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Sei nett zu jedem Menschen. Du weißt nicht, was dein Gegenüber im Stillen belastet. Die Sommerferien beginnen für einen Jungen wie immer. Bis er die Lebensgeschichte von Lieselotte hört, die sowohl traurige Momente als auch Glücksmomente erlebt hat. Er lernt, dass jeder Mensch seine „Päckchen“ mit sich herumschleppt. Das Leben dieser Frau ist von äußeren Umständen geprägt. Sie macht die Erfahrung, dass sie ihre Umwelt nicht verändern kann, jedoch ihre innere Einstellung. Und dass alles passiert, wenn sie bereit dafür ist. Dieses Buch schildert die guten und schlechten Erlebnisse während des Zweiten Weltkriegs und des Jahrzehnts danach.
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Veröffentlichungsjahr: 2023
Inhaltsverzeichnis
Impressum
1. Auflage
Originalausgabe 11/2023
Impressum:
Sophia Fuchs c/o AutorenServices.de Birkenallee 24 36037 Fulda
Copyright © 2023 by Sophia Fuchs
Alle Rechte sind vorbehalten. Printed in Germany.
Für meine liebe Oma.
Ich werde dich immer im Herzen tragen.
Vorwort
Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern.
Aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.
(Angelehnt an C. S. Lewis)
Hast du dich schon einmal gefragt, wo und wer du jetzt wärst, wenn in der Vergangenheit eine Minute oder ein Ereignis anders verlaufen wäre? Gäbe es dich dann? Wo gäbe es dich? Hätte dieser Moment dein Denken und deinen Charakter verändert?
Ich kann von mir mit Sicherheit sagen, ich bin froh, dass meine Vergangenheit so ist, wie sie ist. Natürlich habe auch ich Situationen, die ich bereue. Momente, von denen ich wünschte, ich hätte sie nicht erlebt.
Als ich wieder einmal über meine Kindheit nachgedacht hatte, landete ich in Gedanken automatisch bei meinen Großeltern, bei denen ich viele, viele spannende Ferien verbracht hatte. Sie hatten einige Ansichten, Gewohnheiten, Tagesabläufe, die sich von denen meiner Eltern erheblich unterschieden. Es wurden Geschichten aus vergangenen Zeiten erzählt.
Es gab Tipps zur richtigen Zubereitung von Fleisch. Und Bernsteinanhänger am Hals meiner Oma. Aber ein Teil der Lebensgeschichte wurde übersprungen. Erst nachdem meine Großeltern verstorben waren, hörte ich einige Fakten aus diesem Teil ihres Lebens. Die Kriegs- und Nachkriegszeit wurde nie erwähnt. Und ich hatte sie auch nie darauf angesprochen.
Dieses Buch beschäftigt sich mit den Gefühlen hinter den rationalen Tatsachen wie der Vertreibung aus der Heimat während des zweiten Weltkrieges und dem Leben in der neuen Heimat.
Es soll als Liebesgeschichte verstanden werden, die wahre Begebenheiten zur Grundlage hat. Meine Generation ist die letzte, die mit diesem Teil der Geschichte verbunden ist. Mir ist es wichtig, die Vergangenheit darzustellen; und deutlich zu machen, wie viel Leid diese Zeit verursacht hat – ohne zu vergessen, dass ihr auch viel Glück entsprungen ist. Zugleich möchte ich das Leben meiner Omi und meines Opas wachhalten.
Sommer 2019
Alsfeld
Hier auf der Wiese im Garten ist mein absoluter Lieblingsplatz. Immer, wenn meine Mama und ich hier sind, zieht es mich zu der riesigen Wiese. Frisch gemäht - auf der Picknickdecke - kann ich am besten mein Buch lesen. Es scheint wieder die Sonne. Das ist mein Glückssommer. Bisher hat es nur einmal geregnet, aber das ist schon länger her. Das Gras ist schon wieder trocken genug, um drauf zu sitzen. Ich habe mir ein ganz bestimmtes Plätzchen ausgesucht. Wenn hier einmal die Sonne scheint, hilft mir nämlich auch kein Cappy mehr. Aber zum Glück steht mitten auf der Wiese, die bestimmt so groß ist wie ein Fußballfeld, ein riesiger Zwetschgenbaum. Er ist bestimmt schon sehr alt. Noch sind die Zwetschgen zu klein, um sie zu pflücken. Und wenn sie reif genug sind, um sie zu pflücken, sind wir nicht mehr hier. Ich wohne nicht in Alsfeld. Mama und ich sind nur für, vielleicht, 2 Wochen hier. Sie muss ein paar Sachen regeln, hat sie gesagt. Und ich habe Sommerferien, also bin ich mitgekommen. Nach den Ferien komme ich in die 5. Klasse. Ich freue mich schon riesig darauf.
Die letzten Buchseiten sind gelesen. Also schnappe ich mir Buch und Picknickdecke, auf der inzwischen einige Ameisen Fangen spielen und gehe wieder zurück zum Haus. Meine Mama macht mir die Tür auf.
»Schatz, möchtest du mit in die Stadt kommen? Ich wollte kurz am Rathaus vorbei. Es gibt dort bestimmt einen Buchladen. Vielleicht findest du ja ein neues Buch, das du gerne lesen möchtest.«
Die Idee ist gut. Das Buch ist gelesen; also käme jetzt die große Leere. Internet gibt es hier nicht und der Handyempfang ist auch nicht überragend. Ich hatte, als wir angereist waren, vorgeschlagen, die Leiter zu benutzen, um in den Zwetschgenbaum zu klettern. Ganz oben ist bestimmt der Empfang besser als auf der Wiese darunter. Leider weiß ich nicht, wo die Leiter steht. Und der erste Ast, mit dem ich mich hochziehen könnte, hängt zu weit oben.
»Mama, wie hast du das früher überlebt, als es noch keine Handys gab?«
Mama schaut mich grinsend an. »Ich habe viel gelesen. So wie du. Hast du dein Buch schon durch?«
»Ja. Das Buch war voll spannend! Du hattest Recht. Ich finde es richtig krass, was Menschen damals erlebt haben. Da haben wir ein viel leichteres Leben im Vergleich.«
»Weißt du was, mein Schatz? Wir schauen gleich einmal nach einem ähnlichen. Aber ich glaube, ich habe eine bessere Idee.«
Das macht sie ständig. Erst reden und mich dann zappeln lassen. Natürlich drängle ich sie immer weiterzureden. Aber sie lässt sich wie immer Zeit. Haben alle Erwachsenen so viel Zeit im Leben?
»Schau mal«, redet sie nun endlich weiter. »Ich habe gerade Tagebücher entdeckt, die im und nach dem zweiten Weltkrieg geschrieben wurden, also auch lange bevor ich geboren war. Nicht so alt wie die Römer, aber unglaublich spannend. Hättest du Lust, dass ich dir die Geschichte von der Frau erzähle, die ihr Leben aufgeschrieben hat? Das wäre quasi ein Live-Buch. Eine Mischung aus Buch und Film, aber in Echt.«
»Dein Ernst? Ja cool! Wann fangen wir an?«
»Erst einmal fahren wir nach Fulda. Wenn wir wieder da sind, okay? Ich muss dich vorwarnen: Die Geschichte dauert ziemlich lange. Dafür werden wir einige Zeit brauchen.«
Gut, dass ich Ferien habe. Ich wüsste eh nicht, was ich hier sonst machen sollte. Andere Kinder, mit denen ich etwas unternehmen könnte, kenne ich hier nicht.
