DREILÄRCHEN - W.E. Scurheim - E-Book

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W.E. Scurheim

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Beschreibung

DREILÄRCHEN erzählt die Geschichten von Bissula und Thea. Beide Frauen sind im "Land der Quellen“ geboren und verlassen auf der Suche nach dem Lebensglück ihre Heimat. Bissula geht um 400 nach Christus zu den Hochzeiten Roms nach Süden. Thea hingegen verlässt Dreilärchen 1500 Jahre später und wendet sich nach Norden. Zwei sich spiegelnde Lebenswege, schicksalhaft, spannend und intensiv.

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Seitenzahl: 141

Veröffentlichungsjahr: 2014

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www.tredition.de

W.E. Scurheim

DREILÄRCHEN

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© 2014 W.E. Scurheim

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback:

978-3-7323-1406-5

Hardcover:

978-3-7323-1407-2

e-Book:

978-3-7323-1408-9

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

in memoriam

Beatrice und Benjamin

Land der Quellen

Die „Orange“

Elefanten

Axel

Dreilärchen

Thea

Tim

Kurze Ehe

Rastlos

Berlin

Land der Quellen

Mit dem Begriff »Schwarzwald« sind seit langer Zeit Bilder einer Mittelgebirgslandschaft mit großen, dunklen, ausgedehnten Wäldern, tief eingeschnittenen Tälern und den so typischen Schwarzwaldhöfen mit weit herunter gezogenen Dächern verbunden. Kuckucksuhren, Schwarzwälder Schinken und die »Bollenhüte« der traditionellen Tracht mit den roten Bollen der unverheirateten Damen und den schwarzen Bollen der verheirateten werden gerne mit der Region Schwarzwald assoziiert.

Die Menschen verbinden mit dem Schwarzwald ebenso Impressionen von tiefen, zerklüftet-felsigen, engen Tälern wie dem Höllental, Wasserfällen in unzugänglichen, naturbelassen bewaldeten Steilhängen und saftig-grünen Weiden des Milchviehs welche sich in sanften Wölbungen aus dem rauen Klima des felsigen Waldgebietes zur Rheinebene mit ihrem milden, fast mediterranen Klima hin absenken.

Welche Bilder aber erheben sich vor dem inneren Auge derjenigen welche den Begriff »Baar« zum ersten Mal hören? Viele denken da wohl spontan an eine Bar im gastronomischen Sinn oder an bar im Sinne von Bargeld oder vielleicht sogar an bar wie barfuß.

Aber Baar mit zwei »a«?

Wer in der Gegend geboren ist, schon länger dort lebt oder vielleicht einmal dort Urlaub verbracht hat, kennt die Baar mit zwei »a« sehr wohl als Region.

Die Baar ist eine auf etwa 600 bis 900 Meter über dem Meeresniveau gelegene Hochebene in Südwestdeutschland. Begrenzt wird sie durch die südöstlichen Ausläufer des Schwarzwaldes im Westen und dem »Großer Heuberg« genannten südwestlichen Teil der Schwäbischen Alb im Osten. Im Süden grenzt die Baar an den Randen. Einen plateauartigen Höhenzug dessen größter Teil im Schweizer Kanton Schaffhausen liegt. Ein kleiner Teil im Norden, der Hohe Randen, der auch die höchste Erhebung des Randen mit 930 m ü. M. enthält, befindet sich in Baden-Württemberg bei Fützen.

Die Baar oder auch Baar-Hochmulde ist schon sehr lange ein naturräumlich begünstigtes Gebiet, das dank seines großen Wasserreichtums seit alters her für Menschen und Tiere gute Lebensbedingungen bietet. Das sind sicher Gründe dafür, dass sich Menschen zunächst eher auf der Baar ansiedelten als im hohen, feucht-dunklen Schwarzwald oder auf den eher trockenen Höhen der Schwäbischen Alb. Zudem war die Baar-Landschaft nicht erst in Zeiten der Völkerwanderung ein günstiges Durchreiseland, denn Wasser sichert Überleben, Wasserläufe geben Orientierung und von beidem gibt und gab es auf der Baar mehr als andernorts.

