in Jugoslawien ein, erstmalig nach dem Zweiten Weltkrieg, auch deutsche Flugzeuge. Sind sächsische Militärangehörige dabei?
Erstmalig tritt eine Regierung der EU (Europäische Kommission) zurück. Erdbeben in der Türkei, zigtausende Tote und Verletzte, melden die Medien. Polen und die Tschechische Republik treten der Nato bei. Auch das melden die Medien und eine Chronik jenes Jahres aus dem Bertelsmann Lexikon Verlag meldet, dass der Bundestag in den Reichstag eingezogen ist in Berlin, aber die neuen Bundesländer und also auch Sachsen gibt es im Lexikon noch nicht, obwohl sie schon fast zehn Jahre bestehen. – Ich frage mich, ob ich auch ein richtiger Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland bin.
Hartmut Droppen, der fast ganz unten auf dem Erdboden steht, einem Standbild seiner selbst ähnlich, lauscht nachdenklich auf einer kleinen Hangwiese in das Flusstal im mitteleuropäischen, gemäßigten Klima, das seinen Bewohnern nun doch einmal ein Hochwasser bescherte und schaut hinunter zum Fluss, der so friedlich rauscht, als hätte es keine Flut gegeben, da er mit Donnerstimme sprach.
Dieser Mensch also murmelt: „Mein Gott, sind die Leute schwerhörig geworden!“ Wer will es ihm verübeln? – Aber der Ton gefällt nicht. Droppen ist weder ein Überheblicher, noch ein Überraschter, und seine Aussage ist mehrdeutig.
Noch vor kurzem war der Quellberg nicht zu erkennen gewesen, jene schützende Erhebung vor dem Tal, die der Fluss gemeinsam mit den vulkanischen und eiszeitlichen Verformungen geschaffen hatte. Das Licht war verloschen im Grau der Wasserwand, die alles wegzuschwemmen drohte, und alle feinen Töne, erst recht die menschlichen, waren erstickt worden in dem unheimlich rauschenden Gedröhn, worin nicht mehr zu unterscheiden war, ob es der Wind im Blattwerk der uralten Bäume an den Steilhängen der bewaldeten Flussufer verursachte oder die aufschlagenden Hagelkörner und die zu Schwaden gewordenen Regentropfen sowie zugleich das ganze davon stürzende Wasser hinunter zu irgendeinem tieferen Punkt der Erde. Der Geräuscheflut folgte die Stille, erkennbar am unheimlichen Grollen des sonst sich beschaulich gebenden Flusses und am zerstörerischen Werk des Unwetters, das die pflanzlichen und gegenständlichen Opfer tot und verwundet stumm klagend zurückließ. Es hat Menschenwerk missachtet. Zuweilen reicht uns Menschen diese Vorführung nicht, wir ahmen sie nach.
Hartmut Droppen und Seinesgleichen haben es erlebt; vor einigen Jahren erst gehörte auch der Wind vom Westen dazu. Und wie hatte man Belebendes herbeigesehnt, angerufen – laut auf den Straßen und mit Kerzen, leise im Herzen – gegen die Dürre, gegen lähmende Eintönigkeit perfekter System-Szenerie und gegen die trostlos verstaubte Umwelt. Man hat andere Reglements seitdem und andere Vorgesetzte, aber die Probleme der sozialen Menschwerdung sind geblieben.
Die Geräuscheflut ist abgeebbt, doch Droppen fühlt noch immer schuldhaft ein Nachbeben.
Die Natur wehrt sich, wenn sie das Gleichgewicht nicht mehr halten kann.
Dem Garten vor ihm kann Droppen jetzt auch nicht helfen. – Geköpfte Blumen, verschlammte Wege, im Drahtzaun Krautsalat von Pflanzen, zum Teil in Lehm eingelegt und von Hagelresten gefrostet. – Kultur? – Jeder menschlichen Regung großspurig als Markenzeichen aufgesetzt. Die Natur interessiert unser Marken-Markt nicht. – Die Erde glänzt vor Nässe. Hartmut Droppen macht keinen Schritt in den Garten, er würde versinken. – Wie weit war er vor einigen Monaten selbst davon entfernt? Immerhin ist seine Inge nun auf dem Wege der Besserung und lacht zuweilen unbeschwert. Zwölf Meter vor ihrem Wochenendhäuschen hat der Fluss Zschopau in seinem ungestümen Lauf innegehalten, sich verneigt und zur Mahnung Trauerränder an den Ufern hinterlassen aus entwurzeltem Gras, abgebrochenen Zweigen und Müll. Und es ist jetzt nicht mehr nötig, das Wasser zu fangen als Gießwasser und Labsal für die Pflanzen. – Wenn natürliche Fließgesetze herrschen, wird menschliches Wollen mit Urgewalt außer Kraft gesetzt. Ab und zu beweist die Natur dem Menschen, dass er ein Teil ihrer selbst ist.
Droppen erfuhr es auch vor vielen Wochen ganz privat und konnte seine überlegene menschliche Rolle nicht spielen. Er denkt an seinen Fluchtversuch im Alptraum, eine völlig unmoderne „Fluchtkultur“, ohne Drogen oder Alkohol oder bewaffnete Hilfeleistung. – Verglichen mit jenem Erlebnis fühlte er nun eine hoffnungsvolle Zuversicht, denn ihr „Nest“ für ihre Zweisamkeit, angereichert mit Besuchen der Kinder und von Nachbarn aus dem Dorf war unverletzt, obwohl alt und manchmal ächzend als Fachwerkhaus.
Die Erinnerungen wirkten dort auf ihn wie das Gießwasser auf Pflanzen. Jenes nächtliche, ihn erschütternde Traum-Erlebnis ließ ihn noch immer erschauern. Und er wunderte sich nun, einige Monate später, dass er zu solchen Träumen fähig gewesen sein konnte.
Damals beherrschte ihn plötzlich der Traumgedanke: Nur fort von der röchelnden Frau, die er liebt und zerbrochen hatte. Nur fort von diesem Leben! – Als willenloser Tropfen hatte er sich im Sturm seiner Gefühle aus der Siedlung in den Wald getrieben gefühlt.
Später denkt er tatsächlich dieses neumodische Wort „Erinnerungskultur“.
In jener Nacht hatte er lange neben seiner Frau wach gelegen hat. Die letzte Straßenbahn hinterließ eine bedrückende, ungewisse Stille nach Mitternacht, irgendwie vergleichbar der im Flusstal und jenem entmutigenden Chaos des Unwetters danach.