»Gut. Dann ist das ein Plan. Bist du fertig? Können wir los?«
Das liebe ich an ihr. Sie nimmt sich immer Zeit für mich. Auch wenn sie eigentlich Anderes zu erledigen hat. Irgendwie schafft sie es immer, na gut, meistens, sich um mich zu kümmern. Sie weiß wahrscheinlich, wie langweilig es hier ist, wenn man niemanden kennt.
Fulda ist schöner als ich dachte. Nicht so groß wie München, aber schon ganz okay. Auf dem Weg vom Buchladen zurück zum Auto bleibt Mama plötzlich stehen.
»Schau mal. Da vorn ist ein Eiscafé. Sollen wir uns hier ein Eis gönnen?«
Sie kennt mich echt gut. Ich habe noch nie »Nein« zu einem Eisbecher gesagt. Wahrscheinlich werde ich das auch nie. Schokolade und Bubblegum esse ich am liebsten. Vielleicht haben sie ja sogar einen Kinderüberraschungsbecher.
Mit einem neuen Buch über die Römer am Limes ausgestattet, gehen wir rüber zur Eisdiele. Meine Mama hat meistens richtig gute Ideen. Und Eis geht eigentlich immer. Die Fußgängerzone ist riesig. Hier ist das Eiscafé ganz in der Nähe meiner Jetzt-Lieblingsbuchhandlung.
Sie haben hier zwar keine Ü-Ei-Becher, aber mit Schokoriegel geht es notfalls aus. Mama nimmt eine heiße Waffel mit Kirschen.
»Möchtest du in den nächsten Ferien einmal mit mir nach Flensburg fahren? Du warst schon einmal da, aber da warst du noch zu klein, um dich noch daran zu erinnern. Da gibt es Eisbecher in der Fußgängerzone, der nicht mal von unserer zuhause übertroffen werden können. Und da gibt es Ü-Ei-Becher.«
Sie hat mir schon öfter von unserem Urlaub in Flensburg erzählt. Sie hat recht, ich erinnere mich nicht mehr daran. Die Fotos hat sie mir auch schon einmal gezeigt. Aber Fotos von Häusern und dem Strand anzuschauen, wenn ich die Gegend nicht kenne, zählt jetzt nicht direkt zu meinen Hobbies.
»Da war doch Oma Cristina mit, oder?«
Mama nickt. »Ja, war sie. Sie kennt sich sehr gut dort aus. Und wenn wir wieder hinfahren, kommt sie bestimmt gern mit. Dann mieten wir uns eine Ferienwohnung oder ein Ferienhaus und genießen die Seeluft. Die Ostsee ist wirklich sehr schön.«
Der Tag wurde immer besser. Von Mama geerbt habe ich definitiv meinen Reisedrang. Sie nennt es »das Nomaden-Gen«. Immer unterwegs zu sein, fremde Orte kennenlernen; das macht einfach riesigen Spaß. Man kommt auf andere Gedanken und entdeckt spannende Orte.
»Guck mal Mama«, versuche ich sie jetzt zu motivieren. »Es ist ruhig hier, kaum ein Platz besetzt. Kannst du nicht hier schon anfangen, mir die Geschichte zu erzählen? «
»Kann ich gern machen. Stimmt, wir haben Zeit. Scheint nicht so, als müssten wir möglichst flott das Eiscafé wieder räumen… Also gut. Lehn dich zurück. Wie gesagt, es dauert etwas länger.«
Mama beginnt zu erzählen …
1
Frühling 1939
Köslin
Ein guter Anfang
»Kinder, das Essen steht bereit! Wascht euch bitte die Hände und kommt herein!« schallte es durch den Garten. Eigentlich war Lieselotte kein Kind mehr. Eher eine Jugendliche. Nicht so Werner, ihr kleiner Bruder; sie wurden immer noch als Kinder gerufen. Mit ihren 16 Jahren stand sie kurz vor ihrer Abschlussprüfung zur Mittleren Reife. Sie wusste, sie hatte gut für die Prüfungen gelernt, verbrachte dennoch die Nachmittage am Schreibtisch und lernte fleißig weiter. Nach der Schule gingen die zwei Kinder gerne noch in den Garten des Dreifamilienhauses, das ihre Oma damals gekauft hatte. Der Zwetschgenbaum, der in der hinteren Ecke des Gartens stand, war der perfekte Kletterbaum.
Die beiden sprangen aus dem Baum und rannten quer durch den Garten. Die Schuhe stellten sie sauber an der Hintertür ab und gingen zum Waschbecken, um sich gründlich Gesicht und Hände zu waschen. Werner war mit seinen 11 Jahren schon fast so groß gewachsen wie Lieselotte, worüber die beiden gerne Witze machten. Größer als Tante Erna, die in der Etage über ihnen wohnte, war er schon seit Weihnachten. Inzwischen war es Frühling. Deren Mutter, Maria Bader, kochte so gut, dass Lieselotte immer schon bei dem Gedanken an das Mittagessen das Wasser im Mund zusammenlief.
Vater Wilhelm kam, wie meistens, für die Mittagspause von der Arbeit heim, um mitzuessen, bevor er weiterschuftete. Genau wie an diesem Mittwoch. Was genau er arbeitete, wusste Lieselotte gar nicht. Ihre Mutter war Hausfrau wie die Mutter ihrer besten Freundin auch. Lieselotte wusste, dass sie nach der Schule eine Ausbildung machen würde. Die Mutter ihrer besten Freundin Margarethe hatte ihr einen Ausbildungsplatz in einer Fleischerei besorgt. Darauf freute sie sich schon sehr. Aber jetzt musste sie erst einmal die Schule beenden. Also hieß es nach dem Essen wieder: Lernen, lernen, lernen.
»Würdest du bitte Lieselottes Teller mit abräumen, Werner-Schatz?«, bat Maria daher ihren Sohn Werner. Ohne zu zögern, nahm er die beiden Teller und verschwand in der Küche.
»Ich weiß ja, wie viel du zu lernen hast. Dein Ehrgeiz ist bewundernswert!«, sprach sie ihrer Tochter zu.
Ein wenig beschämt dankte sie den beiden und zog sich in ihr Zimmer zurück. Es lag am Ende des Flures, direkt gegenüber vom Schlafzimmer ihrer Eltern. Ihr Bruder wohnte in dem kleinen Zimmer neben ihr.
Die Zahlen verschwammen vor ihren Augen. Sie konnte sich heute nicht mehr auf die Mathematik konzentrieren. Verträumt schaute sie aus dem Fenster und beobachtete mit einem Lächeln im Gesicht den Spatz, der im Baum vor ihrem Fenster saß und fröhlich zwitscherte. Für einen Moment war sie frei. So frei wie der kleine Vogel in dem Baum. Wofür würde sie denn Mathematik brauchen, wenn sie Fleisch verarbeiten würde? Der Vogel konnte keine Mathematik. Er baute sein Nest, fand ein Weibchen und versorgte die kleinen Küken, wenn sie aus dem Ei schlüpften.
