Dorian Hunter 18 - Horror-Serie - Neal Davenport - E-Book

Dorian Hunter 18 - Horror-Serie E-Book

Neal Davenport

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Beschreibung

Dunkle Wolken rasten über den Himmel und verdeckten den Mond. Den Polizisten war kalt; sie fühlten sich immer unbehaglicher, je näher sie dem Schloss auf dem Teufelshügel kamen.
Dorian Hunter hob das Fernglas. Das Schloss war von merkwürdiger Bauart, als wäre es von einem Verrückten errichtet worden. Der Dämonenkiller ahnte, weshalb Coco diesen Ort aufgesucht hatte - und er ahnte, dass er zu spät kommen würde ...

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Inhalt

Cover

Impressum

DAS FEST AUF DEM TEUFELSHÜGEL

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

mystery-press

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Mark Freier

Datenkonvertierung eBook: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-8059-0

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Auf Schloss Lethian an der österreichisch-slowenischen Grenze gerät der Reporter Dorian Hunter in ein Abenteuer, das seinen Verstand übersteigt. Die acht Männer, die seine Frau Lilian und ihn begleiten, sind seine Brüder – gezeugt in einer einzigen Nacht, als die Gräfin von Lethian, selbst eine Hexe, sich mit dem Teufel Asmodi vereinigte! Dorians Brüder nehmen die Offenbarung euphorisch auf. Nur Dorian will sein Schicksal nicht akzeptieren. Er tötet seine Mutter und eröffnet die Jagd auf seine Brüder. Danach steckt er das Schloss in Brand und flieht mit seiner Frau. Aber Lilian hat bei der Begegnung mit den Dämonen den Verstand verloren. Übergangsweise bringt Dorian sie in einer Wiener Privat­klinik unter, die auf die Behandlung psychischer Störungen spezialisiert ist – und begegnet kurz darauf der jungen Hexe Coco Zamis, die von ihrer Familie den Auftrag erhalten hat, Dorian zu töten. Doch Coco verliebt sich in den Dämonenkiller und wechselt die Seiten, wodurch sie nicht nur ihre magischen Fähigkeiten verliert, sondern da­rüber hinaus aus der Schwarzen Familie ausgestoßen wird.

Coco wie auch Dorian sind nun gleichzeitig Jäger und Gejagte, denn Dorian hat sich geschworen, seine Brüder, die das Feuer auf Schloss Lethian offenbar allesamt überlebt haben, zur Strecke zu bringen. In London tötet er Roberto Copello, nachdem dieser den Secret-Service-Agenten Donald Chapman auf Puppengröße geschrumpft hat. Mit Hilfe des Secret Service gründet Dorian die »Inquisitionsabteilung«, der nicht nur er selbst, sondern auch Coco und der Puppenmann Chapman fortan angehören. Ein weiteres »inoffizielles« Mitglied ist der geheimnisvolle Hermaphrodit Phillip, dessen Adoptiv­eltern von Dämonen getötet wurden. Zum Hauptquartier der Inquisi­tions­abtei­lung wird die Jugendstilvilla in der Baring Road, in der Phillip aufgewachsen ist, doch gleichzeitig stöbert Dorian Hunter weiter in der Bibliothek seines alten Reihenhauses in der Abraham Road nach Hinweisen auf dämonische Umtriebe – und stößt auf das Tagebuch des Barons Nicolas de Conde, der auf dem Eulenberg nahe Nancy im Jahr 1484 seine Seele dem Teufel verkaufte. De Conde bereute, wurde zum Hexenjäger und Mit­autor des »Hexenhammers« und starb als angeblicher Ketzer. Der Fluch erfüllte sich. Seither wird de Condes Seele nach jedem Tod in einem neuen Körper wiedergeboren – und tatsächlich gelingt es ihm als Dorian Hunter, Asmodi zu vernichten!

