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Nach einer erfolgreichen Konzerttournee kehrt Pianistin Larissa Kern voller Pläne in ihre Heimat zurück - doch ein harmloser Fahrradunfall verändert alles. Zunehmende Taubheit in den Händen raubt ihr die Kontrolle über das Klavierspiel, ihre große Leidenschaft und Lebensgrundlage. Dr. Stefan Frank erkennt, dass mehr dahintersteckt, und begleitet Larissa durch bange Wochen voller Untersuchungen, Angst und Zweifel. In dieser schweren Zeit wird die einfühlsame Alexandra zu ihrer Stütze - und der sensible Dirigent Florian Maurer öffnet Larissa die Tür zu neuen Träumen. Doch bevor sie neu beginnen kann, muss Larissa den Mut finden, sich einer riskanten Operation zu stellen ...
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Seitenzahl: 127
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Inhalt
Wenn Träume zerbrechen
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Impressum
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
Impressum
Eine Pianistin verliert die Kontrolle über ihre Hände
Nach einer erfolgreichen Konzerttournee kehrt die Pianistin Larissa Kern voller Pläne in ihre Heimat zurück – doch ein harmloser Fahrradunfall verändert alles. Zunehmende Taubheit in den Händen raubt ihr die Kontrolle über das Klavierspiel, ihre Leidenschaft und Lebensgrundlage. Dr. Stefan Frank erkennt, dass mehr dahintersteckt, und begleitet Larissa durch bange Wochen voller Untersuchungen, Angst und Zweifel. In dieser schweren Zeit wird die einfühlsame Alexandra zu ihrer Stütze – und der sensible Dirigent Florian Maurer öffnet Larissa die Tür zu neuen Träumen. Doch bevor sie neu beginnen kann, muss Larissa den Mut finden, sich einer riskanten Operation zu stellen ...
Die Pianistin Larissa Kern atmete tief ein und zog ihren Schal fester um den Hals. Endlich einmal wieder zu Hause nach so vielen Monaten unterwegs! Auch wenn der Sonntag kühl und bewölkt war, genoss sie jede Sekunde ihres Spaziergangs. Einfach nur neben dem Radweg auf dem weichen Rasen zu laufen, keinen Leistungsdruck zu haben, nichts zu müssen, das war ein Luxus, den sie erst mit den Jahren zu schätzen gelernt hatte.
Der Wind rauschte durch die Blätter der Kastanienbäume, die den Radweg zwischen Grünwald und dem Isarufer säumten. Sie liebte diesen Ort, den Duft von frisch gemähtem Gras, das Wellengeräusch der Isar, das sie Schritt für Schritt begleitete. Nach so vielen Monaten in großen Städten, zwischen Hotellobbys, hektischen Konzertbühnen und anonymen Flughäfen, war es nun wie ein Aufatmen.
»Zu Hause«, flüsterte sie und merkte, wie sich auch ihre verspannten Schultern lockerten.
Jahrelang hatte sie Grünwald den Rücken gekehrt und ihre freie Zeit lieber in ihrer Wohnung in Paris verbracht, doch jetzt, als sie den vertrauten Kirchturm in der Ferne erblickte, kehrten so viele Erinnerungen wieder zurück – an ihre Kindheit, an Schultage, Musikstunden und jugendliche Träume.
Inzwischen war Larissa eine andere geworden. Damals war sie pummelig gewesen, hatte dunkle Haare und dicke Brillengläser getragen. Heute war sie eine elegante Frau, schlank, mit hellblond gefärbten, seidigen Haaren, die locker auf ihre Schultern fielen.
Ein Klingeln ließ sie erschrocken zusammenfahren.
»Vorsicht!«, rief jemand hinter ihr.
Larissa hechtete zur Seite, und zwei Radfahrer fuhren langsam an ihr vorbei, dann hielt erst der Mann an und kurz darauf auch die Frau neben ihm.
Der Mann sah sie prüfend an, die Stirn in leichte Falten gelegt, die Augen von Lachfältchen umspielt.
