Die Zeichen der Stille - Nina Trox - E-Book

Die Zeichen der Stille E-Book

Nina Trox

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Beschreibung

Diese Erzählung ist ein Puzzle, dessen volles Bild man erst sehen kann, wenn man diese zu ende gelesen hat. Zeit, Situationen, Emotionen, alles, wie Teile eines Rätsels, fügt sich langsam zusammen. Ein zerrissener Erzählrhythmus, der Rhythmus des Lebens der Heldin. Dies ist eine einfache Liebesgeschichte und ein nicht einfacher Weg der Suche nach sich selbst und nach innerer Ruhe.

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Seitenzahl: 124

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Diese Erzählung (Die Zeichen der Stille) ist ein Puzzle, dessen volles Bild man erst sehen kann, wenn man diese zu Ende gelesen hat. Zeit, Situationen, Emotionen- alles, wie Teile eines Rätsels, fügt sich langsam zusammen. Ein zerrissener Erzählrhythmus- der Rhythmus des Lebens der Heldin. Dies ist eine einfache Liebesgeschichte und ein nicht einfacher Weg der Suche nach sich selbst und nach innerer Ruhe.

Nina Trox:

Prosaautorin, Lyrikerin, Literaturkritikerin. Sie unterrichtet an der OL‘ŠA in Almaty kreatives Schreiben. Ihre Erzählungen wurden in Literaturzeitschriften und Onlinejournals veröffentlicht.

Inhaltsverzeichnis

Die Zeichen der Stille

Erstes Zeichen

Zweites Zeichen

Drittes Zeichen

Viertes Zeichen

Fünftes Zeichen

Sechstes Zeichen

Siebtes Zeichen

Der Tod und die Engel

Das Mäuschen

ER

Morgen

Da die Engel weiß sind...

„Palmsonntag“

Der alte Mann

Die Zeichen der Stille

Erstes Zeichen

Die Katharsis der Seele tritt ein, wenn du einen Menschen anschaust und verstehst, dass du ihn nicht mehr liebst. Dann verschwinden die Beleidigungen, der Schmerz, der Wunsch nach Rache, dann verlässt dich das Gefühl der Anteilnahme für diesen Menschen – die letzte Verbindung reißt. Und die Augen, die dich anblicken, sind nur noch ein Sehorgan, nichts weiter. Ich liebte es zu beobachten, wie ihre Hände tanzen. Wie die dünnen, langen Finger sich beugen, sich wie ein Fächer öffnen, sich wieder zusammenbiegen, unbekannte Muster zeichnend. Zeichen, die ich nicht verstanden habe, doch sie haben mich bezaubert.

Wir trafen uns zufällig auf einer Ausstellung. Man präsentierte russische Impressionisten. Obwohl meine Wahrnehmung von Kunst nicht professionell ist – „es gefällt mir, es gefällt mir nicht“, ich genieße es hin zu schauen, die Farben aufzusaugen, die Emotionen, die Gefühle. Manchmal fühle ich wirklich. Wenn das natürlich nicht gerade mal „art“ ist oder „sur-sur“, wo alles vermischt ist, wo man eine Übereinstimmung zwischen der Kleckerei auf der Leinwand und dem Titel, nicht einmal mit meiner reichen Einbildungskraft finden kann. Impressionisten sind für mich Kuindzhi, Korovin, Levitan, Serov, Maljavin, Grabar, ich ging an ihren Bildern vorbei und genoss es. Wenn du verstehst, doch nicht so tust als ob, konzentriert die Stirn runzelst, dann verspürst du auch ein Vergnügen daran und fühlst dich nicht wie eine dumme Kuh.

Ich bemerkte sie nicht. Ich hörte ihre Stimme hinter meinem Rücken.

