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Das Buch, DreiLänderMann, ist die Fortsetzung von KNALLFRÖSCHE, erschienen 2012 im Verlag BoD, mit weiteren besonders erwähnenswerten Lebensgeschichten des Autors. Im Anhang befindet sich eine Sammlung von Limericks, teilweise in deutsch und englisch, verfasst zu Geburtstagen und anderen Anlässen. Der Aufenthalt der ersten 24 Jahre in Deutschland, dann 29 Jahre in der Schweiz und nun seit 26 Jahren in Australien sowie viele Reisen in weitere Länder öffneten den Weitblick. Ein nicht gleichförmig verlaufendes Leben führt oft zu außergewöhnlichen Begebenheiten.
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Seitenzahl: 95
Veröffentlichungsjahr: 2019
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00 Vorwort
01 Mögen Sie Erdbeeren?
02 Verlorene Zeit
03 Ostzone
04 Steinschlag
05 Dreisitzige Lambretta
06 Stromschlag
07 Horizonte
08 Rutschpartie
09 Erkenntnisse
10 Rennfahrer
11 Radmeister
12 Passverlängerung
13 Plantage
14 Kirschendiebe
15 Geschäftsleben
16 Hochdruck
17 Amigo
18 Gewusst wie
19 Gerechter Ausgleich
20 Tunnelblick
21 Neue Liebe
22 Armer Hund
23 Sportwagen
24 Erfahrungen
25 Ladestock
26 Njet Balalaika
27 Harley
28 Willys Jeep
29 Concorde
30 Australien, wir kommen
31 Alles Experten
32 Golf
33 Heiligensee
34 Whoopi Goldberg
35 Dachsturz
36 Gut gegangen
37 Auf Abwegen
38 Kohlfirst
39 Nachwort
40 Anhang: Limericks in deutsch und englisch; ab
“Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand. Denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe”
Rene´Descartes, 1596-1650
“Man muss viel gelernt haben, um über das, was man nicht weiss, fragen zu können”
Jean-Jacques Rousseau, 1712-1778
Der Mensch steht immer wieder vor neuen Herausforderungen. Erst im Rückblick stellt sich dann heraus, ob jeweils die richtigen Entscheide getroffen wurden.
Der Titel “DreiLänderMann” bezieht sich auf die drei Länder Deutschland, Schweiz und Australien, in denen ich jeweils viele Jahre verbracht habe und im Dritten hoffentlich noch weitere Zeit bei bester Gesundheit verbringen darf.
Nach dem Buch “Knallfrösche, Schelmereien und Schlimmeres”, Jugenderinnerungen 1943 bis 1960, erschienen 2012 im Verlag BoD unter dem Pseudonym Manfred Mann, wird hier von eher aussergewöhnlichen Begebenheiten aus Privat-, Berufsleben sowie dem Militärdienst und von weiteren Erlebnissen berichtet. Sehr intime oder verwerfliche Sachen sind natürlich ausgespart.
Die verschiedenen Geschichten sind zeitlich nicht genau geordnet. Sie sind nicht literarisch geschönt und der Text ist in verständlicher, leicht lesbarer Wortwahl gehalten. Mein Dank geht, wie schon beim ersten Buch, an mein Darlingwife Marcella, welche meine Aufzeichnungen für den Buchdruck bei BoD mit erheblichem Einsatz vorbereitet hat. Leider war bei der Erstellung des Buches das Programm der automatischen Wörterteilung nicht verfügbar, sodass sich zwischen einigen Wörtern grössere Abstände befinden.
Im Anhang befindet sich eine Sammlung von Limericks, teilweise in deutsch und englisch, verfasst zu Geburtstagen und weiteren Anlässen. Diese Limericks dienen dem Leser vielleicht als Anstoss zur Erstellung eigener Kreationen.
