Dr. Stefan Frank 2857 - Stefan Frank - E-Book

Dr. Stefan Frank 2857 E-Book

Stefan Frank

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Beschreibung

Vanessa Dürer erwacht in der Waldner-Klinik - ohne jede Erinnerung. Sie erfährt, dass sie nur knapp überlebt hat und nun das Herz einer Fremden in sich trägt. Seit der Transplantation wird sie von verstörenden Bildern heimgesucht: Träume, Fragmente, Gefühle, die nicht die ihren zu sein scheinen und sie immer wieder aus der Gegenwart reißen. Woher stammen diese Flashbacks und Fragmente? Sie fühlen sich so real an. Als ihr ehemaliger Schulfreund Marc ihr hilft, Schritt für Schritt in den Alltag zurückzufinden, kommt eine beunruhigende Wahrheit ans Licht: Die Frau, deren Herz Vanessa nun in sich trägt, ist keines natürlichen Todes gestorben ...

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Seitenzahl: 131

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

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Das fremde Herz in meiner Brust

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Impressum

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Das fremde Herz in meiner Brust

Arztroman um eine besondere Verbindung

Vanessa Dürer erwacht in der Waldner-Klinik – ohne jede Erinnerung. Sie erfährt, dass sie nur knapp überlebt hat und nun das Herz einer Fremden in sich trägt. Seit der Transplantation wird sie von verstörenden Bildern heimgesucht: Träume, Fragmente, Gefühle, die nicht die ihren zu sein scheinen und sie immer wieder aus der Gegenwart reißen. Woher stammen diese Flashbacks und Fragmente? Sie fühlen sich so real an.

Als ihr ehemaliger Schulfreund Marc ihr hilft, Schritt für Schritt in den Alltag zurückzufinden, kommt eine beunruhigende Wahrheit ans Licht: Die Frau, deren Herz Vanessa nun in sich trägt, ist keines natürlichen Todes gestorben ...

»Junge Frau!«

Da war eine Stimme. Leise, behutsam. Sie klang wie leichter Wind, der durch die Blätter eines Baumes fuhr.

»Junge Frau!«

Vanessa versuchte, zu blinzeln, doch es gelang ihr nicht. Ihre Lider gehorchten ihr einfach nicht. Wo war sie denn überhaupt? War es Tag? War es Nacht? Es musste sehr spät sein, oder sehr früh. Dunkelheit umgab sie. Ihr Kopf fühlte sich an wie Blei, und ihre Finger fühlten sich taub an.

Da war wieder diese Stimme.

»Junge Frau!«

Vanessa wollte antworten, aber die Zunge lag ihr schwer im Mund, und sie schien keine Macht über sie zu haben.

»Hallo!«

Zum Glück gewann Vanessa zumindest die Kontrolle über ihre Lider wieder, und ihre Augen öffneten sich. Sie zwinkerte und versuchte, etwas zu erkennen. Es dauerte, bis das verschwommene Bild vor ihr an Kontur und Schärfe gewann. Ein Gesicht hatte sich über sie gebeugt, das einem fremden Mann gehörte.

Besorgt sah er Vanessa an.

»Können Sie mich hören?«, fragte er.

Vanessa wollte nicken, aber ihr Kopf fühlte sich an wie eingemauert. Was war geschehen? Warum lag sie hier mitten auf dem Asphalt?

»Hören sie mich?«, wiederholte der Mann nun etwas eindringlicher.

Vanessa holte tief Luft, um zu antworten, aber als sie einatmete, spüre sie einen derart heftigen Schmerz in der Brust, dass sie nur stöhnen konnte.

»Wir bringen sie jetzt ins Krankenhaus!«, tönte es dumpf über ihr.

Vanessa merkte, wie ihr Tränen in die Augen stiegen. Warum gelang es ihr nicht einmal, zu nicken?

»Keine Sorge«, versicherte der Mann, der ihren verzweifelten Blick wohl bemerkt haben musste, und lächelte kurz. »Das wird schon wieder!«

Mehrere Hände griffen nach ihr, hoben sie vorsichtig in die Höhe. Vanessa konnte Bäume über sich erkennen, als man sie auf eine weiße Trage legte. Der Himmel war grau und die Luft kühl, und mit einem Mal fühlte sie sich unendlich erschöpft. Als man sie in das Innere eines Rettungswagens schob, legte sich die Müdigkeit wie ein dunkles Zelt über sie. Vanessa konnte sich nicht wehren. Sie schlief ein.