„Hallo, An‘!“

„Das tanzende Weib“ Maljavins verwandelte sich in einen einzigen roten Fleck. Der irre Tanz des „Weibes“ wurde an mein Herz weiter gegeben. Ich hatte Angst mich umzudrehen und stand einige Sekunden wie erstarrt da. Danach drehte ich mich auf einem meiner Absätze.

In der Zeit, in der wir uns nicht gesehen haben, hat sie sich kaum verändert. Eine andere Frisur – langes Karre; sie war fülliger geworden – das Gesicht etwas runder; der selbe Blick – gerade und ausdrucksvoll; das selbe Lächeln – ironisch, jedoch zugleich offen, wie das eines Kindes.

„Maja? Hallo!“, atmete ich aus.

„Und ich überlegte schon, bist du das oder nicht? Eine andere Frisur und neue Haarfarbe. Das kurze Haar steht dir. Wie geht es dir?“

„In einer verhältnismäßig instabilen Welt, bin ich verhältnismäßig stabil“, reimte ich drauf los und verstand zugleich, dass ich Unsinn rede.

„Und dir?“

„Ich bin auch okay. Ich besuche eine Künstlerakademie. Ich wollte schon lange das Malen erlernen. Nun besuche ich Ausstellungen, bilde mich weiter.“ Maja lächelte und schaute durchdringend, als ob sie meine Gedanken erraten wollte.

Und ich dachte an nichts. Das innere Zittern hörte nicht auf, mir wurde warm, ich kriegte kaum Luft. Es schien, als ob die Beine mich nicht mehr halten wollen und ich gleich vor ihr auf den Boden falle. Doch eine starke Hand fasste mich am Ellenbogen und zwang mich gerade zu stehen. Ich drehte mich zu meinem Retter um und erinnerte mich, dass ich ja nicht alleine gekommen war. Denis lächelte zufrieden und wandte sich an Maja.

„Solange unsere gemeinsame Bekannte irgendwo in den Wolken schwebt, erlauben Sie mir mich Ihnen vorzustellen, Denis Levickyj!“ er machte die Betonung auf das „y“ und nickte lebhaft.

Wir waren bereits fast ein Jahr miteinander befreundet. Mitten im Semester stürzte ein dürrer, hoher, sympathischer Kerl mit zotteligem Haar in unseren Englischkurs. Er setzte sich, warum auch immer, neben mich, obwohl er dazu beitrug, dass die Hälfte der bereits Platz genommenen Kursteilnehmer dafür aufstehen musste. Zuerst reizte er mich mit seinen Aufschreien, Witzen, unangebrachten Seufzern. Doch dieses Nicht-Ordinäre, der Humor und dabei gleichzeitig eine seltsam zärtliche Sorge um mich, bezauberten mich schlussendlich. Wir schmissen erfolgreich die Kurse, aber wir hörten nicht auf befreundet zu sein, obwohl ich fühlte, dass für Denis das mehr war als einfach nur Freundschaft. Doch wie sagt man es,

„womit kann ich dienen“?!

„Ich bin Maja! Hallo!“

Er hob erstaunt eine Augenbraue und drückte zurückhaltend Majas Hand.

„Bestimmt hat man euch schon mit der Allusion zu der uns allen bekannten Biene (Biene Maja, aus dm Trickfilm die Abenteuer der Biene Maja), in den Wahnsinn getrieben, deswegen lass ich dieses Thema.“

„Ach, ich bitte Sie“, Maja lächelte.

„Dann eine vernünftige Frage; wie gefällt Ihnen die Ausstellung?“

Ich traute mich nicht auch nur ein Wort auszusprechen und dankte dem Universum für meinen gesprächigen Freund.

„Besonders hat mir Grabar gefallen! Seine winterlichen Landschaften sind einfach nur überwältigend…“

Maja erzählte, dass ihr Zeichenlehrer Grabar als Beispiel nimmt, um die Authentizität der Wiedergabe des Tageslichts zu vermitteln. Sie sprach, doch ich hörte ihre Worte nicht mehr. Ich blickte sie an, versuchte zu verstehen, was ich an ihr liebe? Wofür? Warum?“

„Was ist sie für dich?“ Diese Frage stellte Denis, als wir nach der Ausstellung im Café saßen. Seltsam wie sich nahe Menschen austauschen können - nur in Form von Gedanken. Telepathie existiert.

