Dreamland Billionaires - Final Offer - Lauren Asher - E-Book

Dreamland Billionaires - Final Offer E-Book

Lauren Asher

0,0
9,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.
Mehr erfahren.
Beschreibung

Eine zweite Chance aufs Glück

Callahan Kane ist frustriert. Um sein milliardenschweres Erbe antreten zu können, muss er einen Sommer im alten Ferienhaus der Familie am Lake Wisteria verbringen und es anschließend verkaufen. Was einfach klingt, stellt sich schnell als unmöglich heraus, als Cal dort auf seine Ex-Freundin Alana trifft, die das Haus für sich beansprucht. Widerwillig geht er einen ersten Schritt auf Lana zu und versucht eine Einigung mit ihr zu erzielen. Schnell muss er sich selbst eingestehen, dass er dabei ist, sich noch einmal ganz neu in seine Ex-Freundin zu verlieben. Beim Versuch, seine Gefühle zu verdrängen, kommen alte Erinnerungen und neue Geheimnisse an die Oberfläche. Hat Cals und Lanas Liebe trotz allem eine zweite Chance?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 708

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



DASBUCH

Callahan Kane ist frustriert. Um sein milliardenschweres Erbe antreten zu können, muss er einen Sommer im alten Ferienhaus der Familie am Lake Wisteria verbringen und es anschließend verkaufen. Was einfach klingt, stellt sich schnell als unmöglich heraus, als Cal dort auf seine Ex-Freundin Alana trifft, die das Haus für sich beansprucht. Widerwillig geht er einen ersten Schritt auf Lana zu und versucht eine Einigung mit ihr zu erzielen. Schnell muss er sich selbst eingestehen, dass er dabei ist, sich noch einmal ganz neu in seine Ex-Freundin zu verlieben. Beim Versuch, seine Gefühle zu verdrängen, kommen alte Erinnerungen und neue Geheimnisse an die Oberfläche. Hat Cals und Lanas Liebe trotz allem eine zweite Chance?

DIEAUTORIN

Lauren Asher hat eine überbordende Fantasie und verbringt ihre Freizeit mit Lesen und Schreiben. Ihr Traum ist es, an all die Orte zu reisen, über die sie schreibt. Sie genießt es, Figuren mit Ecken und Kanten zu erschaffen, die man einfach lieben muss. Wenn sie nicht gerade schreibt, durchforstet Lauren YouTube, schaut alte Episoden von »Parks & Recreation« und sucht nach neuen Restaurants auf Yelp. Sie arbeitet am liebsten direkt nach ihrem Morgenkaffee und würde nie ein Nickerchen verweigern.

LAUREN ASHER

DREAMLAND BILLIONAIRES

FINAL OFFER

BAND 3

Roman

Aus dem Amerikanischen von Melike Karamustafa und Bettina Hengesbach

WILHELMHEYNEVERLAGMÜNCHEN

Die Originalausgabe FINALOFFER erschien erstmals 2023.

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

Der Verlag behält sich die Verwertung der urheberrechtlich geschützten Inhalte dieses Werkes für Zwecke des Text- und Data-Minings nach § 44 b UrhG ausdrücklich vor. Jegliche unbefugte Nutzung ist hiermit ausgeschlossen.

Deutsche Erstausgabe 12/2023

Copyright © 2023. FINALOFFER by Lauren Asher

Copyright © 2023 der deutschsprachigen Ausgabe

by Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,

Neumarkter Str. 28, 81673 München

Redaktion: Lisa Scheiber

Umschlaggestaltung: zero-media.net

nach dem Originalcoverdesign von Books and Moods

Satz: satz-bau Leingärtner, Nabburg

ISBN 978-3-641-30064-7V001

www.heyne.de

Playlist

in my head – Ariana Grande

Hate Myself – NF

Forever Winter (Taylor’s Version) – Taylor Swift

Bad Habits (Acoustic Version) – Ed Sheeran

justified – Kacey Musgraves

If I Ever Feel Better – Phoenix

Unmiss You – Clara Mae

Broken (Acoustic) – Jonah Kagen

Wishful Thinking – Gracie Abrams

Brown Eyes Baby – Keith Urban

favorite crime – Olivia Rodrigo

Clarity – Vance Joy

Break My Heart Again – Danielle Bradbery

This Time is Right – CVBZ & American Authors

Labyrinth – Taylor Swift

One Life – James Bay

You Let Me Down – Alessia Cara

No Se Va – Morat

Goodbye – Mimi Webb

Time – NF

When We Were Young – Adele

I Won’t Give Up – Jason Mraz

ADMV – Maluma

Für alle, die unterschätzt werden. Ich hoffe, ihr beweist allen das Gegenteil, auch euch selbst.

KAPITEL EINS

Alana

Hätte ich gewusst, dass ich heute Nacht sterben würde, hätte ich heißere Unterwäsche angezogen. Oder zumindest etwas viel Schöneres als den nicht zusammenpassenden Schlafanzug mit den Löchern und lauter ausgeblichenen Stellen.

Meine Mutter hält mir wahrscheinlich vom Himmel aus eine Standpauke und fragt sich, was sie bei meiner Erziehung falsch gemacht hat.

Perdona me, Mami. Debería haberle escuchado.

Ich bekreuzige mich schnell, bevor ich meine Pistole auf den Schatten richte, der im Türrahmen steht. Mein Herz hämmert wie wild, und der Abstand zwischen den einzelnen Schlägen wird immer kürzer. »Ich zähle bis fünf, dann hast du mein Haus verlassen. Sonst schieße ich. Eins … zwei …«

»Mist.« Etwas Schweres prallt gegen die Wand, ehe ein Schalter betätigt wird und helles Licht den Flur erleuchtet.

Mein Griff um die Waffe festigt sich, als ich die Person erkenne, von der ich geglaubt hatte, sie nie wiederzutreffen. Wir sehen uns an.

Sein Blick folgt der Form meines Gesichts wie eine unsichtbare Liebkosung, was einen warmen Rausch durch meinen Körper jagt.

Trotz der Alarmglocken in meinem Kopf, die mir sagen, ich solle weglaufen, kann ich nicht widerstehen, Callahan Kane in seiner gesamten einen Meter dreiundneunzig großen Pracht anzuschauen.

Alles an ihm wirkt vertraut, sogar der Schmerz in meiner Brust, der mich nie verlassen hat, selbst nachdem er es getan hatte.

Sein gelassenes Lächeln.

Sein zerzaustes dunkelblondes Haar, immer ungekämmt und als bettelte es darum, gezähmt zu werden.

Seine blauen Augen wie der wolkenlose Himmel, funkelnd wie die Wasseroberfläche eines Sees in der Mittagssonne.

Es ist mehr als sechs Jahre her, seit ich ihn zuletzt gesehen habe. Sechs lange Jahre, die mich so abgehärtet haben, dass ich sofort erkenne, was hinter seiner Anziehungskraft steckt.

Eine Falle.

Wenn ich genau hinschaue, kann ich die Risse in seiner Fassade erkennen, die er hinter Schönheit und Charme zu verstecken versucht. Er wollte andere Leute nie die gebrochene Person hinter seiner Maske sehen lassen. Das war es, was mein Interesse an ihm geweckt hat und was mir letztendlich zum Verhängnis wurde.

Ich war dreiundzwanzig, als er mir das Herz gebrochen hat, und dennoch fühlt sich der Schmerz noch so frisch an, als wäre es gestern gewesen. Doch statt das Gefühl zu ignorieren, lasse ich lieber meine Wut davon befeuern.

»Was zur Hölle machst du hier?«, rufe ich.

Sein Lächeln gerät ins Wanken, ehe es zurückkehrt. »Freust du dich, mich zu sehen?«

Ich winke ihn zu mir heran. »Bin total aus dem Häuschen. Warum kommst du nicht ein bisschen näher, damit ich besser auf dich zielen kann? Wär doch schade, wenn ich ein wichtiges Organ verfehle.«

Er wendet den Blick kurz von meinem Gesicht ab, um die Pistole in meiner Hand zu betrachten. »Weißt du überhaupt, wie man damit schießt?«

Meine Augen verengen sich. »Willst du es rausfinden?«

»Wo hast du die her?«

»Ein Geschenk von meiner Mutter.« Es zieht in meiner Brust.

Seine Augenbrauen nähern sich seinem Haaransatz. »Señora Castillo hat dir eine Waffe gekauft? Warum?«

Ich lasse die Pistole sinken und sichere sie. »Sie hat immer gesagt, eine Frau sollte zwei Dinge sein – bewaffnet und gefährlich.«

Ihm bleibt der Mund offen stehen. »Ich dachte, sie hätte nur Witze darüber gemacht, eine Waffe zu haben, weil sie uns im Zaum halten wollte.«

»Nicht jeder ist in einem sicheren Vorort von Chicago aufgewachsen, mit wechselnden Nannys und Bediensteten für alle Belange.«

»Das Gleiche könnte man über Leute sagen, die in einem fröhlichen kleinen Sommerurlaubsort aufgewachsen sind, in dem man den Polizisten mit Alkohol und einem Hundert-Dollar-Schein bestechen kann.«

Ich schaue ihn finster an. »Nur zur Info: Sheriff Hank ist letztes Jahr in Rente gegangen.«

»Wie schade für all die randalierenden Teenager.« Sein strahlendes Lächeln wird breiter.

In meinem Bauch beginnt es zu kribbeln. So wie es in meinem Magen flattert, fühlt es sich an, als wären Tausende Schmetterlinge nach sechs Jahren in Gefangenschaft aus ihren Kokons geschlüpft und zum Leben erwacht.