Aber der Dämon war in der Gegenwart nur noch ein armseliges, schwaches Geschöpf. Sein Nachfolger auf dem Thron der Schwarzen Familie – und damit Dorians Vater – ist Asmodi II. Mit Hilfe eines Pfands, das Asmodi seiner Geliebten Valiora schenkte, gelingt Hunter endlich der entscheidende Schlag: Das Oberhaupt der Dämonen ist tot … und die verbliebenen Führungsfiguren der Schwarzen Familie versammeln sich zum Fest auf dem Teufelshügel …

DAS FEST AUF DEM TEUFELSHÜGEL

von Neal Davenport

Dunkle Wolken rasten über den Himmel und verdeckten den durchscheinenden Mond. Es schien, als wollte eine unsichtbare Kraft verhindern, dass es hell wurde. Eine gespenstische Stille hing über der Moorlandschaft, und überall stiegen Dampfwolken auf. Den Polizisten war kalt; sie fühlten sich immer unbehaglicher, je näher sie dem Schloss auf dem Teufelshügel kamen.

Dorian Hunter hob das Fernglas. Das Schloss schien ausgestorben zu sein, doch mit jedem Schritt wurde die unbestimmbare Drohung stärker. Kein Licht war zu sehen. Die Umrisse der unzähligen Türme und Gebäude, die sich hinter den hohen Ringmauern erhoben, wiesen wie eine anklagende Hand in den schmutzig grauen Himmel.

»Das Schloss scheint unbewohnt zu sein«, sagte Trevor Sullivan, der neben Hunter stehenblieb.

»Nach unseren Informationen muss sich Coco darin aufhalten«, sagte der Dämonenkiller. »Und sie ist nicht allein.«

1. Kapitel

Er setzte das Glas ab und blickte sich um. Mehr als zwanzig Polizisten waren an der Aktion beteiligt. Ihnen war mitgeteilt worden, dass sie auf der Suche nach einem entflohenen Sexualverbrecher seien, der sich im Schloss versteckt hielte.

»Hoffentlich stimmen die Angaben«, seufzte der Observator Inquisitor, wie Trevor Sullivan genannt wurde. »Sonst haben wir das ganze Spektakel für …«

»Die Information stimmt, O. I.«, sagte Hunter entschieden. »Und wir werden Coco aus dem Schloss herausholen.«

»Ich frage mich, weshalb Coco in diese gottverlassene Gegend gefahren ist – und was sie hier wohl will?«

Der Dämonenkiller gab keine Antwort. Er ahnte den Grund für Cocos Aufenthalt, und er hatte Angst, dass er zu spät gekommen war. Er stellte den Kragen seiner Jacke auf. Es regnete leicht, und der Wind zerrte an seinem nackenlangen Haar.

Das Schloss war ein Anachronismus. Es musste von einem Verrückten gebaut worden sein. Und was es besonders unheimlich erscheinen ließ: Es stand auf einem Hügel inmitten einer Moorlandschaft.

Plötzlich blieb der Dämonenkiller stehen. »Die Zugbrücke wird heruntergelassen.«

Die Brücke senkte sich langsam und krachte auf die Zugangsstraße.

»Stehen bleiben!«, rief der O. I., und die Polizisten folgten. Die meisten waren mit modernen Schnellfeuergewehren ausgerüstet, zwei trugen Maschinenpistolen.

Im diffusen Licht erkannte Dorian eine riesige Gestalt, die blitzschnell über die Brücke rannte. Er hob das Glas und drehte an der Feineinstellung. Der Anblick des Mannes war furchteinflößend. Er war gut und gern zwei Meter groß und hatte gewaltige Schultern und riesige Fäuste. Sein Gesicht wirkte leblos; ein verschwommener weißer Fleck. Auf den Armen trug er eine nackte Frau. Eine Hand lag in ihren Kniekehlen, die andere stützte ihren Nacken. Das pechschwarze Haar der Frau hing zu Boden; den Kopf hatte sie verdreht. Hunter konnte ihr Gesicht nicht sehen, aber den Körper mit den üppigen Brüsten kannte er. Es war Coco, die der unheimliche Mann trug.

»Nicht schießen!«, brüllte der Dämonenkiller.

