Dr. Stefan Frank 2848 - Stefan Frank - E-Book

Dr. Stefan Frank 2848 E-Book

Stefan Frank

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Beschreibung

Leas Leben gerät aus dem Gleichgewicht. Die 36-jährige Bibliothekarin kämpft mit Herzblut um die Stadtteilbibliothek in München-Grünwald. Doch nicht nur die drohende Schließung belastet sie: Unerklärliche Ohnmachtsanfälle bringen sie schließlich zu Dr. Frank - doch seine Untersuchungen ergeben zunächst nichts. Dann taucht Jimmy auf, ein unkomplizierter, herzlicher Fitnesstrainer, der Leas Alltag gehörig durcheinanderbringt. Als sie eines Abends zwischen den Regalen zusammenbricht und sich schwer am Kopf verletzt, ist ausgerechnet er zur Stelle. Spätestens jetzt wird klar: Hinter ihren Beschwerden steckt mehr als bloßer Stress ...

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Seitenzahl: 124

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

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Ohnmacht in der Bibliothek

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Impressum

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Ohnmacht in der Bibliothek

Als das Schicksal inmitten von Büchern zuschlägt

Leas Leben ist nicht leicht gerade. Die 36-jährige Bibliothekarin setzt sich mit ganzer Kraft für die Stadtteilbibliothek in München-Grünwald ein. Doch nicht nur die drohende Schließung macht ihr zu schaffen: Unerklärliche Ohnmachtsanfälle zwingen sie schließlich zu Dr. Frank – allerdings bleiben seine ersten Untersuchungen ohne Befund.

Dann tritt Jimmy in ihr Leben, ein warmherziger Fitnesstrainer, der ihren sorgfältig geordneten Alltag durcheinanderwirbelt. Als Lea eines Abends zwischen den Regalen zusammenbricht und sich schwer am Kopf verletzt, ist ausgerechnet er in der Nähe. Spätestens da wird klar: Hinter ihren Symptomen steckt mehr als nur Überlastung ...

An diesem Morgen hatte Lea es besonders eilig, die breiten Steintreppen zur Bibliothek hinaufzukommen. Der Morgen war eisig kalt, und trotz der Sonne spürte die attraktive Frau den Wintermonat auf ihren Wangen. Zügig nahm sie die Stufen und schloss die große, verzierte Holztür auf, bevor der erbarmungslose Wind ihre Frisur noch weiter zerstören konnte.

Schnell schlüpfte sie durch den Spalt in die Empfangshalle der Gemeindebibliothek und zog die schwere Tür hinter sich zu, bis sie laut knarzend in das verzierte Messingschloss fiel. Geschafft, dachte sie, und zog sich auf dem Weg in ihr Büro den schwarzen, schmalen Wollmantel und das dazu passende französische Mützchen aus.

»Frau Schwarz, ich bin es noch mal, Frau Haine aus der Verwaltung. Bitte rufen Sie mich doch heute zurück wegen der Zahlen«, drang eine tiefe Stimme schleppend aus dem Anrufbeantworter, den Lea gestartet hatte, noch bevor sie an ihrem Schreibtisch Platz genommen hatte.

Die Zahlen ... Lea seufzte und ließ sich in den alten Ledersessel fallen, der seit einer Woche so klang, als würde er jederzeit krächzend in sich zusammenkrachen. Sie schaute auf die in die Jahre gekommene Tischuhr und hörte die Nachricht noch einmal ab, um die Uhrzeit des Anrufs zu bestimmen. Obwohl Lea als Leiterin der Bibliothek immer als Erste und weit vor den Öffnungszeiten da war, kam Frau Haine ihr regelmäßig zuvor. Dass die Mühlen der Verwaltung langsam mahlten, war, zumindest in Grünwald, ein Ammenmärchen. Seit Lea den Posten vor einem Jahr angenommen hatte, war es ihr nicht einmal gelungen, Frau Haine und ihren ständigen Kontrollanrufen zuvorzukommen.

»Immer muss ich den Leuten hinterhertelefonieren. Warum will sie schon wieder die Zahlen?«, ärgerte sich die Sechsunddreißigjährige leise und schaltete ihren Computer an, um den Ordner mit »den Zahlen« zu öffnen.

