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In "Drei Mann in einem Boot" entführt der britische Autor Jerome Klapka Jerome die Leser auf eine humorvolle Reise entlang der Themse. Das Buch, erschienen im Jahr 1889, zeichnet sich durch einen spritzigen, ironischen Stil aus, der die Erlebnisse dreier Freunde und ihres Hundes bei einem Bootsabenteuer schildert. Jerome verbindet dabei scharfsinnige Gesellschaftskritik mit lebhaften Beschreibungen der englischen ländlichen Idylle und schafft dadurch eine nostalgische Atmosphäre, die das Buch zu einem zeitlosen Klassiker der britischen Literatur erhebt. Jerome Klapka Jerome, selbst ein erfahrener Reisender und Schriftsteller, schöpfte seine Inspiration aus persönlichen Erlebnissen und der dicht besiedelten britischen Kulturszene des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Sein Talent für humoristische Erzählungen und seine Beobachtungsgabe kommen in diesem Werk besonders zur Geltung. Jerome war nicht nur Schriftsteller, sondern auch Schauspieler, und seine Vielseitigkeit spiegelt sich in der lebendigen Dialogführung und den charakteristischen Beschreibungen wider, die die Charaktere und ihre Interaktionen zum Leben erwecken. Für Leser, die ein Gespür für den feinen britischen Humor und eine Vorliebe für melancholisch-vergnügliche Abenteuer haben, ist "Drei Mann in einem Boot" eine absolute Empfehlung. Die Erzählung bietet nicht nur Unterhaltung, sondern auch tiefere Einblicke in Freundschaft und die kleinen Tücken des Lebens, was sie zu einer inspirierenden Lektüre macht, die zum Schmunzeln und Nachdenken anregt. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes. - Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten. - Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben. - Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen. - Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.
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Veröffentlichungsjahr: 2023
Zwischen Fernweh und Selbstironie lotet dieses Buch die Kunst des Reisens im eigenen Leben aus. Jerome Klapka Jeromes Drei Mann in einem Boot ist eine humoristische Reiseerzählung, angesiedelt auf der Themse zwischen Kingston und Oxford, erstmals 1889 im späten viktorianischen Großbritannien veröffentlicht. Das Werk verbindet die Tradition des Reisetagebuchs mit der Komik der Alltagspanne und blickt zugleich liebevoll auf eine Landschaft, die Freizeit und Fluchtpunkt zugleich ist. Aus dieser Konstellation entsteht eine leichte, doch bewusst komponierte Prosa, die Beobachtungslust mit satirischer Distanz mischt. Schon die Ausgangslage – eine kleine Flucht aus der Stadt ins Boot – öffnet den Raum für Reflexion, Missverständnisse und heitere Selbsterkundung.
Im Mittelpunkt stehen drei befreundete junge Männer und ein Hund, die sich zu einer mehrtägigen Bootsfahrt entschließen, um Nervosität, Überarbeitung und vermeintliche Gebrechen hinter sich zu lassen. Der Ich-Erzähler führt durch Planung, Abfahrt und die ersten Etappen des Flusses, ohne je die Perspektive eines überlegenen Helden einzunehmen. Stattdessen wächst eine vertrauliche Erzählstimme, die sich gern in Nebenwege verliert und das Kleine ernst nimmt. Der Fluss liefert Kulisse und Takt, die Chemie der Gruppe die Komik. Mehr muss man vorab nicht wissen, um das Vergnügen ungetrübter Entdeckungen zu bewahren. Die Route führt sie flussaufwärts durch Orte, deren Namen bereits eine Atmosphäre aus Geschichte und Freizeit versprechen.
Stilistisch arbeitet Jerome mit pointierter Übertreibung, trockener Ironie und einer Vorliebe für Abschweifungen, die wie beiläufige Kabinettstücke wirken. Episoden und Beobachtungen reihen sich in lockerer Folge, doch behalten sie eine klare innere Musikalität. Die Sprache ist zugänglich, anekdotisch und rhythmisch, oft getragen von sorgfältig gebauten Steigerungen, die in unerwarteter Harmlosigkeit enden. Der humoristische Effekt entsteht aus dem Kontrast zwischen ambitionierten Plänen und banalen Widerständen, zwischen Scheinbeherrschung und tatsächlicher Tollpatschigkeit. Die Erzählhaltung bleibt dabei freundlich und ohne Häme; die Figuren werden nie bloßgestellt, sondern mit feiner Nachsicht betrachtet. So entsteht eine komische Eleganz, die das Tempo der Erzählung ebenso bestimmt wie ihre Wärme.