»Tut mir leid, dass wir Sie erschreckt haben.«
Larissa starrte ihn an, ihr Puls beruhigte sich und sie grübelte. Sie schaute ein zweites Mal hin und dann war sie sich fast sicher. »Stefan? Bist du das?«
Der Mann hob überrascht die Augenbrauen. Er zögerte, blickte fragend zu seiner Begleiterin, einer schlanken Frau mit hellbraunen Locken und warmen, dunklen Augen, die Larissa freundlich zunickte.
Larissas Wangen wurden heiß. Natürlich erkannte er sie nicht. Zu lange war es her, zu viel hatte sich verändert.
»Larissa Kern«, half sie nach. »Wir kennen uns vom Gymnasium. Ich war in der Parallelklasse.«
Dr. Stefan Frank blinzelte irritiert.
»Larissa? Larissa Kern, die immer in der Schulband Keyboard gespielt hat?«
»Genau die«, sagte sie. »Lange her, oder?«
»Larissa!«, rief Stefan. »Ich hätte dich fast nicht erkannt! Du hast dich so verändert. Du siehst fantastisch aus.«
Seine Worte ließen sie strahlen. Die Frau an seiner Seite streckte ihr herzlich die Hand entgegen.
»Ich bin Alexandra, die Frau an Stefans Seite.«
Larissa schüttelte die angebotene Hand. »Freut mich sehr.«
Und das stimmte. Die beiden passten gut zusammen, daran hatte Larissa keine Zweifel. Selten sah sie ein Pärchen, das sich immer wieder solch liebevolle Blicke zuwarf, die ohne große Gesten eine Einheit bildeten.
»Wohnst du wieder hier in Grünwald?«, fragte Stefan. »Oder machst du nur einen kurzen Besuch?«
Larissa trat verlegen von einem Bein auf das andere. Damit warf er eine Frage auf, die sie selbst für sich noch nicht abschließend beantwortet hatte.
»Ehrlich gesagt, weiß ich das selbst noch nicht so genau. Ich war lange auf Konzerttournee, habe gerade das letzte Konzert hinter mir, und jetzt dachte ich ... ich brauche eine Pause. Auch wenn ich inzwischen fest in Paris lebe – Grünwald schien mir plötzlich die perfekte Idee. Hier ist ja auch noch die Wohnung meiner Mutter, die vor Jahren verstorben ist. Ich habe mich nie entscheiden können, sie zu verkaufen.«
Stefan nickte. »Manchmal braucht man einfach einen Rückzugsort.«
»Es riecht hier wie früher«, fügte Larissa hinzu und atmete tief ein, den Blick in die Ferne gerichtet, wo die Isar im Sonnenlicht silbrig glitzerte.
Alexandra wandte sich ihr zu.
»Ich kann das gut verstehen. Ich habe mich sofort nicht nur in diesen Mann, sondern auch in diesen Ort verliebt.« Zärtlich legte sie ihre Hand auf Stefans Arm.
Larissa bemerkte die liebevollen Blicke, die Stefan und Alexandra austauschten, und etwas zog sich schmerzhaft in ihrem Brustkorb zusammen. Wie lange war es her, dass jemand sie selbst so angesehen hatte?
»Ihr beide scheint glücklich«, sagte sie. »Das freut mich.«
Stefan blickte seine Frau warm an. »Mehr als das.«
In der Ferne erklang der Glockenschlag der Grünwalder Kirche, Vögel zwitscherten in den Bäumen.
»Komm doch bald einmal vorbei«, schlug Stefan vor. »Ich wohne in der Gartenstraße, unten ist meine Praxis, oben drüber leben wir.«
»Vielleicht nächste Woche mal? Und ich erinnere mich gut. Du hast damals immer davon gesprochen, Arzt zu werden«, erwiderte Larissa. »Schön, dass du dir deinen Traum auch erfüllt hast. Ich bin Pianistin geworden, wie ich es mir gewünscht habe, aber die Welt des Ruhms hat auch ihre Schattenseiten. Vielleicht bin ich deshalb hier – um herauszufinden, ob das wirklich noch mein Traum ist.«
Ein Moment des Schweigens breitete sich aus, bevor Alexandra sagte: »Ich wünsche dir, dass du es herausfindest. Nimm dir die Zeit.«
Stefan legte eine Hand auf Alexandras Rücken und nickte Larissa zu.