„Einst war sie für mich das Wichtigste.“

„Und jetzt?“ Denis reichte mir das Glas mit dem milchigen Cocktail.

„Jetzt ist alles vorhanden, was gebraucht wird, aber nicht mehr.“

„Bin ich nicht mehr?“

„Du bist höher.“

„Ich meine es ernst!“

„Du kannst ernst sein?“

„Anja“, Denis senkte die Stimme.

Ich sah ihn zum ersten Mal in dieser Verfassung. Falten neben der Nasenwurzel, verschobene Brauen, der Adamsapfel zittert nervös. Ja, es ist ernst. Nur nicht heute. Nicht jetzt.

„Dinja, was willst du von mir hören? Wir haben schon längst alles über deine und meine Vorlieben geklärt. Warum erzitterst du Otello?“

„Ich wollte einfach erfahren, was sie für dich bedeutet?“

„Nein, nicht einfach. Nicht einfach nur! Du verhältst dich wie ein Hund, dem man den Knochen wegnimmt. Wir sind Freunde, das ist alles. Wenn es dir nicht passt, auf Wiedersehen. „

„An‘, reg dich nicht auf. Was ist mit dir?“

„Nichts“ Jeder meint, er sei der Nabel der Welt. Also dreht euch jetzt um ihn. Zum Teufel mit allem!“

Ich schnappte mir meine Jacke, die auf der Lehne des Stuhls hing, und begab mich zum Ausgang.

„An‘ bleib stehen!“ schrie mir Denis hinterher.

Doch ich hatte bereits die Tür geöffnet und atmete die kühle Luft ein.

Der Panzer bröselte sich auf. Der Körper zitterte, reagierte auf das Rascheln unter den Füßen, die Autosignale, die Gespräche der Vorbeigehenden. Die Geräusche schlugen auf mich ein und erzwangen eine Vibration - tief in mir. Ich wollte nur eines – Stille, mich von den betäubenden Geräuschen der Stadt befreien, von meinen Gedanken, Erinnerungen,

Weglaufen! Hinter die Grenzen des Hörbaren…

Zweites Zeichen

Ich bin grenzwertig. Meine Grenzwertigkeit bestimmen die Ängste. Sie erlauben es mir nicht, mit den Gefühlen zusammenzuwachsen, die ich erlebe, erlauben es nicht diese zu genießen. Ich bin wie ein Halbblüter in der Gesellschaft von Menschen mit reinem, adligen Blut. Sie sind sich ihrer hohen Position bewusst und bewegen sich mit einem geraden Rücken und einer hypertrophierten Würde. Ich spüre immer eine Verklemmtheit und versuche die Blicke, die auf mich gerichtet sind, zu umgehen.

Auch jetzt würde ich gerne fliehen. Dieser Luftmangel von den aufkommenden Gefühlen jagte mir Angst ein und egal wie pathetisch es klingen mag, ich dachte immer, dass ich dessen nicht würdig bin. Nicht würdig, mit meinem durch Dissonanzen verunreinigtem Blut, diese Euphorie zu spüren.

Sie blickte auf mich, lächelnd, und die Ecken ihrer grünen Augen lächelten mit. Entweder fühlte sie meine Verlegenheit und Unsicherheit, oder sie spielte ein ihr lang bekanntes Spiel. Ich saß gegenüber und spürte ein ohrenbetäubendes, trommelartiges Klopfen des Herzens. Mir schien als ob mein ganzer Körper in jenem hysterischen Rhythmus bebe.