Seine Frau atmete endlich gleichmäßig. Vorsichtig, Millimeter für Millimeter, tastete seine Hand nach ihr. Als er sie mit den Fingerspitzen berührte, erschrak er doch vor dem klotzigen, unbelebten Gips. Die Nächte vorher waren ruhelos zermürbend vergangen.
Er sah sich leise vom Bett aufstehen, streifte die dicke Übergardine, worauf er die stilisierten Sonnenblumen wusste, ihre Lieblingsblumen, wie ein Lebewohl mit dem Handrücken anstelle der Wangen seiner Frau, die ihm nicht mehr blühten, und verließ den Raum, das Haus, die ganze, kleine Welt – wie ein Indianer auf Kriegspfad, als Kind oft geübt. Diesmal ging er nicht, um zu siegen. Er glaubte, sein eigenes Leben hatte ihm den Kampf angesagt am Ende dieses 20. Jahrhunderts, und er ging als Verlierer. – Wieder waren zwanzig Jahre vertan gewesen. Die zweite Frau, die zweiten Kinder, (wie viele Orte eigentlich?) so manche Arbeitsstelle – verspielt, vielleicht moralisch veruntreut.
In Sekundenschnelle hatte er die Katastrophe geschafft und hatte doch den großen Erfolg angestrebt. – „Genug versucht!“, hauchte er sich im Befehlston am Gartentor zu.
Er horchte mehrmals ins Treppenhaus, ob sie munter geworden sei. Nein, sie braucht mich nicht, dachte er dann. Noch hatte er gehofft, dass sie ihn hören würde mit ihren „Mäuschenohren“, wie er ihre Hellhörigkeit oft bezeichnet hatte. Und er stellte sich vor, was sie dann sagen würde, wenn sie … Er: „Entschuldige, bitte, ich kann nicht schlafen, ich kann nicht herumliegen, herumsitzen – ich kann nicht mehr hier sein.“
„Schon gut“, würde sie antworten – wie so oft seit jenem Sturz – ziemlich tonlos und resigniert. Genau dieser hoffnungslose Ton erregte ihn anfangs noch, später schmerzte er ihn zutiefst, denn er half ihr, wann und wobei er konnte. Alles, was er tat und sagte, war jetzt nicht ganz richtig, vielleicht beleidigend oder gar sinnlos. Ihn schmerzte das Zusammensein.
Zum letzten Male meinte er die Messingklinke gespürt zu haben, die er oft so erwartungsvoll gedrückt hatte; sie wies ihn eisig ab. Mit dem Ellenbogen die Tür zurückgeschoben, aber nicht zugezogen; das Schloss rastete nicht ein mit diesem gewöhnlichen zweifachen Geräusch, das wie das Knacken einer Nuss geklungen hatte. Zwei Finger legte er in die Kehlung, mit zweien der anderen Hand führte er die Tür ganz langsam dahin. Fast bedächtig trat er auf die erste Stufe nach unten, die linke Hand fest am Geländer. Eine Treppe, eine so zweckmäßige und wohltuende Erfindung, war seine Schicksalsstätte geworden. Er tastete sich unvergleichlich langsam hinab. – Später hätte er nicht gedacht, dass man so lebensnah träumen kann. Und wenn ihn einer hätte sehen können, diesen alten, gebrechlichen Mann …
Er kannte ja jede Stufe, aber er fürchtete, dass die Treppe ihn wieder abwärts ziehen könnte. Er schwitzte, das fühlte er, weil die Zudecke feucht wurde, aber er bewegte sich nur sparsam, denn auch im Hausflur wollte er leise sein, wollte leise gehen, als sich schreiend und lärmend von seiner Frau trennen zu müssen. Auch sie hasst das Laute.
Deutlich fühlte er die Haustürklinke – einst der Griff zum Glück? Er selbst hatte es zertrümmert und seiner Geliebten den Arm mehrfach gebrochen.
Vielleicht würde sie nie mehr ihre schöne Gartenarbeit unbehindert verrichten können, und auch alle anderen Ordnungs- und Liebesdienste werden nur mit großem Aufwand oder mit Hilfe anderer möglich sein, dacht er.
Er sah keine Hoffnung mehr. – Verzweifelt lauschte er nach einem irgendwie gearteten Hilferuf, aber selbst das früher so beglückende, nächtliche Wispern der Schwalben in ihren Nestern an der Decke im Hausflur fehlte, seit das Fotolabor ins Erdgeschoss eingezogen war mit seinen chemischen Gerüchen. – Es wäre ohnehin nur ein indirektes Zeichen gewesen, aber in seiner Situation hätte er auch übersinnlich erscheinende, ermutigende Zeichen dankbar angenommen.
Das Haus zu verlassen ging, rasend schnell, eben im Traum, es muss um Mitternacht gewesen sein. Hartmut Droppen ging in einen Nebel hinein; er roch feuchtes, fauliges Laub, ging unentwegt auf die Heide zu. Schon als Kind hatte er den Wald geliebt, aber mehr seine Ruhe und Gelassenheit. Nebel und Wald sogen ihn ein. Er fühlte sich von einem strömenden Etwas aufgesogen; vielleicht spürte er die verschwitzte Bettwäsche.
Er fühlte sich buchstäblich davon fließen. immer schneller bis zu einem Stau am Weg hinter den Gärten! – Eine Bank stoppte ihn jäh. In ihrer ersten gemeinsamen Nacht hatte der Mond dort in ihr Innerstes geschienen, und es war ihnen heiß gewesen, obwohl schon die Blätter zu Haufen fielen. Und irgendwo da hinten, wo sich Hartmut durch die Bäume tastete, hatte Inge als Kind mit ihrer Freundin den erhängten Mann an einer Eiche entdeckt. Es gab fünf Deutsche Nachkriegs-Mark zur Belohnung. Hartmut dachte es flüchtig, und vielleicht wurde ihm auch in jenem Moment dieses alpträumerische Geschehen bewusst. Er drehte sich im Bett.