Er hat dir das Herz gebrochen. Verhalte dich entsprechend.

Die Muskeln in meinen Schultern verspannen sich. »Hast du vor, mir zu erklären, warum du in mein Haus eingebrochen bist, oder wollen wir die ganze Nacht hier rumstehen?«

»Dein Haus?« Seine Stirn legt sich in Falten. »Ich glaube, du täuschst dich. Mein Großvater hat deine Familie hier wohnen lassen, weil sich deine Mutter um das Haus gekümmert hat, aber es gehört dir nicht.«

Meine Mutter hat sich nicht einfach nur um das Haus der Kanes gekümmert, sondern sie hat es geliebt, als wäre es ihres, seitdem sie von Brady Kane eingestellt worden war, um es zu verwalten und unter anderem auf seine Enkelkinder aufzupassen.

Und trotzdem hat er dir das Haus vermacht, nicht ihr.

Meine Brust schmerzt. »Laut der Übertragungsurkunde deines Großvaters gehört es mir sehr wohl.«

Sein Körper versteift sich. »Was soll das heißen?«

»Das ist etwas, das nur ihn und mich angeht.«

»Da ich ihn schlecht fragen kann – er liegt immerhin unter der Erde –, möchte ich dich um eine Erklärung bitten.«

Der Schmerz in meinem Herzen wird stärker. »Er hat gesagt, das Haus gehört mir und dass ich das Recht habe, jeden zu erschießen, der das infrage stellt.«

Cal verschränkt die Arme, was meinen Blick auf die Muskeln lenkt, die sich unter seinem Hemd abzeichnen. »Jetzt weiß ich, dass du lügst. Mein Großvater hat Waffen gehasst.«

»Und wie erklärst du dir dann seine Sammlung auf dem Dachboden?«

Er reibt sich das Kinn. »Was für eine Sammlung?«

Ich lege den Kopf schief. »Vielleicht ist dir das nicht bewusst, aber du kanntest deinen Großvater nicht so gut, wie du glaubst.«

»Ach, aber du hast ihn gekannt?« Sein Lachen wirkt herablassend.

Ich hebe das Kinn. »Er hat bis zu seinem Unfall jeden Sommer hier verbracht, also ja, ich glaube, ich könnte ihn besser kennen als die Person, die sich nicht mal die Mühe gemacht hat, ihn an seinem Geburtstag anzurufen.«

Er wendet den Blick ab. »Wir hatten keinen Kontakt, als er ins Koma gefallen ist.«

»Was für eine Überraschung.« Meine Stimme trieft vor Sarkasmus.

Er reibt sich den Nacken. »Ich habe viele Fehler gemacht, als ich das letzte Mal hier war.«

»Zum Beispiel mit mir zusammenzukommen?«

Der Muskel in seinem Kiefer zuckt. »Ich hätte es nicht so weit kommen lassen dürfen.«

Meine Brust fühlt sich so eng an, als hätte Cal ein gezacktes Messer hineingetrieben, aber mein Gesicht bleibt frei von jeglicher Emotion – eine Fähigkeit, die ich über die Jahre perfektioniert habe.

»Nein, das hättest du wirklich nicht tun sollen.« Der Griff meiner Finger um die Waffe festigt sich.

»Ich bereue, dass ich unsere Freundschaft zerstört habe.«

Das unsichtbare Messer wird gedreht, tiefer in meine Brust gestoßen. »Es war nicht die Beziehung, die unsere Freundschaft ruiniert hat, sondern deine Sucht.«

Schmerztabletten. Alkohol. Sex. Für Cal war all das ein Weg, den Dämonen in seinem Kopf zu entfliehen, und ich war so blind vor Liebe, dass ich es nicht gesehen habe.

Du kannst dir nicht selbst die Schuld dafür geben, denn er war ein Meister darin, es zu verbergen.

Dennoch habe ich Schwierigkeiten, die Worte, die ich mir selbst sage, zu glauben. Meine Kehle verengt sich von den Jahren der unterdrückten Emotionen, sodass ich kaum schlucken kann.

Sein Kiefer verspannt sich, was seine markanten Züge noch deutlicher hervortreten lässt. »Ob du es glaubst oder nicht, ich bin nicht die ganze Strecke hergefahren, um mich mit dir über unsere Vergangenheit zu streiten.«

»Warum genau bist du dann gekommen?« Von den hundert Fragen, die ich ihm gern stellen würde, erscheint mir diese am sichersten.

»Ich bin gekommen, um mir das Haus anzusehen.«

»Nach sechs Jahren? Warum?«

»Weil ich vorhabe, es zu verkaufen.«

Ich blinzle zweimal. »Nein. Auf keinen Fall.«

»Lana …« Der Klang meines alten Kosenamens aus seinem Mund bringt mein totes Herz zum Rasen.

Kein Wunder, dass er damals geglaubt hat, er könnte dich leicht rumkriegen. Alles, was nötig ist, ist ein alberner Kosename, und schon ist dein Schutzwall durchbrochen.

»Nenn mich nicht so.« Ich presse die Lippen zusammen.

»Alana«, korrigiert er sich mit einem leichten Stirnrunzeln. »Ich weiß nicht, was mein Großvater dir erzählt hat, aber du musst ihn missverstanden haben.«

»Richtig. Natürlich gehst du davon aus, dass ich ihn falsch verstanden habe.«

Er verengt die Augen. »Sei nicht so kompliziert.«

»Wie soll ich denn sein? Naiv und dumm, so wie letztes Mal?«

Ohne auf meine schnippische Bemerkung einzugehen, fährt er fort: »Wir können die Sache ganz einfach klären. Wo ist die Übertragungsurkunde?«

Ich halte inne und wäge ab, was dagegenspricht, seiner Bitte nachzukommen.

Je eher du ihm die Übertragungsurkunde zeigst, desto schneller geht er wieder.

»Ich hole sie.« Während ich mich in Richtung Treppe in Bewegung setze, werfe ich ihm noch einen Blick über die Schulter zu. »Beweg dich nicht vom Fleck.«

»Du meinst, ich würde ernsthaft riskieren, mich von dir erschießen zu lassen? Nein, danke.«

Mir liegt eine Erwiderung auf der Zunge, aber im letzten Moment entscheide ich mich doch dagegen. So lief das schon immer mit Cal. Er kann Menschen mit einem Witz und einem Lächeln dazu bringen, zu vergessen, dass sie wütend auf ihn sind. Es ist sein besonderes Talent und meine persönliche Schwachstelle.

Jetzt bist du besser vorbereitet.

Oder zumindest hoffe ich das.

Ich laufe nach oben und lege meine Pistole in den Safe, bevor ich nach der Übertragungsurkunde suche. Schon ein paar Sekunden später habe ich sie zwischen ein paar anderen wichtigen Unterlagen gefunden.

Cal betrachtet meine Hände, als ich wieder runterkomme. »Keine Waffe diesmal?«

Ich zucke mit den Schultern. »Ich kenne fünf unterschiedliche Methoden, um einen Mann mit bloßen Händen zu töten, also brauche ich sie nicht.«

Seine goldene Haut wird blass. »Bitte sag mir, dass das ein Witz ist.«

Ich wünschte, das wäre es. Meine Mom hat mich einen Sommer lang nach Kolumbien geschickt, um meinen Onkel zu besuchen, und ihm ist keine andere Art der Beschäftigung für mich eingefallen, als mich auf seiner Farm arbeiten zu lassen und mir unterschiedliche Kampfsportarten beizubringen. Als ich zurückkehrte, besaß ich einen schwarzen Gürtel, konnte Leute fertigmachen und hatte genügend Survival-Tricks auf Lager, um bei einer dieser Outdoor-Realityshows mitzumachen.

Ich lege die Übertragungsurkunde auf den Tisch im Eingangsbereich und deute auf Bradys Unterschrift. »Da. Genau wie ich gesagt habe.«

Cal steht neben mir und betrachtet die Urkunde. Er achtet darauf, Abstand zu halten, während er liest, aber als er sein Gewicht verlagert, streifen sich unsere Arme.

Ein Energiestrom fährt durch meinen Körper.

Eilig verschränkt er seine Hände hinter dem Rücken, obwohl der Effekt seiner Berührung immer noch zu spüren ist.

Es ist sechs Jahre her, und dennoch reagiert mein Körper auf ihn, als wäre es gestern gewesen.

Mein Stirnrunzeln vertieft sich.

Als Cal die ganze Seite gelesen hat, schüttelt er den Kopf. »Tut mir leid, aber diese Urkunde ist nicht mehr aktuell.« Er zeigt auf das Datum neben Bradys Unterschrift. »Die hat er unterzeichnet, bevor er sein Testament geändert hat.«

»Welches Testament?«

»Er hat es vor seinem Unfall neu aufgesetzt.«

Meine Kehle fühlt sich an, als hätte Cal seine Hände darum gelegt und drückte zu.

Nein. Das ist nicht möglich. »Ich rufe sofort seinen Anwalt an, damit wir die Sache klären können.« Ich setze mich erneut in Bewegung, will unbedingt nach oben, um mein Handy zu holen.

Cal wirft einen Blick auf seine schicke Uhr. »Es ist fast Mitternacht. Ich bezweifele, dass Leo um diese Zeit einen Anruf entgegennimmt.«

Ich fluche leise.

