Dramatische Rundschau 07 - Björn SC Deigner - E-Book

Dramatische Rundschau 07 E-Book

Björn SC Deigner

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Beschreibung

Wenn eine Anglerin extrem harmlos den Fischen winkt, Sankt Falstaff verzweifelt nach Henri greift und Eliza erschöpft den König köpft, wenn  Ja und Nein überhaupt kein Widerspruch und Glorias Welt einzig Geruch, dann schwingt er überall schon betörend mit, der abgründig feinsinnige Humor dieser neuen und sehr politischen Dramatischen Rundschau 07. Mit Theaterstücken von Björn SC Deigner, Noëlle Haeseling, Ewald Palmetshofer, Alice Muitoevoli Rugai, Nele Stuhler, Hannah Zufall und Illustrationen von Johanna Benz.   Björn SC Deigner: die Eingeborenen von Trizonesien | Noëlle Haeseling: Von Fischen und Frauen | Ewald Palmetshofer: Sankt Falstaff | Alice Muitoevoli Rugai: Cembalo | Nele Stuhler: und oder oder oder oder und und beziehungsweise und oder beziehungsweise oder und beziehungsweise einfach und | Hannah Zufall: Gloria

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Seitenzahl: 413

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Björn SC Deigner | Noëlle Haeseling | Ewald Palmetshofer | Alice Muitoevoli Rugai | Nele Stuhler | Hannah Zufall

Dramatische Rundschau 07

Herausgegeben von Friederike Emmerling, Oliver Franke, Stefanie von Lieven, Barbara Neu, Johanna Schwung und Bettina Walther

 

 

Über dieses Buch

 

 

BJÖRN SC DEIGNER die Eingeborenen von Trizonesien

NOËLLE HAESELING Von Fischen und Frauen

EWALD PALMETSHOFER Sankt Falstaff

ALICE MUITOEVOLI RUGAI Cembalo

NELE STUHLER Und oder oder oder oder und und beziehungsweise und oder beziehungsweise oder und beziehungsweise einfach und

HANNAH ZUFALL Gloria

 

 

Weitere Informationen finden Sie auf www.fischerverlage.de

Impressum

 

 

Erschienen bei FISCHER E-Books

 

Für diese Ausgabe:

© 2025 S. Fischer Verlag GmbH,

Hedderichstr. 114, 60596 Frankfurt am Main

Aufführungsrechte: S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

www.fischer-theater.de

Instagram: @sfischertheater

Quellenhinweise am Schluss des Bandes

Der Beitrag Ermutigt Euch! von Sabrina Zwach wurde erstmals abgedruckt in Theater heute 4_2025.

TRIZONESIEN-SONG

Text und Musik: Karl Berbuer

© by Karl Berbuer Musikverlag GmbH & Co. KG, Frankfurt/Main

Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung.

Illustrationen: Johanna Benz, graphicrecording.cool

Covergestaltung: Sanaz HazeghNejad · sanaz.eu

ISBN 978-3-10-492318-5

 

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Inhalt

Ermutigt Euch!

[Illustration]

Björn SC Deigner

Die Eingeborenen von Trizonesien

[Anmerkungen]

|1| V-t-rl-nd

|2| es geht voran

|3| Normalarbeitsverhältnis

|4| Dekadenz, lat. cadere

|5| früher war alles besser

|6| Prrrrekahhhhhrität

Zusatz: weitere Gesänge aus dem GG

[Illustrationen]

Noëlle Haeseling

Von Fischen und Frauen

[Personenverzeichnis]

[Widmung]

ANFANG

[Illustrationen]

Ewald Palmetshofer

Sankt Falstaff

[Anmerkungen]

[Mottos]

VOR DEM SPIEL

1. SZENE

2. SZENE

3. SZENE

4. SZENE

5. SZENE

6. SZENE

7. SZENE

8. SZENE

9. SZENE

10. SZENE

11. SZENE

12. SZENE

13. SZENE

14. SZENE

15. SZENE

16. SZENE

17. SZENE

18. SZENE

19. SZENE

20. SZENE

21. SZENE

22. SZENE

23. SZENE

24. SZENE

ANHANG

9. SZENE (Alternativer Beginn)

[Illustrationen]

Alice Muitoevoli Rugai

Cembalo

[Motto]

[Anmerkung]

[Anfang]

[Illustrationen]

Nele Stuhler

Und oder oder oder oder und und beziehungsweise und oder beziehungsweise oder und beziehungsweise einfach und

[1]

Da.

Weg.

Da.

Stopp.

Weiter Stopp.

Weiter/Stopp.

(2) Oder noch mal von vorne

Da ist nichts.

Und dann

Dann ist da [...]

Wo soll’s denn [...]

Da ist nichts.

Da beginnt nichts.

Da hat gar [...]

Oder

Da ist doch [...]

Eins ist da [...]

Und dann kommt [...]

Wo vorher eins

Oder

Und manchmal bleibt [...]

Und manchmal wachsen [...]

Ist es eine [...]

Ist es eine [...]

Ist das eine [...]

Zwischenspiel

(3) Oder noch mal anders

/ Wir würden [...]

Ach nö jetzt [...]

(4) Einfach schnell weiter

(5) Und nicht noch mal von vorne

(Anhang) …

[Illustrationen]

Hannah Zufall

Gloria

[Personenverzeichnis]

[Mottos]

SCHNODDER

KAFFEE

QUITTE

KAUGUMMI

GAS

FEIGE

MÜLL

POPCORN

FINGERHUT

SPRENGSTOFF

KUCHEN

[Illustrationen]

[Quellen und Erstaufführungen]

[Publikationen]

ERMUTIGT EUCH!

Wie kann Theater uns in der Pandemie der Krisen ins Handeln bringen?

Das Theater ist ein utopischer Ort. Gelangen wir also mit dem Theater zu Utopien und finden einen Ausweg aus den Katastrophen?

Das Theater wird uns sicher nicht aus der aktuellen politischen Situation und der Pandemie der Krisen heraushelfen. Wir müssen mit den Schlachten, die auf den politischen Bühnen der letzten Monate stattgefunden haben, einem Rechtsruck, wohin man global sieht, umgehen lernen und Visionen entwickeln, wie wir ihn aufhalten oder rückgängig machen können.

In diesem ganzen Prozess steckt von (fast) allen Beteiligten viel Angst. Und so beschäftige ich mich mit Ängsten. Mit eigenen und denen der anderen. Das Wort »Angst« kommt aus dem Indogermanischen und heißt eng. Tatsächlich kenne ich diese körperlich erlebbare Angst: Der Hals wird eng, die Brust fühlt sich eng an, und ich kann mich nicht mehr mitteilen.

Das Theater ist ein utopischer Ort und ein Ort der Angst. Lampenfieber ist davon nur eine – vielleicht die beste – Form. Wobei Lampenfieber eigentlich Bewertungsstress ist. Unser Körper reagiert, wenn wir in der Öffentlichkeit sprechen, mit der Ausschüttung von Stresshormonen, die zu Herzrasen, Zittern, Durchfall, Schwitzen oder einem staubtrockenen Mund führen. Schauspieler und Schauspielerinnen kennen das und können damit umgehen. Nicht weil sie keine Angst, kein Lampenfieber haben, sondern weil sie die Angst überwinden.

Doch Angst kommt auch in anderer Form im Theater vor. Wer sagt frei heraus, was er oder sie denkt? Wer kritisiert die Strukturen, wenn die Mittel geringer werden? Wer hat keine Angst, dass Kritik negative Folgen hat, man nicht mehr beschäftigt, nicht mehr besetzt, nicht mehr gefragt wird?

