Die Wohlanständigen - Urs Schaub - E-Book

Die Wohlanständigen E-Book

Urs Schaub

0,0

Beschreibung

Schreckliche Zeiten für Kommissar Michel: Kalter Vorfrühling mit Biswind, am Ufer des kleinen Sees dümpelt eine männliche Leiche mit einem Messer im Rücken, sein Freund und Helfer Simon Tanner macht Urlaub im warmen Marokko. Im Büro treibt ein neuer Polizeichef sein Unwesen und hat ihm eine junge Assistentin aufgebrummt. Immerhin, sie stellt sich als mehr als umgänglich heraus, ist mehr als fit im Kopf, und ihr Appetit hält dem von Michel stand. Der Tote arbeitete als Treuhänder in einer der angesehensten Kanzleien der Hauptstadt. Aber dort soll er schon vor fünf Jahren entlassen worden sein, stellt sich heraus. Mit der eigenen Familie lag er offenbar im Streit. Und schon bald hat der neue Polizeichef einen Täter gefunden, einen vorbestraften Albaner, dessen DNA auf dem Messer gefunden wurde. Zum Glück kommt endlich Tanner zurück. Die beiden Freunde finden schon bald seltsame Unstimmigkeiten: Was hat die noble Kanzlei an bester Adresse mit dem albanischen Clan in der anonymen Agglo zu tun? Und was mit den cyberkriminellen Wirtschaftsaktivitäten, die offensichtlich im Gang sind? Das verblüffende digitale Handwerk der neuen Assistentin kommt da wie gerufen.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 481

Veröffentlichungsjahr: 2019

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Über dieses Buch

Schreckliche Zeiten für Kommissar Michel: Kalter Vorfrühling mit Biswind, am Ufer des kleinen Sees dümpelt eine männliche Leiche mit einem Messer im Rücken, sein Freund und Helfer Simon Tanner macht Urlaub im warmen Marokko. Im Büro treibt ein neuer Polizeichef sein Unwesen und hat ihm eine junge ­Assistentin aufgebrummt. Immerhin, sie stellt sich als mehr als umgänglich heraus, ist mehr als fit im Kopf, und ihr Appetit hält dem von Michel stand.

Im Nu hat der neue Polizeichef einen Täter gefunden, einen vorbestraften Albaner, dessen DNA auf dem Messer gefunden wurde. Zum Glück kommt endlich Tanner zurück. Die beiden Freunde finden schon bald seltsame Unstimmigkeiten: Was hat die noble Kanzlei an bester Adresse mit dem albanischen Clan in der anonymen Agglo zu tun? Und was mit den cyberkriminellen Wirtschaftsaktivitäten, die offensichtlich im Gang sind? Das verblüffende digitale Handwerk der neuen Assistentin kommt da wie gerufen.

«Jetzt können sich die skandinavischen ­Krimiautoren warm anziehen, denn jetzt zeigt mal wieder ein ­Schweizer, wie man Spannung und Stimmung macht!» Schweizer Illustrierte

Die Tanner-Kriminalromane

«Tanner»

«Das Gesetz des Wassers»,

«Wintertauber Tod»

«Der Salamander»

«Die Schneckeninsel»

Foto Yvonne Böhler

Urs Schaub, geboren 1951, arbeitete lange als Schauspiel­regisseur und war Schauspieldirektor in Darmstadt und Bern. Als Dozent arbeitete er an Theaterhochschulen in Zürich, ­Berlin und Salzburg. 2003–2008 leitete er das Theater- und Musikhaus Kaserne in Basel, 2006–2010 war er Kritiker im «Literaturclub» des Schweizer Fernsehens. Urs Schaub lebt in Basel, macht ­Leseförderung und betreibt eine Schreib- und Buchwerkstatt für Kinder. Im Limmat Verlag ist nebst den Krimis «Das Lachen meines Vaters» lieferbar.

Urs Schaub

Die Wohlan­ständigen

Ein Tanner-Kriminalroman

Limmat Verlag

Zürich

eins

Die Leiche lag im seichten Wasser. Der nächtliche Sturm hatte sie offenbar angeschwemmt. Wäre sie im Schilf gestrandet, das rechts und links vom kleinen Sandstrand dicht an dicht stand, wäre sie vielleicht nicht so bald entdeckt worden. Die Turnschuhe mit dem deutlichen Markenzeichen zeigten gegen den Strand. Der Kopf war im Sand und Schlamm halb begraben. Die Augen waren weit geöffnet, wirkten groß und erstaunt, als ob sie immer noch nicht begreifen konnten, warum sie im Wasser lagen. Kleine, dunkle Fische umkreisten eilig seinen Kopf. Dann und wann streiften sie sein Gesicht, als ob sie an seinen Wangen schnupperten. Die Be­we­gungen der Fische folgten offenbar einem Muster, das Michel aber nicht durchschaute. Obwohl ihre Bewegungen und Berührungen etwas Zärtliches hatten, schauderte es ihn ein wenig. Hatte er heute Nacht nicht einen Traum gehabt, wo die Fische sogar durch sein Gesicht hindurchgeschwommen waren? Er war schweißgebadet aufgewacht und hatte die Fenster aufgerissen. In der Nacht hatte es furchtbar gestürmt. Gewohnheitsmäßig hatte er das Radio angeschaltet. Die Nachrichten hatte er verpasst, dafür wurde gerade mit monotoner Stimme der Wetterbericht heruntergeleiert.

Das Tief, das in der vergangenen Nacht den Sturm brachte, liegt derzeit über der nördlichen Ostsee und verlagert sich im Laufe der Nacht auf Montag weiter ins Baltikum. Dabei schwächt es sich ab. Auf seiner Rückseite gerät Mitteleuropa unter den Einfluss polarer Kaltluft, die über Skandinavien nach Süden geführt wird. Über Westeuropa und dem Nordatlantik liegt eine Hochdruckzone, an deren Ostseite dieser Vorstoß begünstigt wird.

Aha. Bisenlage!

Michel seufzte.

Mit anderen Worten: Es würde also weiterhin frostige Nächte und kühlwindige Vorfrühlingstage geben. Aber immerhin – der Frühling war in Sicht.

Dann klingelte das Telefon, das ihn zum See rief.

Michel blickte stirnrunzelnd zur anderen Seeseite, woher der kühle Wind kam und die Wasseroberfläche zum Zittern brachte und schließlich so aufkräuselte, als ob das Wasser von einer Gänse­­haut überzogen wäre. Michels Haut reagierte auch. Er fröstelte, und seufzend knöpfte er sich den Kragen seines Regenmantels zu. Er hatte heute Morgen etwas zu voreilig den Winter- gegen den Regenmantel getauscht. Getäuscht durch die Sonne, die noch keine Kraft hatte, obwohl sie an der felsigen Kante am Gebirge nördlich des Sees den Schnee schon genau soweit abgeschmolzen hatte, dass bereits A A R A U deutlich zu lesen war. Ein zufälliges Zusammentreffen von Gesteinsformen und Schneeschmelze ließ jedes Jahr für einen Moment deutlich diese Buchstabenfolge erscheinen – früher ein traditionelles Zeichen, dass die Mütter den Buben im Städtchen erlaubten, ab sofort kurze Hosen tragen zu dürfen – und den Mädchen Kniesocken.

Durch den kühlen Wind hielt sich wenigstens der Schweiß in Grenzen, der gewöhnlich von seiner Stirn floss. Dennoch zog er gewohnheitsmäßig eines seiner windelgroßen Stofftücher aus der Manteltasche und wischte sich über Kopf und Stirn.

Er ging einige Schritte durch den Sand, weg vom Wasser, und blickte um sich.

Die Leiche lag am Sandstrand einer kleinen Badeanstalt, von dem nur wenige außerhalb des Dorfes wussten, deswegen war sie auch im Hochsommer keineswegs überlaufen. Er wusste das von Tanner, der in Sichtweite zum Strand wohnte und regelmäßig hier baden ging. Er hatte ihm schon öfter in den höchsten Tönen von diesem poetischen Ort vorgeschwärmt. Michel musste innerlich Abbitte leisten, denn er hatte immer gedacht, sein Freund übertreibe. Es war tatsächlich ein ungewöhnlich schöner Ort, altmodisch und wie aus der Zeit gefallen.

Die dreiunddreißig Badekabinen, die fünfzig Meter vom Strand aufgereiht nebeneinanderstanden, waren durch ein langes, malerisch bemoostes Ziegeldach verbunden, unterbrochen nur durch einen Durchgang, durch den man auf die hintere Wiese blickte. Die grauen Kabinen hätten schon längst einen neuen Anstrich nötig, aber dass es sie in dieser Form überhaupt noch gab, grenzte an ein Wunder – vor allem, wenn man an all die Verschandelungen in der Gegend und an die unmäßige Bau- und Renovationswut der Zeit dachte.

Michel brummte vor sich hin.

Wenn Tanner wüsste!

Er blickte zu der rund dreihundert Jahre alten Villa, die franzö­sische Architektur und ländliches Wohlbehagen vereinte und mit ihrem mächtigen Dach majestätisch über dem See thronte. Tanner würde erst in einer Woche zurückkehren. Er beneidete seinen Freund, der seit zwei Wochen in Marokko weilte. Da war es sicher wärmer.

Er zog seinen Mantel enger.

