Die Weltenbrücke 2 - Sarah Vaalen - E-Book

Die Weltenbrücke 2 E-Book

Sarah Vaalen

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Beschreibung

Nachdem die Elbin Fatisha auf Terra eine Heimat für alle geflohenen Gravitaner geschaffen hat, taucht eines Tages ihre Enkelin mit dem neugeborenen Bruder auf. Vater und Mutter sind vermutlich tot, der ältere Bruder verschleppt. Fatisha setzt alles daran, diesen zu retten, doch dazu muss sie an Kann-neh vorbei, der noch immer stinkwütend auf sie ist. Inzwischen sucht Arondura weiter nach seiner geliebten Jaimin. Als er seine alten Freunde und einstigen Wegbegleiter wieder trifft, beschließt er, mit ihnen zusammen weiterzureisen. Er ahnt nicht, dass ihr Ziel ein Ort ist, von dem noch niemand zurückgekehrt ist. Band 2 der High-Fantasy-Reihe um die Weltenbrücke

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhalt

Was bisher geschah

Kapitel 1: Nach der Landung

Kapitel 2: 10 Jahre später

Kapitel 3: Achtzehn Jahre später

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Epilog

Glossar

Impressm

Was bisher geschah

Als sich die Weltenbrücke auf Gravit öffnet und die Terraner ihre Waren anbieten, lernt die junge Elbin Fatisha den Terraner Torahn kennen. Schon bald wissen beide, dass sie füreinander bestimmt sind und zusammenleben wollen. Gemeinsam beschließen sie, bei der nächsten Öffnung der Brücke nach Terra zu reisen und sich dort ein Leben aufzubauen. Da der Elbenrat ihre Verbindung niemals zulassen würde, vertraut sich Fatisha dem Zwerg Regatus an. Mit einem Drachen könne der weite Weg über die Weltenbrücke gelingen, wie dieser ihr versichert, daher müsse sie zuerst ins Drachental, um sich einen zu beschaffen. Unterwegs lernt Fatisha den Baummann Bart und den Wassergeist Willer kennen und freundet sich mit ihnen an. Doch vor Ort werden die drei von den im Tal eingesperrten Zwergen gefangen genommen. Eine von den Elben erschaffene magische Schutzhülle verhindert ein Entkommen, und das schon seit fünfzig Jahren. Auch wird der Magiermeister Marquart gezwungen, die Zwerge bei ihrem Ausbruch zu unterstützen. Während der Gefangenschaft lernt Fatisha eine Menge nützlicher Zauber kennen, die ihr und ihren Freunden sowie der Drachin Silania zur Flucht verhelfen. Jedoch gelingt es Fatisha nicht, die Öffnung in der Schutzhülle wieder zu schließen. Daher können die Zwerge auf ihren abgerichteten Drachen ebenfalls durch das Loch schlüpfen, in dem sie fünfzig Jahre lang eingeschlossen waren. Mit immenser Wut steuern sie die Hauptstadt Halem’Sitha an, wo sie alle Bewohner, vor allem aber die Elben, vernichten wollen.

Derweil kämpft Fatishas Vater Arondura zunächst gegen eine andere Bedrohung: Die sieben Hexen, die von den Elben vor fünfhundert Jahren vernichtet wurden, haben in ihrem letzten Atemzug eine neue Gefahr erschaffen. Um sie in den Griff zu bekommen, wurden Arondura und sein Rivale Tsatak ausgesandt, aber nur Arondura kann die Wurmplage mithilfe des Dummbeutels Toeller, des Besserwissers Luppi, des Griesgrams Guru und dem Zwitter Shampa im Schattental einschließen. Bei seiner anschließenden Suche nach seiner Tochter Fatisha, die er zurück nach Halem’Sitha holen will, gerät er mit seinen Begleitern in den Baumgarten. Dort werden sie von den Bewohnern festgehalten. Arondura soll das Drachenkind Sanny zureiten und anschließend zu seinen Verwandten ins Drachental bringen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten brechen die beiden auf. Sie treffen in dem Augenblick ein, als Fatisha mit Silania durch die Schutzhülle flieht. Arondura sorgt dafür, dass sich das Loch in der unsichtbaren Wand nicht schließt und alle Eingeschlossenen endlich befreit werden.

Als der Elb mit Sanny in Halem’Sitha eintrifft, wurde die Stadt bereits von den Zwergen zerstört. Auch die Weltenbrücke zersetzt sich langsam, durch die Fatisha mit der Drachin Silania flieht. Arondura setzt alles daran, den Vorgang aufzuhalten. Zu allem Übel erhält er außerdem noch eine Nachricht seiner geliebten Frau: Sie ist fortgegangen, um sich vom Band der Ehe zu befreien. Einst hatte sie eine unverzeihliche Tat begangen, in die sie ihren Ehemann nicht mit hineinziehen möchte. Damit bricht für Arondura eine Welt zusammen, er verliert seine beiden wichtigsten Menschen mit einem Schlag …

Namen und Orte werden am Ende im Kapitel ›Glossar‹ erläutert.

Kapitel 1: Nach der Landung

Arondura

Ein silbriger Lichtschleier erwachte am Horizont, zart tauchte er die Umgebung in immer heller werdendes Licht. Die Berge des Himmelsgebirges konnte man weit hinten erahnen, deutlicher aber waren die schroffen Felsen, die den Wisperwald einschlossen, in denen die drei Schwestern Anna, Bella und Donna über lange Zeit vom Magiermeister Marquart eine Heimat bekommen hatten. Noch näher lag das Moor, in dem Moorschwaben in den Wanderer eindrangen und ihn zur gegenteiligen Stimmung anregten. Vor diesem Gebiet breiteten sich üppige Felder aus, auf denen im Morgengrauen bereits Gravitaner arbeiteten, damit die Ernte vor dem Frost eingeholt werden konnte.

Für all die wunderbare Stimmung hatte der Elb Arondura keinen Blick übrig, obwohl ihn diese Orte mit bedeutungsvollen Erinnerungen verbanden. Nach einer sehr kurzen Nacht lehnte er am Geländer seiner zerstörten Wohnung und starrte hinaus, ohne etwas zu sehen. Tränen standen in seinen Augen, während er den Brief in den Händen hielt. Bereits jetzt war das Pergament schon zerfleddert, da er es ständig auffaltete und die Zeilen las.

Es war der Abschiedsbrief seiner Frau Jaimin, mit der er so tief verbunden war, dass sie eigentlich kein Ereignis splitten konnte. Nur wenigen Elben waren solch intensive Gefühle vorbehalten. Nichts konnte das Paar trennen, außer der Tod. Doch gestorben war Jaimin nicht, sondern vor ihm davongerannt. Immer wieder nahm Arondura den Zettel hoch, blinzelte, um überhaupt etwas lesen zu können.

Warum war sie weggelaufen? Die Frage bohrte in ihm, seit er den Brief im Schutt seines Hauses gefunden hatte. Beide waren sie glücklich gewesen, nie hatte es Streit zwischen ihnen gegeben, nicht einmal, als ihre Tochter Fatisha begann, ihre Grenzen auszutesten. So ein trotziges Verhalten konnte jedem den letzten Nerv rauben, doch auch hier hatten sie sich gut miteinander arrangiert.

Warum also? Um Antworten zu bekommen, müsste er Jaimin fragen. Doch sie war fortgegangen, als er unterwegs war, um Fatisha zurückzuholen. Wo mochte sie sein?

Noch einmal nahm er das Pergament aus seiner Innentasche und las ihre Worte.

Arondura, mein lieber Ehemann, 

Sie hatte den Text nicht in Wut auf ihn geschrieben, sie achtete ihn noch immer als Ehepartner, auch wenn sie fortgegangen war. Die drückende Hilflosigkeit in seiner Brust schwoll an, schnell drängte er das Gefühl beiseite.

Ich hoffe sehr, dass es dir gut geht, wenn du diesen Brief findest. Vielleicht hast du inzwischen unsere Tochter heil zurückgebracht.

Nein, das hatte er nicht. Fatisha war durch die Weltenbrücke nach Terra verschwunden, kurz bevor sie sich auflöste. Er hatte alles daran gesetzt, den Zauber der Zerstörung aufzuhalten, nur damit sie und alle, die mit ihr auf dem weißen Drachen ritten, die andere Welt erreichten. Ob sie es geschafft hatte, konnte er nicht sagen, aber die Wahrscheinlichkeit war sehr gering. Sobald es möglich war und die Weltenbrücke erneuert wurde, würde er ihr folgen und sie zurückholen.

Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als euch beide gesund und wohlauf zu wissen.

Ja, auch er wollte, dass es ihr gut ging. Besser wäre zu wissen, dass sie irgendwo sicher ihr Leben verbrachte und nicht in Gefahr war … Eine Träne tropfte auf das Pergament, weichte es auf und verschmierte die Schrift. Nicht zum ersten Mal trocknete er es hastig mit einem Tuch und hielt den Brief anschließend in größerem Abstand von sich.

Während deiner Abwesenheit habe ich viel nachgedacht. Es gibt etwas, das du nicht weißt und für das ich mich schäme. Leider mehr noch: Ich hasse mich abgrundtief dafür. Bitte verstehe, dass ich es niemals für möglich gehalten habe, dich und auch unsere Tochter so tief verletzen zu müssen, doch ich sehe aufgrund meines eigennützigen Verhaltens keine andere Möglichkeit, als euch beide zu verlassen.

