Die Woge - Andreas F. Kaiser - E-Book

Die Woge E-Book

Andreas F. Kaiser

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Beschreibung

Dieses Lesebuch enthält kleine erotische Geschichten für älter gewordene, aber trotzdem jung gebliebene Leser. Es wendet sich vor allem an diejenigen, die meinen, ihr Leben im Griff zu haben und durch nichts mehr ins Wanken zu geraten. Die vielleicht manchmal noch in ihren Phantasien träumen, aber sich eigentlich sicher sind: „Das könnte mir nie passieren“. Wie schnell sich doch manchmal aus einer ganz alltäglichen Situation heraus erotische Erlebnisse entwickeln können und wie damit dann auch zum Beispiel in einer Partnerschaft umgegangen werden kann, können Sie in diesem Büchlein lesen. Es kann ihnen vermitteln, wie gegenseitiges Vertrauen zu einander Wege eröffnet mit erlebter Erotik von außen, die Liebe nach innen, zum eigenen Partner, auch im reiferen Alter wachsen zu lassen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 249

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Andreas F. Kaiser

Die Woge

Kleines Lesebuch für älter gewordene

© 2014 Andreas F. Kaiser

Autor: Andreas F. Kaiser

Umschlaggestaltung: Andreas F. Kaiser

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN: 978-3-7323-0657-2 (Paperback)

ISBN: 978-3-7323-0658-9 (Hardcover)

ISBN: 978-3-7323-0659-6 (eBook)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Inhalt

Sonnenaufgang

Das Geschenk

Die Kirschen in Nachbars Garten

Schwerelos

Unser gemeinsamer Urlaub

Spätsommer

Sonnenaufgang

Wenn ich auf mein bisheriges Leben zurückblicke, kann ich eigentlich sagen, dass ich zufrieden bin, wie alles gekommen ist. An den wichtigsten Eckpunkten musste ich mich richtig entschieden haben. Zumindest sehe ich es aus heutiger Sicht so. Ich weiß natürlich nicht was geschehen wäre, wenn meine Entscheidungen an so mancher Stelle anders ausgefallen wären. Vielleicht würde ich dann heute auch rückblickend sagen: „Es war gut so“. Ich denke nur, dass es wichtig ist, dass man nie sagen muss: „Hätte ich damals nur …!“

Eigentlich möchte ich mit meiner Einleitung zu dieser, meiner Geschichte, nur sagen, dass mein Leben, bis zu einem ganz bestimmten Moment, in geordneten Bahnen verlief. Ich hatte bei notwendigen Entscheidungen selten nur auf mein Gefühl gehört, sondern auch immer noch das Für und Wider des dann Folgenden abgeschätzt. Das Urteil anderer war mir meistens egal. Denn auch ich habe selten über Andere geurteilt. Auf Eines habe ich jedoch immer geachtet: Die zwischenmenschlichen Verhaltensnormen und die Gefühle anderer zu respektieren und nicht über Gebühr zu überschreiten.

Bis zu dem einen Tag, an dem …

Aber lassen Sie mich der Reihe nach erzählen.

Inzwischen habe ich wohl die Mitte meines Lebens bei weitem überschritten. In meiner Kindheit und Jugend war kaum Platz für Mädchen oder später für junge Frauen. Meine Begleiter waren hauptsächlich Bücher, Musik und die Bilder alter Meister. Wenn meine Schul- oder später meine Studienfreunde sich mit Mädchen trafen, saß ich mal wieder über einem Buch. Irgendwann stellte ich fest, dass alle um mich herum schon Freundinnen hatten, nur ich nicht. Von diesem Moment an hatte ich Berührungsängste, weil ich glaubte, dass ich die Erwartungen der Mädchen nicht erfüllen könnte. Ab und zu schielte ich zwar in ihre Richtung, war aber viel zu schüchtern, um den ersten Schritt zu wagen.

Eigentlich hatte ich es schon aufgegeben, mal eine Familie zu haben. Ich wünschte mir zwar eine Frau und Kinder, aber wenn es nicht sein sollte, dann käme ich auch mit meinem Einsiedlerdasein zurecht. Mein Leben war so durchstrukturiert, dass ich mir für Wünsche, Träume oder Emotionen keine Zeit ließ. Mir war klar, dass ich mich auf diese Art und Weise bis an das Ende meiner Tage nicht zu langweilen brauchte.