Sein Freund war vor Jahren als Persona non grata ausgewiesen worden. Letzthin hatte sich der jetzige König überraschend eines Besseren besonnen und ihn nach Marokko eingeladen, als Wiedergutmachung sozusagen. Das Ganze wurde jetzt als großes Missverständnis dargestellt.

Stoffel, der sich Michel genähert hatte, stieß ihn leicht an die Schulter.

Äh, können wir die Leiche jetzt aus dem Wasser holen, Chef?

Er zeigte entschuldigend in Richtung des kleinen Hafens.

Der Gerichtsmediziner ist im Anmarsch, und die Spurensicherung ist auch da.

Ja, ja. Von mir aus. Wer kommt von der Gerichtsmedizin?

Dr. Kramer.

Gut. Das ist der Beste. Hast du das Gelände abgesperrt?

Ja, Chef. Alles erledigt.

Wo ist die Frau, die ihn entdeckt hat?

Stoffel zeigte in Richtung Badehäuschen.

Sie sitzt dort.

Michel nickte.

Wie heißt sie?

Meer.

Wie bitte?

Michel blickte Stoffel verständnislos an.

Ja. Ich kann nichts dafür. Sie heißt Meer, wie das Meer.

Spricht sie Deutsch?

Stoffel nickte.

Michel wischte sich noch einmal über den Kopf und ging in Richtung der Frau. Er schätzte sie aus der Distanz auf knapp fünfzig. Sie war schlank, wirkte gleichzeitig bodenständig und attraktiv. Sie trug bequeme Kleidung, die in ihrem Understatement ziemlich teuer wirkte. Ihre Fingernägel waren in einem matten Rot lackiert.

Sie hatte ein Taschentuch vor dem Mund. Jetzt blickte sie hoch, schnäuzte sich die Nase und erhob sich.

Bleiben Sie ruhig sitzen. Mein Name ist Michel. Serge Michel. Ich bin von der Abteilung Leib und Leben, also ich meine, äh … also von der Polizei.

Immer noch rutschte ihm aus Versehen die alte Bezeichnung für seine Abteilung heraus. Die Neue mit dem Wort Mord wollte ihm einfach nicht über die Lippen. Er setzte sich neben die Frau auf die Treppe, die zu den Badehäuschen führte.

Wohnen Sie hier in der Nähe, Frau Meer?

Sie nickte und zeigte hinter sich in Richtung Kirche.

Ich wohne dort im Pfarrhaus, also im ehemaligen Pfarrhaus. Es gibt ja hier keinen Pfarrer mehr. Ich wohne seit etwa fünf Jahren hier. Ich gehe jeden Morgen am See spazieren. Zum Abschluss sitze ich immer hier am kleinen Strand.

Sie schnäuzte sich noch einmal.

Entschuldigen Sie. Ich bin ganz durcheinander. Ich liebe diesen Ort und jetzt –

Sie zeigte hilflos in Richtung der Leiche. Ihre Augen irrten unstet umher.

Ja, das ist furchtbar. Schauen Sie nicht hin.

Seine Leute hoben die Leiche gerade aus dem Wasser.

Wann haben Sie ihn denn entdeckt?

Sie richtete sich auf und versuchte, sich zusammenzunehmen.

Es war so gegen acht Uhr. Ich bin dann sofort nach Hause ge­rannt und habe die Polizei angerufen. Ich nehme auf meine Spaziergänge mein Telefon nie mit.

War sonst noch jemand am Strand?

Sie überlegte einen Moment angestrengt und schob sich eine Locke aus dem Gesicht, die sich aber nicht bändigen ließ.

Nein. Nicht, dass ich wüsste. Ah, doch. Jemand ist mit dem Fahrrad durchgefahren, also hinter der Badeanstalt. Aber das hat sicher nichts zu bedeuten, oder?

Michel schüttelte den Kopf.

Ich denke nicht, nein.

Er erhob sich.

Hier ist meine Karte. Falls Ihnen noch etwas in den Sinn kommt.

Er verabschiedete sich von ihr. Sie erhob sich und ging zögernd ein paar Schritte. Dann wandte sie sich noch einmal um.

Ich glaube, ich habe den Mann schon einmal gesehen. Ich bin mir aber nicht sicher. Das heißt, ich kann mich im Moment nicht erinnern.

Sie blickte Michel hilflos an.

Wenn es Ihnen wieder in den Sinn kommt, rufen Sie mich bitte an, Frau Meer.

Sie nickte, wandte sich jetzt hastig um und ging eilig weg.

Michel begrüßte den Gerichtsmediziner, der mit Stoffels Hilfe den Körper zur Seite drehte.

Und, Kramer? Was ist der erste Eindruck?

Aus dem Mund des Leichnams ergoss sich ein Schwall trübes Wasser.

Na ja, nicht jeder, der im Wasser liegt, ist eine Wasserleiche.

Er deutete auf den Rücken.

Oh je.

Michel beugte sich über den Körper.

Der ging direkt ins Herz, wenn mich nicht alles täuscht.

Der Arzt nickte.

Wenn es lang genug war. Genau werde ich es erst im Institut sehen können.

Und wie lange liegt er schon im Wasser?

Der Arzt wiegte seinen schmalen Kopf. Der See spiegelte sich in seiner Goldrandbrille.

Ich schätze, nicht mehr als achtundvierzig Stunden, eher weniger.

Er zog das Messer heraus und wog es in der Hand.

Oh, so was hat nicht jeder zu Hause.

Michel nickte und wandte sich an einen Mann von der Spurensuche.

Nehmt ihr es mit und untersucht es auf Spuren, Herkunft und so.

Der Arzt gab Anweisungen, den Leichnam einzupacken.

Moment! Habt ihr die Taschen untersucht?

Der Arzt griff sich an den Kopf.

Oh, entschuldige Michel.

Michel nickte und kniete sich seufzend neben den Toten. Das ziemlich bunte Hemd mit kurzen Ärmeln hatte eine Brusttasche, die aber leer war. Es handelte sich um ein Hawaiihemd mit ziemlich wilden Farben und Motiven. Die Hose war eine weiße Jeans. Die Schuhe waren blau und von einer einschlägigen Marke, die vor allem junge Leute bevorzugen. In der Gesäßtasche steckte ein schmales Portemonnaie. Die anderen Taschen waren leer.

Michel erhob sich und durchsuchte das Portemonnaie. Es enthielt nur wenig Bargeld. Keine Kreditkarten und keinen Ausweis.

Er pfiff durch die Zähne.

Schaut euch das an.

Er hob ein Bündel Visitenkarten hoch.

Unser Mann heißt Beckmann, Dr. Karl Beckmann, wenn ich das richtig entziffere.

Er übergab das Portemonnaie der Spurensicherung.

Ich behalte eine der Visitenkarten.

Der Mann nickte und gab ihm eine kleine Plastiktüte.

Wenn es denn die seinen sind. Aber das wird sich ja bald herausstellen.

Gut, dann Abmarsch.

zwei

Es war Zeit für ein zweites Frühstück. Michel verabschiedete sich von seinen Leuten, ging übers Bahngleis und schaute zum Pfarrhaus hoch, aber er sah niemanden.

Meer? Wie kommt man zu so einem Namen?

Er schüttelte den Kopf, setzte sich in seinen Dienstwagen und fuhr die kurze Strecke zum Bahnhofsrestaurant.

Er war früher schon öfter mit Tanner hier gewesen und hatte es als äußerst gemütlichen Gasthof in Erinnerung. Vor allem im Sommer unter der Birnenpergola auf der Terrasse. Dazu war es jetzt allerdings noch zu kalt. Er trat in die Gaststube.

Am Stammtisch saßen zwei alte Männer, mit Gesichtern wie verschrumpelte Äpfelchen, und starrten mit seligem Lächeln auf ihren Kaffeefertig. Michel grüßte und setzte sich an einen der leeren Tische. In der Gaststube war es mucksmäuschenstill. Nur in der Kaffeemaschine zischte dann und wann irgendein Ventil. Nach einer gefühlten Ewigkeit hörte er außerhalb der Gaststube leichtfüssige Schritte, die im rhythmischen Galopp eine Treppe herun­terkamen. Kurz darauf war es wieder still, dann öffnete sich die Tür, und herein kam eine junge Frau mit kurzen blonden Haaren. Sie ging eilig hinter die Theke und band sich anmutig eine schwarze Schürze um ihre schlanke Taille. Genauso geschwind stand sie am Tisch und begrüßte Michel.

Wenn Sie mir Speck mit Rührei machen würden, würde ich ge­nauso selig lächeln wie die Herrschaften am Stammtisch. Und Kaffee natürlich.

Sie lachte ein helles Lachen und meinte, das könnte sie versuchen, wenn es denn so wenig zu seiner Glückseligkeit bräuchte.

So schnell, wie sie gekommen war, war sie auch schon wieder verschwunden.

Anhand ihres Ganges hätte Michel schwören können, dass sie Tänzerin war. Er lehnte sich zurück und dachte an den Toten im Wasser.

Weiße Jeans und Hawaiihemd: Das erinnerte mehr an Sommer und Urlaub als an dieses frostige Vorfrühlingsklima.

Er zog die Plastiktüte mit der Visitenkarte aus der Tasche, nahm eine Papierserviette und trocknete das durchweichte Stück Papier. Der Name war noch einigermaßen gut lesbar, die Adresse nur bruchstückhaft. Auf jeden Fall wohnte der Mann in der Hauptstadt, das war zu entziffern. Da sowohl eine Festnetz- und eine Mobilnummer draufstanden, musste der Mann ein Mobiltelefon gehabt haben. Lag das vielleicht auf dem Grund des Sees? Auch die Nummern waren nur noch teilweise lesbar. Wo war der Mann gewesen, als ihm jemand das Messer in den Rücken gestoßen hatte? Am Ufer? Auf einem Schiff?