Er schiebt seine Hände in die Taschen. »Ich werde ihn morgen früh kontaktieren, dann können wir die Sache klären, bevor der Immobilienmakler vorbeikommt.«

»Welcher Immobilienmakler?«

»Der, den ich engagiert habe, um das Haus zu verkaufen.«

»Welchen Teil von ›Ich verkaufe das Haus nicht‹ verstehst du nicht?«

»In erster Linie den Teil, in dem du behauptest, das Haus gehöre dir.«

Ich balle die Hände zu Fäusten, um mich davon abzuhalten, sie um seinen kräftigen Hals zu legen.

Sein Blick fällt auf meine Hände, ehe er wieder zu meinem Gesicht hochwandert. »Ich finde, wir sollten die Sache ruhen lassen, bis wir eine offizielle Erklärung vom Anwalt haben. Es ist spät, und wir kommen hier nicht weiter.« Die Haustür quietscht, als er sie öffnet.

»Warte.« Ich strecke die Hand aus. »Gib mir deinen Schlüssel.«

Ohne mir Beachtung zu schenken, zieht er sein Gepäck herein. »Ich hatte nicht vor, irgendwohin zu gehen.«

»Na, aber hier bleibst du auf keinen Fall«, stammele ich.

»Wohin soll ich denn?«

»Das Motel an der Main Street hat bestimmt noch ein freies Zimmer, und dort gibt es mittlerweile auch WLAN und Farbfernsehen.«

Seine Lippen öffnen sich. »Das kannst du nicht ernst meinen. Dort haben sie mal einen Serienmörder festgenommen.«

Ich verdrehe die Augen. »Aber er hat keinen der Morde im Motel begangen.«

»Ach, na dann ist ja alles gut.«

»Mommy, wer ist das?«, ruft Camila von oben. Sie mustert Cal mit ihren großen blauen Augen, ehe sie wieder meinen Blick sucht.

Ohne der Sache viel Bedeutung beizumessen, winke ich ab. »Niemand Wichtiges. Geh bitte wieder ins Bett.«

Cal schaut mit weit aufgerissenen Augen von Cami zu mir. »Wer zur Hölle ist das, und warum nennt sie dich Mommy?«

»Fluche nicht vor meinem Kind.« Mein Flüstern klingt eher wie ein Zischen.

»Kind? Wie alt ist sie?« Cal stolpert beim Versuch, sich von mir zu entfernen, über seine eigenen Füße, findet jedoch schnell das Gleichgewicht wieder.

»Fünf!« Cami hält ihre Hand hoch, als würde sie darauf warten, dass jemand mit ihr abklatscht.

Cal weicht jegliche Farbe aus dem Gesicht, während er versucht, an der Wand Halt zu finden. »Fünf. Das ist … Sie ist … Wir …«

»Nein, ist sie nicht …« Ich spreche nicht weiter, da seine Augen sich nach hinten verdrehen.

Seine Beine knicken unter ihm weg, und sein Körper fällt nach vorn.

»Scheiße!« Ich strecke die Hand nach ihm aus.

Unsere Glieder verschlingen sich ineinander, während wir beide zu Boden gehen. Mir entweicht die Luft aus der Lunge, als ich auf dem abgenutzten Holzfußboden aufkomme. Cals Kopf fällt auf meinen Bauch, was mehr schmerzt, als ich erwartet hätte, jedoch seinen Aufprall abfedert. Ich kann seinen Kopf nicht mehr rechtzeitig festhalten, bevor er zur Seite rollt und auf dem Boden landet. Er zuckt nicht zusammen, sondern liegt einfach nur bewusstlos da.

»Fuck. Das wird wehtun.« Ich drehe seinen schlaffen Körper wieder zu mir herum und hebe seinen Kopf auf meinen Schoß.

»Oooh. Mommy, du musst Geld ins Schimpfwort-Sparschwein einzahlen.«

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass das Schimpfwort-Sparschwein meine geringste Sorge sein wird, nachdem Callahan Kane mit einem tödlichen Lächeln und einem großen Problem in mein Leben zurückgekehrt ist.

KAPITEL ZWEI

Cal

Blinzelnd schaue ich zur Decke hoch und warte darauf, dass der verschwommene Kronleuchter scharf wird. Es dauert einen Moment, bis sich meine Sicht aufklart, obwohl mein Gehirn noch immer benebelt ist.

Warum liege ich auf dem Boden?

»Oh, Gott sei Dank bist du wach. Geht es dir gut?« Lana beugt sich vor. Ihre dunklen, welligen Haare streifen mein Gesicht, kitzeln meine Haut. Sie riecht nach Zimtkeksen, was mich an Nächte erinnert, in denen wir länger aufgeblieben sind, als uns erlaubt war, und in denen wir unten auf dem Steg rohen Plätzchenteig gegessen haben. Mein Versuch, nicht noch einmal so tief einzuatmen, scheitert, sodass mir eine zweite Welle des Zimtdufts in die Nase steigt.

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt von Lana geträumt habe. Vor Monaten? Jahren? Dieser Traum ist lebendiger als die anderen, denn er enthält sogar die kleinsten Details wie das winzige herzförmige Muttermal an ihrem Hals und die Narbe über ihren Lippen. Ich strecke die Hand aus, um die helle Stelle zu berühren, was meine Fingerspitzen zum Kribbeln bringt. Die Welt um mich herum hört auf zu existieren, als ihr Blick meinem begegnet.

Gott. Diese Augen.

Ihre braunen Augen erinnern mich an die Erde kurz nach einem Regenguss – sie sind so dunkel, dass sie in einem bestimmten Licht schwarz erscheinen können. Es ist eine unterbewertete Farbe, die allen anderen Konkurrenz machen kann, obwohl Lana mir darin stets widersprochen hat.

Mit dem Daumen streife ich versehentlich ihre Unterlippe, woraufhin sie scharf die Luft einzieht.

»Was machst du da?« Sie weicht zurück.

Ich zucke zusammen, als mir ein scharfer Schmerz durch den Hinterkopf schießt.

Du träumst nicht, du Trottel.

»Tut mir leid. Ich wollte es nicht noch schlimmer machen.« Sie hebt meinen Kopf von ihrem Schoß. »Wie viele Finger halte ich hoch?«

»Drei«, ächze ich.

»Welcher Tag ist heute?«

»Der dritte Mai.«

»Wo sind wir gerade?« Ihre Nägel streichen über meine Kopfhaut, was ein Prickeln entlang meiner Wirbelsäule auslöst.

»Verdammt«, stoße ich aus.

»Tat das weh?« Sie wiederholt die Bewegung.

Meine Haut brennt unter ihrer Berührung, und Hitze breitet sich über meine Adern aus wie ein Waldbrand.

»Stopp. Es geht mir gut.« Ich ziehe mich zurück und rutsche über den Boden, bis mein Rücken gegen die Wand ihr gegenüber prallt. Trotz des Abstands klebt der süchtig machende würzige Zimtgeruch ihres Duschgels an meiner Kleidung. Es ist das gleiche, das sie schon seit Jahren benutzt. Ich atme den Duft noch einmal ein, weil es mir eindeutig gefällt, mich selbst zu quälen.

Gott. Du bist armselig. Ich schlage meinen Kopf gegen die Wand, und mein Schädel pocht.

»Hier, Mister. Für dein Aua.«

Oh, Scheiße.

Alana hat eine Tochter. Eine fünfjährige Tochter mit dunkelblonden Haaren und großen blauen Augen. So blau wie meine. Da ich auf dem Boden sitze, sind wir fast auf der gleichen Höhe, obwohl sie mich auf diese Weise um ein paar Zentimeter überragt.

Alanas Kind – möglicherweise mein Kind – starrt mich mit runden Augen an. Ihr Pyjama ist falsch zugeknöpft, und ein Großteil ihrer welligen Strähnen ist aus ihrem schlecht gebundenen Zopf herausgerutscht.

Ist sie meine Tochter?

Gott, ich hoffe nicht.

Der Gedanke ist erbärmlich, aber wahr. Ich bin noch nicht bereit, Vater zu sein. Verflucht, ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals dafür bereit sein werde. Bis jetzt war ich zufrieden damit, der coole Onkel zu sein, der sein Leben nicht genügend auf die Kette bekommt, um eigene Kinder zu haben. Wie sollte ich, wenn ich gerade mal das Nötigste für mich selbst schaffe?

Das Kind wedelt mit einem Kühlpack vor meiner Nase herum und stellt sich auf die Zehenspitzen.

Geistesabwesend greife ich danach und nehme es ihm aus der Hand.

»Alles in Ordnung?«

Beim Ton der Kinderstimme zucke ich zusammen. Mit der leicht heiseren Note erinnert sie mich stark an Lanas. Wieder überkommt mich Schwindel.

Lana erhebt sich und küsst ihre Tochter auf den Kopf. »Danke, mein Schatz. Es war nett von dir, dass du ihm geholfen hast.«

»Brauchen wir einen Arzt?«

»Nein. Er braucht nur Ruhe.«

»Und einen starken Drink«, murre ich.

Lana wendet sich ihrer Tochter zu. »Siehst du? Es geht ihm gut genug, um schlechte Entscheidungen zu treffen. Die Welt ist in Ordnung.«

Ihre Nase zuckt. »Das ergibt keinen Sinn.«

Lana seufzt. »Ich erkläre es dir morgen früh, mi amor.«

»Aber …«

Lana deutet zur Treppe. »Vete a dormir ahora mismo.«

Gott. Sie sieht aus und klingt wie eine Mutter.