Kettenreaktion Angst

Die Angst hat im Allgemeinen und in den Theaterhäusern – nach der Erfahrung der Pandemie – zugenommen. Der Missbrauch von Ängsten, das Spiel mit denselben auch. Schon immer haben Menschen mit Macht Ängste geschürt und strategisch für eigene Zwecke missbraucht. Heute – nach durchlittenen Wahlkämpfen in Deutschland und in den USA – hat diese Methode vielleicht einen Höhepunkt erreicht. Wie kann man in die Inszenierung bestimmter Narrative eingreifen, sie stoppen oder früh durchschauen? Und: Warum haben einige Angst und andere scheinbar keine? Warum haben bestimmte Menschen keinen Bewertungsstress, selbst wenn sie in der Öffentlichkeit über ihre faschistoiden Zukunftsvisionen sprechen?

Dabei ist Angst eigentlich eine notwendige Eigenschaft des Menschen, die ihn vor Gefahren schützt. Wir wissen dank der Angst im besten Fall früh genug, wann wir weglaufen oder um Hilfe rufen sollten. Unser Körper reagiert in Sekundenschnelle und sichert unser Überleben. Im Moment des Erschreckens werden aus der Nebennierenrinde Adrenalin und Noradrenalin über das vegetative Nervensystem in Umlauf gebracht. Die Amygdala, der Knotenpunkt der Angstreaktion, schickt einen Impuls an den Hypothalamus, das Corticotropin-Releasing-Hormon auszuschütten. Dessen Moleküle rasen wieder zu den Nebennieren und setzen dort das Stresshormon Cortisol frei. Die gesamte Kettenreaktion setzt sich aus vielen winzigen Schritten zusammen, um möglichst fein regulierbar zu sein. Ihr Ziel ist es, dem Körper im Moment der Gefahr blitzschnell zusätzliche Energien zur Verfügung zu stellen. Doch sind wir gerade besonders energetisch als Gesellschaft?

Mein Eindruck ist ein anderer. Mein Eindruck ist, dass Angst, wie immer, der schlechteste Ratgeber ist und uns kollektiv lähmt. Sicher: Wir waren alle demonstrieren, und die Energie, die entstanden ist, war Hoffnung und Trost. Und doch erleben wir diese Lähmung als gedankliche Lähmung. Die Analyse des Rechtspopulismus dominiert die linke Debatte. Sich auf politische Gegner und Gegnerinnen zu konzentrieren ist unproduktiv. Wir denken dann im Kreis oder konzentrieren uns zu sehr auf die Gegner:innen-Denke. Für kreative Prozesse ist Angst ein Killer. Wie soll etwas entstehen, schwingen, flirren, vibrieren, wenn Angst im Raum ist? Ängste schaffen Abhängigkeit von anderen Menschen oder Institutionen, die Lösungen versprechen, auch wenn diese oft nicht erfüllt werden.

Wenn wir also den utopischen Raum verteidigen wollen, brauchen wir in erster Linie Mut. Dieser Mut wird durch Sicherheit oder Unabhängigkeit möglich. Dieser Mut wird durch Transparenz möglich, durch gute Kommunikation. Dieser Mut wird durch gute Bezahlung möglich, durch Wertschätzung, durch Zeit, die es in Arbeitsprozessen ermöglicht, länger nachzudenken, komplexer zu denken oder Dinge zu durchdringen. Dieser Mut kann auch entstehen, wenn Theater Orte sind, an denen man die jeweiligen Ängste artikulieren kann. Auf der Bühne und jenseits von ihr.

Dieser Mut kann eben auch durch das Theater entstehen, und das ist eine unschlagbare Kraft: Theater kann als Möglichkeitsraum sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft stärken, kann dafür sorgen, dass Menschen ihre Wohnungen verlassen und miteinander auf ein Klingelzeichen warten, einen Sitzplatz suchen, gemeinsam denken, sich empören oder einfach Spaß haben. Theater können abendweise eine Heimat bieten, eine Zugehörigkeit schaffen.

Und wenn meine Ängste zu laut werden, dann weiß ich, dass Gefahr droht, und versuche dennoch, wie die Schauspielerinnen und Schauspieler, die Angst zu überwinden. Und jetzt raus! Handeln!

Sabrina Zwach

Sabrina Zwach, geboren 1969 in Heidelberg, ist Dramaturgin, Autorin und Kuratorin.

Sie realisiert eigene interdisziplinäre Arbeiten, ist in der Zusammenarbeit eng mit Herbert Fritsch und Regisseur:innen und Künstler:innen im deutschsprachigen Raum verbunden. Sie lebt in Berlin.

BJÖRN SC DEIGNER, geboren 1983 in Heidelberg, studierte Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen und arbeitet als Autor für Theater und Hörspiel sowie Sounddesigner und Komponist an verschiedenen deutschsprachigen Stadttheatern. Er schreibt Auftragsarbeiten für Bamberg, Frankfurt, München, Stuttgart. Mit Würgendes Blei, einer Fortschreibung von Brechts Die Gewehre der Frau Carrar, wurde er 2025 mit einer Doppelinszenierung von Luise Voigt zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen.

Die Uraufführung von die Eingeborenen von Trizonesien fand am 15. Januar 2025 am ETA Hoffmann Theater in Bamberg in der Regie von Sibylle Broll-Pape statt. Als »Eingeborene von Trizonesien« beschreibt ein Karnevalslied von Karl Berbuer das deutsche Volk im Jahr 1948, kurz vor Verabschiedung des Grundgesetzes. Ein paar Mal stimmten sogar die Alliierten den Gassenhauer irrtümlicherweise als deutsche Nationalhymne an. Karl Berbuer besingt in dem Lied die drei westlichen Sektoren, die zu einem einheitlichen Wirtschaftsraum gefasst wurden. Bei Björn SC Deigners die Eingeborenen von Trizonesien wird dem deutschen Volk in dem Zusammenhang mal ganz gehörig aufs Maul geschaut. Denn der deutschen Nachkriegs-Einigung ging ja zuerst einmal die Wirtschaft voraus. Und in der Wirtschaft spielt deshalb in diesem Stück auch höchst bös und munter die Musik. Die trunken-virtuose Groteske geht der Frage auf den Grund, warum die Deutschen der Verabschiedung des Grundgesetzes so skeptisch gegenüberstanden. Und welchen Grund das Gesetz überhaupt beschreiben sollte? Eine »Hanswurstiade« durch die prosperierenden Zeiten des Wirtschaftswunders und den unausweichlichen Sinkflug danach.

BJÖRN SC DEIGNER

DIE EINGEBORENEN VON TRIZONESIEN

Eine Hanswurstiade

Ein westdeutsches Hanswurst-Theater.

Oder auch: vier Eingeborene in ihrer Wirtschaft.

Oder auch: Richterroben am Ausschank.

Oder auch: die wahre Politik findet immer noch am Stammtisch statt.