Leider besitze ich keine schriftlichen Aufzeichnungen meiner Vorfahren. Man kann niemand mehr fragen; alle sind in der Zwischenzeit verstorben. Zum Glück erinnere ich mich noch an den Inhalt einiger Gespräche, welche ich mir bei Zusammenkünften merken konnte. Allen Lesern, welche mein Buch “Knallfrösche” lesenswert fanden, möchte ich mit folgenden Geschichten wiederum eine kurzweilige Lesezeit bereiten.
Manfred Karl Becker Mann
Down Under 2019
Meine erste grosse Liebe lernte ich nach meiner Lehre in einem Metallbau-Unternehmen in Nord-Deutschland kennen. Ein hübsches Mädchen kam mir auf dem Werkshof entgegen und sah mich interessiert an. Da ich gerade ungebunden war, wollte ich die Gelegenheit nutzen und anbandeln. Ich war nie besonders schlagfertig, aber in diesem Moment sagte ich zu ihr: Fräulein, mögen Sie Erdbeeren? Sie sagte ja und ich lud sie nach Feierabend zum Naschen in unseren Schrebergarten ein. Sie war 18, ich 19 Jahre alt und es begann eine wunderbare Zeit.
Wir waren von Anfang an sicher, dass wir zusammenbleiben und in absehbarer Zeit heiraten wollen. Meine zukünftigen Schwiegereltern waren vorerst ziemlich reserviert. Sie hielten mich für einen Halbstarken.
Wenn ich mit meinem 1938er Ford Eifel, den man zum Start ankurbeln musste, bei Ihnen vorfuhr, kam bei ihnen keine Freude auf. Erst als mich mein Schwiegervater in spe nach einer Feier in der Wohnung beiseite nahm und mich um einen Gefallen bat, fühlte ich mich angenommen. Er hatte sich über den Hauswart geärgert, welcher um 22 Uhr im Nachthemd, mit dem Hut auf dem Kopf und der Uhr in der Hand an der Tür klingelte und Ruhe befahl. Da alle Gäste diesen für meinen Schwiegervater in spe peinlichen Vorfall mitbekamen, wollte er sich am Hauswart rächen. Ich musste später in der Nacht Wache stehen und aufpassen, dass wir nicht gesehen werden, während der Inhalt einer Tube Klebstoff in dessen Türschloss gedrückt wurde. Von da an war ich ein gern gesehener Gast. Schon ein Jahr später wurde geheiratet. Man war damals erst mit 21 Jahren volljährig. Da mir ein Monat dazu fehlte, erklärte mich meine Mutter vor der standesamtlichen Trauung für volljährig und ich erklärte daraufhin meinen Schatz, damals 19 Jahre alt, ebenfalls amtlich für volljährig.
Zusätzlich mit uns wurden gleichzeitig in einer Kirche in Norddeutschland zwei weitere Paare getraut: Mein Bruder mit seiner Verlobten, welche aus der Schweiz und der Bruder meiner zukünftigen Frau und dessen Verlobte, welche aus Frankfurt anreisten. Der Pastor sagte, dass er in seiner Kirche nie so viele Leute gesehen hat. In der lokalen Zeitung erschien auch ein ausführlicher Bericht über diesen Anlass.
Zur gleichen Zeit wurde ich für ein Jahr zum Wehrdienst einberufen. Mein Oldtimer wurde aus finanziellen Gründen abgemeldet. Er war in schlechtem Zustand und musste verschrottet werden. Der Ernst des Lebens begann.
Leider endete meine Ehe nach 18 Jahren in der Schweiz, wo wir seit einigen Jahren lebten. Aber aus dieser Ehe entstanden zwei liebenswerte Jungs. Besonders erwähnenswert ist, dass beide Jungs nach der Trennung von meiner Frau bei mir unterkamen, während meine Ex in ihrer eigenen Wohnung für sich selbst sorgte. Da wir alle in demselben Ort wohnten, konnten die Jungs Ihre Mutter natürlich so oft besuchen wie sie wollten. Besonderen Wert legte ich auf gutes Verhalten ihrer Mutter gegenüber. Meine Mahnung musste wohl gefruchtet haben, denn ich bekam nie Klagen zu hören.