Dann riss es ihn endgültig fort. Oder trieb es ihn? – Eine Art Fließgeschwindigkeit begann ihn mehr und mehr zu beherrschen, es kam einem rücksichtslosen Lustgefühl nahe. Ihm war, als müsse er sich frei schwimmen, frei von jeglicher Schuld, als müsse er in ein anderes Wesen hinüber wachsen und seine alte Haut abstreifen wie eine Schlange. Äste, Zweige, Wurzeln – empfand er nur als Wellen, die ihm in die Quere kamen. Sein Pulsschlag schien sich zu verdoppeln; er war jetzt zwei Wesen – ein altes und ein neues. Die Bewegung ist alles, das Ziel ist nichts! hatte er irgendwo mal gelesen. Aber die kalte Gleichgültigkeit, die gesichtslose milchige Leere lösten auch diesen Gedanken sofort wieder auf. Er wollte es noch einmal aussprechen, aber es geriet nur zu einem Zischeln, das in einem Glucksen endete, was wie Ertrinken klang. Alles wurde gleich wieder vom Nebel verschluckt. Auch jeder Sinn wurde ertränkt noch ehe ihn Droppen weiterdenken konnte. Für seine Worte fand sich kein Ohr, nur das eigene, und sein Kopf dachte wie ein Versager.
Hartmut Droppen lief fort und fort gegen die zermürbende Müdigkeit, gegen seine Hilflosigkeit, gegen das Versagen. Und er sah nichts als die Bildfetzen der Vergangenheit: Bleiche Gesichter von Vater, Mutter, von seiner ersten Frau, von seiner zweiten Frau – gipsbleich – und sogar von seinen angenommenen Kindern. Droppen rutschte weg, und griff ins Gras, das brannte. Brennnessel registrierte er erfahrungsgemäß. Aber etwas brannte in ihm viel tiefer: Ich vererbe das Unheil! schoss es ihm durch den Kopf und: Auch die Leute meiner zweiten Frau sind schon von der Geschichte zur Seite geschoben, auf der Strecke geblieben! Der Nebel wischte die Gesichter wieder weg, aber ein Vorwurf blieb: Ich habe sie alle auf dem Gewissen! Er stolperte und ließ sich fallen, wusste ohnehin nicht mehr, aus welcher Richtung er gekommen war. Gerade so wie auf jener Treppe, die sich unter ihm gedreht hatte, wodurch er auf seine Frau gefallen war. Hier reckte sich nur eine glitschig-glatte Wurzel aus dem Erdboden. – Er wusste: Diese Wurzel ist unschuldig, „Alle unsere Wurzeln sind unschuldig“, murmelte er und wusste es auch von allen Treppen. Er streichelte diesen holzigen Griff in die Erde, dieses zufällig neben ihm liegende Stück Natur und lag da mit halb geschlossenen Lidern. Plötzlich blickte ihn ein Auge an. Oder waren es zwei?
Reglos blieb er liegen, Auge in Auge, die Wärme der Erde spürend, und diesem Blick ausgesetzt, irgendwie vertraut, doch wie von fern. Es waren nicht die dunklen Augen seiner Frau, farblich schwer zu bestimmen. Seine müden Lider wollten ihm zufallen, aber er zwinkerte nur, und das Bild verschwand. Er wollte es wieder haben, wischte wiederholt über sein Gesicht, doch nichts geschah. Das Gefühl, nicht allein zu sein, das ihn gerade noch wohltuend umfangen hatte, kehrte nicht zurück.
Noch blieb er liegen. Von einem Baume fiel ein Blatt auf seine Hand – nass und welk und alt.
Beinahe behutsam legte er es auf die Erde, als müsse er es begraben. Es ist wohl ein trügerischer Neuanfang gewesen – damals mit ihr. Hartmut Droppen begann zu frieren.
Die Kälte kroch aber nicht aus der Erde, die empfand er wie eine Wärmequelle. Das Frostige quoll aus ihm heraus. Ihn beherrschte das Abschiednehmen. Er streichelte das Blatt.
Es war nun schon sein Blatt geworden; abgefallen vom Baum der Menschlichkeit. Immer schmerzlicher empfand er seinen Fall auf jener fremden Treppe, ohne Gegenwehr hatte er sich fallen lassen – Sekunden einer mörderischen Leichtsinnigkeit. War das Blatt besser dran – von Wind und Wetter ganz natürlich gekappt? „Alles Natürliche ist besser“, dachte er. Da fiel ein Tropfen von irgendwoher auf sein Blatt, und er sah wieder jenes Auge, das dem seines Vaters glich.
„Bin ich wie das Blatt, Vater?“ Er sagte es ganz langsam und leise und ungläubig.
Das Auge verlosch und strahlte dann erneut, so dass Hartmut Droppen verwirrt erkannte: „Es hat mir zugezwinkert!“ Und da sah er beide Augen und das ganze Gesicht; es schmunzelte. „Bin ich besser dran als das Blatt?“, fragte er flüsternd seinen Vater Walter Droppen.
Die Erde, dieses Stückchen Welt, war ihm so nah wie lange nicht ein anderes Fleckchen.
Hartmut Droppen räkelte sich, ja er empfand plötzlich ein Wohlgefühl. „Woher kommst du plötzlich?“, fragte er, und ein Schuldgefühl wollte ihn wieder beschleichen. Hatte er jemals richtig mit seinem Vater geredet? Wenn er zu Hause war, was selten passierte, hatten sie „politisiert“, wie sich seine Mutter oft ausdrückte. Seinen Erzeuger ärgerte es wohl, dass sein Sohn zur Mutter ein besseres Verhältnis hatte.
Der Vater schmunzelte weiter. Eine Überlegenheit und eine Sicherheit strahlte er aus, die sein Sohn noch nicht verstand, aber die ihn auf Antworten nicht warten ließ. „Als Droppen Walter seine erste Frau an eine Krankheit verloren hatte, müssen ihm ähnliche Zweifel an sich gekommen sein, denn er hatte nicht rechtzeitig helfen können“, dachte sein Sohn. Jetzt stand der ganze Mann vor ihm. Das war vielleicht wieder eine Begegnung dämonischer, aber ungefährlicher Art mit ihm. So deutlich hatte er ihn lange nicht in der Erinnerung gehabt: Leicht nach vorn zum Sohn gebeugt, einen halben Schritt vor Hartmut, die Hände offen zum Greifen geöffnet. Der Sohn aber klebte wie ein erledigtes, welkes Blatt an der Erde, und er begriff: „Mein Vater will mich aufheben!“ Er dachte es beschämt und: „Ich bin kein Blatt! Ich kann sehen, ich kann denken, ich kann wieder aufstehen.“ Immer lauter hatte er es gesprochen. „Ich kann sprechen“, sagte er schon verständlich in den heller werdenden Nebel hinein, während er aufstand. Da spürte er eine Hand auf seiner, wurde munter und hörte die Stimme seiner Frau: „Du hast geredet“, sagte sie. „Du hast geschwitzt“, fügte sie hinzu, ließ aber seine Hand nicht los. Sein Vater war dann weg, und Hartmut sann aber jenem Seherlebnis nach. Blaugrau war die Pupillenfarbe des Auges. – Sein eigenes? Spiegelbild oder Halluzination? – Auch die Augen seines Vaters waren blaugrau gewesen.