Vielleicht weil sie tatsächlich eine Mutter ist.

Mein Körper wird taub.

Hast du einen Herzinfarkt?

So wie mein linker Arm kribbelt und mein Herz rast, als wollte es mir jeden Moment aus der Brust springen, würde ich es nicht ausschließen.

Das Kind zeigt mit einem knubbeligen Finger auf mich. »Er sieht nicht so aus, als würde es ihm gut gehen.«

»Er wird sich schon wieder erholen. Er hat nur Kopfweh.«

»Vielleicht wird es besser, wenn du ihm einen Kuss gibst, so wie du es bei mir tust, wenn ich ein Aua habe.«

»Nein«, antworten Lana und ich gleichzeitig.

»Okay. Dann eben kein Kuss.« Das Kind verschränkt die Arme und schiebt die Unterlippe vor.

Lanas Blick fällt auf meinen Mund. Ihre Zunge kommt hervor, um ihre Unterlippe nachzufahren, und meine Ohren werden rot.

Du bist ein hoffnungsloser Fall. Vollkommen hoffnungslos.

»Liest du mir eine Geschichte vor?«, unterbricht uns das Mädchen, und ihre Stimme hat dieselbe Wirkung auf meine Stimmung wie ein Eimer mit Eiswasser.

Kann sie wirklich von mir sein? Würde Lana jahrelang ein Kind vor mir verheimlichen, nur weil sie mich hasst?

Der Raum beginnt sich zu drehen. Schnell schließe ich die Augen, um mein Mini-Me und Alana nicht anschauen zu müssen.

»Camila«, warnt Lana.

»Ihr müsst immer noch beide in das Schimpfwort-Sparschwein einzahlen«, erinnert ihre Tochter sie.

Ich kann mir vorstellen, wie Lana die Augen verdreht, als sie sagt: »Erinnere mich morgen früh daran.«

»Okay.« Der Klang nackter Füße auf der Holztreppe hallt von der Decke wider.

Lana spricht nicht, bevor die Tür oben geschlossen wurde. »Sie ist weg, du kannst also aufhören, so zu tun, als ob du schliefest.«

Ich starre hinauf zum Kronleuchter. »Ist sie …« Ganz egal, wie sehr ich mich bemühe, ich kann den Satz nicht beenden. Lana schien mir nie der Typ zu sein, der ein Geheimnis dieser Art wahren würde, aber Menschen tun nun mal verrückte Dinge, um diejenigen zu schützen, die sie lieben, besonders vor denen, die sie verletzen könnten.

Vielleicht ist das der Grund, warum Grandpa Lana das Haus überschrieben hat. Vielleicht war er der Ansicht, dass ich mein Kind nicht ausreichend unterstütze, und hat sich deshalb der Sache angenommen.

Wenn er ihr das Haus überhaupt überschrieben hat.

»Ist sie was?«, drängt Lana.

»Mein Kind?«

Sie blinzelt. »Hast du mich das wirklich gerade gefragt?«

»Antworte mir einfach.« Meine Angst verwandelt sich in Wut. Normalerweise werde ich nicht schnell zornig, aber da sich langsam Kopfschmerzen ankündigen und ich gerade erst von einem Kind erfahren habe, von dessen Existenz ich bisher nichts wusste, ist meine Geduld begrenzt.

»Würde es eine Rolle spielen, wenn es so wäre?«

Lanas Frage klingt wie eine Fangfrage, und dennoch falle ich darauf herein. »Ja. Nein. Vielleicht. Fuck! Ich weiß es nicht. Ist sie von mir?« Ich fahre mir mit den Händen durch meine Haare und ziehe an den Strähnen, sodass meine empfindliche Kopfhaut zu pochen beginnt.

»Wenn du die Frage ernst meinst, kennst du mich offenbar kein bisschen.«

Ich stehe mühselig vom Boden auf und ignoriere den Schwindel, als ich mich zu meiner vollen Größe aufrichte. »Was soll ich denn denken? Es ist schließlich nicht so, als hätten wir uns im Guten getrennt.«

»Dann glaubst du also, ich würde dir dein Kind vorenthalten, weil ich wütend auf dich bin?«

»Entweder das, oder du hast dir ziemlich schnell einen Neuen gesucht.« Es ist schrecklich, ihr das an den Kopf zu werfen. Eine wütende, verurteilende, dumme Aussage, die ich bereits in dem Moment bereue, als sie mir über die Lippen kommt. Diesmal kann ich nicht mal dem Alkohol die Schuld geben, was meinen Ausbruch noch schlimmer macht.

Im Raum scheint es kälter zu werden.

»Verschwinde«, flüstert sie.

Ich bleibe wie erstarrt stehen. »Scheiße. Tut mir leid. Ich weiß nicht, warum ich das gesagt habe. Ich meine, ich weiß, warum, aber ich hätte es nicht sagen sollen …«

»Verschwinde aus meinem Haus, verdammt noch mal, bevor ich die Polizei rufe, um dich abführen zu lassen.« Sie wendet sich von mir ab. Bei der Art, wie ihre Schultern bei jedem tiefen Atemzug beben, dreht sich mir der Magen um.

»Alana …«

Sie dreht sich auf dem Absatz um und deutet zur Tür. »¡Lárgate!«

Ich brauche kein Google Translate, um zu verstehen, was sie mir mitteilen will. Beschwichtigend hebe ich die Hände. »Okay. Ich gehe ja schon.«

Du haust einfach ab, ohne Antworten bekommen zu haben?

Aber was wäre die Alternative? Die Lana, die ich kenne, muss sich erst beruhigen, bevor sie reden kann. Schon vor langer Zeit habe ich begriffen, dass sie mich nur noch weiter von sich wegstößt, wenn ich sie zu früh zu sehr bedränge.

Ich umfasse den Griff meines Koffers und gehe zur Tür hinaus.

»Warte.«

Ich bleibe auf der Matte stehen, wobei sich meine Füße in die ausgebleichte Aufschrift Sin postre no entran graben.

»Gib mir den Ersatzschlüssel.« Sie tritt vor und streckt ihre Hand aus.

Ihre ringlose linke Hand.

Warum spielt das eine Rolle? Du bist schließlich nicht hier, um sie zurückzugewinnen.

An diesem Gedanken halte ich mich fest und sage ihn mir zweimal vor, ehe ich mein übliches Lächeln aufsetze.

Ihre Nasenflügel blähen sich. »Der Schlüssel, Callahan.«

Ich brauche eine Sekunde, um den silbernen Schlüssel aus meiner Tasche hervorzuholen. Als Lana danach greift, streifen ihre Finger meine Haut, was einen Blitz durch meinen Körper jagt.

Eilig zieht sie ihre Hand zurück und hält sie schützend vor ihre Brust.

Sie muss das Gleiche gespürt haben wie ich.

Grandios. Wenigstens kann ich heute mit dem Wissen einschlafen, dass ihr Körper noch immer auf mich reagiert, auch wenn sie mich vielleicht hasst.

Wie lächerlich von dir, zu glauben, dass das eine Leistung ist.

Sie schlägt die Tür zu, und ich muss zurückspringen, um eine gebrochene Nase zu vermeiden, wobei ich meinen Koffer umstoße.

Ich schlage meinen Kopf gegen die Holztür und ächze. »Was hast du dir nur dabei gedacht, mich hierherzuschicken, Grandpa?«

Der Riegel wird vorgeschoben, ehe das Licht über mir ausgeht.

»Du konntest nicht warten, bis ich im Wagen sitze?« Ich rechne nicht mit einer Antwort, aber ich stelle die Frage trotzdem.

Eines nach dem anderen erlöschen die Lichter auf der Veranda, die das ganze Haus umschließt, wie um Lanas Standpunkt zu untermauern.

Verschwinde.

Ich stoße einen schweren Seufzer aus, während ich zu meinem Aston Martin DBS zurückgehe.

Der Motor erwacht grollend zum Leben, und für ein paar Sekunden halte ich die Luft an, denn ich rechne beinahe damit, dass Lana mit ihrer Pistole aus dem Haus gestürmt kommt und mir wieder droht, die Polizei zu rufen. Eine ganze Minute vergeht, ohne dass die Haustür geöffnet wird, also komme ich zu dem Schluss, dass es sicher ist, das Licht im Innenraum des Autos einzuschalten und das Handschuhfach nach Grandpas Brief zu durchsuchen.

Der Umschlag befindet sich ganz unten, genau dort, wo ich ihn vor zwei Jahren, als er starb, hingelegt habe. Während meine Brüder sich eilig darangemacht haben, die Aufgabe zu erledigen, die unser Großvater ihnen aufgetragen hatte, um an ihr Erbe und an die Anteile der Kane Company zu gelangen – Rowan arbeitet nun im Märchen-Vergnügungspark meiner Familie, und Declan hat geheiratet –, habe ich das getan, was ich am besten kann.

Ich habe vor dem, was mir Angst macht, die Augen verschlossen.

Dinge vor sich herzuschieben, bringt einem nichts als Ärger ein.

Ich fahre das aufgebrochene Wachssiegel, welches das Dreamland-Schloss zeigt, mit den Fingern nach, ehe ich den Brief aus dem Umschlag ziehe. Mit geschlossenen Augen atme ich ein paarmal tief durch, bevor ich das Papier auffalte.