Im Mittelpunkt der Themen stehen Freundschaft, Selbsttäuschung und die heitere Kunst, mit Unzulänglichkeiten zu leben. Das Boot wird zur Bühne, auf der Ordnungsliebe und Improvisationslust miteinander ringen, während der Fluss als ruhige Instanz Gelassenheit einfordert. Die Natur erscheint nicht als romantische Übermacht, sondern als Gegenwelt zur Stadt, die Wahrnehmung schärft und den Takt verlangsamt. Ebenso präsent ist die sanfte Parodie der Ratgeber- und Reisehandliteratur, deren belehrender Ton sich an der Praxis des Alltags bricht. Aus all dem formt das Buch ein Porträt gewöhnlicher Menschen, die im Scheitern ihre liebenswürdige Menschlichkeit entdecken.
Der historische Hintergrund verankert das Werk in einer Phase, in der die britische Mittelklasse Freizeit neu entdeckte und die Themse zum beliebten Erholungsraum wurde. Boote, Picknicks und Ausflugsführer prägten die Saison, und genau diese Kultur nimmt Jerome mit leichter Hand aufs Korn. Gleichzeitig macht er zeitgenössische Gesundheitsmoden und die Tendenz zur Selbstdiagnose sichtbar, ohne moralisierend zu werden. Die gleichbleibende Aktualität ergibt sich aus der nüchternen Beobachtung, dass Effizienzdenken und Erholungssehnsucht oft im selben Kopf wohnen. Das Buch dokumentiert damit ein Lebensgefühl seiner Epoche und durchleuchtet es mit einer Komik, die erstaunlich gegenwartsnah klingt.
Als Leseerlebnis bietet der Text eine Balance aus Bewegung und Verweilen: Szenen wechseln zwischen Manöver und Muße, zwischen organisatorischem Eifer und kontemplativem Schauen. Der ruhige Pulsschlag des Flusses überträgt sich auf die Erzählung, die in weichen Übergängen vom Komischen ins Nachdenkliche gleitet. Man begleitet Menschen, nicht Abenteurer, und gewinnt gerade daraus Nähe. Die Details der Ufer, das Wetter, die kleinen Handgriffe des Lagerlebens werden so anschaulich, dass man sich als Mitfahrerin oder Mitfahrer fühlt. Humor entsteht ohne Spottlust; das Lachen wärmt, statt zu verletzen, und verleiht dem Buch seine beständige Leichtigkeit.
Für Leserinnen und Leser heute bleibt Drei Mann in einem Boot relevant, weil es eine vertraute Zerrissenheit adressiert: den Wunsch nach Entschleunigung bei gleichzeitigem Drang, alles richtig zu machen. Die Erzählung zeigt, wie gemeinsames Tun Bindung stiftet, wie Misserfolge erträglich werden, wenn man sie mit Humor teilt, und wie Natur Erfahrung ohne große Theorien ermöglicht. Sie erinnert daran, dass Gelassenheit nicht perfekt geplant werden kann. Wer sich auf diese Reise einlässt, findet kein Abenteuerdrama, sondern eine kluge Schule der Aufmerksamkeit, in der Lachen, Freundschaft und Maßhalten das einfache Glück neu beleuchten.
Jerome K. Jeromes humoristischer Reisebericht Drei Mann in einem Boot, zuerst 1889 veröffentlicht, schildert aus der Ich-Perspektive eines Erzählers namens J. einen Ausflug auf der Themse. Gemeinsam mit seinen Freunden Harris und George sowie dem Terrier Montmorency sucht er Erholung von städtischer Nervosität, Arbeitstakt und übersteigertem Pflichtgefühl. Aus der Entscheidung für eine Bootstour entspringen die Grundkonflikte des Buches: der Wunsch nach Einfachheit gegen praktische Unzulänglichkeit, Natursehnsucht gegen Komfortbedürfnis, Freundschaft gegen Reizbarkeit. Jerome verbindet Komik mit Beobachtungsgabe und eröffnet eine Folge episodenhafter Szenen, in denen Reise, Selbstironie und Kommentare zum bürgerlichen Leben der Zeit miteinander verflochten werden.
Die Vorbereitung der Unternehmung liefert den ersten komischen Brennpunkt. Beim Packen streiten die Freunde über Notwendiges und Überflüssiges, über Ordnung, Verantwortlichkeiten und die richtige Ausrüstung. Ein wackeliger Kompromiss entsteht, der bereits das Muster künftiger Pannen erkennen lässt. Sie stechen flussaufwärts in See, von der Gegend um Kingston aus, und tasten sich durch Schleusen und enge Uferpassagen. Reibereien um Kurs, Tempo und Knoten lösen wechselnde Allianzen aus. Zugleich deutet J. an, dass die Tour nicht nur Fortbewegung ist: Nebenbei fließen Erinnerungen, Stadt-Land-Vergleiche und historische Splitter ein, die das erzählerische Tempo bewusst unterbrechen und erweitern.