Hass. Jaimin hasste sich. Irgendetwas hatte sie getan, wofür sie sich bestrafen wollte. Aber er, Arondura, würde sie immer lieben. Gab es nicht für alles eine Lösung? Musste sie wirklich allein entscheiden, ob ihr Vergehen so schlimm war? Und vor allem: Was konnte es sein, das eine Elbin so sehr zerstörte? Er konnte es nicht im Ansatz begreifen …

Ich liebe dich von ganzem Herzen, und ich weiß, dass du auch so für mich empfindest.

Tränen rannen über seine Wangen herab, die Schrift verschwamm wieder einmal vor seinen Augen. Er kannte längst jedes Wort auswendig, warum las er den Brief überhaupt? Wäre es für ihn einfacher gewesen, wenn er ihn damals im Schutt der zerstörten Häuser nicht gefunden hätte?

Doch bitte – und jetzt musst du mir einfach vertrauen – verurteile mich nicht für diese Tat.

Das würde er niemals tun. Doch was für eine Tat sollte das gewesen sein? Alles schrie in ihm, als könnte er sie auf diese Weise erreichen. Doch nur der morgendliche Wind strich über seine Haut, kroch in seine Glieder, strafte ihn, weil er nicht den Grund ihres Verschwindens kannte.

Ich möchte für dich und vor allem für Fatisha das Beste, mehr noch, ich möchte, dass ihr glücklich seid. Das könnt ihr aber nicht, wenn die Wahrheit über mich herauskommt. Aus dem Grund bin ich fortgeritten. Ich muss jemanden finden, der das Band, das uns auf so wundervolle Weise verbindet, trennt, denn so kann ich nicht mehr weiterleben.

Sie will sterben. Zuerst das Band zu ihm trennen und dann für immer ins Seelenreich gehen, damit sie von den seelischen Qualen erlöst wird. Sie glaubt oder hofft, dass er und Fatisha glücklich wären, wenn sie diesen Weg beschritt. Spürte sie nicht, dass genau das Gegenteil eintrat? Und wer konnte sie überhaupt von dem Band lösen, das die Natur ihnen auf wunderbarste Weise auferlegt hatte? In keiner der Elbenschriften stand darüber etwas geschrieben, niemand hatte es je versucht.

Bitte, Arondura, mein lieber, treuer und fürsorglicher Ehemann, suche mich nicht. Ich muss diesen Weg gehen, um wieder Frieden zu finden. In Gedanken bin ich jedoch bei dir – auf ewig.

In Liebe, deine Jaimin.

In Liebe, dein Arondura. Und dennoch begriff er nichts. Nichts sehnlicher wünschte er sich, als sie ein letztes Mal in den Arm zu halten und ihr zu sagen, dass sein Herz nur für sie schlug und er mit ihr gehen wolle. Wenn sie ins Seelenreich übergehen wollte – gut, dann würde auch er es tun. Ein Leben ohne sie war undenkbar, einzig seine Tochter könnte ihn noch aufhalten. Doch sie war weit weg oder bereits von der schwarzen Unendlichkeit verzehrt worden. Konnte Jaimin auf diese Weise wirklich ihren Frieden finden? Oder gaukelte sie sich nur etwas vor?

Arondura tupfte sich die Tränen fort. Ein Elb, der weinte. Auch das hatte es noch nie gegeben. Er musste ihr hinterherreisen. Nur wohin war sie gegangen? Bereits gestern hatte er jeden gefragt, der ihm begegnet war, doch niemand konnte ihm etwas über Jaimin sagen. Hatte sie sich klammheimlich wie ein Verbrecher aus der Stadt geschlichen? Was sollte er tun, wenn sie sich jenseits der unsichtbaren Wand aufhielt, die der Magier Marquart quer durch den Planeten geschaffen hatte? Vielleicht hatte sie sich zuvor auf der anderen Seite aufgehalten und war, wie viele andere, von der Spaltung überrascht worden.

»Ich bitte die Störung zu entschuldigen.«

Eine Stimme hinter ihm riss ihn aus den Gedanken. Bevor sich der Elb zu der Person umdrehte, wischte er unauffällig auch die Spuren der Tränen von den Wangen. Er blinzelte der Sonne zu, die bereits eine Handspanne über dem Horizont stand. War bereits so viel Zeit vergangen? Überrascht wandte er sich dem Jungen zu, der nur wenige Schritte von ihm entfernt stand. Eigentlich hätte er ihn hören müssen, denn Elbenohren entging praktisch nichts.

»Edler Doodlin schickt mich, Euch zu holen.« Der Junge hielt seinen Kopf gesenkt, ob es angesichts Aronduras Verfassung war oder er sich generell unterwürfig verhielt, konnte er nicht sagen. Er wusste wohl, dass die Söhne der Fengg gerne als Laufburschen für den Elbenrat eingesetzt wurden, da sie ihren Auftrag meist unproblematisch durchführten. »Ihr sollt schnell kommen. Es sei so viel zu klären«, fügte der Junge noch hinzu.

Nickend schloss der Elb kurz seine Augen, während er Jaimins Abschiedsbrief einsteckte. Es war gut, dass er zum Elbenrat musste, denn er wollte umgehend aufbrechen, um nach Jaimin zu suchen. Vielleicht war sie noch nicht weit fort und er würde sie einholen. Möglicherweise würde er aber auch Jahre unterwegs sein, um jeden entfernten Winkel abzusuchen. Daher sollte er schnellstmöglich aufbrechen.

Sein Weg führte ihn über Schotter und ausgerissene Pflanzen, über notdürftig zusammengeflickte Hängebrücken und Pfade, die aussahen, als hätte hier eine Horde Brackhörner gewütet. Dabei waren die Ausmaße der letzten drei Tage einzig den Zwergen zuzuschreiben, die mit den abgerichteten Drachen und den seltsam spinnenartigen Napnucks über Halem’Sitha hergefallen waren. Als Arondura in der Stadt eintraf, war bereits vieles verwüstet und etliche Häuser zerstört. Es hatte ihn wütend gemacht, herauszufinden, dass sich die meisten Elben – voran die Mitglieder des Elbenrats – in den sicheren Höhlen des Berghangs verkrochen hatten. Inzwischen war jeglicher Bewohner, der keine lebensbedrohlichen Verletzungen hatte und irgendwie laufen konnte, unterwegs, um aufzuräumen. Die noch intakten Häuser, in denen die Verwundeten versorgt wurden, waren genauso voll wie die Bauten für die Gefangenen.

Jeder Tritt auf die Stufen nach oben setzte der Elb bewusst, atmete ein und atmete aus. So viel war in letzter Zeit geschehen, dass er kaum sein Herz beruhigen konnte. Trotzdem hatte er nur noch ein Ziel vor Augen. Ob Doodlin sein Anliegen akzeptieren wird? Ihn beschlich eine dunkle Ahnung, kaum dass er durch das eindrucksvolle Portal der Residenz des Elbenrats geschritten war. Das Gebäude war natürlich vor den Angriffen der Zwerge verschont geblieben, schließlich besaßen die Ratsmitglieder mindestens einen Elbenstein, der sie und ihr Heim geschützt hatte. Dass die Gravitaner am Fuß der Stadt und auch die Elben weiter unterhalb im Berg sehr viele Verluste zu beklagen hatten, schien die Edlen kaum zu berühren. Seitdem er als Kind die Verstrickungen in der Politik verstehen konnte, war es deshalb Aronduras Bestreben, im Rat mitzuwirken, um mehr für das einfache Volk zu tun. Natürlich achteten die Edlen darauf, dass es kein Elend unter ihnen gab, auch Krankheiten und Hungersnöte wurden schnell ausgemerzt, trotzdem könnte mehr Qualität ins Leben der Bauern und Handwerker einkehren und die Hierarchie zwischen arm und reich niedriger sein.

Davon wollte der Elbenrat aber nichts wissen.

»Ah – da bist du ja endlich!«

Doodlins Stimme dröhnte durch den Saal, kaum dass Arondura ihn betreten hatte. Als er zuletzt hier gewesen war, hatte Marquart mitten im Raum gestanden. Mit einem Zauber und dem Elbenstab, den er Arondura zuvor abgenommen hatte, schuf er eine unsichtbare Mauer durch ganz Gravit. Nur der Platz des Magiermeisters war frei geblieben. Der einzige Durchgang war nun von zwei Siphaii auf dieser Seite bewacht, auf der anderen standen Dutzende Zwergensoldaten. Die unsichtbare Wand war schwarz gefärbt worden, vermutlich, damit man von den sich jenseits der Trennwand aufhaltenden Zwergen nichts sah. Durch die Verdunklung wirkte der Raum düster und klein. Da halfen auch die vielen Kronleuchter mit den flackernden Kerzen darin wenig. Die wunderschöne Landkarte mit den Erhöhungen und Vertiefungen sowie den künstlerisch gestalteten Namen an der Wand war ebenfalls mittig getrennt worden, sichtbar war genau der Teil, der zu dieser Seite passte. Da auch der große Ratstisch mittendurch geteilt wurde, hatte man ihn von der Mauer weggestellt und mit Holzböcken wieder zum Einsatz gebracht. Die beengt beieinandersitzenden sieben Ratsmitglieder waren nicht gerade bester Laune.

