Die Weisen der Eichen - Dietmar Hütter - E-Book

Die Weisen der Eichen E-Book

Dietmar Hütter

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Beschreibung

Das Buch bewegt sich im Grenzbereich zwischen Physik und Science Fiction. Grundlagen der Handlungen sind aktuell ernsthafte Forschungen der Astronomen und Astrophysiker, verknüpft mit unglaublich spannenden Erzählungen längst verschwundener Kulturen der Antike. Das Buch lebt von seiner atemberaubenden Spannung und der Mystik der Inhalte.

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Seitenzahl: 384

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Dietmar Hütter

Die Weisen der Eichen

Teil 2Der Astrocode

Buch

„Macht euch auf den Weg und sucht in Stenar die Runen, die euch den Weg zu den drei Sonnenscheiben zeigen. Nur mit diesen erreicht ihr den Himmelsbogen.“ Ein rätselhaftes Lichtwesen gibt dem Forschungsteam von Sarah Mesmer und Bernd Thorwald eine geheimnisvolle Botschaft. Zusammen mit den Druiden begibt sich das Forschungsteam auf die Suche nach der Lösung des Rätsels. Sie reisen dabei durch verschiedene Zeiten auf der gefährlichen Suche nach den magischen Sonnenscheiben, die einen Hinweis auf den Zugangsort zum Multiversum geben. Dabei werden sie von Geheimdiensten wie außerirdischen Wesen gnadenlos verfolgt.

Autor

Dietmar Hütter, Jahrgang 1956, lebt mit Frau und einem Rudel Hovawarte als freiberuflicher Unternehmensberater, Autor und begeisterter Hobby-Koch in Haltern am See. Er schrieb mit dem Buch „Die Weisen der Eichen“ seinen ersten Roman. Dieser Science Fiction-Roman ist mehrteilig konzipiert. Nach dem ersten Band „Druiden“ folgt nun mit „Der Astrocode“ die Fortsetzung des Romans.

Dietmar Hütter

Die Weisen der Eichen

Teil 2Der Astrocode

NOVORIS-Verlag

1. Auflage

Taschenbuchausgabe Juli 2018

Copyright © NOVORIS Verlag, Haltern am See

Alle Rechte vorbehalten

Lektorat Wörterseh, Stephan Müffler

www.woerter-seh.de

Covergestaltung: Max Lewe

Coverfoto: Quelle Adobe Stock

Herstellung und Distribution: tredition GmbH, Hamburg

ISBN 978-3-00-060302-0

www.novoris-verlag.de

PROLOG

1168 N. CHR. RÜGEN, BURGJAROMAR

Waldemar schaute hinaus auf das offene Meer. Das Wetter wurde wieder schlechter. Gefühlt nieselte es seit einer Ewigkeit. Die Wege waren aufgeweicht und ein dichter Nebel zog vo See her auf. Bald wird es Winter, dachte Waldemar besorgt. Er hatte nicht damit gerechnet, soviel Zeit für seinen Feldzug zu benötigen. Wir müssen in Dänemark vor den ersten Winterstürmen sein, sinnierte er und schaute den dicken Mann an seiner Seite an. „Koste es, was es wolle, aber in den nächsten Tagen müssen wir die Burg einnehmen“, sagte er zu seinem Freund, dem Bischof Absalon.

Sie belagerten seit nunmehr vier Wochen diese Burg auf dem Kreidefelsen. Mit weit über tausend Schiffen war Waldemar aus Dänemark gekommen, um diesen slawischen Heiden zu zeigen, wer ihr wahrer König und Erlöser war. Die Slawen gehörten dem Stamm der Ranen an, einem wilden Volk, das bisher nicht vollständig unterworfen werden konnte. Diese Burg war ihr Heiligtum, eine Kultstätte, in der sie ihrem vierköpfigen Gott Svantevik huldigten. Waldemars Vater hatte bereits vor fünfzig Jahren einen Eroberungsfeldzug durchgeführt. Die Ranen hatten sich ergeben und waren dem Christentum beigetreten, huldigten aber immer noch ganz offen ihren alten Göttern. Zu allem Überfluss waren diese Slawen vor zehn Jahren plötzlich mit über 1500 Schiffen vor der norwegischen Küste aufgetaucht. Doch bevor die Ranen landen konnten, zog plötzlich ein gewaltiger Sturm auf, der die Flotte zerstörte. Waldemar sah darin ein Zeichen des Himmels und schwor daraufhin, das Heiligtum dieser Ranen endgültig zu zerstören und den ganzen Stamm zum Christentum zu zwingen. Seinem engen Vertrauten und Freund, Bischof Absalon hatte er zudem geschworen, nach der Einnahme der Burg alle Ranen zu töten, die nicht ihrem Gott Svantevik abschwören würden.

Der Weg nach Rugia war lang. In den Monaten zuvor hatte Waldemar einen Sieg nach dem anderen errungen. Er war mit seinen Schiffen und seiner Streitmacht immer wieder an der Küste aufgetaucht und hatte die Slawenstämme in die unwirtlichen Wälder und Küstenstreifen zurückgedrängt. Sobald ein Überfall erfolgreich abgeschlossen war, zerstörten und verbrannten sie die Dörfer. Sie töteten die Einwohner ohne Gnade, wenn sie sich nicht augenblicklich taufen ließen. Er folgte damit seinem Vorbild, dem sagenumwobenen Karl, von dem Absalom ihm erzählt hatte.

Absalon entstammte einem Kloster im Frankenreich. Er wusste Waldemar zu berichten, wie es dem mächtigen Karl dem Großen gelungen war, die wilden Sachsen zu unterwerfen und zu christianisieren. Er erfuhr, dass Karl 4.500 Sachsen ohne mit der Wimper zu zucken enthaupten ließ, als diese nicht ihren Göttern abschwören wollten. So wollte Waldemar auch vorgehen und sich wie Karl der Große einen Platz in der Geschichte sichern. Jeder Slawe, der sich taufen ließ und sich ihm unterwarf, indem er dem dänischen König die Treue schwor, belohnte er fürstlich. Viele Slawen hatten sich ihm auf seinem Feldzug bedingungslos unterworfen.

Vor einem Monat hatte er mit seinen Schiffen dann endlich das Heiligtum der Ranen, welches oberhalb von Vittja lag, erreicht. Sie belagerten die Burg Jaromar, nachdem sie den kleinen Hafen unterhalb dieser Burg in einem Handstreich besetzt hatten. Seine Krieger hatten schnell die Burg umstellt. Vereinzelte Versuche, aus der Burg auszubrechen, konnten abgewehrt werden. Doch obwohl nicht viele Ranen die Burg verteidigten, gelang es den Dänen nicht, in die Burg einzudringen und sie zu erobern. Es war ein zähes Ringen und die Zeit wurde für Waldemar knapp. Mit Einbruch des Winters musste er mit seinen Truppen wieder in Dänemark sein.