Lea schluckte, als sie sich durch die Ziffern klickte, die nicht nur einen Überblick über die Besucherzahlen boten, sondern bei der richtigen Auswertung auch Auskunft darüber gaben, wie regelmäßig die Menschen kamen, was genau ausgeliehen wurde und wie viel Zeit die Menschen im Schnitt in der Bibliothek verbrachten. Letzteres war eine Idee von Lea gewesen, die hoffte, mit den Daten belegen zu können, wie wichtig die Bibliothek für die Gemeinde war. Doch bisher war ihr Plan noch nicht aufgegangen.

Lea musste unbedingt beweisen, dass die Bibliothek im Münchner Stadtteil Grünwald für die Nachbarschaft ein Ort der Begegnung war, auch wenn die Besucherzahlen in den letzten Jahren konstant nach unten gegangen waren. Diese verdammten Zahlen, fluchte Lea innerlich, und rieb sich nachdenklich über die Schläfen.

Sie hatte den Job mit großer Begeisterung angenommen und war sich im Klaren darüber gewesen, was von ihr erwartet werden würde. Aber seit sie hier war, hatte sie festgestellt, dass sich nicht alles in nüchterne Zahlen verpacken ließ. Eine Nummer gab keine Auskunft darüber, wie wichtig es den Menschen war, einen Platz zu haben, an dem sie sich wohlfühlen konnten. Aber das konnte sie einer Frau Haine schlecht so sagen. Die Amtsleitung für Bildung, Kultur und Soziales hatte Haare auf den Zähnen und verwaltete das Budget so rigoros, dass Lea bei jedem Telefonat Angst vor Kürzungen hatte.

»Alles in Ordnung, Frau Schwarz?«, wurde Lea aus ihren Gedanken gerissen und fuhr auf.

Henry, der Hausmeister, winkte ihr durch die geöffnete Bürotür zu, wie er es jeden Morgen tat, und brachte Lea zum Lächeln. Der leicht übergewichtige, aber äußerst fleißige Mann war ihr im letzten Jahr richtig ans Herz gewachsen, und er betrachtete den zunehmenden Druck auf die Wirtschaftlichkeit seines Arbeitsplatzes mit derselben Sorge wie Lea.

»Frau Haine?«, fragte er und schaute sie eindringlich an. »Lassen Sie sich nicht gleich am Morgen die Laune versauen«, riet er in seiner typisch direkten Art. »Die Frau muss endlich mal lernen, dass nicht immer alles nach ihrer Nase geht!«

Lea lächelte gequält. »Ich wünschte, ich könnte Ihnen recht geben.«

Lea stand auf und steuerte die Kaffeemaschine an, um sich und Henry doch noch einen guten Start in den Tag zu verschaffen.

»Ich dachte, wir haben uns verbessert?«

Fragend schaute Henry seine Chefin an, als diese ihm eine Tasse Kaffee entgegenstreckte und selbst einen großen Schluck nahm.

»Haben wir auch«, bestätigte Lea und nickte stolz. »Aber ich glaube, es ist nicht genug. Wir müssen weiter nach vorne«, seufzte sie und rührte in ihrer Tasse.

»Aber Sie machen doch schon, was Sie können«, versuchte der Hausmeister, die junge Frau aufzuheitern, die seiner Meinung nach die engagierteste Bibliotheksleitung war, die er in seinen fast dreißig Berufsjahren erlebt hatte.

»Man kann immer ein bisschen mehr tun«, sagte Lea, leerte ihre Tasse und stellte sie in die Spülmaschine.

»Sie machen doch jetzt schon Überstunden ohne Ende. Wo sollen Sie denn noch mehr machen?«

Lea ließ die Frage unbeantwortet und ging zurück hinter ihren Schreibtisch, um die Ordner mit den Daten herunterzuladen und an Frau Haine weiterzuleiten.

»Lassen Sie sich nicht unterkriegen«, riet Henry, der verstand, dass Leas Arbeitstag nun begann und ihr Schwätzchen vorbei war. »Falls was ist, Sie finden mich auf der Drei«, verabschiedete er sich und schloss leise die Tür hinter sich.