Die ersten Tage bringen die Routine und die Reibflächen des Bootslebens hervor. Das Aufstellen des Zelts gerät zur Prüfung für Geduld und Handwerk, das Kochen zur Quelle fortlaufender Missverständnisse, bei denen Planung und Ausführung nie recht zusammenfinden. Montmorency sorgt als temperamentvolle Begleitung für zusätzliche Unruhe. Immer wieder lässt J. die Handlung ruhen, um die Uferlandschaft und ihre Geschichten zu skizzieren: Schlösser, Wege und Orte entlang der Themse werden zum Anlass kleiner Essays über Vergangenheit und Gegenwart. Der Wechsel von Episoden und Abschweifungen etabliert die Komik als Beobachtungstechnik und zeigt, wie Wahrnehmung unterwegs vom Rhythmus des Flusses geprägt wird.
Ein strukturierender Moment ist Georges verspätetes Dazustoßen, bedingt durch seine Arbeit in der Stadt. Mit ihm verschiebt sich das Gruppengefüge, neue Zuständigkeiten und neue Reibungen entstehen. Die drei messen sich unausgesprochen an Rollenbildern: der organisierende Praktiker, der belesene Kommentator, der unermüdliche Vermittler. Auf dem Fluss begegnen sie Ausflüglern, Anglern und gemächlichen Lastkähnen; Fragen der Rücksicht, des Vortritts und der Etikette liefern Stoff für Satire auf bürgerliche Selbstdarstellung. Zugleich erproben die Freunde, wie sehr Erholung Planung erfordert. Aus kleinen Fehltritten werden Muster, aus Späßen kleine Machtproben, ohne dass die Grundsympathie in der Gruppe verlorengeht.
Je weiter sie stromaufwärts gelangen, desto deutlicher mischt sich zur Heiterkeit eine nachdenkliche Note. Die Strömung wird kräftiger, die Navigation anspruchsvoller, und plötzliche Wetterwechsel stellen die Geduld auf die Probe. In ruhigeren Abschnitten lässt J. Erinnerungsbilder aufsteigen, in denen frühere Besuche, vergängliche Bekanntschaften und melancholische Einfälle mitschwingen. Die Landschaft jenseits der Vororte wirkt zugleich einladend und fremd; sie schlägt Brücken zwischen persönlicher Erfahrung und kollektiver Geschichte. Das Boot wird zur Bühne für Sinnfragen: Wie viel Einfachheit trägt, wie viel Planung erstickt Spontaneität, und wie verändert die Naturwahrnehmung den Blick auf routinierte städtische Lebensweisen?
Mit zunehmender Dauer häufen sich die Unbequemlichkeiten, die zunächst komisch wirken und dann die Stimmung spürbar drücken. Dauerregen, feuchte Kleidung und mühsame Manöver an Schleusen lassen die Widersprüche zwischen Idealbild und Realität hervortreten. Auf dem belebteren Flussabschnitt entstehen Reibungen mit schnelleren Dampfbooten, und die Freunde diskutieren Sicherheit, Rücksicht und Eigenverantwortung. Montmorency bleibt Unruhe- und Trostspender zugleich. Allmählich reift die Einsicht, dass Erholung nicht im heroischen Ausharren liegt, sondern in kluger Anpassung. Die Gruppe erwägt Alternativen zum bisherigen Plan, ohne dass eine endgültige Entscheidung im Vordergrund stünde; wichtiger ist die gemeinsame Bilanz der Erfahrungen.
Am Ende bleibt der Eindruck eines vielschichtigen Zeit- und Stimmungsbilds, das Reisebericht, Freundschaftsskizze und satirische Selbstprüfung verbindet. Drei Mann in einem Boot zeigt, wie aus banalen Zwischenfällen Erkenntnisse über Maß, Rücksicht und die Kunst des Genießens entstehen. Jerome porträtiert die Freizeitkultur seiner Epoche mit einem Blick, der liebevoll und ironisch zugleich ist, und macht den Fluss zur Metapher eines beweglichen, gelassenen Lebens. Das Werk wirkt fort, weil es praktische Bewältigung und heitere Philosophie verschränkt und uns lehrt, das Unbequeme mit Humor zu rahmen, ohne die Sehnsucht nach Einfachheit aus den Augen zu verlieren.
Drei Mann in einem Boot (Three Men in a Boat) erschien 1889 in Großbritannien beim Verlag J. W. Arrowsmith und spielt auf der Thames zwischen Kingston und Oxford im späten Viktorianischen Zeitalter. Diese Zeit war von den Institutionen des Britischen Empire, der expandierenden Industriegesellschaft und einem dichten Eisenbahnnetz geprägt. Für den Fluss selbst regelte die Thames Conservancy seit 1857 Navigation, Schleusenbetrieb und Gebühren. Kulturell strukturierten Leihbibliotheken wie Mudie’s Select Library den Buchmarkt, während W. H. Smith mit Bahnhofsbuchläden die Verbreitung populärer Titel erleichterte. In diesem Umfeld wurde humoristische Reiseliteratur zu einem verbreiteten, respektablen Genre für die wachsende Mittelschicht.