 

Um die Riten und Rituale dieses Völkchens von Eingeborenen zu verstehen, empfehlen sich folgende Handreichungen:

Jenga spielen. Das Grundgesetz lesen (erste Seiten sind völlig ausreichend). Deutschländer-Würstchen essen. Manfred Krug: »Es geht eine dunkle Wolk herein«. Den Geruch von Frühling in 4711 Echt Kölnisch Wasser suchen. Allein mit dir, zwei Worte: ein Bier. Papier kleben mit dem Pritt-Stift. Eine Tiefkühlpizza von Dr. Oetker aufbacken und sich fragen, was »Qualität ist das beste Rezept« bedeutet. Eine blühende Landschaft finden. Im Chor Schubert singen. Ferrero Rocher anbeißen, das Innere auslecken. Wäsche mit der Hand auswaschen und den Kragen stärken. Mit Maggi würzen. Ozan Ata Canani: »Deutsche Freunde«. Einen Eduscho-Kaffee trinken. Einen Schützenverein besuchen. Der Geruch von Nivea-Creme. Wo ist nur der Deinhard? Harry, hol schon mal den Wagen. Die Regeln von Skat verstehen. In eine rohe Kartoffel beißen. Mit Canettis Gedanken in den Wald gehen: Das deutsche Heer ist ein marschierender Wald. Kegeln gehen. Hans Rosenthal: »Mit ein bisschen Mut«. Sich mit dem ganzen Gewicht auf die Unterarme stützen und eine Stunde lang aus dem Fenster schauen. Maoam! Maoam! Einen Bausparvertrag abschließen. Die Hände zur Raute formen. Welcher Mercedes passt eigentlich zu Ihnen? Karl Berbuer: »Trizonesien-Song«.

»Sie können Paragrafen machen, Sie können Artikel schreiben, Sie können die besten Grundgesetze machen. Was Sie brauchen, sind die richtigen Menschen, die diese Dinge leben.«

Fritz Bauer

|1| V-t-rl-nd

R-cht -nd V-t-rl-nd

- -n-gk- -t -nd R-cht -nd Fr- -h- -t.

Stille.

- -n-gk- -t -nd R-cht -nd Fr- -h- -t.

Stille.

- -n-gk- -t -nd R-cht -nd Fr- -h- -t.

Stille.

F-r d-s d- -tsch- V-t-rl-nd.

Art. 20 [alle Staatsgewalt geht vom Volke aus]

Das -olk.

Es schlägt ein betrunkener

Kopf auf den Tisch und

bleibt da liegen.

Wer ist das

eigentlich,

das -olk.

Das -olk

kann vieles sein.

Viele kann

vieles sein.

Kann dieser sein.

Dieser sein.

Kann auch

jener sein.

Jener sein,

ja und nein.

Kann auch

diese sein.

Diese sein,

jaha.

Kann nicht

jeder sein,

kann nicht

jede sein,

das -olk.

Nicht nicht sein,

-olk sein.

Kann nicht jeder sein,

kann nicht jede sein.

Nicht jeder,

nicht jede

ist ein -olk.

Ein -olk ist mancher,

ein mancher ist ein -olk.

Und mancher aber

auch nein.

Kann eben nicht

ein jeder sein.

Dieses

das -olk.

Wacht kurz auf:

Vvvvvvvvv --

Hm?

Hä?

Bleibt wieder mit

dem Kopf liegen.

Bin ich

das -olk?

Oder bist du

das -olk?

Ist Staat

das -olk?

Ist Mensch

das -olk?

Ich bin

das -olk!

Zugleich:

Ich bin

das -olk!

Ruft da plötzlich

das -olk

und ist sich

überraschend einig.

Das -olk ist überzeugt

und beruhigt –

für den Moment zumindest.

Wacht kurz auf:

Vvvvvvvvv –

Hm?

Hä?

-olk …!

Bleibt mit dem Kopf liegen.

Ah!

Ah!

Ich bin

das Volk.

Und ich bin

das Volk.

Und ich bin

das Volk.

Und ich bin

das Volk.

Ja:

du bist schon

auch das Volk.

Aber ich bin

das Volk.

Wahrlich bist

auch du das Volk.

Du bist auch

das Volk

und ich bin

das Volk.

Nein,

du bist auch

das Volk.

Und ich bin

das Volk.

Ich bin

das Volk.

Du bist

das Volk.

Ah,

und ich bin

das Volk.

Und du bist

das Volk.

Ja, ja, ja!

Ein Volk

wollen wir sein.

Du ein Volk,

ich ein Volk.

Volk, Volk

– Doppelvolk.

Wo viel Volk,

da viel Er-volk.

Volk muss Volk

muss völkisch

sein.

Nein!

Nicht völkisch sein!

Wir sollen Volk,

nicht völkisch sein!

Nein, nein!

Nicht sein!

Nein, nein!

Obwohl –

Aha –

Vielleicht doch

ganz geheim –

Ganz geheim?

Ganz geheim,

ganz völkisch sein?

Aha,

ganz geheim!

Ganz geheim –

Ganz geheim

und allein –

Ganz, ganz

völkisch sein …

Pschhhhhhhht!

Zugleich:

Pschhhhhhhht!

Volksbeschau |1|

Aha, da schau, das ist es also, dieses seltsame Volk, jenes, welches, dieses, der Eingebornen von Trizonesien, in all seiner Größe, da ist es und auch beeindruckend in Gestalt, jenes seltsame Völkchen, das sich Eingeborene von Trizonesien nennt, wie lange Geschichte doch die Geschichte von Königen und Generälen gewesen ist, wie es auch die Straßennamen erzählen, Ludendorff, Pape, Wever, erst dann wird Geschichte die Geschichte von Gemeinschaften und Nationen, und dann, irgendwann gar von Frauen, Randgruppen und Unterdrückten, aber so weit sind wir noch gar nicht, dieser Schritt ist uns noch fremd, wir, wir schauen heute auf einen Stamm, der hat seine ganz eigenen Riten und Rituale, der ist anzutreffen hier in seinem natürlichen Habitat, der Wirtschaft,

Prost!

und nichts und niemand ist diesem Stamm der Eingebornen so selig wie seine Wirtschaft, seine Wirtschaft muss nämlich gesund sein, sie muss aber auch sauber sein, und florieren muss sie auch, es muss eine Bewegung sein in der Wirtschaft, es muss ein Verkauf stattfinden, und wo ein Verkauf stattfinden muss, da muss auch ein Kauf stattfinden, Kauf und Verkauf sind zwei sich schüttelnde Hände, und in der Wirtschaft werden ständig die Hände geschüttelt, die Wirtschaft ist folglich ein Ort des Konsums, und es sagt der Trizonesier oder die Trizonesierin: »Kommen Sie herein in die Wirtschaft!«,

Kommen Sie herein!

vergessen Sie Sorgen, vergessen Sie Kummer,

Setzen, Bestellen, Prost!

weil in der Wirtschaft, da gibt es immer eine Zukunft, es geht immer weiter in der Wirtschaft, Höhen, Tiefen, Krisen und Er-volke, in der Wirtschaft geht’s immer voraus,

Diese Wirtschaft bringt uns alle so herzlich zusammen!

Macht eins aus dem, was vorher entzweit oder sogar drei gewesen ist!

nur eben nicht ganz zusammen, weil das Volk der Eingebornen von Trizonesien, es ist nämlich gespalten in vier Teile, aber die Kraft der Wirtschaft macht, dass zumindest drei der vier Teile zu einem werden, ein Stammtisch aber mit einigen leeren Stühlen sozusagen, ja, wieso sitzt denn da keiner, na, freigehalten für die auf der anderen Seite, nicht am anderen Ufer, sondern auf der andren Seite der Mauer, aber der Rest, der hier am Tisch sitzt, ist schon ein trizonesisches Völkchen und das alles nur durch und mit der Wirtschaft,

Auf die Wirtschaft ist Verlass!