»Ich bin eben kein Vogel«, riss sie sich aus ihren Gedanken und widmete sich wieder ihren Büchern. Sie hörte, wie sich ihr Vater wieder auf den Weg zur Arbeit machte und ihr Bruder sich in sein Zimmer verkroch. Wahrscheinlich würde er dort wieder seine Zinnsoldaten aufstellen und Krieg spielen. Beide hatten den Krieg von 1914 nicht miterlebt. Aber der Opa erzählte oft davon. Sie wollte nie wieder etwas mit so etwas Brutalem zu tun haben wollen. Immerhin war das jetzt schon 21 Jahre her. Länger als ihr gesamtes Leben. Sie konnte sich nicht vorstellen, wie es sein musste, im Krieg zu leben. Und ehrlich gesagt wollte sie das auch gar nicht herausfinden. Sie hörte aber manchmal ihre Eltern reden. Wenn sie abends vor dem Einschlafen in ihrem Bett lag, griff sie immer häufiger Wortfetzen wie »NSDAP«, »Adolf Hitler«, »Juden und Arier«, »Schulden des Krieges abbezahlen« auf. Auch im Radio kamen immer häufiger Reden von Goebbels und Göring. Sie kannte sich aber damit nicht aus und wusste auch nicht so recht etwas damit anzufangen.
Einen Monat noch, dann habe ich die Schule hinter mir, dachte sie sich. Wie wohl die Ausbildung werden würde? Braucht man da auch diese ganzen Rechnungen wieder, die ich nicht verstehe?
»Jetzt reiß dich zusammen!«, ermahnte sie sich, sah noch einmal aus dem Fenster, ob der Vogel noch dort saß und vertiefte sich wieder in ihr Mathematikbuch.
So gingen die Tage dahin. Sie rannten förmlich, bis dann der Tag der letzten Prüfung anbrach. Lieselotte hatte die ganze Nacht kein Auge zugetan, sie hatte sich hin- und hergewälzt und war im Kopf noch einmal alles durchgegangen, was sie in den letzten Monaten gelernt hatte. Wie jeden Morgen wartete schon Margarethe an der Straße, damit sie gemeinsam zur Schule gehen konnten. Der Weg war nicht weit und das Wetter hätte besser kaum sein können.
»Hast du schlafen können?«, begrüßte Margarethe sie gleich.
»Nicht eine Minute!« Lieselottes Stimme zitterte. »Mutter hat mir meine Lieblingswurst aufs Butterbrot geschmiert. Ich glaube nicht, dass ich vor Aufregung auch nur einen Bissen herunterbekomme.«
Das Frühstück hatte das nervöse Mädel nicht angerührt. Heute war der letzte wichtige Tag. Den würde sie auch noch gut überstehen. Wie die anderen zuvor auch. Eine ganze Weile gingen die beiden schweigend nebeneinander her. Bis Margarethe Lieselotte aus ihren Gedanken riss.
»Mein Vater hat vorgeschlagen, am Wochenende wieder mit dem Fahrrad an die See zu fahren. Hast du Lust mitzukommen?«
Sofort rief sie begeistert aus: »Ach, das wäre wunderbar, Margarethe!«
Gerne dachte sie an die letzte Radtour mit ihrer Freundin. Die war im letzten Herbst gewesen. Margarethes Eltern hatten einen Picknickkorb mit vielen selbstgemachten Leckereien gepackt. Die See war nicht weit entfernt. Ihre Freundin und sie fuhren schon seit einigen Jahren dorthin. Früher, als sie so alt war wie ihr Bruder jetzt, hatte sie noch nicht alleine zur See gedurft. Aber nun war sie ja schon selbstständig. Und wenn im Haus alle Arbeiten erledigt waren, durfte sie manch einen Samstag mit ihrer besten Freundin an der See verbringen.
Es war jedes Mal wie ein kleiner Urlaub. So richtig weggefahren war sie mit ihren Eltern noch nie. Also weit weg, wie es manche ihrer Klassenkameraden erzählten. In andere Teile Deutschlands zum Beispiel. Aber sie sah auch keinen Grund dazu. Köslin war ihre Heimat. Dort gab es alles, was man sich nur wünschen konnte: Berge, die Ostsee, diverse Seen und Wälder. Und die Altstadt mit ihrem sehr merkwürdigen Kopfsteinpflaster und dem riesigen Marktplatz. Die Stadt selbst stand auf einem Hügel, den sie im Winter - und die waren hier sehr lang und kalt - mit dem Schlitten herunterrasen konnten. Selbst eine Bäckerei und die Metzgerei, bei der sie bald ihre Ausbildung beginnen würde, waren sehr nah gelegen. Es gab sogar einen kleinen Lebensmittelladen. Wozu musste sie da verreisen?
Mit der Vorfreude auf den Ausflug am Wochenende war die Aufregung wie weggeblasen. Aufgeregt schnatternd liefen die beiden Mädchen die Straße entlang. Und dann stand sie vor ihnen. Die Schule mit der mächtig anmutenden, schweren Holztür. Die zwei drückten sich noch einmal, sprachen sich Mut für die Prüfung zu und verschwanden in dem großen Gebäude.
Am Samstag stand Lieselotte besonders früh auf. Sie machte sich frisch, zog sich ihren Badeanzug an und Kleidung darüber, die warm genug für den Frühlingstag und bequem genug zum Radfahren war. Ihre Armbanduhr ließ sie heute daheim, damit sie nicht vom Sand an der Ostsee zerkratzen konnte. Auch wusste sie, dass das Salzwasser der Uhr unnötig zusetzen würde. Die Uhr war ein Geschenk zu ihrer Konfirmation gewesen. Ein schönes rundes Ziffernblatt und ein schwarzes Lederarmband zierten seither ihr linkes Handgelenk.
Das Fahrrad war schnell hergerichtet. Ihre Mutter hatte ihr bereits einen kleinen Picknickkorb fertiggestellt, damit sie ebenfalls etwas zum Essen beisteuern konnte. Der Korb fand bequem Platz auf dem Gepäckträger ihres Drahtesels. Zu schwer sollte er auch nicht sein, denn eine Gangschaltung hatte ihr Fahrrad keine. Eigentlich war die Küstenregion flach, aber die Dünenlandschaft vor der Ostseeküste und die Hügel in und um Köslin hatten es in sich.
»Viel Spaß wünsche ich dir, mein Schatz. Du hast dir die Auszeit nach der langen Lernphase verdient. Genieß den Tag.« Maria drückte ihrer Tochter den Picknickkorb in die Hand und schob sie sanft zur Tür hinaus.
Margarethe und ihre Eltern warteten bereits vor der Tür auf sie. Sie schnallte den Korb auf den Gepäckträger und alle vier machten sich auf zur See.
»Ich schlage als Ziel heute Nest vor. Großmöllen waren wir beim letzten Mal. Wir mieten uns dort zwei Strandkörbe, dann sind wir auch vor dem Wind geschützt.« Mit diesen Worten fuhr Margarethes Vater voran in Richtung Norden. Köslin ließen sie schnell hinter sich. Es war von Vorteil, dass sie im Norden Köslins wohnten. So mussten sie nicht noch durch die komplette Stadt fahren.