Archäologische Funde in vielen Museen der Städte und Gemeinden auf der Baar liefern zahlreiche Belege für eine sehr frühe Besiedlung der Region. In einem Moor bei Schwenningen wurde beispielsweise der Beckenknochen eines Auerochsen gefunden. In ihm steckte eine abgebrochene Speer- oder Pfeilspitze aus Feuerstein. Dessen Datierung ergab ein Alter von 10.000 Jahren und belegt damit die Besiedelung der Region durch Menschen vor mindestens ebenso langer Zeit.

Weitere besondere Funde der Archäologie auf der Baar sind die »Trossinger Harfe« eine sechssaitige Lyra aus einem alemannischen Adelsgrab des 6. Jahrhunderts in Trossingen sowie 7 vollständige Skelette von Plateosaurus trossingensis (160 Mio. Jahre alt) im Knollenmergel des Keupers ebenfalls in Trossingen und 36 Skelette von Mastodonsaurus cappelensis (220 Mio. Jahre alt) aus dem Buntsandstein bei Kappel.

Was aber hat das alles nun mit dem Wort »Baar« als Bezeichnung zu tun? Hinterfragt haben diesen Begriff wohl nur ganz wenige. Dabei lohnt sich der Blick in die sprachliche Geschichte bei der »Baar« ganz besonders, denn Baar heißt soviel wie - Land der Quellen!

Sprachforscher haben herausgefunden, dass das Wort „Baar“ auf eine uralte Sprachwurzel zurückgeht, nämlich auf das indogermanische beziehungsweise vorkeltische „bher“, was so viel bedeutet wie Quelle. So ist sehr authentisch belegt, dass die Baar schon in frühester Zeit als ein Land der Quellen bekannt war.

Die historische Donauquelle im Schlosspark der Fürsten Fürstenberg zu Donaueschingen im ehemals Badischen ist eine der bekanntesten und schönsten Quellen in ganz Deutschland - vor allem aber eine der vielen schönen und interessanten Quellen im Schwarzwald-Baar-Kreis. Ihr Gegenstück im ehemals württembergischen Teil des Landkreises ist die Quelle des Neckars - diese tut es der Donauquelle fast gleich, weist doch auch sie inzwischen mehrere Verortungen auf.

Neben dem Neckarursprung im Schwenninger Moos gibt es noch den historischen Quellstein im früheren Schwenninger Stadtpark auf der Möglingshöhe und die neu gefasste Quelle beim Möglingssee. Als größter Nebenfluss des Rheins in Baden-Württemberg durchströmt der Neckar beinahe das gesamte Bundesland - und ist bundesweit betrachtet der viertgrößte Zufluss des Rheins sowie der zwölft längste Fluss in ganz Deutschland.

Neben diesen beiden „Großen“ Quellen, der Donauquelle und der Neckarquelle, bietet das Quellenland Baar noch eine ganze Reihe kleinerer Quellen die von eher regionaler Bedeutung sind. Brigach und Breg, die nach dem alten Kinderspruch die Donau zu Weg bringen, kennt fast jeder, doch werden nur wenige auf Anhieb die Quellen der Gutach, der Elz und der Schiltach finden.

Während die Donau mit ihren Quellflüssen Brigach und Breg ihre Wasser Richtung Osten zum Schwarzen Meer schickt, gehören der Neckar, die Gutach, die Elzach und auch die Schiltach zum Einzugsgebiet des Rheins dessen Mündung den Übergang zur Nordsee und damit zum Atlantik markiert. Verbindet man alle Punkte im Gebiet des Schwarzwald-Baar-Kreises an denen sich Regentropfen entscheiden müssen, ob sie Richtung Rhein oder Richtung Donau fließen wollen, dann bilden diese Punkte eine Linie, die das gesamte Kreisgebiet durchzieht. Unter dem Namen „Europäische Hauptwasserscheide“ oder „Europäische Kontinentalwasserscheide“ lässt sie sich durch das gesamte europäische Festland verfolgen.