In der Wirtschaft liegt die Kraft!

in der Wirtschaft liegt für jeden und jede immerzu eine rosige Zukunft begraben, und um das, was am Stammtisch der Wirtschaft sich regelmäßig einfindet, in Form zu betten, gibt sich der Stamm der Trizonesier und Trizonesierinnen, auch wenn Frauen bei diesem einfachen Stamm keine große Rolle spielen können/sollen/dürfen, eine Verfassung, die in den Grund setzt, was im Grunde gesetzt ist, und nicht Verfassung genannt wird, sondern Grundgesetz, weil ein großer Teil dieser Eingebornen eben noch nicht Teil des Völkchens ist, aber irgendwann einmal sein wird, so hoffen sie, und um diese Zeit zu erkaufen, gibt es eine Verfassung, die man nicht Verfassung nennt, sondern gründliches Gesetz, warum heißt es denn nicht Hauptgesetz, es geht doch von oben nach unten, sei’s drum, dieser Stamm liebt seine Gesetze ohnehin, was könnte man ihm Besseres schenken, als ein Gesetz von Grund auf, und alles ist froh und fröhlich, solange alle ihre Zeche zahlen können, denn wer seinen Zettel offenlässt, dem bläst ein ganz ein anderer Wind ins Gesicht, wenn nämlich der Deckel offen bleibt,

Dann knallt’s!

Prost!

und dann Gesang

Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien

Hei-di-tschimmela-tschimmela-tschimmela-tschimmela-bumm

Wir haben Mägdelein mit feurig wildem Wesien

Hei-di-tschimmela-tschimmela-tschimmela-tschimmela-bumm

Wir sind zwar keine Menschenfresser

Doch wir küssen um so besser

Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien

Hei-di-tschimmela-tschimmela-tschimmela-tschimmela-bumm

|2| es geht voran

Art. 1 – [die Würde des Menschen …]

Also:

Frage –

Ja?

Also,

die Frage –

Aha?

Stille.

Also,

im Grund gesetzt

die Frage –

Jaja.

Also,

und die Würde

des Menschen –

Mhm.

Stille.

Was ist denn das,

diese Würde

am Ende und

eigentlich?

Hm.

Also:

was jetzt

und genau?

Sogar genau …

Weil: ist diese Würde,

dass der Mensch

sie bekommt?

Aha.

Und dann aber:

Von wem und durch was

bekommt der Mensch

seine Würde?

Aha:

Durch was auch noch.

Oder was soll da

Würde dann sein?

Mhm.

Hat der Mensch

Würde schon immer?

Schon immer.

Immer-immer –

Immer-immer –

Oder nimmer-immer –

Nimmer-immer,

ha.

Und dann wäre

es die menschliche Würde

und nicht die Würde des

Menschen.

Oder grade andersherum?

Würde ist ja immer

menschlich.

– Quatsch.

Aha?

Nicht?

Sicher!

Ja, entweder das.

Oder das genaue

Gegenteil.

Gegenteil.

Es ist vertrackt,

man weiß es nicht.

Und wer ist damit

gemeint:

du und ich?

Sicherlich.

Alle anderen –

Eher nicht.

Im Prinzip ja alle –

Aber prinzipiell auch

nicht.

nicht.

Stille.

Was haben Sie da,

Sie da eigentlich?

Wo jetzt genau?

Da am Zipfel,

da am Eck, wo man’s

fast nicht entdeckt.

Da ist was da,

was ist da denn?

Braun!

Aber tief und dunkel.

Dunkeldeutsches

Dunkelbraun!

Nein, kann nicht sein.

Na, da!

Na, schauen Sie!

Pschhhhhhhht,

jetzt aber –

nicht so laut!

Aber wenn man es

recht bedenkt –

Was denn –

Ist es ein ganz

gesundes Braun.

So ein Braun-wie-eine-

Haselnuss-Braun.

Wollen Sie’s vielleicht –

genau beschaun?

Ich hätt das ja nie entdeckt,

wenn wir uns hier nicht betränken –

Wir zwei verstehen

Wir zwei verstehen

uns besser,

uns besser,

als wir denken …

als wir denken …

Volksbeschau |2|

Oh, dieses gesittete sittsame Völkchen, da sitzt es und trinkt sein Feierabendbier, drei Bier sind auch eine Mahlzeit, sagt der Volksmund und hat recht damit, wie so oft dieser Mund des Volkes Wahrheit spricht, denn die Eingeborenen von Trizonesien sind ein Volk der Mitte, das heißt nicht, dass es ein Mittelmaß sei, dieses einfach gestrickte Völkchen, oder gar mittelwarm, sondern dass die gesellschaftliche Mitte ansagt, was einer oder eine zu denken hat, oder was zu sagen ist oder was die Normalität sei in diesem Stamm, und was ist das für eine Errungenschaft, in der Geschichte dieses Volkes, das über lange lange lange lange lange Zeit beherrscht wurde von Königen und Kaisern, Adelsgeschlechtern und zuletzt von braunen Knechten, jetzt haben sich die Eingeborenen in der Mitte eingefunden, und im Moment, da ist die Mitte recht und ordentlich und glücklich, weil das Völkchen der Eingeborenen sitzt wie in einem Fahrstuhl, der beständig beschleunigend nach oben fährt, alles wird besser, alles wird höher, alles wird weiter, und zwar für alle, das soll dieses Bild bedeuten, fünfzig Millionen Eingeborene, und alles wird mehr, ein Mehr an

Einkommen!

ein Mehr an

Bildung!

ein Mehr an

Konsum!

wer denkt da noch an Klassen, wenn sich jede Klasse so klasse anfühlt, hier liegt niemand auf der faulen Haut und wird saftig entlohnt dafür, sagt zumindest die Mitte, und die meint nicht Frauen oder Gastarbeiter, sondern die meint die Kernfamilie mit einem Mann, der morgens aus dem Haus oder der Wohnung geht, die fast schon Eigentum ist, und am Abend mit der Lohntüte wiederkehrt, der Mann steht im Mittelpunkt der Familie, es ist eben ein simples Volk, und im Mittelpunkt dieses Völkchens steht der Mensch, und der Staat ist um des Menschen willen da, nicht umgekehrt, so wie das Grundgesetz sich an den Staat wendet, nicht an den Menschen, damit aber der Mensch in diesem Staat frei und beschützt sein kann, drum sind ja gerade alle Menschen vor dem Gesetz so gleich, und was will der Mensch: dass es jemensch gut geht, geht es Ihnen gut, ja, danke, wir testen hier gerade den Notfall der Demokratie, auch der Notstand braucht Gesetze, wobei sich da so mancher Mitmensch in den Wasserwerfer wirft, Studierende zum Beispiel oder Menschen aus Wissenschaft, Kultur und Kirche, denn ein Vertrauen auf den Notstand, den hat hier keiner in der Menschenkette, schließlich sagt der Trizonesier jetzt noch von sich, so richtig gut, so richtig richtig gut, so richtig richtig richtig gut ging es einem früher, in dieser braunen Zeit, und was von diesem Grundgesetz zu halten sei, das sei einem in der Klarheit völlig unklar, und ohnehin hätte man eigentlich gerne die Monarchie zurück und die Todesstrafe eigentlich auch, und was für ein Glück ist es da, dass in der Wirtschaft die besten Geschichten geschrieben werden, jeder und jede ist eine gewinnende Person in der Wirtschaft, das ist gesetzt und Gesetz, quasi grundgesetzt, denn auf wen das nicht zutrifft, weil man keine gewinnende Person ist, der oder die hat halt selber Schuld, ein Schuldiger und eine Schuldigerin, nein: einen Schuldigen und eine Schuldige, werden nämlich erstens immer schnell gefunden in der Wirtschaft, und zweitens – hab ich jetzt vergessen – ah, ja, auch das Vergessen ist eine ganz großartige Einrichtung dieses Völkchens,

Das was?

das – was hab ich gerade gesagt?