Eine knappe Stunde später stellten die vier Ausflügler ihre Räder an der Promenade ab und gingen zum Strand, nachdem sie zwei beieinanderstehende Strandkörbe gemietet hatten. Es war ein typischer Frühlingstag. Der Wind an der See war nicht zu unterschätzen, aber die Temperaturen in der Sonne waren schon recht angenehm.
Margarethe lud ihre Freundin ein: »Komm, wir schwimmen ein wenig.«
»Ist das nicht noch zu kühl um diese Uhrzeit?« Lieselotte wollte schon gern schwimmen. Aber sie waren gegen 10 Uhr losgefahren, also konnte es jetzt nicht später als 11 Uhr sein. »Ich glaube, ich warte noch ein paar Minuten.« Sie kuschelte sich noch einmal in den schützenden Strandkorb und genoss die schöne Aussicht auf die blaue See. Sie wusste aus Erfahrung, dass der Strand nicht mehr lange so leer sein würde. Nach dem Mittagessen würde er sich mit Einheimischen und Wochenendausflüglern aus allen Teilen Pommerns füllen, die mit ihren Autos oder der Bahn in diesem schönen Fleckchen Ruhe und Erholung suchten.
Als die Mittagssonne ihren höchsten Stand erreicht hatte, sprangen die beiden Mädchen ins Wasser. Die Küste war in diesem Bereich so flach, dass sie etliche Meter ins blaue Meer gehen mussten, bevor sie die nötige Tiefe zum Schwimmen erreicht hatten. Sie tobten im Wasser herum und genossen die schulfreie Zeit. Die ganze Anspannung der letzten Wochen vor den Prüfungen schien von ihnen abzufallen.
Als sie gerade das Wasser wieder verlassen wollten, rief Margarethes Vater vom Strand her, sie sollen noch bitte kurz dort stehenbleiben. Bibbernd standen sie nebeneinander im flachen Gewässer. Sie hatten jeweils einen Arm um die Schulter der anderen gelegt. Das Foto, das er schoss, würde für immer diesen Moment festhalten.
»Nun aber raus zum Strandkorb. Ich brauche jetzt erst einmal das Handtuch, um mich trockenzurubbeln.«
»Oh ja. Und danach machen wir eine gemütliche Pause«, fügte Margarethe hinzu.
Am Nachmittag spazierten die Beiden mit Margarethes Mutter den kleinen Landstreifen entlang, der den Jamunder See von der Ostsee trennte. Hierher, zu den schmalen Wegen, zog es jeden Urlauber, der der steifen Brise der See und den freudig kreischenden Kindern für eine Weile entkommen wollte.
Es war ein wunderschöner Tag, der irgendwann leider zu Ende ging. Die vier Radler suchten alle Sachen wieder zusammen, verschlossen die Strandkörbe und schwangen sich auf ihre Räder, um den Heimweg gen Süden anzutreten. Der Gollenturm war schon bald sichtbar. Immer weiter radelten sie, deutlich erschöpfter als auf der Hinfahrt, zurück nach Köslin.
Einige Tage später drückte Margarethe ihrer Freundin ein Foto in die Hand. Beide hatten es sich in Lieselottes Zimmer bequem gemacht. Als sie nebeneinander saßen und das Foto betrachteten, konnten sie nicht anders als in schallendes Gelächter auszubrechen. Dieses Bild drückte sehr deutlich aus, wie kalt es an diesem Frühlingstag im Wasser gewesen war. Kein Wunder, denn wenige Wochen zuvor war ja noch Winter gewesen. Da konnte die Ostsee selbstverständlich keine 20 Grad warm sein. So warm wurde sie nicht einmal im wärmsten Sommer. Lieselotte war schon froh, dass keine Eisschollen mehr auf der See schwammen.
»Schau mal. Ich steh da wie eine Gans im Gewitter«, gluckste Lieselotte.
Das löste den nächsten Lachanfall der beiden aus.
Margarethe stellte erst jetzt fest, dass sie die Einzigen im Wasser gewesen waren. »So verrückt wie wir ist auch sonst niemand. Nur die paar Kinder, die mit ihren nackten Füßen am Rand der Wellen gebuddelt haben. Aber vollständig im Wasser? Das können nur wir beide. Stell dir vor, wir hätten keine Handtücher zum Abtrocknen dabei gehabt!«
»Oh je, das wäre ein Drama geworden«, pflichtete Lieselotte bei. »Sag einmal, bist du eigentlich auch schon so aufgeregt? Ich weiß, dass meine Deutschnote ganz gut sein wird. Der Lehrer hat da schon etwas angedeutet. Dich hat er ja auch genannt als eine der Klassenbesten in Deutsch. Aber was ich in Mathe bekomme, weiß ich beim besten Willen nicht.«
Aufgeregt waren sie beide. Genau wie alle anderen Schülerinnen der Abschlussklasse. Lange mussten sie nicht mehr warten, bis das Zeugnis ausgehändigt würde.
»Herzlichen Glückwunsch zu deinem Abschluss«, dröhnte die durchdringende Stimme des Vaters durch das Wohnzimmer, als Lieselotte ihren Eltern stolz ihr Zeugnis präsentierte. »Du kannst sehr stolz auf dich sein! Du hast sehr viel gelernt und Fleiß zahlt sich aus!« Mit diesen Worten drückte Wilhelm seine schon große Tochter fest an sich. Es war ihm anzumerken, wie stolz er war, dass seine Erstgeborene einen wichtigen Schritt im Leben erreicht hatte.
Lieselotte wischte sich verstohlen eine Freudenträne aus dem Gesicht. Zur Feier des Tages hatte ihre Mutter ihre Lieblingsspeise gekocht: Königsberger Klopse mit Salzkartoffeln. Das Gericht hatte Maria von deren Mutter, Lieselottes Großmutter, übernommen und bereits an Lieselotte weitergetragen. Heute brauchte Lieselotte aber nicht in der Küche mithelfen. Heute wurde sie gefeiert! So sehr sie sich freute, wollte sie aber am liebsten zu Margarethe rennen und mit ihr singen und tanzen. Ihre Freundin war bestimmt gerade genau so glücklich und erleichtert wie sie selbst!
Ob sie auch so gute Noten hat wie ich, fragte Lieselotte sich.
Jetzt war nicht die Zeit, darüber zu grübeln. Sie setzten sich alle an den Tisch und redeten über die Prüfungen, Lieselottes Lieblingslehrer Herrn Schmid, und die Pausen. Natürlich machten Mädels der Abschlussklasse etwas vollkommen Anderes als 11-jährige Jungen. Aber beide waren sich darüber einig, dass die Pausen länger sein könnten. Werner hoffte, dass er im kommenden Schuljahr auch so einen Lehrer wie Herrn Schmid bekommen würde. Er war sehr streng, aber auch gerecht. Es wurden nur die Kinder mit dem Paddel geschlagen, die wirklich etwas Dummes angestellt hatten. Andere Lehrer bestraften erst einmal jeden Schüler, der nicht sofort gehorchte. Herr Schmid war da anders. Werner würde im Herbst erfahren, wer sein neuer Klassenlehrer sein würde.