Ungläubig simulierte er immer mit der gleichen Frage: „Sollte ein Tropfen an meiner Wimper …? Kann in so großer Nähe ein Spiegelbild entstehen?“
Als aufgeklärter Mensch wies er den Gedanken von sich, dass sein Vater vielleicht – wie Gottvater – plötzlich ein Auge auf ihn geworfen haben könnte.
Ihm fiel der Funken Spott auf, der dem Gedanken innewohnte. Funken verlöschen bekanntlich im Wasser. Hartmut Droppen war diese ganze Erscheinung wie ein Funkbild vorgekommen, eine virtuelle Animation. Er murmelte: „Die Verwandlung von Funken in Wasser und umgekehrt ist ein logischer Unsinn für den normalen Menschenverstand.“
Seine Frau sagte auch etwas Unverständliches und beide schliefen wieder fest ein, Hand in Hand.
Hartmut dachte aber noch einen Satz ganz deutlich, als müsste er ihn aufschreiben: „Wir sind alle dem Verstand und dem Missverstand ausgesetzt wie die Erde dem Klima und dem Wetter. – Mein Vater verstand etwas davon, er war ein Wetterfrosch, wie man sagt, und ein Waldmensch. Der würde sich hier herausfinden. – „Du hast dir so einen Beruf gewünscht, aber du bist nie ein Meteorologe geworden. Nie! – Und für mich warst du damals dennoch nie ein Versager. – Du gingst gerne in den Wald. Bist auch du vor irgendetwas geflüchtet?“
Der Wald und sein Vater schweigen.
Plötzlich glaubt er, ihn wieder zu sehen. Sein Vater geht vor ihm her. Die Buchenstämme in ihren grauen Rinden gleichen der leinenen Arbeitsjacke seines Vaters, die er oft im Garten trug oder im Wald. Der junge Droppen träumte immer noch, aber seit er die Hand seiner Frau in seiner spürte, hatte sich die Art des Traumes geändert. – Wie heißt es? – Wem die Jacke passt, … „Mutter beobachtet uns vielleicht auch“, dachte er. Wenn nur nichts passiert!? warnte sie gerne – die Augenbrauen hochgezogen, die braunen Augen angstgeweitet. – Was sollte passieren? – Es ist fast immer alles gut gegangen. Das war seine Kindheits- und Jugenderfahrung. – „Es geht aber nicht immer alles gut, ich erlebte es mit meiner ersten Frau. Wir waren beide in der gleichen Partei und dennoch…“ – Gedanken aus einer fernen Zeit. Die zweite Frau war ihm eine Erlösung geworden, und nun …? Er murmelte wieder vor sich hin: „Die meisten meiner Leute sind schon tot, auch Heidi, meine erste Frau. Sie kamen aus dem Nichts und vergingen im Nichts. – Das Unheil ist vererbbar!“ Ganz bitter, aber als schreie er es in den Wald hinein, wurde etwas von dort erwidert, doch ganz ruhig, aber verständlich: antwortete ihm eine Männerstimme: „Komm – wärmen!“
Droppen war bei zunehmender Helligkeit weiter ausgeschritten, hatte nur bemerkt, dass die grauen Rücken seines vermeintlichen Vaters sich vermehrten. Dazwischen flackerte ein kleines Feuer. – Ein Mann hockte gebeugt davor. Der hatte ihn angesprochen, denn weit und breit war kein anderer Mensch. Sein Akzent klang slawisch und Hartmut erinnerte sich an Lagerfeuererlebnisse im Tschechenland. Doch die Erinnerung verlöschte schnell wieder, und Droppen hockte sich wortlos neben den Mann, um von der gegenwärtigen Wärme etwas abzubekommen. Das Knistern des Feuers und das gelegentliche leise Zischen der feuchten Zweige beherrschten die Stille.
Jetzt erst spürte Droppen die Nässe seiner Kleidung, die er immer kälter werdend empfand. Der Fremde sah Droppen von der Seite an. Manchmal, wenn der ein Stück Holz wendete, Droppen irgendwie helfen wollte, aber nur eine hilflose Geste machte, berührten sich ihre Hände, aber sonst näherten sie sich nicht. Hartmut war als hätte der Fremde seine Hand gedrückt, aber es war natürlich die seiner Inge. Sprachlos hockten die beiden Traumfiguren da und suchten wohl nur Wärme. – Damals, bei den Tschechen, hatten sie alle miteinander geredet, ob sie sich sprachlich richtig verstanden oder nicht. Damals, war seine Inge besonders redselig gewesen. Obwohl Hartmuts Aussprache ziemlich perfekt gewesen ist, stellte ihm dieser Umstand oft eine Falle. Droppens Vokabular war sehr schmal, aber die Tschechen hielten ihn für sprachmächtig genug und redeten sofort lebhaft auf ihn ein. Droppen verstand dann gar nichts mehr. Seine Frau las in Gestik und Mimik der anderen worum es ging. Wenn er sie nicht gehabt hätte, wäre er oft in die Irre gegangen.
Immer stärker spürte Droppen im Rücken die Kälte, und der Fremde wollte ihm schon eine Decke überstülpen, aber Droppen schüttelte nur den Kopf, brachte es aber noch zu einem wortlosen Händedruck, bevor er den Fremden verließ. Er wusste wieder, wo er war; den Teich kannte er. Unruhe hatte ihn gepackt, da er an seine Frau gedacht hatte und an seines Vaters Worte: „Gehe deinen Weg geradeaus, auch wenn er Bogen macht.“ – „Ich bin doch noch nie feige gewesen!“, sagte er wieder laut, so dass seine Frau ihn energischer anfasste, aber er wurde nicht richtig munter, nur den lichter werdenden Wald hatte er bemerkt, denn Inge hatte eine Nachttischlampe angeschaltet.
Hartmut ging im Traum durch einen Birkenwald, und er wusste auch wieder, wo er war.