***

»Alles Gute zum Valentinstag!«

Mit leuchtenden Augen betrat Dr. Stefan Frank die Küche, in der seine Lebensgefährtin Alexandra Schubert bereits am Tisch saß, und überreichte ihr eine Rose.

»Ist die wundervoll! Danke! Und das, obwohl es noch so kalt ist«, erwiderte Alexandra. Sie erhob sich vom Stuhl und drückte Stefan einen Kuss auf die Wange. Dann griff sie nach der Blume und roch genüsslich daran. »Direkt von draußen aus dem Garten?«, wollte sie wissen.

Stefan nickte stolz; schließlich war sein selbst angelegter Rosengarten eines der wichtigsten Dinge in seinem Leben. Dort fand er Ruhe, wenn die Arbeit in der Praxis stressig gewesen war, und dort erholte er sich von all den Anforderungen, die man in seinem Arztberuf an ihn stellte.

»Ja, ich hätte auch nicht gedacht, dass ich jetzt schon eine Rose finden würde, aber es ist so!«, bekannte er glücklich.

»Manchmal glaube ich ja, du liebst deine Rosen mehr als mich!«, meinte Alexandra schelmisch, während sie zur Anrichte ging und die Espressomaschine aus dem Küchenschrank holte.

Stefan folgte ihr und zog sie leidenschaftlich an sich.

»Höre ich da einen leichten Vorwurf heraus?«, wollte er scherzhaft wissen, nachdem er ihr einen zärtlichen Kuss gegeben hatte.

Alexandra lächelte. »Nein, es ist schon in Ordnung!«, erwiderte sie, sich aus seiner Umarmung lösend. »Ich verstehe ja, wie sehr du deine Blumen liebst.«

Stefan nickte. »Das ist wahr!«, gab er zu, während er die Rose in eine Vase stellte und sich setzte. Seine Lebensgefährtin hantierte unterdessen weiter mit der Espressomaschine.

»Sag mal, wollen wir heute ins Kino gehen?«, schlug Alexandra vor, nachdem sie Wasser und Pulver eingefüllt und den Deckel der Kanne zugeschraubt hatte.

»Ja, gerne. Gute Idee!«, rief Stefan.

Er löste seinen Blick von der Rose, die vor ihm auf dem Tisch stand, und betrachtete Alexa. Wie hübsch sie doch war! Das dichte, hellbraune Haar fiel ihr in Locken über die Schultern, und ihre dunklen Augen hatten etwas Tiefes, Geheimnisvolles, das ihn immer noch genauso anzog wie an dem Tag, an dem er sie das erste Mal gesehen hatte.

»Ich denke, ich bin heute um kurz nach sechs mit der Sprechstunde fertig!«, erklärte Alexandra, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Dr. Helene Braun eine Praxis für Augenheilkunde betrieb. »Danach habe ich Zeit.«

Stefan nickte. »Vielleicht wollen wir Uli und Ruth auch fragen, ob sie mitkommen wollen?«, schlug er vor.

Die beiden Freunde waren inzwischen fast Teil ihrer Familie, sie gingen regelmäßig mit ihnen zum Abendessen und verbrachten auch sonst viel Zeit miteinander. Und das nicht bloß privat, denn Dr. Ulrich Waldner war einer der besten Chirurgen, die Stefan je kennengelernt hatte, und so gab es auch beruflich immer wieder Überschneidungen. Stefan Frank besaß zudem Belegbetten in Privatklinik des Freundes, und so trafen sich die beiden Männer auch öfter einmal in Ulrich Waldners Büro in der Klinik am Englischen Garten.

Alexandra legte die Stirn in Falten und verzog einen Moment lang den Mund, sodass sie so aussah wie ein schmollendes Kind.

»Nein, heute will ich dich für mich allein!«, rief sie dann.

Stefan schmunzelte. »Du meinst, nur wir, ohne Uli und Ruth – und ohne Rosen?«

Über Alexandras Gesicht huschte ein verschmitztes Lächeln.