Callahan,

wenn du diese Version meines letzten Briefes liest, bedeutet das, dass ich gestorben bin, bevor wir uns ausgesprochen und einander für das verziehen haben, was wir uns gegenseitig an den Kopf geworfen haben. Auch wenn ich zutiefst traurig darüber bin, dass es so gekommen ist, will ich die Dinge zwischen uns mit meinem letzten Willen und meinem Testament richtigstellen. Man sagt, dass Geld keine Probleme lösen kann, aber ich bin mir sicher, es kann dich und deine Brüder dazu motivieren, eure Komfortzone zu verlassen und euch auf etwas Neues einzulassen. Von meinen drei Enkelkindern warst du immer derjenige, der die größten Risiken eingegangen ist, also hoffe ich, dass du mir zuliebe bereit bist, noch eine weitere Herausforderung anzunehmen.

Unter uns gesagt habe ich versucht, keinen Lieblingsenkel zu haben, aber das hast du mir so gut wie unmöglich gemacht. Du hast etwas Besonderes an dir – etwas, das deinen Brüdern fehlt –, das die Menschen anzieht. Du hattest schon immer dieses Licht in dir, das nicht ausgelöscht werden konnte.

Zumindest nicht von irgendeinem anderen außer dir selbst.

Es war schmerzhaft, zu sehen, dass du das, was dich einzigartig gemacht hat, zerstört hast, als Alkohol und Drogen zu deiner Stütze wurden. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht, denn du warst jung und unreif. Ich war überzeugt, du würdest dich bald ändern. Nach deinem Entzug schien es dir besser zu gehen. Erst ein paar Jahre später, als ich intensiv Zeit mit dir am See verbracht habe, ist mir bewusst geworden, dass du nur besser darin geworden bist, es zu verbergen.

Ich werde die Dinge, die ich bei unserem letzten Gespräch zu dir gesagt habe, immer bereuen. Damals war ich wütend auf mich selbst, weil ich nicht früher eingeschritten bin – weil ich nicht wenigstens nachgebohrt habe, als du endgültig nicht mehr Eishockey spielen konntest – und nur das Nötigste getan habe, weil ich zu sehr mit meiner Arbeit beschäftigt war. Nach deiner Verletzung hast du auf eine Art gelitten, die niemand von uns verstehen konnte, obwohl ich mir die Mühe hätte machen sollen, es zu versuchen.

Ich wünschte, ich wäre über meinen Schatten gesprungen und hätte mich früher entschuldigt, sodass du nicht diesen Brief lesen müsstest. Oder besser noch: Ich wünschte, ich hätte deine Sucht niemals gegen dich verwendet und all die verletzenden Dinge gesagt, weil ich dachte, es würde dir einen Schubs in die richtige Richtung versetzen.

Du warst nie ein Versager, mein Junge.

Ich dagegen schon.

Unsichtbare Krallen drücken sich in meine Brust, graben sich ihren Weg durch jahrealtes Narbengewebe und erreichen schließlich mein Herz. Grandpa hat vielleicht bereut, was er gesagt hat, aber er hatte recht mit dem, was er mir am See an den Kopf geworfen hat. Ich bin ein Versager. Welche Bezeichnung gibt es sonst für jemanden, der zweimal versucht hat, clean zu werden, und schon bald danach einen Rückfall erlitten hat? Schwach. Armselig. Unglückselig. Die Optionen sind endlos, aber ich glaube, Versager trifft es ganz gut.

Ich nehme einen tiefen Atemzug und lese weiter.

Clean zu werden, ist kein Ziel, sondern eine Reise. Deine Reise. Und sosehr ich auch wollte, dass du gesund wirst, bin ich die Sache vollkommen falsch angegangen. Es vergeht kein Tag, an dem ich mich nicht frage, was passiert wäre, wenn ich dich unterstützt hätte, statt mich von dir abzuwenden. Wärst du daran interessiert gewesen, deinen Platz in der Firma zu finden, weil du sie, wegen ihrer Verbindung mit mir, nicht mehr gehasst hättest? Oder hättest du lieber Alana geheiratet und daran gearbeitet, Señora Castillo all die Enkelkinder zu schenken, die sie sich gewünscht hat?

Ich würde dir gern auf hundert unterschiedliche Arten zeigen, wie leid es mir tut, aber im Jenseits sind meine Möglichkeiten begrenzt. Hoffentlich können wir uns eines Tages – wenn du dich zusammenreißt – wiedersehen. Aber bis dahin ist das Beste, was ich tun kann, mein Testament abzufassen.

Also, mein risikofreudiger Enkel, habe ich eine Bitte an dich als Gegenleistung für achtzehn Prozent der Firmenanteile und fünfundzwanzig Milliarden Dollar Erbe:

Verbringe einen letzten Sommer im Haus in Lake Wisteria, bevor es bis zu meinem zweiten Todestag verkauft werden soll.

Ich lese den Satz zweimal, bis mir alles klar wird.

Oh, Scheiße.

Er will, dass ich hier mit Lana zusammenwohne.

Natürlich. Und um die Sache noch schlimmer zu machen, falls das überhaupt möglich ist, gibt mir mein Großvater mit einer simplen Bitte den Rest.

Ich bitte dich, niemandem, abgesehen von deinen Brüdern und meinem Anwalt, den wahren Grund dafür zu verraten, warum das Haus verkauft werden soll, bis der Prozess abgeschlossen ist.

Fantastisch. Die einzige Chance, die ich hatte, an Lanas Menschlichkeit zu appellieren, wird mir mit dem letzten Wunsch meines Großvaters geraubt. Wahrscheinlich schlürft er im Jenseits gerade eine Strawberry Margarita und schaut fröhlich zu, wie mein Leben implodiert.

Alles, was ich tun muss, um meine Anteile an der Firma und fünfundzwanzig Milliarden Dollar zu erben, ist also, Lana zu überzeugen – die einzige Frau auf der Welt, die mich lieber erschießen würde, als mich zu retten und zuzulassen, dass ich das Haus verkaufe.

Zeit, mir eine kugelsichere Weste zuzulegen.

KAPITEL DREI

Alana

Mit zitternder Hand schiebe ich den Vorhang wieder zu, als die Rücklichter von Cals Auto hinter der Einfahrt verschwinden. Jegliche Kontrolle, die ich über meine Gefühle hatte, ist dahin, als mir die Realität mit einem eisernen Schlagring ins Gesicht boxt.

Cal ist zurück.

Ich will weinen. Ich will schreien. Ich will ihn nach Chicago zurückjagen.

Ihn wiederzusehen, tat weh. Als wäre etwas in meinem Herzen derart zerborsten, dass es nicht mehr zusammengesetzt werden kann.

Ich hasse die Tatsache, dass er immer noch in der Lage ist, mit einem einfachen Lächeln einen Schmerz in meiner Brust hervorzurufen. Fast genauso sehr wie die Tatsache, dass ich ihn in meine Arme ziehen und ihn anflehen wollte, niemals wieder zu gehen.

Hast du beim letzten Mal nichts gelernt?

Ich darf nicht zu hart mit mir ins Gericht gehen. Cal hat mein Leben wieder einmal auf den Kopf gestellt, und mein Verstand hat immer noch Mühe, hinterherzukommen. Um die Übelkeit zu vertreiben, die sich in meinem Magen gebildet hat, als er im Türrahmen erschienen ist, atme ich mehrmals tief durch.

Er hätte nie zurückkommen sollen. Als ich ihn zuletzt gesehen habe, hat er mir genau das versprochen.

Bist du wirklich überrascht? Seit wann ist er ein Mann, der seine Versprechen hält?

Ich dachte, er würde mich und unsere Vergangenheit genügend respektieren, um seinen Schwur zu halten.

Du warst naiv.

Nein. Ich war verzweifelt genug, um ihm zu glauben, obwohl er mir damals das Herz gebrochen hat.

»Cal?«

Er ignoriert mich und wirft weiter Kleidung in den offenen Koffer auf seinem Bett.

Ich betrete das Zimmer und schließe die Tür hinter mir. »Wo willst du hin?«

Er beachtet mich nicht einmal.

»Was ist los?« Ich lege ihm meine Hand auf die Schulter und drücke sie leicht.

Er verspannt sich und umklammert das Hemd, nach dem er gerade gegriffen hat, mit seiner Hand. »Nicht jetzt, Alana.«

Alana? Seit wann nennt er mich bei meinem vollen Namen?

Ich gehe um ihn herum und lasse mich aufs Bett fallen. »Warum packst du?«

»Ich gehe.« Seine Stimme klingt tonlos.

Ich ziehe die Augenbrauen zusammen. »Irgendein Termin in Chicago?«

»Nein.«

Irgendwas an seiner steifen Körperhaltung und der Art, wie er meinem Blick ausweicht, bringt mein Herz zum Rasen. »Okay …« Ich ziehe die Beine unter meinen Körper. »Wie lange wirst du weg sein?«

Er unterbricht seine hektischen Bewegungen und hält inne. »Ich komme nicht zurück.«

Mein Lachen verklingt schnell, als ich seine gequälte Miene sehe.

Ich knie mich hin, sodass wir auf Augenhöhe sind. »Was ist los? Ist irgendwas bei dem Dinner mit deinem Großvater passiert?«

Er ballt seine Faust um ein Hemd herum. »Ich kann das nicht mehr.«

»Was kannst du nicht mehr?«

Er löst den Blick von seinem Koffer und schaut mich an. »Das mit uns.«

Es fühlt sich an, als hätte ein Blitz meine Brust zweigeteilt. »Was?« Mein leises Flüstern ist kaum zu hören.

Gott. Das Gleiche hat mein Dad zu meiner Mom gesagt, als er uns verlassen hat. Doch es ist nicht mein Vater, der seinen Koffer packt, sondern Cal.