Ihn bestimmte nicht mehr das Fort-Wollen, sondern das Ankommen. Er dachte flüchtig an weißrussische Wälder, und an seinen Halbbruder Rudi aus Vaters erster Ehe. Dessen Gesicht hatte er nur sehr schwach in Erinnerung. Bis in jene Wälder muss er es geschafft haben 1944. Dann hatte er von der Front nach Hause geschrieben: „Mich kriegen die Russen nicht!“, und es kam danach keine Post mehr von ihm, nur von seinem Kompaniechef die aberwitzige Anfrage von der Front an Rudis Eltern im sächsischdeutschen Hinterland: „Melden Sie mir, wenn Sie vom Verbleib Ihres Sohnes etwas wissen!“
„Vielleicht sind Rudis Gebeine in einem solchen Birkenwald verrottet und unser Vater würde heimlich immer noch warten, wenn er nicht selbst schon eingeschlafen wäre“, dachte Hartmut. „Und ich müsste mal wieder richtig schlafen“, dachte er. Die Kälte der Erde, auf der er gelegen hatte, vermeinte er noch zu spüren. Seine Frau hatte ihm die feuchte Bettdecke weggezogen.
Seine Gedanken wurden wieder klarer und im halben Wachwerden sagte er sich: „Ich werde mich nicht auf diese fäulnisbereite Erde freiwillig legen.“
„Du bist ganz verschwitzt“, sagte seine Inge, und ihre Stimme klang ganz warm und besorgt.
„Wie spät ist es?“, fragte er. Sie antwortete, und er meinte: „Da brauche ich mich nicht wieder hinzulegen.“
Der Morgen graute, und er zog die nasse Schlafanzugjacke aus und eine wollige Hausjacke drüber und fragte sie, ob er schon die Übergardine ein wenig aufziehen könne. Sie nickte, aber sah ihn nur groß an. Er fühlte ihren besorgten Blick und begann seinerseits zu erzählen: „Ich träumte verrücktes Zeug. Ich habe wieder meinen Vater getroffen, in der Heide. Ich bin dort ‘rumgerannt, wollte weg, irgendwohin.“ Dass er auch von ihr weg wollte, sagte er nicht. „Aber ich hatte plötzlich Angst um dich und bin zurück. Ich bin jetzt froh, dass ich nicht weg war. Übrigens sagte mein Vater früher: Nichts ist weg auf unserer Welt so lange sie existiert.“ Und er erinnert sich, dass er ihn schon einmal sagen hörte: „Mach nicht so ein Theater. Deiner Frau wird der Gips abgenommen werden, und dann kann sie dir wieder eine ‘runterhauen, du Dussel!“ – Tief in Gedanken und die etwas kratzige Stimme seines Vaters im Ohr, verlässt er die Schlafstube, um sich umzuziehen. Ihn fröstelt, und er sagt zu ihr: „Schlaf weiter.“
Dann geht er in die Küche. Seine Mutter hätte sich so eine geräumige Küche gewünscht. In Neugutberg konnten nur drei Personen am Tisch sitzen, hier hatten sechs und mehr Platz. Als noch vier Kinder da waren, lebte der Raum von Vielstimmigkeit. Alle sind nach und nach ausgezogen, hatten selbst eine Familie oder eine eigene Wohnung.
Stille umgibt Hartmut, als er das Frühstück für Inge und sich vorbereitet.
Manchmal saßen die Menschen dicht nebeneinander auf der hölzernen Eckbank, wenn Besuch gekommen war, und die Gespräche plätscherten wie das Wasser eines Baches, wenn man es aus einem anderen Raum der Wohnung hörte. Am nächsten war sowieso das Kinderzimmer, aber dort regte sich gar nichts mehr, auch nicht der Wellensittich, den sie im Winter im Feuer, also im Stubenkachelofen, bestatten mussten, als er gestorben war, was die Kinder selbst erst Tage danach bemerkt hatten.
Die Küche von den alten Droppens ist schmal und lang gewesen; mit Mühe konnten zwei Menschen aneinander vorbei gehen. In der Dresdner Wohnung konnte man sogar unbemerkt von der Küche aus allen Räumen hinaus ins Treppenhaus gehen. Aber dieses Ausweichen wählten nur die Kinder, wenn sie unerlaubt weggehen wollten oder wenn jemandes Schlaf nicht gestört werden sollte. Am Ende der Beziehung der sich scheidenden Eheleute wäre es noch möglich gewesen, um dem anderen auszuweichen.
Eine solche Situation wäre nur kurz nach Inges Unfall möglich gewesen, als das Verhältnis von Mann und Frau tatsächlich gestört war. Hartmut erinnerte sich fröstelnd an jene Zeit, etwa so wie jetzt nach dem aufregendem Alptraum. Wenn er damals aus dem Bett aufgestanden war oder aus irgendeinem Grund noch einmal in die Schlafstube musste, hatte sie ihn wortlos beobachtet über einen Knick in der Bettdecke, die sie ansonsten so hoch schlug wie möglich, um sich vor ihm zu verstecken. Doch ihr Blick kam Hartmut damals immer vorwurfsvoll vor. So verfolgte sie alles, was er tat. Ihre ganze Ausstrahlung kam ihm gegenüber unfreundlich vor. Das war zwar noch nicht ins Gegenteil gekehrt, aber sie redeten nun schon lange wieder miteinander, denn er musste ja für beide das Frühstück vorbereiten und für sie das Mittagessen sowie ihr beim Anziehen helfen. Sie zogen tagsüber ihre rote Strickjacke an, woran nur der linke Ärmel als unausgesetzte Mahnung baumelte. Der in Gips gelegte linke Arm, das mehrfach gebrochene Handgelenk, das Ellenbogengelenk und die geprellte Schulter bedurften noch der Ruhe zum Heilen. Wenn Hartmut den geschädigten Arm mal streicheln wollte, spürte er nur diese mit Hilfe des Wassers zu Stein erstarrte Masse; seine Frau fühlte nichts, weshalb er es oft heimlich tat, als könne er dadurch, einem Wunderheiler gleich, alles schnell vergessen machen.
Wenn ihm etwas nicht nach ihren Vorstellungen gelang, winkte sie manchmal nur resigniert mit der rechten Hand ab und sagte „Schon gut“, worin er einen gereizten Ton zu hören glaubte. Seine Pflicht, auf Arbeit zu müssen, unterbrachen zuweilen die Gespräche, wurden aber am Abend fortgesetzt.
Hartmut verließ das Haus dann von Tag zu Tag etwas erleichterter, aber doch immer etwas unruhig.
Nicht nur, dass sie wieder über ihre Zeit, über ihre Kinder und über die Arbeit redeten, Hartmut konnte ohne Selbstvorwürfe sie wieder bei ihrem Kosenamen nennen.