So dachte ich jedenfalls. Bis dann eines Tages in mein Leben eine Frau trat. Sie hieß Ina, war verheiratet und hatte einen Sohn. Wir arbeiteten einige Monate zusammen ehe ich merkte, dass sie offensichtlich ein gewisses Interesse für mich hegte. Das irritierte mich. Denn eine verheiratete Frau war für mich tabu. Mein christlicher Glaube und die damit verbundenen Wert- und Moralvorstellungen verboten es mir einfach, mich ihr zu nähern. So vergingen Jahre. Meine sittliche Standhaftigkeit begann allerdings mit der Zeit zu bröckeln, denn ich hatte ja kein Herz aus Stein.

So war es eben nur eine Frage der Zeit, bis sie mir dann auch zeigte, dass das Zusammenleben mit einer Frau um vieles abwechslungsreicher und schöner sein konnte als es je das einsame Leben eines Junggesellen zu sein vermag.

Ich möchte an dieser Stelle nicht allzu sehr auf diese Phase unseres Kennenlernens eingehen. Es sei nur so viel gesagt, dass wir kurz nach ihrer Scheidung auch sofort heirateten. Natürlich hatte ich mir diesen Schritt, wie ich ja am Anfang schon erklärt hatte, wirklich sehr sorgfältig überlegt. Da ich ja mehrere Jahre indirekt Anteil an ihrem Leben nehmen konnte und auch ihr damaliger Mann und ihr gemeinsamen Sohn für mich keine Unbekannten waren, überlegte ich genau, ob ich mit den Problemen, die eine Ehe mit ihr zweifellos mit sich bringen würde, fertig werden könnte. Ich bejahte es für mich und denke auch heute noch, dass es richtig war, diese Entscheidung getroffen zu haben.

Wir führten 10 Jahre eine, wie ich denke, normale Ehe. Unser Zusammenleben verlief relativ unproblematisch. Wir hatten viele gemeinsame Interessen. Konnten uns stundenlang unterhalten und über die gleichen Dinge lachen oder schimpfen. Auch unsere Freizeitbeschäftigungen liefen stets in die gleiche Richtung. Wir sehnten uns jedes Jahr nach unserem Campingurlaub an der Ostsee oder danach, durch Museen zu streifen, Konzerte und Ausstellungen zu besuchen oder auch nur spazieren zu gehen. Eigentlich könnte jeder Außenstehende denken: Das ist das Fundament für eine gute Ehe. Sicher war das auch so. Doch mir fehlte etwas oder ich hatte etwas zu viel. Ich wusste es nicht genau. Da ich es nie gelernt hatte, meine Probleme mit anderen zu besprechen, konnte ich auch darüber nicht mit meiner Frau reden. So lebten wir uns langsam auseinander, und unsere Beziehung rutschte auf den Stand einer guten Freundschaft hinab. Unser Zusammenleben als Mann und Frau blieb irgendwie und irgendwann in unserer Ehe auf der Strecke. Vielleicht waren wir beide von unserer sexuellen Zweisamkeit enttäuscht. Ich hatte vielleicht erwartet, dass meine Frau aus ihrer vorangegangenen Ehe mehr an Erfahrungen auf diesem Gebiet mitbringen würde als sie es dann auch tat, und sie erwartete sicher von mir mehr Aktivitäten. Leider sprachen wir eben nie darüber. So war es, aus heutiger Sicht, eben auch nicht verwunderlich, dass ich eine Unstimmigkeit zwischen uns nutzte, um mich wieder ganz auf mich selbst zu konzentrieren. Mit meinen sexuellen Bedürfnissen bin ich ja auch vor unserer Ehe klargekommen. Warum sollte es jetzt nicht wieder so gehen?

Mein Verhalten führte jedenfalls zu dem Ergebnis, dass ich wieder so mit mir selbst beschäftigt war, dass ich gar nicht mitbekam, wie meine Frau unter diesem Zustand litt. Für mich dagegen war die Welt wieder in Ordnung, da ich ja immer ein Einzelgänger war.