Doodlin winkte Arondura ungeduldig zu sich. »Es wird Zeit, dass du dich um das hier herrschende Chaos kümmerst.« Sein abschließendes Handzeichen ging hinüber zur Seite der Zwerge, die ihm offensichtlich ein Dorn im Auge war. »Wir brauchen jemanden, der mit denen verhandelt. Wie du dir sicherlich vorstellen kannst, sind wir nicht gerade erfreut, es mit dem Pack zu tun zu bekommen. Schlimm genug, dass sie uns angegriffen haben, aber jetzt müssen wir uns auch noch unsere Stadt mit ihnen teilen.«

Ein empörtes Raunen der Ratsmitglieder erfüllte den Raum. Der Protest wäre sicherlich lauter und erzürnter ausgefallen, doch inzwischen waren schon Tage vergangen und man war anscheinend zu müde, um aufzubegehren.

»Mein Edler«, begann Arondura, eine leichte Verbeugung andeutend. »Leider kann ich Eurem Wunsch nicht entsprechen …«

Kralenner von Salandor schnaubte laut. »Was auch immer du für eine Nichtigkeit vortragen willst, das ist unwichtig! Wir erwarten von dir, dass du deinem Volk treu bist und unsere Anliegen mit voller Kraft unterstützt. Du hast das Chaos sicherlich gesehen: Da drüben sind Elben von den Zwergen gefangen worden, nur weil sie sich zum falschen Zeitpunkt auf deren Seite aufgehalten haben. Natürlich müssen sie zurück zu uns! Nicht auszudenken, wenn sie gezwungen werden, Gallus zu dienen! Wir müssen etwas tun, und das schnellstmöglich.«

Die anderen Ratsmitglieder nickten einvernehmlich, so einig waren sie sich wahrscheinlich noch nie gewesen. Vorsichtig atmete Arondura tief ein.

»Wir könnten ihnen im Austausch ihre Landsleute anbieten«, begann er bedächtig.

Sofort setzten die lautstarken Proteste ein und jeder diskutierte laut mit seinem Nachbarn, bis sich die Stimme des Edlen Tsataks herauskristallisierte. »Das ist die typische Sichtweise eines niederen Elben«, begann er herablassend, während seine funkelnden Augen Arondura fixierten. »Sie glauben, Zwerge wären uns ebenbürtig, was sie zweifelsohne nicht sind. Wie viele Zwerge müssen wir ihnen geben für nur einen Siphaii oder Elben? Hundert? Zweihundert?«

Die Gemeinheit, die hinter den Worten stand, ignorierte Arondura. »Habt Ihr sie denn schon mal gefragt?«

Edler Mannekete, ein Ratsmitglied, das noch nie Verständnis für Aronduras Probleme hatte, schlug fest mit der flachen Hand auf den Tisch. »Natürlich reden wir nicht mit denen. Darum muss sich jemand wie du kümmern.«

»Nun, dann wäre das wohl der erste Schritt«, begann der Elb. »Ich verweile allerdings nicht mehr so lange in der Stadt, denn ich muss meine Frau Jaimin suchen …«

»Viele Familien sind auseinandergerissen worden!« Yunneteka, die Arondura als fähige und dem Volk nahe Elbin eingeschätzt hatte, empörte sich laut. »Gerade deshalb ist es wichtig, dass jemand diese Aufgabe übernimmt. Du wirst uns doch jetzt nicht im Stich lassen?«

Alle Augen waren auf Arondura gerichtet, der zu schlucken versuchte, doch sein Mund war staubtrocken. Seine Treue zu seinem Volk war sicherlich grenzenlos, auch war sein Bestreben immer gewesen, irgendwann einmal ein Teil des Rats zu sein. So wie andere spürten, dass sie ihre Fähigkeiten als Heiler oder Heilerin einsetzen würden, hatte ihm der Gedanke, die Gravitaner in eine sichere Zukunft zu leiten, stets angespornt. Inzwischen war jedoch der Schmerz in seiner Brust zu groß. Sie erwarteten von ihm, dass er buckelte und in ihrem Auftrag Dinge regelte, für die er im Moment nicht aufgeschlossen war. Ja, es war notwendig, dass jemand mit den Zwergen auf Augenhöhe sprach, und tatsächlich hätte er sich unter anderen Umständen der Aufgabe angenommen. Jetzt allerdings konnte er es nicht tun.

»Bitte verzeiht.« Arondura senkte seine Augenlider und den Kopf so lange, bis er die Aufmerksamkeit des Rats bekam. »Ich werde die Aufgabe leider nicht ausführen können.«

Mit den Worten drehte er sich grußlos um. Er spürte die Empörung des Rates, harsche Worte trafen seinen Rücken, um ihn zu demütigen. Das ließ er jedoch nicht zu. Die Schultern gestrafft und mit festen Schritten ging er gradlinig und entschlossen hinaus.

Ja, er wusste, dass er sich damit vermutlich für immer selbst aus dem Rat ausgeschlossen hatte, denn das würde ihm keiner der Sieben verzeihen.

Fatisha

Terra war eine Welt der ungestümen Naturereignisse. Verglichen mit Gravit, in dem das Klima ruhig wechselte, wusste die kleine Gruppe am Fuß der Bergkette im Voraus nie, was sie hier erwartete. Gerade hatten die fähigsten Jäger bei strahlend schönem Wetter noch nach Wild gejagt, da wurden sie auch schon von einem Gewitter überrascht und bis auf die Haut durchnässt. Während auf Gravit der Dukamabaum weit verbreitet war und mit seinem geschlossenen Blätterdach wie ein Regenschirm wirkte, fanden sie hier nur Unterschlupf in Höhlen, sofern diese nicht von Bären oder Wölfen besetzt waren.

Fatisha war sich dessen nicht bewusst. Jeden Morgen, kaum dass sie erwachte, schoben sich die Erinnerungen in ihren Kopf, obwohl sie sich am Abend zuvor alle Mühe gegeben hatte, sie wegzuschließen. Ihr Herz brannte nun schon seit vielen Wochen. Es würde nie aufhören, das wusste sie. Sie musste damit leben und das Beste daraus machen. Nach der holprigen Landung auf Terra, als Torahn ihr aus den Händen gerissen wurde, brach für sie die Welt zusammen. Für Außenstehende war es natürlich unbegreiflich, dass es ein solch enges Band überhaupt geben konnte, aber für sie war er die Liebe ihres Lebens gewesen, auch wenn sie und Torahn sich kaum gekannt hatten.

Nun war er für immer gegangen und hatte sie allein zurückgelassen. Der Schmerz war greifbar, erfasste ihren gesamten Körper und ließ kaum zu, einen klaren Gedanken zu fassen. Zwischendurch dachte sie an ihre Eltern, die auf Gravit seit fast fünfhundert Sonnenzyklen ein gemeinsames Leben führten und dabei so eng miteinander verbunden waren, wie es auch bei Torahn und ihr hätte sein können. Elben liebten anders, sagte man immer, und wenn das geistige Band so fest war, dass nichts es zerstören konnte, hielt es kaum ein Elb aus, wenn der Seelenpartner dahinschied. Es wurde sogar behauptet, der eine folge dem anderen dann innerhalb kurzer Zeit ins Seelenreich.

Genau das würde sie gerne tun.

Fatishas Blick war trüb. Sie nahm nur wenige Dinge um sich wahr, sah, dass jemand um sie herumlief, aber sie begriff nicht, warum. Es war ihr auch völlig egal, die Leere in ihrem Herzen verschlang alles. Sprach sie jemand an, konnte sie zwar erkennen, dass sie denjenigen wohl schon einmal gesehen hatte, jedoch nicht erfassen, was er wollte. So wurde sie wie eine hilflose Person in eine nahegelegene Höhle gebracht, in der ein Feuer ihre Glieder wärmte. Der schreckliche Schmerz nahm ihr ganzes Denken und Fühlen ein. Sie registrierte nichts von dem, was um sie herum geschah, bemerkte weder den vom Himmel strömenden Regen noch die sengende Sonne, hörte nicht das Heulen des Sturms um die Höhle herum oder sah den Winter, der sich vor ihren Unterschlupf gelegt hatte. Wochen vergingen, in denen ein Tag wie der andere war. Jemand flößte ihr heiße Suppe ein, doch ihr wäre lieber, sie müsste nicht schlucken.

Als Regatus ihr gegenüber Platz nahm, riss sich Fatisha nur widerwillig vom Anblick der tanzenden Flammen los. Bilder hatte sie dort gesehen, wie sie zusammen mit Torahn auf Silania durch den Tunnel geflogen waren. Wie sehr sie seine Nähe genossen hatte, vor allem in der Pause die wenigen Minuten mit ihm allein …

»Fatisha, du musst etwas tun.«

Sie erinnerte sich, dass es Regatus war, der das sagte.

»Wir brauchen einen festen Wohnsitz«, ließ der Zwerg nicht locker. »Der Winter hat seine ersten Fühler ausgestreckt und wir wissen nicht, was hier auf Terra noch alles kommt. Die Kälte wird unser Tod sein.«

»Dann baut ein Haus«, murmelte Fatisha unwillig.

»Ohne Werkzeug wird das schwierig.« Regatus zwirbelte seinen Bart. Er war in den letzten Tagen grauer geworden, als wären auch seine Gefühle ein heilloses Durcheinander. Das war bereits an den zerfransten Bartzöpfen zu sehen, um die er sich nicht mehr kümmerte. »Ja, ich werde mich nach dem Regen zusammen mit dem Dummbeutel Lullus und dem Griesgram Gramack auf den Weg in die nächste Menschensiedlung machen. Mit den beiden falle ich am wenigsten auf, da sie den Terranern recht ähnlich sind. Doch wir werden viele Tage unterwegs sein, und wenn du bis zu unserer Rückkehr noch immer teilnahmslos herumhockst, müsste ich dir den Hintern versohlen.«

Lullus lachte laut, Gramack grunzte, und die Fengg Uillah schaute ihn entsetzt an. Auch der kleinwüchsige Teulaner Luzifer beäugte sie skeptisch. Während seine Haut hier im Halbdunkel kaum glühte, leuchteten seine Augen von innen heraus.