Michel fuhr sich mit dem Tuch über seinen Kopf.

In diesem Moment ging die Tür auf, und die Tänzerin brachte einen Teller voller Speck und Rührei. Mit Schwung setzte sie den Teller auf den Tisch, holte mit demselben Schwung Besteck, eine Serviette und ein Körbchen mit Brot.

So! Jetzt wünsche ich Ihnen eine gute Reise in die Glückseligkeit. Ich hole noch den Kaffee. Portion oder Tasse?

Eine Portion, bitte.

Michel sog begierig den Duft des Bratspecks durch die Nase und brach ein Stück Brot, das noch warm war.

Ach, wie das duftet.

Die beiden Männer erwachten aus ihrer Starre und blickten lächelnd zu Michel. Er nickte ihnen zu und machte sich heißhungrig ans Essen.

Nach dem Essen ging Michel kurz raus und telefonierte mit seinem Büro. Er gab den Auftrag, die Adresse des Toten ausfindig zu machen und einen Taucher zu schicken, um den Seegrund ab­zusuchen. Dann ging er zurück in die Gaststube und trank seinen Kaffee fertig. Er hatte den Eindruck, dass während seiner kurzen Abwesenheit die beiden Alten mit der Frau über ihn ge­sprochen hatten. Er spürte es an ihren Blicken.

Sie kam dann auch sofort an seinen Tisch und räumte lächelnd Teller und Besteck weg.

Und? Wissen Sie schon, wer der Tote ist?

Er blickte sie an.

Hat das schon die Runde gemacht?

Sie lachte, und die beiden Alten spitzten die Ohren.

Ja, was haben Sie denn gedacht? So ist das hier. Es passiert ja sonst nichts. Man weiß auch, wer Sie sind.

So! Wer ist man?

Sie machte eine vage Bewegung in die Runde.

Ja, alle. Ich auch.

Dann ist ja gut. Und wer sind Sie? Außer, dass Sie Tänzerin sind?

Sie stutzte.

Woher wissen Sie das?

Serge lächelte vergnügt.

Na ja, Berufserfahrung. Stimmt es denn?

Sie errötete.

Ja, schon. Aber ich wusste nicht, dass man das sofort sieht.

Man vielleicht nicht …

Sie wischte ihre Hand an der Schürze trocken und streckte sie ihm hin.

Ich heiße Liliana Schwarz.

Freut mich sehr. Serge Michel. Aber das wissen Sie ja offenbar.

Sie nickte.

Hat hier der Besitzer gewechselt? Früher hat der Chef selber bedient.

Sie strich sich über die Haare.

Ja, ja. Wir sind hier eine komplett neue Mannschaft, seit gut einem Jahr etwa. Die alten Besitzer sind weggezogen.

Michel zog seine Brieftasche und legte eine Note auf den Tisch.

Sie stützte sich einen Moment lang auf den Tisch.

Ich arbeite hier, wenn ich gerade nicht in einem Projekt bin. Meine Mutter kocht.

Sie nahm die Note und huschte hinter die Theke.

Michel stand auf und zog seinen Mantel an.

Der Rest ist für Sie.

Zum Abschied hob sie die Hand und schenkte ihm ein ent­zückendes Lächeln.

Die beiden alten Männer waren mittlerweile eingeschlafen. Das selige Lächeln auf ihren Gesichtern war einem tiefernsten Ausdruck gewichen, der den beiden etwas Würdevolles verlieh.

drei

Michel beschloss, zu Fuß zurück zum Strandbad zu gehen. Nach dem exzellenten zweiten Frühstück fand er die Frische des Morgens sehr angenehm und fröstelte nicht mehr. Zufrieden schritt er aus.

In solchen Momenten erfüllte ihn sein Beruf mit einer tiefen Zufriedenheit. Er fühlte sich wie ein Schreiner, der die Aufgabe hatte, einen schönen großen Tisch zu zimmern – und das war das Entscheidende – der genau wusste, wie man das machte. Er kannte und liebte sein Handwerk. Oder wie ein Künstler, der vor einer leeren Leinwand stand, den Pinsel in der Hand und zum ersten Pinselstrich ansetzte.

Er musste schmunzeln.

Auf seinem Bild war bereits ein Toter im Hawaiihemd, im Wasser liegend. Und seine Aufgabe würde nun daraus bestehen, das ganze Bild bis in alle Details fertigzustellen. Innerlich rieb er sich die Hände. Er freute sich auf die Aufgabe. Zudem würde es – je nach Verlauf – bedeuten, viele Tage oder gar einige Wochen nicht nur im Büro sitzen zu müssen und Akten zu wälzen. Da sein Privatleben wieder einmal auf die wenigen Kontakte zu seiner Ver­mie­terin geschrumpft war, die ihn nach wie vor treu jeden Tag mit leckeren Broten versorgte und seine Wohnung reinigte, war ein frischer Toter, noch dazu mit einem Messer im Rücken, eine willkommene Aufgabe. Zudem trieb in den Büros ein neuer Polizeichef sein Unwesen. Erst jetzt kapierten alle, wie pflegeleicht der alte gewesen war, trotz seiner Schrullen. Der neue war einer mit einem von im Namen. Er kam aus einem dieser Uraltgeschlechter der Hauptstadt, dessen Urgroßtante die Alte mit dem Hörrohr gewesen sein soll, die einst mit ihrem Rudel russischer Windhunde durch die Altstadt zu stolzieren pflegte. Außerdem war er Angehöriger dieser furchtbaren Partei, die glaubte, alles besser zu wissen, und für deren Verhalten sich das ganze Land schämen musste. Er hatte nichts, aber gar nichts von den gepflegten Manieren und der seriösen humanistischen Bildung, auf die der Alte so stolz gewesen war. Der Neue hatte zwar studiert, war aber ein Flegel und benahm sich wie einer. Intern nannte man ihn Baron Rumpelstilzchen. Man lachte über ihn, aber die meisten hatten Angst vor ihm.

Michel rieb sich die Hände.

Ja, diese Woche hat gut angefangen. Tanner ist auch noch nicht da, also muss ich mir nicht auch noch seine Kommentare zum neuen Fall anhören.

Er überquerte das Bahngleis und sah, dass die Seepolizei gerade am langen Schiffslandungssteg anlegte.

Das läuft ja wie am Schnürchen, dachte er, beschleunigte seine Schritte und erreichte das Boot nach wenigen Augenblicken.

An Bord waren zwei Beamte der Seepolizei. Sie stellten sich als Schaller und Bodmer vor. Der dritte war Luisier, der Taucher. Er war gerade dabei, sich für den Tauchgang bereitzumachen.

Michel stieg ins Schiff und erklärte den Kollegen die Sachlage. Schaller, der die drei Seen hier schon seit Jahrzehnten befuhr, meinte, dass es nicht die Strömung im See gewesen sein konnte, die den Leichnam ans Ufer des Strandbads gespült hatte. Die Strömung des Sees hat mit dem Durchfluss der Flüsse zu tun und verläuft grundsätzlich in dieser Richtung.

Er zeigte mit dem ausgestreckten Arm den Strömungsverlauf.

Es muss der nächtliche starke Wind gewesen sein. Und deswegen kann man unmöglich sagen, wo der Tote in den See gelangt ist. Im Prinzip von Nordosten, denn der Sturm gestern blies aus nordöstlicher Richtung.

Er zuckte mit den Achseln.

Tut mir leid, aber mehr kann ich dazu nicht sagen. Wir werden systematisch den Grund absuchen und melden uns dann.

Michel verabschiedete sich und verließ das Boot. Jetzt blieb ihm nichts anderes übrig, als erst mal ins Büro zu fahren.

Kaum saß er an seinem Schreibtisch, kam der Polizeichef ins Büro gestürmt. Er klopfte wie üblich nicht an und fragte in seinem hochnäsig-näselnden Ton, ob es schon Erkenntnisse vom Toten aus dem See gäbe.

Michel gab sich außerordentlich beschäftigt.

Nein! Noch keine besonderen Erkenntnisse. Die Leiche wurde schließlich erst vor … – er schaute auf die Uhr – vor vier Stunden und siebenunddreißig Minuten entdeckt. Was erwarten Sie da?

Von der Werdt, so hieß der neue Polizeichef, ignorierte die Frage.

Was haben Sie denn die ganze Zeit gemacht?

Michel starrte ihn an.

Wie meinen Sie das?

Der neue Chef verschränkte seine Arme vor der Brust.

Ich habe Ihnen eine einfache Frage gestellt. Was haben Sie in den vier Stunden und siebenunddreißig Minuten gemacht? Ist die Frage so schwer zu verstehen?

Michel musste erst mal Luft holen.

Sie wollen wissen, was ich in den vier Stunden und siebenunddreißig Minuten gemacht habe?

Ja, wenn Sie die Güte hätten.

Michel verschränkte nun seinerseits seine Arme vor der Brust.

Können Sie sich wirklich nicht vorstellen, was ein leitender Kommissar in so einem Falle tut?

Auf der Stirn des neuen Polizeichefs bildete sich diese schon amtsbekannte kleine Zornfalte, ein Zeichen, bei dem die Untergebenen normalerweise sofort einlenkten. Michel dachte nicht im Traum daran, sondern hielt dem Blick stand.