einige Weisheiten

Wer A sagt, muss auch B

sagen Sie

ist hier der Platz noch

frei von schlechten Gedanken,

ab jetzt den Blick nur nach vorne

richten Sie nicht über

Ihren Nachbarn,

er ist auch nur ein

Mensch hab ich einen Durst,

ich bestell noch eine

runde Welt,

flache Gedanken,

schönes

Leben nimmt,

Leben

gibt hier jetzt einer

noch eine Runde

aus den Augen,

aus dem

sind unergründlich,

die Wege von

Gott sprach, es werde Licht,

doch Petrus fand den Schalter

nicht lang schnacken,

Kopf in

nackend werden wir geboren,

nackend werden wir wieder

gähnt der Hahn auf dem Mist,

ändert’s sich Wetter oder bleibt wie es

ist der Ruf erst ruiniert,

lebt’s sich gänzlich ungen-

Irren ist menschl-

ich tue als guter Christ

nicht mehr, als mir befohlen

ist das Ihr Humpen

oder war das m-

einer muss ja die

Zeche bezahl-

Ende gut,

alles

Gutes tun und reden dar-

Übermut tut

selten

gut, ich glaub,

ich bin sternhagel-

voller Bauch,

fröhliches Haupt

-sache gesund,

sag ich im-

-mehr ist weniger –

nee: weniger ist

je mehr Gesetz,

desto weniger

Recht

und Unrecht beißen

einander in den Schwanz

Spinne am Morgen:

Kummer und Sorgen

Spinne am Mittag:

Glück am Dritttag

Spinne am Abend:

erquickend und labend

am deutschen Wesen

soll die Welt genes-

Ein Schluckauf,

ein Furz.

Jemand haut jemandem eins

über den Kopf.

und dann Gesang

Mein lieber Freund, mein lieber Freund

Die alten Zeiten sind vorbei

Ob man da lacht, ob man da weint

Die Welt geht weiter, eins, zwei, drei

Ein kleines Häuflein Diplomaten

Macht heut die große Politik

Sie schaffen Zonen, ändern Staaten

Und was ist hier mit uns im Augenblick

 

Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien

Hei-di-tschimmela-tschimmela-tschimmela-tschimmela-bumm

Wir haben Mägdelein mit feurig wildem Wesien

Hei-di-tschimmela-tschimmela-tschimmela-tschimmela-bumm

|3| Normalarbeitsverhältnis

Art. 110 – Haushaltsplan

Kaba-fit

Kaba-fit

macht fit,

macht fit,

hält fit:

hält fit:

weitersagen!

weitersagen!

Fliegen, erleben,

erholen:

Neckermann macht’s

Feierabend:

Feierabend:

Afri-Cola

Afri-Cola

Alles ist in

Alles ist in

Afri-Cola

Afri-Cola

Hier Ariel,

hier im Hauptwaschgang

Milch zu trinken

Milch zu trinken

macht erst Spaß

macht erst Spaß

aus dem großen

aus dem großen

Nesquick-Glas

Nesquick-Glas

Aber man kann doch nicht mehr als putzen

Jacobs Moccapress

gehört einfach dazu

Kaba-fit

Kaba-fit

macht fit,

macht fit,

hält fit:

hält fit:

weitersagen!

weitersagen!

Liebt ihr Großen,

was ihr wollt,

Kinder lieben

Aber man kann doch nicht mehr als putzen

Mini-Cola als

Mini-Cola als

Stimulanz,

Stimulanz,

sexy Cola,

sexy Cola,

Stimmungselixier,

Stimmungselixier,

Super-Cola,

Super-Cola,

alkoholfreies

alkoholfreies

Partygetränk

Partygetränk

Aber man kann doch nicht mehr als putzen

Doch: Meister Proper

nehmen,

er lässt alles wieder

spiegeln wie

Nesquick!

Nesquick!

Nesquick!

Nesquick!

Die Rama mit dem

Die Rama mit dem

Die Rama mit dem

Die Rama mit dem

Die Rama mit dem

Die Rama mit dem

vollen naturfeinen

Geschmack

Geschmack

Flower-Cola,

Flower-Cola,

Erfrischung

Erfrischung

auch bei

auch bei

schlechtem Wetter

schlechtem Wetter

8X4

schenkt Sicherheit

der echte

Klosterfrau

Melissengeist

für Kopf,

Herz,

Magen,

Nerven

Kopf,

Herz,

Magen,

Nerven

Kopf,

Herz,

Magen,

Nerven

Sexy,

Sexy,

mini,

mini,

super,

super,

Flower,

Flower,

Pop-up,

Pop-up,

Cola:

Cola:

alles ist in Afri-Cola

alles ist in Afri-Cola

alles ist in Afri-Cola

alles ist in Afri-Cola

alles ist in Afri-Cola

alles ist in Afri-Cola

alles ist in Afri-Cola

alles ist in Afri-Cola

alles ist in Afri-Cola

alles ist

alles ist

alles ist

alles ist

alles ist

alles ist

alles ist

alles ist

alles

alles

alles

alles

alles

alles

alles

alles

alles

alles

alles

alles

alles

alles

alles

alles

Das wollte ich Sie

schon immer fragen:

Was nehmen Sie

eigentlich zum Putzen?

Ach, ich hab

alles ausprobiert,

für mich gibt’s nur

’ne General-Reinigung.

General-Reinigung?

Ja, die Reinigung

mit dem General!

Jetzt meldet sich

ihr Gewissen:

»Die Bademäntel,

nicht weich genug!«

Aber ich –

»Die Wäsche könnte

auch weißer sein!«

Ich wasch doch

so sorgfältig –

»Genügt nicht!

Du musst Lenor nehmen!«

Weiß!

Wie noch nie!

Jetzt hat sie

ein gutes Gewissen:

»Alle haben

dich so lieb!«

Die Erde ist ein

Die Erde ist ein

Paradies mit

Paradies mit

Lustvolle

Lustvolle

Gefilde

Gefilde

Afri-Cola-hungriger

Afri-Cola-hungriger

Gefühle

Gefühle

Die Frau

Die Frau

wird Frau

wird Frau

und frei

und frei

Girl-Power

Girl-Power

Frauen-Lib und

Frauen-Lib und

Männer-

Männer-

Freiheit

Freiheit

Heirat oder

Heirat oder

nicht Heirat

nicht Heirat

das ist nicht mehr

das ist nicht mehr

die Frage

die Frage

die Frage

die Frage

die Frage

die Frage

Die Augen

Die Augen

erzählen der Welt

erzählen der Welt

dass sie verliebt

dass sie verliebt

sind

sind

Menschen, die

Menschen, die

bewusst ihre

bewusst ihre

Zeit genießen

Zeit genießen

bei vollem

bei vollem

Verstand

Verstand

Verstand

Verstand

Wach und

mobil mit

sexy

mini

super

Flower-Power

Pop-up

Afri-Cola

Und was sagen Sie

zur Baader-Meinhof-

Truppe?

Wer?

Die RAF, Stammheim?

Ach, so: ja.

Und was sagen

Sie dazu?

Ja, was sage ich dazu.

Früher hätt man das

am nächsten Baum

aufgehangen.

Volksbeschau |3|

Oh, oh oh, was ist das nur für ein Leben eigentlich, was ist das für ein seltsames Volk da, dieser merkwürdige Stamm, es wird einem ja ganz schwindelig, sie wissen es noch nicht, pscht, aber es ist die Zeit,

Arbeit!

äh ja, es ist also die Zeit, der die Eingeborenen noch nachtrauern werden, aber wer weiß das denn gerade schon, niemand, keiner und keine weiß das, niemand weiß im Grund irgendwas, wie gesagt, auch die Fähigkeit zum Vergessen will trainiert sein, und das trizonesische Volk, es ist stahlhart, wenn’s ums Trainieren geht, drum

Arbeit!