Fatisha winkte müde ab. »Mach, was du nicht lassen kannst.«

Regatus verzog sein Gesicht. »Du glaubst also, du könntest jetzt nur noch herumlungern und auf dein Ende warten, während die Pixies, Schruter, Hanswurste und wer weiß noch alles sterben? Du weißt genauso gut wie ich, dass sie sich nicht bei den Menschen im Dorf zeigen dürfen, vor allem der Gluhschwanz und die Elwetritsche werden sicher gejagt, bis man ihre Köpfe aufgespießt hat. Willst du dafür verantwortlich sein?«

Mit Tränen in den Augen sah Fatisha den Zwerg an.

»Wenn dir das nicht gefällt, heb deinen elbischen Hintern und tu etwas«, fauchte er weiter. »Wir haben uns deine Trauer drei Monate lang angesehen und Verständnis für dich aufgebracht, doch nun ist Schluss! Du hast in der Zeit keinen Handschlag gerührt. Uillah hat dich sogar gezwungen, Nahrung zu dir zu nehmen. So geht das nicht weiter! Du bist die Einzige, die uns hier in den Bergen eine annehmbare Heimat schaffen kann.«

»Warum hier?«, fragte der Dummbeutel. »Hier ist es kalt.«

»Dann zieh dir was Wärmeres an«, knurrte der Griesgram.

Lullus rieb sich über den dünnen Stoff seines Überwurfs. »Hab aber nichts.«

»Siehst du?« Regatus hockte sich näher vor Fatisha, damit sie ihn ansehen musste und sein finsteres Gesicht bemerkte. »Verstehst du nicht, in welcher Zwangslage wir sind? Wir haben kaum etwas zu essen, keine Kleidung, und den Winter werden wir in dieser kleinen Höhle verbringen müssen, wenn du uns nicht ein Heim schaffst. Selbst deine Drachin Silania hat genug. Seit drei Tagen fliegt sie in diesem Gebirge herum, weil sie deine egoistischen Züge nicht ertragen kann …«

»Wie sprichst du mit Fatisha«, schimpfte die Rankenfrau namens Falatalafa. Vor Empörung rankten alle Triebe an ihren Armen und Beinen durch die Luft, selbst die am Kopf erzitterten. »Sie hat großen Kummer. Lass sie in Frieden.«

»Ach, großen Kummer hat sie also?« Regatus sprang auf und rannte erneut um die Feuerstelle herum. »Und was haben wir? Wir haben ihr zur Seite gestanden, als sie unsere Hilfe brauchte, sind mit ihr über die Weltenbrücke in eine für uns völlig fremde Welt geflogen. Meinst du, wir sind glücklich darüber, hier auf Terra in einer kargen Felslandschaft gelandet zu sein, in der sich nicht mal ein Hoppler verkriecht? Wir haben Hunger, wir wollen Spaß haben, miteinander feiern, doch Fatisha bläst hier nie endenden Trübsal. Ja, ja, ich weiß …« Abwehrend hob er beide Hände, als sich sein Blick wieder auf Fatisha richtete. »Torahn ist tot und dein Herz ist gebrochen, aber … bedeuten wir dir gar nichts?«

Fatisha ließ ihren Kopf hängen, nur das Knistern des Feuers war zu hören.

»Sie braucht noch Zeit …« Uillahs sanfte Stimme schwebte über alle Anwesenden, die gespannt den Vorwürfen des Zwerges mitverfolgten. Die Fengg stand auf, setzte sich neben die Elbin und reichte ihr eine Teetasse. »Schau, ich habe Kräuter gesammelt. So tot, wie Regatus sagt, ist es hier gar nicht. Nur kalt und immer feucht durch den vielen Regen, aber dadurch wachsen die Kräuter gut …«

»Schön.« Regatus stampfte mit dem Fuß auf, während er Uillah fixierte. »Dann bring du uns mit deinen Kräutern heil durch den Winter. Ich werde mich jedenfalls zu den Menschen aufmachen und schauen, ob ich in der Zeit irgendwo Arbeit bekomme. Will jemand mitkommen?«

Er drehte sich einmal im Kreis. Die Hand des Dummbeutels schoss hinauf. »Bekomme ich da warme Kleidung und was zu essen?«

Uillah legte einen Arm um Fatisha. »Sie muss sich nur ihres Zustandes bewusst sein, dann wird sie sicher mehr tun als nur dahocken …«

»Zustand … was heißt das?«, wollte Lullus wissen.

Gramack fasste sich mit beiden Händen an den Kopf und raufte sich seine krausen Haare. »Oh nein!«

Regatus horchte auf, seine Pupillen lagen wie dunkle Perlen in dem aufgerissenen Weiß seiner Augen. »Ja, was heißt das genau?«, wollte er wissen.

Uillah zuckte mit den Schultern. »Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, aber ich glaube, da ist Torahns Sohn oder Tochter unterwegs. Fatishas Haut ist rosiger, obwohl sie weniger isst, auch ihre Brüste sind …«

»So genau wollen wir das jetzt auch nicht wieder wissen«, unterbrach sie der Zwerg. Er atmete heftig ein und aus, bevor er weitere Worte fand. »Das heißt, wir werden demnächst einen schreienden Balg haben? Wer soll ihn versorgen?«

Als Fatisha auch diesmal nichts sagte, nickte Uillah vorsichtig. »Ich werde ihr auf jeden Fall zur Seite stehen.«

Kaum war die Kunde ihrer Schwangerschaft in aller Munde, wurde eifrig geplappert. Mal ertönte Lachen, mal auch ärgerliche Kommentare, die vor allem auf die schlechten Bedingungen in ihrer provisorisch eingerichteten Höhle hinwiesen, in der kein Kind aufwachsen sollte. Fatisha ertrug das alles nicht, die Worte hämmerten in ihren Kopf und drückten gegen ihren Brustkorb. Ja, sie hatte geahnt, dass sie schwanger war, doch jeden Gedanken daran zur Seite geschoben, um nicht darüber nachdenken zu müssen. Torahns Sohn oder Tochter würde nur mit der Mutter aufwachsen und den Vater nie kennenlernen, weder sein verlegenes Lächeln noch seinen sanften Blick, in dem seine grenzenlose Liebe mitgeschwungen hatte. Niemals würde er das Kind in der Luft herumwirbeln oder ihm abends einen Gutenachtkuss auf die Stirn drücken, mit ihm Tiere beobachten oder andere Dinge tun, die ein Vater mit seinem Kind unternahm. Wollte sie das Kind überhaupt? Wäre es nicht besser, einen Zauber auszusprechen, damit es in ihrem Körper verkümmerte und sie es später nicht jeden verfluchten langen Tag sehen musste? Niemand der hier Anwesenden konnte sich annähernd vorstellen, was sie durchmachte, wie sehr sie sich nach Torahn verzehrte und ständig darüber nachdachte, dass er nie wieder für sie da sein würde. Wie konnte sie in diesem Zustand für seine Tochter oder seinen Sohn sorgen?

In stiller Trauer suchte sie einen Felsen auf und starrte in die dunkle Nacht. Dass die Kälte in ihre Glieder kroch, war ihr egal. Sie hatte das Gefühl, jede Regung könnte den Ballon, den sie mit Trauer, Wut und Verzweiflung gefüllt hatte, zum Zerplatzen bringen. Sogar zu atmen wagte sie kaum …

Fatisha.

Die Drachin Silania landete nicht weit von ihr entfernt. Der große, silbrige Körper schimmerte im Mondlicht wie flüssiges Licht, ihre Augen funkelten wie Edelsteine. Die weit ausgefalteten Flügel klappte sie ein und kam näher an die Elbin heran. Der heiße Atem aus ihren Nüstern brachte angenehme Wärme, die Nase stupste an Fatishas Schulter. Ihre Stimme klang sanft in dem Kopf der Elbin.

Ich weiß, dass du dich vor allem verschließt, sagte die Drachin eindringlich, sichtlich bemüht, zu ihr vorzudringen. Sogar mich wehrst du ab, aber ich muss dir etwas mitteilen. Es ist wichtig, dass du mir zuhörst.

Fatisha rührte sich nicht, hob nur den Blick und es glitzerten Tränen in den Augen.

Lass nicht zu, dass der Schmerz dich auffrisst, fuhr die Drachin fort. Weise deine Freunde nicht zurück, denn sie sorgen sich um dich, jeder auf seine Art. Sie haben sehr viel Verständnis, nur du musst ihnen auch ein wenig entgegenkommen. Wir brauchen dich, und ganz besonders ich.

Fatisha nickte, zu mehr fühlte sie sich nicht imstande.

Ich habe vernommen, dass du ein Baby bekommst, fuhr Silania nach einer langen Pause fort. Ich bitte dich von ganzem Herzen: Wehre es nicht ab. Ich habe mein Kind damals aufgeben müssen und es schmerzt mich aus tiefster Seele, dass ich es niemals versorgen und an mich drücken kann. Du hingegen kannst es gesund zur Welt bringen.