Aber das Glück schien sich Waldemar wieder zuzuwenden. Bei einem der letzten Angriffsversuche nahmen sie einen jungen Slawen gefangen und brachten ihn zum Reden. Er erzählte ihnen von der großen Not auf der Burg, von Hunger und auch Durst, da in den Tiefenbrunnen das Wasser beinahe versiegt sei. Der Junge erzählte auch von einer geheimnisvollen Statue mit vier Köpfen im Innenhof der Burg. Aus ihr hätte eine Stimme ihrem Fürsten Tezlaw orakelt, dass die Dänen sie besiegen würde. Doch ihr Gott Svantevik würde sie wieder retten. Waldemar und Absalon amüsierten sich über den scheinbaren Widerspruch. „Er fantasiert wirr“, hatte Waldemar zu Absalon gesagt und ließ den Jungen weiter foltern. Er wollte herausfinden, wo es mögliche Schwachstellen in der Burganlage und bei der Verteidigung gab. Sie schlugen und quälten ihn also weiterhin. Als sie dann damit drohten, ihm seine Fingernägel auszureißen, verriet der Junge den Dänen eine Stelle im Burgwall in der Nähe des südlichen Tores. Dort sollte angeblich eine nur mäßig mit Holz und Lehm befestigte Stelle sein, durch die man, ohne vom Haupttor aus gesehen zu werden, in das Burginnere eindringen konnte. Waldemar hörte aufmerksam zu und befahl seinen Kriegern, in der nächsten Nacht genau an dieser Stelle ein Feuer zu legen.

Noch in der Nacht griffen sie das Haupttor der Burganlage an. Gleichzeitig legten sie Feuer an der Stelle, die der Junge verraten hatte. In der Burg brach Panik aus. Die Verteidiger versuchten, das Feuer neben dem Südtor zu löschen, doch sie hatten nicht mehr genug Wasser. Der Wall brannte nach einer Weile wie Zunder und durch die Lücke stießen die dänischen Krieger und metzelten die wenigen Slawen nieder. Sie töteten rücksichtslos alles, was sich ihnen in den Weg stellte, auch Frauen und Kinder. So drang Waldemar mit seinen Kriegern schnell bis in die Burgmitte vor. Dort angekommen, hob Waldemar sein Kurzschwert in die Luft, blieb abrupt stehen und rief einen Befehl. Seine Krieger blieben augenblicklich im Innenhof stehen. Selbst die Slawen senkten ihre Waffen. Eine unheimliche Stille legte sich über den Burgplatz. Waldemar blickte auf die sich ihm bietende Szenerie. Vor einer drei Meter hohen Steinstatue stand ein muskulöser slawischer Krieger. Vermutlich der Anführer dieser Ranen und Bruder des Fürsten Tezlaw,dachte Waldemar. Als befände er sich im Trancezustand, schaute er Waldemar und dessen Krieger hindurch, so als wären diese überhaupt nicht anwesend. Der Anführer hob ebenfalls langsam sein Kurzschwert in die Höhe und rief der Statue mit tiefer, kräftiger Stimme in für Waldemar unverständlichen Worten etwas zu. Seine wirren, langen, schwarzen Haare und sein verzerrtes Gesicht gaben ihm dabei den Ausdruck eines Wahnsinnigen.

Die Statue hatte vier Köpfe, so wie es der junge Slawe den Dänen unter der Folter gesagt hatte. Der Kopf der Statue, auf den der Slawe jetzt sein Kurzschwert richtete, begann in unheimlicher Weise grün zu leuchten. Die Augen glühten stechend rot. Und die Statue sprach! Waldemar schaute Absalon verwirrt an. Absalon war kreidebleich geworden und seine rechte Hand krallte sich in Waldemars Oberarm. Ärgerlich wischte Waldemar Absalons Hand zur Seite und sah den Bischof funkelnd an.

„Was soll das, Absalon? Sage mir lieber, was das dort deiner Meinung nach ist!“

„Ich weiß es nicht, mein König“, antwortete Absalon mit zittriger Stimme. „Der Junge hat von einem Orakel gesprochen. Erinnerst du dich noch an diesen merkwürdigen Widerspruch? Wir werden siegen, aber die Götter retten die Slawen dennoch? Diese Statue da vorne muss der Teufel persönlich sein!“

Waldemar schaute zu Absalon und rief ihm zynisch zu: „Ja und? Was zitterst du denn so? Wo ist dein Mut geblieben? Wenn das da vorne der Teufel ist, dann bete doch zu unserem Herrn. So besiegen wir auch diesen Teufel und töten seine Krieger, wenn es sein muss. Orakel hin oder her!“

Bei den letzten Worten hatte er sich dem Slawen zugewandt und in dessen Richtung zornig und laut gebrüllt. Gerade als er sein Schwert heben und seinen Kriegern erneut den Befehl zum Angriff auf die Statue geben wollte, drehte sich der Slawe vor der Statue zu ihm um. Er schaute Waldemar und seine Krieger erstaunlich gelassen an. Waldemar spürte im selben Moment eine bleierne Schwere in seinem Arm. Er hatte die Kontrolle über den Arm verloren. Langsam sank sein Schwert zu Boden. Wütend über sich und seinen kraftlosen Arm, starrte er den Slawen stumm an. Im Innenhof war es wieder so still, dass selbst das Meeresrauschen der Brandung vor der Burg brüllend laut erschien. Der muskulöse Slawe starrte stolz Waldemar und dessen Krieger an. Er rief in dänischer Sprache zu Waldemars Kriegern: „Bringt mir den dänischen König, damit er meinem Gott huldigen kann, ihr Teufel!“

Er spuckte vor Waldemar aus. Ein Bogenschütze hinter Waldemar spannte daraufhin seinen Bogen. Waldemar hob seinen Arm und bedeutete diesem, den Bogen zu senken und nicht zu schießen. Mit siegesgewisser Stimme rief er dem Slawen zu: „Ich bin der dänische König, du Narr! Schau dich einmal um. Du hast keine Chance. Ergebt euch daher selbst und bringt mir stattdessen euren Fürsten. Dann lasse ich alle in der Burg am Leben!“

„Ich bin Jaromar, der Bruder des mächtigsten Fürsten aller Ranen.“ Der muskulöse Slawe vor der Statue spie die Worte förmlich heraus. „Dein Antlitz und das deiner Krieger beleidigen meinen Gott Svantevik. Du stehst inmitten unseres Heiligtums und hast es dadurch entweiht. Deshalb stirbst du jetzt, du Ungläubiger!“

Urplötzlich sprang er mit einem riesigen Satz auf Waldemar zu und hieb das Schwert in dessen Richtung. Doch dieser warf sich im selben Moment geistesgegenwärtig zur Seite. Absalon jedoch blieb mit seiner ganzen Leibesfülle wie angewurzelt stehen. So traf Jaromars Kurzschwert statt Waldemar Absalon am Arm und fügte ihm eine lange Wunde zu. Absalon schrie laut auf. In dem nun folgenden Durcheinander schlugen Waldemars Krieger Jaromar nieder. Dessen wenige Krieger, die noch im Innenhof standen, konnten sie in Schach halten. Während Jaromar auf dem Boden liegend festgehalten wurde, strahlte aus der Statue immer intensiver dieses grüne Licht.

Einer der Köpfe der Statue drehte sich zu den kämpfenden Dänen hin. Seine roten Augen richteten sich auf Waldemar. Waldemar wurde es siedend heiß. Sein Mut verließ ihn und er starrte den Kopf mit den roten Augen an. „Wer bist du und was willst du von mir?“, fragte er mit leiser, belegter Stimme die Statue. Bevor er eine Antwort bekam, blitzte es grell neben der Statue auf. Es öffnete sich ein schwarzes Loch neben der Statue. Ein riesiges, reptilienartiges, gläsernes Ungeheuer trat aus dem Loch hervor. Es bewegte sich auf Waldemar zu und neigte sein riesiges gläsern schimmerndes Haupt. Von den mächtigen Reißzähnen tropfte Schaum herunter. Ein übler Verwesungsgeruch entströmte dem riesigen Maul.