„Warum trinkst du nicht?“, sprach sie und nickte auf das Glas, das ich in meiner Hand festhielt. Ihre Stimme klang selbstsicher, doch mir schien, dass sie etwas zu tief sei für die äußerliche Zerbrechlichkeit ihrer Figur.

„Ich?“, fragte ich noch einmal und im Inneren wurde es kalt. Sie lächelte noch mehr und sagte: „Aha, es gefällt dir nicht?“

„Nein, es ist einfach…einfach…“, ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Das Tohuwabohu im Kopf füllte sich mit dem Bewusstwerden dessen, dass meine Dummheit alle Rekorde schlägt.

„Ich heiße Maja“, sagte sie und reichte mir die Hand.

Das operative System meines Auffassungsvermögens des Geschehenden brach zusammen, ich konnte nicht einen einzigen nützlichen File finden. Doch der Autopilot übernahm und ich reichte ihr meine Hand. Warme Finger drückten meine Hand und als wir uns losließen liefen ihre Finger zart über meine innere Handfläche.

Für mich sind Berührungen sehr intim. Ich mag es nicht, wenn Unbekannte mich berühren oder sich mit „Bises“ austauschen wollen. Ich erlaube sogar manchen Freunden nicht, mich zu berühren. Möglicherweise ist es der innere Ekel. Oder meine Überzeugung, dass die Berührung eine Form der Übergabe von Energien ist. Und diese Substanz ist bei allen unterschiedlich.

Doch in diesem Moment setzte sich alles auf null und ich verstand nur wenig. Ich antwortetet mit einer Geste auf die Geste der Begrüßung. All meine Abgebremstheit war auf dem bisherigen Level und Maja nahm wieder die Initiative in ihre Hände.

„Hast du einen Namen?“

In diesem Moment, so schien es, arbeiteten alle vorrätigen Generatoren und ich versuchte zu scherzen.

„Ja, ich glaube als ich geboren wurde, wurde mir ein Name gegeben. Anja.“ ich sprach den eigenen Namen nur mit Mühe aus. So als ob dieser fremd war und mir wenig bekannt.

„Anja also, fabelhaft! Hey, Sheri!“ sie hob die Hand nach oben und rief den Barman. „Sheri, Pfote, machst du dem jungen Fräulein Anna eine „Blaue Lagune“, fragte sie den heran gekommenen, subtilen Kerl mit großen Tunneln in den Ohren.

„Für dich, Biene, was immer du dir wünschst“, antwortete er.

„Bist du alleine oder mit jemandem hier?“ Sie setzte sich neben mich auf den freien Stuhl.

„Ich bin mit einer Freundin hier. Sie…Ähm…ist zu Bekannten gegangen. Und ich, nun…“

„Trinkst du diesen ekligen Saft? Oder was ist das, ein „Schraubenschlüssel“?“, fragte sie und hob das Glas bis zur Augenhöhe, um zu verstehen, welches Getränk ich trinke.

„Nein, kein Schraubschlüssel, einfach Apfelsinensaft. Ich trinke nicht.“

Maja lächelte.

„Wer trinkt hier überhaupt? Ich glaube, alle probieren es nur so aus. Ich habe eine deutsche Bekannte aus Dresden, die trinkt. Ich spreche nicht übers Bier. Das ist schließlich das Nationalgetränk, aber sie trinkt Wodka! Einmal waren wir…“

Und hier war die leise Pause vorbei und man hörte nur noch ohrenbetäubende Technomusik.

Dieser war wahrscheinlich der einzig passende Ort für Gays in unserer halb provinziellen Stadt. Die Musik dröhnte nicht die ganze Zeit. Die Pausen mit einer angenehmen, leisen Instrumentalmusik gaben dem Volk die Möglichkeit sich zu unterhalten. Der Klub war nicht groß, doch sehr gemütlich. Sofas, kurzbeinige Tische, Sitzsäcke, auf die sich alle mit Vergnügen schmissen, eine kleine Bühne in der Mitte und eine lange Bartheke, hinter der einige Barmänner standen. Die Gesichtskontrolle war nur eine Formalität, hier kannte fast jeder jeden.