Doch, ich kann es mir schon vorstellen, aber ich hätte es gerne von Ihnen gehört.

Jetzt gab Michel irgendein kleiner Teufel die Sporen.

Da Sie es sich vorstellen können, brauche ich Ihnen das professionelle Prozedere in so einem Fall ja nicht aufzuzählen. Sobald wir Erkenntnisse haben, werden Sie es als Erster erfahren. Reicht das?

Nein, das reicht nicht. Das hat bis jetzt vielleicht gereicht. Jetzt nicht mehr.

Aha. Und warum nicht?

Michel spürte, wie ihm der Schweiß ausbrach, und er verfluchte sich innerlich.

Weil ich glaube, dass ihre Methoden veraltet sind. Zu langsam, zu konventionell.

Ach, so ist das? Heißt das, ich gehöre zum alten Eisen?

Rumpelstilzchen lächelte, das heißt, sein Mund verzerrte sich ein wenig.

Nein, nein. Nicht, wenn Sie lernfähig sind.

Aha.

Michel richtete sich auf.

Und von wem soll ich lernen?

Auch diese Frage ignorierte der Polizeichef.

Wissen Sie schon, wie der Tote heißt?

Dr. Karl Beckmann.

Er lehnte sich an den Türrahmen und steckte die eine Hand lässig in eine Hosentasche.

Wissen Sie auch, wer Karl Beckmann ist?

Michel sah sich jetzt wohl oder übel gezwungen, zu einem Tuch zu greifen, um sich Kopf und Gesicht abzutrocknen.

Nein. Ich bin erst gerade ins Haus –

Von der Werdt unterbrach ihn.

Sehen Sie! Das meine ich: Sie sind langsam.

Er richtete sich auf und wippte auf den Füssen.

Karl Beckmann ist ein angesehener Finanzmann und arbeitet als Treuhänder. Ich habe Ihnen die Adresse rausgesucht. Hier ist der Zettel.

Michel stand auf und holte sich das Papier.

Sie meinen: Er war.

Ja, natürlich. Er war ein angesehener Finanzmann.

Von der Werdt hustete vor Ärger. Er hasste es, wenn ihm auch nur der kleinste Fehler passierte.

Es ist also höchste Diskretion angesagt, wenn Sie verstehen, was ich meine.

Nein, das verstehe ich nicht. Wie meinen Sie das?

Alle Erkenntnisse gehen über meinen Schreibtisch. Ich allein bestimme, was an die Presse geht.

Er drehte sich auf dem Absatz und verschwand.

Michel kochte vor Wut.

Dieser arrogante Schnösel. Der verhält sich genauso wie seine Partei in der Öffentlichkeit. Haben keinen Respekt vor gar nichts, verhalten sich wie durchgedrehte Elefanten im Porzellangeschäft. Tun alles, damit ihnen ihre frustrierte und bornierte Wählerschaft zujubelt. Keine andere Partei fordert so lautstark und beharrlich die härtere Bestrafung von Kriminellen. Sie beklagt sich über Kuscheljustiz und fordert Opferschutz statt Täterschutz. Als ob es das nicht gäbe. Und wenn es um Ausländer geht, ihre sofortige Abschiebung, auch in Krisenregionen. In großflächigen Zeitungsinseraten wirbt sie derzeit damit, die sogenannten Fakten zu präsentieren. Ein ganz besonderes Ärgernis sind ihre dümmlichen Plakate zur Ausländerproblematik. Vor lauter Abschiebung und Durchsetzung vergessen sie die kriminellen Inländer, und zwar die in ihren eigenen Reihen, die – wären sie Ausländer – vielfach des Landes verwiesen werden müssten. Die Skandalchronik dieser Partei war bereits endlos: Unterschlagung, Drohung, Betrug. Die Liste der in Strafverfahren verwickelten Parteikollegen des Polizeichefs wurde über die Jahre länger und länger.

Michels Wut steigerte sich unaufhaltsam.

Und dann dieser weißhaarige Vaterlandsfanatiker, der aus jeder Rede geifernde Nationalfeier-Wutausbrüche machte und behauptete, er sei der Einzige, der den Leuten reinen Wein einschenkte. Ganz zu schweigen – und bei dem kam ihm nun wirklich die Galle hoch – von dem schmallippigen Totenköpfchen mit den starr blickenden Augen, der gegen die Ausländer hetzte und mit einer Asiatin verheiratet war.

Und jetzt saß vor seiner Nase ein Chef, der sich stolz brüstete, Teil dieser Bande zu sein. Der will uns hier rumkommandieren, dabei geraten die selber andauernd mit dem Gesetz in Konflikt. Ehemalige und amtierende Politiker, und zwar auf jedem politischen Niveau. Und jetzt müssen ausgerechnet wir hier so einen Querkopf vor der Nase haben, der keine Ahnung von der Polizeiarbeit hat.

Kurz darauf tauchte der Kopf Sommers im Türrahmen auf.

Ist die Luft rein?

Michel nickte.

Sommer war so was wie der Bürochef der Abteilung und zu­ständig für alles. In den ersten Jahren seiner Anstellung war er fürchterlich begriffsstutzig gewesen, das hatte sich in den Jahren allmählich etwas gebessert. Er war alleinstehend, und sein Beruf war sein Ein und Alles.

Hier ist alles zusammengestellt, was man über Beckmann weiß.

Er reichte Michel ein dünnes Mäppchen.

Darin sind auch die Telefonnummern und die Adresse.

Danke, Sommer.

Er blieb stehen.

Ist noch was?

Äh, wir kriegen einen neuen Assistenten, äh … also, ich meine, eine Assistentin.

Michel schnaubte ärgerlich.

Ich brauche keine Assistentin. Was soll das? Ich habe keine beantragt.

Sommer sprach nun ganz leise und lispelte vor Aufregung.

Ja, Rumpelstilzchen hat sie extra für Sie engagiert. Hat er das nicht gesagt?

Michel schüttelte seinen Kopf.

Nichts hat er mir gesagt. Also, ich habe jetzt keine Zeit für solche Fisimatenten. Ich habe einen neuen Fall.

Sommer trat verlegen von einem Fuß auf den andern.

Sie ist aber schon hier.

Er deutete auf den Nebenraum.

Und ER will, dass sie bei dem Fall mitarbeitet.

Michels Kopf lief rot an.

Verdammt! Das hat mir gerade noch gefehlt.

Sommer hob hilflos die Hände.

Tut mir leid. Soll ich sie holen?

Michel rieb sich das Gesicht trocken.

Wenn es unbedingt sein muss.

Die gute Laune von heute Morgen gehörte nun restlos der Ge­schichte dieses Tages an. Er schlug unwillig die Akte Beckmann auf und überflog die biografischen Daten, die am Anfang zusammengefasst waren.

Beckmann war 59 Jahre alt, verheiratet. Hatte zwei erwachsene Kinder. Stammte ursprünglich aus dem östlichen Teil des Landes. Die Frau, geborene von Wyttenbach, aus einem ortsansässigen Geschlecht also.

Michel seufzte. Die müsste er jetzt gleich aufsuchen. Er hasste diese Gänge.

Hallo? Darf ich reinkommen?

Michel guckte verärgert hoch. Im Türrahmen stand ein Mädchen mit langen braunen Haaren, einem schönen und ebenmäßigen Gesicht und einer großen schwarzen Brille. Sie trug eine schwarze Hose und ein weites Jeanshemd. Im Arm hielt sie einen zerknautschten Reportermantel.

Was willst du?

Die Angesprochene hob linkisch die Hand zum Gruss.

Also, ich bin die Assistentin. Lena Steiner.

Michel lehnte sich zurück.

Dass ist jetzt aber ein Witz. Schickt man mir jetzt Kinder?

Ich bin 27 Jahre alt.

Oh, pardon. Welch hohes Alter. Ich hätte Sie deutlich jünger ge­schätzt.

Sie winkte ab.

Ach, das kenne ich. An der Uni hat man das auch immer gesagt. Wollen Sie meinen Ausweis sehen?

Nein, nein. An der Uni? Was haben Sie denn studiert?

Ich habe einen Master in Informatik und Kriminologie.

Was Informatik ist, kann ich mir so vage vorstellen, aber was ist Kriminologie?

Sie hob die Schultern, ließ sie wieder fallen und lächelte verschmitzt.

Na ja, das habe ich die letzten Jahre auch versucht zu begreifen. Sagen wir so: Ich habe etwas über Untersuchungsmethoden und Verhaltensweisen von Verbrechern gelernt.

Michel hob seine Augenbrauen.

Ach ja. Interessant. Sind Sie denn schon einmal einem Verbre­cher begegnet?

Sie lachte.

Sie meinen in freier Wildbahn? Nein, noch nie. Zum Glück.

Michel nickte.

Das habe ich mir gedacht. Das heißt, Sie wollen jetzt das praktische Leben kennenlernen.

Ja genau. Fangen wir an? Ich habe gehört, dass wir seit heute Morgen einen neuen Fall haben.

Sie blickte ihn hoffnungsvoll an.

Michel wusste nicht, was er sagen sollte. Hatte sie eben wir ge­sagt?

Hm. Was mach ich nur mit Ihnen?

Er reichte ihr die Akte, die er gerade angefangen hatte zu lesen.

Da! Studieren Sie die Akte. Ich bin gleich –

Lena Steiner unterbrach ihn.