„Was willst du von meinem Schützling, du kleiner Erdling?“, herrschte das Wesen Waldemar an und zeigte mit einer seiner riesigen Pranken auf Jaromar. Waldemar gab seinen Männern entgeistert ein Zeichen, Jaromar freizulassen. Jaromar sprang auf. Er schaute ängstlich zu dem unheimlichen Wesen vor Waldemar hoch, verneigte sich instinktiv und ging ehrfürchtig in die Knie. Er zeigte auf das Wesen und rief Waldemar zu: „Das ist ein Bote von Svantevik. Er will den Schatz, diese Scheibe.“ „Welche Scheibe?“, fragte Waldemar, verständnislos den Kopf schüttelnd.

„Ja, eure Krieger haben sie bei einem Überfall auf eines unserer Dörfer an der Küste im Nebelland erbeutet. Das hat mir das Orakel gesagt, bevor ihr in die Burg eingedrungen seid. Und es hat die Ankunft eines Boten angekündigt. Das ist das Wesen, das hier vor euch steht. Wenn du ihm die Scheibe nicht gibst, wird er dich und alle deine Krieger vernichten!“

„Nochmals: was für eine Scheibe?“ Waldemar betonte jedes Wort laut und langsam. Dabei schaute er unsicher zu diesem monströsen Reptil.

„Wir Ranen haben vor vielen Generationen zusammen mit drei heiligen Bernsteinen eine Scheibe, die eine goldene Barke zeigt, von Händlern aus einem sehr fernen Land erbeutet. Unser Orakel hat uns daraufhin befohlen, die Scheibe zu verstecken, bis ein Bote von Svantevik kommt und sie einfordert. Und das Wesen vor uns ist dieser Bote. Hüte dich, denn er will nun den Schatz für Svantevik holen!“

„Waldemar, um Himmels willen, gib diesem Dämon die Scheibe, aber schnell!“, rief Absalon angstvoll. Doch Waldemar schüttelte immer noch verständnislos seinen Kopf. Woher sollte er wissen, wo die Scheibe war, da er bis zu Jaromars Erzählung nichts von ihrer Existenz wusste.

Als ob er seine Gedanken lesen könnte, neigte das Wesen seinen gläsernen Kopf zur Seite. Es bleckte seine Reißzähne und schaute Jaromar, Waldemar und Absalon starr an. „Wo ist die Scheibe? Sie ist heilig und gehört meinem Fürsten!“

Waldemar und Absalon waren leichenblass im Gesicht. Sie rechneten jeden Moment mit ihrem Tod. Als wäre alles noch nicht schlimm genug, schrie Jaromar diese Kreatur zu allem Überfluss auch noch an: „Ich habe die Scheibe nicht mehr! Sie ist uns Ranen von diesem König, der da vor dir steht, geraubt worden!“

Gerade als sich das Reptil zu Waldemar umdrehte, schossen gleißende Blitze aus den roten Augen der Statue und trafen das reptilienartige Ungeheuer. Dieses brüllte laut auf und fiel schwer zu Boden. Dann erschienen plötzlich aus der Statue grünliche und goldgelbe Lichtpunkte, die sich zu einer Art Wolke aus Licht verdichteten. Die Wolke näherte sich dem Reptilienwesen und schwebte über ihm. Es versuchte verzweifelt, einen silbernen Stab, den es in einer der Pranken hielt, der Lichtwolke entgegenzuhalten, doch erneut traf ein greller Blitz das Reptil. Dann war es verschwunden. Nun näherte sich die Lichtwolke Waldemar, Jaromar und Absalon. Ehe auch nur einer der drei reagieren konnte, verschwand die Lichtwolke in Jaromar! Kurz darauf floss ein Ebenbild von Jaromar aus dessen Körper. Das Spiegelbild ging wie ein Geist durch Waldemar und mehrere Krieger hindurch. Waldemar spürte nur einen leichten Luftzug. Instinktiv fasste er nach der Geisterfigur, doch seine Hand griff einfach durch diese hindurch! Waldemar, Absalon und alle Krieger im Hof waren starr vor Angst.

Dann ertönte aus Jaromars Spiegelbild eine dunkle Stimme. „Waldemar, du sollst der neue Hüter der Schei-be sein. Brich mit deinen Kriegern auf! Suchet diese Scheibe und diese Bernsteine!“ Aus der Lichtwolke materialisierte sich für einen Augenblick ein Abbild der verschollenen Gegenstände. „Übergib alles einem der Priester in einem der Dörfer, in das du kommst. Du wirst erkennen, welchen Priester ich meine. Also versprich es und ich lasse euch alle leben!“

Waldemar starrte die Geisterfigur an und nickte deutlich. Jetzt wandte sich das Geisterbild an Jaromar, der sein eigenes Spiegelbild verwirrt anstarrte. „Jaromar, gehe nach Charenza zu deinem Bruder. In eurem Reich haben wir zwei weitere heilige Scheiben tief in den Bergen hinterlassen. Findet, bewacht und schützt sie mit eurem Leben, bis wir sie holen. Svantevik wird euch beobachten.“ Nach den letzten Worten verschwand das Spiegelbild so plötzlich, wie es erschienen war.

Alle standen noch eine Weile stumm und starr da. Waldemar versuchte etwas zu sagen, aber seine Stimme versagte. Absalon stierte mit glasigen Augen vor sich hin. Nur Jaromar nickte und bewegte sich wie in Trance zum Fuße der Statue. Er erhob sein Schwert, kniete nieder und verneigte sich vor der Statue. Dann rief er: „Svantevik, ich schwöre bei meinem Leben, ich werde die Scheiben in unserem Reich finden und hüten. Doch wie soll ich fortkommen aus dieser Burg, die der Dänenkönig erobert hat?“

Waldemar hörte ungläubig seinen eigenen Worten zu. Eine Kraft sprach aus ihm zu seinen Kriegern, ohne dass er es verhindern konnte: „Lasst den Ranenfürsten ziehen. Er darf leben!“ Jaromar erhob sich daraufhin, nickte und ging stolz auf die dänischen Krieger zu. Diese bildeten eine Gasse, durch die er aus der Burg ins Freie gelangte. Waldemar sah Jaromar, wie er sich auf ein Pferd schwang und in den Wald ritt. Den übrigen Ranen im Innenhof rief er zu, sich ihm zu unterwerfen, wenn sie am Leben bleiben wollten. Als Letztes gab er dann den Befehl, die gesamte Burg niederzubrennen.