Lea tippte eine höfliche, aber knapp formulierte E-Mail und sendete sie mit den geforderten Daten an die Verwaltung. Als sie abgeschickt war, fühlte sich Lea ein bisschen besser. Die Zahlen waren zwar nicht ganz das, was sie sich erhofft hatte, aber zumindest hatte sie diese Aufgabe nun vom Tisch und konnte sich auf die Vorbereitungen für den heutigen Leseabend konzentrieren.

Die alte Uhr verriet ihr, dass mindestens eine Schwester bereits ihren Dienst in Leas Hausarztpraxis angetreten haben musste, und so wählte sie die Nummer von Dr. Franks Praxis. Nicht nur, um das Praxisteam an heute Abend zu erinnern, sondern vor allem, um ihre eigenen Nerven zu beruhigen. Zu ihrer Erleichterung meldete sich Martha Giesecke am anderen Ende der Leitung, und Lea wusste, dass die frechen Sprüche der rüstigen Berlinerin genau das waren, was sie jetzt brauchte.

***

»Kindchen, was sind Sie denn so wuselig?«, wollte Martha Giesecke am späten Nachmittag von Lea wissen, als diese gerade mit Henry die letzten Vorbereitungen durchging.

»Es muss alles perfekt werden«, erklärte Lea ihr unter Stress.

Martha schaute sich um.

»Also, wenn det nicht perfekt ist, weiß ick auch nicht«, sagte die gebürtige Berlinerin und machte einen kleinen Rundgang durch den dritten Stock, wo der heutige Themenabend stattfinden sollte.

Die Hälfte der Wandfläche war mit hellblauen Stoffbahnen verhüllt, vor denen kleine Gesundheitsstationen aufgebaut waren, an denen zwar keine Diagnosen oder Behandlungen stattfanden, dafür aber informative Checks, die bei den Besuchern hoffentlich gut ankommen würden. Interessierte Besucher konnten sich von Martha und ihrer Kollegin Marie-Louise den Blutdruck messen lassen oder einen Seh- und Hörtest erhalten. Auch eine Station mit UV-Licht, unter der man seine Hände nach Keimen untersuchen lassen konnte, hatte Lea mit Marthas Hilfe besorgt, und die Praxisschwester war zufrieden, wie schön alles zusammengekommen war.

Rechts neben der kleinen Bühne, auf der Dr. Frank später aus seinen Lieblingsfachbüchern vorlesen würde, befand sich die Kräutertee-Bar mit einem kunstvollen Plakat, auf dem die Wirkungen der einzelnen Heilpflanzen aufgelistet waren.

»Das sieht ja toll aus!«, lobte Dr. Frank, der gerade mit seiner Freundin Alexandra den Raum betrat.

Der Grünwalder Allgemeinmediziner hatte sofort zugesagt, als seine Patientin Lea ihn um einen Auftritt gebeten hatte, aber er hatte nicht damit gerechnet, dass der Abend so gut organisiert und kreativ umgesetzt war.

»Die haben sich ja richtig viel Mühe gegeben«, freute sich auch Alexandra Schubert. »Stefan, schau mal, das ist ja niedlich!«

Begeistert zog die Augenärztin ihren Partner in die Kinderecke, in der eine Experimentierstation aufgebaut war, an der unter Anleitung durch Mikroskope geschaut und mit kindgerechten Stethoskopen hantiert werden durfte.

»Frau Schwarz, das sieht alles großartig aus!«, rief Dr. Frank Lea entgegen, als diese auf ihn zuging, um ihn willkommen zu heißen. »Das haben Sie und Ihr Team ganz toll gemacht.«

»Dankeschön«, sagte Lea und wurde kurz rot. »Wir wollen den Leuten ja was bieten, wenn sie sich schon im ungemütlichen Wetter heraustrauen.«

»Dafür gibt's dann zur Belohnung ja einen heißen Tee«, lachte Marie-Louise, die nun auch zu der Gruppe stieß und Dr. Frank die Tüte mit seinem Arztkittel überreichte.