Nachdem wieder einige Jahre so ins Land gegangen waren, kam der eigentliche Wendepunkt in unserer Ehe. Meine Frau kam eines Abends nach mir ins Bett, sah mich an und küsste mich. Ich bemerkte nicht nur ihre Hingabe, sondern auch bei mir schon längst wieder verloren geglaubte Gefühle. An diesem Abend liebten wir uns. Heute bin ich froh, dass sie mich am nächsten Tag ansprach, um über das Thema unserer jahrelangen Enthaltsamkeit zu reden. Ich war zwar nicht bereit, mich selbst dazu zu äußern, aber ich hörte ihr zu. Im Gegensatz zu mir, war ihr das Gespräch immer wichtig. Sie fand keinen Grund dafür, warum es so weit kommen konnte und wollte von mir wissen, weshalb ich mich von ihr zurück gezogen hatte. Ich machte eine Menge Ausflüchte. Das verschaffte mir zwar kurzzeitig etwas Ruhe, doch sie stellte mir diese Frage im Laufe der Zeit immer wieder. Ich glaube, sie kennt mich eben recht gut und wusste, dass ich über den wahren Grund nicht sprechen wollte. Mir war aber klar, dass ich reden musste, wenn wir uns nicht wieder verlieren wollten. Aber sollte ich ihr sagen, dass mir der Sex mit ihr nichts gab? Nein, ich wollte sie nicht noch mehr verletzen. Also erzählte ich ihr einfach, dass ich ihre Reaktion nicht gut fand, als ich mal keine Erektion bekam. Sie war entsetzt, dass der Satz von ihr: „Das ist doch nicht so schlimm“ und ihr anschließendes Umdrehen im Bett, solche fatalen Folgen gehabt hatte. Eigentlich tat sie mir etwas leid, denn es war ja auch nicht der wahre Grund. Vielleicht hätte ich ihr wenigstens sagen sollen, dass ich mich sexuell nicht von ihr abhängig machen und mich lieber wieder in meine kleine Welt zurückziehen wollte. Dieses Vorgehen entsprach nämlich eher meiner Lebensphilosophie:

- Alles, was ich alleine entscheiden kann, entscheide ich auch alleine.

- Alles, was ich mit Jemanden abstimmen oder absprechen muss, versuche ich zu vermeiden.

Diese, meine Einstellung, wirkte sich natürlich nicht günstig auf unser Zusammenleben aus. Obwohl ich es nicht aussprach, glaube ich, dass Ina mein Problem erkannt hatte, denn sie animierte mich nun häufiger zum Reden oder wenigstens zum Zuhören, wenn sie redete. Ich merkte, wie sehr sie mich liebte und das sie mir helfen wollte, dass ich lernte meine Gefühle nicht nur zu akzeptieren, sondern auch auszuleben. Das tat sie nicht nur mit Worten, sondern sie überraschte mich auch mit Taten. Ich hätte nie geglaubt, dass sie so weit gehen würde, mir erotische Zeitschriften und Bücher zu kaufen, um mir auf diese Weise die Welt der körperlichen Liebe und Gefühle nahe bringen zu können. Inzwischen ahnte sie wohl welche Probleme ich hatte, da sie in den letzten Gesprächen auch öfter ihre Defizite beim Namen nannte. Sie wusste, dass ich mich beim Lesen immer in meine kleine, von Beobachtern freien Welt, zurückzuziehen vermochte. Und so hoffte sie eben, dass die erotischen Anregungen aus den Büchern auch letztendlich ihr zu Gute kommen könnten. Doch mir fiel es weiterhin schwer, mich ihr hemmungslos zu nähern und das umzusetzen, was mich beim Lesen doch angeregte. Meine Frau körperlich zu lieben, entsprach meinerseits eher einem Pflichtgefühl als einem wirklich inneren Bedürfnis folgend.