1

2016, RÜGEN, OSTSEE

Der Hund schlug laut bellend an und zerrte an der Leine. Die ältere Frau zog heftig an der Leine und fuhr ihren Hund wütend an. Sie schien sehr ärgerlich über das ungebührliche Verhalten ihres Hundes zu sein. Sie schaute in die Richtung, in die ihr Hund bellte. Komisch,dachte sie, was will zu der späten Zeit dieser dicke und verdreckte alte Mann im Wasser?Sie sah, wie dieser langsam einen Fuß nach dem anderen hob und umständlich in Richtung Ufer stakste. Wie eine fette Möwe, die gerade merkt, dass Wasser doch kalt und nass ist, dachte sie. Er trug eine dunkle Hose, die Hosenbeine waren bis zu den Knien durchnässt. Dazu trug er Halbschuhe und unglaublich pinkfarbene kurze Socken. Er hatte nur einen dünnen Pullover an und trug darüber einen seltsam karierten, kurzen Mantel. Sie schüttelte wieder ärgerlich ihren Kopf. Immer diese verrückten Touristen! Trinken bis zum Umfallen und stellen dann nur Unsinn an. Wie früher die Russen,dachte sie und stapfte in Richtung des Mannes zum Ufer hin. Dabei zerrte sie ihren Hund hinter sich her.

„Sie“, herrschte sie den Mann an, „was machen Sie denn da? Ostseewasser ist nun mal nass und zu dieser Jahreszeit auch kalt. Ich würde an Ihrer Stelle weniger trinken und es mal im nächsten Sommer versuchen, da ist es garantiert wärmer!“

Doch der Mann schaute sie nur mürrisch an und stapfte langsam aus dem Wasser heraus. Endlich am Ufer angekommen, hob er erst ein Bein in die Luft und schüttelte umständlich den Fuß, so als ob er das Wasser aus den Schuhen schütten könnte. Dann hob er langsam das andere Bein und schüttelte auch dieses. Er sah lange auf seine völlig nassen, verdreckten Schuhe und schaute sich dann um. Jetzt schien er die Frau zu registrieren. Da der Hund jedoch knurrte, ging er nicht weiter auf die Frau zu.

„Sagen Sie mal“, rief er ihr unfreundlich zu, „wo bin ich hier überhaupt? Was ist das für ein Ort da hinten an der Straßenbiegung? Die Frau schaute ihn verwirrt an und sah zu ihrem Hund herab.

„Karlchen“, sprach sie den Hund an, „dieser betrunkene Tölpel weiß noch nicht einmal, wo er ist. Komm wir gehen lieber, bevor uns dieser Russe noch komisch kommt.“ Zum Mann gewandt rief sie laut: „Sie sollten sich schämen und weniger Wodka trinken, junger Mann. Ist im Übrigen auch gut für Ihre Figur.“

Sie hob energisch ihren Kopf, drehte sich um und ging mit schnellen Schritten zur Straße zurück. Dabei redete sie ununterbrochen auf ihren Hund ein. Mein Gott, Klausen,dachte der Mann und seufzte vor sich hin, hättest du doch nur deinen Mund gehalten und einen dieser jungen Schnösel zur Erde zurückgehen lassen, so wie sie es wollten. Denn seit sie auf dieser seltsamen Keltenwelt gelandet waren, war in regelmäßigen Abständen immer einer aus ihrer Gruppe zur Erde zurückgekehrt. Sie wollten in Erfahrung bringen, welche Entwicklungen es seit ihrer Flucht „in ihrer“ Welt gegeben hatte. Bislang war immer einer der jungen Leute gereist. Nur diesmal hatte er sich nicht zurückhalten können. Ihm war es bei den Kelten zu langweilig geworden. Und er hatte mittlerweile einen Heißhunger nach leckeren Schokoladentörtchen und einer guten Tasse Kaffee entwickelt. Er träumte doch tatsächlich schon von diesen Törtchen und andere Leckereien. Deshalb hatte er sehr resolut diese Reise für sich reklamiert.

Erstaunlicherweise ließen sie ihm diesmal den Vortritt. Niemand widersprach. Ich hätte es ahnen müssen, dachte er. Spätestens als Bernd ihm die Funktionsweise der Tastatur dieser verflixten Zeitmaschine erläutert hatte. Um nicht etwas Wichtiges zu vergessen, hatte er sich hinterher Notizen auf einen Merkzettel gemacht. Nur dumm, dass er diesen in sein Jackett gesteckt und das Jackett vor der Abreise aus der Keltenwelt vergessen hatte. Damit begann das Malheur. Als er abreisen wollte, hatte Bernd ihm noch angeboten, die Einstellung für ihn vorzunehmen. Klausen war jedoch eigensinnig und vollkommen sicher, die richtige Tastenkombination gedrückt zu haben. Er hatte zunächst das Jahr, in welches er reisen wollte, eingegeben. Dann drückte er mehrere weitere Knöpfe, um die Ortswahl zu bestimmen. Er hatte eigentlich alles genauso gemacht, wie Bernd es ihm gezeigt hatte. Als sich dann vor ihm ein horizontaler Nebelspalt auftat, winkte er sichtlich vergnügt den Anderen zum Abschied zu und sprang übermütig in den Spalt. Er wurde in einen spiralförmigen Wirbel gezogen. Erst als er sich schon in dem Spiralwirbel befand, fiel ihm siedend heiß sein Jackett mit den Notizen wieder ein. Aber da war es zu spät, zumal sich die Nebelwand unvermittelt wieder öffnete. Da er mit übermütigem Schwung in die Spalte gesprungen war, fiel er aus dieser ebenso schwunghaft wieder hinaus und …

… landete fast direkt in einem Lagerfeuer, um das seltsame, mit Fell bedeckte Menschen saßen und ihn ihrerseits entgeistert anschauten. Mist, Neandertaler und Steinzeit,schoss es ihm durch den Kopf. Da habe ich wohl doch ein paar Tasten falsch gedrückt. Einen kurzen Moment starrten sich Steinzeitmenschen und Klausen gegenseitig an. Dann sprangen die Wilden auf. Sie schwangen widerliche lange Knochen, an denen noch Fleischfetzen und Sehnen wild baumelten, und wollten ihn angreifen. Geistesgegenwärtig ergriff Klausen die Flucht. Er rannte einfach vom Lagerfeuer direkt in das nächstgelegene dunkle Unterholz. Zum Glück schien der Mond und er konnte die Lücken zwischen den Bäumen und dem Unterholz erkennen. Nach einer Weile blieb er nach Luft schnappend stehen. Er hörte in der Ferne grunzende Laute, die nur von diesen Neandertalern stammen konnten. Er schaute auf die Tastatur in seiner Hand, seufzte, als er an seinen vergessenen Merkzettel dachte und wählte erneut eine Tastenkombination. Wieder tat sich ein nebeliger Spalt vor ihm auf und er trat vorsichtig hindurch. Er sah im Augenwinkel, wie einer der Neandertaler sich in Richtung des Spaltes warf. Am Ziel angekommen, setzte Klausen diesmal einen Fuß nach dem anderen sehr vorsichtig aus dem Spalt hinaus und stand …

… auf einem Felsbrocken. Es war Nacht und wieder schien ein heller Mond. „Mal wieder Glück gehabt, alter Junge“, sagte Klausen zu sich und erschrak im selben Moment. Er hörte an seiner Seite ein lautes Grunzen und spürte einen Schatten neben sich. Dieser Steinzeitmensch hatte zu seinem Pech bei seinem Sprung zu viel Schwung genommen und schoss nun laut schreiend mit rudernden Armen an ihm vorbei über die Kante des Felsbrockens. Nachdem der Neandertaler an ihm vorbeigerauscht war, trat Klausen sehr vorsichtig an den Rand des Felsens und erschauderte ob der gähnenden Tiefe, die sich vor ihm auftat. Er sah den wild mit den Armen rudernden, fallenden Neandertaler. In einer Hand hielt er immer noch den mächtigen Knochen mit diesen ekeligen Fleischfetzen. Den Wilden bin ich erst einmal los,dachte Klausen erleichtert und atmete tief durch, um sich zu beruhigen. Dann schaute er sich aufmerksam um. Wo bin ich denn jetzt gelandet, vor allem in welcher Zeit?Er drehte sich um und musterte den Felsen. Der Felsbrocken, auf dem er stand, ragte aus einer Felswand heraus. Mit ein wenig Geschick sollte es mir gelingen, da hinaufzuklettern, war Klausen sich ziemlich sicher und begab sich auf den Weg nach oben. Er zog sich mühsam schnaufend über den Rand. Törtchen hin oder her, du musst abnehmen, Junge! Vor allem solltest du solche Abenteuer in deinem Alter einfach lassen, dachte Klausen.