»Ich drück dir die Daumen, Brüderchen. Vielleicht bekommst du ja auch Herrn Schmid. Ich habe mitbekommen, dass nur noch Lehrerinnen bei uns unterrichten werden. Die männlichen Lehrer kommen dann bestimmt zu euch.« Lieselotte sah Werner wohlwollend an.
Werner sah es positiv: »Wenn er nicht weiß, an welche Schule er dann soll, kann er gern zu uns kommen. Mein Lehrer, den ich jetzt habe, ist viel zu streng. Letztens hatte ein Mitschüler seinen Schnürsenkel auf, hatte es aber nicht gemerkt. Was macht mein Lehrer? Geht zu ihm rüber und hält eine Standpauke, die sich gewaschen hatte. Armer Junge, wusste nicht wie ihm geschah. Es war doch nur der Schnürsenkel aufgegangen. In der nächsten Pause musste er drin hocken und die ganze Pause den Satz schreiben: Ich kleide mich ordnungsgemäß. Er tat mir schon richtig leid«, bedauerte Werner seinen Klassenkameraden.
Mutter Maria war ins Gesicht geschrieben, dass sie etwas fragen wollte. Bevor sie ihren Mund öffnen konnte, fragte Lieselotte ihren Bruder: »Ist dir auch schon einmal so etwas bei dem Lehrer passiert? Musstest du auch schon in der Pause Strafe schreiben?«
»Wo denkst du hin, Schwesterherz?! Ich verhalte mich anständig in der Schule.«
»Warum nur dort?«, neckte Lieselotte ihn.
Jetzt kam der Einwand der Mutter. Ein knappes »Lass gut sein« genügte, um Lieselotte zum Schweigen zu bringen. Sie saßen also gedankenversunken da und ließen sich das Essen schmecken.
Die Königsberger Klopse mit den perfekt gekochten Kartoffeln zergingen allen Vieren auf der Zunge.
»Mutter, das Essen schmeckt hervorragend«, lobte auch Werner, der vom Kochen nicht wirklich viel verstand, wie Lieselotte fand. »Wenn ich die Ausbildung begonnen habe, werde ich immer die besten Stücke Fleisch mitbringen«, versprach Lieselotte.
Sie war schon unglaublich aufgeregt. Schon bald würde es losgehen. Sie hatte ein klein wenig Angst davor. Es war eben doch nicht das Gleiche wie einfach zur Schule zu gehen und jeden Tag die gleiche Routine zu haben. Nun wusste sie, sie würde früher aufstehen müssen. Aber Arbeit, das klang doch einfach so erwachsen. Es war nicht üblich, dass die Frauen nach der Ausbildung ihren Beruf ausüben würden, wenn sie erst einmal verheiratet waren und Kinder hatten.
Wird das bei mir auch so sein? Werde ich einen Ehemann finden, der das Geld verdient, während ich mich um die Kinder kümmere? Wie viele Kinder werde ich wohl einmal haben? Werde ich vielleicht gar keinen Ehemann finden und mein Leben lang in der Fleischerei in Köslin arbeiten? Diese und viele andere Gedanken schossen ihr durch den Kopf. Mit ihren 16 Jahren fühlte sie sich schon so unglaublich erwachsen. Schade, dass ich erst mit 21 selbst über mein Leben bestimmen darf. Das ist noch eine lange Zeit bis dahin.
»Möchtest du später wieder auf den Zwetschgenbaum klettern?«, riss Werner sie aus ihren Gedanken.
»Natürlich! Ich klettere höher als du!«
»Ah ah, Wernerlein«, mischte sich Maria ein, »hast du nicht etwas vergessen?«
»Ach Mutter! Kann ich bitte das Holz für den Kamin nach dem Klettern hochholen? Bitte! Nur dieses eine Mal! Meine Lieblingsschwester hat gerade ihr Abschlusszeugnis bekommen, da möchte ich nur dieses eine Mal noch mit ihr klettern. Bald ist sie sich bestimmt zu fein für den Baum.«
»Na gut«, erlaubte Mutter Maria, »nur dieses eine Mal.«
Damit verschwanden die Kinder kichernd in der Küche, bevor sie sich im Garten vergnügten.
Kann das Leben nicht immer so schön sein, meldeten sich Lieselottes Gedanken. Sie genoss diese unbeschwerte Zeit.
Fulda
Das Eis war natürlich schon lange aufgegessen. Mama hat schon bezahlt und wir machen uns auf zurück zum Auto.
»Das waren jetzt ganz schön viele Infos, Mama.«
»Ja, das stimmt. Und das habe ich dir jetzt erst einmal erzählt, damit du ein Gefühl für das Leben damals bekommst. Es war anders als unseres, aber eigentlich gar nicht so viel anders. Gut, es gab kein Internet, Computer oder den ganzen Schnickschnack von heute. Aber von der Denkweise der Lieselotte her, gar nicht so anders als zum Beispiel deine.«
»Was ich nicht verstehe: Bei den Römern haben die Frauen auch nicht gearbeitet. Aber die konnten damals auch nicht lesen. Das konnten ja nur die Superreichen. Aber Lieselotte konnte lesen und schreiben. Hat sie wirklich nicht arbeiten dürfen, wenn sie doch schon eine Ausbildung machte?«
»Nein. Damals durfte die Frau nur arbeiten, wenn es der Ehemann erlaubt hat. Das hat sich erst geändert, kurz bevor ich geboren wurde. Da durfte die Frau dann selbst entscheiden, ob und was sie arbeiten wollte.«
Ich kann nicht anders. Der Lachanfall steckt fest und muss raus. Mama schaut mich vielsagend an. »Ich weiß, was du jetzt denkst. Aber, mein Sohn, SO alt bin ich noch nicht!« Wir lachen jetzt beide, denn genau das hatte ich mir gerade gedacht.
Die gesamte Rückfahrt über muss ich darüber nachdenken, was Mama mir gerade erzählt hat. Mein großes Ziel war auch immer die Realschule. Ich glaube aber, ich werde nicht in den Kochzweig gehen, sondern irgendwas Technisches machen. Das Kochen soll lieber Mama machen, das kann sie viel besser als ich. Wobei ich vor ein paar Jahren schon einmal Bratwürste mit Kartoffelpüree und Gemüse gemacht habe. Und das war ziemlich lecker gewesen. Manchmal helfe ich auch einfach so beim Kochen mit. Mama zeigt mir dann immer, dass ich das Fleisch quer zur Maserung schneiden soll, damit es zarter ist. Aber ich finde irgendwie nie die Maserung. Also überlasse ich ihr das. Und die Lieselotte aus der Geschichte ist da bestimmt richtig gut geworden, wenn es um das Fleischzubereiten ging.