äh ja, also hoch die Tassen, rein den Zinken, für diese unbefristete, dem Kündigungsschutz unterliegende, sozialversicherungsspflichtige

Arbeit!

ja eben, Gewissheit, Vorhersehbarkeit, soziale Sicherheit, alles Dinge, die die trizonesischen Menschen lieben, der Lebensstandard verbessert sich, was ist ein Arbeiter, was ist ein Angestellter, der Unterschied ist kaum mehr auszumachen, zumindest in der Lebensweise, Kühlschränke und Fernseher überall, eine Blechlawine an Autos läuft vom Band, und es wird gekauft, gekauft, gekauft

Arbeit!

Fünftagewoche, Vierzigstundenwoche, Ferien im Ausland, Fernreisen, die Hälfte aller Facharbeiter besitzt auf einmal ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung, eigene vier Wände, in die keiner hineinschauen kann, das nennt sich eine Freiheit, da braucht es keine Solidarität, wenn die Tapete so herrlich glitzert, wohlgemerkt, gilt das nicht für die Facharbeiterinnen, weil die Frau bleibt bei diesem Volk zu Haus und hütet Kinder und Betten, seltsame Völker, seltsame Riten, so sagt man doch, oder nicht, alles mit Persil gewaschen, also nicht die Kinder, es geht in Trizonesien vor allem der Mann zur

Arbeit!

An Gastarbeiter wollen wir hier jetzt erst gar nicht denken, zum wiederholten Male, man erinnert sich, in der Mitte ist hier ein Volk, das sich einen Wert gibt über seine

Arbeit!

das sich selbst definiert über seine

Arbeit!

auf dessen Grabsteinen steht: Metzgermeister, Kunstschmied, denn man ist vor allem eine Sache, und das ist seine

Arbeit!

ein Volk, das sich in sich selbst integriert über

Arbeit!

was soll das heißen, fragt der Trizonesier, sich in sich selbst integrieren, ich bin doch kein Ausländer, ich bin nicht fremd im eigenen Land, seh ich etwa so aus, gut, meine Großeltern, die waren schon, aber nein, das ist, zählt hier gar nicht, in einer Gesellschaft, wie dieser Stamm ja auch eine ist, ist jeder und jede dem anderen und der anderen fremd, da braucht es Mechanismen, nach denen wir uns miteinander organisieren, da braucht es eine Gangart, die uns einen Wert zuweist, jedem und jeder, will sagen, Regelwerte der Verhaltensweisen, die braucht es sozusagen, an denen wir uns orientieren, egal, wo wir geboren sind, und bei diesen Eingeborenen ist es eben der Wert der

Arbeit!

der macht, dass diese Gesellschaft sich in sich selbst organisiert, oder haben Sie gedacht, es kommt von selbst, dass die Schaffigkeit dieses Völkchens der Stolz dieses Stammes ist, nein, Zufall ist hier nur eines, nämlich wo sie geboren wurden und in welche Familie sie die Geburt hineingelegt hat, der Rest des Lebens, so sagen die Eingeborenen, ist kein Pizzastück, kein Ponyhof, kein Wunschkonzert, kein Zuckerschlecken, sondern harte bis stahlharte

Arbeit!

Prost.

Diese Wirtschaft ist eine Herrlichkeit

Alles und alle

heben das Glas.

Bis in den Bart in A. stecken

von A. stirbt kein Mensch

A. adelt

A. und Fleiß, das sind die Flügel

Erst die A., dann das

Vergnügen.

Alles und alle

heben das Glas.

A. schändet nicht

Drum bete und A.

A. ist des Bürgers Zierde

A. kommt vor dem Spiel

Von der A. wird man nicht reich

Wie die A. so der Lohn

Der hat die A. nicht erfunden

A. ist kein Hase, sie läuft einem nicht davon

Alles und alle

in Angetrunkenheit heben das Glas.

A. bleibt liegen

A. erledigt sich nicht von alleine

sich viel A. mit etwas machen

eine gute A. geleistet haben

Alles und alle

in Betrunkenheit heben das Glas.

Nach getaner A. ist gut

Etwas ist verlorene A.

Mir geht die A. gut von der Hand

Sich an die A. machen

Mitten in der A. stecken

Sich in die A. stürzen

Tages Arbeit!

Tages Arbeit!

Abends Gäste!

Abends Gäste!

Saure Wochen!

Saure Wochen!

Frohe Feste!

Frohe Feste!

Alles und alle vollkommen betrunken.

|4| Dekadenz, lat. cadere

Art. 12 [alle Deutschen haben das Recht, Beruf und Arbeitsplatz und Ausbildungsstelle frei zu wählen]

Alles liegt auf den Bänken und schnarcht.

Ein Gesicht hängt wach und schaut vor sich hin:

in der Hand das Kinn.

Diese Wirtschaft ist

wirklich eine Herrlichkeit.

Oh, ja.

Finden Sie nicht?

Oh, doch.

Ich finde es ganz

herrlich hier.

Oh, ja.

Prost!

Prost!

Finden Sie es nicht

etwas heiß?

Nein.

Nicht etwas

sehr heiß?

Oh, nein.

Nein, diese

Wirtschaft hier,

sie ist eine

Herrlichkeit.

Oh, ja.

Sie wächst.

Oh, ja.

Überall wächst

es nur so.

Oh, ja.

Hier wächst es,

da wächst es,

überall wird’s

mehr.

Oha.

Auf den Tischen

mehr.

Oh, ja.

Unter den

Tischen auch.

Oh, ja.

Sagen Sie:

finden Sie es

wirklich nicht

zu heiß hier?

Oh, nein.

Eis gefällig?

Ja, bitte!

Ja, bitte!

Sie können auch

gleich einen ganzen

Kühlschrank.

Nein, danke.

Nein, danke.

Wir haben schon

Wir haben schon

einen.

einen.

Oder gleich ein Eisfach.

Danke, nein.

Danke, nein.

Einen ganzen

Eisschrank?

Danke, nein.

Danke, nein.

Neu im Programm: die

Kühltruhe mit der Eieruhr!

Es kühlt so kühl,

kalt wie Natur,

zum Glück fehlt nur

die Eieruhr!

Danke, nein.

Danke, nein.

Sagen Sie,

sagen Sie:

Ich finde es wirklich

unerträglich heiß,

woher kommt das denn?

Woher was kommt?

Ja, woher

diese Hitze kommt?

Das ist uns doch völlig

wurscht, woher etwas

kommt in unserer

Wirtschaft.

Angetrunken:

Wir sind die

Eingebornen von

Trizonesien –

So lange es gut ist,

was da zu uns kommt,

ist uns doch völlig

Banane, wo es herkommt.

Hei-di-tschimmela-

tschimmela-

tschimmela-

tschimmela-bumm –

Und wie lange es noch

hierherkommt.

Und auch welche Wege

es nehmen muss:

Das ist uns wumpe.

Das ist uns wumpe.

Wir haben

Mägdelein mit

feurig wildem Wesien –

Schnurzpiepe!

Wurstikus!

Sozusagen:

Furzegal!

Furzegal!

Hei-di-tschimmela-

tschimmela-

tschimmela-

tschimmela-bumm –

Entschuldigung:

Mir rutscht gerade

der Stuhl

unterm Arsch weg,

bemerkt das jemand,

bemerkt das niemand,

hier steht doch

alles schräg,

alles nicht mehr im Lot,

oder nicht,

in einer Wirtschaft,

wo der Tisch schräg steht,

da fällt das Bierglas um,

und das kann doch

nie und nimmer

was Gutes bedeuten.

Trink noch ein Glas,

mein Bruderherz.

Dann wird die Sicht

wieder grade.

Das hat alles nur

mit Pegel zu tun.