Das späte 19. Jahrhundert sah einen deutlichen Ausbau bürgerlicher Freizeit. Der Bank Holiday Act von 1871 etablierte gesetzliche Feiertage, und der halbfreie Samstag setzte sich in vielen Branchen durch, was Kurzreisen begünstigte. Entlang der Thames entstanden Bootsverleihe, Uferpromenaden und Gasthäuser, die auf Wochenenderholung ausgerichtet waren. Firmen wie Salter Bros. in Oxford boten seit den 1850er Jahren Boote zur Miete an; Dampfschiffe ergänzten das Angebot, wurden jedoch durch Vorschriften der Thames Conservancy in ihrer Geschwindigkeit begrenzt. Rudervereine und Regatten, allen voran die seit 1839 bestehende Henley Royal Regatta, verankerten den Fluss als Bühne bürgerlicher Geselligkeit und sportlicher Repräsentation.
Die Attraktivität des Flusses als Erholungsraum stand im Zusammenhang mit städtischen Infrastrukturreformen. Nach der Great Stink von 1858 leitete das Metropolitan Board of Works unter Joseph Bazalgette den Bau großräumiger Abwassersysteme und Embankments ein, darunter die 1870 vollendete Victoria Embankment. Diese Maßnahmen reduzierten Geruchsbelastungen im Stadtzentrum und verbesserten die Wahrnehmung der Themse als öffentlicher Raum. Stromaufwärts entwickelten sich Orte wie Richmond, Twickenham und Marlow zu leicht erreichbaren Ausflugszielen, begünstigt durch die Eisenbahn und neue Uferanlagen. Die Kombination aus sanitären Verbesserungen und urbaner Expansion schuf Voraussetzungen, unter denen Flussfahrten als saubere, geordnete und zugleich naturnahe Freizeitform galten.
Auch die Verkehrsmittel veränderten den Zugang zur Landschaft grundlegend. Die großen Bahngesellschaften verbanden London mit Windsor, Maidenhead, Reading und Oxford; Ausflugsfahrkarten und dichte Fahrpläne ermöglichten spontane Reisen. Auf der Thames selbst modernisierten Schleusen und Wehre den Verkehr, angefangen mit frühen Kammerschleusen wie Teddington Lock, das seit dem 19. Jahrhundert ausgebaut wurde. Menschliche Muskelkraft, Segel und Dampf konkurrierten; für Dampfschiffe galten Beschränkungen, um Ruderer und kleinere Boote zu schützen. Wegweiser, Flusskarten und amtliche Regeln gaben dem Gewässer einen stark regulierten Charakter, der gleichwohl Raum für kontemplatives Reisen ließ und den Hintergrund für satirische Beobachtungen der Alltagsorganisation bildete.
Die Veröffentlichung fiel in eine Blütezeit populärer Druckkultur und satirischer Prosa. Zeitschriften und humoristische Bände erfreuten sich dank hoher Alphabetisierung und günstiger Buchpreise großer Nachfrage. Jerome K. Jerome hatte mit Idle Thoughts of an Idle Fellow (1886) bereits ein Lesepublikum gewonnen; Drei Mann in einem Boot wurde 1889 mit Zeichnungen von A. Frederics herausgegeben. Leihbibliotheken und Bahnhofsbuchhandlungen verbreiteten das Werk rasch. International prägte die Berner Übereinkunft von 1886 den Urheberrechtsschutz, den nicht alle Länder sofort übernahmen; dies beeinflusste die Kontrolle über Nachdrucke britischer Autoren im Ausland. Die Marktdynamik begünstigte unterhaltsame Reisebücher mit episodischer Struktur und pointiertem Ton.
Der Erzählraum bündelt Orte, die im viktorianischen Geschichtsbewusstsein eine besondere Rolle spielten. Hampton Court mit Tudor- und Barockarchitektur, die Gegend um Runnymede als Erinnerungsort der Magna Carta und die Colleges von Oxford galten als Stationen nationaler Identität. Zeitgenössische Reisende nutzten Handbücher wie Murray’s Handbooks oder die Baedeker-Führer, die Fakten, Routen und Anekdoten lieferten. Parallel wuchs das bürgerschaftliche Engagement für Denkmalschutz, sichtbar etwa in der 1877 gegründeten Society for the Protection of Ancient Buildings. Das Buch greift diese dichte Landschaft aus Geschichte, Tourismus und Belehrung auf und kontrastiert sie mit alltäglichen Perspektiven der Freizeitpraxis.