Überrascht weiteten sich Fatishas Augen. »Du hast dein Kind verloren?«, fragte sie. Ihre Stimme war rau, seit so langer Zeit hatte sie nicht mehr gesprochen.

Silania senkte ihren Kopf, auch in ihren Augen glänzte es. Wir wurden damals gerufen, um zu einer Abstimmung ins Zwergental zu kommen. Da ich wusste, dass sich einige meines Volkes gegen die Elben aussprechen wollten, befürchtete ich, dass sie sich auf die Seite der Zwerge stellen würden. Jede Stimme zählte, daher ließ ich mein Drachenei zurück. Ich dachte, nach wenigen Tagen würde ich zurückkommen, doch es war anders.

»Oh.« Fatisha wusste, dass alle Drachen damals überrumpelt worden waren und die Elben sie zusammen mit den Zwergen ins Drachental geschlossen hatten.

So habe ich mein Drachenkind verloren. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es geschlüpft ist, denn wenn meine Wärme und mein Herzschlag fehlen, stirbt es nach einiger Zeit.

Die Elbin stand auf und legte einen Arm an Silanias Kopf. »Das ist ja schrecklich. Davon wusste ich nichts.«

Silania seufzte tief, aber sie ließ auch ein leises, wohliges Brummen hören. Mir ging es wirklich schlecht. Ich war so wütend wie noch nie, und es hat lange gebraucht, ehe ich zu mir zurückgefunden habe. Aber das Leben geht weiter. Sie machte eine Pause, in der sie tief ein- und ausatmete. Du hast zwar Torahn verloren, aber du trägst sein Kind in dir. Hüte es, so gut du es kannst. Wenn du es nicht tust und es verlierst, wirst du niemals mehr zur Ruhe kommen. Bitte, Fatisha, ich flehe dich an. Ich kenne deinen Schmerz, du musst ihn überwinden.

Silania gelang es tatsächlich, Fatisha aufzurütteln und in die Welt zurückzuholen, auch wenn es die falsche war. Regatus hatte sehr dafür gekämpft, dass sie aus dem Loch, in dem sie seit Torahns Tod steckte, wieder herauskam. Letztendlich hatten aber weder sein Schimpfen noch seine bemüht freundlichen Worte geholfen, sondern nur die Tatsache, dass sie einen Teil ihres Geliebten in sich trug. Als sie wenige Wochen später die Tritte in ihrem Bauch spürte, war sie schließlich so weit, als Elbin zu agieren. Ja, der Schmerz war noch immer da, doch Fatisha ließ nun zu, dass sich andere ihr mitteilen konnten. Nur auf Willer war sie weiterhin nicht gut zu sprechen, und vielleicht war er tatsächlich im See zurückgeblieben, so wie sie es von ihm verlangt hatte. Sie wollte den Wassergeist nicht sehen, denn sie befürchtete, dass der Schmerz wieder hervorbrechen und ihr erneut den Lebenswillen nehmen könnte.

So erfuhr sie von Silania, dass diese ein geeignetes Tal weiter südlich gefunden hatte, in dem es eine Höhle gab, die weit größer war als diese. Sie zogen augenblicklich um. In vielen Nächten trug die Drachin ein paar ihrer Schützlinge in die neue Heimat, während Fatisha begann, mit der Kraft des Elbensteins die Höhle einzurichten. Als sie aus winzigen Staubpartikeln an der Decke leuchtende Schmetterlinge zauberte, waren die Pixies hellauf begeistert. Von da an hieß ihr neues Zuhause die Schmetterlingshalle.

Arondura

Er verließ die Stadt, ohne sich ein einziges Mal umzusehen. Seine Wut auf den Elbenrat saß tief, denn als er sich ein Pferd ausleihen wollte, hatte man ihm dies verwehrt. Hussanda deutete an, dass er von ganz oben genötigt worden war, ihm keines zu überlassen. So musste sich Arondura einen der Klepper im Dorf am Fuße der Stadt kaufen, die meist nicht so gut genährt und gepflegt waren wie die der Elben. Vermutlich hatten die Elbenedlen ihm mit dieser Geste zeigen wollen, was sie von seiner Abweisung hielten.

So sehr er sich auch die letzten Mondumläufe auf sein trautes Heim gefreut hatte, so tief saß die Erkenntnis, dass er sich nirgends wohlfühlen konnte, wo nicht auch seine Familie war. Also musste er wieder einmal aufbrechen, um Jaimin zu suchen und ihr zu zeigen, dass er bedingungslos akzeptieren würde, was sie bedrückte, egal, was es war. Nichts würde sie auseinanderbringen. Daher musste er sie einfach finden.

So trabte er über den festgetrampelten Weg, an dem zu beiden Seiten Felder bewirtschaftet wurden. Die Erdbirne gedieh bei den milden Temperaturen prächtig, sie brauchte kaum Wasser, aber viel Sonne. Als ein großer vorbeihuschender Schatten plötzlich über sie flog, wieherte Aronduras Rappe panisch. Der Elb hatte Mühe, ihn zu beruhigen und zu verhindern, dass das Pferd sich umwandte, um in die Richtung zu fliehen, aus der sie gekommen waren. Wenige Schritte entfernt landete das Drachenkind Sanny. Sein grün schimmernder Körper straffte sich elegant, während er seine vom Fliegen ausgebreiteten Flügel einzog, um sich anschließend flach auf den Boden zu hocken. Trotzdem überragte sein Kopf Ross und Reiter.

»Ruhig«, versuchte Arondura sein Pferd zu besänftigen. Sanft tätschelte er den Pferdehals. »Auch wenn es so aussieht, der Kleine da vorne wird dich nicht fressen.«

Sannys keckerndes Lachen war zu hören. Ich tu keiner Fliege was zuleide.

Arondura hörte die Worte deutlich in seinem Kopf und er lächelte kurz zu. »Das weiß mein Pferd aber nicht. Gib ihm etwas Zeit.«

Wenn ich weiß, was du vorhast, gerne. Sanny legte seinen Kopf schief. In der Stadt ist Ruhe eingekehrt. Zwar sind noch viele Bewohner in Aufruhr, weil sie bisher nie einen Drachen gesehen haben, doch scheinen sie sich an mich und meine Verwandten zu gewöhnen.

Endlich konnte der Elb absteigen, ohne Angst zu haben, dass sein Rappe panisch davongaloppierte. Ich bin sehr froh, dass du deinesgleichen gefunden hast.Es ist gut, dass sich die Drachen entschieden haben, vom Zwergenkönig Gallus Abstand zu nehmen.

Hier auf unserer Seite ja, aber drüben herrscht er weiter über sie.

Das war zu befürchten. Laut seufzte der Elb. Ob es jemals Frieden zwischen allen Völkern geben wird?

Sanny blinzelte ihm zu. Du könntest Vermittler sein.Soweit ich weiß, bist du der Einzige, der mit einem Drachen sprechen kann. Ich habe aber den Eindruck, als würdest du dich davonmachen wollen.

Tief ein- und ausatmend senkte der Elb den Kopf. Du hast recht, ich stehle mich davon. Den Elbenrat habe ich verärgert, denn mir ist wichtiger, meine Frau Jaimin zu suchen. Mit knappen Sätzen schilderte er dem Drachenkind seine Situation. Und nun werde ich sie suchen.

Ich werde dich begleiten! Sanny ruckte hastig in die Höhe. Sofort wieherte das Pferd laut. Panisch tänzelte es auf der Stelle, sodass Arondura es erneut beruhigen musste. Ertappt zog das Drachenkind seinen Kopf wieder ein und erstarrte. Oh, entschuldige, ich wollte das Pferd nicht erschrecken. Es ist nur … Warum hast du mir nicht Bescheid gesagt? Willst du einfach ohne mich verschwinden?

Seufzend schob der Elb die Steinchen unter seinen Füßen zur Seite. Du hast jetzt deine Familie, da brauchst du mich …

Und ob ich dich brauche! Die Flügel zuckten empört, doch der Rest blieb ruhig. Du bist mein Freund! Mein Seelengefährte. Ich will jetzt nicht alleine sein.

Das bist du nicht. Die anderen Drachen werden bei dir sein. Ich … ich kann nicht hierbleiben. Ich muss Jaimin finden, erst dann werde ich zurückkommen.

Eine Weile sah ihn Sanny stumm an. Weißt du denn, wo sie ist?

Nein. Die Antwort war nicht befriedigend, schon gar nicht für ein Drachenkind, dessen Mutter durch die Weltenbrücke geflogen und wahrscheinlich tot war. Auch der Vater war unbekannt, vielleicht ebenfalls gestorben, und nun wollte der Seelenverwandte einfach verschwinden … Ich werde mich beeilen. Irgendwo muss sie eine Spur hinterlassen haben, und wenn ich sie gefunden habe, komme ich zurück. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als hier in Halem’Sitha zu sein und zuzusehen, wie du mit einem Drachenreiter zurechtkommst.

Sanny ruckte erneut hoch, die Augen aufgerissen. Das erschreckte den Rappen so sehr, dass er sich aufbäumte und die Zügel dabei aus Aronduras Händen riss. So schnell er konnte, drehte er um und galoppierte davon.

Oh.

Sanny schaute recht unglücklich und Arondura wunderte sich erneut über die Mimik des Kleinen. »Jetzt muss ich zurücklaufen und ihn einfangen«, sagte er mit leichter Verärgerung in der Stimme.

Sanny legte den Kopf schräg und sah Arondura mit seinen schönen Augen an. Oder ich begleite dich.