Er erhob sich gequält, schüttelte den Schmutz von seiner Kleidung und sah sich um. Er stand auf einer kahlen Bergkuppe. Er ging zum gegenüberliegenden Ende der Kuppe. Von dort konnte er in ein Tal hinunterschauen. Er konnte nichts erkennen. Er sah nur Wald, keine Siedlung, kein Haus, nichts. Wo bin ich denn nun gelandet? Da komme ich mit meinem Bauch nie hinunter. Zu seinem Schreck meinte er kleine Schatten gesehen zu haben, die mit roten glühenden Augen die Bergkuppe heraufkamen. Er stöhnte innerlich auf. Schon wieder Wilde! Nichts wie weg hier!Er zog die Tastatur aus der Hosentasche und schaute sie sich diesmal aufmerksam an. Ganz ruhig durchatmen. Konzentriere dich auf die Notizen vom Merkzettel und drücke jetzt mal die richtigen Tasten, dachte er. Vorsichtig wählte er eine Taste nach der anderen. Währenddessen waren die Schatten auf der Bergkuppe angekommen. Klausen wurde es siedend heiß. Mein Gott, Wölfe. Ganz ruhig bleiben. Die Tiere begannen ihn zu umkreisen, zogen ihre Lefzen hoch und starrten ihn an. Vorsichtig drückte Klausen weitere Tasten auf dem Gerät und bewegte sich nicht. Endlich öffnete sich vor ihm ein neuer Nebelspalt. Die Wölfe sprangen erschrocken ein paar Meter von ihm und der nebeligen Öffnung weg. Klausen fixierte die Wölfe kurz und nutzte die Chance. Er sprang unvermittelt. Keiner der Wölfe folgte ihm, als sich der Nebelspalt wieder schloss.

Der Spalt öffnete sich erneut und Klausen …

… sprang diesmal direkt in eine Wasserlache, die ihm bis zu den Knöcheln reichte. Erschrocken schaute er sich um. Auch das noch, erst Wilde und Wölfe und dann der „Der alte Mann und das Meer“,dachte er verzweifelt. Er spürte, wie das eiskalte Wasser in seine Schuhe eindrang und die Kälte langsam in ihm hochzog. Er musterte aufmerksam die Umgebung und sah erleichtert einen Strand, eine Straße dahinter, Laternen und Häuser. „Mein Gott, wie herrlich Laternen sein können“, lachte Klausen auf. „Hätte nie gedacht, dass ich einmal mit dem Anblick einer so simplen Laterne zufriedenzustellen bin.“ Er sah eine keifende ältere Dame mit einem Hund auf sich zukommen. Sie herrschte ihn wütend an und redete irgendwas von Schwimmen und falscher Jahreszeit. Brummend schaute er sie an. Heute bleibt mir auch nichts erspart,schoss es ihm durch den Kopf. Er zog vorsichtig erst den linken, dann den rechten Fuß aus dem Wasser und watete wie ein etwas in die Jahre gekommener Flamingo mit rundem Bauch in Richtung des trockenen sandigen Strandes.

„Sagen Sie mal“, rief er ihr unfreundlich zu, „wo bin ich überhaupt hier? Was ist das für ein Ort da hinten an der Straßenbiegung?“

Aber die ältere Frau redete stattdessen auf ihren Hund ein und warf ihm ein paar unfreundliche Worte zu. Sie redete von Ostsee und dass er als Russe weniger Wodka trinken sollte. Ganz schön unfreundlich und offensichtlich senil diese alte Oma,dachte Klausen. Ach, hätte ich doch den jungen Leuten den Vortritt bei dieser Reise gelassen. Aber was soll es. Er schaute der wegstapfenden, schimpfenden alten Dame nach. Langsam ging er auf die Straße und die ersten Häuser zu, in der Hoffnung, dort ein Ortsschild zu finden. Er sah hübsche, kleine reetgedeckte Häuschen mit gepflegten Gärten. Das kleine Sträßchen verlief direkt an der Küste. Ein kalter Wind blies landeinwärts und Klausen spürte seine nassen kalten Füße. Es quietschte unangenehm in seinen nassen Halbschuhen. Ich muss unbedingt in ein trockenes, warmes Gasthaus oder Restaurant, sonst hole ich mir den Tod. Endlich sah er ein Hinweisschild und dahinter einen kleinen Hafen. Neudorf, Landkreis Rügen stand auf dem Schild. Erleichtert sah er einen Gasthof direkt am Hafen und eilte mit schnellen Schritten darauf zu. Er öffnete die Eingangstür. Ein Schwall von Worten und warmer Luft schlug ihm entgegen. Rasch ging er hinein. Es waren einige Gäste im Schankraum. Sie aßen, tranken und redeten miteinander. Nur der Wirt bemerkte den neuen Gast.

„Was ist Ihnen denn passiert, mein Herr? Sie sind ja ganz nass! Möchten Sie sich erst einmal setzen?“ Der Wirt schaute ihn besorgt musternd an.

„Nein, alles gut, mein Lieber. Ich wollte am Strand einen kleinen Spaziergang machen und bin im Dunklen versehentlich in eine Wasserlache getreten. Aber es ist nichts passiert. Mir geht es gut. Haben Sie vielleicht etwas Warmes zu trinken für mich?“

Der Wirt schaute ihn weiterhin aufmerksam an, dann nickte er und verschwand hinter dem Tresen in die Küche. Nach einer Weile kam er wieder zurück an den Tisch, an dem Klausen Platz genommen hatte. Er stellte ihm einen dampfenden Becher hin.

„Hier, ein kleiner Grog auf Kosten des Hauses. Schließlich soll es unseren Gästen ja gutgehen. Wo wohnen Sie eigentlich? Hier in Neudorf oder kommen Sie aus einem anderen Ort?“

„Vielen Dank!“ Klausen sah den Wirt kurz an. Ein neugieriger Wirt hat mir gerade noch gefehlt. „Ich habe mein Auto am Hafen stehen. Ich bin aus Stralsund hierher gekommen. Auf Besuch bei einer Freundin.“ Klausen lächelte den Wirt vielsagend an.

Der Wirt grinste ihn verständnisvoll an. „Schon verstanden, Mann. Wenn Sie noch etwas essen oder trinken möchten, dann melden Sie sich, in Ordnung?“

Klausen nickte und der Wirt verschwand endlich. Er schaute sich um und sah hinter dem Tresen einen riesigen Flachbildschirm an der Wand hängen. Das Programm lief. Super,dachte Klausen, NTV-Nachrichten, besser geht es ja nicht. Im selben Moment stand einer der Gäste im Lokal auf, ging zu dem Tresen, schaute auf den Bildschirm und rief in Richtung Küche.