Ich war also viel zu viel mit mir selbst beschäftigt, um zu erkennen, dass Ina inzwischen unter großen Minderwertigkeitsgefühlen litt. Aus ihrer Sicht war meine Zurückhaltung ihr gegenüber nicht Unsicherheit, sondern Abneigung. Aus meiner Sicht hingegen, würde ich mein Verhalten zwar nicht unbedingt als Abneigung bezeichnen, sondern eher als Desinteresse an der Realität. In den Büchern werden immer ideale Frauen beschrieben. Alles an ihnen stimmt einfach und macht es einem leicht, sie in der Phantasie zu lieben. Sie haben keine Makel und jede Handlung ist vollkommen. So ist aber das wahre Leben eben nicht. Mir ist schon klar, dass die wenigsten Frauen den Idealvorstellungen der Männer nahe kommen. Trotzdem leben sie so in unserer Phantasie. Wenn Ina mir unumwunden aufzählte, was sie an sich selbst nicht attraktiv fand, dann musste ich zugeben, dass das alles auch wirklich der Wahrheit entsprach oder ihr sehr nahe kam. Ich hatte natürlich nicht den Mut, ihr zu sagen, wie sehr sie Recht hatte, weil es eigentlich auch wiederum nicht stimmte, denn man sieht eben seine eigene Frau mit anderen Augen an als seine Geliebte. Schön wäre es ja, wenn beide Frauengestalten zusammen gehören könnten. Aber das ist nun mal nur selten der Fall. Als wir geheiratet hatten, war sie schlank, und ich fand sie auch sehr anziehend. Sollte ich ihr jetzt sagen: „Du bist mir zu dick und zu alt. Deine Brust ist nicht mehr straff und der Po nicht mehr knackig. Was sollte ich an Dir erregend finden?“ Das kann ich ihr natürlich nicht sagen. Auch an mir ist ja das Alter nicht spurlos vorüber gegangen. Doch mich stört das nicht. Eigentlich finde ich mich noch ganz passabel. Bei dieser Einschätzung kommt mir natürlich auch wieder meine Wesensart zu Gute: Ich bin von mir überzeugt und das Urteil anderer interessiert mich nicht. Vielleicht hätte ich Ina in einem dieser Momente, in denen sie sich so wenig anziehend fand einfach nur mal in den Arm nehmen und sie fest an mich drücken und ihr wenigstens sagen sollen, dass ich mich bei ihr wohl fühle. Ich hatte es mir so einfach gemacht. Die Suche, um zueinander zu finden, habe ich nur ihr überlassen. Und war mal wieder mit dem Leben, so wie wir es führten, zufrieden. Alles war vorhersehbar und es gab kaum Spontanitäten. Ab und zu liebten wir uns, und wenn ich mehr brauchte, kümmerte ich mich alleine um mich, denn reichlich Anregungen hatte ich ja aus den Büchern der einschlägigen Genres.

Zu meiner Verwunderung stellte ich fest, dass mich S/M-Erzählungen am meisten erregten. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich mir manchmal wünsche, anders als so zurückhaltend zu sein. Auch, wenn ich mir niemals vorstellen könnte, mich dominant oder auch unterwürfig in solch eine Rolle zu begeben, finde ich es doch sehr reizvoll so etwas zu lesen und mich in diese Situationen hineinzudenken und sogar hineinzufühlen.

Mein Interesse an S/M-Literatur hat auch Ina etwas schockiert. Diese Phantasien hätte sie mir wohl nie zugetraut. Trotzdem ließ sie mir diesen Spielraum der gedanklichen Entfaltung. Und es tat mir gut. Ich fand es ja auch trotzdem schön „in seichteren Gewässern zu schwimmen“. Nur erregen konnten sie mich nicht.

Viele von diesen, meinen Gedanken kannte Ina natürlich nicht. Wie sollte sie auch. Ich sprach ja nach wie vor nicht darüber. Sie musste aber fühlen, dass wir in unserer Beziehung immer noch weit voneinander entfernt waren. An vielen Kleinigkeiten merkte ich, dass sie immer wieder nach den Ursachen dafür suchte. Da es ihr nicht so schwer fiel wie mir über Probleme zu reden, sprach sie eines Tages den Gedanken aus, dass sie glaubt, dass ein Mann, der in seinem Leben nur eine Frau kennen gelernt hat, immer denken muss, etwas verpasst zu haben. Dieser Gedanke ist natürlich naheliegend. Für mich traf er aber nicht zu, denn ich bin ja verheiratet und da orientiert man sich nicht mehr nach außen. So sind jedenfalls meine Moralvorstellungen. Dass ich mich in meinen Büchern davonstehle, braucht ja niemand zu wissen. Heimlich hätte ich natürlich schon einmal gerne die eine oder andere junge Frau in meinen Armen gespürt, aber ich würde so etwas nie forcieren. Mich in dieser Richtung zu engagieren und dann abzublitzen, wäre mir viel zu peinlich. Aber zugeben würde ich diesen Wunsch natürlich niemals.

Ein ruhiges, geordnetes Leben ist mir mehr Wert, als kurze, aufregende Stunden und danach nichts als Probleme.