Entschuldigung, aber die habe ich ja für Sie zusammengestellt.

Michel starrte sie hilflos an. Dann gab er sich einen Ruck.

Gut. Dann begleiten Sie mich in Gottes Namen.

Sie schlüpfte in den Mantel und strahlte ihn mit großen Augen an.

Wohin gehen wir?

Wir besuchen die Frau des Toten.

vier

Warum haben wir uns nicht telefonisch angemeldet?

Lena fragte es flüsternd.

Sie standen schon eine gefühlte Ewigkeit vor dem grünen Eingangstor der Wyttenbach-Villa.

In so einer Situation ist es besser, unangemeldet zu kommen.

Warum?

Weil, äh … –

Jetzt knackte es in der Gegensprechanlage.

– das erkläre ich Ihnen später.

Es meldete sich eine dunkle Frauenstimme und fragte nach Name und Begehr.

Sie verwendete tatsächlich das Wort Begehr.

Michel gab seinen Namen und diesmal auch die korrekte Be­zeichnung seiner Abteilung durch.

In dem Lautsprecher knackte und rauschte es, aber nichts ge­schah. Lena trat vor Aufregung von einem Bein aufs andere.

Endlich ging die Türe auf. Sie traten ein und schlossen das schwere Eingangstor. Ein verschlungener Weg führte durch einen ziemlich verwachsenen, parkähnlichen Garten. Der Weg münde­te in einen Kiesplatz vor einer dreistöckigen alten Villa.

Lena blieb stehen.

Aha, so kann man also auch wohnen, nicht schlecht. Und das mitten in der Stadt.

Michel nickte grimmig.

Mit einem Messer im Rücken hat man nichts mehr davon.

In diesem Augenblick öffnete sich die schwere Eingangstür. In der Tür erschien mit schwerfälligen Schritten eine Frau, die sich auf einen Stock stützte. Ihre Haare, die leicht fettig wirkten, waren nachlässig zu einer Art Dutt zurückgebunden. Ihr Gesicht war aufgedunsen, als ob sie starke Medikamente nehmen musste.

Wer sind Sie? Was wollen Sie?

Michel trat näher, stellte sich vor und zeigte seine Dienstmarke.

Und was wollen Sie denn hier?

In ihrem Tonfall schwang deutlich die Botschaft mit, dass sie in einer Sphäre lebte, die mit der Welt der Polizei rein gar nichts zu tun hatte. Allein das Auftauchen Michels schien für sie ein gesellschaftlicher Fauxpas zu sein.

Bevor Michel antworten konnte, zeigte sie mit dem Stock auf Lena.

Und was ist das?

Michel ignorierte ihre Frage.

Sind Sie Frau Beckmann?

Sie lachte rau auf.

Wer soll ich sonst sein?

Wissen Sie, wo ihr Mann ist?

Wieso wollen Sie das wissen?

Dürfen wir reinkommen? Das ist meine Assistentin Frau Steiner. Es gibt eine sehr ernste Situation, die wir nicht gerne hier draußen besprechen würden.

Sie schaute einen Moment mürrisch auf den silbernen Knauf ihres Stocks, entschloss sich dann aber doch, sie reinzulassen. Sie führte sie in einen hell gestrichenen Salon im Erdgeschoss.

Sie nahmen an einem großen ovalen Tisch Platz. Frau Beckmann behielt ihren Stock in der Hand. Sie blickte Michel herausfordernd an. Er ließ sich Zeit und blickte sich im Raum um.

Hinter dem Tisch erweiterte sich der Salon zu einer Art Wintergarten. Dort stand ein imposanter Flügel. Er war von einer Art Go­belindecke zugedeckt. Man hatte nicht den Eindruck, dass er jeden Tag bespielt wurde. Auf dem Flügel standen eine ganze Reihe von Fotos in silbernen Rahmen. Michel erhob sich, ging ein paar Schritte zum Flügel und deutete auf das Foto, das eindeutig Karl Beckmann zeigte. Etwas jünger und in einem tadellos sitzenden schwarzen Anzug.

Ist das Ihr Mann?

Sie nickte.

Verraten Sie mir endlich, was Sie wollen.

Michel setzte sich wieder auf seinen Stuhl, griff sich eines seiner Tücher aus der Manteltasche und wischte sich den Schweiß aus dem Gesicht. Frau Beckmann beobachtete den Vorgang mit einem angewiderten Gesichtsausdruck.

Wir kommen mit einer schlechten Nachricht. Ihr Mann ist heute Morgen tot aufgefunden worden.

Frau Beckmann starrte ihn an, der angewiderte Gesichtsausdruck verhärtete sich jetzt zur unbeweglichen Maske.

Das kann gar nicht sein. Er hat mir gestern Abend gesagt, dass er heute auf eine Geschäftsreise nach London muss.

Hat Ihr Mann denn nicht hier übernachtet?

Frau Beckmann scharrte ungeduldig mit ihrem Stock über den Teppich.

Nein, wenn er früh verreisen muss, übernachtet er oft in seinem Büro.

Michel schwieg. Er spürte, wie Lena ihn von der Seite ansah.

Und was heißt überhaupt «aufgefunden worden»? Wie meinen Sie das?

Wir haben ihn im Wasser gefunden.

Im Wasser? Wo denn?

Michel nannte ihr den See und den genauen Ort.

Was soll er denn dort gemacht haben? Er ist nie ins Wasser ge­gangen. Einen wasserscheueren Menschen gibt es gar nicht. Er konnte nicht einmal schwimmen.

Einen Moment später zuckte sie zusammen, als ob sie die Ab­sur­dität ihrer Aussage realisiert hätte.

Hatte er denn eine Badehose an?

Nein, er war vollständig angezogen.

Michel zögerte etwas.

Und er hatte ein Messer im Rücken.

Sie starrte ihn entsetzt an, ließ den Stock los und legte die Hand vor den Mund.

Lena, die neben ihr saß, hatte reaktionsschnell den Stock aufgefangen. Sie lehnte ihn sorgfältig an den Tisch und ging leise aus dem Raum.

Michel runzelte die Stirn, sagte aber nichts.

Einen Moment später kam Lena wieder mit einem Glas Wasser zurück. Sie stellte es leise vor Frau Beckmann auf den Tisch. Sie griff danach und leerte das Glas in einem Zuge.

Danach sprach sie kein Wort und starrte vor sich hin. Michel ließ sie gewähren. Erst als Michel nach einem Tuch griff und sich Gesicht und Stirn erneut trocknete, blickte sie auf.

Warten Sie auf etwas Bestimmtes?

Michel ließ sich nicht irritieren.

Sie müssen Ihren Mann identifizieren.

Sie starrte ihn mit kalten Augen an.

Wann?

Heute oder morgen.

Lena erhob sich und legte eine Karte mit der Adresse des Gerichtsmedizinischen Instituts auf den Tisch.

Dann können Sie ja jetzt gehen.

Lena blickte zu Michel, der nickte und erhob sich. Lena war sichtlich verblüfft.

Wir kommen wieder.

Michel erwartete keine Antwort.

Er durchquerte eilig den Garten. Lena im Schlepptau. Als sich das Tor hinter ihnen schloss, legte sie los.

Warum haben Sie sie nicht befragt? Ob er Feinde hatte? Wer seine engsten Geschäftspartner waren? Ob er sich in letzter Zeit verändert hatte? Was er in London wollte? Ob er vielleicht eine …

Michel unterbrach sie.

Alles zu seiner Zeit.

Lena schaute ihn mit zusammengekniffenen Augen an.

Wir hätten jetzt nichts aus ihr herausgebracht. Wir müssen warten, bis sie den Schock überwunden hat.

Gut. Und was machen wir jetzt?

Michel guckte auf seine Uhr.

Ich mache jetzt Mittagspause und …

Sie strahlte ihn an.

Fein. Und wo gehen wir essen? Ich habe einen Wahnsinnshunger.

Michel seufzte. Er hatte insgeheim gehofft, sie für eine Weile los­zuwerden.

Weiter unten ist eine Art Arbeiterrestaurant mit etwas altmodischen Menus. Ich weiß nicht, ob Ihnen das zusagt.

Sie nickte und ging gleich los.

Jetzt war es an ihm zu staunen. Offensichtlich liebte sie diese Art Kneipe, wo Lastwagenfahrer und Arbeiter riesige Teller voller Fleisch, Würste und Kartoffeln aßen; grüne Speisen sah man äußerst selten, am ehesten noch in Form von Erbsen aus der Büchse.

Sie zwängten sich in das vollbesetzte Gasthaus und fanden gerade noch zwei Plätze. Es war so lärmig, dass sie einander anschreien mussten.

Wissen Sie, als Studentin konnte ich mir nur alle zwei Tage ein richtiges Essen leisten und in so einem Lokal wird man wenigstens satt.

Sie betrachtete ganz ungeniert, was ihre Nachbarn aßen. Als sie bestellen konnten, zeigte sie bloß auf die Teller und nickte. Auch auf die großen Biergläser. Michel machte es ebenso. Er war jetzt wirklich gespannt, wo diese schmale Person mit all dem Essen hinwollte. Als dann das Essen kam, musste er schmunzelnd erkennen, dass er sie total unterschätzt hatte, mindestens, was ihre Essenskapazität betraf. Ihr Teller war vor seinem leer, und er war beileibe auch kein langsamer Esser. Ein Gespräch war in diesem Lärm nicht möglich, so vollzog sich das Essen praktisch stumm. Die Männer links und rechts von ihnen schrien in allen möglichen Sprachen kreuz und quer durch den Raum. Erstaunlicherweise schienen sie sich trotz des Lärmpegels gut zu verstehen.