Das späte Viktorianische England definierte Freizeit durch Respektabilität, Mäßigung und Vereinswesen. Die Temperenzbewegung prägte Debatten über Alkoholkonsum; mit dem Licensing Act von 1872 wurden Schankzeiten und Verstöße strenger reguliert, obgleich Gasthäuser entlang des Flusses fester Bestandteil des Ausflugserlebnisses blieben. Kleidungs- und Verhaltensnormen zeigten sich in der Bootskultur: gestreifte Vereinsjacken, Boater-Hüte und farbige Bänder markierten Zugehörigkeiten, während Etikette bei Begegnungen auf dem Wasser erwartet wurde. Das Werk spiegelt diese Konventionen, indem es Situationen des Ausflugslebens schildert, ohne das soziale Gefüge zu verlassen, das durch Höflichkeit, Pünktlichkeit, Regelbefolgung und humorvolles Kommentieren von Pannen strukturiert war.
Vor diesem Hintergrund fungiert Drei Mann in einem Boot als zeitgenössischer Kommentar zur spätviktorianischen Kultur der Binnenreise. Es verbindet genaue Beobachtungen von Infrastruktur, Regulierung und touristischer Inszenierung mit Humor, der bürgerliche Routinen, Belehrungsansprüche und Technikbegegnungen pointiert. Ohne die Handlung im Einzelnen vorwegzunehmen, lässt sich festhalten, dass das Buch weniger eine Abenteuererzählung als eine Momentaufnahme der Alltagsmoderne entlang der Thames bietet. Seine anhaltende Popularität verdankt sich der anschaulichen Darstellung eines Milieus, in dem neue Freizeitrechte, geordnete Natur und historisches Erbe ineinandergreifen, und der sanften Ironie gegenüber den Selbstverständlichkeiten der Epoche. Damit bleibt es eine wichtige Quelle für die Kulturgeschichte des späten 19. Jahrhunderts.
Wenn man den Lesern einen Schriftsteller förmlich vorstellt, so wollen sie allemal ganz genau wissen, wen sie vor sich haben; namentlich wenn's ein Ausländer ist. Da wäre denn zunächst zu verzeichnen, daß Jerome Klapka Jerome am 2. Mai 1859 in Walsall geboren ist, einer richtigen englischen Fabrikstadt, und zwar in einem Pfarrhause. Das ist schon sehr absonderlich für einen Humoristen. Rauchende Fabrikschlote und Frömmigkeit von Berufs wegen sind eigentlich nicht die Umgebung, die der Entwicklung von Humor förderlich sind. Ohne Zweifel hat der junge Jerome weder für das eine noch für das andere viel Neigung verspürt. Denn er begann beizeiten seinen Beruf zu verfehlen. Kaum aus der Schule heraus, war er Angestellter in einem Geschäft. Darauf versuchte er sich als Schulmeister. Danach wurde er Schauspieler und Journalist, um dann endlich den Sprung zur Literatur zu wagen. Mit 27 Jahren veröffentlichte er sein erstes Buch, das nicht viel Beachtung fand. Das ging noch einigen andern Büchern so. Erst sein Buch: »On the stage and off« (Auf der Bühne und außerhalb) aus dem Jahre 1888, worin er seine Bühnenerfahrungen verwertete, trug ihm einigen Erfolg ein. Ihm folgte im Jahre darauf mit steigendem Erfolg ›Idle thoughts of an idle fellow‹ (Müßige Gedanken eines müßigen Menschen) und im Jahre 1889 ›Three men in a boat‹, das der erste ›Schlager‹ war; um ein Lieblingswort aus dem Bühnen-Deutsch zu gebrauchen. In den neunziger Jahren entfaltete er zugleich eine außerordentlich rege Redaktionstätigkeit an den bekannten Blättern ›The Idler‹ und ›To-day‹. Nach dem großen Erfolge von ›Three men in a boat‹ sprudelte sein literarischer Quell mit erstaunlicher Ergiebigkeit. Buch auf Buch folgte, ohne daß eins davon den Erfolg des vorliegenden Buches zu erreichen vermochte. Viel gelesen wurde noch eine Art Seitenstück zu ›Three men in a boat‹, das den Titel führt ›Three men on a bummel‹. Jerome schildert hierin eine lustige Fahrt durch Deutschland und hat dafür das deutsche Wort ›Bummel‹ in die englische Sprache aufgenommen, um die sorglos-gemütlich genießende Art des Reisens zu kennzeichnen.
In den letzten Jahren hat sich Jerome auch der Bühne zugewandt. Auch hier ist ihm ein großer Erfolg beschieden gewesen und zwar, seltsam genug, mit einem ernsten Stück, das den Titel ›The passing of the third floor back[1]‹ führt; entstanden ist es im Jahre 1907. Es schildert die Wandlung und Besserung einer Anzahl von moralisch wertlosen Menschen, die ein Pensionat im dritten Stockwerk eines Hauses nach hinten heraus bewohnen. Ihre geistige Wandlung vollzieht sich durch den Einfluß eines fremden Gastes von hoher sittlicher Kraft, der zuletzt Christuszüge erhält und als Christus aufgefaßt werden kann.