Bei Furtwangen und St. Georgen im Schwarzwald entspringen die Quellflüsse der Donau, Brigach und Breg, welche sich in Donaueschingen mit dem kleineren Donaubach vereinigen. Auf der Baar liegen also die Quellen von Neckar (Schwenninger Moos) und Donau (Schlosspark Donaueschingen).

Teillandschaften der Baar sind im Westen der Baarschwarzwald, zentral die Baarhochmulde mit der Riedbaar, im Süden das Wutachland, und im Osten die Baaralb, eine durch tiefe Täler zergliederte Landschaft mit Zeugenbergen des Jura wie dem Hohenkarpfen und dem Lupfen, der als höchster Erhebung mit 977 m ü. NN als König der Baar gilt.

Die Baar als Landschaft bildet den Kernbereich der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg und umfasst den Schwarzwald-Baar-Kreis mit Ausnahme dessen nordwestlicher Gebiete. Sie beinhaltet den westlichen Teil des Landkreises Tuttlingen und den südlichsten Teil des Landkreises Rottweil und ragt im Westen bis in den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald hinein.

Die Baar zeichnet sich aus mit weiten, sanften Hügellandschaften, satten, grünen Wiesen und Leben spendenden Quellwassern. Kultivierte Landschaften des Ackerbaus und der Viehzucht, geheimnisvolle Wälder aber auch wilde, zerklüftete Flusstalabschnitte der Donau und des Neckar, hier und da wie Kulissen uralter Sagen anmutend, laden zum aktiven oder auch erholsamen Verweilen ein.

Im Jahr 368 n.Chr. kam der römische Kaiser Valentinian I auf seinem Feldzug gegen die von Norden her nach Gallien (heutiges Frankreich) ins römische Territorium eingefallenen germanischen Stämme als letzter römischer Feldherr an die Donauquellen.

Valentinian I trat früh in die römische Armee ein, wurde um 360 Tribun der scutarii (schwer bewaffnete Schild und Schwertträger) und begleitete Kaiser Julian nach Antiochia in Syrien. Er behielt seinen Posten, obwohl er sich unter dem heidnischen Herrscher weiterhin offen zum Christentum bekannte. Julian fiel 363 während eines Feldzugs gegen die Sassaniden, und nach dem überraschenden Tod seines Nachfolgers Jovian wurde Valentinian I von den Truppen am 26. Februar 364 n.Chr. zum Kaiser proklamiert. Er verstieß seine erste Frau Valeria Severa, die Mutter seines ältesten Sohnes Gratian war und heiratete Justina, welche ihm einen zweiten Sohn schenkte, Valentinian II.

Valentinian I residierte zunächst in Mailand, dann in Paris und später vor allem in Trier. Bald nach seinem Regierungsantritt ernannte er in Naissus (heute Niš in Serbien) auf Drängen des Heeres einen Mitkaiser (Augustus), nämlich seinen Bruder Valens, dem er den Ostteil des Imperiums übergab, allerdings ohne das Illyricum (Balkangebiet) und Griechenland.

Das letzte Wort behielt sich Valentinian I als senior Augustus ohnehin vor. Valens, der seinen Bruder danach nie wieder traf, wurde vor allem mit der Abwehr der persischen Sassaniden beauftragt, mit denen Jovian zwar 363 einen Frieden geschlossen hatte, mit denen aber vor allem in Armenien nach wie vor große Spannungen bestanden.

Der Versuch einer widerrechtlichen Machtübernahme durch Procopius, einem entfernten Verwandten Julians, konnte wenig später niedergeschlagen werden. Obwohl Valentinian I Christ war, kehrte er nicht zur aggressiven Christianisierungspolitik zurück, die vor allem Julians Vorgänger Constantius II. betrieben hatte, sondern gestattete faktisch eine weitgehende Religionsfreiheit.