Als sie draußen waren, beschlossen sie, in ein ruhiges Café zu wechseln und den Kaffee dort zu trinken.

Lena schüttelte sich kurz.

Puh, war das laut, aber das Essen war lecker. Vielen Dank, Michel, für die Einladung. Den Kaffee – und falls es Torten gibt – bezahle ich. Als Einstand sozusagen.

Ihr Appetit schien grenzenlos zu sein. Wider Willen musste Michel lächeln, sagte aber nichts.

Es gab tatsächlich Torten. Michel verzichtete darauf, um we­nigstens etwas anders zu machen als Lena. Er begnügte sich mit einem Espresso. Sie fiel unbekümmert über ein großes Kuchenstück her, als hätte sie heute noch nichts gegessen. Natürlich bereute er kurz darauf seine Entscheidung, aber jetzt gab es kein Zurück mehr.

Nachdem sie den letzten Krümel vertilgt hatte, lehnte sie sich über den Tisch.

Wie sehen Sie den Fall, Chef? Haben Sie schon eine Vermutung?

Michel nahm den letzten Schluck seines Espressos.

Sehen Sie, Lena, zu Beginn eines Falls sollte man sich unter allen Umständen vor Thesen hüten und sich auf keine Vermutung versteifen. Sonst sucht man die ganze Zeit nach Bestätigung für seine These und übersieht leicht Hinweise oder Indizien, die in eine andere Richtung deuten. Und nennen Sie mich bitte nicht Chef.

Lena nickte eifrig.

Gut, dann sage ich Michel. Darf ich trotzdem eine, äh … eine Fantasie äußern?

Er verdrehte die Augen, nickte aber seufzend und verkniff sich eine beißende Bemerkung.

Auch wenn wir noch nichts wissen, ist doch die Kleidung, die der Tote anhatte, ein starkes Zeichen. Eigentlich der größtmögliche Gegensatz, den man sich sowohl zu seiner Frau als auch zu seinem Beruf vorstellen könnte.

Lena schaute ihn fragend an.

Michel wiegte den Kopf.

Kann sein, kann nicht sein. Sehen Sie, das ist genau das Problem mit solchen Vermutungen. Ich habe schon Zahnärzte und renommierte Anwälte in Lederanzügen auf gewaltigen Motorrädern gesehen. Das war ihr Wochenendvergnügen. Und? Was sagt uns das jetzt? Dass jemand ein abgedrehtes Hobby oder eine ausgefal­lene Leidenschaft hat.

Sie nickte.

Ja, ja, oder renommierte Bürger, die in Gummianzügen zu Swinger-Partys gehen. Gut, ich verstehe schon.

Sie nahm die Brille ab und putzte sie mit einer Serviette.

Insofern ist das Hawaiihemd nichts Besonderes. Zumal am See. Vielleicht war er auf eine Yacht eingeladen? Oder er besitzt selber eine?

Sie zückte ihr Smartphone.

Das können wir gleich feststellen, ob ein Boot auf seinen Namen eingetragen ist.

Sie beugte sich konzentriert über ihr Telefon.

Michel staunte, mit welcher Geschwindigkeit sie darauf eintippte. Und wie kam sie damit überhaupt in die entsprechenden amtlichen Listen?

Sie blickte auf.

Nein, unter seinem Namen ist kein Schiff eingetragen.

Sie steckte ihr Smartphone weg.

Das heißt natürlich noch nichts. Er könnte trotzdem auf einem Schiff gewesen sein, oder es ist unter einem Firmennamen einge­tragen. Oder er hat es gemietet.

Sie blickte auf.

Was schauen Sie mich so komisch an? Ich habe nichts Illegales getan oder, sagen wir, nichts Schlimmes. Die Listen sind ja nicht geheim.

Michel verzog seinen Mund.

Sind Sie eine Hackerin?

Jetzt verdrehte sie ihre Augen.

Was heißt hier Hackerin? Jeder, der Informatik studiert, weiß, wie man in Systeme reinkommt und so. Sobald man technisch ein System durchschaut, ist das ja auch ein Kinderspiel. Die meisten Sachen sind so banal, also das ist kein Hexenwerk.

Michel lachte.

Gut zu wissen.

Lena lachte auch.

Wissen Sie, die meisten Menschen machen sich ein ganz falsches Bild von einem Hacker. Ein Hacker ist in erster Linie jemand mit einer großen technischen Neugierde. Wie soll ich Ihnen das erklären? Ein bekannter Computeraktivist hat einmal gesagt: Ein Hacker ist jemand, der versucht, einen Weg zu finden, wie man mit einer Kaffeemaschine einen Toast zubereiten kann. Ein Hacker will wissen, wie etwas funktioniert und wo die Grenze des Machbaren liegt. Zufrieden?

Michel hob die Hand.

Nicht ganz. Es gibt ja auch kriminelle Hacker.

Ja, das ist klar. Und genau deswegen braucht es auch leidenschaftliche Hacker, die in der Lage sind, Sicherheitsmängel aufzuzeigen, ohne dass sie die Kenntnisse zu ihren eigenen Vorteilen ausnutzen. Die Firmen, vor allem Banken und Regierungen, können dann ihre Sicherheitsmaßnahmen danach ausrichten, bevor ein krimineller Hacker die Lücke ausnutzt.

Michel bestellte noch einen Espresso.

Wenn Sie wollen, zeige ich Ihnen einige grundlegende Kniffe.

Michel winkte ab.

Dafür sind Sie zuständig. Aber danke.

Okay. Und was machen wir jetzt?

Sie rufen jetzt Frau Beckmann an und bieten ihr an, sie ins Gerichtsmedizinische Institut zu begleiten.

Lena machte ein verdutztes Gesicht.

Geben Sie ihr zu verstehen, dass Sie das ohne mein Wissen machen, weil Sie denken, dass das für sie doch ein sehr schwieriger Gang sein würde und dass sie vielleicht lieber mit Ihnen als mit mir gehen würde. Verstehen Sie? Schmieren Sie ihr ein bisschen Honig aufs Brot, wenn Sie verstehen, was ich meine.

Ist das jetzt auch ein Kniff?

Michel setzte sein unschuldigstes Gesicht auf.

Wie kommen Sie darauf? Jemand muss sie doch begleiten.

Fünf

Michel betrachtete stirnrunzelnd das auf Hochglanz polierte ­Na­mensschild. Es handelte sich um eine der vornehmen Anwalts­so­zie­täten in der Hauptstadt. Anwälte, Notare, Treuhänder, Steuer- und Finanzspezialisten. Einige Professoren, viele Herren oder Da­men mit Doktortiteln waren darunter. Michel pfiff durch die Zähne.

Genau die Sorte, die ich liebe.

Den Namen Beckmann fand er allerdings nicht. Er prüfte noch einmal die Adresse in den Unterlagen, die seine Assistentin im Auftrag des Chefs zusammengestellt hatte. Er war am richtigen Ort. Er zuckte mit den Achseln und klingelte. Bevor die Tür sich mit einem leisen Surren öffnete, versuchte er sich vorzustellen, wie Lena mit Frau Beckmann im Gerichtsmedizinischen Institut eintreffen würde.

Was für ein genialer Schachzug!

Er klopfte sich gedanklich auf die Schultern. Es befreite ihn vom unangenehmen Gang zur Identifizierung der Leiche und gleichzeitig von Lenas Anwesenheit, die ihn nervös machte.

Er betrat das Gebäude. Über eine knarrende Treppe ging er in den ersten Stock, wo sich die Anmeldung befand.

Ein Schild an der Tür forderte zum Eintritt auf. In einem kleinen Vorraum saß eine schlanke Frau im weißschwarzen Kostüm – sogar als Modemuffel erkannte er Chanel. Sie hatte wilde rote Haare, die wie die untergehende Sonne leuchteten. Als sie sich umdrehte, hielt er spontan eine Hand hoch.

Mein Gott, ihre Haare blenden mich ja.

Sie lachte.

Na, na, so schlimm wird es doch nicht sein. Was kann ich für Sie tun? Sie kommen ja nicht, um mir Komplimente zu ma­­­chen.

Sie war nicht mehr ganz so jung, wie sie von hinten wirkte, aber sie war außerordentlich attraktiv und hatte ein bezauberndes La­chen, kurz: Sie war der ideale Empfang, der zumindest den Herren das Herz sofort öffnete.

Nein, nein, ich komme wegen Herrn Beckmann.

Er wählte bewusst diese etwas unkonkrete Formulierung.

Sie runzelte ihre schöne Stirn.

Aber Herr Beckmann ist doch schon seit gut, äh … vier Jahren oder … nicht mehr bei uns. Vielleicht sind es auch mehr. Da müsste ich jetzt nachschauen.

Jetzt war er wirklich überrascht und sah wohl sehr verdutzt drein.

Die Empfangsdame erhob sich.

Tut mir sehr leid, dass Sie extra hergekommen sind.

Soweit zur Genauigkeit der Unterlagen, liebe Lena.

Michel fing sich wieder.

Aha, und wo arbeitet er jetzt?

Das kann ich Ihnen nicht sagen, Herr …

Michel zückte seine Dienstmarke und nannte Name und Abteilung.

Jetzt war es an ihr, verdutzt zu sein. Aber nicht aus dem Grund, den Michel meinte.

