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Die Gedichte der "Zweiten Generation" oszillieren auf der Zeitachse. Der Blick in die Vergangenheit richtet sich auf das väterliche ostjüdische Erbe der Autorin und sein Wirken in die Gegenwart. In einer säkularisierten Welt hinterlässt es seine Spuren in alten Träumen vom Orient, im Streben, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, im Lauschen auf eine Antwort aus dem schweigenden Weltall. Aber auch in der allgegenwärtigen Gefahr, zum Opfer zu werden. Denn auch in der Gegenwart erwacht die menschliche Bestie in immer neuen Masken, um ihre alte Mordlust auszuleben. Ihr Nährboden ist die vergebliche die Suche nach einem Lebenssinn, die Illusion, Teil von etwas Bedeutungsvollem zu sein, selbst wenn die Anhänger der "Bestie" dafür zu Mördern zu werden. Der Blick in die Zukunft spielt mit dem utopischen Potential der Seele; auf Figuren, die die "Welt der Bestie" überschreiten, Gestalten aus einer Welt zwischen Tag und Traum: der Tänzer, der Exilant, die Prinzessin aus der Berliner Sagenwelt, die am Grunde des Sees schläft, die kleinen Mädchen im Winter, die nach Liebe rufen und der Engel in Gestalt eines Kneipenbesuchers, der diese Liebe in aller Stille in die Welt trägt.
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Seitenzahl: 31
Veröffentlichungsjahr: 2022
Neliah Fuchs
Die Zweite Generation
Gedichte und Lieder
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
1 VORWORT
2 DIE ZWEITE GENERATION
3 THE SECOND GENERATION
4 JAAKOV
5 OPFER
6 ALPTRAUM
7 DER FABELHAFTE MR: FOX
8 EIN OLIVENHAIN
9 AN DER WESTMAUER
10 DER CHERUB
11 THE CHERUB
12 GEWEBE DER ZEIT
13 AN PETERSBURG, DIE FERNE
14 DIE AUGEN DER BESTIE
15 THE EYES OF THE BEAST
16 AB DURCH DIE MITTE
17 BUS A 245
18 IM LAND DER ANGST
19 LIED FÜR DIE KLEINEN MÄDCHEN IM WINTER
20 DER SILIKONSONG
21 THE VIRTUAL SONG
22 AN EINEM „HEILIGEN ORT“
23 DER FRÜHSTÜCKSSAAL
24 WARUM IST DIE STADT SO STILL?
25 WAFFENSTILLSTAND
26 DER SCHATTEN DES TÄNZERS
27 DER NARR
28 DIE TIGERIN
29 CASINO DER ENGEL
30 IN EINEM PARALLELUNIVERSUM
31 IN EINEM PALAST AM GRUNDE DES SEES
32 SCHLOSS GLIENICKE
33 DER TÄNZER
34 THE DANCER
35 DER EXILANT
36 NACH DEM SCHIFFBRUCH
37 IN DER BLAUEN STUNDE
38 WITHOUT YOU
39 ICH MÖCHT' DICH WIEDERSEHN
40 UNTER MEINER HAUT
41 EIN TOR AM NOLLENDORFPLATZ
Zur Autorin
Impressum neobooks
Dieses Buch ist für Noah.
Danke, mein Liebster, für die Inspiration und die Herausforderung.
Danke für die Musik, die Du mir geschenkt hast und Deinen heiser-zärtlichen Gesang.
Danke für Deine Liebe.
von Jorge Telles de Menezes,
Cornelia Fuchs ist die Dichterin der Zweiten Generation. In welch düsteren Berliner Straßen lebt heute diese zweite Generation, ihr mystischer Traum von Cherubim im Dialog, die schreckliche Einsamkeit der Kinder, die in eisigen Landschaften spielen und im Fenster Kerzen entzünden, damit der schweigende Schutzengel auf sie aufmerksam werde? Was hat sich verändert?
Das Merkwürdigste von allem ist, dass die Poesie selbst in diesem apokalyptischen Universum, das die Berliner Realität an sich ist, zu existieren vermag. Ihre Poesie schreibt gegen die Abwesenheit von Schönheit an, gegen das Verlöschen der Erinnerung, gegen die Phantasmen, die nicht weichen wollen, gegen das absurde Treiben einer Welt, die innerlich hohl ist, wo das Wort Glück in Computerspielen so gezeichnet wird, dass es sich in sein Gegenteil verkehrt, in den Krieg aller gegen alle in der kalten Nacht ohne Sterne.
Es liegt eine vage, aber beharrliche Sehnsucht in dieser Poesie. Was ist aus den Träumen geworden, nicht aus denen der einsamen Nächte, sondern aus denen von der kollektiven Erlösung, der radikalen Heiterkeit der Wiederbegegnung als Bestimmung des Menschen? Die Metaphysik, die aus diesen Gedichten entsteht, formuliert sich im Kampf gegen das Vergessen, in der Suche nach den universalen Wurzeln des Seins, das noch atmet, jenseits der zerstückelnden Mechanisierung des Bewusstseins.
Eine Blume, eine brennende Kerze, eine Freundin, irgendwo verloren in der weiten Welt, ein türkisches Mädchen sind Signale dafür, dass das Menschliche weiterlebt im Dasein, im Träumen - wie die betörende und nostalgische Poesie von Cornelia Fuchs.
Von eigenartiger Notwendigkeit war unsere erste Begegnung
Unausweichlich und schön
Wie die Gezeiten der Seelen
Und doch verstört sie mein Herz.
Wir sollten eigentlich nicht hier sein.
Wir sind die zweite Generation.
Unsere uralte Verbundenheit
Gleicht der Verschwörung von Waisen
In einem wohlgeordneten Asyl.
Wir sind haltlos, aber gelehrig, jeder ist stolz auf uns.
Sogar die Söhne der Schlächter
Preisen unsere Versöhnlichkeit.
Uns mordet man nicht, uns verbrennt man nicht.
Uns schützt ihr schlechtes Gewissen.
Und unser kleiner schäbiger Schmerz behelligt keinen.
Du hast dich hierzuland gut eingerichtet.
Die Reichen neiden dir Deinen Glanz
Und die Schönheit Deines Geistes.
Die Armen neiden Dir die Grenzenlosigkeit
Deines Exils und die Anmut, mit der Du sie durchschreitest .
Es rühmen Dich die Pilger des Vergessens,
Es rühmen dich die Bettler auf der Jagd
nach den Fiktionen ihrer sprachlosen Seele.
Deshalb belagern sie wie ehedem
Deine Klause am See
Und Sie flehen Dich an:
„Gib uns Träume ...
