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Werner, geboren in Ostdeutschland, wächst im Saarland auf. Nach dem Fall der Mauer will er zu seinen Wurzeln zurück und den Menschen im Osten Deutschlands das Arbeiten beibringen. Dabei überschätzt er sich und wird auch im Osten abgelehnt. Seine kleine Familie, die er gründete um unterzutauchen, belügt, betrügt und bestiehlt er. Die Frau flüchtet mit dem Kleinkind ins Frauenhaus. Erst am Abgrund erkennt der Mann seine verpasste Chance.
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Seitenzahl: 45
Veröffentlichungsjahr: 2014
Verfolgt von seinen Gläubigern entschließt sich Dirty Wossi nach dem Fall der Mauer, den Ostdeutschen das Arbeiten beizubringen.
Er unterschätzt sich und wird auch im Osten abgelehnt. Seine kleine Familie, die er gründete, um unterzutauchen, belügt, betrügt und bestiehlt er.
Die Frau flüchtet mit dem Kleinkind ins Frauenhaus. Erst am Abgrund erkennt der Mann seine verpasste Chance. Aus Unkenntnis wird seine Frau Co-abhängig, dann entscheidet sie sich zu einer ungewöhnlichen Radikalmaßnahme.
Dirty Wossi wird erst Obdachlos und später ein trockener Alkoholiker. Er beginnt sein Leben mit Sport neu zu organisieren.
Versuche nichts zu verbergen, denn die Zeit deckt alles auf
Diese Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Orte und Personen sind nicht identisch.
Werners Wurzeln
Zwischenstation Stuttgart
Einzug in den Osten
Entwicklungshilfe
Folgen seines Egos
Zähmung eines untreuen Ehemanns
Neue Chance
Werner schlägt das Kassenbuch zu, ein Blick auf seine Armbanduhr zeigt ihm, dass er wieder Überstunden gemacht hat. Nein so ein Leben will er nicht, Verkäufer im Discounter, dabei zwirbelt er seinen Schnurrbart und beißt sich auf die Unterlippe.
Wie schön hatten es die freien Landser und Cowboys in seinen Romanen, die er zu duzen den verschlang. Sie dokumentierten ihre Manneskraft mit Alkohol, Kartenspiel, der Waffe und die Weiber waren ihnen hörig.
Werner ist ein großer stattlicher, etwas korpulenter Vierziger. Er trägt wie seine Idole Cowboystiefel, Jeans, eine hellbraune Lederjacke über dem schwarz-weiß karierten Hemd. An seinem Gürtel hängt in einer Ledertasche ein langes Fahrtenmesser. Mit den braunen Augen sieht er meist träumend in seine Umwelt. Das dunkle Haar ist lang und modern gekräuselt.
Seine Verlobte, eine junge Frau aus einer gutbürgerlichen Familie lies ihn sitzen, das kann er ihr nicht verzeihen, sie hat sein eh’ chaotisches Leben völlig zerstört. Mit Alkohol und Tabletten will Werner aus gekränkter Ehre und Verzweiflung seinem Leben ein Ende setzen. Ist das wirklich sein fester Vorsatz oder wieder einmal eine Show, um auf sich aufmerksam zu machen? Werner ruft seine jüngste Schwester, vor Einnahme der todbringenden Drogen an und bittet sie dringend, seine Rumpelkammer, die er Wohnung nennt, umgehend, möglichst sofort, aufzuräumen. Seine Schwester kommt, findet den leblosen Bruder, räumt notdürftig auf und ruft den Notarzt. Das war Werners vorausgeplante Rettung, er ist wieder Mittelpunkt der Familie, alle sind besorgt um ihn.
Seit drei Wochen geht er wieder seiner Arbeit nach. Die Schwester hat ihn durchschaut und sich zurückgezogen. Werner bekam vor zwei Tagen ein Angebot, als Filialleiter für einen Discounter in Stuttgart zu arbeiten. Es stört ihn nicht, dass er auf Betreiben der Eltern seiner ehemaligen Verlobten nur weggelobt werden soll. Werner grübelt, soll er bleiben und weiter provozieren? Er wollte schon immer weg von Saarbrücken, Burbach und dem Brunnen mit Hempels Sofa. Warum soll er den Tapetenwechsel nicht annehmen und in Stuttgart, wo ihn niemand kennt, neu beginnen!
Als Werner an diesem Novemberabend die Straße betritt, nieselt es, er schlägt den Kragen seiner Jacke hoch, die Nässe und Kälte lässt ihn erschauern. In der Burbacher Kneipe brennt noch Licht, die Gäste scheinen sehr ausgelassen zu feiern. Er betritt forsch die Kneipe, zu seinem Ärger beachtet ihn keiner.
Werner sucht nach bekannten Gesichtern. Seine Freunde Erich und Walter winken und rufen ihm etwas zu, Werner versteht kein Wort, die Gäste lachen, grölen und feiern ungewöhnlich ausgelassen. Der Fernseher in der Ecke zieht seine Aufmerksamkeit an, er schiebt sich an den Leibern vorbei an die Mattscheibe. Werner sieht die Mauer von Berlin, darauf viele Menschen mit Sektflaschen. Ein Reporter erklärt, dass immer mehr DDR-Bürger mit ihren Trabbis die Grenzpunkte nach Westberlin passieren.
„Was soll das, neue Ost Propaganda?“, will Werner vom Wirt wissen.
„Nein, die Ossis haben die Mauer geöffnet!“, entgegnet der Gefragte mit Tränen in den Augen. Nun versteht Werner das irre Treiben in der Kneipe, er entschließt sich mitzueifern und sein lang gehegtes Geheimnis preiszugeben. Werner bestellt sich Bier und Chantree, dann wieder und immer wieder, bis er zu lallen beginnt. „Ich, ich bin ein O, O, Ossi, ein Ossi, habt ihr gehört! Verdammt hört ihr, ich bin ein Ossi!“, brüllt Werner.
„Was hat der Lumpenwerner schon wieder von sich gegeben?“
Plötzlich verstummt der Lärm in der Kneipe. Werner steht schwankend auf dem Tresen.
„Ja, ja, ihr habt richtig gehört. Ich Werner, bin ein Ossi!“, schreit Werner laut vernehmlich, ohne zu lallen. Aus dem Zusammenhang heraus beginnt er zu schimpfen und schreit den angestauten Frust aus sich heraus.
„Ich schwöre euch“, dabei hebt er seine zitternden Hände, „ich gehe in den Osten und werde denen beibringen, was Arbeiten heißt!“
„Ist ja gut, komm endlich runter!“, beruhigt ihn der Wirt.
Werner lässt sich helfen und brich hysterisch weinend zusammen, er wird von zwei Männern zur Tür geleitet und torkelt ins Dunkle. Der Gefühlsausbruch von Werner beschäftigt die Gäste in der Kneipe, sie wollen von seinen Freunden, Erich und Walter, Genaueres wissen. Erich erzählt, „wie ich weiß wurde Lumpenwerner in Magdeburg geboren, danach siedelten die Eltern in den Westen um. Seine Mutter war dort zur Landverschickung und wurde von einem Ossi geschwängert. Im Osten wollte sie dann keiner mehr, und auch im Westen waren sie nicht erwünscht. Werners Vater, ein geiler Bock, schwängerte seine Frau mehrfach und kümmerte sich danach wenig um die Familie. Er vertrank das ganze Geld in der Kneipe, deshalb hat er den Spitznamen Bürdeschwein. Die Mutter starb an Gram und Alkohol. Ihre Kinder trugen nur Lumpen. Werner ist nicht dumm, er musste seine kleinen