Sie kam auf ihn zu, lächelte und streckte ihm ihre Hand entge­gen.

Mein Gott, das gibt’s ja nicht. Serge, erkennst du mich denn nicht? Wir sind doch zusammen zur Schule gegangen. Ich habe dich zuerst auch nicht erkannt, aber jetzt natürlich, als du deinen Namen nanntest.

Sie schlug die Hände zusammen.

Mein Gott, das ist ja auch ewig her. Du warst damals so dünn …

Sie hielt sich erschrocken die Hand vor den Mund und wurde rot im Gesicht.

Entschuldige Serge, das war jetzt nicht sehr diplomatisch.

Michel war ziemlich verwirrt, denn er konnte sich überhaupt nicht erinnern.

Entschuldigen Sie, aber … ist das vielleicht eine Verwechslung?

Sie lachte.

Nein, nein, ich bin Marlene. In der Schule nannte man mich Mali. Wir waren beide bei der Meyerhofer in der Primarschule. Weißt du nicht mehr?

Langsam dämmerte es Michel. Er sah vor sich ein mageres, rothaariges Mädchen mit vielen Sommersprossen.

Ja, ja, jetzt erinnere ich mich. Das war wie in einem anderen Le­ben. Du hattest Zöpfe und tausendundeine Sommersprosse, stimmt’s?

Ja, genau. Ich habe sehr unter diesen Sommersprossen gelitten und alle möglichen Cremes und todsicheren Rezepte ausprobiert. Es half alles nichts. So ab sechzehn Jahren wurden sie dann von alleine heller und immer heller – und jetzt sieht man sie fast gar nicht mehr.

Sie lachten beide. Dann wurde sie wieder ernst.

Was willst du denn vom Beckmann?

In diesem Moment betrat durch eine Seitentür ein untersetzter Mann in einem sehr seriös wirkenden Anzug den Raum. Seine Haare waren streng nach hinten gekämmt. Seine Wangen hatten etwas Hamsterartiges und seine kleinen Augen huschten unruhig hin und her.

Guten Tag. Ich höre den Namen Beckmann. Wer will etwas von ihm?

Marlene kam Michel zuvor.

Das ist Serge Michel von der Polizei. Er hat sich nach Herrn Beckmann erkundigt.

Sie wandte sich wieder zu Michel.

Und das ist Herr Schneider, unser Bürochef.

Wir sind tatsächlich von der Geschäftsleitung angehalten, keine weiteren Auskünfte über Herrn Beckmann zu geben.

Michel richtete sich auf.

Ja, wenn das so ist, dann führen Sie mich bitte zur Geschäftsleitung, Herr Schneider.

Der untersetzte Mann fuhr nervös durch seine Haare.

Ich weiß nicht, ob der Herr Professor im Hause ist …

Marlene unterbrach ihn.

Er ist im Hause. Ich habe ihn gesehen.

Aha, dann müssen Sie mit seinem Sekretariat einen Termin vereinbaren. Sie können das telefonisch machen. Frau Bächler kann Ihnen gerne die Nummer geben.

Einspruch, Euer Ehren. Die Polizei macht keine Termine. Entweder Sie führen mich jetzt zu ihm oder ich lade ihn aufs Polizeirevier vor. Fragen Sie bitte den Herrn Professor, was ihm lieber ist.

Marlene wandte sich ab, offenbar um ein Lächeln zu verbergen.

Schneider wischte sich vor Aufregung über den Mund.

Gut. Ich werde sofort zu ihm gehen. Warten Sie bitte hier. Frau Bächler wird Ihnen sicher einen Kaffee anbieten.

Mit einem wütenden Blick zu Marlene verließ er den Raum.

Hui, was ist aus dem kleinen Serge ein wichtiger Mann geworden. Kommissar! Respekt.

Sie lachte.

Willst du einen Kaffee?

Nein, lieber ein Glas Wasser.

Sie ging in einen Nebenraum.

Treffen wir uns mal?

Mit der Frage auf den Lippen brachte sie ihm das Glas.

Wir können ja hier keine Erinnerungen austauschen. Also nur, wenn du magst.

Michel nickte.

Gerne. Hier ist meine Karte.

Marlene steckte die Karte gerade noch rechtzeitig in eine Schublade, schon kam Schneider zurück.

Bitte folgen Sie mir, Herr Kommissar. Herr Professor Krättli emp­fängt sie sofort.

Der Schneider liebte offenbar Titel. Sie gingen schweigend die knarrende Treppe einen Stock höher.

Michel dachte, dass sie ganz bewusst die knarrende Treppe nicht erneuerten, denn sie wirkte altmodisch, sparsam, einschüchternd und stand für die Aussage: Uns sind andere Dinge wichtig. Welche, war noch die Frage.

Der Herr Professor empfing Michel in der Tür zu seinem Büro. Er war ein sympathisch lächelnder, älterer Herr, wohlanständig, mit vollem weißen Haupthaar.

Ich freue mich, Sie kennenzulernen. Wir haben schon viel von Ihnen gehört, Herr Michel. Kommen Sie herein und machen Sie es sich bequem.

Sie betraten das Büro. Auch dies war sparsam und altmodisch möbliert. Der einzig moderne Gegenstand war der silbern schimmernde Bildschirm des Computers, der in augenfälliger Konkurrenz zur dunkel gehaltenen Einrichtung stand.

Michel setzte sich auf den geschnitzten Holzstuhl, der für Besucher vor dem Schreibtisch des Anwalts stand. Bequem war dieser nicht, aber Michel war sicher, dass diese altmodische Einrichtung sehr genau kalkuliert war. Er hatte auch schon ganz andere Büros gesehen, die mit kühler, aber teurer Eleganz vom Erfolg der Kanzlei erzählen sollten. Hier fand eine andere Erzählung statt. Michel war sich aber über den Inhalt der Geschichte noch nicht im Klaren.

Ich bin ein Freund Ihres ehemaligen Vorgesetzten, wissen Sie. Deswegen …

Er lächelte und öffnete seine Hände, wie es auch der Papst zu tun pflegt.

Michel konterte.

Kennen Sie auch den neuen?

Jetzt vollführten die Hände eine Abwehrbewegung. Danach legte er sie langsam, aber bewusst auf den Schreibtisch.

Nein, den kenne ich nicht. Aber Sie wollten zu Herrn Beckmann, höre ich. Was wollen Sie denn von ihm?

Seine Hände zuckten leicht, als ob sie sich wieder von der Tischplatte lösen wollten, aber gezwungen wurden, da liegenzubleiben.

Ich habe nie gesagt, dass ich zu Beckmann möchte. Ich habe gesagt, dass ich wegen Beckmann komme.

Jetzt falteten sich die Hände auf dem Tisch.

Aha! Ja, das ist ein Unterschied. Demzufolge wussten Sie also, dass Herr Beckmann schon seit fünf Jahren nicht mehr bei uns ist.

Michel schüttelte den Kopf und war gespannt, was die gepflegten Hände des Herrn Krättli weiter im Schilde führten.

Nein, das wusste ich nicht.

Aha! Ja, was wollen Sie denn?

Mit dieser Frage stützten sich die Hände mit gespreizten Fingern auf die Tischplatte, was Herrn Krättli eine Art Sprungbereitschaft verlieh, auch wenn der Körper ganz ruhig blieb.

Frage – Gegenfrage.

Warum ist Herr Beckmann nicht mehr bei Ihnen? Er ist doch ein angesehener Treuhänder und Finanzmann, so habe ich we­nigs­tens gehört.

Die gespreizten Finger hoben sich nun vom Tisch, die Ellbogen wurden aufgestützt und zehn Fingerkuppen, leicht aufeinandergepresst, wurden vor Krättlis Mund geführt.

Wer hat Ihnen das erzählt?

Darauf hatte Michel gewartet. Die Antwort genoss er.

Mein neuer Chef.

Aha! Wie heißt er schon wieder, Ihr neuer Chef?

Michel nannte ihm den Namen.

Seine Hände strichen kurz beidseitig über die glattrasierten Wangen, um wieder in der vorigen Position zu landen, die Kuppen etwas stärker zusammengepresst als zuvor.

Sagen wir so: Beckmann hatte sich in riskante Geschäfte verwickelt, die für unsere Sozietät nicht mehr tragbar waren.

Heißt das, dass Sie Geld verloren haben?

Krättli hob die Hände gen Himmel, also zur Zimmerdecke.

Nein, nicht wir, Gott bewahre. Aber unsere Kunden. Und das konnten wir natürlich nicht zulassen.

Die Hände sanken zurück und fanden zärtlich in eine Stellung zueinander, so als ob ihr Besitzer sie waschen wollte.

Michel schwieg und hielt Krättlis Blick stand.

Wir haben das nicht an die große Glocke gehängt, da Beckmann für uns auch sehr viel Gutes gemacht hat. Verstehen Sie?

Michel blieb immer noch regungslos. Krättli klatschte jetzt in seine Hände, als ob er Michel zu einer Reaktion zwingen wollte.

Er hat uns sogar gebeten, es vor seiner Familie zu verschweigen.

Michel nickte.

Ging es um viel Geld?

Jetzt verschwanden Krättlis Hände unter dem Tisch.

Ja, was heißt viel?

Er schaute fragend zu Michel.

Sagen Sie es mir, Herr Professor.

Die Hände kamen wieder abwehrend aus der Versenkung.

