Dieses endlose Rauschen - Hansjörg Bauer - E-Book

Dieses endlose Rauschen E-Book

Hansjörg Bauer

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Beschreibung

Experimentelle Kurzprosa? Absurde Miniaturen? Oder einfach nur kleine Albernheiten? "Dieses endlose Rauschen" ist auf jeden Fall ein spezielles und mit einem ganz eigenen Humor ausgestattet. Ideal für jenes Zwischendurch, bei dem man gerne mal irritiert die Stirn in Falten legt.

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Seitenzahl: 34

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Hansjörg Bauer

Dieses endlose Rauschen

Kurzprosa

 

I M P R E S S U MDieses endlose Rauschen von Hansjörg BauerCopyright © 2016 by Ralf Jesek. Alle Rechte [email protected] ISBN: 978-3-9584-9846-4 

An die Wand

Manchmal wünsche ich mir Mono. Und Schwarz-Weiß. Aber in diesem Moment hätte keines von beiden eine Chance gehabt. Links und rechts lachte es laut auf, während mir ein rotbackiges Gesicht seine Hand auf die Schulter legte. »Verstehst du? Der Hund hatte kein Fell mehr! Kein Fell! Der Hund!« Ich nickte und verstand nicht. Aber sein Interesse an mir war bereits wieder verflogen. Es drehte sich um und verschwand in die Menge. Und ich lehnte mich erleichtert zurück an die Wand und kicherte so leise wie möglich.

Das Kleine noch mal

Ehedem, draußen im stürmischen November. Da saß ich samt zerbrochenem Butterkeks auf einem Grenzstein und trauerte mit blankem Entsetzen meiner Weitsicht nach. »Ab heute wird sich alles in kürzeren Distanzen abspielen«, hatte mein Augenarzt damals noch gelacht, bevor er mich aus dem Behandlungszimmer schob.

Inzwischen habe ich gelernt mit meinem Kleinstradius umzugehen. Tellerrand mit Blumen und jämmerliche Wortklumpen, die ich in die klare Brühe spucke. Hui, wie das spritzt! Und es macht nicht einmal nass!

Freund

»Ich hätte es voraussehen müssen! Ich hätte es voraussehen müssen!« sagte er immer wieder, meine Frage nach dem »Was« standhaft ignorierend. Dabei griff seine Hand nach dem billigen Kaffeelöffel, hob ihn hoch, drehte ihn ein paar Mal und ließ ihn wieder auf den Tisch fallen. Ich hatte mich längst an das metallene Geräusch gewöhnt, so dass ich erst gar nicht begriff, was die Frau meinte, als sie mir auf die Schulter tippte und mir eindringlich ins Ohr flüsterte, ich solle doch bitte meinem Freund sagen, er möge damit aufhören, da es sie furchtbar nervös mache. Bevor ich ihr noch erklären konnte, dass es sich bei ihm keineswegs um meinen Freund handelte, hatte sie bereits wieder ihren Platz am Nebentisch eingenommen und las in einer Illustrierten. »Ich hätte es voraussehen müssen«, meinte er nur, als ich ihm die Bitte vortrug, und ich konnte nicht umhin, ihm diesmal zuzustimmen. Und später dann, als ihn die Frau mit einer Kuchengabel erstochen hatte, bedauerte ich es tatsächlich, ihn nicht näher gekannt zu haben.

Das hübsche Etwas

Ich habe den kleinen Mann gesehen! Er stand auf der Straße und hat mir die Zunge raus gestreckt. Und dann kam dieses hübsche Etwas und hat ihm kräftigst in den Unterleib getreten. Dabei hat er sich die Zunge abgebissen. Das kleine, rote Ding fiel einfach so auf den Teer und hat noch ein wenig gezuckt. Und dann hat es dieses hübsche Etwas mit elegantem Schwung in den Gully gekickt.

Jaha! Ätschbätsch! Impertinenz zahlt sich eben nicht aus!

Irgendwo

Mit dem linken Schuh in weichem Hundekot stehend, versichere ich mir glaubhaft, dass nichts so scheint wie es ist. Und während zwei unglaublich schlecht rasierte Männer versuchen, irgendeine Welt aus irgendwelchen Angeln zu heben, tritt ein lustiger Clown an mich heran und beansprucht das Exkrement für sich. »Riecht zwar nicht gut, macht aber einen warmen Fuß«, argumentiert er überzeugend. Also mache ich ihm Platz und warte darauf, dass Wasser aus seiner Ansteckblume spritzt. Und während ich meinem Tod durch eine Lungenentzündung entgegen sehe, bin ich froh zu wissen, dass es eben doch noch konstante Dinge gibt.

Es ist also noch nicht alles verloren.

Allegorie

Zwei kleine Kinder spielen am Bahngleis.

Eines wird vom Zug erfasst und in die nächste Stadt geschleift. Das andere beneidet es um die weite Reise.

So, und nicht anders

Das Menschsein ist öde. Mit nichtigen Existenzproblemen konfrontiert, findet der tägliche Kampf ums Überleben seinen Platz im allmorgendlichen Aus-dem-Bett-wühlen. Alle Tätigkeiten so schrecklich unoriginell. Schlafen, essen, trinken, koitieren, urinieren, sich bewegen. So notwendig. So langweilig. Träume mit einem Bausparvertrag erkauft, weil man eine Zukunft braucht. Kinder in der Welt gesetzt, weil die Zukunft noch an einen denken soll. Sich selbst aufgegeben, weil man nichts mehr mit sich anzufangen weiß. Alles investiert. Alles arbeitet. Selbstständig. Autonom. Öde.