»Ich wusste nicht, ob das in das Ambiente passt«, erklärte Dr. Frank und ließ Lea einen Blick in die Tasche werfen.

»Es passt perfekt«, bestätigte Lea und freute sich. »Die meisten der Besucher kennen Sie wahrscheinlich eh nur in Ihrem Kittel«, vermutete sie. »Das macht das Ganze noch authentischer.«

Als Lea sich wieder entfernte, um ihren letzten Kontrollrundgang zu machen, schaute Martha ihr stolz hinterher.

»Ick hoffe, es wird ein voller Erfolg«, sagte sie. »Frau Schwarz hat es verdient. Bei dem ganzen Druck, den sie von unserem lieben Bürgermeister bekommt ...«

Das Praxisteam nickte beklommen. Alle wussten, dass es um Bildungs- und Kulturbudgets nicht gerade gutstand und fühlten mit der neuen Bibliothekarin, die seit einem Jahr mit ungebrochener Leidenschaft versuchte, die schöne und so wichtige Institution für alle Grünwalder zu erhalten.

Dr. Frank schaute seine beiden Mitarbeiterinnen an.

»Dann sehen wir zu, dass wir alle unser Bestes geben!«

»Darauf können Sie sich verlassen, Chef!«, stimmte Martha zu. »Wir Grünwalder halten schließlich zusammen.«

***

Mit lautem Applaus bedankte sich das Publikum bei Dr. Frank, der gerade seine Lesung beendet hatte, die einige Lacher geerntet hatte und von den meisten Anwesenden mit dem größten Interesse verfolgt wurde.

Nachdem Lea ihm die Hand geschüttelt und einen Blumenstrauß mit hellblauen Hortensienbällen und weißen Nelken überreicht hatte, sagte er: »Das wäre doch nicht nötig gewesen!«

»Das ist das Mindeste, wenn wir Sie schon nicht finanziell für den Auftritt entschädigen durften«, gab Lea zurück, die dankbar dafür war, dass ihr Hausarzt sich strikt gegen eine Aufwandsentschädigung gewehrt hatte.

Nachdem die beiden das kleine Podest, das Henry aufgebaut hatte, verließen, wurde der in Grünwald beliebte Hausarzt von allen Seiten von den Anwesenden in Beschlag genommen und mit Fragen bombardiert.

»Kommen Sie, wir stoßen jetzt miteinander an!«, flüsterte Martha Lea ins Ohr und zog sie zur Seite.

»Ich fürchte, außer Tee kann ich Ihnen nichts anbieten«, bedauerte Lea. »Wir wollten keinen Alkohol ausschenken, vor allem nicht an einem Abend, an dem es um Gesundheit geht.«

»Dann ist's ja gut, dass ick Ihrem lieben Henry vorher ein Fläschchen zum Bunkern übergeben habe«, grinste Martha und hakte sich mit einem verschwörerischen Blick bei der jungen Bibliothekarin unter. »Er hat versprochen, den Tropfen in Ihrem Kühlschrank zu verwahren!«

Lea lachte und ließ sich gerne von der Praxisschwester in ihr eigenes Büro führen. Die Anspannung der letzten Tage fiel so langsam von ihr ab, und sie freute sich über die Gesellschaft der älteren Dame, die ihr immer ein warmes Gefühl gab.

»Treten Sie ein in die gute Stube«, sagte Lea feierlich und öffnete Martha die Tür zu ihrem Büro.

Zielstrebig ging Martha zu dem kleinen Kühlschrank, der in der Ecke unter der Kaffeemaschine stand, und öffnete ihn. Lea zog zwei Stühle zusammen und platzierte sie so, dass die beiden Frauen direkt auf den Garten schauten, der die Bibliothek umgab und der im Frühjahr herrlich schön blühte.

Mit einem lauten Pop ließ Martha den Korken knallen und rümpfte kurz die Nase, als Lea ihr zwei Kaffeetassen zum Einschenken hinstreckte.

»Etwas Stilvolleres haben Sie nicht?«

»Wertvolle Kristallgläser passen leider nicht in unser Budget«, lachte Lea.