Ich schüttle den Kopf.

Nein. Cal ist nicht dein Vater. Er könnte dich nie einfach so verlassen, vor allem nachdem er versprochen hat, dich ewig zu lieben.

»Wir hätten niemals zusammenkommen dürfen«, sagt er leise.

Meine Augen brennen, als hätte ich sie offen gelassen, während ich in Salzwasser eingetaucht bin. »Was hast du gerade gesagt?«

»Du und ich … Es war dumm von mir, zu glauben, dass wir zusammenpassen.«

Ich ziehe die Luft ein. Er greift nach einer Flasche Wodka auf dem Nachttisch und trinkt daraus, bis die klare Flüssigkeit an seinem Kinn hinabläuft.

Er leidet, versuche ich, mir sein Verhalten schönzureden.

Es ist nur eine Phase, weil er gerade mit dem Ende seiner Sportlerkarriere zu kämpfen hat, wiederhole ich zum millionsten Mal die Ausrede, die ich mir bereits den ganzen Sommer aufsage.

Ich nehme sein Gesicht zwischen meine Hände, ohne darauf zu achten, wie sie an seinen Wangen beben. »Das meinst du nicht ernst.«

»Doch.«

Ich drücke die Finger in seine Haut. »Sprich einfach mit mir und sag mir, was los ist.«

Er wendet den Blick aus seinen roten Augen ab. »Ich habe nicht mehr dazu zu sagen.«

»Ich dachte, du wärst … glücklich.«

»Nein, Alana. Ich war high.«

Ich weiche zurück. »Was?«

Das ist nicht möglich. Cal weiß, was ich von Drogen halte. Meine Meinung hat sich seit der ersten Überdosis meiner Schwester nicht geändert.

»Wie, glaubst du, hätte ich diesen schrecklichen Sommer denn sonst überlebt? Mein Team hat den Meisterschaftstitel gefeiert, und ich musste mich von meiner Verletzung erholen.«

Ein schrecklicher Sommer?

Ich ignoriere den scharfen Schmerz, der wie eine Welle durch meinen Körper rollt, denn ich weiß, dass er seine Worte nach allem, was wir miteinander geteilt haben, nicht ernst meinen kann. »Du hast immer behauptet, es gehe dir gut, wenn ich dich gefragt habe.«

»Weil ich genug Oxy genommen hatte.«

Ich atme tief durch. »Okay. Jetzt, wo ich es weiß, kann ich dafür sorgen, dass du Hilfe bekommst. Du bist nicht der Erste, der nach einer Verletzung abhängig von Medikamenten wurde.« Meine Stimme klingt leichtherzig, obwohl mich ein schweres Gewicht runterzieht.

»Ich will keine Hilfe.« Er weicht zurück und drückt sich erneut die Wodkaflasche an die Lippen, um noch mehr zu trinken.

Ich ziehe sie ihm aus der Hand. »Das hast du nicht nötig.«

Der Muskel in seinem Kiefer zuckt. »Wirklich nicht? Vielleicht bist du zu blind vor Liebe, um zu sehen, wer ich wirklich bin.«

Meine Sicht verschwimmt. »Ich bin nicht blind.« Hoffnungsvoll, ja, aber nicht ahnungslos, was die Probleme angeht, die er hat. Ich habe gedacht, wir könnten uns einem Problem nach dem anderen widmen, beginnend bei der Depression.

»Bitte mach es nicht schwerer, als es ohnehin schon ist, Alana.«

Das Loch in meiner Brust wird größer, als er schon wieder meinen vollen Namen ausspricht, als würde der zusätzliche Buchstabe die Distanz zwischen uns vergrößern.

»Nein. Nenn mich nicht Alana. Ich gebe nicht auf, nur weil du Angst hast. Wir können es zusammen durchstehen.«

Er schüttelt seinen Kopf. »Du verstehst mich nicht. Es ist vorbei.«

»Was ist vorbei?«

»Das zwischen uns.«

Ich hebe mein bebendes Kinn. »Nein.«

Er stößt schwer den Atem aus. »Was wir diesen Sommer getan haben … All das war ein riesiger Fehler. Und ich habe ihn begangen, weil ich zu betrunken und high war, um es besser zu wissen.«

Der Riss in meinem Herzen wird so groß, dass ich Angst habe, es könnte zerbrechen. »Das kannst du nicht ernst meinen.« Meine Stimme zittert.

»Doch.« Er zieht den Reißverschluss seines Koffers zu und stellt ihn auf den Holzboden. Ein paar Kleidungsstücke bleiben auf seinem Bett liegen.

»Ich weigere mich, das zu glauben.« Ich springe vom Bett und stelle mich zwischen ihn und die Tür.

»Die Wahrheit zu leugnen, macht sie nicht weniger real.«

»Dann sag mir die Wahrheit! Hör auf mit diesem Scheiß von wegen wir sind ein Fehler! Ich weiß, was du für mich empfindest. Undfür uns.«

Er mag high gewesen sein, aber ich weiß, dass er alle Dinge, die er mir gesagt hat, ernst meinte. Die Zukunft, die er sich für uns ausgemalt hat. Die Versprechen, die er mir gegeben, und die Liebe, die er mir gestanden hat. Das, was er sich für uns und die Familie, die wir miteinander gründen würden, ausgemalt hat.

Er schließt die Augen. »Ich wünschte, ich wäre niemals hierher zurückgekommen. Es war egoistisch von mir, wo du doch die letzte Person bist, die ich je verletzen wollte«, flüstert er, während er den Griff seines Koffers umfasst.

»Du hast gesagt, du würdest mich nie verlassen.« Er hat es versprochen. Das ist der einzige Grund, warum ich zugelassen habe, dass er mit einem einzigen Kuss unsere Freundschaft zerstört hat. Weil ich mir genauso sehr eine Zukunft mit ihm wünschte wie er sich angeblich mit mir.

Er sieht aus glasigen Augen zu mir auf. »Es tut mir leid.«

Mit einem Mal verlässt mich jeglicher Kampfgeist, zusammen mit der Hoffnung, dass er bei mir bleiben wird. »Du willst gehen?«

Sag Nein.

Er nickt. Nun wird das Hämmern in meiner Brust durch etwas viel Stärkeres ersetzt.

Wut.

Meine Hände ballen sich zu Fäusten. »Na schön. Dann mach dir nicht die Mühe, jemals wieder zurückzukommen.« Ich bin mir nicht sicher, was es mit mir machen würde, wenn er es doch täte, und ich möchte es auch nicht herausfinden.

Wieder zuckt sein Kiefermuskel. »Ist es das, was du willst?«

»Ja.« Das Ziehen in meiner Brust scheint mir zu widersprechen.

»Ganz wie du willst.« Er seufzt.

»Schwöre es!«, verlange ich mit flacher Stimme, obwohl meine Sicht tränenverschleiert ist.

»Ich verspreche, dass ich nie wieder hierher zurückkehren werde.« Er rollt seinen Koffer zur Tür. Mit der Hand am Türgriff zögert er kurz und schaut sich um. »Es tut mir leid, dass ich dir wehgetan habe. Ich wünschte, ich wäre anders. Stärker. Clean.«

Ich schlinge die Arme um meinen Körper und wende mich ab, um die Tränen zu verbergen, die mir nun die Wangen hinabströmen.

Mit einem letzten Seufzen schließt Cal die Schlafzimmertür und lässt mich allein.

Ich ziehe die Beine an meine Brust und weine, bis meine Augen geschwollen sind und sich mein Kopf anfühlt, als würde er explodieren.

Ich weiß nicht, wie lange ich in dem Raum verharre, mich heiser schluchze und mir wünsche, dass Cal zurückkommt und behauptet, all das sei nur ein kranker Scherz gewesen.

Brady Kane betritt das Zimmer mit zusammengezogenen weißen Brauen. »Wo ist Cal?«

Ich schaue ihn mit tränenüberströmtem Gesicht an. »Er hat mich verlassen.«

Die faltige Haut um seine blauen Augen wird weicher, als er mich eingehender betrachtet. »Ach, Alana.« Er zieht mich in seine Arme. »Es tut mir so leid. Ich habe schon befürchtet, dass so etwas passieren würde.«

»Warum?«

Er presst die Lippen zusammen.

Ich kann nicht aufhören zu schluchzen. »Warum bin ich nicht gut genug?« Für meinen Dad. Für Antonella. Für Cal. Es fühlt sich an, als müsste ich immer darum kämpfen, dass die Menschen bei mir bleiben, während sie sich nichts sehnlicher wünschen, als mich zu verlassen.

Er streicht mir über den Rücken. »Es hat nichts mit dir zu tun.«

»Ach nein? Wenn Cal mich lieben würde, wäre er bei mir geblieben. Er hätte um uns gekämpft.«

»Er kann im Moment nicht einmal um sich selbst kämpfen, geschweige denn um dich.«

Ich schüttle den Kopf. »Ich wollte nicht, dass er geht.«

»Das wusste jeder, der euch zusammen gesehen hat.«

Der Schmerz in meiner Brust wird stärker. »Aber ich habe ihm das Versprechen abgenommen, niemals zurückzukehren.«

Seine Hand bewegt sich in kleinen, beruhigenden Kreisen. »Ist es das, was du willst?«

Ich schluchze an Bradys Brust. »Ja? Nein? Ich weiß es nicht.«

»Alles wird gut. Dafür werde ich sorgen.«

Doch nun stehe ich hier, sechs Jahre später, und habe das starke Gefühl, dass nichts gut ist.