„Rudolf, komm mal her und drehe doch bitte die Lautstärke höher. Die Nachrichten interessieren meine Freunde und mich. Schließlich wollen wir morgen früh wieder weitersegeln. Aber irgendetwas ist wieder auf der Sonne passiert und soll das Wetter morgen entgegen der bisherigen Voraussagen nun doch verändern.“

Der Wirt kam aus der Küche und drehte die Lautstärke höher. Es wurde von neuen Sonneneruptionen berichtet und vor den dadurch ausgelösten starken seismischen und klimatischen Auswirkungen auf der Erde gewarnt. Der Nachrichtensprecher äußerte sich besorgt über die nicht enden wollenden Eruptionen mit ihren verheerenden Auswirkungen. Ebenso sprach er über die Erderwärmung von mittlerweile mehr als zwei Grad Celsius. Als Nächstes kamen Meldungen aus der Politik. Es wurde von einer neuen engen Forschungskooperation zwischen Russland und China berichtet. Man sei überrascht und gleichzeitig über den Druck auf die USA und Europa besorgt, den jetzt Russen und Chinesen ausübten. Es wurde viel über Auswirkungen und Konsequenzen spekuliert. Nach eigenen Aussagen hätten die Chinesen in ihren Forschungseinrichtungen, die denen des CERN entsprachen, riesige Fortschritte gemacht. Auch wurde über einen astrophysikalischen Wettlauf der Nationen untereinander und deren Folgen für die untereinander verfeindeten Staaten berichtet. Von der Zeitmaschine oder ähnlichen Erfindungen wurde nicht gesprochen. Bei dem darauffolgenden Beitrag erschrak Klausen heftig.

Es wurde vom mysteriösen Verschwinden führender Astrophysiker berichtet. Er sah die Fahndungsfotos von seinen Freunden, die Bilder von Sarah, Bernd, Frank, Ole und Paula, mit denen er geflüchtet war. Natürlich spricht keiner davon, dass wir von den Geheimdiensten erbarmungslos verfolgt wurden und noch werden,dachte Klausen verärgert. Denn mit knapper Not und dank ihrer Zeitmaschine waren sie ihren Verfolgern entkommen und schließlich in der Keltenwelt gestrandet. Er hörte, dass das komplette Forscherteam als gefährlich und terroristisch eingestuft wurde, auf das eine hohe sechsstellige Kopfprämie ausgesetzt worden war.

Dann war die Rede davon, dass diese Terroristen vermutlich auch einen Professor namens De Longlier entführt hätten. Dabei seien sie von drei verwahrlosten Obdachlosen unterstützt worden. Zu guter Letzt erschien sein Bild auf der Mattscheibe. Klausen selbst wurde als gefährlicher Spion bezeichnet, der ehemals bei der Polizei als Kriminalkommissar gearbeitet habe. Nur aufgrund seines Wissens und dem Verrat des geheimen Polizeiverstecks von De Longlier hätten die Terroristen diesen entführen können. Neu war für Klausen, dass er für ungemein gefährlich gehalten wurde. Die halten mich für eine Art Al Capone,dachte Klausen grimmig. Weiterhin wurde davor gewarnt, ihn und diese Terroristen ohne Polizei fassen zu wollen. Ein Gebrauch von Schusswaffen sei nicht auszuschließen.

Unglaublich, dachte Klausen und schaute sich vorsichtig um. Er sah, wie der Wirt ihn anstarrte. Ich muss hier weg, und zwar schnell!Er erhob sich langsam vom Tisch und täuschte ein Erbrechen vor. Ein Gast und auch der Wirt machten ihm angewidert Platz. Das reichte Klausen, um blitzschnell die Tür zu öffnen und nach draußen zu stürzen. Die Kälte fühlte er nicht. Er rannte direkt vom Lokal in Richtung Yachthafen, der vor ihm lag. Laute Stimmen verfolgten ihn.

„Seid vorsichtig, Leute. Ich rufe die Polizei!“, schrie der Wirt hinter ihnen her. Klausen schaute sich kurz um. Der Mann vom Tresen und ein paar weitere junge Männer rannten ihm hinterher. Sie kamen schnell näher. Klausen wusste, dass er nicht entkommen konnte und sprang geistesgegenwärtig über den Rand des Stegs auf eine etwas größere Yacht. Er rutschte aus, fiel hin und schaute hoch zum Steg. Die Männer waren angekommen und machten sich daran, auf die Yacht zu steigen. Wie aus dem Nichts tauchte neben ihm ein alter Mann mit grauer Kutte, langen weißen Haaren und einem struppigen Bart auf. In der Hand hielt er einen silbernen Stab, mit dem er in Richtung der Verfolger zeigte. Blitze gingen von ihm aus, die diese trafen. Die Verfolger fielen der Reihe nach zu Boden.

„Klausen, mein Freund, was machst du denn für Sachen?“, sagte Katos mit sanfter Stimme und half ihm aufzustehen. Er zeichnete mit dem Stab eine senkrechte Linie in die Nacht und ein grauer Nebelspalt tat sich vor ihnen auf. Beide gingen hinein und waren verschwunden. Der Wirt war mittlerweile wieder aus dem Lokal herausgekommen und hatte verfolgt, was auf dem Bootssteg passierte. Er starrte mit aufgerissenen Augen und offenem Mund in die Nacht. Erst als ihm das Handy aus der Hand gerutscht war und auf das Kopfsteinpflaster fiel, wachte er aus seiner Haltung auf.

2

2016, IN EINER ANDERENWELT

Sie waren nun schon seit drei Monaten in dieser seltsamen Welt, die parallel zur Erde in einer fernen Galaxie existierte. Es war, als sei die Zeit vor ungefähr mehreren tausend Jahren einfach stehengeblieben. Keine asphaltierten Straßen, keine Autos oder Flugzeuge, stattdessen unendliche Wälder, kleine Dörfer mit Holzhäusern und Wallanlagen aus Erde, Steinen und Holz. Schmale, holprige Wege und Pfade verbanden die Dörfer untereinander. Die Menschen trugen altertümliche, einfache Kleidung. Hunde, Schafe, Pferde, Rinder und Schweine liefen frei zwischen den Holzhäusern hin und her, aber niemanden störte es. Auf dem kleinen Marktplatz handelten und tauschten viele Menschen friedlich ihre Waren. All dies kannte Bernd bislang nur aus Filmen.

Bernd ging quer durch das Dorf. Jeder der Menschen im Dorf konnte schon an seiner Kleidung erkennen, dass er kein Kelte war. Und doch störte es scheinbar niemanden. Niemand beobachtete ihn oder schaute ihm gar nach. Es schien so, als gehörte er schon immer zu den Dorfbewohnern. Nachdem er die Nachricht von Klausens Rettung durch Katos erhalten hatte, war er direkt zur Hütte der Druiden aufgebrochen.

