Die Welt ohne Geld - A.J. Silean - E-Book

Die Welt ohne Geld E-Book

A.J. Silean

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Beschreibung

Fiktion oder Realität, jeder entscheidet in diesem Buch für sich selbst. Erkennen oder ablehnen, alles ist hier möglich. Der Leser taucht in eine Welt ein, in der es kein Geld mehr gibt. Aus diesem Umstand entwickelt sich nach und nach eine Gesellschaft die nicht von Habgier oder Macht beherscht wird, sondern von Freude, Liebe, Gelassenheit....Sind wir bereit für so eine Welt, oder hat unser Ego noch nicht genug angerichtet? Finden sie die Wahrheit, es gibt nur Eine!

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Seitenzahl: 166

Veröffentlichungsjahr: 2014

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A.J. Silean

Die Welt ohne Geld

Nur ein Traum

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorwort

Der Traum

Warum die Welt ohne Geld nicht funktioniert

Die Begegnung mit Barduin

Die lange Nacht

Die Machuller

Die Erfindung

Die Umkehr d e r 6

Der Vorstand

Marc und Marc

Das glückliche Jahr

Das Fest der Liebe

Jesus

Die Geburt

O’Lieri

Jenny

Das Ende eines Traums

Impressum neobooks

Vorwort

Ich habe zwei Jahre gebraucht, um dieses Buch zu schreiben. Am Anfang war nur die Idee, wie wohl eine Welt ohne Geld aussehen würde. Diese Idee hat mich derart fasziniert, daß ich mir bei vielen Gelegenheiten diese eine Frage immer wieder stellte!

Nun haben sich in der Wirtschaft einige Dinge ereignet, (z.B. die Weltwirtschaftskrise, welche im übrigen noch nicht einmal ansatzweise ihren Höhepunkt erreicht hat, auch wenn uns die Damen und Herren an der Spitze etwas anderes weismachen wollen) die es mir unmöglich gemacht haben, dieses Buch nicht zu schreiben!

Mit der vor Ihnen liegenden Geschichte soll aber keine Richtung aufgezeigt werden, in die sich die Welt und damit die Gesellschaft hin entwickeln wird, denn das steht noch nicht fest.

Sehen Sie es einfach als Gedanken eines etwas verrückten Menschen, der sozusagen (s)eine Science-fiction Kurzgeschichte geschrieben hat.

Zum verrückt sein möchte ich noch etwas anmerken!

In einer Welt, in der es ganz„normal“ist, daß ein Staat dem anderen den Krieg erklärt (fragen Sie sich einmal nach dem Grund dafür, dann werden Sie merken, daß Kindergartenkinder bessere Konfliktlösungen anbieten) und dann meist junge Menschen (Soldaten) zum Morden angestiftet werden, denn jemanden umzubringen mit der Waffe in der Hand ist Mord, auch wenn er befohlen wird,

in einer Welt in der es ganz„normal“ist, Tonnen von Lebensmitteln jeden Tag zu vernichten, gleichzeitig Tausende und abertausende Menschen (meist Kinder) verhungern,

in einer Welt in der es ganz„normal“ist, daß Menschen unter einer Brücke schlafen und andere Milliarden auf dem Konto haben,

in so einer Welt bin ich gerne verrückt!

Ich lade Sie ein, auch verrückt zu sein, wenigstens ein bißchen!

Ich danke allen Menschen, die mir bisher begegnet sind und dies auch weiter tun werden, dafür daß sie mir Dinge zeigen, von denen ich lernen kann. Auch den Politikern und Mächtigen dieser Welt sei gedankt, denn nur wenn man erkennt wie es auf keinen Fall geht, ist man auch offen für Neues!

Danken darf ich hier auch meinen Kindern, von denen ich noch nicht genug gelernt habe, meinen Eltern, die durch Ihre Erziehung erst meine Entwicklung möglich machten und meiner Großmutter, die mit ihrer Liebe und ihrem unbändigen Optimismus mein Leben wohl am meisten beeinflußt hat. Ich werde sie am Ende meines Weges wieder finden und darauf freue ich mich schon sehr!