Zumal es meinem Ego auch gut tat zu wissen, dass Ina mich liebte, so wie ich war. Trotz unseres Problems gab es ja auch angenehme und lustige Zeiten zwischen uns. Meistens dann, wenn sie, um mich zu becircen, mal wieder etwas Besonderes vorbereitet hatte, was dann doch schief ging. Wie zum Beispiel die Kerzen, die sie im Bad anzündete, um eine romantische Stimmung zu schaffen, und die dann immer wieder ausgingen. Oder, als sie zu viele Seifenseerosen ins Badewasser setze und wir nach wenigen Minuten von einer klebrigen roten Masse umgeben waren. Ich wusste, dass sie all das aus Zuneigung zu mir tat, und trotzdem sah ich dann die Fettpölsterchen, die aus ihrer Reizwäsche lugten und konnte ihr wieder einmal keine erotischen Gefühle entgegenbringen. Eigenartiger Weise habe ich aber immer gerne mit ihr zusammen gebadet. Ich weiß bis heute nicht warum. Vielleicht wünschte ich mir doch manchmal ihre Nähe, damit sie mich zärtlich berühren konnte. Das tat mir gut und ich glaube, ihr auch. Einmal sagte sie in solch einer Situation zu mir, dass sie es sich wünschte, dass ich mal eine junge hübsche Frau im Arm halten kann. Das ich mal spüre, wie es ist, wenn ich eine Frau errege und fühlen kann, wie sich ihre Brustwarzen versteifen. Sie selbst schien sehr darunter zu leiden, diese Erotik einer Frau nicht zu besitzen. Doch wenn es einmal dazu käme, dann sollte ich es ihr vorher sagen, und sie würde mich bitten, es zu keinem Geschlechtsverkehr kommen zu lassen. Diesen Vertrauensbeweis sollte ich ihr dann wenigstens entgegenbringen. Sie möchte nicht betrogen werden, sondern mir nur einmal die Gelegenheit geben, die Nähe einer jungen Frau zu spüren. Ich weiß, dass ihr diese Worte nicht leicht gefallen sind. Doch ihr schien viel daran zu liegen, dass ich meine Sehnsüchte einmal ausleben kann. Sie musste mich sehr lieben, denn ich glaube nicht, dass es viele Frauen gibt, die ihren Männern diesen Freiraum geben. Schon die Vorstellung von der Berührung eines jungen Körpers erregte mich, aber ich sagte ihr, dass mir das nichts bedeutet und ich auch keine andere Frau brauche. In ihrem Gesicht konnte ich aber lesen, dass sie mir das nicht glaubte. Warum konnte ich in diesem Punkt nie ehrlich sein? Lag es an mir? Lag es an ihr?

Selbst die Benutzung kleiner Sexhilfsmittelchen, die wir uns so ab und zu einmal aus den einschlägigen Katalogen bestellten, brachten mich nur auf Touren, wenn Ina sie an mir ausprobierte, oder wenn ich mir all diese Sachen alleine, in Ruhe, im Katalog ansehen konnte. Dann spürte ich meine Erregung, hatte aber kein Verlangen nach Ina. Irgendwie war es mir wahrscheinlich einfach zu peinlich.

Was uns aber beiden Spaß machte, war das Ansehen von Modells in erotischen Zeitschriften. Ina kam mal auf die Idee, dass jeder für sich die hübschesten oder erotischsten Modells raussuchen sollte. Dann verglichen wir, welche Aufnahmen uns am meisten ansprachen. Häufig hatten wir da auch Übereinstimmungen. Was ich als tolles Zeichen wertete, denn, trotz ihrer Minderwertigkeitskomplexe verhielt sich Ina da völlig unkompliziert. Manchmal glaube ich heute, dass wir uns in diesen Situationen wohl näher waren, als die meisten anderen Ehepaare in unserem Alter.

Trotzdem konnte ich mich nicht selbst betrügen. Wie gerne würde ich wirklich einmal eine junge Frau berühren und das erleben, was andere Männer in ihrer Jugend erfahren hatten. Wenn ich ehrlich zu mir selbst war, dann musste ich sagen, dass ich es bis zu diesem Moment noch nicht tat, lag doch nicht nur an meinen Skrupeln, sondern auch daran, dass ich dazu einfach nie Gelegenheit hatte. Aber ich glaube, dass meine Bedenken, was danach kommen würde, mich am meisten vor einer Initiative in dieser Richtung abhielten. Es gäbe nur Ärger, und das ist es nicht wert. So jedenfalls war meine Einstellung.