Hm … Einen Augenblick lang dachte Arondura nach. Du könntest mich zum Gehöft Steinliebe im Moor bringen. Ich wollte dort nach meinem Pferd Yomee suchen, denn das habe ich zuletzt an einem Fluss zurücklassen müssen. Mit deinen scharfen Augen wirst du sie wahrscheinlich eher sehen als ich.

Wunderbar! Sanny breitete seine Flügel aus, als wollte er bereits abheben. Doch er zügelte seine Ungeduld und wartete, bis der Elb auf seinen Rücken gestiegen war. Du meinst also, sie werden mich zu einem Kampfdrachen ausbilden?, fragte Sanny. Er hob ab und flog in einem Bogen über die Felder.

Arondura schmunzelte über seinen kindlichen Eifer. Es würde mich wundern, wenn sie es nicht tun. Spätestens, wenn sie sehen, wie die Zwerge auf der anderen Seite mit den Drachen umgehen, wird der Rat verstehen, dass sie mit den hier verbliebenen Tieren eine Menge nachholen müssen. Und wer eignet sich besser als ein junger Drache, der seine Kräfte kaum zügeln kann? Als der Elb spürte, wie sich Sannys Leib vor Stolz anspannte, fügte er schnell hinzu: Glaube aber nicht, dass es einfach sein wird. Du wirst durch eine harte Schule gehen müssen. Vielleicht sogar durch eine härtere als jeder andere Drache. Bedenke auch, dass sie irgendwann möglicherweise von dir verlangen, dass du gegen die andere Seite kämpfst. Sollte die Trennung dieser Welt jemals aufgehoben werden …

…werde ich nicht gegen sie antreten. Nein, ich werde mich nicht gegen meine eigene Familie stellen!

Arondura hörte deutlich die Empörung aus Sannys Worten heraus. Ich hoffe, dass du diese Entscheidung niemals treffen musst.

Ohne Frage war der Flug auf dem Rücken eines Drachen angenehmer und schneller als auf dem eines Pferdes. Sie überflogen das Moor, ohne Kontakt mit den Moorschwaben zu bekommen, die jeder positiv denkenden Person negative Gedanken einpflanzten und Traurige fröhlich werden ließen. Arondura war allerdings sicher, dass ihn das nicht getroffen hätte, denn der Schmerz in der Brust war nach wie vor stark und seine Gedanken drehten sich ausschließlich um Jaimin. Vielleicht war es gut, dass er nicht durch das Moor geritten war, denn er hätte es furchtbar gefunden, in seiner Situation zu lachen und fröhlich zu sein. Frau und Tochter verloren zu haben, war definitiv kein Grund, unbeschwert durchs Leben zu gehen.

Auf Anweisung des Elben landete Sanny auf dem zerstörten Grundstück des Gehöfts Steinliebe. Schon von oben sah er die traurigen Fundamente des Haupthauses. Die Schlafstätten daneben waren sogar komplett abgebrannt. Aber er sah jemanden herumlaufen. Auch schien es ihm, als ob irgendwer damit begonnen hatte, das Haus wieder aufzubauen. Kaum waren sie gelandet, kam ihm Tulusa in Männerkleidung und zum Zopf gebundenen Haaren entgegen. Nicht nur das war untypisch für eine Elbin, sondern auch, dass sie keine Angst vor dem Drachen hatte.

In einer Hand hielt sie eine Säge, mit der anderen winkte sie ihm freudig zu. »Arondura! Was ist das denn für ein wunderschöner Drache! Den habe ich bei den Kämpfen um Halem’Sitha gar nicht gesehen.«

Diese Elbin ist mir doch gleich sympathisch, sagte Sanny glucksend.

Auch Arondura schmunzelte. Er kletterte von Sannys Rücken und ging mit ausgestreckten Armen auf sie zu. Die Elbin hatte ihn damals herzlich aufgenommen, und nun bekam er erneut das Gefühl, willkommen zu sein.

»Ich begrüße dich, liebe Tulusa.« Er drückte sie kurz an sich und schenkte ihr ein Lächeln. Dann drehte er sich zu Sanny um. »Das ist mein Seelenverwandter Sanny. Wir sind erst nach der Schlacht in Halem’Sitha eingetroffen. Du warst auch dort? Wie hast du überleben können? Was machst du hier, mit einer Säge in der Hand? Noch viel wichtiger ist: Kam vor einiger Zeit eine Elbin hier vorbei? Sie könnte auch verkleidet gewesen sein.«

Sie lachte laut. »Du suchst schon wieder nach einer Frau? Dann solltest du …« Sie stockte und betrachtete sein ernstes Gesicht. Kopfschüttelnd hakte sie sich unter und zog ihn hinüber zu einer Feuerstelle, über der ein Topf hing. Daraus stieg der Duft einer Erdhennensuppe und kitzelte Aronduras Nase. »Es scheint mir, als haben wir ein wenig mehr zu bereden. Komm, lass uns ein wenig setzen und die Suppe genießen.«

»Ein Wolkentee würde mir ausreichen«, widersprach er, doch sie unterbrach ihn gleich. »Das lasse ich nicht zu! Du siehst aus, als hättest du seit Tagen nichts mehr gegessen. Braucht Sanny auch etwas? Ich befürchte nur, dass ich für einen so großen Magen zu wenig vorrätig habe. Leider ist alles abgebrannt, auch die Ställe der Erdhennen, die leider nicht alle fortgelaufen waren, obwohl ich die Tiere freigelassen hatte …«

Nachdem Tulusa zwei Schalen mit Suppe gefüllt hatte, erzählte sie von Fatishas Ankunft mit der Drachin Silania, wie sehr sie erschrocken, dann aber froh für die Mitreisegelegenheit gewesen war. Sanny saß neben Arondura, den großen Kopf auf den Boden gelegt. Der Elb streichelte über die seidigen Schuppen des Drachen, der aufmerksam das Gespräch verfolgte. Arondura schien es, als habe auch das Drachenkind Tränen in den Augen.

»Die Kämpfe in der Stadt waren fürchterlich«, sagte sie. »Ich hatte zwar meine Verwandten und Freunde warnen können, doch als ich sah, wie sich die Weltenbrücke auflöste, wusste ich, dass darüber eine Flucht unmöglich war. So nahm ich mir eines der Pferde und floh hierhin zurück. Nun möchte ich mein Gehöft wieder aufbauen, selbst wenn die Gefahr besteht, dass es erneut niedergebrannt wird.«

Der Drache ließ ein Geräusch hören, das an ein Quietschen erinnerte.

»Sanny berichtet mir, dass sich seine Familie vom Einfluss Xorantaks gelöst hat«, übersetzte der Elb Sannys Gebärden. »Es tut ihm und allen anderen leid, solch einen Schaden angerichtet zu haben. Sie werden nicht hierherkommen, zumindest nicht die Drachen von dieser Seite.«

»Dann bin ich erleichtert.« Tulusa deutete auf die Schale mit Suppe, in der dicke Fleisch- und Gemüsestücke schwammen. »Aber nun iss! Ich lasse dich nicht eher gehen, bis die Schüssel leer ist. Erzähle mir von dir und deinem tollen Seelenverwandten.«

Entgegen seines Vorhabens berichtete Arondura von den Ereignissen, bis die Nacht hereinbrach und er sein Lager neben Tulusa richtete. Noch hatten sie kein Dach über den Köpfen, doch ein paar Helfer aus der Stadt, die ebenfalls vor den Kämpfen geflohen und sich bei ihrer Ankunft versteckt hatten, gingen Tulusa beim Aufbau des Gehöfts zur Hand. Erfreulich war ebenfalls, dass die Elbin sein Pferd Yomee bereits gefunden und versorgt hatte.

Als der Morgen anbrach, legte Arondura seinen Arm um Sannys Hals. Ich werde mit Yomee weiterziehen. Tulusa möchte ich nicht wecken, vor allem möchte ich nicht noch mehr in Gespräche verwickelt werden. Ich wäre dir dankbar, wenn du eine Weile bei ihr bleibst und dann nach Halem’Sitha zurückkehrst. Dort werde ich dich aufsuchen, sobald ich Jaimin gefunden habe.

Du verlässt mich? Sannys Stimme klang traurig.

Doch nicht für immer. Als Arondura sich an ihn drückte, hörte er ein leises Brummen aus dem Innern, als würde eine Katze schnurren. Ich komme wieder, versprochen.

So schlich der Elb zu dem provisorischen Stall und sattelte Yomee, die ihn mit einem Schnauben begrüßte. Leise ritten sie davon, und auch jetzt blickte sich Arondura nicht mehr um.

Fatisha

Die neue Höhle musste eingerichtet und erweitert, das davorliegende Tal mit einem Schutz versehen werden, damit kein zufällig vorbeikommender Wanderer in ihr Gebiet eindrang und die vielen recht unterschiedlichen Wesen von Gravit entdeckte. Jeder wusste, dass es zu gefährlich war, sich den Terranern zu zeigen, denn diese hatten noch nie einen Troll gesehen, auch wenn er nur halb so groß war wie seine Artgenossen. Doch er und alle anderen brauchten die Natur, denn sich ewig in der Höhle zu verstecken, wäre für kein Gemüt auf Dauer gut gegangen.