Mein Grundwehrdienst bei der Bundeswehr war ein verlorenes Jahr. Es wäre vielleicht möglich gewesen, sich davor zu drücken, aber ich habe diesen Dienst von Mitte 1960 an ein Jahr lang bei den Panzerpionieren durchgestanden.
Unsere älteren Vorgesetzten dienten vorher noch bei der Wehrmacht im 2. Weltkrieg und so, wie sie sich dort wohl aufgeführt hatten, verhielten sie sich auch bei uns noch. Kein Teamgeist, nur Schikane. Die freiwilligen Soldaten, unsere Gruppen- und Zugführer, wären im normalen Berufsleben nicht brauchbar gewesen.
Die Ausbildung war im Grund anspruchsvoll: Nahkampf, Sprengtechnik, Schiess- und Sturmboot-Übungen, Funk, Nacht- und Orientierungs-Märsche sowie Staatsbürgerkunde.
Aber zwischendurch immer wieder Schikane. Falls einer unserer Kameraden seinen Auftrag nicht ordnungsgemäss ausführte, musste die ganze Gruppe darunter leiden. Unser Hauptmann hat sich ohne Konsequenzen nach dem Soldatengesetz strafbar gemacht mit seiner ständigen Aussage: Lieber tot als rot. Ich widersprach dem und habe daraufhin seine Abneigung gegen mich zu spüren bekommen. Ich konnte ja nichts dafür, dass er erst 1953 aus russischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt ist.
Die gelegentliche auswärtige Übernachtung bei Dienstfreiheit von Samstag auf Sonntag musste am vorher gehenden Mittwoch schriftlich beantragt werden und wurde erst Freitag Abend nach Dienst vom Zugführer nach Ablegen eines erfolgreichen Testergebnisses genehmigt.
Ein üblicher Test war das Auseinandernehmen und Zusammenbauen eines Maschinengewehres mit verbundenen Augen, welchen ich problemlos bestand. Andere Probanden hatten weniger Glück. Der Zugführer zerriss dann vor deren Augen den Antrag. Meine Stubenkameraden rächten sich später für ihr Ungemach. Wir konsumierten einmal nach Dienstschluss einige Biere. Ein ungeliebter Vorgesetzter betrat unsere Stube und sprach ungebeten kräftig unserem Bier zu. Er setzte sich dabei an das offene Fenster. Es ging hoch her und jemand muss ihm einen Stoss versetzt haben, denn er fiel rücklings aus dem ersten Stock. Da er dabei keine schweren Verletzungen erlitt, wurde der Vorfall vertuscht.
Fehlender Teamgeist führte dazu, dass es unter uns Soldaten keinen Zusammenhalt gab. Jeder schaute nur, dass er so gut wie möglich davonkam. Fehlerhaftes Verhalten Einzelner führte in der Regel zu Disziplinierung der gesamten Gruppe, wohl in der Hoffnung, dass diese den Verursacher schikanieren würde.
Der Tagesbefehl enthielt auch die Kleiderordnung. Wir standen einmal während einer Übung in der Kälte auf einem Hügel zur Geländebeschreibung. Ich hatte mir zur Vorsorge einen Schal mitgenommen. Als ich diesen umband, befahl man mir, diesen sofort abzunehmen. Meine Antwort war: Wenn ich in dieser zugigen Kälte keinen Schal trage, werde ich krank. Mir wurde befohlen, sofort den langen Weg zurück in die Kaserne zum Sanitäter zu laufen. Eigentlich ein unsinniger Befehl, denn ich war ja nicht krank. Dort angekommen, lief ich dem Hauptmann über den Weg, welcher auf mich nicht gut zu sprechen war. Auf seine Frage, was ich hier mache, berichtete ich von der Sache mit meinem Schal. Er machte einen sehr unfreundlichen Kommentar und schickte mich wieder die 4 km zurück zur Truppe. Dort meldete ich nicht ganz wahrheitsgemäss, dass ich den Schal umbehalten darf, was wiederum von meinen Kameraden nicht gut aufgenommen wurde.