»Ganz genau«, erwiderte sie und grinste.

Dann holte sie eine Packung Milch aus dem Kühlschrank und schäumte sie auf; denn Alexandra wusste, dass Stefan am Morgen nichts lieber hatte als einen heißen Milchkaffee. Während sie den frischen Espresso aus der Kanne in eine bauchige Tasse goss überlegte Stefan, welcher Film für den gemeinsamen Abend infrage käme.

»Wie wäre es mit einem Liebesfilm?«, schlug er vor.

»Übertreiben müssen wir es nun nicht mit der Romantik«, lachte Alexandra, die sich inzwischen ebenfalls eine Tasse Cappuccino gerichtet hatte, und setzte sich neben ihn.

»Nein, im Ernst«, erwiderte Stefan, nachdem er einen Schluck von seinem Kaffee genommen hatte. »Ich habe schon Lust auf ein bisschen Romantik. Der Tag ist doch immer mit Krankheitsgeschichten ausgefüllt; da tut so ein Film fürs Herz einfach gut!«

Er wollte Alexandra schon erneut küssen, doch genau in dem Moment begann das Mobiltelefon in seiner Hosentasche zu vibrieren. Stefan verdrehte die Augen. Ausgerechnet jetzt, dachte er missmutig, während er das Telefon herausnahm und auf das Display starrte.

Ulrich Waldner Diensthandy, blinkte es ihm entgegen.

»Da muss ich leider ran«, seufzte er und stand auf, während Alexandra nickend an ihrem Kaffee nippte.

»Stefan, bist du das?«, tönte es ein wenig gehetzt aus dem Gerät.

»Ja! Hallo, Uli, wir haben gerade über euch geredet!«, erwiderte Stefan und spürte, wie sich ein ungutes Gefühl in seinem Bauch ausbreitete. Etwas gefiel ihm nicht am Tonfall seines Freundes.

»Ich habe leider eine schlechte Nachricht für dich«, verkündete der befreundete Arzt dann auch prompt. »Vanessa Dürer ist doch seit einigen Jahren deine Patientin, habe ich recht?«

Sofort tauchte ein Bild vor Stefans geistigem Auge auf. Es war das einer Frau, etwa um die dreißig, klein, mit großen Augen und rotem Haar. Was machte sie noch mal beruflich? Ach genau, sie war Privatdetektivin! Stefan erinnerte er sich. Und noch etwas fiel ihm ein: Dass Vanessa Dürer schwere Herzprobleme hatte.

»Ja, Vanessa Dürer ist meine Patientin«, antwortete Stefan, und er ahnte Übles.

»Offenbar war sie in einen Autounfall verwickelt, der eben in der City geschah. Sie ist bei uns in der Klinik. Herzversagen. Wir müssen operieren«, erklärte Dr. Waldner.

Stefan seufzte und wischte sich über die Stirn. Das klang gar nicht gut.

»Ist sie sonst irgendwie verletzt?«, wollte er wissen.

»Nein. Noch ist unklar, wie der Unfall überhaupt passiert ist«, entgegnete Dr. Waldner.

In Stefans Kopf ratterte es. Die arme Frau! Hoffentlich würde alles glatt verlaufen, dachte er besorgt und seufzte tief.

»Danke. Bitte gib mit Bescheid, sobald sie wach ist«, antwortete er dann leise. »Bis bald!«

»Mach ich! Bis bald!«, entgegnete Ulrich.

***

Als es Morgen wurde, erwachte Vanessa in einem weißen Raum. Es dauerte einige Augenblicke, ehe sie begriff, dass sie nicht daheim war. Blinzelnd sah sie sich um. Sie lag in einem Bett mit Metallgeländer, und ein stechender Geruch nach Desinfektionsmittel drang in ihre Nase. Das hier musste ein Krankenhaus sein.

Ein leises, regelmäßiges Piepen drang an ihr Ohr, erst fern, dann immer deutlicher. Jeder Ton ließ sie ein wenig wacher werden. Vanessa wollte sich bewegen, doch ihr Körper gehorchte nur widerwillig. Er fühlte sich schwer an, wie festgenäht an die Matratze. Als sie tief einatmen wollte, geschah es nicht aus eigener Kraft. Die Luft wurde ihr zugeführt, fremdbestimmt, hob und senkte ihren Brustkorb in einem Rhythmus, der nicht ihrer war. Ein Anflug von Panik stieg in ihr auf, doch er blieb seltsam gedämpft, als läge ein Schleier darüber.