»Erzählst du mir heute Abend weiter, was passiert ist?«
Mama schaut mich an und lächelt. Dieses verständnisvolle Lächeln, das ich so mag. Sie lacht nicht über mich. Sie nimmt mich ernst. Da kenne ich auch andere Menschen. Bei denen weiß ich nie, wie sie es meinen, wenn sie lächeln. Manchmal habe ich bei denen das Gefühl, dass das Lächeln bedeutet: »Werde´ du erstmal erwachsen. Das kannst du noch nicht verstehen. Dazu bist du noch zu jung.« Dabei stimmt das gar nicht. Ich bin nicht sonderlich groß, aber zu jung für wichtige Themen? Die haben ja keine Ahnung!
Wir beide einigen uns darauf, dass wir am nächsten Tag mit der Geschichte weitermachen.
Nach dem Frühstück, Brot mit Rührei und Schinken, setzen wir uns ins Wohnzimmer. Opa Heinz muss von meiner Mama wie immer gezwungen werden, sich einfach mal in den Sessel zu setzen. Er möchte immer mit abräumen und spülen, wie er es für Omi auch immer gemacht hat. Aber das ist schon ein paar Jahre her. Sie ist gestorben, da war ich… 4 ungefähr. Ich erinnere mich nur noch grob an sie. »Opa hat sie richtig geliebt, oder?«
Mama dreht sich zu mir um und schaut mich mit dem altbekannten Blick an, der sagt, dass ich mal wieder nur den letzten Satz meiner Gedankenkette laut ausgesprochen habe.
»Du meinst Omi, oder? Ja. Er hat sie richtig aus tiefstem Herzen geliebt. Und sie ihn auch.«
Ich muss kurz erklären: Mit »Omi« ist meine Uroma gemeint. Mit »Opa« logischerweise mein Uropa. Es hat immer jeder nur Opa und Omi gesagt. Also habe ich das so übernommen. Opa Heinz ist witzig. Er freut sich immer tierisch, mich zu sehen. Und wenn wir dann draußen mit seinem elektrischen Rollstuhl fahren, sitze ich auf seinem Schoß und steuere, geb Gas und lenke. Da lacht er dann immer ganz laut. Mama hat davon schon einige Fotos gemacht.
Das schlage ich ihm auch jetzt vor. Aber ich glaube, das Frühstück hat ihn sehr angestrengt. Er ist eben nicht mehr der Jüngste.
»Ich mache kurz eine Pause. Dann setze ich mich zu Omi.«
Ich steh von der Couch auf und geh in die Küche. »Mama. Opa möchte sich gleich zu Omi setzen, sagt er. Wen meint er damit?«
»Er meint deine Uroma. Er ist leider schon ein bisschen durcheinander. Und sie fehlt ihm so ungemein. Sein Gehirn und sein Herz verstehen nicht, dass seine Frau jetzt im Himmel ist. Schau mal, sie waren über 60 Jahre lang miteinander verheiratet. Das ist eine unglaublich lange Zeit.«
»Ich weiß nicht, was ich ihm sagen soll. Kannst du mit ihm reden?«
»Na klar. Machst du hier weiter, mein Schatz?«
Sie drückt mir den Spüllappen in die Hand und gibt mir einen Kuss auf die Stirn.
Später, als Opa Heinz sich für ein Nickerchen zurückgezogen hat, kommt Mama in unser »Gästezimmer« und fragt, ob wir uns in den Garten setzen sollen. Sie möchte mir die Geschichte weitererzählen. Mit Picknickdecke und Limonade im Arm gehen wir durch das Haus und machen es uns wieder an meinem Lieblingsplatz bequem.
Mama fragt mich, ob ich noch irgendwelche Fragen habe, bevor sie weitererzählt. Ich muss kurz überlegen und mich noch einmal an das erinnern, was sie mir gestern erzählt hat.
»Eigentlich habe ich nur eine Frage. Meinst du, die Königsberger Klopse haben genauso gut geschmeckt wie deine? Waren das die gleichen? Mit so sauren Dingern drin?«
»Kapern meinst du? Ja. Ich denke, das waren wohl so ähnliche. Die müssen wir auch mal wieder kochen. Wenn wir nachher einkaufen fahren, schauen wir, dass wir alles dafür zusammensammeln können. Dann koche ich uns die morgen. Opa Heinz freut sich bestimmt auch. Er isst sie auch sehr gerne.«
2
Frühsommer 1939
Neue Eindrücke
Und dann war er da: Der erste Tag in der Fleischerei. Früh am Morgen stand sie auf und machte sich bereit für die Arbeit. Zum Frühstücken musste sie sich zwingen. Viel zu aufgeregt war sie, als dass sie an Essen hätte denken können. Sie kannte die Familie schon lange und war auch des Öfteren zuvor in der Metzgerei gewesen. Aber dort zu arbeiten war eben etwas ganz anderes.
Was, wenn ich ein gutes Stück Fleisch auf den Boden fallen lasse? Oder wenn ich einer Kundin versehentlich Gans statt Huhn verkaufe? Wie spricht man überhaupt die Kundinnen an? Ich glaube, ich kann das nicht. Zu viele Gedanken schwirrten ihr durch den Kopf. Dabei merkte sie gar nicht, wie sie immer schneller lief, um nicht zu spät zu kommen. Sie war froh, dass sie am Tag zuvor mit ihrer Mutter den Weg gegangen war, um zu schauen, wie lange sie brauchen würde. Allerdings bei ihrer Geschwindigkeit unterbot sie die Zeit von gestern um etliche Minuten. Leicht außer Atem blieb sie vor der Tür im Hinterhof der Metzgerei stehen. Sie wischte ihre vor Aufregung schwitzigen Hände an der Jacke ab und trat ein. Die Ladentür im Verkaufsraum war um diese Zeit für die Kunden noch geschlossen.
Der Fleischerei-Inhaber begrüßte Lieselotte freundlich und überreichte ihr eine Schürze, die sie im Verkaufsraum und beim Verarbeiten des Fleisches tragen würde. Dann begann die Führung durch die Räumlichkeiten und erste Erklärungen, was sie in den kommenden Jahren als Lehrling erlernen wird.
Im Verkaufsraum sah sie zum ersten Mal die Verkaufstheke von der anderen Seite. Oft war sie als Kundin mit ihrer Mutter hergekommen. Es war schon hell draußen, in den Verkaufsräumen war das Licht noch ausgeschaltet. Dies würde, so wurde ihr erklärt, erst mit Aufsperren der Kundentür angeschaltet. Die Theke war mit allerlei Wurstsorten bestückt. Hinter der Theke hingen Salamis in verschiedensten Formen und Farben.
»Wie lange dauert es, bis man die Namen der Wurst- und Salamisorten kennt?«, fragte Lieselotte etwas eingeschüchtert angesichts der Unmengen an Fleischprodukten.
»Machen Sie sich keine Sorgen, Fräulein Bader, die werden Sie sehr bald kennen. Und nicht nur das. Sie werden auch bestens informiert sein, von welchem Teil des Tieres die Fleischsorten stammen und damit die Kunden sehr gut beraten können. In der Berufsschule lernen Sie die Theorie und nötige Buchhaltung, um zu verstehen, welches Fleisch zu welchem Preis verkauft wird. Nicht jedes Teil eines Tieres ist gleich viel wert. Kommen Sie, ich zeige es Ihnen.« Damit ging Herr Schwanke in den Raum hinter dem Laden.