Der Traum

Um 6 Uhr klingelte der Wecker. Elias Matetschek, Ingenieur in einem großen Autokonzern, machte die Augen auf und brauchte ein paar Momente, um sicherzustellen, dass er tatsächlich wach war. Da hörte er die vertraute Stimme seiner Frau Linda:

Guten Morgen, mein Schatz, hast du gut geschlafen?

Ja, danke, sehr gut, allerdings hatte ich einen verrückten Traum.

Ach ja, erzähl mal!

Pass auf, ich habe geträumt, dass ich aufgewacht bin und das Geld wurde abgeschafft!

Wie, das Geld wurde abgeschafft, wie soll denn das gehen!

Schatz, ich habe nicht geträumt, wie es abgeschafft wurde, sondern nur wie es ist, wenn es kein Geld mehr gibt!

Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Wie soll denn die Gesellschaft ohne Geld funktionieren, da herrscht doch nur noch Chaos und Anarchie!

In meinem Traum war es genau anders herum! Aber setz´ dich mal zu mir, ich erzähl es dir.

Alles hat damit angefangen, dass ich aufgestanden bin und du gesagt hast:

Guten Morgen, mein Schatz, hast du gut geschlafen?

Genau wie eben.

Und ich darauf:

Ja, danke, super und du?

Sehr gut, möchtest du heute zur Arbeit gehen oder lieber zu Hause bleiben?

Ich gehe heute arbeiten, wir haben ja schon alles was wir machen wollten letzte Woche am Montag erledigt, da kann ich mich am Sonntag in aller Ruhe meinem neuen Projekt widmen. Wenn du willst, kannst du mit den Kindern mitkommen.

Oh ja, das mache ich, aber zuerst essen wir einmal gemütlich, einverstanden?

Weißt du, was mir gestern passiert ist? Ich habe einen Mann getroffen, der sich noch an die Zeit des Geldes erinnern konnte und wie die Menschen damals lebten! Er war zwar noch ein Kind als es noch Geld gab, aber er konnte sich noch an das Gefühl jener Zeit erinnern.

Du, der hat mir Dinge erzählt, das glaubst du mir nicht!

Die Menschen zu dieser Zeit sind nicht freiwillig zur Arbeit gegangen oder weil es ihnen Spaß gemacht hat, die mussten arbeiten. Wenn sie das nicht taten, verdienten sie kein Geld und mit diesem Geld mussten sie sich alles kaufen.

Es ist sogar vorgekommen, dass viele, die kein Geld hatten, regelrecht verhungert sind. Kannst du dir das vorstellen? Das wäre ungefähr so, als wenn ich heute nicht zur Arbeit gehen wollte, aber trotzdem müsste. Ich kann mir beim besten Willen nichts Schlimmeres denken, denn dann würde mir sicher der Spaß an meiner Arbeit sehr schnell vergehen! Aber das ist noch gar nicht alles. Ich müsste ja trotzdem immer weiter arbeiten, denn wenn man das nicht getan hat, wusste der Mann, war die Arbeit weg. Also nicht wirklich weg, aber der Chef dort hat dann gesagt, dass er dich entlassen wird, und dann hast du deine Arbeit verloren. Das hört sich jetzt nicht so schlimm an, ich weiß, aber die Menschen, die keine Arbeit hatten, haben auch dieses sogenannte Geld nicht verdient, das sie so dringend brauchten. Weil ohne dieses Geld konnten sie sich nichts kaufen.

Wie meinst du das, sie konnten sich nichts kaufen? Was heißt das?

Anscheinend haben sich die Menschen mit diesem Geld Dinge beschafft. Es muss so gewesen sein, dass jemand, der viel Geld hatte, auch viele Dinge gehabt hat, und jeder, der wenig Geld hatte, sich eben wenige Dinge beschaffen konnte. Das Traurige daran ist aber, dass es auch Menschen gegeben hat, die sich ohne Geld Dinge beschafft haben und die sind dann eingesperrt worden. Manche sogar, weil sie andere Menschen für Geld getötet haben.