»Und falls du medizinischen Rat oder einfach nur Gesellschaft brauchst, unsere Tür steht immer offen.«
»Das werde ich mir merken«, versprach Larissa. »Danke euch beiden.«
Stefan und Alexandra hatten es geschafft, dass sie sich noch mehr heimisch fühlte, es war wie ein Angekommensein, ein unaufdringliches Willkommen, nach dem sie sich so lange gesehnt hatte. Das war etwas, das sie in Paris nie gefunden hatte, so sehr sie das pulsierende Leben dort auch genoss.
Die beiden stiegen wieder auf ihre Fahrräder, und mit einem Winken verschwanden sie hinter einer Biegung des Radwegs. Larissa blieb zurück, atmete erneut tief durch und spürte, wie die Wärme der Nachmittagssonne ihre Haut am Gesicht kitzelte, nun, da die Sonne zwischen den Wolken vollständig hervorgekommen war.
***
Larissa entdeckte am nächsten Montag nach dem Mittagessen in der Garage das alte Fahrrad ihres Vaters. Wie lange hatte es wohl ungenutzt herumgestanden? Es kam ihr wie ein Wunder vor, dass es völlig intakt schien, sie musste nur die Reifen neu aufpumpen. Doch die Ventile hielten die Luft. Bremsen und Licht funktionierten. Nun brauchte sie nur noch den Sattel tiefer schrauben.
Jetzt, nach der Begegnung mit Stefan und Alexandra, verspürte sie plötzlich das Bedürfnis, Grünwald auf eine andere Art zu erkunden. Als sie den Lenker packte und sich auf den ausgeblichenen und rissigen Ledersattel schwang, fühlte sie sich einen Moment lang wieder wie damals mit sechzehn, voller Abenteuerlust und dem Gefühl grenzenloser Freiheit.
Alles lief perfekt. Die Straße war ruhig, das Dorf lag friedlich da, und die Mittagssonne wärmte angenehm. Aber bald spürte Larissa, dass das Fahrrad doch in die Jahre gekommen war. Bei jedem Pedaltritt ächzte es, und die Gangschaltung ließ sich kaum bewegen, so blieb sie im mittleren Gang, egal, ob es bergauf oder bergab ging.
»Nur eine kurze Runde und dann schnell wieder zurück«, murmelte sie zu sich selbst. Jetzt schon aufgeben? Das war nicht ihre Art.
Gerade als sie die letzten Häuser hinter sich ließ und auf den Weg zur Isar einbog, verschwamm plötzlich die Sicht vor ihren Augen, als befände sie sich in einem immer dichter werdenden Nebel. Etwas knackte, ihr wurde klar, dass sie vom Weg abgekommen war, dann überschlug sich das Rad, und Larissa wurde in die Luft geschleudert.
Der Boden näherte sich viel zu schnell, sodass sie sich kaum abstützen konnte. Sie schlug hart auf der rechten Schulter auf, rollte seitwärts über den Kiesweg und blieb benommen liegen. Der Schmerz fühlte sich an wie ein Stromschlag, und für Sekunden blieb alles still um sie herum. Nur das Rauschen der Bäume und das Summen einiger Bienen erschienen ihr überlaut.
»Mein Gott, sind Sie verletzt?«, hörte sie eine männliche Stimme fragen. »Brauchen Sie Hilfe?«
Larissa öffnete noch immer benommen die Augen. Ein älterer Mann und auf der anderen Seite eine ältere Frau beugten sich besorgt über sie. Die Frau in hellblauem Kleid hielt bereits ihr Smartphone in der Hand und begann hektisch zu tippen.
»Ich hole einen Krankenwagen«, verkündete sie.