Ihr Tal war fruchtbar und wunderschön. Es war von Felsen umgeben, durch die ein Bächlein floss, in dem sogar Fische schwammen. Reichlich Beeren wuchsen an den Sträuchern, Kräuter und essbare Wurzeln gab es zuhauf, zahme Hoppler, die von den Terranern Hasen genannt wurden, kamen schnuppernd herbei, da sie anscheinend keine Zweibeiner kannten. Fatisha bemühte sich, ohne einen Zauber die Sprache der Menschen zu sprechen und sie an diejenigen weiterzugeben, die sich unter sie mischen konnten. Im naheliegenden Dorf Luander versuchten sie jede Woche, ihr Gemüse zu verkaufen. Anfangs blieben die Bewohner skeptisch ihnen gegenüber, wusste doch niemand, woher sie kamen. Doch da sie sich ruhig und höflich verhielten, ließ man sie gewähren. Die Verkleidungen halfen vor allem Fatisha, ihre spitzen Ohren zu verdecken und sich den Menschen anzupassen.

Im Tal wurden nun Obstbäume gepflanzt und Gemüse angebaut. Es gab viele helfende Hände und jeder packte an, so gut er konnte. Rund um das Gebiet legten die stärksten Helfer ihrer Gemeinschaft einen tiefen, undurchdringlichen Schutzwall aus Dornenranken an, der so tief und undurchdringlich war, dass sich nicht einmal ein kleines Tier freiwillig hindurchkämpfte. Lediglich zwei Öffnungen blieben für sie frei, doch natürlich wurden sie geschützt und mit einem Zauber versehen. Nur Wesen aus ihrer Gemeinschaft konnten ihn zum Jagen durchqueren, anderen wurde der Durchgang verwehrt.

Die Verteilung der Aufgaben zu organisieren und schließlich die Geburt ihres Kindes half Fatisha, aus der tief liegenden Ohnmacht der Selbstaufgabe herauszukommen. Überraschenderweise hatte ihre Tochter Lisania die Ohren des Vaters geerbt. Warum das so war, konnte sie sich nicht erklären. Auf Gravit hatte sie die Ausführung eines Heilers gelesen, der anhand von Zeichnungen die Chancen der Vererbung deutlich machte. Demzufolge hätten die Ohren ihrer Tochter spitz sein müssen – aufgrund der vielen Ereignisse dachte sie jedoch nicht weiter darüber nach.

Der Schmerz war weiterhin präsent, nur wurde er unterdrückt durch die Arbeit und die täglichen Herausforderungen. Ständig kümmerte sich die Elbin um die vielen belanglosen Kleinigkeiten, erschuf in der Schmetterlingshalle viele Häuschen und erfüllte die Wünsche aller Anwesenden. All das war nur mit dem Elbenstein möglich, der sie in einem Umkreis von mehreren hundert Schritten schützte. Die Bewohner konnten ruhig schlafen, es wurde gelacht und gemeinsam gegessen, ja, sogar bis in die Nacht gesungen und getanzt.

Von Anfang an hielt sich Fatisha zurück, doch jeder akzeptierte es. So wurde die Höhle mit der Zeit größer und bewohnter. Es erstaunte die Elbin immer wieder, wie viele Wesen bereits früher heimlich von Gravit nach Terra geflohen waren, in der Hoffnung, sich auf der anderen Welt ein besseres Leben aufzubauen. Sie entdeckte in der größeren Stadt Apfelstett die meist ärmlichen Gestalten, sprach sie an und nahm sie mit in ihr Tal. Fast jeder blieb dankbar dort und integrierte sich in ihre Gemeinschaft. So wuchs die Stadt an, manche Wesen paarten sich und bekamen Nachwuchs. Andersherum zog es einen der Dummbeutel, einen Schruter, ja sogar einen der beiden Griesgrame zu den Menschen. Fatisha sorgte dafür, dass sie eine Arbeit in Familienbetrieben bekamen und fortan zufrieden unter den Terranern leben konnten. Manch einer vermählte sich sogar mit einem Menschen und ihre Kinder waren Mischlinge aus beiden Rassen, ohne dass es jemand bemerkte.

Regatus, der anfangs über den Winter bei den Dorfleuten Arbeit gesucht hatte, kam ausgemergelt zurück. Kein Wort verlor er über das, was er erlebt hatte, doch es schien ihn zutiefst zu erschüttern. Bevor Fatisha etwas für ihn tun konnte, hieb er mit seiner Axt Tag für Tag einen Tunnel in das Gestein, in dem er sich schließlich verkroch. Wie er sich versorgte, wusste die Elbin nicht, vielleicht schaffte sein treuer Klushund Wolf genug für beide heran. Doch zu dem Zeitpunkt hatte die Elbin noch immer keine Kraft, sich um die tief liegenden Sorgen anderer zu kümmern.

Immerhin war der Verkauf ihrer Waren auf dem Wochenmarkt recht erfolgreich. Die Pixies bastelten aus Hölzern und Stroh Puppen, die von der Fengg Uillah eingekleidet wurden. Der Butzenhauer mit Namen Lukatra schmiedete Schmuckstücke, die anfangs zu groß, mit jedem Mal aber besser und feiner wurden. Mit dem dadurch gewonnenen Geld konnten sie sich mit Stoffen und vielen anderen Dingen eindecken, die ihnen in der Natur fehlten.

Die Tage liefen ohne besondere Ereignisse dahin. An einem sonnigen Tag – er war Fatisha so sehr ins Gedächtnis eingraviert, dass sie sich sogar noch an das Vogelgezwitscher und das Bienensummen erinnerte – hing sie vor dem Eingang ihrer neuen Behausung die Windeln auf einer gespannten Leine auf. Die wenige Monate alte Lisania verbrauchte so viele Powickel, dass Fatisha fast ununterbrochen Wäsche waschen musste. Die Idylle war wieder einmal so perfekt, dass der Schrei, der wie ein Donnergrollen von den schroffen Felsen abgeschmettert wurde, ihr durch Mark und Bein fuhr. Augenblicklich ließ sie das Laken fallen und fuhr mit klopfendem Herzen herum. Ein heller Schein tauchte über die Baumwipfel auf. Silania flog auf sie zu, doch sie trudelte eher hilflos dahin.

Was ist passiert?, schrie die Elbin in ihren Gedanken.

In dem Augenblick wurde sich Fatisha bewusst, dass sie seit dem tragischen Unfall nur wenige Worte mit der Drachin kommuniziert hatte. Der Schmerz hatte alles überdeckt, sie war nicht in der Lage gewesen, die Stimme ihrer Seelenverwandten zu hören. Doch mit dem Schrei war die Blockade gelöst. Silania, sag mir bitte, was los ist!

Die Stimme der Drachin klang geschwächt. Einige Jäger haben mir aufgelauert und mich beschossen. Wahrscheinlich habe ich sie jetzt in unser Tal geführt. Oh, Fatisha, es tut mir so leid.

Mit letzter Kraft landete die Drachin auf der Wiese vor dem Fluss. Als Fatisha auf sie zurannte, sah sie bereits von Weitem das Blut, das aus den Wunden an Silanias Körper herablief.

»Silania ist verletzt«, schrie die Elbin, während sie mit einem Zauberspruch ihre Stimme verstärkte und in die Schmetterlingshalle schickte. »Kommt sofort her! Bringt Tücher mit.« Auch von den Bergen hallte ihr panischer Ruf verräterisch wider, aber das war ihr nur recht. Sie brauchte sofort Hilfe.

Wenn du so laut brüllst, finden meine Verfolger sofort hierher, sagte Silania schwach.

Na und? Fatisha spürte Wut in sich aufsteigen. Welches Recht haben sie, dich abzuschießen? Hast du ihnen irgendwann einmal etwas getan?

Die Elbin erwartete keine Antwort, wohl aber wusste sie, dass die Verursacher büßen mussten. Wieso erlaubte sich jemand, das einzigartigste und schönste Wesen auf dieser Welt zu töten? Konnten sie es nicht einfach leben lassen? Sie erinnerte sich an die Worte ihrer Mutter. Diese Barbaren auf Terra waren für sie dreckig und hinterlistig, außerdem misshandelten sie ihre Frauen. Konnte es wirklich sein, dass sie ein solches Wesen wie Silania töten wollten, anstatt es zu schützen?

Als Fatisha endlich nah genug an der Drachin heran war, sah sie die vielen blutenden Stellen. Pfeile oder Speere gab es nicht, was sie verunsicherte. Womit hatten sie solche Verletzungen erzeugt?

Sie hielten stählerne Waffen in den Händen, aus denen es laut knallte, erklärte Silania schwach. Dann habe ich nur noch die Schmerzen gespürt.

Stählerne Waffen?, hakte Fatisha ungläubig nach.

Genau das, bestätigte die Drachin. Und sie attackierten mich mehrere Male hintereinander ohne eine Pause.

Wie schrecklich!

Diese Nachricht war schlimmer als alles, was sie sonst über die Kriegsführung der Menschen gehört hatte. Wenn sie die Gefahr richtig erfasste, würde man mit einer solchen Waffe mehrere Personen nacheinander töten können, während Pfeile erst nachgelegt und gespannt werden mussten. Sofort begann sie, Magie zu weben. Dadurch entdeckte sie etliche metallene Kugeln in Silanias Körper, die sie entfernte. Marquart hatte ihr damals in der Gefangenschaft der Zwerge hin und wieder Heilkunde gelehrt, denn es war nicht selten, dass er mal eben einen Kessel mit kochend heißer Flüssigkeit explodieren ließ und dabei jemand verletzt wurde. Das meiste bekamen die Zwerge ab, die zu dieser Zeit Wache hielten. Nur aus diesem Grund konnte Fatisha die Magie in- und auswendig weben, dabei fühlte sie sich nicht einmal zur Heilerin berufen. Auch der Foliant, den sie von Gravit mitgebracht hatte, enthielt etliche Zaubersprüche.