Natürlich war die weibliche Gesellschaft vorherrschend, genauer gesagt die Gemeinschaft, die die Energien weitergab. Dieser unverständliche Ansatz einer aufgeregten Sexualität, einer gefühlten, elektrisierenden Angespanntheit, irgendeiner zärtlichen Sorge und gleichzeitiger Aggression, das alles nahm ich auf und es war unangenehm.

Ich ging selten an jene Orte, wo sich viele Menschen versammelten. Ich hatte irgendeine unbestimmte Angst vor Ansammlungen von Menschen. Und wenn nicht Ritka gewesen wäre, die mich jetzt im Stich gelassen hat und verschwand, wäre ich nicht hier her gekommen.

Maja traf ich vor zwei Jahren an der Uni. Das war mein zweites Studium. Mir wurde langweilig und ich reichte die Dokumente für ein Fernstudium in Jura ein. Ich kann nicht sagen, dass ich davon träumte, ein renomierter Jurist zu werden, nur musste ich mich mit etwas beschäftigen, und das Lernen ist meine langjährige Hingabe zum Zeitvertreib, um nicht an die Gegenwart zu denken. Und in der Gegenwart gab es Einsamkeit, das Lesen von Büchern, die Verbortheit der Mutter, eine langweilige Arbeit als Manager in einer kleinen Firma, die etliche Businessveranstaltungen organisierte.

Erste Sitzung. Das Kennenlernen mit schon erwachsenen Kursteilnehmern, die Einschätzung der Dozenten und das Abzählen der Schmiergelder. Alles nach Standard und vorhersagbar. Außer zweier Treffen, die von der Monotonie der Vorlesungen und wenig aufregenden Unterhaltung mit den Kommilitonen abhoben. Beide fanden in der Universitätsbibliothek statt, beide am gleichen Tag, beide zerbrachen meine Schablonenhaftigkeit.

Die lange Literaturliste für die Fächer stimmte mit der langen Schlange in der Bibliothek, in der ich bereits 15 Minuten lang anstand. Das Quadrat vor der Ausgabetheke der Bücher war voll gedrängt mit Studenten. Lachen, Kreischen, alles vermischte sich, und diese Kakophonie machte lebhaft und erzeugte eine Vorahnung auf etwas Neues. Ich beobachtete, wie eine junge Frau in ihrer Tasche wühlte und nichts finden konnte. Sie stand etwas weiter weg von der Menschentraube und wiederholte mit ihren Lippen „Fuck“.

Dann, nachdem sie die Geduld verloren hatte, schüttete sie alles aus der Tasche auf den Boden und begann auf den Knien stehend in dem Inhalt zu graben. Doch wie seltsam, sie fand nicht das, was sie suchte, nahm die Tasche mit Zorn in die Hand und begann noch wütender in ihr Inneres zu schauen. Als sie eine der inneren Taschen aufmachte, die ich nicht sehen konnte, lächelte sie schief. Und ja, vollkommen nach dem Gesetz des Genres, war das ein Glanzstift für die Lippen, rosafarben. Immer noch auf den Knien stehend, machte sie die Tube auf, nahm einen Handspiegel, der zwischen den Sachen auf dem Boden lag und begann mit einem besonderen Vergnügen mit dem Pinsel ihren Mund zu bestreichen. Nach dem vollendeten Akt räumte sie alles wieder in die Tasche ein, stand auf, richtete sich den Rock und gesellte sich sorgenlos zu ihren stöhnenden Freundinnen in der Schlange.

Für mich ist es immer eine Offenbarung, wenn vernünftige Menschen sich so verhalten. Das sind nicht mal Instinkte, das ist irgendeine glamouröse Hysterie, die sich im Gehirn festgesetzt hat und einen zwingt eine geschminkte Puppe zu