Das verstehe ich nicht, von welchen Dingen redest du denn da? Was kann denn so wichtig sein, dassman jemand anderen deswegen töten würde?

So ganz hab´ ich das auch noch nicht verstanden, aber so viel ich bis jetzt weiß, hat das alles mit diesem Geld zu tun. Es war anscheinend so, dass die Menschen zu dieser Zeit viel von diesem Geld gehalten haben und versuchten, immer mehr davon zu bekommen, um sich immer mehr Dinge zu besorgen. Auch wenn sie diese Dinge gar nicht brauchten. Andere Menschen wollten dann diese Dinge auch haben, weil sie möglicherweise dachten, dass sie weniger wert sind, wenn sie nicht gleich viel hatten als die Anderen, und dann kam Neid auf. Mit diesem Neid mussten sie dann Tag für Tag leben und das macht keinen Spaß, wie du dir sicher vorstellen kannst! Mit der Zeit war es wohl für diese Menschen nicht mehr auszuhalten und sie entwickelten Haß auf andere. Das ging sogar so weit, daß sich die Regierung diesen Haß zunutze machte.

Wie soll sich denn eine Regierung den Hass der Menschenaufandere zunutze machen?

So wie mir das der Mann erklärt hat, konnte man Menschen, die auf andere Menschen böse waren, leichter für eigene Zwecke beeinflussen!

Ja und was waren diese Zwecke?

Das Geld wurde nicht nur von den Menschen selbst benutzt, um sich Dinge zu beschaffen, sondern es war auch für die Regierungen sehr wichtig, genug davon zu haben, denn damit konnten sie wiederum die Menschen von der Regierung abhängig machen!

Also, jetzt kapier´ ich überhaupt nichts mehr!

Na ja, so schwierig ist das nicht zu verstehen! Die Regierung gab den Menschen Geld, wenn diese bestimmte Voraussetzungen erfüllten! Dann haben die Menschen versucht, die Auflagen zu erfüllen, das ist ja nicht verwunderlich in einem System, in dem dieses Geld so wichtig für die Menschen war!

Der Mann hat mir auch versucht zu erklären, wie sich die Menschen damals gefühlt haben, denn du musst dir vorstellen, dass die Menschen die Regierungen zu einem großen Teil selbst gewählt haben. Er hat gesagt, dass es, kurz bevor das Geld abgeschafft wurde, viele Menschen gegeben hat, die mit ihrer Regierung nicht mehr zufrieden waren und deshalb versucht haben, durch ihr Verhalten bei der Wahl eine Veränderung herbeizuführen. Aber das gelang ihnen nicht, denn immer, wenn eine andere Regierung an die Macht kam, hat diese versucht, das Geld für ihre Zwecke zu verwenden. Es hat sich natürlich nicht viel verändert, weil sich ja das System nicht geändert hat, sondern nur die handelnden Machthaber. Diese Macht haben sie nur gehabt, weil die Menschen von diesem Geld abhängig waren. Der Mann hat gesagt, dass seine Mutter sich sogar einmal das Leben nehmen wollte, weil sie nicht mehr wusste, wo sie das Geld hernehmen sollte, und das war anscheinend kein Einzelfall. So ging es vielen!

Kannst du mir einmal schildern, wie dieses Geld ausgesehen hat. Konnteman das essen oder war es so eine Art Droge, mit der es einem dann besser ging.

Nein, keines von beidem. Es war meist ein bedrucktes Stück Papier, das je nach Aufdruck unterschiedlich viel Wert war, oder es war ein glänzendes Stück Metall. Es gab aber auch Plastikstücke, die man verwenden konnte. Also nichts wofür es sich wirklich lohnte zu sterben. Warum sich die Menschen damals teilweise wegen des Geldes das Leben genommen haben oder sogar andere Menschen dafür töteten, war der Glaube daran, dass sie ohne Geld nicht leben könnten. Das wäre ungefähr so, als wenn wir dieses Geld brauchen würden, um unser Essen zu besorgen oder etwas zum Anziehen. Jetzt stell dir mal vor, du hast nichts zu essen oder nichts zum Anziehen, da kann man schon verzweifelt sein. Eines ist allerdings schon komisch, es gab viele Menschen, die genug zu essen hatten, genug Kleidung und auch genug Geld, aber auch diese Menschen haben für das Geld getötet und haben sich auch teilweise selbst umgebracht, einfach deswegen, weil sie den Gedanken nicht ertragen konnten, dass sie diese bedruckten Papierstücke einmal nicht mehr haben, oder zu wenige davon. So gesehen ist das schon sehr unverständlich!