Die inneren Wirren und Bürgerkriege, die das Römische Reich seit etwa 350 durchlebt hatte, hatten zu einer massiven Vernachlässigung der Grenzverteidigung geführt. Dies war von plündernden Kriegergruppen ausgenutzt worden.

365 eilte Valentinian daher nach Gallien, um die dort eingedrungenen Alemannen, diese nannten sich selbst Sueden woraus sich die heutige Bezeichnung Schwaben ableitet, und Burgunden zu vertreiben.

Valentinians gesamte Regierungszeit sollte von Abwehrkämpfen gegen die germanischen Krieger an Rhein und Donau geprägt sein. Die Alemannen wurden bei Charpeigne und Châlons-sur-Marne besiegt, eroberten jedoch 367 das heutige Mainz. Kurz darauf siegte Valentinian I nur unter schwersten Verlusten in der Schlacht bei Solicinium welches beim heutigen Sulz am Neckar vermutet wird. Auch über die Franken errang Valentinian I 366 einen Sieg.

Der Kaiser kombinierte eine traditionelle offensive Strategie, bei der römische Truppen aggressiv in feindliches Gebiet vordrangen und es verwüsteten, mit defensiven Maßnahmen. Er verstärkte die Grenzfestungen an Rhein, Donau und im Balkanraum mit dem Donau-Iller-Rhein-Limes was nachhaltige Wirkung haben sollte, wenngleich an eine wirkliche Verteidigung der sehr langen Grenzen aus logistischen Gründen nicht zu denken war.

Die Grenzverteidigungsstrategie Valentinians I war ansonsten aber auf eine „Vorwärtsstrategie“ und auf Abschreckung ausgerichtet: Möglichst sollten die Feinde im eigenen Gebiet geschlagen werden, bevor sie das Imperium erreichen konnten, und die römischen Truppen sollten soviel Furcht verbreiten, dass Plünderer abgeschreckt wurden. Hinsichtlich der Zurückdrängung der alemannischen Krieger, die nur unter Aufbietung aller Kräfte möglich war, kam dem Kaiser zugute, dass diese über keine zentrale Führung verfügten und oft sogar dem Kaiser ihre Dienste als foederati (Verbündete) anboten. Insgesamt gelang Valentinian eine Stabilisierung der Rheingrenze, die bis zum Rheinübergang von 406 die Lage im Nordwesten zu Gunsten Roms wendete.

Seit Juni 374 bekämpfte Valentinian in Pannonien erfolgreich über den Limes Sarmatiae einfallende Quaden und Sarmaten. Sein Hauptquartier schlug er hierfür in Brigetio auf, wo er im folgenden Jahr während der Friedensverhandlungen mit den Quaden starb. Todesursache war vermutlich ein Schlaganfall, der von einem heftigen Wutausbruch des Kaisers ausgelöst wurde.

Man sagt, dass das unverschämte Verhalten germanischer Unterhändler den Schlaganfall ausgelöst habe. Diese hätten behauptet, dass der Bau eines kaiserlichen Außenpostens auf ihrem Ufer Grund genug für sie gewesen sei, die Römer anzugreifen. Über diese Aussage soll der Kaiser derart in Zorn geraten sein, dass er kollabierte. Valentinian I starb am 17. November 375 nach mehrstündigem Todeskampf. Sein Leichnam wurde in Konstantinopel beigesetzt.

Im Jahr 368 n.Chr. also hielt sich Kaiser Valentinian I während seines Kriegszuges gegen die Germanen bei den Donauquellen auf und unter ihm beginnt die schriftlich überlieferte Geschichte der Baar mit einer starken Frau und einem Liebesgedicht.