Erst nach und nach nahm sie wahr, was alles an ihr hing. Etwas Festes in ihrem Mund, das ihr jede Möglichkeit nahm zu sprechen. Ein Druck an ihrem Hals. Schläuche an den Armen, ein Ziehen unter dem Verband auf ihrer Brust. Ihre Haut fühlte sich kühl an, ihre Hände fremd, beinahe taub.

Sie blinzelte erneut und ließ den Blick mühsam zur Seite wandern. Über ihr hing ein Monitor. Grüne Linien bewegten sich gleichmäßig über den Bildschirm, Zahlen flackerten auf und verschwanden wieder. Eine dieser Linien zog ihren Blick magisch an. Sie folgte ihrem Ausschlag, dem stetigen Auf und Ab.

Irgendwo nahm sie eine Stimme wahr, gedämpft, eine Hand, die kurz ihre berührte. Vanessa klammerte sich an dieses kleine Stück Wirklichkeit. Sie lebte. Aber was war passiert?

Jemand sagte ihren Namen, ruhig, wiederholend. Sie brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass sie gemeint war.

Ihr Hals fühlte sich wund an, gereizt, blockiert. Etwas steckte in ihr, nahm ihr die Luft, obwohl sie gleichzeitig atmete. Der Gedanke daran löste Unruhe aus. Sie wollte schlucken, konnte es nicht. Wollte den Kopf drehen, schaffte es kaum.

»Vanessa«, sagte die Stimme wieder, diesmal näher. »Wir nehmen jetzt den Schlauch raus. Sie machen das gut.«

Eine Hand lag fest auf ihrer Schulter. Eine andere strich ihr kurz über den Arm. Sie spürte, wie etwas an ihrem Mund gelöst wurde, ein leichtes Ziehen, ein Klicken. Die Maschine hinter ihr änderte ihren Rhythmus.

»Tief einatmen«, hörte sie.

Sie versuchte zu gehorchen. In dem Moment, als sie ausatmete, wurde der Druck plötzlich stärker – und dann glitt etwas aus ihr heraus. Schnell. Unangenehm. Ein brennendes Gefühl im Hals, ein reflexartiges Husten, das sie kaum kontrollieren konnte.

Sie rang nach Luft. Für einen panischen Augenblick glaubte sie, es nicht zu schaffen.

»Ganz ruhig«, sagte jemand sofort. »Sie atmen. Das ist gut.«

Und tatsächlich: Die Luft kam. Holprig, kratzend, aber aus eigener Kraft. Jeder Atemzug fühlte sich neu an, fremd und zugleich befreiend. Ihr Hals brannte, aber sie atmete selbst.

Eine Sauerstoffmaske wurde ihr vors Gesicht gehalten. Kühle Luft strömte hinein, es war erleichternd. Das Husten ließ langsam nach. Die Panik ebbte ab, wich einer tiefen Erschöpfung.

Vanessa schloss die Augen. Ihr Brustkorb hob und senkte sich eigenständig, unregelmäßig. Unter all dem spürte sie es wieder – dieses starke, gleichmäßige Pochen tief in ihr. Das Herz schlug.

»Frau Dürer«, sagte die Frau neben ihrem Bett leise. »Hören Sie mich?«

Vanessa nickte kaum sichtbar. Der Versuch, etwas zu sagen, endete in einem rauen Kratzen. Sie verzog das Gesicht.

»Nicht sprechen«, sagte die Krankenschwester sofort. »Ihre Stimme braucht Zeit. Das ist ganz normal.«

Vanessa schluckte mühsam und hob fragend die Augenbrauen.

»Sie sind in der Waldner-Klinik, Frau Dürer«, antwortete die Schwester, als hätte sie die unausgesprochene Frage verstanden. »Ihr Herz hat versagt. Wir haben Sie operiert. Sie haben ein neues Spenderherz erhalten. Aber haben Sie keine Sorge, Ihr Herz arbeitet bisher sehr stabil.«

Neues Herz.