Der Unheimliche rannte einige Meter die schmale Straße entlang, dann wandte er sich nach rechts.

»Zwei Männer zu mir!«, rief Hunter und wandte sich dem O. I. zu. »Ich folge dem Mann, und Sie stürmen in der Zwischenzeit das Schloss.«

Der O. I. nickte. Zwei Polizisten folgten dem Dämonenkiller, der keuchend den Hügel hochlief. Der unheimliche Mann, der Coco trug, war mindestens dreihundert Meter entfernt. Er schlug einen Bogen und verschwand hinter einer Baumgruppe. Dahinter erstreckte sich das Moor.

»Wir müssen vorsichtig sein, Sir«, sagte einer der Polizisten. Er atmete schwer. »Das Moor ist heimtückisch.«

Hunter nickte. Vor den Eichen blieb er stehen und starrte über die Moorlandschaft. Von dem Unheimlichen und Coco war nichts mehr zu sehen. Der Boden war trügerisch. Überall standen Wasserlachen, und bei jedem Schritt versank man bis zu den Knöcheln im Morast. Der Himmel änderte langsam die Farbe. Er war jetzt hellgrau; bizarr geformte Wolken schoben sich vor die tiefstehende Sonne. Es war eine unwirkliche Landschaft, wie auf einem fremden Planeten, schoss es Hunter durch den Kopf.

Sie kamen nur langsam vorwärts. Einige Krähen kreisten über ihnen und stießen klagende Laute aus. Der Wind trug ihnen einen fauligen Geruch entgegen.

»Lassen Sie mich vorgehen, Sir!«, sagte einer der Polizisten. »Ich bin im Moor aufgewachsen.«

Hunter blieb stehen, und der Polizist ging voraus. Nachdem sie hundert Meter zurückgelegt hatten, sahen sie den unheimlichen Mann wieder. Er hatte einen gewaltigen Vorsprung gewonnen.

»Wir müssen rascher gehen«, keuchte Hunter.

Der Regen wurde stärker; sie konnten nur wenige Meter weit sehen. Jeder ihrer Schritte erzeugte quatschende Geräusche.

Der Polizist, der hinter Hunter ging, stieß plötzlich einen Schrei aus. Dorian wandte den Kopf. Der Polizist war nur einen Schritt vom Weg abgekommen und bis zu den Hüften im Morast versunken.

»Strecken Sie das Gewehr aus! Wir ziehen Sie heraus.«

Mit jeder Sekunde versank der Mann tiefer im Moor. Verzweifelt reichte er Hunter das Gewehr, der es am Lauf packte und mit aller Kraft zog, doch er konnte den Polizisten nur einige Zentimeter herausziehen.

»Helfen Sie mir!«, keuchte Hunter, und der zweite Polizist packte mit an.

Endlich hatte sie den Mann aus dem Sumpf gezogen.

»Danke!«

Hunter nickte ihm zu und drehte sich wieder um. Die Welt schien im Regen zu ertrinken. Nebelschwaden hingen über dem Moor.

»Es hat keinen Sinn«, sagte der Polizist, der als Führer fungierte. »Wir können nicht weiter. Es wäre Selbstmord. Wir müssen warten, bis der Regen aufhört.«

Hunter strich sich das nasse Haar aus dem Gesicht. Der Regen prasselte auf seine braungebrannte Haut. Sein dichter Schnurrbart hing traurig herunter. Wütend fluchte er vor sich hin. Der Polizist hatte recht. Bei diesem Wetter war jede Verfolgung ausgeschlossen. Das Wasser stieg ununterbrochen. Er konnte sie getötet haben; oder er hatte den Weg verfehlt und war im Moor versunken.

Der Dämonenkiller ballte die Fäuste und starrte zum Himmel empor. Der Regen konnte noch Stunden anhalten.

Aber Hunter irrte sich. Nach zwanzig Minuten riss die Wolkendecke auf, und es wurde langsam heller. Sie konnten weitergehen.

»Coco!«, rief Hunter immer wieder, doch er bekam keine Antwort.