Er erreichte die Hütte und fand seine Freunde mitsamt den Druiden an einem Lagerfeuer sitzend. Alle waren froh, dass es Katos gelungen war, Klausen auf Rügen zu retten. Jetzt lachten und neckten sie Klausen. Dieser hatte verlegen erzählt, wie es ihm endlich bei dem dritten Anlauf gelungen war, in die richtige Zeit zu gelangen. Dabei versuchte er immer wieder glaubhaft zu versichern, dass die Zeitmaschine eine Fehlfunktion gehabt habe, weil er die Tastenkombinationen doch immer analog Bernds Erläuterungen betätigt hätte. Nur so war er auf diese abenteuerliche Weise schlussendlich auf Rügen angekommen. Alle Freunde bogen sich vor Lachen. „Klausen, Klausen …“, Frank japste und versuchte Luft zu holen. „Das Gerät ist völlig in Ordnung. Gib doch einfach zu, dass du mit der Technik auf Kriegsfuß stehst. So wie es mir die Daten auf dem Gerät anzeigen, warst du tatsächlich zuerst in der Steinzeit. Du bist glatt 180.000 Jahre zurückgereist! Unter wissenschaftlichen Aspekten eigentlich eine interessante Reise. Pech hattest du dann nur bei der Auswahl des Ortes, oder?“ Frank legte eine Kunstpause ein, tat so, als ob er überlegte und fuhr dann lachend fort: „Das schafft wirklich nicht jeder, zielgenau in einem Lager von Neandertalern anzukommen, direkt in das Lagerfeuer zu latschen, wo die gerade beim Abendessen sitzen. Aber mit ein wenig Überzeugungsarbeit und Geduld hättest du die einmalige Gelegenheit gehabt, ein Häppchen Mammutfleisch zu probieren. Glaube mir, eine solche Gelegenheit bekommen nur Wenige. Nicht schlecht für den Anfang, insbesondere wenn die dich gefangen hätten und viel später dann dein Skelett bei den anderen Neandertalerskeletten gefunden worden wäre. Ich glaube, die Theorie zur Herkunft gerade deines Skelettes wäre sehr spannend geworden.“ Frank schaute sich die weiteren Daten auf der Tastatur an.

„Freunde, es wird ja noch besser. Du bist dann beim nächsten Sprung aus der Steinzeit im Jahr 1534 n. Chr., mitten in den Alpen gelandet, übrigens direkt auf einem Gipfel in den südwestlichen Alpen, in der Ortlergegend, wenn mich nicht alles täuscht. Respekt, mein lieber Freund, nur hast du dich dabei wie beim ersten Mal nicht nur in der Zeit vertan, sondern bist auch ein wenig zu sehr im Süden gelandet. Da fällt mir ein: Wenn ich mal wieder auf unserer Erde bin und mir langweilig ist, muss ich unbedingt einmal nachforschen, ob die dort am Ortler irgendwann einmal ein Skelett eines Neandertalers mit einem Mammutknochen in der Hand gefunden haben …“ „Sehr witzig, Frank“, unterbrach Klausen ihn und sah dann zu Katos. „Wie hast du mich denn gefunden?“

„Sarah und Bernd haben, nachdem du abgereist bist, dein Jackett gefunden und auch den Zettel mit deinen Notizen. Wir haben kurzerhand eins und eins zusammengezählt. Ich bin dir gefolgt, als ich merkwürdigerweise innerhalb kurzer Zeit gleich drei Signale von deiner Zeitmaschine empfangen habe. Da wussten wir, dass etwas nicht in Ordnung sein konnte. Glücklicherweise war es möglich, zum letzten Signal eine Ortung herzustellen. Als ich ankam, lagst du auf der Yacht am Boden, und diese jungen Männer wollten dich gefangen nehmen. Ich habe sie betäubt und bin mit dir sofort zurückgekehrt.“ Klausen drückte Katos nochmals dankend die Hand und schaute die Anderen an. Er erzählte Ihnen von der Nachrichtensendung und den Inhalten. Alle hörten wie betäubt zu. Danach saßen sie still am Lagerfeuer. Bernd fasste sich als Erster und schaute ernst zu Klausen, seinen Freunden und den drei Druiden.

3

„Es ist ernster, als ich gedacht habe. Bei unserem letzten Besuch auf der Erde vor drei Wochen waren die Sonnenflairs gerade entdeckt worden, nachdem es erste Erdbeben in Südamerika gegeben hatte. Es wurde noch spekuliert, ob diese Sonneneruptionen von einmaliger Natur seien und was sie insgesamt an Schäden anrichten könnten. Was uns betraf, war nur die Rede davon, dass wir samt De Longlier spurlos verschwunden seien. Es hieß, dass die renommiertesten Astrophysiker der Welt dabei seien, unsere letzten Forschungsergebnisse zu prüfen. Aber sie hatten ja keine Zeitmaschine mehr. Jedoch waren sie voller Hoffnung, auch ohne dieses Gerät auf unsere Universalformel zu stoßen. Wissenschaftler aus allen Ländern der Welt arbeiteten und kooperierten dabei zusammen. Aber jetzt? Jetzt stellen die Russen und Chinesen Ultimaten an Deutschland und die USA, bedrohen sich sogar. Und wir sind zu gefährlichen Terroristen mutiert. Wie konnte das in der kurzen Zeit passieren?“

„Das ist für mich nicht wirklich überraschend, Bernd. Was mich mehr beunruhigt, ist der Beginn der Vernichtung der Erde durch die Tachyronen.“ Katos schaute Bernd an. „Denn diese plötzlichen und immer stärker werdenden Sonneneruptionen können nur die Tachyronen ausgelöst haben. Der einzige Ausweg für die Menschen sind eure gesamten Forschungsergebnisse. Nur mit ihnen sind sie in der Lage, schnellstens Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Ihr müsst diese Dokumente übergeben.“

Bernd schüttelte resigniert den Kopf. „Das wird nicht gehen! So schnell werden sie die richtigen Entwicklungen nicht hinbekommen, selbst wenn wir Ihnen neben unseren Forschungsergebnissen auch noch eine Zeitmaschine überlassen, werden sie eine ganze Weile brauchen. Und in dieser Zeit werden sie sich noch schlimmer als bisher verfeinden. Sobald irgendein Land eine Zeitmaschine besitzt, wird es damit die anderen Nationen bedrohen. Außerdem: Kein Mensch außer uns weiß etwas von der Existenz der Tachyronen. Welche Maßnahmen oder Waffen sollen sie denn entwickeln, wenn sie nicht einmal wissen, gegen wen sie diese richten sollen? Glaubt mir, die Tachyronen werden gnadenlos alle Welten vernichten, egal was die Menschen unternehmen.“

„Mmh …“, brummte Katos. „Aber was ist, wenn wir umgekehrt die Tachyronen dazu bewegen, von ihrem Vorhaben abzulassen und stattdessen den Menschen zu helfen? Ich bin bereit, zu ihnen zu gehen und mit ihnen zu reden!“

Bernd schüttelte verneinend den Kopf. „Das nützt den Tachyronen doch nichts. Die Welten zu vernichten, ist für sie doch wesentliche einfacher und leichter, als sich aus ihrer Sicht mit unberechenbaren Menschen zu befassen. Glaube mir, du irrst dich gewaltig. Wenn du zu ihnen gehst, werden sie dich einfach töten, Katos. Die werden dir nicht einmal zuhören.“