»Ich sehe, Sie haben schon die richtigen Schuhe an. Hier benötigt man Schuhe, die ruhig dreckig werden können und Ihnen beim Laufen Halt geben. Mit normalen Straßenschuhen würden Sie hier ständig ausrutschen«, fügte der Metzger noch hinzu.
Die beiden standen mit der Ehefrau, Frau Schwanke, in dem riesigen Raum, der keinerlei Dekoration aufwies, wie sie es im Verkaufsraum bemerkt hatte. Dort standen Blumengestecke und kleine Deckchen, auf denen gekochte Eier in verschiedenen Farben in einem Korb lagen. Es wirkte idyllisch und damit konträr zu dem Raum, in dem sie gerade standen. Hier gab es lediglich Haken an der Decke, geflieste Wände und eine Art Küche aus Edelstahl. Sie fragte nicht nach, wie die Geräte einzeln zu bedienen waren. Früher oder später würde sie es schon lernen. Und ehrlich gesagt brummte Lieselotte bereits der Schädel von so vielen Eindrücken. Von draußen hörte sie ein Hupen und folgte Herrn und Frau Schwanke nach draußen in den Hinterhof. Ein kleiner Lastwagen stand dort. Der musste gerade gekommen sein, denn als sie vor einer halben Stunde gekommen war, war er noch nicht dort. Der Fahrer begrüßte Herrn Schwanke mit Handschlag. Höflichkeiten wurden ausgetauscht. Recht bald wurde sie jedoch mit eingespannt, Metallzäune neben die rechte und linke Seite des Transportwagens zu stellen. Der Fahrer öffnete die Ladetür und zum Vorschein kamen zwei ziemlich große, rosafarbene Säue. Ein wenig verdreckt waren sie. Jedoch wollte sie sich nicht die Blöße geben, nachzufragen, ob sie noch gewaschen würden. Lieselotte konnte sich nicht vorstellen, dass der Dreck später in der Wurst landen könnte. Die laut quiekenden Schweine wurden von der Ladefläche in den hinteren Raum getrieben, in dem Lieselotte kurz zuvor noch gestanden hatten.
Die Bilder der Schlachtung selbst würden Lieselotte noch lange nicht aus dem Kopf gehen. Es war etwas ganz Anderes, ein Stück rotes Fleisch oder eine Wurst zu kaufen, als zuzusehen, wie die Schweine ausblutend von der Decke hingen.
Die Schürze für den Verkaufsraum tauschte sie vorrübergehend gegen eine schwere Schürze aus, die wasserabweisend zu sein schien. Die Metzgersfrau reichte ihr ein Paar Gummistiefel, die sie gegen die neuen Schuhe tauschte, die sie erst vergangene Woche mit ihrer Mutter eigens für die Metzgerei gekauft hatte.
Während es ihre Aufgabe war, das Blut in dem großen Eimer zu rühren, damit es nicht gerinnt, beobachtete sie, wie die Metzgersfrau mit ihrem Mann die Schweine für die Weiterverarbeitung herrichtete. Jetzt beantwortete sich ihre insgeheim gestellte Frage, wofür die riesige rechteckige Wanne gebraucht wurde, in der vor der Schlachtung Unmengen von Wasser erhitzt wurden. Für Suppe konnte es nicht sein, das war ihr klar. Denn sie konnte sich nicht erinnern, dass hier Suppe angeboten wurde. Herr Schwanke und seine Frau nahmen die erste Sau vorn und hinten an den Läufen und tauchten sie vorsichtig in die riesige Wanne. Lieselotte beschloss, vorerst nicht zu fragen, warum sie das taten. Sie war sich sicher, dass sie es früher oder später schon lernen wird. So beobachtete sie einfach die Abläufe, während sie ununterbrochen rührte, und prägte sich möglichst viele Informationen ein. Sie war so mit Beobachten beschäftigt, dass sie gar nicht bemerkte, wie zeitweise das Blut aus dem Eimer schwappte und ihre Gummistiefel in ein dunkles Rot tauchte.
Das Blut wurde in einen riesigen Topf umgeschüttet und mit allerlei Dingen vermischt, bis es eine feste Konsistenz annahm. Es wurde zu kleinen Bällchen geformt und beiseitegelegt.
Lieselotte war überwältigt von der Geschwindigkeit, in der das Ehepaar routiniert viele unterschiedliche Dinge zeitgleich zu erledigen schien. Würste wurden zum Brühen vorbereitet, Innereien verarbeitet, der Kopf zerlegt und in »ihr« Möpkenbrot gemischt, Schwarte vom Fleisch und Fleisch vom Knochen getrennt.
»Kennen Sie Möpkenbrot?«, fragte Herr Schwanke sie in einer etwas ruhigeren Minute.
»Meine Mutter macht es öfter. Es zählt nicht zu meinen Lieblingsgerichten, muss ich gestehen.«
»Eigentlich ist es auch kein Gericht aus Pommern. Wir haben, wie so viele andere hier in Köslin, Verwandte aus Westfalen. Das ist ganz im Westen, bei der niederländischen Grenze. Hier wird eher Blutwurst hergestellt. Wir haben uns allerdings einen Ruf gemacht, auch westfälische Fleischwaren herzustellen. Ohne sich von anderen Metzgern abzuheben, wird es schwierig, Kundschaft zu halten. Wir sind nun einmal nicht die einzige Fleischerei in der Region. Wir haben allerdings hier einen guten Standort, zu dem die Kundschaft guten Zugang hat, wenn sie sich auf den Weg zum Markt macht. Im Sommer kommen unsere Kunden gern nach dem Marktbesuch zu uns, damit das Fleisch möglichst lang kühl bleibt.«
Darüber musste Lieselotte erst einmal nachdenken. Sie nahm sich vor, ihre Mutter zu fragen, welche Verwandten sie in Westfalen hatte, wenn das Möpkenbrot eigentlich gar nicht aus dieser Gegend stammte.
Alsfeld
»Stopp! Ist das das ekelige Zeug, das Opa gerne isst?« Ich kann nicht glauben, dass es wirklich noch mehr Menschen gibt, die Schweineblut essen.
»Du wirst überrascht sein. Es gibt viele Menschen, die das aus irgendwelchen, mir unersichtlichen Gründen essen. Und damals war Fleisch sehr teuer. Da hat man alles (wirklich alles) verarbeitet. Auch die Schweinefüße und den Kopf. Heute wird eher mal großzügig weggeworfen. Ich würde auch nicht unbedingt Schweinekopf mit Sauerkraut essen wollen. Darum gab es das bei uns auch noch nicht. Die Zeit ist einfach eine andere.«
»Uns geht es gut, oder? Wir können wochenlang in den Urlaub fahren, haben ein großes Zuhause und müssen kein Schweineblut essen.«
»Das stimmt. Und weißt du was? Dein Opa Walter muss das auch nicht essen. Aber er isst es trotzdem echt gern. Ich habe früher immer die Nase gerümpft, wenn er es wieder mit Äpfeln angebraten hat. Es roch echt widerlich.« Mamas Gesicht zeigt deutlich, wie ekelig sie Möpkenbrot findet. »Aber weißt du, ich glaube, so schlimm riecht das gar nicht. Das war MEIN Kopfkino, das mir sagt, es muss ekelig riechen, weil es ja festes Blut ist. Ich glaube, so ekelhaft wäre es nicht einmal.«
Mit einem ungläubigen Blick frage ich sie, ob sie es schon einmal probiert hat. Mama schüttelt mit dem Kopf. »Vielleicht möchtest du es einmal probieren. Sollen wir mal schauen, ob der Metzger das hier auch hat? Dann mache ich dir Möpkenbrot und Opa Heinz und ich essen Königsberger Klopse. Plan?«
Jetzt war es an mir, energisch mit dem Kopf zu schütteln.