Martha warf den Tassen einen letzten missbilligenden Blick zu und schenkte dann ein.

»Wenigstens passt hier mehr rein als in irgendwelchen Sektflöten«, arrangierte sich die Praxisschwester mit der Situation. »Auf den Fortbestand der Bibliothek!«, prostete sie.

Das ließ Lea sich nicht zweimal sagen und stimmte ein.

»Und darauf, dass Sie bald weniger Arbeit und mehr Privatleben haben«, fügte Martha hinzu und genehmigte sich noch ein Schlückchen.

»Ach«, seufzte Lea und winkte ab. »In meinem Privatleben ist nicht viel los, da wähle ich lieber meine Arbeit, da weiß ich, was ich habe.«

Interessiert zog Martha die Augenbrauen nach oben und beugte sich dann zu ihr vor.

»Was heißt nicht viel los?«, wollte sie wissen. »Falls ick fragen darf.«

Lea lächelte. »Sie dürfen.«

Es störte sie nicht, dass Martha ihr eine private Frage stellte. Wenn sie ehrlich war, fühlte es sich sogar gut an, dass sich jemand nach ihrem Privatleben erkundigte, auch wenn sie nicht sonderlich viel zu berichten hatte. Die meisten Kontakte, die sie seit ihrem Umzug nach München geknüpft hatte, hatten mit ihrer Arbeit zu tun, und die Gespräche waren dementsprechend gewichtet. Niemand ihrer Angestellten fragte sie, ob sie privat zufrieden und ausgelastet war, und niemand lud sie zu einem gemeinsamen Abendessen oder einem Kinoabend ein.

Erwartungsvoll schaute Martha sie an.

»Ja, und? Gibt es keinen Mister Schwarz?«

Lea schüttelte ihren Kopf.

»Eine Misses Schwarz?«

»Nein, das auch nicht«, bekannte Lea und musste lachen. »Wobei ich mir schon öfter gedacht habe, wenn das so weitergeht, muss ich lesbisch werden.«

Martha grinste. »Sie meinen, weil die Männerwelt so wenig zu bieten hat?«

Lea dachte nach. So war es nicht. Aber sie konnte auch nicht erklären, woran ihr unfreiwilliger Singlestatus sonst lag.

»Man muss ja auch keine Beziehung haben«, sagte Martha verständnisvoll. »Ledige Frauen sind im Schnitt viel glücklicher als ledige Männer. Können Sie alles nachlesen, dazu gibt es Studien.«

»Die haben wohl nicht Frauen wie mich befragt«, murmelte Lea unglücklich und brachte Martha zum Aufhorchen.

»Sie sind doch eine gut aussehende Frau«, wunderte sie sich. »Sie sind im besten Alter, haben einen tollen Beruf mit Verantwortung und sozialer Bedeutung«, zählte sie auf. »Und Sie sind charmant!«

»Sagen Sie das mal der Männerwelt.«

»Jetzt kommen Sie! Sie werden doch sicher viele Chancen auf dem Dating-Markt haben«, vermutete Martha.

Ratlos zuckte Lea mit den Schultern. Sie wusste nicht, was ihr fehlte und warum sie sich oft übersehen fühlte.

»Vielleicht fühlen sich die Männer eingeschüchtert?«, stellte Martha eine Vermutung an.

»Von was denn?«, wollte Lea ungläubig wissen.

»Na, Sie haben eine Menge auf dem Kasten«, fand Martha.

»Um das herauszufinden, müssten die Männer sich erst mal mit mir unterhalten«, beschwerte Lea sich.

Martha schaute sie an, und Lea konnte sehen, dass sie ihr nicht ganz glaubte.

»Kommen Sie schon, sagen Sie es. Ich sehe doch, dass Sie etwas ganz Bestimmtes sagen wollen«, forderte Lea sie heraus.

»Nicht sagen, eher fragen«, stellte Martha richtig. »Wie oder wo kann ein Mann Sie überhaupt kennenlernen, wenn Sie von früh bis spät in der Bibliothek hocken?«

Ertappt presste Lea die Lippen aufeinander.