Der mehrfach graue Alltag sog ihn wieder auf.
Droppen wählte die Haltestelle, die in der Senke lag, dahin lief sich ‘s schnell hinab, und er ging der Bahn entgegen. – Sicher: Er hatte einen Pkw in der Garage stehen, aber sich ausgerechnet, dass er mit Monatskarte der Straßenbahn billiger kam. Außerdem liebte er es, während der Fahrt zu lesen oder sich auch mal mit den Leuten zu unterhalten. Er hatte ja nur noch ein halbes Jahr zu arbeiten.
Der Berufsverkehr brodelte schon in dem Stadtteil mit Siedlungscharakter. Da nahm niemand Rücksicht auf Langschläfer oder Nachtschichtler oder gar vereinzelte Gäste, die sich in den ehemaligen Kurort verirrt hatten. Am Rande des Ortes zogen die großen Unternehmen, Flugzeugwerft und Institute viele an, und in die Innenstadt strebten weitere Werktätige.
Nur hier und da erinnerte noch ein Name an die verblichenen Zeiten, zum Beispiel die Gaststätte Kurhaus oder der kurze Weg, auf dem Droppen in der Nacht im Traum in die Heide geflüchtet war. Unweit von Droppens Haltestelle, im Sommerhalbjahr versteckt in kleinen Wäldern und Parkanlagen, standen reserviert einige Villen reicher Zugezogener oder ihren Besitz geretteter vereinzelter Einheimischer. An diesem Morgen ahnte man sie nur hinter den Nebelschwaden, die in der Senke von Fürstenwald hing – auch ein Name aus alten Zeiten. Nervöse Pkw-Fahrer bremsten und hupten, wenn einer gar zu langsam fuhr. Aber die meisten Leute schienen den Nebel gar nicht zu bemerken, nur manche Frauen, ängstlich auf den Erhalt ihrer Frisuren bedacht, trugen die Schirme aufgespannt. Doch viele Menschen mussten ab und zu über ihre Gesichter wischen wie es Droppen im Traum-Walde erschöpft und ratlos getan hatte. Jetzt verdrängte er alle Gedanken daran. Die Bahn tauchte pünktlich aus der wassergesättigten Luft auf mit so etwas wie Kielnebel am Bug. Die Leute drängten hinein, und sie wurden alle über den Schänkhübel hinunter in die unsichtbare, große Stadt, unter die dichte, Geräusche dämmende Decke gespült, die der Morgen über das Elbtal gelegt hatte. – Ein Atlantis der Neuzeit, dachte Droppen müde. Der Nebel schien zwischen den Menschen zu stehen, vereinzelte sie. Nur wenige sprachen. Droppen hörte sie atmen.
In der Neustadt fuhr die Bahn nicht weiter. Irgendwo war ein Unfall gewesen, ein Dispatcher der Verkehrsbetriebe hatte die Nachricht gebracht, aber versichert, es werde bald weitergehen. Aussteigen hatte keinen Sinn für den müden Droppen, weil dort kein Umsteigen möglich war, und zu Fuß würde er es keinesfalls schaffen, pünktlich auf Arbeit zu sein. Er blieb also sitzen, aber fürchtete einzuschlafen. Doch wieder rettete ihn sein Vater vor einem Absturz ins Unrealistische. Er tippte seinem Sohn auf die Schulter, der rückte zur Seite auf den Fensterplatz, und Vater Droppen setzte sich. „Sag mal“, begann der, „wie kam das, dass du auf deine Frau gefallen bist?“
Hartmut war es, wie immer, peinlich, diese Frage zu beantworten, aber seinem Vater gegenüber brachte er es nicht fertig, nur von Schnee am Schuh und glatter Treppe zu schwatzen.
„Wir hatten ein bisschen gefeiert in einer gemütlichen Gartenkneipe und einige einheimischen Gäste plauderten mit uns im Erzgebirgler Dialekt; allen war die Zunge gelöst vom Kräuterschnaps und das Herz aufgegangen kurz vor Weihnachten. Du verstehst …?“
„Ja. – Und?“ – Er verstand wohl zu gut, denn er nickte mehrmals schmunzelnd, ohne in eigene Erinnerungen zu verfallen.
„Vater, ich habe – geprotzt. – Ich sagte, dass ich Schriftsteller bin, sogar mit Ausbildung, und dass ich gerne den Leuten von meinen Geschichten etwas vorlesen würde, aber ich habe nichts mit. Und so weiter.“
„Hm. – Geprotzt. – Das hast du zu Hause auch manchmal gemacht.“
„Nein. – Wieso?“
„Wieso? – Wieso? – Du hast mit Buchtiteln und Verfassern um dich geworfen wie Gickel mit Reißpapier am Kollergang.“ – Sein Sohn wusste den Vergleich zu bewerten, denn sein Vater hatte den Bezug zu seinem früheren Arbeitsalltag in der Papierfabrik gewählt.
„Entschuldige“, murmelte Hartmut.
„Das hilft jetzt nicht mehr. – Schreibe endlich über uns!“, forderte sein Vater energisch.
„Es wäre vielleicht nicht so schlimm gekommen, wenn nicht auf dem Treppenabsatz eine Alu-Milchkanne als nostalgisches Schmuckstück gestanden hätte – genau hinter ihr!“ Es klang wie eine Verteidigung, weshalb Vater Droppen seinem Sohn kopfschüttelnd und mit „Ach“, einen sanften Stoß an die Schulter verpasste. Zugleich war es ein Zeichen von Kameradschaftlichkeit, was Hartmut oft vermisst hatte. Ihm war als hätte sein Vater ihm den Kopf hochgerissen. Er öffnete die Augen und sah noch wie die junge Frau ihm gegenüber ihren rechten Arm von ihm nahm. Sie hatte beobachtet, wie Hartmuts Oberkörper immer tiefer gesunken war, so dass sie befürchtete, Droppen werde vom Sitz fallen. Zwischen Brust und Kopf drückte sie ihn sanft hoch.
Droppen sah sich im Straßenbahnwagen um, aber überall blickten ihn nur müde oder gelangweilte oder gereizte Gesichter an, das heitere „Erwache!“ seines Vaters war nicht dabei.