Bis zu jenem Tag …

Wir waren wieder einmal im Urlaub an der Ostsee. Es war wunderbares Wetter und wir hatten einen Strandtag am FKK-Strand eingelegt. Gegen Mittag hatte ich mein Buch ausgelesen und ging zum Wohnwagen zurück, um mir ein neues zu holen. Als ich wieder zurückkam, saß Ina, zusammen mit einer mir unbekannten jungen Frau, außerhalb unseres Windschutzes. Den Rücken der Frau bedeckten dunkelbraune wellige Haare. Ich sagte kurz: „Guten Tag“ und setzte mich unter das Dach des Windschutzes, in den Schatten. Den Gesprächsfetzen nach, die ich aufschnappte, konnte ich entnehmen, dass die junge Frau keine Bekannte von Ina war und dass sie hier alleine Urlaub machte. Sie sprachen über das Wetter, die schöne Gegend und was man hier alles so zum Zeitvertreib machen konnte. Nachdem das Stichwort „Lesen“ gefallen war, drehte sich Ina zu mir um und sagte: „Robert guck mal, was Frau Sänger liest!“ Ich hob den Kopf, froh, ohne neugierig zu wirken, in die Richtung der unbekannten Frau gucken zu können. Natürlich zwang ich mich, meinen Blick nur auf das mir entgegengestreckte Buch zu konzentrieren. Und was ich sah, verwunderte mich wirklich. Da wir uns gerade im 100. Sterbejahr und dem 170. Geburtsjahr meines Lieblingsschriftstellers Karl May befanden, waren erstmals einige antiquarische Bücher über ihn veröffentlicht worden, von denen ich glaubte, dass es sie nicht mehr im Handel gäbe. Eines davon hielt Frau Sänger in der Hand. Das regte natürlich gleich mein echtes Interesse. Doch als Frau Sänger dann aufstand und auf mich zukam, um mir das Buch zu reichen, merkte ich, dass mein Interesse sich sofort spaltete. Ich war froh, zu sitzen, um meine Männlichkeit zwischen den Beinen einklemmen zu können. Schnell blätterte ich in dem Buch, ohne mich richtig konzentrieren zu können. In einer anderen Situation wäre ich fasziniert gewesen, dieses Buch in den Händen halten zu können. Jetzt teilte sich diese Faszination zwischen dem Buch und der Frau auf. Unbefangen saß sie mir gegenüber und fing an, zu plaudern. Dabei neigte sie etwas ihren Kopf zur Seite, so dass ihre langen Haare teilweise über ihre Brust fielen. Diese Unbefangenheit gefiel mir, beunruhigte mich aber auch irgendwie. Das Buch war wirklich eine tolle Sache. Ina war inzwischen auch zu uns gerutscht. Dezent hielt sie sich ein Badehandtuch vor ihren Körper. Das war wieder ein stilles Zeichen dafür, dass ihr eigener Vergleich mit der jungen Frau, sehr zu ihren Ungunsten ausfiel. Frau Sänger erzählte, wie sie an das Buch gekommen ist und was sie daran bemerkenswert fand. Ihren Kenntnissen nach konnte ich entnehmen, dass sie sich wohl schon lange mit Karl May beschäftigt haben musste. Ich muss zugeben, dass mich ihre Schilderungen auch wirklich interessierten. Dadurch wurde ich etwas gelöster. Während wir uns unterhielten, versuchte ich doch so hin und wieder einen direkten Blick in ihre Richtung zu schicken. Natürlich ging ich dabei sehr dezent vor, damit Ina nichts merkte. Da Ina aber an dem Gespräch offensichtlich nicht teilhaben wollte, schaufelte sie Sand von einer Hand in die andere und hörte uns eigentlich nur zu. Nur manchmal sah sie zu uns hin. Ich brauchte also nicht allzu sehr zu befürchten, dass sie mein Interesse an der jungen Frau bemerkte.

Frau Sänger musste ungefähr Mitte bis Ende 30 sein. Sie hatte wirklich eine phantastische Figur. Das ahnte ich ja schon, als ich sie mir vage betrachtet hatte. Nun, da sie mir im Schneidersitz gegenüber saß, konnte ich nur erkennen, dass sie wunderschön braun gebrannt war. Unter den herabfallenden Haaren lugte versteckt ihre Brust hervor. Sie sah aus, wie von einem Maler gemalt: Weder zu groß noch zu klein und mitten in dem dunkelbraunen Warzenhof befanden sich kleine, neckisch hervorlugende Nippel. Meine Güte, welch ein Anblick! Auch ihre Augen waren braun und lächelten verschmitzt. Ich denke, sie war sich ihrer Wirkung auf mich durchaus bewusst. Als ich den Blick mal wieder in das Buch senkte, konnte ich mir, etwas schielend, ihren Venushügel genauer betrachten. Das Schamhaar war zu einem akkuraten Dreieck rasiert. Es forderte einen direkt zum genaueren Hinsehen auf. Da sie zwischen meinen gespreizten Beinen saß, musste ich zusehen, dass ich mich nun sogar mit einer Ecke meines Bademantels, möglichst unbemerkt bedecken konnte. Ich war verwundert, welches Interesse auch mein kleiner Partner an der Frau mir gegenüber zeigte.