Hei-di-tschimmela-

tschimmela-

tschimmela-

tschimmela-bumm –

Da hat einer

das Oktoberfest in die Luft –

Weiß ich doch.

Dreizehn sind tot

und über zweihundert –

Ich weiß doch.

Das war der Köhler

von der Wehrsportgruppe –

Sorgen soll man sich

vor dem Linksextre-

mismus und nicht

vor ein paar rechten

Spinnern.

Das sagt der

Innenminister.

Aber das –

Ja, ja, ja.

Das ist doch grauenhaft –

Wir sitzen hier

so selig, oder nicht.

Dann mach doch die

schöne Stimmung

nicht kaputt.

Aber –

Nix aber!

Stimmung!

und dann Gesang

Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien

Hei-di-tschimmela-tschimmela-tschimmela-tschimmela-bumm

Wir haben Mägdelein mit feurig wildem Wesien

Hei-di-tschimmela-tschimmela-tschimmela-tschimmela-bumm

Volksbeschau |4|

Ja, was ist denn los, was geht das denn hier auf einmal so schnell, und immer nur in eine Richtung, nach unten, hier wird ja nur noch geschliddert und gerutscht, und das mein ich nicht nur emotional, hört jemand, hören Sie es denn nicht laut knirschen hier, da ist mehr als Sand im Getriebe, hier verfangen sich große Kieselsteine im Zahnrad der Gesellschaft,

Ich bin

das Volk.

sagt das trizonesische Volk, wir haben’s ja gehört

Und ich bin

das Volk.

sagt auch das trizonesische Volk, wir haben auch das gehört, aber jetzt heißt es auf einmal

Wir sind

das Volk!

und was für eine freudvolle Sache ist das denn, da springt einem doch der Quark aus dem Schaufenster, darauf haben wir doch gewartet die ganze Zeit oder nicht, der Stamm der Trizonesier, es ist ein Volk der Quatrozonesier jetzt, und die Menschen reißen sich die Hüte vom Schädel, so schön ist das, oder nicht, oder doch, oder nicht, hat keiner Blumen dabei, was ist denn los, es ist so still hier, wir haben doch was zu feiern, und ab jetzt feiern gleich noch mehr Leute mit, hallo, was ist denn hier so eine Stille, die da auf einmal herrscht, als wäre was aus den Wolken gefallen, was ist das denn, Katerstimmung im Stamm der Trizonesier, Verzeihung, Quatrozonesier, man ist so vereint, und trotzdem sitzen alle vereinzelt in der Wirtschaft, alle nur für sich, hier jemand, da jemand, jede Person auf der eigenen Insel der Unglückseligkeit, denn die Stille ist gut für die Ohren, aber schlecht fürs Geschäft, das, was hier vor kurzem noch so laut gebrummt hat in der Wirtschaft, das ist jetzt verdächtig ruhig, was bekommt man, wenn sich die Wirtschaft heiß läuft, man bekommt, dass sie kalt geht, sie aus dem Ruder schwimmt, das Bier ist schal und die Buletten kalt, er sitzt und schweigt, dieser Stamm, es kann sich zu nichts entscheiden, dieses Völkchen, so bleibt das Grundgesetz gründliches Gesetz und wird nicht Verfassung heißen, und auch die Nationalhymne, die diesem Büchlein angeheftet ist, bleibt dieselbe, auch wenn das Land anders zusammengewachsen ist, sehen Sie irgendwo blühende Landschaften, eben, wie soll so ein Volk sich eigentlich finden, lange Gesichter und Fettleber, das braucht doch Generationen, bis diese Menschen überhaupt zu sich finden und dann erst zueinander, dieser Stamm, er weiß, dass er Bundesländer hat, und diese haben Jahrhunderte gebraucht, um zusammenzuwachsen, wie soll ein ganzes Völkchen nun sich selbst zusammenwachsen lassen, sich erneut und immer wieder in sich selbst integrieren, wir wissen es ja schon, es gibt den Wert der Arbeit, der macht, dass man zueinanderfindet, aber Arbeit, die wird ab jetzt Mangelware, zumindest die Arbeit, von der der Volksmund sagt, dass sie sich lohnt, wird zur Mangelware, Arbeit gibt es immer noch, auch für die Frauen in diesem Stamm, das ist jetzt entdeckt worden, aber Arbeit, die sich lohnt, die wird halt zur Seltenheit, und damit sich das Zusammenleben dennoch lohnt in diesem Völkchen, werden die Markt und Wettbewerbsmechanismen, die bisher nur um die Menschen herum wucherten, in alle gesellschaftlichen Bereiche hineingeführt, hineingerührt, hineingeschüttelt, ist das nicht rührend, wie sich das trizo-, Verzeihung, quatrozonesische Volk die Augen reibt, Marktzentrierung, Deregulierung, Angebotspolitik, da bekommt man schon beim Zuhören Gänsehaut, Expansion der Märkte nicht nur nach außen, sondern auch nach innen, das Volk der Eingeborenen presst die Welt nicht mehr aus wie eine Zitrone, sondern jetzt sich selbst auch, Gesundheitswesen, Bildung, Kultur, demokratische Grundstrukturen werden zu Orten von Angebot und Nachfrage, sämtliche gesellschaftliche Bereiche werden zur Erschließung neuer Märkte genutzt, ein Krankenhaus ist schließlich auch nur ein Geschäft mit der Krankheit, das sich lohnen muss, Bildung die Beschleunigungsphase zwischen Kindheit und Arbeitszeit, durch die man am besten wie ein Projektil mit Hochgeschwindigkeit auf den Arbeitsmarkt knallt, ohnehin knallt so mancher und manche jetzt zum ersten Mal auf die Betonplatte der Realität, weil auch die Sicherungssysteme, die den Eingeborenen nun nicht mehr selbstverständlich, sondern wie ein Luxus vorkommen, die werden durch die Hintertür verabschiedet, oder glauben Sie, es passiert aus Freude am Spaß, dass hier in der Wirtschaft plötzlich jeder und jede nach seinem Pfandglas schaut.

A sagen, B sagen

A--

A--

A--

A--

Aaa--

Aaa--

Aaa--

Aaaaaaaaah – –

Eine Person fällt vom Stuhl, landet unter dem Tisch:

Oh, meint Gott – das sieht aus wie ein Abstieg.

Zum Glück ist es nur ein Einzel-Fall.

B--

B--

B--

B--

Bbb--

Bbb--

Bbb--

Bbbbbbbbbh – –

Eine weitere Person fällt vom Stuhl, landet unter dem Tisch:

Oh, meint Gott – ist das etwa der Abstieg.

Zum Glück ist es nur ein zweiter Fall.

Aaaaa--

Aaaaa--

Aaaaa--

Aaaaaaaaah – –

Bbbbb--

Bbbbb--

Bbbbb--

Bbbbbbbbbh – –

Eine dritte Person fällt vom Stuhl, landet unter dem Tisch:

Oh, meint Gott – es ist der Abstieg.

Und was ist hier eigentlich los, warum liegt fast alles unterm Tisch?

Aaaaaaaaah --

Aaaaaaaaah --

Aaaaaaaaah --

Aaaaaaaaah – –

Bbbbbbbbbh --

Bbbbbbbbbh --

Bbbbbbbbbh --

Bbbbbbbbbh – –

Auch die letzte Person fällt vom Stuhl, landet unter dem Tisch:

Oh, meint Gott – das ist also der Abstieg,

was soll man da noch beschönigen.

|5| früher war alles besser

Arbeitstier

Arbeiten Sie

gerne?

Ja, ich arbeite

sehr

gerne.

Arbeiten Sie denn

gerne?