Die Dinge haben sich verändert. Du bist nicht mehr das Mädchen mit dem gebrochenen Herzen von damals.

Wirklich nicht? Denn ich musste Cal nur einmal begegnen, um mich an alles zu erinnern, was ich in den letzten sechs Jahren verdrängt habe.

Seine sanft geschwungenen Lippen, wenn er mich anlächelt.

Das Ziehen in meiner Brust, das mich immer wieder zu ihm hindrängt, trotz all der schmerzhaften Jahre.

Die Wärme, die sich in meinem Körper ausbreitet, wenn er einen Witz macht, und die das Eis, das sich um mein Herz gelegt hat, zu schmelzen droht.

Ein Teil von dir liebt ihn immer noch.

Ich springe von der Couch auf und fliehe in mein Schlafzimmer, aber der lästige Gedanke folgt mir wie eine dunkle, bedrohliche Wolke.

Dass du ihn liebst, bedeutet nicht, dass du in ihn verliebt bist, meldet sich die vernünftige Stimme in mir zu Wort.

In Wahrheit wird ein Teil von mir Cal immer lieben. Nach zwei Jahrzehnten gemeinsamer Vergangenheit ist es unmöglich, dies nicht zu tun, aber ich werde niemals verliebt in ihn sein – zumindest nicht wieder. Diesen Fehler habe ich einmal begangen, und dabei habe ich mein Herz verloren.

Aber Cals Auftauchen in Lake Wisteria lässt sich nicht mit damals vergleichen.

Denn ich bin nicht mehr dieselbe Person.

Und nichts, was er sagen oder tun könnte, wird daran etwas ändern.

KAPITEL VIER

Cal

Auf der Fahrt zum Motel schaue ich mich in dem verschlafenen Ort um. Die Backsteingebäude auf der Main Street sehen noch genauso aus wie in meiner Kindheit, auch wenn ihr Anstrich, ihre Vordächer und das Dekor in den letzten Jahren erneuert wurden. Von dem Gemischtwarenladen, der während der Prohibition eröffnet hatte, bis hin zu der Apotheke, die seit den Fünfzigern nicht mehr renoviert wurde, fühlt sich alles in Lake Wisteria vertraut an. Malerisch. Fröhlich.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich den Ort jemals wieder besuchen würde. Als ich geschworen habe, nie wieder zurückzukommen, habe ich Frieden damit geschlossen, den Ort hinter mir zu lassen, der sich für mich stets wie meine Heimat angefühlt hat.

Und das lag nicht an dem Ort selbst, sondern an einer bestimmten Person.

Auch wenn Lake Wisteria und seine dreihundert Einwohnerinnen und Einwohner warm und freundlich waren, war Lana Castillo der Grund, weshalb ich jeden Sommer in die kleine Stadt am See zurückgekehrt bin.

Es war ein guter Grund.

Meine Brust verengt sich. Ich fahre schnell an den Geschäften am Ende der Straße vorbei und biege scharf links ab, um zu meiner Unterkunft zu gelangen, die mit ihren Leuchtschildern, die Telefone, Farbfernseher und Klimaanlagen anpreisen, von den Motels auf der Route 66 inspiriert ist. Es fühlt sich an, als wäre ich in eine Zeit zurückversetzt worden, in der Frauen nicht wählen durften.

Grandios.

Das Summen der altmodischen Neonröhren erfüllt die Stille, als ich aus meinem Wagen aussteige und zum Büro an der Ecke des Motels gehe.

Eine Frau wirft mir einen übellaunigen Blick und einen Schlüssel für das schmutzigste Zimmer zu, und ich vermute, dass beides Absicht war. Gäbe es nicht die mit einer beeindruckenden Menge Alkohol gefüllte Minibar, würde ich auf diese traumatische Erfahrung verzichten. Ich trinke den letzten Schluck Wodka aus meinem Flachmann, bevor ich die Miniflasche Wodka aus dem Kühlschrank hole.

Ich neige dazu, schlechte Entscheidungen zu treffen, wenn ich unter Stress stehe. Entscheidungen, die in der Regel dazu führen, dass ich mich betrinke und den Grund dafür vergesse, warum ich überhaupt begonnen habe zu trinken. Es ist eine schreckliche Bewältigungsstrategie, aber für mich gibt es normalerweise nur zwei Optionen: Entweder ich trinke über den Tag verteilt kleine Schlucke aus meinem Flachmann, um mit meinen Ängsten klarzukommen, oder ich besaufe mich schamlos, weil ich nicht aufhören kann zu trinken. Letzteres kommt in der Regel nur ein- oder zweimal pro Woche vor, je nachdem, welche Stressfaktoren im Spiel sind, aber wenn es vorkommt, bin ich vollkommen außer Betrieb gesetzt.

Ich spüre, dass heute eine solche Nacht ist. In einem letzten Versuch, die sich ankündigende Panikattacke zu verhindern, rufe ich Iris an.

»Hey. Was gibt’s?« Der Lautsprecher knackt unter Iris’ Gähnen.

Ich kann immer darauf zählen, dass meine Schwägerin zu jeder Tages- und Nachtzeit ans Telefon geht. Es treibt meinen großen Bruder zwar in den Wahnsinn, aber Iris war schon meine beste Freundin, lange bevor sie vor knapp einem Jahr Declans Frau wurde, also genieße ich Sonderrechte.

»Ich bin gerade in einem Motel, das einer True-Crime-Doku entsprungen ist. Im wahrsten Sinne des Wortes.« Ich schließe die Augen, als könnte ich damit die Erinnerung an die Flecken auf dem Teppich auslöschen.

»Wolltest du heute nicht im Haus am See schlafen?«

»Wie sich herausgestellt hat, hat Grandpa vergessen zu erwähnen, dass Lana immer noch dort wohnt.«

»Du meinst die Lana?«

»Ja, genau die. Die Story hat einen Twist: Sie hat ein Kind, von dem ich nichts wusste.« Ich trinke den Rest des Wodkas aus der Miniflasche.

Hat Alkohol je deine Probleme gelöst?

Ich will sie ja gar nicht lösen. Ich will sie nur betäuben.

Iris zieht die Luft ein. »Wann hattest du zuletzt Sex mit ihr?«

»Ungefähr zu dem Zeitpunkt, zu dem sie schwanger geworden sein muss, plus minus einen Monat. Ich hab nicht meinen Kalender aufgerufen und nach dem Geburtstag des Kindes gefragt, denn Lana hat mich ziemlich schnell rausgeworfen.«

»Warte. Du weißt nicht, ob das Kind von dir ist?«

Ich reibe mir den Schlaf aus den Augen. »Als ich die Sache angesprochen habe, war sie nicht gerade zugänglich.«

Iris flucht leise. »Sieht das Kind aus wie du?«

»Sie hat etwas dunklere Haare als ich, aber ihre Augen sehen fast genauso aus wie meine.«

Sie schnappt nach Luft. »Es ist ein Mädchen?«

»Überraschung.« Ich werfe die Flasche in Richtung des Mülleimers, aber dank meiner mangelnden Treffsicherheit landet sie dreißig Zentimeter daneben. Es gibt einen Grund dafür, dass ich Eishockey statt Basketball gespielt habe, und das ist der Beweis dafür.

»Du musst nicht gleich ausflippen. Du weißt ja nicht mal, ob das Kind wirklich von dir ist.«

»Lana war nicht gerade freundlich, als ich indirekt danach gefragt habe.« Ihr etwas Derartiges zu unterstellen, war nicht fair von mir. Ebenso wenig wie meine Bemerkung darüber, dass sie kurz nach unserer Trennung mit einem anderen geschlafen haben musste. Aber ich habe mich von meinen Emotionen überwältigen lassen.

Nachdem du sie auf diese Art verlassen hast, hast du kein Recht dazu, wütend auf sie zu sein.

Leichter gesagt als getan. Ich bin normalerweise kein Typ, der schnell eifersüchtig wird, aber im Moment spüre ich, dass genau dieses Gefühl in mir brodelt und sich ein Ventil verschaffen will.

»Bitte sag mir, dass du ihr nichts unterstellt hast.«

»Okay. Dann lass ich es eben.« Ich durchsuche die Minibar nach einer weiteren Flasche. Da ich bereits den ganzen Wodka getrunken habe, kann ich nur noch zwischen Tequila und Fireball wählen.

Und du hast geglaubt, die Nacht könnte nicht mehr schlimmer werden.

Ich greife nach der Plastikflasche Fireball und stoße die Kühlschranktür mit dem Fuß zu.

Iris ächzt. »Manchmal stelle ich tatsächlich infrage, ob du wirklich ein Genie bist.«

»Da geht es dir genau wie mir.« Hin und wieder habe ich geglaubt, meine Eltern hätten mich nur dazu gezwungen, Kurse für Hochbegabte zu belegen, damit ich in der Schule so stark gefordert wurde, dass ich keine Zeit hatte, in Schwierigkeiten zu geraten.

»Es muss eine Erklärung dafür geben. Nach dem zu urteilen, was du mir über Lana erzählt hast, bezweifele ich, dass sie dir ein Kind verschweigen würde – ganz egal, wie sehr sie dich hasst.«

»Nun, ich habe vor, morgen früh meine Antwort zu bekommen, und wenn es das Letzte ist, was ich tue.«

»Und was willst du tun, wenn das Kind von dir ist?«

»Abgesehen davon, mich ins Koma zu saufen?« Ich drehe den Schraubverschluss auf, rieche und nehme den Zimtgeruch des Whiskys wahr. Im Gegensatz zu Lanas warmem Duft bewirkt dieser Geruch, dass mir übel wird. Ich ignoriere das Gefühl und nehme einen Schluck, denn ich sehne mich nach der Erleichterung, die mir nur Alkohol verschaffen kann.