Die Zeit verging zwischen den Gesprächen und dem kurzem Lesen einiger markanter Stellen im Buch und meinen immer wieder unruhig wandernden Blicken so schnell, dass ich gar nicht merkte, wie es langsam kühler am Strand wurde. Viele Leute waren schon aufgebrochen. Auch wir sollten bald los, da ich Ina ja heute Abend noch zum Bahnhof fahren wollte. Sie musste dienstlich für 2 Tage nach Hause zurück. Als wir drei uns dann verabschiedeten, erwähnte Frau Sänger, dass sie noch mehrere dieser antiquarischen Bücher hatte, sie aber nicht mit zum Strand nahm. Da wendete sich Ina sofort mit der Idee an mich: „Wenn Frau Sänger nichts dagegen hat, dann wäre es doch günstig, wenn Du die Zeit, in der ich nicht da bin, nutzen könntest, um dir diese Bücher anzusehen“. Frau Sänger fand diese Idee auch gut und lud mich gleich für den Abend zu sich ein. Ich nickte nur. So richtig recht war mir die Vorstellung, mit dieser Frau alleine zu sein, nicht. Frau Sänger sagte mir noch wo sie wohnte. Dann verabschiedeten wir uns und gingen beide, recht schweigsam, zum Campingplatz zurück. Es hing wohl jeder seinen Gedanken nach. Sogar unsere Verabschiedung am Bahnhof war sehr wortkarg. Dafür sahen wir uns aber lange an. Wir vereinbarten noch, dass mich Ina bei ihrer Ankunft zu Hause nicht mehr anrufen sollte, da ich ja die Einladung von Frau Sänger hatte. Als ich sie zum Abschied küsste, fielen mir ihre traurigen Augen auf. Damals dachte ich, dass es daran lag, dass sie zurück musste und ich hier bleiben konnte. Irgendwie stimmte das sicher auch. Doch heute weiß ich, dass sie damals schon die Wende in unserem Leben spürte.

Auf der Rückfahrt hielt ich noch an einem kleinen Restaurant an, um Abendbrot zu essen. Als ich auf mein Essen wartete, dachte ich noch einmal über den Nachmittag nach und darüber, was ich heute Abend tun sollte. Diese unbekannte Erregung in mir mahnte mich zur Vorsicht. Alle meine Prämissen und moralischen Vorsätze rief ich mir ins Gedächtnis. Trotzdem musste ich mir eingestehen, dass mich diese Frau sehr ansprach. Da ich keine Erfahrungen mit solchen Situationen hatte, beschloss ich, auf die ausgesprochene Einladung zu verzichten. Ich hatte Angst vor mir selbst und auch davor, Ina weh zu tun. Sie war meine Frau und ich liebte sie. Auch wenn ich ihr keine innigen Gefühle entgegen bringen konnte, wünschte ich mir doch keine andere Partnerin in meinem Leben. Es gab sicher noch einmal eine andere Gelegenheit, um mir diese Bücher anzusehen. Standhaft rang ich mich zu der Entscheidung durch, die Verabredung nicht wahrzunehmen.

Mein Essen kam und schmeckte ausgezeichnet. Ich zahlte, ging zum Auto und fuhr zurück. Ich denke heute, dass es an meinem satten Bauch gelegen hatte, dass ich gelassener wurde. Während der Fahrt ordneten sich meine Gedanken und wurden sachlicher. Warum sollte ich darauf verzichten, mir die Bücher anzusehen, bloß weil die Frau, der die Bücher gehören, hübsch ist? Das ist doch albern. Ich will nichts von ihr. Nur ihre Bücher interessieren mich. Wir können einen schönen Abend haben, und dann gehe ich wieder. Wahrscheinlich werde ich heute Abend im Bett darüber lachen, was ich mir für unnütze Gedanken gemacht habe. Mit dieser Entscheidung war ich nun endgültig zufrieden.