Um nicht wieder einzuschlafen, begann er ein Gespräch mit der jungen Frau, keine sehr schöne Person, aber doch immerhin lesefreudig, und weshalb sie ihm gefiel. Sie hatte ein aufgeschlagenes Buch auf ihren Knien liegen, und er wähnte sich gleich in einem gemeinsamen Fahrwasser. Natürlich war auch sie unruhig geworden, als der Aufenthalt der Bahn unumgänglich wurde, und hatte von ihrem Buch aufgesehen. Jetzt warf sie mit einer energischen Bewegung eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht, die – so schien es Droppen – ihr als Lesezeichen gedient haben musste, so lang hing sie auf ihr Buch hinunter. Einige von den zahlreichen Nebeltropfen, die auch in ihrem dunkelblonden Haar glitzerten, spritzten ihm ins Gesicht. Er wischte sie lächelnd ab. Sie hatte es nicht bemerkt.
Er wusste nicht, ob er sich entschuldigen oder bedanken sollte. „Ist es sehr spannend?“, fragte er deshalb ausweichend.
„Es geht“, antwortete sie. „Irgendwie muss man sich ja ablenken vom Studieneinerlei“, ergänzte sie.
„So, Sie studieren?“
„Ja, im Moment Wassertropfen.“ – Droppen sah sie noch neugieriger an.
„Na ja, ich renne täglich zwischen Labor, Seminar und einigen Wasserstellen hin und her. Das Aufregende und zugleich Langweilige sind die Proben. – Verstehen Sie?“
„Ja, ich kenne das;“ antwortete er zu ihrer Überraschung. – Er selbst wunderte sich, dass er so reagiert hatte und auch so schnell und sich so unvermittelt an eine andere Studentin erinnerte.
Sie war in den 1980er Jahren manchmal im Linienbus mitgefahren.
„Ich meine“, erklärte er, „ich traf schon einmal eine Studentin, die Wasserproben aus dem Fluss meiner Heimat untersuchte. Sie sollte aus dem Vergleich zweier Flüsse schlussfolgern, damit vor allem ein anderer Fluss zu einem besseren und sauberen Gewässer wird.“
„Oh, das ist interessant: – Und ist er es geworden?“
„Ich weiß nicht, ich habe sie doch nicht wieder getroffen, nur einmal noch, und das war kurz vor der Verteidigung ihrer Diplomarbeit.“
„Um welche Flüsse handelte es sich?“
„Der Probefluss war die Zschopau, das Zielobjekt war die Zwickauer Mulde.“
„Schade, dass wir nichts davon wissen“, sagte sie und schlug ihr Buch wieder auf, aber offensichtlich las sie nicht.
Deshalb fragte Droppen noch einmal, eher provokant: „Also, Ihr Buch ist doch spannend?“
„Nein, nicht direkt. Es ist ein Bestseller.“ – Sie überlegte.
„Ich bin mehr für Best-Sellerie“, scherzte er. Sein Einfall hatte zwei Gründe: Er hasste Bestseller und fand die Studentin erotisch. Wenn sie etwas anfasste – das Buch, eine Seite, eine Haarsträhne oder sich einfach im Gesicht berührte, schienen ihre Finger immer länger zu werden, strichen einem Geigenbogen ähnlich über das Objekt, so dass Droppen das Verlangen fühlte, eines von jenen Objekten zu sein.
Das schrille Scheppern der Warnglocke der Straßenbahn riss ihn aus diesem Gefühl. Die Bahn fuhr weiter.
Ein paar wenig sagende Worte flatterten noch wie aufgeschreckte Vögel zwischen ihnen hin und her, wobei Droppen nur erfuhr, dass seine Begleiterin wichtigen Informationen in den Wassertropfen auf der Spur sei, dass sie an der Technischen Universität Dresdens studierte und auch schon einen Unfall mit ihrem Corsa gehabt hatte, aber nicht im Nebel.
„Bei solchem Nebel fahre ich nicht, wenn’s irgendwie geht.“
Er stimmte ihr zu, dachte an seine Frau, und dann musste sie aussteigen.
„Man sieht sich“, sagte sie in ihrer jugendlichen Unbekümmertheit.
Er belächelte diese Floskel und erfreute sich an ihrem Schwung, mit dem sie aus der Bahn hüpfte.
Nachdem auch er das Gefährt verlassen hatte, jagte er die Straße hinunter in einer Art gebremsten Laufschrittes und auf das ehemalige Fabrikgebäude zu, das sich nun frisch saniert wie ein gewendeter Mantel ausnahm, dessen kariertes Futter nun dem Wetter trotzte. An den roten und gelben Ziegelwänden lief leise das kondensierte Wasser herunter. Einer Folie gleich glänzten die Wände merkwürdig, und Droppen dachte sofort an die frühere Funktion: VEB Polypack, der Verpackungsmittel produziert hatte. Jetzt beherbergte der Komplex, neben leerstehenden Teilen und Etagen vielerlei: Ämter der Stadtverwaltung, Versicherungsfilialen, Landesbehörde für Stasiunterlagen und auch Droppens Arbeitsstelle, die Führerschein- und Kfz-Zulassungsstelle.
Er umging das Einzelgebäude mitten im Hof, sah nur, dass schon viele Wartende im Vorraum standen, eilte zum Hintereingang, stürmte die Treppe hinauf und in den Aufenthaltsraum des Personals. Karin, die gute Seele, hatte ihm den Kaffee hingestellt, aber nun war er kalt, und alle Kolleginnen und Kollegen befanden sich schon im Schalterraum. Droppen vermochte auch nur noch einen Schluck vom Kaffee zu nehmen, denn schon riss jemand die Tür auf.
Er musste Droppen aufgelauert haben –: Krautzig, der Chef.
„Na, ausgeschlafen, Droppen!? – Also, wenn Se schon die Gleitzeit ausreizen woll’n, dann bitte nur bis maximal fünf Minuten danach, verstanden!“
„Ich weiß, Herr Krautzig, aber bitte für heute um Entschuldigung. Die Bahn konnte wegen eines Unfalls nicht weiterfahren.“
„Da fährt man eene Bahn eher, ist das klar!? – Noch mal passiert das nicht! – Machen Se sich an Ihrn Schalter!“ – Da war Krautzigs Erregung verpufft. Seine linke Hand fuhr in die Hosentasche und die rechte erhob er zu einer Art Achtungszeichen, bevor er sie Droppen auf die Schulter legte und mit schrägem, jovialen Lächeln in einem völlig legeren, vertraulich tuendem Ton begann: „Als mei Unkel Alfred mich mal erwischt hatte, wo ich die Schule geschwänzt hatte, also da sagte der zu mir: Du hast’s wohl nich mehr nötig zu lern’? Da kommste heute Nachmittag zu mir! – Wenn de nich antrittst, red ch mit dein’m Lehrer! – Ansonsten haste ab heute früh bei mir gearbeet’. Ist das klar?“
In Droppen stieg Zorn auf. Krautzigs Vergleich war so frech wie dumm, und der Untergebene sagte gequält: „Meine Frau ist krank.“
Er fühlte, dass diese Aussage von ihm ungeschickt war, denn der Chef rief sofort. „Ach, so ist das!“ Droppen erkannte, was Krautzig jetzt dachte: Die Sache mit der Straßenbahn war eine Ausrede und eine Notlüge gewesen.