Die meisten Leute sind sehr erstaunt, wenn ein Humorist auch mal ein ernstes Gesicht macht. Allzu viele verbinden mit dem Begriff Humorist gern den Begriff Clown oder Spaßmacher um jeden Preis. Aber sie vergessen, daß der echte Humor doch schließlich aus dem Gemüt wächst und daß man als das Merkmal des echten Humoristen die Gabe betrachtet, unter Tränen lachen zu können. Ich erinnere daran, welche feinen, weichen und erschütternden Herzenstöne einem Reuter und einem Dickens zu Gebote standen – zwei so echte und große Humoristen, wie sie die Welt je gesehen hat. Es scheint sogar, daß der Humorist ein geradezu unwiderstehliches Verlangen hat, gelegentlich ganz ernsthaft zu sein, wie wenn er zeitweilig seiner selbst überdrüssig wäre. Immer ernsthaft zu sein ist jedenfalls leichter als immer scherzhaft zu sein. Der immer Ernsthafte mag manchmal langweilig wirken, der immer Scherzhafte wird aber sicher oft unausstehlich werden. Das hat wohl auch Jerome gefühlt. Er hat ernsthafte Geschichten geschrieben, die mit zu dem Allerbesten in ihrer Gattung gehören, die aber nur von den Kennern geschätzt werden. Die große Masse geht an ihnen vorüber, weil Jerome nun einmal als Humorist abgestempelt ist. Das ist die Tragik des Humoristen. In diesen Schöpfungen gehören die Geschichte von »Paul Kelver« sowie die drei Geschichten »John Ingerfield«, »The Woman of the Saeter« und »Silhouettes« in dem Buche »John Ingerfield and other stories«. Jerome selber hat diese Tragik des Humoristen oft genug zu kosten bekommen und macht daher den Leser in einem Vorwort zu einem Neudruck des letztgenannten Buches eigens darauf aufmerksam, daß die drei erwähnten Geschichten nicht humoristisch seien. Er erzählt dabei, wie er einmal eine ernste Geschichte von einer Frau geschrieben habe, die von einer Riesenschlange zermalmt wurde. Am Tage nach der Veröffentlichung traf er einen Freund, der zu ihm sagte: »Reizende kleine Geschichte – die von der Frau und der Riesenschlange; aber sie ist nicht so komisch wie Ihre andern Geschichten!« So geht's einem Schriftsteller, der in dem Geruch steht, humoristisch zu sein. Mark Twain wollte einmal in einer Mädchenschule ein ernstes Gedicht vorlesen, mußte aber damit aufhören, weil die Mädchen nicht aus dem Lachen herauskamen. Und gerade bei den unschuldigen Kindern hatte er geglaubt auf Verständnis rechnen zu können. Ich selbst erinnere mich einer Beerdigung, wo die Leidtragenden in die peinlichste Verlegenheit gerieten, weil ein bekannter Humorist eine Grabrede hielt, die bei ihm wie das Gegenteil wirkte.
Wenn einer den Namen Jerome ausspricht, so wird er sicherlich sofort zu hören bekommen: »Ach – der Verfasser von ›Drei Mann in einem Boot‹! Kenne ich! Ganz famos!« Und wirklich – dieses Buch ist es, das Jeromes Namen zu einem Weltnamen gemacht hat. Es gehört zu den meistgelesenen Büchern der Weltliteratur. Auf den ersten Blick erscheint das nicht leicht verständlich. Ein an sich harmloseres – oder ich will sagen unschuldigeres – Buch ist nie geschrieben worden. Was ist sein Inhalt? Ja, das eben ist die größte Schwierigkeit: der Inhalt! Genau genommen hat es gar keinen. Jerome selber sowie seine Freunde George und Harris fassen eines Tages den Entschluß, ein Boot zu mieten und mit dem Hund, der auf den lachhaft pompösen Namen Montmorency hört, einen vierzehntägigen Ausflug die Themse hinauf zu machen, weil sie eine Erholung bitter nötig hatten. Sie führen den Entschluß aus und kehren nach einiger Zeit wieder nach London zurück. Das ist der ganze Inhalt! Ist etwas Dürftigeres denkbar? Aber nach dem Inhalt darf man nicht fragen. Nicht das Was, sondern das Wie ist hier die Hauptsache. Der Reiz des Buches liegt in den drolligen Abenteuern, die die drei während ihrer Fahrt erleben, und in dem Humor, mit dem diese Abenteuer geschildert werden. Man wird gelegentlich etwas an den seligen Stinde und seine Familie Buchholz erinnert oder an die Humoresken von Busch; manchmal wieder leuchtet Dickensscher oder Reuterscher Humor auf – von jener Art, die in einem leisen schalkhaften Lächeln um die Mundwinkel herum oder in einem spitzbübischen Augenzwinkern so viel auszudrücken weiß. Doch das muß jeder selber lesen. Zwischendurch ziehen sich zahllose heitere Anekdoten, von denen Jerome ein unendliches Lager besitzt. Auch Mark Twain war bekanntlich ein glänzender Anekdoten-Erzähler. Aber Jerome will zugleich belehren. Daher versäumt er nicht, wo immer sie in ihrem Boot an historischen Stätten vorüberkommen, Vorgänge von Wichtigkeit aus der englischen Geschichte in Erinnerung zu bringen – freilich immer in seiner besonderen drolligen Weise, nicht lehrhaft trocken. So ergibt sich alles in allem ein Buch von ganz eigenem Charakter: ein liebliches Sommeridyll, farbig und fesselnd und von echt englischem gemütlichen Humor verklärt.