Nach einigen Minuten wurde der Boden fester, und sie kamen rascher vorwärts.

»Es kann Stunden dauern, bis wir den Mann und das Mädchen finden«, sagte der Polizist.

Das war Hunter in der Zwischenzeit ebenfalls klar gewordem.

»Wir sollten umkehren, Mr. Hunter, und den Hubschrauber anfordern.«

Der Dämonenkiller ärgerte sich, dass er kein Walkie-Talkie mitgenommen hatte, doch die ganze Aktion war so plötzlich gestartet worden. »Sie beide gehen zurück. Setzen Sie sich mit Mr. Sullivan in Verbindung! Der Hubschrauber soll das Moor absuchen.«

»Und Sie, Sir?«

»Ich suche weiter«, sagte Hunter entschlossen. »Lassen Sie mir ein Gewehr da!«

Der Polizist seufzte und reichte ihm die Waffe. Hunter packte sie und ging weiter, ohne sich noch einmal umzudrehen. Etwa hundert Meter kam er rasch vorwärts, dann wurde der Boden wieder weich und nachgiebig. Nach fünf Minuten erreichte er ein kleines Wäldchen. Einige Vögel flogen protestierend auf. Er trat zwischen die Bäume und blieb stehen. Hinter einem Strauch erblickte er ein Bein. Er riss das Gewehr hoch und stand mit drei gewaltigen Sprüngen neben dem Strauch.

»Coco!«, rief er erleichtert.

Sie richtete sich langsam auf. Das dunkle Haar klebte an ihrem Kopf. Sie hob den Blick. Hunter kniete neben ihr nieder. Ihr schönes Gesicht mit den stark hervortretenden Wangenknochen und den dunkelgrünen Augen wirkte unendlich müde.

»Wo ist der unheimliche Kerl, der dich ins Moor geschleppt hat?«

Sie blickte ihn an, doch ihr Blick schien durch ihn hindurchzugehen.

»Von ihm … droht … keine Gefahr«, murmelte sie stockend, fast unhörbar.

Hunter schlüpfte aus seiner Jacke und legte sie um ihre Schultern. »Du bist in Sicherheit. In wenigen Minuten kommt ein Hubschrauber.«

Coco Zamis schloss die Augen. Mit einer müden Bewegung strich sie durch ihr feuchtes Haar.

»Was ist los, Coco?«, fragte er drängend.

Sie bewegte die Lippen. Er folgte ihrem Blick, doch nur das Moor lag vor ihnen. Er packte sie an den Schultern und schüttelte sie sanft.

»Wach auf! Ich möchte endlich wissen, was geschehen ist.«

Sie sah ihn an, und Tränen schimmerten in ihren Augen.

»Du freust dich überhaupt nicht über mein Auftauchen«, stellte Hunter verbittert fest.

Sie versuchte ein Lächeln, was kläglich misslang. Sie senkte den Kopf, und ihr Körper wurde von Krämpfen geschüttelt.

Hunter nahm sie in die Arme und küsste sie sanft auf den Mund. Sie presste ihren Kopf gegen seine Schulter.

»Es war so fürchterlich«, hauchte sie.

»Erzähle!«, bat er.

»Es ist eine lange Geschichte. Ich möchte eine Zigarette.«

Er holte aus der Jacke eine Schachtel Player’s und steckte zwei an; eine reichte er Coco, die hastig rauchte.

»Steh auf! Du wirst dich erkälten.«

Sie erhob sich. Die Jacke bedeckte notdürftig ihre Blößen. Sie atmete den Rauch aus und sagte: »Es ist wohl besser, wenn ich von Beginn an erzähle.«