Der Begriff ließ etwas in ihr nachklingen. Vanessa legte vorsichtig die Hand auf den Verband auf ihrer Brust.

»Das Pochen, das Sie spüren, ist gut«, fuhr die Schwester fort. »Es darf sich fremd anfühlen. Das legt sich.«

Vanessa atmete langsam aus. Ein leises, heiseres »Okay« löste sich schließlich aus ihrem Hals.

Die Schwester lächelte. »Sehr gut. Nicht anstrengen.« Sie rückte die Sauerstoffmaske ein wenig zurecht. »Haben Sie Schmerzen?«

Vanessa zögerte, dann nickte sie leicht.

»Ich erhöhe gleich die Dosis.« Sie prüfte die Infusion und sah Vanessa lächelnd an. »Sie sind auf der Intensivstation. Wir haben alles im Blick. Haben Sie keine Angst.«

Vanessas Blick wanderte zu den Schläuchen, den Monitoren, den blinkenden Zahlen. Dann zurück zu der Frau.

»... Mark?«, brachte sie kaum hörbar hervor.

Die Schwester legte ihr kurz die Hand auf den Arm.

»Er weiß, dass Sie wach sind. Besuch kommt später. Jetzt dürfen Sie erst einmal nur atmen.«

Vanessa schloss die Augen.

Atmen.

Mehr wurde im Moment nicht verlangt.

***

Zwei Tage später öffnete Vanessa erneut die Augen. Sie lag nicht mehr auf der Intensivstation, sondern in einem ruhigeren Zimmer auf der Inneren Station. Das Licht war wärmer, die Geräusche gedämpfter; kein permanent dröhnendes Summen, kein ständiges Piepen – nur gelegentliche Schritte und das leise Klirren von Geschirr.

Die Schläuche, Katheter und Drainagen waren größtenteils entfernt, die Sauerstoffmaske lag griffbereit neben ihr. Ihr Brustkorb fühlte sich noch empfindlich an, und die Narben waren deutlich zu spüren, und in ihr schlug ein fremdes Herz. Zum ersten Mal seit der Operation konnte sie aufrecht sitzen und sich langsam bewegen.

Vanessa atmete tief ein, spürte das neue Leben in ihrer Brust, und ein kleines Lächeln huschte über ihr Gesicht. Die Intensivstation lag hinter ihr, doch die Erinnerung an jede Minute, jedes Piepen, jede Unsicherheit war noch präsent – sie würde sie nicht so schnell vergessen.

Plötzlich ging die Tür auf. Eine Krankenschwester wirbelte herein.

»Guten Morgen!«, grüßte sie. »Wie geht es Ihnen heute, Frau Dürer?«

»Ich weiß nicht ... Ich ...Könnten Sie mir noch mal in Ruhe erklären, was genau passiert ist?«, stammelte Vanessa leise.

Die Krankenschwester trat an das Bett heran. Sie betrachtete sie einfühlsam.

»Sie sind zusammengebrochen. Ihr Herz hat versagt. Das Einzige, was meine Kollegen mir berichtet haben, ist, dass unweit von der Stelle, wo man Sie gefunden hat, ein Autounfall passiert ist. Offenbar waren Sie in unmittelbarer Unfallnähe und haben einen Schock erlitten beim Anblick der Verletzten«, sagte sie dann. »Sie haben ein neues Herz erhalten. Und Sie hatten wirklich Glück. Normalerweise kriegt man so ein Spenderherz gar nicht so schnell!«

Für einen Moment blieb Vanessa reglos. Dann stiegen Tränen in ihre Augen. Sie spürte Angst – Angst vor der Fremdheit in ihrer Brust, davor, dass ihr Körper das Herz nicht akzeptieren könnte. Gleichzeitig war da auch Erleichterung, ein tiefes Bewusstsein: Sie lebte.

Die Schwester legte eine Hand auf ihre, drückte sie sanft.

»Es ist normal, so zu fühlen. Trauer, Dankbarkeit, Angst – alles gehört dazu.«

Vanessa nickte nur, schluchzte leise, und ließ die Wellen der Gefühle über sich hinwegspülen.