Unter des Feldherrn Kriegsbeute befand sich auch eine germanische Leibeigene des Kaisers namens Bissula. Der früh schon verwitwete Kriegsberichterstatter und Hofdichter des Feldherrn Decimus Magnus Ausonius (310-390 n. Ch.) verliebte sich in die Frau und der Kaiser schenkte sie ihm.

Ausonius wurde 310 im heutigen Bordeaux als zweites von vier Kindern geboren. Er war der Sohn des Arztes Julius Ausonius und der Aemilia Aeonia. Während sein Vater aus kleinen Verhältnissen stammte, war die Familie seiner Mutter ein vornehmes Geschlecht der Haeduer. Seine drei Geschwister sollte er alle überleben.

Ausonius wuchs bei seiner Großmutter Aemilia Maura auf und studierte dann in seiner Heimatstadt sowie im heutigen Toulouse unter der Obhut seines Onkels Aemilius Magnus Arborius, dem er ein Dankgedicht widmete, Rhetorik und freie Künste. Ab 345 war er dort als ein angesehener Lehrer der Grammatik und Rhetorik tätig. Zu seinen Schülern zählte auch Paulinus, der spätere Bischof von Nola bei Neapel.

Seine aus einer vornehmen Senatorenfamilie stammende Ehefrau Attusia Lucana Sabina, mit der er drei Kinder hatte, starb jung mit 28 Jahren. Ihren Tod sollte Ausonius sein Leben lang bedauern.

Der im Westen Roms regierende Kaiser Valentinian I. berief Ausonius wahrscheinlich 365 an seinen Hof nach Trier, um dort am Kaiserhof eine Stelle als Lehrer und Erzieher von Valentinians ältestem Sohn Gratian anzutreten, der von Ausonius geprägt wurde. Ausonius reiste in einer Kutsche über die Römerstraße, die heute seinen Namen trägt, von Mainz über den Hunsrück nach Trier.

Nach dem kaiserlichen Feldzug gegen die Alemannen und Burgunden 365-367, an dem er als Kriegsberichterstatter teilnahm, fand er das Alemannenmädchen Bissula aus der Gegend der Donauquellen (Baar) unter der Kriegsbeute. Er verliebte sich in die Frau, und Kaiser Valentinian I. schenkte sie ihm. Ausonius heiratete sie rechtmäßig als freie römische Bürgerin und nahm sie mit nach Italien in die Gegend um Rom.

Bissula inspirierte ihn zu dem nach ihr benannten Liederzyklus Liebesgedichte an die blauäugige, blonde Germanin und 370 oder 371 wurde er zum Comes und 375 Quaestor sacri palatii erhoben. Dies waren im spätrömischen Reich hohe Hofämter, die auch die Wertschätzung belegen, die Ausonius genoss obwohl er auch zuweilen äußerst opportunistisch agierte.

Valentinian I. starb 375, doch Ausonius’ Karriere setzte sich unter dem neuen Kaiser Gratian fort. Im Jahre 378 wurde er Prätorianerpräfekt von Gallien und bekleidete 379 das noch immer sehr prestigeträchtige Konsulat. Auch sein Sohn Hesperius stieg zu hohen Ämtern auf, was Ausonius der Gunst des Kaisers zu verdanken hatte.

Nach der Ermordung Gratians 383 wurde Ausonius zunächst von Magnus Maximus festgehalten, konnte aber spätestens nach dessen Tod 388 auf sein Landgut in die gallische Heimat zurückkehren und widmete sich dort eifrig seinen literarischen Werken. Kaiser Theodosius I. brachte seine Wertschätzung für Ausonius zum Ausdruck, indem er ihn schriftlich um Übersendung seiner Werke bat. In Burdigala, dem heutigen Bordeaux, verstarb Ausonius nach 393.

Die Liebesgedichte des Decimus Magnus Ausonius an seine Gattin Bissula, die Germanin mit den blauen Augen und dem blonden Haar, die ihm als Leibeigene des Kaisers geschenkt wurde, sind bis in die heutige Zeit überliefert und gehören zu den ersten schriftlichen Zeugnissen im Zusammenhang mit der Baar.