»Nein, bitte nicht!« Larissa kämpfte sich langsam hoch, ignorierte die Schmerzen in Schulter und Arm. Sie zwang sich, keine Unsicherheit in ihren Worten durchscheinen zu lassen. »Mir ist nichts passiert, wirklich. Es geht schon wieder.«
»Sind Sie sicher?«, fragte der Mann. »Sie sehen blass aus. Es wird besser sein, wenn ein Arzt drüberschaut.«
»Alles in Ordnung. Kein Problem.« Larissas Stimme zitterte. »Ich wohne gleich in der Nähe, es ist absolut nicht nötig.«
Die beiden Passanten sahen sich unsicher an, doch Larissa gelang es mit großer Mühe und freundlich-bestimmten Worten, ihre Retter davon zu überzeugen, sie nicht weiter aufzuhalten. Zögernd half ihr der ältere Herr, das Rad aufzurichten, er reichte ihr die Handtasche, die in ein nahe gelegenes Gebüsch geschleudert worden war, und wartete, bis sie wieder auf dem Sattel Platz nahm. Doch dann merkte sie, dass der Lenker verbogen war und stieg ab. Sie würde das Rad nach Hause schieben müssen.
»Seien Sie bloß vorsichtig«, mahnte die Frau, als Larissa langsam davonhumpelte.
»Versprochen«, erwiderte Larissa, drehte sich noch einmal zu ihnen um und zwang sich zu einem Lächeln. So schnell es ging, machte sie sich auf in Richtung des Elternhauses.
Erst als sie an der Haustür stand, merkte sie, wie sehr sie zitterte. Ihr rechter Arm fühlte sich schwer und unangenehm taub an, die Schulter schmerzte dumpf. Das Fahrrad ließ sie im Flur stehen. Darum würde sie sich später kümmern.
Vorsichtig ließ sie kaltes Wasser über ihre Hände und Unterarme laufen, bemerkte jedoch, dass sie dabei nur wenig spürte. Ein leichtes, dumpfes Kribbeln hatte sich in ihren Fingern ausgebreitet, wie sie es vor Tagen schon einmal wahrgenommen hatte – ohne dass sie gestürzt war. Doch nun war das Kribbeln deutlich intensiver. Eine Folge des Unfalls?
»Vermutlich nur der Schreck«, beruhigte sie sich. »Morgen wird sicher alles besser sein.«
Am Abend aß sie früh ein Butterbrot, duschte schnell, legte sich deutlich eher als sonst auf das Sofa und versuchte, nicht weiter über das taube Gefühl in ihren Händen nachzudenken, das noch immer nicht besser wurde. Der Geruch der Blüten im Garten wehte durch die gekippte Balkontür herein und beruhigte sie etwas. Trotz ihrer Erschöpfung fiel es ihr schwer, einzuschlafen. Der Sturz ging wieder und wieder durch den Kopf. Auch diese verschwommene Sicht war ihr schon vorher passiert, einmal sogar in einer Konzertaufführung. Damals vor zwei Wochen hatte es keine Konsequenzen gehabt, weil sie für ein paar Sekunden einfach auswendig weitergespielt hatte.
Erst in den frühen Morgenstunden fand sie schließlich in einen unruhigen Schlaf.
Schon zwei Stunden später erwachte sie wieder. Sofort erinnerte sie sich an den Unfall. Vorsichtig bewegte sie die Arme an den Ellbogengelenken, dann am Schultergelenk. Nun schien alles wieder gut zu sein. Die Schulter schmerzte nur noch wenig. Nun versuchte sie, die Hände zu bewegen. Ihre Finger fühlten sich nach wie vor eigenartig an, fremd und unbeweglich, als würden sie gar nicht wirklich zu ihrem Körper gehören.
Sie schüttelte die Hände aus, doch statt besser wurde das Gefühl nur unangenehmer. Es war ein dumpfes, stechendes Kribbeln, als wären ihre Finger eingeschlafen und wollten partout nicht wieder erwachen.
»Komm schon«, murmelte Larissa, um ihre Aufregung in den Griff zu kriegen, »das geht gleich vorbei.«
Sie zog sich frische Kleidung an und ging als Erstes zu dem glänzend schwarzen Flügel, der in der Kindheit und Jugend ihr treuester Begleiter gewesen war. Sonnenlicht schimmerte auf dem polierten Holz und den weißen und schwarzen Tasten. Larissa setzte sich, atmete tief durch und schüttelte noch einmal ihre Hände aus, um sie zu lockern.