Sag einmal, triffst du diesen Mann wieder? Dann könntest du ihn fragen, wie diesesGeldsystem abgeschafft wurde. Das würde mich wirklich interessieren.

Ich weiß nicht ob ich ihn noch einmal treffe, aber wenn, dann frag ich ihn. Was mich aber mehr interessieren würde, ist, warum sich die Menschen damals nicht einfach, so wie wir auch, gegenseitig die Dinge, die sie benötigt haben, gaben. Denn jeder kann etwas besonders gut. Ich bin ein ziemlich guter Ingenieur. Du kannst besonders gut Brot backen und unser Nachbar kann gut Wurst machen. Die Landwirte in unserer Gemeinde machen ihre Arbeit auch mit Freude und in unserem Verteilerzentrum gibt es genug für alle. Selbst wenn jemand einmal etwas benötigt, das nicht gerade vorhanden ist, kann er zu jemandem gehen und ihn einfach fragen, ob er es für ihn macht. Ich hab ehrlich gesagt noch nie erlebt, dass jemand nicht gemacht hat, worum man ihn gebeten hat. Ganz im Gegenteil, die Leute freuen sich doch immer, wenn man sie um etwas bittet. Das liegt wahrscheinlich daran, dass alle das machen, wofür sie gut geeignet sind, und ihnen ihre Arbeit Freude bereitet. Es gibt also keinen Grund für irgendjemanden, unglücklich zu sein, denn es ist alles im Überfluss vorhanden und jeder bekommt das, was er benötigt und sogar darüber hinaus. Unsere Regierung ist ja auch bemüht, die Menschen nach ihren Fähigkeiten auszubilden, mit der Gewissheit, dass dies das Beste für alle ist und dadurch natürlich auch für die Regierung selbst, denn sie sind auch Teil des Systems. Das haben die Menschen damals wahrscheinlich nicht verstanden, denn sonst würde so eine Gesellschaft nicht möglich sein. Ich bin schon sehr neugierig, was mir der Mann darüber sagen kann!

Warum die Welt ohne Geld nicht funktioniert

So einen komischen Traum hat mir noch niemand erzählt. Aber ehrlich gesagt, wenn es so etwas wiedie Gesellschaft in deinem Traum geben würde, möchte ich dort leben, denn es hört sich sehrunbeschwert an. Für mich fühlt es sich so an, als ob die Menschen in dem Traum sehr glücklich waren, oder?

Weißt Du, ich hatte dabei ein ganz eigenartiges Gefühl, so als ob es wirklich passieren würde. Als ich heute Morgen aufgewacht bin, war ich traurig, weil es nur ein Traum war. Ich werde jetzt einmal zur Arbeit gehen und dann erzähle ich dir heute Abend den Rest, einverstanden?

Ja, gut, aber beeil dich jetzt, du musst noch die Kinder zur Schule bringen, und auch wenn duschnell bist, wirst du zu spät zur Arbeit kommen. Dein Chef hat dafür kein Verständnis und du weißt,wir brauchen deinen Job. Seitdem ich meinen verloren habe, ist alles ohnehin schon sehr schwierig.Das fehlte uns gerade noch, dass du wegen so einem blöden Traum deine Arbeit verlierst. Ich wüssteehrlich gesagt nicht, was wir dann machen sollten. Also, hopphopp!