Aber wieso kommen Sie jetzt? Die Sache ist doch schon längst vergessen.

Michel ignorierte die Frage.

Wann haben Sie Herrn Beckmann das letzte Mal gesehen?

Die Hände begannen in der Luft zu schweben.

Ja, damals vor etwa fünf Jahren. Seither haben wir keinen Kontakt mehr.

Haben Sie Kontakt zu seiner Frau?

Nein, warum sollte ich?

Krättli hielt es jetzt nicht mehr auf dem Stuhl. Unter dem Vorwand, das Fenster zu öffnen, stand er auf. Dann drehte er sich lachend um.

Wird das jetzt ein Verhör, Herr Kommissar?

Michel stand auch auf.

Nein, nein, sicher nicht. Ich wollte ja nur ein paar Informationen. Dafür bedanke ich mich recht herzlich.

Krättli begleitete ihn offensichtlich erleichtert zur Tür, so er­leichtert, dass er sogar nicht noch einmal fragte, warum Michel denn gekommen war. In der Tür blieb Michel stehen.

Ach ja, Sie wissen auch nicht zufällig, was Beckmann jetzt macht?

Krättli gab sich Mühe, ein Gesicht zu machen, das Ich-überlege-ernsthaft heißt, schüttelte aber dann den Kopf.

Nein, tut mir leid. Ich habe keine Ahnung.

Und ich glaube dir kein Wort, dachte Michel und verabschiedete sich freundlich, wie es zu diesem ganzen Interieur passte.

Jetzt wusste er, wie die Geschichte heißen könnte, die das Haus und die ganze Einrichtung dieser Anwaltssozietät erzählte: Die Wohlanständigen.

Er schaute nochmals in das Büro der Anmeldung, aber Mar­lene war leider nicht da.

Schade, schade. Hoffentlich meldet sie sich.

Kurzentschlossen machte er sich auf den Weg ins Gerichtsmedi­zinische Institut. Jetzt hatte er das Bedürfnis, den Toten aus dem See noch einmal zu sehen.

sechs

Als er später zurück ins Büro kam, herrschte dicke Luft. Sommer signalisierte es ihm mit dem verabredeten Zeichen. Sie hatten über längere Zeit ein Zeichensystem entwickelt, so dass Sommer ihm jeweils sekundenschnell die Stimmung im Büro signalisieren konnte. Sommer nutzte das Zeichen für höchste Alarmstufe. Michel zuckte mit den Schultern und ging schnurstracks in sein Büro. An einem kleinen Tisch, der neu in seinem Büro war, saß Lena und starrte angespannt in einen Computer.

Er verkniff sich eine Bemerkung wegen des neuen Arbeitsplatzes.

Und? Wie war es mit Frau Beckmann?

Sie drehte sich um und Michel sah, dass sie geweint hatte. Er setzte sich. Sie wischte sich die Haare aus dem Gesicht.

Es war gut, dass ich sie begleitet habe. Erstens war sie sehr froh, nicht allein gehen zu müssen – das hätte sie sicher nie zugegeben, aber es war zu spüren – und zweitens war es für mich eine interessante Erfahrung.

Inwiefern?

Ich habe vorher noch nie eine Wasserleiche gesehen, außer auf dem berühmten Gemälde von Holbein. Sie kennen es?

Michel verneinte.

Hans Holbein der Jüngere hat Jesus im Grab gemalt und das Bild hängt im Kunstmuseum Basel. Wir haben das Gemälde im Studium mit einem Fachmann analysiert. Einer unbelegten Legende nach benutzte Holbein eine Leiche aus dem Rhein, was der Forensiker anhand des Bildes aber widerlegte. Aber ich kenne das Bild seit meiner Jugendzeit, und es war für mich immer die Wasserleiche schlechthin.

Sie wischte sich eine Träne aus den Augen.

Und jetzt habe ich einen Menschen gesehen, der wirklich im Wasser war.

Und? Wie war Ihr Eindruck?

Erstens hatte der Gerichtsmediziner hundertprozentig recht. Eine Wasserleiche sieht wirklich ganz anders aus – als der Körper auf Holbeins Bild, meine ich.

Sie stockte.

Ja, und jetzt habe ich einen Menschen gesehen, der noch vor zwei Tagen lebte. Wissen Sie, in meinem Alter beschäftigt man sich wenig mit dem Tod. Heute habe ich eine ziemlich grausame Wirklichkeit des Todes gesehen. Als Kind hat mich der Tod sehr beschäftigt, aber man durfte ja nicht fragen, oder wenn, bekam man keine Antworten. Auf jeden Fall keine befriedigenden.

Ich verstehe.

Sie schwiegen eine Weile. Michel wusste nicht so richtig, wie er darauf reagieren sollte. Dann räusperte er sich.

Und wie hat Frau Beckmann … ?

Sehr gefasst, würde ich sagen. Vielleicht könnte man auch sagen, gefühllos. Wie soll ich sagen? Sie hat ihn angeschaut. Dann hat sie genickt und unterschrieben. Sie hat keine Fragen gestellt. Als man ihr sagte, dass man ihr die persönlichen Sachen dann zustellen würde, hat sie das abgelehnt. Sie wolle diese Sachen nicht.

Hat sie sich denn die Kleidung angeschaut?

Lena nickte.

Sie hat kurz hingeguckt und gesagt, dass das nicht seine Kleider seien. Damit wolle sie nichts zu tun haben. Von den Schuhen war sie richtig angewidert.

Sonst hat sie nichts gesagt?

Nein, ich habe sie dann mit dem Taxi wieder nach Hause begleitet. Sie hat nur einmal etwas gemurmelt, dass ich nicht richtig verstanden habe. Es klang wie Marmarameer.

Marmarameer?

Nein, nein, ich glaube nicht, dass sie dieses Wort gesagt hat. Ich glaube nur, es kommt dem, was ich gehört habe, am nächsten.

Sie fuhr mit der Hand ärgerlich durch die Luft.

Ich habe nachgefragt, aber sie starrte nur ins Leere. Beim Aussteigen habe ich ihr vorgeschlagen, sie zu begleiten. Oder ihr noch ein bisschen Gesellschaft zu leisten.

Sie schlug die Hände vors Gesicht.

Oh je! Ihr entsetztes Gesicht hätten Sie sehen sollen! Ui, ui! Als ob ich ihr einen unsittlichen Vorschlag gemacht oder sie gebeten hätte, mich als Erbin einzusetzen.

Michel lachte.

Ja, das überrascht mich nicht. Genauso habe ich sie eingeschätzt. Aber …

Michel stockte ein wenig.

… ich finde, Sie haben das gut gemacht, Lena. Danke. Wann kriegen wir den Bericht?

Morgen früh.

Gut.

Michel zögerte.

Haben Sie jemand, mit dem Sie über Ihr Erlebnis heute reden können?

Ja, ja. Machen Sie sich keine Sorgen, aber nett, dass Sie fragen.

Gerade wollte er ihr von den Neuigkeiten aus dem Anwaltsbüro berichten, als der Polizeichef wie von einer Wespe gestochen ins Büro gesaust kam.

Kommen Sie sofort in mein Büro!

Im selben Tempo war er wieder verschwunden.

Michel erhob sich seufzend.

Besorgen Sie mir die Adressen von ihren Kindern, bitte.

Lena lächelte verschmitzt.

Habe ich schon. Sie liegen auf Ihrem Tisch.

Unterwegs holte er sich noch einen Kaffee aus diesem scheußlichen Automaten, weniger des Kaffees wegen, sondern um den Chef warten zu lassen.

Im Büro musste er Platz nehmen. Der Neue kam sofort zur Sache.

Ich hatte soeben ein Telefongespräch mit Professor Krättli.

Michel lehnte sich zurück.

Ach ja, Sie kennen ihn?

Von der Werdt wischte die Frage wie eine lästige Fliege vom Tisch.

Wie kommen Sie dazu, ihm zu drohen, dass sie ihn vorladen, wenn er keine Zeit für ein Gespräch hat und warum haben Sie ihm verschwiegen, dass Beckmann tot ist?

Auf die erste Frage ging Michel gar nicht ein.

Warum sollte ich ihm sagen, dass Beckmann tot ist? Ich fand es für das Gespräch besser, die Sache in der Schwebe zu halten. Sie haben ihm das jetzt aber nicht verraten?

Der Polizeichef lief rot an.

Natürlich habe ich es ihm gesagt, wie sonst hätte ich Ihr Verhalten begründen sollen?

Michel ging jetzt aufs Ganze.

Das heißt, Sie mischen sich in meine laufenden Untersuchungen ein. Das hätte der Alte nie getan. Als leitender Kommissar habe ich das Recht, meine Untersuchungen so zu gestalten, wie ich es für richtig halte. So steht es schwarz auf weiß im Dienstreglement.

Michel keuchte vor Aufregung und stand auf.

Zudem habe ich nicht Herrn Krättli persönlich mit einer Vorladung gedroht, ich wollte bloß seinem Bürochef Beine machen. Das hat ja dann auch geklappt. Wahrscheinlich hätten wir sonst nicht so schnell erfahren, dass der Beckmann schon seit fünf Jahren gar nicht mehr für dieses Anwaltsbüro tätig ist. Die Angestellten haben nämlich Auskunftsverbot, was den Beckmann betrifft.

Von der Werdt war so überrascht, dass er ganz vergass, dass er soeben angepflaumt worden war.

Was sagen Sie da? Und warum ist er nicht mehr in der Sozietät?