Am Campingplatz angekommen stellte ich das Auto ab und machte mich auf den nicht sehr weiten Weg zu Frau Sänger. Sie wohnte in der oberen Etage eines Hauses mit Ferienwohnungen. Die Tür unten stand offen, so dass ich gleich mit dem Aufzug in den obersten Stock fahren konnte. Dort befand sich auch nur eine Wohnung. Ich klingelte, und es dauerte nur einen kurzen Augenblick, bis die Tür geöffnet wurde. Vor mir stand lächelnd Frau Sänger. Sie war barfuß und trug kurze dunkelgrüne Seidenshorts und dazu das passende Top. Gleich begann mein Herz zu klopfen. Sie ließ mich eintreten, gab mir die Hand und sagte: „Ich heiße Sandra.“ Ich erwiderte nur kurz: „Robert“. Aus Verlegenheit sah ich mich um. Es war ein großes, lichtdurchflutetes Zimmer. Da die Sonne schon recht tief stand, empfand ich das gedämpfte Licht als sehr angenehm. In einer Nische war eine kleine Einbauküche, und hinter der Tür vermutete ich das Bad. Am meisten jedoch beeindruckte mich das große Fenster. Es ging über Eck. Man hatte damit einen freien Blick vom Osten bis zum Süden. In Richtung Osten sah man über die Wipfel der Kiefern zur Ostsee. Dort müsste man auch wunderbar den Sonnenaufgang beobachten können. In Richtung Westen blickte man über eine weite Wiese in einen Berghang hinein. Alles machte einen ruhigen Eindruck, keine Häuser, keine Straße mit Autolärm und keine sichtbaren Nachbarn. Als ich, vor dem Fenster stehend, diesen Eindruck in mir aufnahm, stellte sich Sandra neben mich. Sie sprach kein Wort. Wahrscheinlich wusste sie, wie diese Aussicht auf mich wirken musste. Nach einer Weile verschwand sie. Als sie ins Zimmer zurückkam, drehte ich mich um und sah, dass sie einen Stapel Bücher auf den gläsernen Couchtisch legte. Sie deutete mit der Hand zur Couch und forderte mich damit zum Setzen auf. Die Couch war nicht sehr lang, eigentlich nur für zwei Personen, aber sehr voluminös. An der Rückenlehne waren zwei Kissen angelehnt. Neben der Couch stand eine Vase mit Pfauenfedern. Sollten Pfauenfedern nicht Tränen bedeuten? Ach Quatsch! Außer der Couch befand sich keine weitere Sitzgelegenheit im Raum. Abgesehen vielleicht von einem kleinen Hocker, der versteckt in einer Ecke des Zimmers stand. An den Wänden standen noch 2 Schränke und ein Regal. Im Regal befanden sich CDs, Bücher, ein Radio mit CD-Spieler und ein Fernsehgerät. Der eine Schrank war wahrscheinlich für Kleidung vorgesehen und der andere hatte Glastüren, hinter denen man Geschirr sah.

Mir blieb also gar nichts weiter übrig, als mich auf das Sofa zu setzen. Der Bücherstapel war vielversprechend. Gleich auf den Buchrücken konnte ich erkennen, dass es sich um Bücher handelte, die es nicht so ohne weiteres im Handel gab. Mit zitternder Hand griff ich nach dem erstbesten und schlug es auf. Auch mein Herz klopfte wie wild. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass das nur an den Büchern lag. Sandra lief noch im Zimmer hin und her und räumte wohl auf. Als ich den Blick hob, stand sie, mit dem Rücken zu mir gewendet, vor dem Schrank und reckte sich, um aus dem oberen Fach ein Handtuch zu holen. Ich riskierte einen Blick, der eher einer Musterung glich. Beim Strecken rutschte ihr Höschen so weit hoch, dass der Ansatz ihres Pos zu sehen war. Ich vermutete auch, dass sie darunter nichts weiter trug. Das nach oben verschobene Top zeigte etwa 10 cm ihres braunen Rückens. Komisch, ich habe sie doch schon nackt gesehen. Warum erregt mich dann diese kleine Entblößung? Ich wollte darüber aber nicht nachdenken. Zumal Sandra auch gleich in die Kochnische ging und ich sie deshalb nicht mehr sehen konnte. So vertiefte ich mich also wieder, ohne Ablenkung, in die Bücher. Sie waren wirklich ein Schatz. Ab und zu schweiften zwar meine Gedanken ab, aber ich holte sie immer wieder zu Karl May zurück. Zuerst las ich etwas über die neuen Erkenntnisse zu den Karl May Forschungen. Dann griff ich nach einem Buch, das mich doch noch mehr als die anderen interessierte. „Utopisches Grenzland“ hieß es. Es sollte dem Leser Zugang zu Karl Mays Phantasiewelt eröffnen. Das ist ein Thema, das mich schon immer fasziniert hatte.

In der Phantasie zu leben bedeutet, alles Angenehme erleben zu dürfen, ohne daraus Konsequenzen ziehen zu müssen. Man kann alles tun, ohne dass ein anderer davon weiß. Das kommt meiner Art zu leben, sehr nahe. Da ich, wie sie ja schon wissen, sehr introvertiert lebe, fällt es mir schwer, dass, was ich eigentlich