Von Humoristen heißt es gewöhnlich, sie seien auch persönlich die angenehmsten Leute – was ernstere Schriftsteller nicht immer sind; manche von diesen nehmen sich allzu ernst. Auf Jerome trifft diese Ansicht sicherlich zu. Jeder, der ihn einmal persönlich kennen gelernt hat, schildert ihn als einen »famosen Kerl« – oder wie der Engländer sagt: »a jolly good fellow«. Er wohnt in einem romantischen alten Haus in Wallingford an der Themse, mit Frau und zwei Töchtern; eine davon ist adoptiert. Es ist das denkbar glücklichste Familienleben, von jener ungezwungenen herzlichen Natürlichkeit des Verkehrs, wie sie so oft in guten amerikanischen Familien zu finden ist. Und diese Gastlichkeit! Im Sommer zumal sind oft ein halb Dutzend Kameraden von der Feder bei ihm zu Gast und essen, trinken und dichten in seinem Hause, wie wenn es ihr eigenes wäre. Immer ist er der liebenswürdigste Mensch, dessen Augen in einem sonnigen Lächeln erstrahlen, wenn man mit ihm spricht. Seine ganze Persönlichkeit ist Gesundheit – außen und innen; außen kenntlich durch die frische Farbe des wohlwollenden, glatten Schauspielergesichts, innen durch die Fröhlichkeit und Natürlichkeit seiner Lebensanschauungen. Jerome, der Mensch, und Jerome, der Schriftsteller, sind ein harmonisches Ganzes: ein Optimist, ein heiterer Lebensbejaher ohne Schminke, ohne Pose.
Henry F. Urban
Wir waren unsrer viere – Georg William, Samuel Harris, meine Wenigkeit und Montmorency[2] – und saßen zusammen in meiner Wohnung, rauchten Zigarren und Pfeifen, und unterhielten uns von der Verderbtheit unserer Naturen – Verderbtheit in gesundheitlicher Beziehung meine ich natürlich.
Wir fühlten uns allesamt mit Übeln behaftet, was uns entschieden in eine nervöse Aufregung versetzte. Harris sagte, er bekomme öfters solche außerordentliche Schwindelanfälle, daß er kaum mehr wisse, wo ihm der Kopf stehe; dann sagte Georg, auch er habe Schwindelanfälle, daß er kaum mehr wisse, wo ihm der Kopf stehe. Bei mir war es die Leber, die nicht in Ordnung war. Ich war sicher, daß meine Leber nicht in Ordnung wäre, da ich gerade vorher ein Zirkular[3] über patentierte Leberpillen gelesen hatte, worin die verschiedenen Symptome ganz genau angegeben waren, an denen man ganz sicher erkennen konnte, ob die Leber in Ordnung sei oder nicht. Alle diese Symptome zeigten sich bei mir.