Iris schnaubt. »Das ist nicht mal annähernd witzig.«

Ich höre auf zu trinken, um etwas zu erwidern. »Wenn das Kind von mir ist, werde ich die Sache gegenüber Grandpas Anwalt erwähnen, wenn ich ihn morgen anrufe.«

»Warum musst du mit Leo sprechen?«

»Es gibt eine … Komplikation.«

»Was für eine Komplikation?« Ihre Stimme klingt so besorgt, dass ich mich schlecht fühle, weil ich sie überhaupt angerufen habe und sie sich nun Sorgen macht.

»Mach dir keine Gedanken darüber.« Am Ende des Satzes lalle ich.

»Bist du betrunken?«

»Nope.« Okay, ich bin ein bisschen betrunken, aber ich will Iris nicht mit meinen Problemen belasten.

Ihr schwerer Seufzer hallt im Lautsprecher des Handys wider. »Ich dachte, es läuft mittlerweile.«

Wenn sie meint, es läuft besser, meine Probleme zu verbergen, dann ja.

»Ich bin in Partystimmung.«

»Cal.« Es ist unglaublich, wie viel Enttäuschung in einem einzigen Wort mitschwingen kann.

Ich zupfe am Etikett der Flasche. »Was erwartest du denn? Ich stecke in einer tiefen Krise.«

»Kann man es wirklich als Krise bezeichnen, wenn das für dich ein Dauerzustand ist?«, murrt Declan am anderen Ende der Leitung.

»Verdammt, Iris. Hat er die ganze Zeit zugehört?«

»Mir bleibt wohl kaum eine andere Wahl, wenn du um zwei Uhr morgens anrufst«, erwidert Declan.

»Ich brauche moralische Unterstützung.«

»Oder Glückwünsche zu den tollen Neuigkeiten.«

»Sollte das ein Witz darüber sein, dass ich vielleicht ein Kind habe?«

»Ich kann dich auch gerne dafür anschreien, dass du ungeschützten Sex hattest.«

»Das wäre mir tatsächlich lieber.« Mir ist alles lieber, als dass mein Bruder Witze über meine mögliche Vaterschaft macht. Ich weiß nicht, wann er sich derart verändert hat, aber ich kann mir vorstellen, dass es etwas mit Iris zu tun hat.

Declan flüstert etwas, das ich nicht verstehe.

Iris kichert, bevor es am anderen Ende der Leitung still wird.

»Iris?« Ich schaue auf das Display, aber es sieht aus, als würde die Verbindung weiterhin bestehen, obwohl keine Geräusche mehr zu hören sind.

Sie hat auf stumm geschaltet. »Klar, kümmer dich nicht um mich. Ich bin nur kurz vor einem Nervenzusammenbruch.«

»Sorry! Declan musste mich was fragen.« Ihre hauchende Stimme lässt mir einen Schauer über den Rücken laufen.

»Ich rufe dich morgen früh an, wenn mein Bruder aufgehört hat, das zu tun, was immer deine Stimme so klingen lässt.«

»Warte!« Offenbar stellt sie erneut auf stumm, um dreißig Sekunden später weiterzusprechen. »Ich habe Declan gesagt, er soll mir zehn Minuten geben.«

Ich lasse mich mit dem Gesicht voran auf das Bett fallen und wünsche mir, der Aufprall hätte mich ohnmächtig gemacht. »Ich weiß auch nicht, warum ich gedacht habe, es wäre eine gute Idee, dich anzurufen, aber ich bereue es mittlerweile.«

»Weil ich deine beste Freundin bin und du mich brauchst«, erwidert sie, als spräche sie mit einem Kind.

»Das ist fraglich, wenn man die letzten paar Minuten dieses Telefonats bedenkt.«

Sie schnaubt. »Mir gefällt es nicht, wenn du so mürrisch bist. Das erinnert mich an deine Brüder.«

»Sorry, ich hab heute keine Regenbögen und Einhörner mehr zu bieten. Frag mich morgen, ob ich wieder besser drauf bin.«

»Wie kann ich dir helfen?«

»Ich weiß nicht, ob du viel tun kannst. Das Ganze erweist sich immer mehr als Katastrophe.« Nachdem ich meinen Brüdern dabei zugeschaut habe, wie sie mit ihren Aufgaben kämpften, wusste ich, dass auch meine nicht leicht werden würde, aber ich hätte nicht damit gerechnet, dass mein Großvater mich nach unserem letzten Gespräch dazu zwingen würde, wieder mit Lana zusammenzuziehen.

Ich bin wütend, weil ich es nicht früher erkannt habe. Stattdessen habe ich das Unausweichliche vor mir hergeschoben und stehe nun unter Zeitdruck.

Das ist der Grund, warum du nicht prokrastinieren solltest.

»Wenn es wirklich so einfach wäre, das Haus zu verkaufen, dann hättest du es vor einer Ewigkeit leer geräumt und es verkauft. Wir wissen beide, dass du es vor dir hergeschoben hast, der Bitte deines Großvaters nachzukommen, weil dich irgendetwas davon abgehalten hat.«

»Nicht etwas, sondern jemand.«

* * *

Ein Handyalarm, den ich vergessen habe auszuschalten, bringt mich dazu, in mein Kissen zu ächzen. Der Geschmack von schlechten Entscheidungen und billigem Alkohol klebt mir auf der Zunge, und mir dreht sich der ohnehin schon schwache Magen um.

Du hättest gestern Nacht nicht so viel trinken sollen.

Das sage ich mir fast jeden Morgen, wenn ich aufwache, aber aufgrund der Auswahl in der Minibar ist mein Kater heute noch schlimmer.

Statt mich über meine schlechten Entscheidungen zu ärgern, verlasse ich das Motelzimmer und fliehe ins Ortszentrum. Da ich keine unnötige Aufmerksamkeit auf mich lenken will, indem ich das kleine überfüllte Diner aufsuche, entscheide ich mich für einen winzigen Coffeeshop in der Nähe des Rathauses. Im Angry Rooster arbeitet eine einzige Bedienung, die hinter der Theke damit beschäftigt ist, Bestellungen aufzunehmen und die Getränke zuzubereiten, ohne ins Schwitzen zu geraten.

Nach nur einem Schluck von meinem Kaffee werfe ich einen Zwanzigdollarschein in die Dose mit der Aufschrift Auf einer Skala von $1 bis $10, wie groß ist dein …? Das letzte Wort wird in Anlehnung an den Namen des Cafés von einem Hahn-Emoji bedeckt. Es bringt mich zum Lachen, was wiederum meinen Schädel zum Pochen bringt.

Die Angestellte zieht so scharf die Luft ein, dass ich noch einen Zwanziger in die Dose werfe, um mich darüber zu amüsieren, wie rot sie wird.

»Man muss dazu stehen.« Ich zwinkere.

»Danke.« Sie schnaubt.

Ich verabschiede mich mit einem Salut von ihr und bewege mich in Richtung Tür. Als das Handy in meiner Tasche vibriert, sehe ich eine neue Nachricht im Familien-Chat. Ächzend entsperre ich das Telefon und lese den Text von meinem jüngsten Bruder.

Rowan: Und, hast du rausgefunden, ob das Kind von dir ist?

Iris würde Rowan niemals von meinem Problem erzählen, es kann also nur eine Person gewesen sein.

Declan ist offiziell für mich gestorben. Dieses Arschloch.

Ich: Wer hat denn was von Kind gesagt?

Rowan: Declan hat es mir heute Morgen erzählt, als er angerufen und mir einen Vortrag über Kondome und Safer-Sex gehalten hat.

Gibt es in dieser Familie denn gar keine Geheimnisse? Seit meine Brüder beide die Liebe ihres Lebens kennengelernt haben, kommt es mir vor, als wüsste jeder alles über mich.

Dick-lan: Ich hab keinen Vortrag gehalten.

Iris: Für mich klang es wie einer.

Rowan: Finde ich auch. Rowan war so bewegt davon, dass er panisch zu Costco gerannt ist und eine Packung mit 1000 Kondomen gekauft hat. – Zahra

Ich: 1000? Du bist tot, bevor du die Packung aufgebraucht hast.

Rowan schickt mir ein Mittelfinger-Emoji.

Iris: Ah! Warum ist Zahra nicht in dieser Gruppe?

Dick-lan: Weil sie nur für Kanes gedacht ist.

Ich: Schaut mal, Declan führt sich schon wieder auf wie ein Arschloch. *gespielt schockiert*

Rowan: …

Eine Benachrichtigung wird angezeigt, dass Zahra, Rowans Freundin und Dreamland-Fan, von Iris der Gruppe hinzugefügt wurde. Wenn ich mir nicht schon vorher vorgekommen wäre wie der hoffnungslose Dauer-Single, hätte mich der Gruppen-Chat mit zwei Paaren definitiv spätestens jetzt dazu gebracht.

Zahra: Hallo zusammen!!!

Sie schickt eine weitere Nachricht mit allerlei Variationen von Herzchen und Smileys hinterher.

Zahra: Cal, wann kommst du mit deiner Tochter nach Dreamland?

Zahra: Wir hätten sie supergerne hier!!!