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"Das alles ist schwer zu fassen - erst recht in Worte." Die kurzen Texte in diesem Buch zeigen die verschiedenen Facetten, die Hochs und Tiefs, die eine psychische Erkrankung mit sich bringen kann. Eindrückliche sprachliche Bilder nehmen die Leserinnen und Leser mit in Momentaufnahmen des "Krieges mit dem eigenen Kopf".
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 41
Veröffentlichungsjahr: 2018
Liebe Leserin, lieber Leser,
ich freue mich, dass Sie nun mein erstes Buch in den Händen halten.
Oftmals sind es kleine Nebensätze, die uns im Kopf bleiben und aus denen wir Kraft, Hoffnung oder Erkenntnisse ziehen können. Ich hoffe, dass Sie hier vielleicht auch ein paar Haupt- und Nebensätze finden, die für Sie bedeutsam sein können.
Die Texte in diesem Buch sind über einen Zeitraum entstanden, in dem der „Krieg mit meinem Kopf“ mich einiges an Kraft gekostet hat. Das Schreiben hat mir immer geholfen. Alle Texte habe ich in der Reihenfolge, in der sie hier vorliegen, auf meinem gleichnamigen Blog veröffentlicht.
Die Namensgebung „Drinnen ist Krieg“ erfolgte in Anlehnung an Songtexte zweier Musiker, die ich sehr schätze. Ich möchte mir damit jedoch nicht anmaßen, das Leiden und die Not derjenigen zu beurteilen, die von realen Kriegen betroffen sind. Ihnen gilt mein vollstes Mitgefühl!
Auch wenn mir dieses Buch sehr am Herzen liegt und ich mir wünsche, dass es gelesen wird, möchte ich Sie an dieser Stelle warnen: Sollten Sie jemand sein, der auf Schilderungen von Depression, Verzweiflung und auch suizidalen Gedanken sensibel reagiert, sollten Sie eventuell von der Lektüre Abstand nehmen.
Wenn Sie selbst von einer psychischen Erkrankung betroffen sind, habe ich nur einen Rat für Sie: Bleiben Sie damit nicht allein, suchen Sie sich Hilfe. Und geben Sie nicht auf, egal, wie oft Ihnen danach zumute ist.
Auch ich kämpfe weiter, für mich selbst, und oftmals ist es gar nicht mehr so schwer.
Es lohnt sich, für jeden einzelnen guten Moment!
Ihre Dana Friede
Für alle, die mich nicht aufgegeben haben, die an mich geglaubt und mich unterstützt haben, als ich es selbst gerade nicht konnte.
Ich bin Ihnen und euch unglaublich dankbar!
Ich habe Sie gesehen. Sie mich auch? Wissen Sie überhaupt noch, wer ich bin? Ich werde wütend. Wir gehen aufeinander zu. Ich blicke hoch. Sie auch. Ich sage „Hallo” und meine „Arschloch”. Ich bin mir nicht sicher, ob Sie mich erkannt haben. An der Kasse sind wir gleichzeitig fertig. Sie haben Sonnenblumen gekauft. Der pure Hohn. Sie kommen nicht noch einmal zu mir, fragen nicht, wie es mir geht, nicht mal ein verabschiedendes Lächeln haben Sie für mich übrig.
Fest steht, dass Sie in mir mehr Emotionen auslösen, als ich in Ihnen. Vermutlich hätte Ihr Ego es eh nicht ertragen, dass Sie mir nicht haben helfen können. Kein bisschen.
Danke für gar nichts.
„Ich kriege die Kurve nicht, in den Tag zu starten…“ schreibe ich meiner besten Freundin.
Ja, genau so fühlt sich das an. Ich versacke einfach an einer Stelle in meiner Wohnung, an der ich möglichst lange in einer halbwegs bequemen Position verharren kann, meistens mit irgendwelchen zweitklassigen Unterhaltungsmedien, die mich nicht einmal wirklich interessieren. Zunächst nehme ich mir noch einiges vor für den Tag. In den letzten Wochen bestehen diese Vorhaben nahezu ausschließlich aus Dingen, die ich grundsätzlich gerne tue, weil ich alles andere sowieso nicht bewältigen kann. Und trotzdem bleibe ich manchmal an einem Ort kleben und schaffe es nicht, irgendwas anzufangen. Ich räume mir die Chance ein, es noch zu schaffen, der Tag ist noch jung. Verteufelt seien die Tage, an denen mich kein Einfluss von außen dazu bringt, das Haus zu verlassen oder mit etwas zu beginnen. Es ist ein schmaler Grat zwischen Überforderung und dem Druck, den ich manchmal zu brauchen scheine. Schaffe ich es nicht, und das ist leider immer häufiger der Fall, kommt irgendwann die gnadenlose Verurteilung dafür, nicht mal eines meiner Vorhaben in die Tat umgesetzt zu haben. Ich fühle mich furchtbar, zu nichts gut, wertlos. Was kann ich schließlich schon leisten? Offenbar ja nicht einmal die Dinge, die eigentlich keine besonders große Leistung sind. Ich habe abermals einen Tag meines Lebens vertrödelt, ungenutzt gelassen. Würde ich diese, von außen betrachtet vermutlich faulen Tage, wenigstens genießen, wäre das alles halb so schlimm. Aber so ist es nicht. Je älter der gerade noch so junge Tag wird, desto schlechter geht es mir damit.
Ich sitze immer noch hier und mit mir meine Vorhaben, die mich auslachen und mir sagen, dass sie doch viel mächtiger sind als ich. Gleichzeitig empfinde ich sie als derartige Kleinigkeiten, dass ich mir auch keinen Stolz zugestehe, wenn ich doch stärker war als sie. Viele meiner Gedanken beginnen mit „Die anderen…“. Und die anderen schaffen das alles noch neben einem Vollzeitjob.
So vergehen manche Tage, während ich in meiner kleinen Wohnung sitze, von außen betrachtet nahezu nichts tue, während in mir alles arbeitet und den nächsten Kriegs-Feldzug vorbereitet.
Es ist ein trauriges Spiel.
Ich trete. Und trete. Und schwitze, es tropft. Ich senke den Kopf, schließe die Augen. Alles glüht, ich brenne.
Ich freute mich, dich zu sehen. Du hast mich nicht mehr beachtet als sonst auch, auch nicht weniger. Es greift mich nur mehr an als sonst.