Es ist wirklich äußerst merkwürdig, daß ich niemals die Ankündigung irgendeines patentierten ärztlichen Mittels habe lesen können, ohne sofort zu der Überzeugung zu gelangen, ich leide in hohem Grade an dem besonderen Übel, wofür in dem angekündigten Mittel die Heilung angeboten wurde. Die Diagnose scheint in jedem Fall mit meinen spezifischen Empfindungen übereinzustimmen. Ich erinnere mich, daß ich eines Tages ins Britische Museum[5] gegangen war, um dort die Behandlung eines leichten Übels – ich glaube, es war Heuschnupfen[6] – nachzulesen. Ich holte mir das betreffende Buch herunter und las alles, was darüber zu lesen war; dann wandte ich gedankenlos und nachlässig das Blatt um und begann gleichgültig andere Krankheiten zu studieren. Ich habe vergessen, welche Krankheit mir zuerst aufstieß; ich weiß nur noch, daß es eine fürchterliche, pestartige Krankheit war; und ehe ich auch nur die Hälfte der allgemeinen Kennzeichen gelesen hatte, war ich schon überzeugt, daß ich davon befallen sei. Ich saß eine Weile völlig erstarrt vor Schrecken; dann las ich in stiller Verzweiflung die folgenden Seiten. Ich kam zum Typhus, las seine Merkmale, und nahm sofort wahr, daß ich das Nervenfieber habe, daß ich es bereits seit Monden haben müsse, ohne eine Ahnung davon gehabt zu haben. Ich war nun in der Tat neugierig, was mir wohl sonst noch fehlen möchte; so kam ich zum Veitstanz[7]; wie ich nicht anders erwartet hatte, hatte ich den auch. Jetzt interessierte mich mein ganz eigentümlicher Fall, und ich beschloß nun, ihn bis auf den Grund zu untersuchen. So nahm ich denn die verschiedenen Krankheiten in alphabetischer Reihenfolge durch und fand, bei A anfangend, Agne[8] (kaltes Fieber) und machte die Bemerkung, daß ich auch daran leide, und daß die Krisis in etwa 14 Tagen eintreten werde. Die Brightsche Krankheit[9] hatte ich, zu meiner großen Erleichterung, nur in schwachem Grade, und in betreff dieser hätte ich noch manches Jahr leben können. Cholera dagegen hatte ich schon mit ernsteren Komplikationen, und Diphtheritis war mir, wie es schien, angeboren. Gewissenhaft drang ich bis ans Ende der 26 Buchstaben, und die einzige Krankheit, von welcher ich annehmen konnte, verschont zu sein, war Kindbettfieber.
Darüber war ich nun anfangs etwas verletzt; es schien mir dies eine Vernachlässigung! Warum hatte ich nicht auch Kindbettfieber? Nach einer Weile jedoch überkamen mich weniger streitbare Gefühle! In Erwägung, daß ich doch jede andere bekannte Krankheit hatte, wurde ich weniger selbstsüchtig in betreff des Kindbettfiebers und beschloß, darauf zu verzichten! Die Gicht auch, in ihrem bösartigsten Auftreten, hatte mich unbewußt in Beschlag genommen, und an Zymosis[10] hatte ich seit meiner Knabenzeit gelitten!
Da nach Zymosis keine weiteren Krankheiten mehr angeführt waren, so schloß ich daraus, daß ich nun auch mit keiner weiteren behaftet sei.
So saß ich denn eine gute Weile und dachte nach. Ich fand, was für ein interessanter Fall ich in ärztlicher Hinsicht jedenfalls sein müsse und welch eine Akquisition ich z. B. für die Untersuchung in einer Klinik abgeben würde. Die Studenten würden nun nicht mehr nötig haben, zu ihrer Belehrung von einem Spital in das andere zu laufen, wenn sie mich hatten. Ich war ein ganzes Spital – ich ganz allein[7q]. Alles, was sie fernerhin zu tun haben würden, wäre, mich anzusehen und nachher ihr Examen zu machen.
Dann interessierte es mich, zu erfahren, wie lange ich überhaupt noch zu leben haben würde. Ich fühlte meinen Puls – zuerst konnte ich gar keinen Puls bei mir finden. Dann schien er plötzlich mit Schlagen anzufangen. Ich zog meine Uhr heraus und zählte. Er machte 147 Schläge in der Minute! Dann wollte ich den Herzschlag prüfen; ich fand mein Herz nicht! Es hatte aufgehört zu schlagen! Ich bin seither zu der Ansicht gekommen, daß ich damals doch wohl ein Herz besessen haben muß, welches schlug – aber ich kann nicht dafür einstehen. Ich befühlte meine ganze Vorderseite von dem Teil an, den man züchtig »Taille« nennt, bis zum Kopf, strich an den Seiten und außerdem ein Stück den Rücken hinauf, aber ich konnte nichts von einem Herzen weder fühlen noch hören. Dann versuchte ich, meine Zunge zu besehen, streckte sie heraus, soweit ich konnte, und machte, um schärfer zu sehen, ein Auge zu. Ich konnte nur die Spitze sehen, und das einzige, was ich aus dieser Untersuchung mit Gewißheit schöpfte, war, daß ich das Scharlachfieber hatte.
Als gesunder, glücklicher Mann hatte ich dieses Lesezimmer betreten, als ein elender, gebrochener Patient kam ich wieder heraus[8q].
Ich beschloß zu meinem Arzte zu gehen. Er ist ein alter Kamerad von mir; er pflegt mir den Puls zu fühlen, die Zunge zu besehen und mit mir vom Wetter und andern Allotrias zu sprechen, wenn ich zu ihm komme und meiner Einbildung nach krank bin, und das alles ganz umsonst.