Droppens Zorn richtete sich nun gegen sich selbst und er wollte resigniert davonrennen, aber der Chef hielt ihn am Ärmel fest und sagte leise, vor Vertraulichkeit fast zerfließend: „Verstehe ich doch, Droppen. Das Leben ist eines der schwierigsten, wo gibt.“ Laut und fröhlich fügte er hinzu: „Jetzt machen Se sich aber an ‘n Schalter, Droppen!“ – In diesem Moment fühlte er sich wohl als der beste Chef der Welt. Er griente breit und hielt Droppen immer noch am Ärmel fest. Es muss von Weitem ausgesehen haben, als gingen sie Hand in Hand. Droppen musste sich beinahe losreißen.
Jedes Mal, wenn Droppen so etwas oder ähnliches passierte, dachte er bittere Gedanken, die alle seine Freundlichkeit, die man an ihm lobte, aufzufressen drohte.
Nicht die dumme Dreistigkeit störte ihn, sondern die Demütigung. Dabei lagen ihm Eitelkeit und Überheblichkeit fern. Einmal, vor einigen Jahren, war er Leiter der Kreisbibliothek des Landkreises gewesen und jetzt arbeitet er als einer der vielen Sachbearbeiter. Er fühlte sich den Machtgelüsten solcher auch noch jüngerer Leute – wie Krautzig – ausgesetzt, die sich ständig wichtig spreizten, und dem Mitarbeiter seine Unwichtigkeit fühlen ließen. Krautzig hatte sich so über die Wende gerettet, vordem bei der Volkspolizei mit der Kfz-Zulassung beschäftigt. Er sprach jetzt gerne von sich als Spezialist. Nur selten, wenn er etwas von einem Mitarbeiter wollte, gestand er auch dem diese Bezeichnung zu, dem Droppen äußerst selten.
Als der an den Schalter eilte, öffnete Karin soeben die Flügeltür. Davor standen ungeduldig etwa zwanzig Bürger. Uschi, seine Nachbarin am Schalter, hatte schon seinen Computer eingeschaltet, nachdem sie ihn mit dem Chef auf dem Korridor bemerkt hatte. Dafür dankte ihr Droppen mit einem knappen Kopfnicken und gelächeltem Gruß.
Er musste sich noch mit Kennnummer und Kennwort im Computer anmelden, die Formulare für den Druck bereit legen, Vollständigkeit prüfen, Stifte, Musterblätter und Fahrzeugtypendateien griffbereit legen und ähnliche Vorbereitungen treffen, so dass der erste Kunde vor seinem Schalter nervös auf die Ablage vor seinem Fenster trommelte und Droppens Handgriffe ironisch kommentierte.
So gut es den Kolleginnen gefiel, dem manchmal alkoholisierten Atem der Bürger durch die Glasscheibe nicht ausgesetzt zu sein, wie früher, Droppen störte diese Barriere jetzt dennoch. Gerne hätte er mit einigen freundlichen Worten seinem Gegenüber erklärt, warum er noch nicht für den Publikumsverkehr bereit war, aber dann hätte er es der Glasscheibe wegen laut sagen müssen, so dass es alle Menschen im Umkreis verstehen konnten. Das wollte er nicht.
Droppen hörte durch das Sprechloch ohnehin nicht sehr gut.
In den Augen dieses Mannes vor seinem Schalter war er wahrscheinlich nichts mehr als ein erbärmlicher Bürokrat, noch dazu ein schlechter, denn schon als Droppen die ersten Eingaben in den Computer vornahm, vertippte er sich, ohne es zu merken. Erst als er dem Herrn Lehmann die neuen Fahrzeugpapiere ausdruckte, rief der plötzlich empört: „Ich habe schon lange keinen Wartburg mehr, ich habe einen VW!“ – Mit Adlerblick hatte Herr Lehmann die technischen Angaben auf seinem künftigen Fahrzeugschein erspäht. Droppen war sofort klar, dass er sich nur bei der Eingabe der Schlüsselnummer für den Hersteller vertippt hatte, was der Mann nicht wissen konnte. Dieser Umstand verstärkte aber Lehmanns Verdacht, dass Droppen ein unfähiger Mensch sei. Sein Protest klang auch so als hätte er gesagt: Ich bin schon lange nicht mehr in der SED! Unter anderen, weniger anstrengenden Belastungen hätte Droppen sich mit einem Scherz über die Situation gerettet, aber an diesem Tage war ihm danach nicht zumute.
Unglücklicherweise arbeitete der Drucker schon am Fahrzeugbrief, und der war durch Droppens Fehler verdorben. Droppen musste den Schalter verlassen, um einen neuen auszufassen und den verdruckten mit ausführlicher Begründung zurücklegen in die Stahlkassette. – Fahrzeugbriefe waren wie Bargeld, und erst kürzlich sind in Riesa welche gestohlen worden. – Droppen ahnte schon die neuerlichen Beschuldigungen, denn seit der gesamte Landkreis aufgelöst worden war, und auch ihre Kfz-Zulassungsstelle als Außenstelle eines anderen Kreises fungierte, wurden er und seine Kolleginnen und Kollegen beargwöhnt und belauert; Fehlersuche war an der Tagesordnung.
Diese Umstände und die Korrektur im Computer erforderten erneut Zeit, während Undine bereits den nächsten Bürger bediente.
Droppen arbeitet ohnehin lieber am Schalter der Ausgabe. Dort prüft er die Papiere vor deren Ausgabe an die Bürger, bestempelt und entstempelt er die Schilder und verrichtet andere Aufgaben, die es erfordern, auch den Arbeitsplatz gelegentlich zu verlassen, womit Abwechslung in die Arbeit kam. Außerdem kann er manchmal mit den Leuten reden. Inoffiziell wurde Droppen als Springer benutzt. Er musste ausfallende Kollegen ersetzen, und diesmal vertrat er Ellen, die sich krank gemeldet hatte. In der Ausgabe vertrat ihn Maricka, die Sekretärin der Außenstelle.