Nun war sie froh über diese Erfahrungen. Eine Kugel nach der anderen holte sie aus Silanias Körper, während diese bereits ihre eigenen Heilkräfte aktivierte. Etliche Pixies waren herangestürmt, natürlich auch Uillah und Falatalafa. Jeder Anwesende hatte seine Arbeit liegen gelassen und im Nu waren Silania und Fatisha umgeben von ihren Freunden. Das Baumwesen Bart streckte seine Äste aus, auf denen die Pixies kletterten, um jede Stelle zu finden, ohne Silanias geschundenen Körper zu belasten. So gut wie jeder half mit, fing die Kugeln auf und presste Tücher gegen die offene Wunde, bis Fatishas Magie sie verschloss.

Habt Dank. Vorsichtig erhob sich die Drachin, schüttelte ihre Flügel und ging ein paar bedachtsame Schritte. Ich bin einfach zu groß und zu auffällig. Nachts glitzere ich zu sehr, vor allem wenn der Mond scheint, und tagsüber werde ich viel zu schnell entdeckt.

Erschöpft sank die Elbin auf einen Baumstumpf. Ich habe auch schon darüber nachgedacht, sagte sie mit einem tiefen Seufzer. Ich sehe nur eine Möglichkeit …

Vermutlich wusste Silania, dass diese Option ihr nicht gefallen könnte, daher schwiegen beide. Pferdegetrappel ließ alle Anwesenden herumfahren. Galant, aber doch eilig, landete das geflügelte Pferd Silberläufer mit dem Gluhschwanz Antofax auf der Wiese. Kurz vor der versammelten Mannschaft sprang das Halbwesen vom Jimundi ab und wandte sich an die Elbin, während sein glühendes Schwanzende aufgeregt hin- und herpeitschte. In der oberen Hälfte seines Körpers war er wie ein menschlicher Krieger, ab der Hüfte trug er die Merkmale verschiedener Tiere in sich.

»Als es in den Bergen laut geknallt hatte, bin ich auf Silberläufer gleich in die Richtung geritten. Ich habe beobachtet, wie vier Menschlinge Silania bedrohten«, berichtete er. »Zum Glück konnte Silania flüchten, doch die Wilderer folgen ihr. Mit ihren einfachen Reittieren kommen sie nur nicht so schnell voran. Ich schätze, morgen früh werden sie hier im Tal eintreffen.«

»Danke dir, Antofax.« Fatisha nickte erleichtert. Er war ihr bester Jäger, besaß einen guten Spürsinn und kümmerte sich hauptsächlich um frisches Fleisch für das Essen. Die meisten Anwesenden waren allerdings mit Kartoffeln und Gemüse zufrieden, das nicht weit von hier angebaut wurde. »Haben die Terraner euch gesehen?«

Der Gluhschwanz schüttelte den Kopf. »Silberläufer und ich sind unerkannt geblieben und haben die Menschlinge nur beobachtet.«

»Gut.« Fatisha drehte sich zu den Anwesenden um. »Bitte geht zurück in die Halle. Nur wer bereit ist, gegen diese Wilderer zu kämpfen, bleibt zur Beratung hier.«

Niemand drehte sich um, nicht einmal die Pixies, die noch nie zur Jagd ausgerückt waren.

Fatisha seufzte und schüttelte den Kopf. »Also gut, ihr wollt alle helfen. Das rechne ich euch hoch an, aber ich brauche nur die Härtesten, die schon mal Wild erlegt haben, denn dieses Mal wird es ernst.«

Willst du die Menschen jagen?, fragte Silania alarmiert.

Welche Wahl haben wir? Die Elbin strich sanft an ihrem Hals entlang. Sie haben dich gesehen und werden vermutlich nicht eher ruhen, bis sie deinen Kopf haben, um ihn überall herumzeigen zu können. Mir wäre aber lieb, wenn niemand von ihnen zurück in die Menschensiedlungen findet.

Silania wirkte entsetzt. Dann willst du sie töten?

Fatisha zuckte mit den Schultern. Wir können sie auch gefangen nehmen. Bestimmt freut sich Regatus über Hilfe, denn er schlägt noch immer Gänge in den Felsen. Keine Ahnung, was er damit bezweckt …

Darauf entgegnete die Drachin nichts. Während der Beratung zog sich als Erstes Uillah zurück, die die zappelnde Lisania auf den Arm trug. Auch die Pixies und Hanswurste trappelten zu ihrer Arbeit, den Dummbeutel im Schlepptau, denn der hätte sowieso nicht verstanden, was er tun musste. Der Halbtroll Grorck brummte entschlossen »Grorck«, aber das sagte er ja immer, denn er konnte sich mit keinem anderen Wort ausdrücken. Der Schruter Mee, Antofax sowie der Feuerputz Heißerfeger blieben zurück. Auch Luzifer verschränkte seine Arme vor der Brust, um seine Entschlossenheit zu demonstrieren. Seine Augen glühten, die Haut war knallrot. Vermutlich würde sich der Teulaner aufgrund seines Äußeren hervorragend dafür eignen, die Wilderer heranzulocken. Allerdings war er klein und er hatte keine kämpferische Eigenschaft, außer jene zu erschrecken, die ihn noch nie gesehen hatten.

Nachdenklich betrachtete Fatisha die drei Elwetritsche. Mala, Jela und Linius besaßen zwar kurze Beine, aber statt der Arme spannten sich dort Flügel, und durch ihr Gesicht mit den langen Schnäbeln gehörten sie ebenfalls zu den außergewöhnlichen Wesen, die sich niemals vor den Menschen blicken lassen sollten. Als Kämpfer konnten sie sicher nicht fungieren, doch als Kundschafter waren sie ausgezeichnet.

»Also gut.« Fatisha sah die Anwesenden der Reihe nach an. »Wir gehen den Jägern entgegen, damit sie von unserem Tal fernbleiben, denn Menschen sind beharrlich. Sie geben nicht auf, bis sie uns gefunden haben. Das müssen wir verhindern. Sicher ist, dass es zu einem Kampf kommen wird. Holt deshalb alles, was ihr zum Jagen braucht …«

Grorck stampfte mit seinem dicken nackten Fuß auf den Boden und sagte entschieden »Grorck«.

Fatisha nickte ihm zu. »Ja, Grorck, du hast Kraft und du brauchst keine Waffe. Ich bitte dich trotzdem, hierzubleiben und auf alle anderen aufzupassen. Ich brauche hier einen starken Mann im Tal, falls uns etwas zustößt. Und Luzifer …« Sie wandte sich an den Teulaner. »Deine Eigenschaft, allein durch dein Aussehen Fremde zu erschrecken, würde ich gerne hier einsetzen. Es ist wichtig, dass alle anderen gut beschützt sind.«

Enttäuscht ließen beide die Schultern sinken, doch sie hatten verstanden. Mit stampfenden Schritten kehrte der Halbtroll um und stellte sich mit verschränkten Armen vor dem Eingang der Schmetterlingshalle. Der kleine Luzifer sah neben ihn fast unscheinbar aus, und trotzdem wirkte er furchteinflößend. Alle anderen flogen oder liefen hinein, um ihre Kampfausrüstung zu holen.

»Du solltest dich auch zurückziehen.« Fatisha wandte sich zu Silania. »Du bist durch die Angriffe geschwächt und außerdem möchte ich nicht, dass du erneut in Gefahr gerätst.«

Du glaubst, ich lasse dich allein ziehen? Die Drachin schüttelte ihren Kopf. Ich setze euch weit genug von unserem Tal ab, sodass die Menschen nicht ahnen, wo wir in Wirklichkeit leben.

Fatisha seufzte, doch dann stimmte sie zu. Sie hätte ihre Seelenverwandte lieber in Sicherheit gewusst, weit ab vom unschönen Kampf, der sehr wahrscheinlich blutig werden würde. Die Menschen, die sie bisher kennengelernt hatte, waren zwar zum größten Teil umgängliche Bauern und Marktfrauen, doch jene anderen, die im Auftrag des Herzogs von Löwenfels handelten, hatten sich ihr bislang als grobschlächtige und zielstrebige Männer gezeigt. Vor allem schienen Goldstücke sie zu überzeugen, ohne zu zögern ihre Waffen zu benutzen, wenn ein Ziel durchgesetzt werden musste. Der Herzog hatte im weiten Kreis etliche Ländereien in seinem Besitz, alle Bauern waren ihm allmonatlichen Sold schuldig. Ihn interessierte nicht, ob die Familien bis in die tiefe Nacht hinein arbeiteten. Für ihn zählte nur das Geld und natürlich hatte er gut ausgebildete Männer, die es eintrieben. Vermutlich hatten sie Silania gejagt. Vielleicht waren es aber auch Abenteurer, denen es egal war, wenn Leben geopfert wurde. Hauptsache, sie konnten ihre Funde auf dem Markt verscherbeln. Bestimmt würde der Herzog von Löwenfels etliche Goldtaler bezahlen, wenn er Silanias Kopf in seinem Empfangszimmer aufhängen könnte.

Die Elbin schüttelte sich bei dem Gedanken und war froh, als die Ersten aus der Höhle kamen und sie gleich aufbrechen konnten. Zuerst wies sie Mala, Jela und