Katos ließ sich nicht beirren. „Bernd, nur zur Erinnerung: Es waren die Tachyronen, die mir die Aufgabe gegeben haben, eure Zeitmaschinen auf dieser Keltenwelt und eurer Erde zu vernichten. Das zeigt mir, dass sie ursprünglich nicht die Absicht hatten, die Welten zu zerstören. Und das muss einen Grund haben. Vielleicht schaffe ich es doch, sie zu überzeugen. Ich muss es zumindest versuchen. Das bin ich meinem Volk hier auf dieser Welt schuldig.“

„Nochmals, Katos, die Tachyronen werden dir keine Gelegenheit geben.“ Bernd schaute Katos eindringlich an. „Das ist ein völlig sinnloses Opfer, das hilft niemanden. Auch nicht den Kelten hier in dieser unschuldigen Welt. Dann dieser unsinnige Auftrag. Selbst wenn du diesen ausführst, wissen die Tachyronen doch auch, dass es nicht lange dauert, bis die Menschen wieder neue Zeitmaschinen haben. Wozu also der Aufwand, wenn sie sich mit einem Schlag das Problem vom Hals schaffen können? Sie haben zwar euer Volk und auch andere vom Aussterben bedrohte Zivilisationen zu diesen und vielleicht noch zu anderen Planeten gebracht. Doch dann diese Zerstörungen und Racheakte gerade in der jüngsten Vergangenheit. Überlege mal, warum haben sie ausgerechnet jetzt diese irrsinnige Idee, unsere Erde wegen unserer Erfindungen zu vernichten und damit auch Milliarden von Lebewesen?“

Katos schüttelte den Kopf. „Bernd, ich werde zu den Tachyronen gehen müssen, es gibt keinen anderen Weg.“ Ich werde verrückt,dachte Bernd. Dieser starrsinnige alte Druide. Er redete eindringlich auf Katos ein: „Katos, habt ihr Druiden euch nicht auch schon mal gefragt, was das für Wesen sind, diese Tachyronen? Wo kommen sie auf einmal her? Warum haben sie euch gerettet und was wollen sie nun wirklich? Was glaubst du ist der Grund, dass diese Tachyronen genau immer dann aktiv geworden sind, wenn Kulturen vor der vollständigen Vernichtung standen?“

„Ach was“, sagte Katos trotzig, „das zeigt doch, dass wir ihnen nicht gleichgültig sind und gerade deshalb eine Chance haben, sie zur Hilfe doch zu überreden.“

Bernd schaute jetzt alle drei Druiden kopfschüttelnd an. Doch niemand verzog auch nur eine Miene oder entgegnete etwas. Das kann nicht wahr sein,dachte Bernd und verdrehte verzweifelt die Augen: „Warum sind diese Tachyronen überhaupt aktiv geworden? Angeblich, um alte Kulturen sich ungestört in ihren Eigenheiten entwickeln zu lassen? Und alles natürlich ohne Einfluss von moderner Technik und Wissenschaft. Aber wieso erhaltet ausgerechnet ihr Druiden die modernsten Technologien, auch wenn sie wie simple Silberstäbe aussehen? Wisst ihr was, es kommt mir so vor, als wenn wir Menschen in einem riesigen Labor leben und alles nur ein giganti-sches Experiment darstellt. Denn obwohl die Tachyronen alle Technologien bereits kennen, lassen sie die Menschen auf der guten alten Erde in aller Seelenruhe forschen und experimentieren, bis sie dann ‒ welch ein Wunder ‒ eine Zeitmaschine entwickelt haben. Wenn es den Menschen dann auch noch gelingt, eine Zeitreise zu unternehmen, fühlen sich diese Aliens urplötzlich in ihrer Existenz bedroht? Verstehe ich nicht! Wieso greifen sie nicht vorher ein, wenn sie doch scheinbar alles beobachten? Wisst ihr was? Ich glaube, es lässt sich alles nur erklären, wenn wir erfahren, wer die Tachyronen wirklich sind und was sie mit uns und dem Universum vorhaben.“ Bernd hatte sich in Rage geredet und hielt inne. Katos und Tilrun schienen verärgert, Gavrix verwirrt. Sarah sah zu Bernd, dann zu den Druiden und versuchte zu beschwichtigen. „Katos, hast du uns nicht von deiner Begegnung mit euren Göttern erzählt? Wenn es diese tatsächlich gibt, kannst du nicht vielleicht Hilfe von denen erwarten? Oder ist deine Reise nur im Traum im Rauschzustand passiert?“

Katos nickte leicht. Doch statt Katos hob Tilrun seinen Arm und sprach mit leiser dunkler Stimme zu Bernd und Sarah: „Ich verstehe eure Skepsis. Ich als einer der ältesten keltischen Druiden bin zu Taten fähig, die den Verstand eines normalen Menschen übersteigen. Ich besitze noch geistige Kräfte, die der menschlichen Zivilisation während der letzten Jahrtausende abhandengekommen sind. Ich habe den Göttern vor vielen Jahren gegenübergestanden, genauso wie Katos, allerdings ohne von dem Trank genommen zu haben, den ich Katos gab, damit er zu den Göttern gehen und mit ihnen sprechen konnte, um sich einen Rat zu holen.“

Katos schaute zu Tilrun, lächelte ihn an und antwortete bedächtig: „Danke, Tilrun.“ Er wandte sich zu Bernd und Sarah: „Glaubt mir, die Götter können und werden mir nicht helfen, im Gegenteil, sie haben mir die Aufgabe gegeben, die gesamte Technologie für Zeitreisen zu zerstören. Als ich sie fragte, wie ich das machen solle, haben sie gesagt, dass ich meine Seele wiederfinden und hineinschauen solle. Dort würde ich den Weg erkennen. Sollte ich ihre Aufgabe erfüllen, würden sie die Tachyronen davon abhalten, die Welten zu vernichten. Sie haben auch gesagt, dass ich euch unter Umständen töten müsste, wenn ich davon überzeugt wäre. Jedoch sagt mir mein Gefühl, dass es nichts nützt, euch zu töten oder alle Zeitreisetechnologien zu vernichten. Dafür seid ihr Menschen schon viel zu weit gekommen. Und wenn ich in mich hineinhöre, dann sagt mir eine innere Stimme, dass die Tachyronen der einzige Ausweg sind.“

Sarah schaute jeden in der Gruppe an und nickte Katos und Tilrun nachdenklich zu. Dann sah sie Bernd fragend an. „Nur mal angenommen: Wenn es stimmt, dass unser Universum tatsächlich nur eines von vielen im Multiversum ist und diese Tachyronen nicht in der Lage sind, in die anderen Universen zu gelangen; weiter spekuliert: wenn sie befürchteten, dass wir sie mit unseren Entwicklungen in ihrer Existenz bedrohen würden? Wenn wir zum Beispiel bei einem fehlerhaften Experiment alle Lebewesen in die Vergangenheit bis zum Urknall werfen würden. Also wenn jetzt eure Urgötter ebenso Wesen im gesamten Multiversum sind, dann sollten wir überlegen, mit ihnen in Verbindung treten.“

Tilrun schaute Sarah spöttisch an und entgegnete: „Nun, wenn dem so wäre, warum sollten uns ausgerechnet unsere Urgötter helfen, zumal Katos seine Aufgaben nicht erfüllt hat? Was meinst du?“

Sarah schaute fast hilflos zu Tilrun. „Ich weiß es doch auch nicht, Tilrun. Deshalb ist es für mich auch nur eine Option, eine bei der Katos jedoch unbeschadet bleibt.“