Für Coco hatte sich einiges geändert; vor allem ihre Beziehung zu Dorian Hunter. Zu viel hatte sich ereignet, und sie hatte viel Zeit gehabt, über alles nachzudenken. Es schien unendlich lange her, seit sie Dorian kennengelernt hatte, dabei war nicht einmal ein Jahr verstrichen. Sie hatte sich in ihn verliebt, als sie von ihrer Familie den Auftrag erhalten hatte, ihn in eine Falle zu locken. Stattdessen jedoch hatte sie sich auf seine Seite gestellt. Deshalb war sie aus der Schwarzen Familie ausgestoßen worden und hatte dabei einen Großteil ihrer magischen Fähigkeiten verloren. Sie hatte ihn in seinem Kampf gegen die Schwarze Familie unterstützt und ihm alles erzählt, was sie über die Dämonen wusste. Der Dämonenkiller hatte ihr Wissen gut genutzt. Es war ihm gelungen, alle seine Dämonenbrüder zu töten. Seinen größten Erfolg hatte er, als es ihm gelang, Asmodi, das Oberhaupt der Schwarzen Familie, auf Haiti zu vernichten.

Lange Zeit hatte Coco geglaubt, dass Hunter hinter dem Tod ihrer eigenen Sippe steckte, die vor einigen Monaten in Wien ausgelöscht worden war. Später hatte sie dann erfahren, dass ihre Familie auf Asmodis Betreiben hin getötet worden war. In dieser Zeit des Zweifelns hatte sich ihr Verhältnis zu Dorian geändert. Ihre Gefühle hatten sich gewandelt; sie sah ihn nicht mehr mit den Augen eines verliebten Mädchens an.

Der Dämonenkiller würde ihr nie allein gehören. Diese Erkenntnis verbitterte sie anfangs, doch dann gewöhnte sie sich an den Gedanken. Sie wusste, dass eine enge emotionelle Bindung für Hunter nicht möglich war; sie war ihm lästig, hinderlich in seinem weiteren Kampf gegen die Dämonen. Sie wusste auch, dass er mit anderen Frauen kurzfristige Abenteuer gehabt hatte, konnte sich damit aber abfinden. Doch war ihr immer mehr klargeworden, dass sich ihr Verhältnis ändern musste.

Nach seiner Rückkehr aus Haiti war alles einige Tage wie früher gewesen, doch dann hatte sich wieder seine Unrast bemerkbar gemacht. Ihr Entschluss stand fest: Sie musste sich einige Zeit von Dorian trennen, um zu sich selbst zu finden. Sie war zusammen mit Dorian in die O’Hara-Stiftung gefahren, in der Hunters geistesgestörte Frau lebte, die auf dem Schloss der Gräfin Anastasia wahnsinnig geworden war.

Coco zitterte vor jeder Begegnung mit Lilian; das Schicksal der jungen Frau deprimierte sie immer wieder aufs Neue.

Dorian und sie warteten im Garten auf Lilian. Eine Krankenschwester führte die junge Frau. Dorian ergriff Cocos Hand. Der Anblick seiner Frau erschütterte ihn. Lilians Gesicht war eine schöne Maske, die von einem Kranz goldfarbenem Haar eingerahmt wurde. Ansonsten wirkte sie so zart und zerbrechlich wie eine Puppe. Der Druck um Cocos Hand verstärkte sich, als Lilian stehen blieb. Lilian sah Dorian an. Ihre Miene veränderte sich nicht. Dann wandte sie den Blick und sah Coco an. Ein Lächeln huschte über ihre Züge.

»Das ist lieb von Ihnen, Coco, dass Sie mich besuchen«, sagte sie und streckte eine Hand aus.

»Wie geht es Ihnen?«, fragte Coco mit erstickter Stimme.

»Wunderbar. Ich liebe es, wenn die Sonne scheint. Da darf ich stundenlang im Garten sitzen. Ich höre den Vögeln zu. Sie erzählen so seltsame Geschichten.« Sie blickte Dorian an.

»Lilian«, krächzte er mit heiserer Stimme.

Sie kniff die Augen zusammen. »Sie kommen mir bekannt vor, mein Herr.«

»Ich bin es, Dorian – dein Mann!«

»Ach ja«, sagte Lilian, »ich erinnere mich. Sie haben mich ja schon des Öfteren besucht. Und immer wieder behaupten Sie, dass Sie mein Mann sind. Aber ich war nie verheiratet. Sie müssen sich irren.«