Die ersten Akkorde von Chopins Nocturne erklangen zaghaft, doch bereits nach wenigen Takten war es, als verhedderten sich ihre Finger wie bei einer absoluten Anfängerin. Die rechte Hand rutschte plötzlich kraftlos ab, als wären ihre Finger aus Gummi.
Larissa stockte, kämpfte die zunehmende Nervosität nieder, dann versuchte sie es erneut. Doch es wurde nur schlimmer. Panik stieg in ihr auf, eisig und lähmend, wie sie es nie zuvor erlebt hatte.
Was ist das? Sie starrte auf ihre Hände, die sie plötzlich kaum noch spürte. Ihre Finger gehorchten nicht mehr, waren unbeweglich, als gehörten sie nicht zu ihr. Als wären sie zu einer leblosen Prothese geworden.
Tränen stiegen ihr in die Augen. Das durfte doch nicht wahr sein! Das Klavierspielen war nicht nur ihr Beruf, sondern ihr Anker, ihre Identität. Ohne sich durch Musik ausdrücken zu können, war sie nichts mehr.
Verzweifelt stand sie auf, schüttelte die Hände noch einmal, versuchte alles, um die Bewegung zurückzuholen, doch nichts half. Verzweifelt und langsam sank sie aufs Sofa und ließ ihre Hände in ihrem Schoß liegen.
Die Stille im Raum wurde unerträglich. Draußen zwitscherten die Vögel, was ihr nun wie ein Hohn vorkam, während tief in ihr ihre Welt zusammenbrach. Etwas stimmte nicht mit ihr, es hatte sich schon länger angekündigt, nur hatte sie es bisher nicht sehen wollen. Nun ließ es sich nicht mehr leugnen. Und es war nicht nur die Folge des Fahrradunfalls.
Larissa stand auf, ging erneut zum Flügel und blickte auf die Tasten, die nun mit einem Mal unerreichbar schienen. Angst kroch ihr durch den Körper. Es fühlte sich an wie Tausende von Ameisen, die auf ihr krabbelten. Ihr Leben, ihre Musik – was würde daraus werden, wenn ihre Hände versagten? Der Gedanke war unerträglich.
Sie brauchte Hilfe. Daran gab es nun keine Zweifel mehr. Und in diesem Moment wusste sie, wen sie um Rat fragen musste, wem sie vertrauen konnte. Stefan.
Mit bebenden Händen griff sie nach ihrem Handy und suchte mit ungelenken Fingern im Internet die Praxisnummer heraus. Das Tippen fiel ihr erschreckend schwer. Sie wünschte sich so sehr, dass das alles nicht wahr war, nur ein böser Traum, ein Irrtum – oder dass es eine einfache, logische Erklärung für dieses Desaster gab.
***
Dr. Stefan Frank saß konzentriert hinter seinem Schreibtisch und ging sorgfältig die Unterlagen eines Patienten durch, als ein hektisches Klopfen an der Tür ihn aus seinen Gedanken riss.
»Herein!«, rief er und blickte auf.
Schwester Martha streckte den Kopf zur Tür herein. »Chef, entschuldigen Sie die Störung, aber draußen sitzt eine Patientin. Sie behauptet, es sei dringend. Eine gewisse Frau Kern, sie sagt, Sie würden sich kennen.«
Dr. Frank zog die Stirn in Falten. »Larissa Kern?«
Martha nickte. »Ja, genau die.«
»Ist gut, Martha, schicken Sie sie herein.«
Die Praxisschwester verschwand sofort, und einen Augenblick später betrat Larissa das Sprechzimmer.
»Danke, dass du dir Zeit für mich nimmst. Ich weiß, du hast viel zu tun, aber ...« Sie hielt inne.
Sein Blick fiel sofort auf ihre blasse Gesichtsfarbe, ihre unruhigen Bewegungen, und er bemerkte, wie verzweifelt und verstört sie wirkte.