Guten Morgen, Chef, es tut mir echt leid aber …

Aber, aber, das interessiert mich nicht. Sie wissen genau, wie spät es ist. Ich dulde solche Sachen nicht. Wir haben schon unseren Abgabetermin für den neuen Motor versäumt. Es kann doch nicht so schwierig sein, einen Motor fertigzustellen, der ganz normal funktioniert. Es ist ja nicht so, als ob sie einen Null-Emission-Motor zu bauen sollten. Also los, gehen sie an die Arbeit, und wenn so etwas noch einmal vorkommt, überlege ich mir, einen anderen Ingenieur zu suchen, der Ihre Arbeit macht. Heutzutage reißen sich die Menschen um solche Jobs, das wissen sie doch sicher selbst auch!

Ja, Chef, ich bin Ihnen auch sehr dankbar, dass ich diesen Job habe. Ich fange sofort an.

Herr Ingenieur Matetschek, ich kann aufgrund Ihrer Pläne nicht genau sagen, wie wir das schaffensollen. Es handelt sich hier um ein ganz anderes Konzept. Sie wissen ja, wie unser Boss so tickt, der will Ergebnisse und keine Motoren, die vielleicht ein wenig weniger Sprit verbrauchen.

Jetzt machen Sie mal halblang, Herr Kurz. Ein wenig? Das ist wohl leicht untertrieben. Wenn wir diesen Motor bauen und er auch so funktioniert, wie ich mir das vorstelle, dann braucht der fast keinen Sprit mehr. Das ist ja das Geniale daran.

Sind Sie sicher Herr Ingenieur, dass irgendjemand so einen Motor braucht?

Natürlich, ich glaube sie leben nicht auf dem gleichen Planeten wie ich. Schauen sie sich doch mal um. Die Ölvorkommen gehen unweigerlich zur Neige und außerdem ersticken wir früher oder später an den Abgasen, von der Klimaveränderung ganz zu schweigen.

Ach wissen sie Herr Ingenieur, ich denke wir machen uns zu viele Sorgen. Anscheinend haben jetzt Klimaforscher herausgefunden, dass diese Klimaveränderung ganz normal ist und auf der Erde immer wieder mal vorkommt. Es ist sozusagen ein natürliches Phänomen. Und wegen des Erdöls brauchen wir uns auch keine Sorgen zu machen. Das reicht noch lange. Ehrlich gesagt, mache ich mir ein wenig Sorgen um sie. Sie schauen in letzter Zeit ein wenig blass aus. Der Chef sitzt Ihnen auch ständig im Nacken. Dabei will er doch nur einen Motor, der ganz normal funktioniert. Gut, wenn er ein bisschen weniger verbraucht, ist das sicher in Ordnung. Aber viel wichtiger ist die Leistung die er bringt, ein Liter auf oder ab spielt keine Rolle. Außerdem habe ich läuten hören, dass unser Chef gerade eine Fusion mit einem Ölmulti einfädeln will. Der finanziert angeblich dann die ganze Entwicklung. Und wenn das stimmt, haben wir mit einem Motor, der keinen Sprit mehr braucht, sicher nicht ins Schwarze getroffen. Ich fürchte sogar, dass wir dabei beide unseren Job verlieren könnten. Also bitte werden sie vernünftig und konstruieren sie einen Motor, der den Anforderungen des Chefs genügt. Ich habe zwei Kinder und brauche schließlich meine Arbeit.

Na gut Herr Kurz, ich brauche meinen Job ja auch, also machen wir einen Motor der funktioniert und keine große Revolution einläutet. Angesichts der Geschichte mit dem Ölmulti und der angespannten Finanzlage ist das sicher das Vernünftigste. Allerdings möchte ich Ihnen gerne etwas erzählen. Können wir uns heute in der Mittagspause treffen? Wir arbeiten jetzt schon so viele Jahre zusammen. Ihre Meinung zu einer bestimmten Sache wäre mir wichtig, was sagen sie dazu?

Einverstanden Herr Ingenieur, – wir treffen uns um 12:00 Uhr in der Kantine, dann können sie mir gerne alles erzählen.

Mahlzeit, Herr Ingenieur, also wo drückt der Schuh.