Ausonius machte Bissula durch Heirat zur freien, römischen Bürgerin, sie folgte ihm aus ihrer Heimat der Baar über Italien bis nach Westfrankreich und war ihm bis ans Lebensende eine treue Ehefrau und Stiefmutter für die drei Kinder aus seiner ersten Ehe.

Die in den folgenden Kapiteln erzählten Ereignisse trugen sich zunächst auf dem Gebiet der Baar zu und mehr als 1500 Jahre nach dem Fortgang der Bissula in die Provinz Latium bei Rom und später nach Gallien in die Gegend um Bordeaux sollte wieder eine junge Frau ihre Heimat Baar, das Land der Quellen, für immer verlassen.

Die „Orange“

1984 wohnte Maik noch bei seinen Eltern in Schura, einem Teilort der Musikstadt Trossingen und besuchte die Oberstufe des Gymnasiums in Trossingen. Es war Hochsommer auf der Baar, die Zeit der »Großen Ferien«. Die Feldfrüchte wuchsen prächtig, die Sonne schien Tag um Tag heiß vom blauen Himmel herab, das städtische Schwimmbad hatte geöffnet, die Mädchen trugen kurze, hübsche Kleider und die jungen Burschen buhlten um ihre Aufmerksamkeit.

Wie üblich dauerten die Ferien sechseinhalb Wochen lang und wer immer Gelegenheit dazu hatte nutzte die Zeit für Müßiggang und Erholung. Maik verbrachte seine Ferien nicht wie gewohnt mit einer Urlaubsreise oder täglichen Schwimmbadbesuchen sondern machte in diesem Jahr, um Geld für seinen Führerschein und ein eigenes Auto zu verdienen, fünf Wochen lang einen Ferienjob.

Ein Nachbar, der in einem der Häuser auf der gegenüber liegenden Straßenseite wohnte, arbeitete schon seit langer Zeit im nahen Liapor-Werk welches Blähton zur Herstellung von Baumaterialien produzierte. Er war es der Maik die Aushilfstätigkeit vermittelt und ihn bei Gelegenheit auch zur Arbeit mitgenommen hat.

Der Job war für einen Schüler wie Maik der körperliche Arbeit nicht gewohnt war besonders hart. In der Urlaubszeit wurde in 12 Stunden Schichten während sieben Tagen in der Woche gearbeitet. Der Lohn war sehr gut und gerade als Schüler konnte man mit allen Schicht-, Nacht-, Wochenend- und Feiertagszulagen ordentlich Geld verdienen. Da Maik erst 17 Jahre alt war, musste sein Vater Eckhard aus arbeitsrechtlichem Grund per Unterschrift zustimmen, dass er den Job überhaupt machen durfte.

Im Liapor-Werk wurde Schieferton abgebaut und in riesigen, quer liegend verbauten, rotierenden Hochöfen zu unterschiedlich großen Tonkügelchen verarbeitet und gebrannt. Der Hauptofen wurde bei einer maximalen Leistungsfähigkeit von 1600 Grad Celsius im Normalbetrieb mit einer Temperatur von ca. 1200 Grad Celsius betrieben. Die Hitze in der Nähe eines solchen Ofen ist so groß, dass die in direkter Nähe des großen Hauptofens arbeitenden Mitarbeiter, die Ofenführer, in jeder Schicht vom Unternehmen Mineralwasser soviel sie wollten gratis bekamen weil sie ohne Flüssigkeitszufuhr schnell gefährlich dehydriert wären.

An der vorderen Seite des Ofens gab es eine kleine Lücke von vielleicht 20 x 20 cm Größe. Durch diese Öffnung konnte der Ofenführer den Betrieb im Innern der riesigen Röhre beobachten und feststellen, ob er an der Drehgeschwindigkeit oder der Materialmischung etwas verändern musste. Zum Spaß wurde der eine oder andere Kaffeebecher oder auch die eine