Ich arbeite

sehr sehr

gerne.

So gerne

arbeite ich.

Oh, das verstehe ich.

Ich arbeite ja auch

sehr sehr

gerne.

Ich arbeite fast

sehr sehr sehr

gerne.

Das ist aber

gerne.

Ja, sogar

sehr sehr sehr

gerne

Ich arbeite auch so

wahnsinnig

gerne.

Manche Menschen

behaupten sogar,

ich arbeite

sehr sehr sehr sehr

gerne.

Das ist aber

sehr gerne.

Ja, sogar

sehr sehr sehr sehr

gerne.

Sehr sehr sehr sehr

gerne

ist wirklich sehr

gerne.

Ja, nicht wahr.

Ein etwas zu nervöses Lachen auf beiden Seiten.

So-so-so-so

gerne.

Ich will fast sagen,

dass die Menschen

über mich sagen,

also nicht alle, nur die,

die mich wirklich kennen,

ich arbeite wirklich

sehr sehr sehr sehr sehr

gerne.

Sehr sehr sehr sehr sehr

gerne!?

Ja!

Aha!

Ein etwas zu nervöses Lachen auf beiden Seiten.

Das ist wirklich ein

Zufall!

Ein Zufall!?

Ja! Ein Zufall!

Und was für einer!

Was für einer?!

Ja, was für einer!

Aber was für

einer denn?!

Es gibt nämlich auch

in meiner Familie

Menschen, die mich

wirklich gut kennen,

und was die sagen, ist

dem, was die

Menschen, die Sie

wirklich kennen, also,

was die alle sagen, gar

nicht so unähnlich,

sie sagen, ich arbeite

fast regelmäßig bis

immerzu nämlich

sehr sehr sehr sehr

sehr sehr sehr sehr

sehr sehr sehr sehr

sehr sehr sehr sehr

gerne.

Oh, Gott,

wie schön,

mir wird so

schlecht –

Viel zu nervöses Lachen auf beiden Seiten.

Wieso wird Ihnen

denn jetzt schlecht?

Kennen Sie das

nicht?

Dass einem so

ganz schlecht wird

mit einem Mal …

Weil man zu alte

Wurst gegessen

hat?

Nein, einfach so.

Einfach so wird

einem plötzlich

sehr sehr sehr sehr

sehr sehr sehr sehr

sehr sehr sehr sehr

sehr sehr sehr sehr

sehr sehr sehr sehr

sehr sehr sehr sehr

sehr sehr sehr sehr

sehr sehr sehr sehr

schlecht …

Nein.

Kenn ich eigentlich

nicht.

Nicht?

Nein.

Nicht?

Nein, nein.

Wirklich nicht?

Nein.

Und übergibt sich.

Volksbeschau |5|

Wo ist denn hier, haben Sie, hier war doch gerade noch, wo ist denn, wo ist denn die Mitte jetzt hin, wo ist denn nur die Mitte hin, die war doch eben noch da, wo ist die Mitte denn jetzt hingeschrumpft, ein Teil ist abgestiegen, das kennt der Eingeborene nicht, das macht ihn unsicher und unglücklich, wo kommt das denn her, dass man absteigen kann, und wo geht das noch hin, das sind Gedanken, da kräuselt’s einem doch die Zehennägel, und zwar gegen die Wuchsrichtung, und wenn der Eingeborene oder die Eingeborene selbst nicht betroffen ist, sozusagen, noch oben schwimmt, so kennt er, so kennt sie doch direkt oder indirekt Menschen, die davon betroffen sind, nein, nein, bemerkt der Eingeborene, das hier, das ist eine Gesellschaft, aber die sitzt ja gar nicht mehr in einem Fahrstuhl, der alle nach oben gebracht hat, der Fahrstuhl, der hat sich irgendwann während der Fahrt einfach in Luft aufgelöst, puff, einfach verschwunden, stattdessen sieht man überall um sich nur noch Treppen, die nach unten führen, und zwar steiler, als man denkt, und steiler, als man es aushält, man muss schnell gehen, um zu vermeiden, dass diese rollenden Treppen einen nach unten fahren, warum sind denn alle so gehetzt, woher kommt der Stress, Stillstand ist der Tod, nein, Stillstand ist der Abstieg auf der Rolltreppe nach ganz unten, das hier, oh, Freunde, ist das stahlharte Gehäuse der wirtschaftlichen Herrschaft, Prost, äh Prostata, dieses Land wurde doch gerade erst aufgebaut, Stein auf Stein auf Ziegelstein, es hat eine Demokratie geschenkt bekommen, die es eigentlich nicht wollte, und nach kurzen Jahrzehnten des Höhenflugs ist die Asphaltdecke der Innenstädte schon wieder ausgehoben und durchfurcht, damit hat aber keiner gewettet, das hat aber so keiner erwartet oder was, das wär ja noch schöner, na, hör ma, wo kommen wir denn da hin, nein, jetzt mal wirklich, wenn wir da langgehen, wo kommen wir denn dann dahin, meine Güte, so viele unklare Perspektiven, bis vor kurzem war hier doch alles klar und abgekartet wie ein Spiel, Rommé oder Canasta, Skat versteht ja wieder keiner, auch wenn’s uns um den Trumpf geht, das Spiel also hieß, für uns wird’s einfach immer besser, für uns wird’s jedenfalls gut bis nicht schlechter und jetzt, versteht das eigentlich noch irgendwer, also ich bin jetzt völlig das Rad am Drehen, auf der einen Seite ist das Völkchen wiedervereint, und trotzdem ist es in zwei Gesellschaften gespalten, wer soll das denn verstehen, es wird erwirtschaftet wie Bock, und trotzdem verschärft sich die soziale Ungleichheit, Arm und Reich klüften immer weiter auseinander, Einsparungen von sozialen Unterstützungssystemen und Infrastruktur, das ganze Land ein auskühlender Schlot, o Herrlichkeit, und dabei muss man sich selbst integrieren in die eigene Gesellschaft, auch das wissen wir bereits, man hört ja gar nichts mehr Neues, es wiederholt sich ja die alte Soße immer nur, und je kälter die Soße, desto dicker die Tunke, und wenn wir heute sagen über diesen seltsamen Stamm, er muss lernen, weniger zu konsumieren, dann fehlt uns doch das Verständnis, dann fehlt uns doch der soziologische Blick auf dieses einfache Volk, dass doch seit Anbeginn gelernt hat, dass es durch Arbeit existiert, und wo Arbeit ist, da ist ein Konsum, so ist es doch in einer Wirtschaft, zwei sich schüttelnde Hände, Arbeit und Konsum, also heißt Kaufen und Verbrauchen, dass man teilnimmt, an der Gesellschaft teilnimmt, und wer möchte das, jeder und jede, so kann man nur hoffen, also wie soll das dann gehen, dass diese Eingeborenen weniger brauchen, verbrauchen, beides, ich weiß es nicht.

und dann Gesang

Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien

Hei-di-tschimmela-tschimmela-tschimmela-tschimmela-bumm

Wir haben Mägdelein mit feurig wildem Wesien

Hei-di-tschimmela-tschimmela-tschimmela-tschimmela-bumm

Wir sind zwar keine Menschenfresser

Doch wir küssen umso besser

Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien

Hei-di-tschimmela-tschimmela-tschimmela-tschimmela-bumm

 

Doch, fremder Mann, damit du’s weißt

Ein Trizonesier hat Humor

Er hat Kultur, er hat auch Geist

Darin macht keiner ihm was vor

Selbst Goethe stammt aus Trizonesien

Beethovens Wiege ist bekannt

Nein, so was gibt’s nicht in Chinesien

Darum sind wir auch stolz auf unser Land