Wissen sie Herr Kurz, ich hatte einen ganz seltsamen Traum von gestern auf heute. Dabei ging es um eine Gesellschaft, in der es kein Geld gibt. Es war irgendwie seltsam, aber auch sehr schön. Wir hatten keinen Stress, meine Arbeit hat mir richtig Spaß gemacht, und unsere Diskussion von vorhin wäre undenkbar gewesen. Wir hätten mit Sicherheit diesen Motor gebaut. Denn in dieser Welt ging es nicht darum die Interessen jener zu vertreten, die ohnehin schon genug haben. Es ging darum das zu tun, was man für richtig hielt. Das zu tun was für jeden das Beste ist, also für die ganze Gesellschaft in der wir leben. Können Sie mir folgen?

Ja schon, aber wie soll denn das funktionieren? Eine Welt, in der es kein Geld gibt. Also mal ehrlich. So was können wirklich nur sie träumen. Jetzt sage ich Ihnen mal,warum das nicht funktionieren kann.Es gibt keinen Menschen auf unserem Planeten, der etwas tut und keine Gegenleistung dafürmöchte. Mal abgesehen von ein paar Spinnern und vielleicht noch einigen religiösen Fanatikern, die mit Sandalen durch die Welt tingeln. Aber sonst fällt mir niemand ein.

Mal angenommen, unsere Firma würde diesen Motor bauen, von dem sie so fasziniert sind. Wer sollte denn diesen Motor kaufen, wenn es kein Geld gibt? Wer sollte dann damit fahren und was hätten sie davon? Irgendjemand sollte doch Ihren Lohn bezahlen, und wenn kein Motor verkauft wird, kommt auch kein Geld in unsere Kasse. Das Unternehmen, für welches wir arbeiten, hat dann schnell kein Geld mehr um uns zu bezahlen. Wir werden ratzfatz arbeitslos, sie und Ihre Kinder müssten verhungern, ganz abgesehen davon, dass dies nicht nur für uns beide gelten würde, sondern für alle unsere Kollegen. Bei dem Gedanken wird mir ganz schlecht. Da bekomme ich richtig Angst.

Sie wissen ja dass wir schon 2000 Mitarbeiter entlassen mussten und die meisten leben jetzt vom Staat. Mehr schlecht als recht. So kann das nicht gehen. Ich sage ihnen mal, wie die Welt funktioniert. Jeder schaut auf sich, und wenn man genug hat, kann es ruhig noch ein wenig mehr sein. Aber auf keinen Fall weniger. Außerdem sind wir dazu verpflichtet, mehr zu wollen. Wenn das nicht so wäre, gäbe es keinen Fortschritt. Dann gäbe es Stillstand und Stillstand ist gleich, Rückschritt. Schon mal gehört?

Ja, Herr Kurz, sie haben ja Recht. Mir wird auch ganz übel bei dem Gedanken an die letzte Kündigungswelle und an die Kollegen, die jetzt auf der Straße stehen.

Sie können sich doch sicher noch an Herrn Bilchgruber erinnern. Der hat sich letzte Woche, nachdem ihn seine Frau verlassen hat, das Leben genommen. Angeblich hatte sie eine Affäre mit einem Börsenmakler.

Herr Bilchgruber konnte das wohl nicht verkraften. Ich habe ihn mal getroffen, vor zwei Wochen circa, da hat er schon sehr schlecht ausgesehen. Irgendwie hatte ich damals ein komisches Gefühl, so, als ob er mir unbedingt etwas sagen wollte, aber sich dann doch nicht überwinden konnte. Im Nachhinein bereue ich, dass ich ihm nicht richtig zugehört habe.

Ach, machen Sie sich keinen Kopf, Herr Ingenieur, was hätten sie denn schon machen können. Klar ist der depressiv gewesen. Zuerst der Job weg, dann das Auto, das Haus am See und dann auch noch die Frau und die Kinder. Da würde ich mich wahrscheinlich auch aufhängen. Wissen sie, Herr Ingenieur, ich kann das gut nachempfinden, aber was hätten sie denn schon groß machen können? Ihm einen Job verschaffen, das Haus zurückholen oder vielleicht die Frau?

Nein, sicher nicht, aber ich hätte mir mehr Zeit nehmen können. Vielleicht wäre ihm durch ein Gespräch geholfen gewesen.