Bei Sportübungen wurden die weniger Fitten drangsaliert, während alle Anderen Pause hatten. Ich hoffe nur, dass sich diese Zustände in der Zwischenzeit gebessert haben.
Zum Glück zog ich nach dem Wehrdienst in einen 80 Kilometer entfernten Ort und wurde nicht mehr zu weiteren Übungen eingezogen. Nach drei Jahren übersiedelte ich mit meiner Familie in die Schweiz und gab mit grosser Befriedigung alle Militärunterlagen zurück.
Unser erster Sohn war zwei Jahre alt, als wir zwischen Weihnachten und Neujahr unsere Verwandten in der “so genannten DDR” besuchten. Diese “Deutsche Demokratische Republik” nannten wir bis zur Wiedervereinigung nur “Ostzone”.
Der Vater meines Vaters und auch der Bruder meines Vaters mit seiner Familie lebten zu dieser Zeit in der Nähe von Weimar. Schon kurz nach Kriegsende besuchte ich als Kind und später als Teenager diese Verwandten.
Wer damals nicht die Eisenbahnfahrt dorthin unternommen hat, kann sich keine Vorstellungen davon machen, was man dabei für Mühen auf sich nehmen musste. Überfüllte Züge, Grenzkontrollen, Schikane. Für eine Strecke, die man heute mit dem Auto in zwei Stunden zurücklegen würde, benötigte man damals einen ganzen Tag.
Die DDR, der Arbeiter- und Bauernstaat, von Russland kontrolliert, war dasselbe Gebilde wie vorher Hitlerdeutschland mit Überwachung und Spitzel.
Trotz Kenntnis dieser Umstände unternahmen wir die Reisen. Nach der Ankunft musste man sich beim Rat der Stadt melden. Weitere Reisen im Inland waren nicht erlaubt.
Offiziell musste Westmark eins zu eins gewechselt werden. Auf den Bahnhöfen in West-Deutschland konnte man vier zu eins tauschen, nur durfte man sich bei der Einreise mit dem “Schwarzgeld” nicht erwischen lassen.
Mit meiner jungen Familie besuchte ich zu Weihnachten 1962 dort wieder meine Verwandten.
Mein Grossvater hatte für uns im örtlichen Gasthaus ein Zimmer reserviert. Nach Bezug setzen wir unser Söhnchen das erste Mal an diesem Tag auf den Topf, welcher randvoll gefüllt wurde.
Am Abend war eine Tanzveranstaltung angesagt. Als ich meine Verwandten dort traf und meinem Grossvater zur Begrüssung die Hand schüttelte, bemerkte ich an einem seiner Finger einen Verband. Man muss die Zustände kennen, unter welchen manche Leute damals lebten. Das Zimmer meines Grossvaters hatte keine Heizung. Es war ein sehr kalter Winter und eines Nachts schaute seine Hand unter der Bettdecke hervor; dabei hatte er sich einen Finger angefroren.
Nach dem Essen wurde zum Tanz aufgespielt. Der Saal war voll besetzt, die Stimmung gut und die Kapelle spielte ordentlich. Westliche, speziell amerikanische Musik, war von Staats wegen nicht erlaubt. Trotzdem tanzten wir als einziges Paar einen Rock´n Roll nach einer passenden Melodie. Da schoben sich zwei Aufpasser durch die Menge auf uns zu und fingen an zu schubsen. Als ich in Angriffsstellung ging, zog mich der Mann meiner Cousine davon und bewahrte mich vor grösserem Ärger.
Alles in allem haben wir diese Familien-Zusammenkunft genossen. Auch war es das letzte Mal, dass ich meinen Grossvater lebend angetroffen habe.