Und mit einem Blick auf mich geht es weiter mit der Geschichte…
Köslin
Pünktlich um 10 Uhr schien es, als seien die letzten Stunden nie geschehen. Der Raum, in dem sie den Vormittag über erstaunt beim konzentrierten Arbeiten zugesehen und zum Teil Hand angelegt hatte, war wieder so sauber wie bei ihrer Ankunft am Morgen. Es standen allerdings auf den Edelstahlflächen viele gleichfarbige Schüsseln, in denen die unterschiedlichsten Fleischprodukte auf den Verkauf oder die Weiterverarbeitung warteten.
Frau Schwanke erklärte der jetzt doch etwas überforderten Lieselotte ruhig: »Montags bringt Bauer Schmidtke immer die Schweine. Was wir aus denen gewinnen, reicht für die gesamte Woche. Die nächsten Tage werden wir frühmorgens andere Dinge erledigen. An manchen Samstagen bringt ein anderer Bauer ein Rind, das wir dann so verarbeiten wie heute die Schweine.« Mit einem Blick in Lieselottes Gesicht fügte Frau Schwanke hinzu: »Sie sehen sehr blass aus. Keine Sorge, Sie werden sich an diese Routine gewöhnen. Die erste Schlachtung ist immer die schlimmste. Ihnen setzt bestimmt der Geruch des Blutes zu, richtig?«
Zu mehr als einem leichten Nicken war der Lehrling nicht fähig.
Die Schuhe und Schürze waren bei allen dreien gewechselt, die Hände und Arme gewaschen. Frau Schwanke sah Lieselotte erneut direkt an. »Sie sind ganz grün um die Nase.« Sanft schob sie den Lehrling in einen Nebenraum zu einem Stuhl, der mit drei weiteren um einen Holztisch herumstand. Sie hatte diesen Raum heute früh gar nicht gesehen. Komisch, dachte sie sich, dass es in der Metzgerei so einen gemütlichen Aufenthaltsraum gibt. Dankbar setzte sie sich. Frau Schwanke verschwand und kam kurz darauf mit einem Glas Wasser wieder.
»Sie müssen darauf achten, immer viel zu trinken. Dieser Raum ist der Rückzugsort, in dem Sie ihre Berichte schreiben können und sich Notizen machen können. Im Verkaufsraum ist das nicht möglich. Und während der Schlachtung natürlich auch nicht. Ich kümmere mich um die Kundschaft. Bleiben Sie eine Weile hier und atmen ein paar Mal tief durch. Haben Sie sich etwas zum Schreiben mitgebracht? Dann wäre es jetzt der richtige Zeitpunkt aufzuschreiben, was Sie sich gemerkt haben. Vielleicht fallen Ihnen auch schon Fragen ein. Am Ende der Woche setzen wir uns dann zusammen und besprechen die erste Woche. Bis gleich.« Damit verschwand Frau Schwanke durch die Tür zum Verkaufsraum. Das Geschnatter der Kundinnen drang gedämpft bis zu Lieselotte vor. Genaue Themen konnte sie nicht ausmachen. Sie vermutete aber, es wurde sich über alles ausgetauscht, was am Wochenende im Ort geschehen war.
Als Lieselotte ihre Kräfte gesammelt und sich Notizen zu den ersten Stunden gemacht hatte, stand sie auf, rückte den Stuhl wieder unter den Tisch und ging aufrecht in den Verkaufsraum. Sie erinnerte sich an den Ratschlag ihrer Mutter, stets freundlich zu lächeln, wann immer sie den Verkaufsraum betrat. Also setzte sie ihr freundlichstes Lächeln auf und gesellte sich zur Metzgersfrau. Herr Schwanke war wohl im Schlachtraum. Lieselotte ging ihrer Chefin zur Hand und verpackte die abgewogenen Wurst- und Fleischwaren der Kundinnen und schrieb die einzelnen Beträge auf einen Zettel. Das Addieren zur Gesamtsumme übernahm allerdings noch die Chefin selbst, ebenso das Kassieren und Händeln des Wechselgeldes. Lieselotte war nicht bös drum, da sie heute eh das Gefühl hatte, keinen einzigen klaren Gedanken mehr fassen zu können. So verging Stunde um Stunde. Ihre Schnitte und den Apfel aß sie an dem schon zuvor von ihr besetzten Stuhl im Nebenraum. Herr und Frau Schwanke setzten sich nur kurz zu ihr, standen aber rasch wieder auf und machten sich wieder an die Arbeit. Lieselotte hatte allerdings den Auftrag erhalten, nicht vor Ablauf der halbstündigen Pause wieder im Verkaufsraum zu erscheinen. Der Laden war ohnehin über die Mittagspause geschlossen. Stunde um Stunde verging, bis Frau Schwanke verkündete, dass das Abwischen der Verkaufsfläche die letzte Tätigkeit für sie gewesen sei und es nun Zeit sei, nach Hause zu gehen.
»Wir sehen uns morgen um 7 Uhr wieder. Gehen Sie heute früh schlafen. Glauben Sie mir, Sie werden den Schlaf brauchen.« Mit diesen Worten entließ ihre neue Chefin sie.
Lieselotte hatte schon öfter gehört, dass die Ausbildung zu Beginn sehr anstrengend sein würde. Sie war ja schließlich nicht gewohnt, den ganzen Tag körperliche Arbeit zu verrichten statt den halben Tag die Schulbank zu drücken. Dass es allerdings so überwältigend sein würde, hätte sie im Leben nicht gedacht. Eine gewisse Hochachtung für alle, die eine Arbeit ausübten, überkam sie.
»Ob ich mir das jemals alles merken kann«, murmelte Lieselotte auf dem Heimweg vor sich hin.
Der Weg war nicht weit. Sie musste lediglich den Wall in Richtung Mühlentor gehen und war dann schon fast in der Fabrikstraße. Bei Regen und Sturm eher nicht der schönste Weg, aber durchaus zu meistern. Sie war schon deutlich weitere Strecken gelaufen. Noch war es Sommer. Es war schon hell, wenn sie zur Arbeit ging. Vielleicht, überlegte sie, wäre es gut, in den nicht frostigen Wintertagen mit dem Rad zu fahren. Eigentlich könnte sie auch morgen schon das Fahrrad nehmen. Es gab bestimmt hinter der Metzgerei eine Möglichkeit, es zu lagern, während sie arbeitete.
Daheim angekommen, wollte Werner alles wissen. »Wie war der erste Tag? Ist der Chef nett? Hast du uns Fleisch mitgebracht?
